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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"



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THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 



THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 



BUILDING USE ONLY 




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DATE 
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DATE 
DUE 



RET. 



Form No. 513 



Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/philologischeran17gtti 



PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER, 



ALS ERGÄNZUNG 
DES 

— fc Jim. **J 

PHILOLOGUS 1 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

ERNST von LEUTSCH. 

SIEBZEHNTER BAND. 



1887. 



GÖTTINGEN 

VERLAG DER DIETERICHSCHEN BÜCHHANDLUNG. 

1887. 






Xr. 1. 1887. 



Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Pkilologus 



Ernst von Leutsch. 



1. E. Hübner, römische epigraphik , in dem handbuch 
der klassischen alterthumswissenschaft herausgegeben von I. 
Müller. Nördlingen, Beck 1886. P. 475—548. gr. 8. 

Eine römische epigraphik von dem herausgeber der römi- 
schen iDSchriften Spaniens , Britanniens , der exempla scripturae 
epigraphicae latinae wird jeder leser mit hochgespannten erwar- 
tungen zur hand nehmen. Wenn dieselben nicht völlig befrie- 
digt werden, so hat man die schuld davon wohl besonders ei- 
nem äußeren umstände zuzuschreiben, der den verf. von anfang 
an in der freiheit der production beengte. Ich vermuthe , daß 
demselben für diesen abriß eine bestimmte, sehr geringe Seiten- 
zahl vorgeschrieben war. So mußte er denn von vorn herein 
darauf verzichten, die fülle seines wissens über die einschlägigen 
materien in auch nur annähernder Vollständigkeit darzulegen 
und sich auf eine kurze skizze beschränken , die sich von der 
in der Encyclopaedia Britannica XIII, 124 ff. bereits von ihm 
gegebenen nicht wesentlich unterscheidet. Daß die schrift auch 
s o nützlich ist und vielerlei gutes enthält , versteht sich von 
selbst. Ueberdies ist sie ja die einzige der art, die existiert; 
denn Zells handbuch kann nicht in betracht kommen. Wenn 
sie aber andererseits in bezug auf auswahl und anordnung des 
Stoffs, auf anschaulichkeit der darstellung und genauigkeit des 
details dies und jenes zu wünschen übrig läßt , so muß man 
eben bedenken , wie schwer es ist , ohne die volle freiheit doch 
mit voller hingebung zu schaffen. Ich werde bemerkungen der 
art, wie ich sie mir im laufe der lectüre machte, im folgenden 
etwas ausführlicher mittheilen. Vielleicht, daß wenigstens einige 
Piniol. km. XVII. 1 



2 1. Epigraphik. Nr. 1. 

darunter dem verf. bei einer neuen aufläge der schrift der be- 
rücksichtigung werth erscheinen und also von nutzen sind. 

Ueber seine ansieht von begriff und aufgäbe der epigra- 
phik hat Hübner sich nicht ausgesprochen, aber aus dem, was 
er p. 478 von Cagnats cours elimentaire cCepigraphie latine sagt, 
dürfen wir schließen , daß er „das antiquarisch-historische" von 
dieser diseiplin ausgeschlossen wissen will. Freilich verstößt 
er, wie wir sehen werden, selber gegen dieses prineip. Der 
ganze abriß zerfällt in einen einleitenden , einen allgemeinen 
und einen besonderen theil. In dem ersteren (477 — 492) wird 
zunächst ,,in allgemeinen Vorbemerkungen über die zwei haupt- 
gattungen lateinischer inschriften , ihre beachtung im alterthum, 
ihre erhaltung, über das copieren und die fälsch ungen von in- 
schriften, endlich über das material derselben kurz gehandelt 
(477 — 481), sodann in einem zweiten capitel über die Samm- 
lungen lateinischer inschriften. Dies ist eine für unsere disei- 
plin sehr wichtige materie. Denn nur eine kritische geschichte 
der inschriftensammlungen und ihrer herausgeber und sonstigen 
gewährsmänner setzt uns in den stand die massenhaften fälschun- 
gen systematisch von dem ächten zu sondern. Leider scheint 
Hübner diesen gesichtspunkt außer äugen gelassen und hier 
nur bibliographische zwecke verfolgt zu haben, denn sonst hätte 
er diesen abschnitt mit etwas mehr ausführlichkeit behandeln, 
hätte besonders die falscher möglichst vollständig namhaft ma- 
chen, die canäle, durch die ihre produete Verbreitung, die Samm- 
lungen , in die sie eingang gefunden, bezeichnen müssen. So 
wie sie vor uns liegt, bietet diese skizze der römischen epigra- 
phik dem anfänger nicht nur nicht das rüstzeug, um selbstän- 
dig inschriftenkritik üben zu können, sondern sie klärt ihn auch 
nicht darüber auf, wie er das anzufangen und was er dazu nö- 
thig hat. 

Das erste capitel des allgemeinen theiles (492 — 496) ist 
der schrift der lateinischen inschriften gewidmet. Hiibner han- 
delt hier § 13 von der geschichte und den formen der schrift- 
zeichen der lateinischen inschriften, § 15 von den Zahlzeichen, 
§16 von den ligaturen und der richtung der schrift, § 17 be- 
sonders von interpunetion und worttrennung. Wie gehört nun 
aber in diesen Zusammenhang § 14, der einige notizen über 
Veränderungen der lateinischen Orthographie und aus der ge- 



Nr. 1. 1. Epigraphik. 3 

schichte der lateinischen lautwandlungen enthält? Davon kann 
doch hier unmöglich die rede sein, wo wir's nicht mit der Schrei- 
bung der gesprochenen rede, geschweige mit dieser selbst , son- 
dern nur mit der gestalt der schriftzeichen und äußerlichkei- 
ten der form der schritt zu thun haben. Nun folgt ein anderes 
capitel über die spräche der lateinischen inschriften (496 — 
527). Wovon handelt es? Von den in den inschriften (theil- 
weise auch sonst) gebräuchlichen abkürzungen Aber die gehen doch 
die spräche nichts an ; für die spräche ist es doch völlig gleich- 
giltig, ob die worte in der schritt abgekürzt oder ausgeschrie- 
ben werden. Gelesen werden sie doch das eine mal so wie das 
andere. Dieser gegenständ war also im vorigen capitel . etwa 
im anschluß an die ligaturen zu behandeln. Beide, ligaturen 
wie compendien, sind ja aus demselben triebe entsprungen. 

Von der erörterung der compendien der eigennamen nimmt 
aber nun Hübner veranlassung diesem abschnitt eine ausführ- 
liche , mehr als ein drittel der ganzen schritt füllende darstel- 
lung des Systems der römischen onomatologie einzufügen. Eine 
Unterweisung hierüber sei dem epigraphiker unentbehrlich, sagt 
er zur rechtfertigung dieses Verfahrens. Aber ist denn etwa 
die kenntniß der römischen magistraturen, der municipalverfas- 
sung, der heereseinrichtungen , der religionsalterthümer u. s. w. 
dem epigraphiker entbehrlich ? Wird es wohl von verhäng- 
nißvolleren folgen sein, wenn er über die regeln der römischen 
namengebung nicht genügend unterrichtet ist, als wenn er z. b. 
über die senatorische und ritterliche carriere oder über die mi- 
litärbeamten u. dergl. nicht recht bescheid weiß? Gesetzt, es 
sei schlechthin richtig, daß „die namen auf inschriften die häu- 
figste Verwendung und vollständigste formulierung gefunden ha- 
ben", so ändert dies die Sachlage nicht. Wie viele römische 
einrichtungen kennen wir lediglich oder hauptsächlich aus die- 
ser quelle ! Und Hübner begnügt sich nicht etwa mit der Vor- 
führung des gewöhnlichen, wesentlichen, sondern er verzeichnet 
auch die exquisitesten , kaum ein oder das andere mal vorkom- 
menden Seltenheiten. — Doch genug; von zweien eins: entweder 
verzichte man darauf, der epigraphik die haltung einer wissen- 
schaftlichen disciplin zu verleihen, verfasse paradeigmatische in- 
schriftencommentare oder behandle ausgewählte capitel der an- 
tiquitäten mit specieller berücksichtigung der inschriften, oder 

1* 



4 1. Epigraphik. Nr. 1. 

aber man vollziehe die Scheidung von epigraphischem und an- 
tiquarisch-historischem , die in der theorie ja Hühner selbst für 
nothwendig hält, auch in der praxis. 

In dem besondern theil (527 — 548) handelt Hübner, von 
den grabschriften beginnend, die verschiedenen kategorien der 
inschriften nach inhalt und form im einzelnen ab. Auf eine er- 
schöpfende und wirklich anschauliche behandlung, so weit eine 
solche auch in knapper form möglich ist, hat es der verf. nicht 
abgesehen. Es wäre sehr zum vortheil seiner schrift gewesen, 
wenn er den abschnitt über die namen in der hauptsache ge- 
strichen und die liebevolle Sorgfalt, die er diesem gewidmet, je- 
nem theil zugewandt hätte. 

Ich gehe nun auf's einzelne ein. — 479 : Ajaccio hat 
Hübner hier wohl mit Bastia verwechselt (vgl. X 8034. 8035. 
8329). Von schweizerischen museen wären neben Zürich, Bern 
Avenches wohl auch Basel, Aarau — Lausanne zu nennen. In 
Africa konnte Bougie wegbleiben , dagegen war für Tunis zum 
mindesten das großartige inschriftenmuseum von St. Louis, für 
Algier noch die von Tebessa , Lambaesis , Sük Aghäs , Gelma, 
Setif, Aumale, Scherschel zu nennen. — 471: die ansprachen 
Hadrians VIII, 2532 sind an die legio III. Aug. und die ihr 
beigeordneten auxiliarcontingente , keineswegs bloß „an die 
reiter von Lambaesis" gerichtet. — 493: die claudianischen 
buchstaben wurden räumlich und zeitlich in etwas weiterem um- 
fang angewandt als Hübner angiebt. — 494 : i longa gehört 
schon der sullanischen zeit an, nicht erst der augusteischen. Daß 
ai sich etwa bis auf Caesars zeit erhalten habe , ist eine nicht 
hinreichend genaue und deshalb irreführende bestimmung. Auch 
was über e statt ae gesagt wird, bedarf der berichtigung. Ich 
erinnere an das durcheinandergehen beider laute auf den pom- 
pejanischen wandinschriften. Daß au für o im ganzen der re- 
publicanischen zeit angehöre , ist nicht richtig. Letzteres war 
damals , als die Urbanität noch nicht ausgebildet war , in aus- 
gedehnterem gebrauch als später. Auch die angaben über ii 
sind ungenau, vgl. zuletzt Weißbrodt Philolog. XLIII, p. 450 ff. 
— 496: die linksläufige Duenosinschrift mußte hier erwähnt 
werden, da wohl die meisten sie für lateinisch halten. — Die 
punkte fehlen doch keineswegs bloß auf den grabschriften „in 
vulgärschrift" häufig. — Ich erwähne hier, daß mir bei der 



Nr. 1. 1. Epigraphik. 5 

collation einiger inschriften, wie z. b. VIII, 2728 der gedanke 
aufgestiegen ist, ob hier nicht ansätze zu einer sinnesinterpunc- 
tion zu constatieren seien. — § 18: die compendien verdanken 
zum theil ihre entstehung doch nicht erst dem inschriftlichen 
gebrauch. — 496: ,,eine anzahl willkürlicher abkürzungen" 
ist zu wenig gesagt. Man konnte schließlich doch fast jedes 
wort gelegentlich abkürzen. — § 20 : daß die römischen kna- 
ben in der älteren zeit bis zur anlegung der toga virilis über- 
haupt keinen (vor-)namen gehabt , ist an sich unwahrscheinlich, 
widerspricht bestimmtem zeugniß und ist auch von Cagnat cours 
üem. 10 ff. nicht bewiesen. Die angäbe des Scaevola besagt 
nur, daß mit der anlegung der toga virilis der name erst staat- 
liche giltigkeit erhielt. Pupus in den bekannten beispielen ist 
ein ursprünglich appellativischer kosename , der, wie auch bei 
uns dergleichen der fall , zuweilen in praxi den wirklichen na- 
men der kinder so gut wie verdrängte und deshalb auch auf 
inschriften hie und da erscheint. — 499: es genügt nicht 
abkürzungen wie Aul. Dec. u. a. , ausgeschriebene vornamen, 
Stellung der angäbe des gewalthabers hinter dem cognomen (s. 
522) als ausnahmen zu bezeichnen. Vielmehr gehört derglei- 
chen fast durchweg der zeit des Verfalls strenger, alter Ordnung 
an. — 511: daß verkürzte gentilnamen älterer zeit wie Caecilis 
Clodis griechischen einfluß verriethen , ist sehr zu bezweifeln (s. 
Corssen Ausspr. I 2 , 290). — 520 : daß die nomenclatur der 
freigelassenen ursprünglich dieselbe gewesen sei wie die der 
sclaven, trifft in keinem der angeführten beispiele zu. — 522 : 
für die praenomina der liberti in älterer zeit war Pauli Altita- 
lische Studien I (1883) 71 f. zu benutzen. — 526: warum 
Hübner betreffs der compendia syllabarum von den christlichen 
inschriften „absieht", leuchtet nicht ein. — 528 : „die früh auf- 
tretenden, kurzen lobsprüche der verstorbenen sowie die — kur- 
zen dialoge zwischen denselben und dem wanderer haben poe- 
tische färbung". Doch keineswegs immer und nicht von anfang 
an. — Warum wird die von ältester zeit an übliche angäbe 
der curulischen ämter nur so nebenbei erwähnt? — 530 oben 
steht über den Übergang der grab- in die ebreninschrift ein of- 
fenbar verunglückter satz. Auch passen die angeführten bei- 
spiele (Piso , Bibulus und besonders Caecilia Metella) , sehr we- 
nig (s. „immer genauere angaben" !). Ferner haben die große 



6 2. Epigraphik. Nr. 1. 

und der daraus resultirende öffentliche Charakter der grabmäler 
auf den umfang der grabschriften keinen einfluß, vgl. vielmehr 
Nissen Rhein, mus. XU, p. 484 ff, — 531: über die bekannte 
Duenosinschrift steht hier allerlei unzutreffendes. — 533 : die 
behauptung, daß sich die ehreninschriften von der art der des 
Duilius aus der ,,grabschrift" entwickelt haben, wird sich kaum 
beweisen lassen. — 535: die ausnahmen der Stellung von con- 
sulat und priesterämtern im cursus honorum mußten näher be- 
zeichnet werden. — Die militärische lauf bahn steht doch nicht 
neben der senatorischen und ritterlichen. Die ämter in colle- 
gien sollten füglich hier auch erwähnt werden. Der ganze locus 
aber steht hier nicht an schicklicher stelle. — 536 : der Cha- 
rakter der tituli operum publicorum wird hier nicht richtig be- 
stimmt. Sie nehmen eine mittelstellung ein zwischen Urkunden 
und ehreninschriften. — Eine aufschrift ist die ehreninschrift 
so gut wie die grabschrift, und den, dem sie gilt, zu ehren be- 
zweckt diese so gut wie jene. — 537: Ich sehe keinen grund die 
inschriften der Wasserleitungen von denen der übrigen opera pu- 
blica zu trennen. Dagegen die grenzsteine sind allerdings an- 
derer art, denn da giebt die aufschrift an , was der gegenständ 
bedeutet. Die inschriften der meilensteine stehen zwischen de- 
nen der opera publica und der grenzsteine in der mitte. — 538: 
die bleiröhren der Wasserleitungen werden besser zum instru- 
mentum gestellt. — 539 : von den inschriften in Steinbrüchen 
u.s.w. verdienten wahrlich auch die in Schemtu erwähnung. — 
Ueber die gladiatorentesseren vgl. jetzt Mommsen Herrn. XXI, 
266 ff. und Elter Ehein. mus. XVI, 517 ff. — 541: die ocu- 
listenstempel sind nicht von erz. — 545 : der legat des bilin- 
guen decrets III, 567 heißt C. Avidius Nigrinus, nicht Quietus. 

Johannes Schmidt. 

2. Otto Miller, De decretis atticis quaestiones epigra- 
phicae. Dissertatio. Vratislaviae 1885. 

Die von W. Hartel über die entstehung , redaktion und 
aufzeichnung der athenischen raths- und Volksbeschlüsse aufge- 
stellten hypothesen haben mit recht Widerspruch gefunden. Auch 
der Verfasser vorliegender dissertation vermag bei aller aner- 
kennung der Verdienste Harteis um diese materie nicht mit sei- 
nen resultaten übereinzustimmen und begründet seine eigne an- 



Nr. 1. 2. Epigrapkik. 7 

sieht auf grund einer sorgfältigen priifung der in frage kom- 
menden Urkunden. 

Hartel ist der meinung , daß die sogenannten probuleuma- 
tischen dekrete nicht nur die probuleumatische formel enthalten, 
sondern auch das volle praescript idft^s tij ßuvl\\ xat 7« d^fA(p 
führen müßten. Durch diese enge begrenzung wird aber die 
anzahl dieser dekrete in regelmäßiger form sehr beschränkt, und 
Hartel sieht sich genöthigt mancherlei ausnahmen und versehen 
der schreiber oder Steinmetzen anzunehmen. Miller erweitert 
den kreis, indem er annimmt, daß die Schreiber, welche ihre ab- 
schrift aus den Protokollen machten , entweder die probuleuma- 
tische formel mit dem vollständigen praescript oder das voll- 
ständige praescript ohne die formel oder die formel mit dem 
gekürzten praescript SSo^s tw S^o) aufgenommen haben; die 
kürzung sei möglich gewesen , weil ebenso die formel wie das 
vollständige praescript jedes für sich allein genügt habe zu er- 
weisen, daß der beschluß auf grund eines Probuleuma zu stände 
gekommen sei. Miller bestimmt aber auch die anwendung dieser 
drei verschiedenen formen chronologisch. Die erste vollständig- 
ste form sei von Eukleides bis ins 1. Jahrhundert jederzeit ange- 
wendet worden, die zweite — vollständiges praescript ohne formel 
— vor und nach Eukleides bis Ol. 115,1 nachweisbar, die dritte — 
probuleumatische formel mit verkürztem praescript — von Ol. 
124, 2 nachzuweisen. Hartel hatte von den meisten der in der 
zweiten form vorkommenden Urkunden angenommen, daß sie 
Volksdekrete seien, zumal da sich gewöhnlich in ihnen nach dem 
namen des antragstellers die formel Öe86%&ui tw Stjf/cp findet; 
allerdings wären bei dieser art zweifei möglich , wenn man sich 
zu der annähme verstehen wollte , daß der schreiber das prae- 
script s8o%e tTj ßovlij yia'i ?w 8>jf*(p aus versehen bez. aus ge- 
wohnheit geschrieben habe. Der Verfasser dagegen hält für 
reine volksdekrete, die dadurch entstanden, daß der rath in seinem 
Probuleuma die entscheidiing dem volke überließ , nur solche, 
welche das Praescript £<5o£i zw dtj^q) ohne probuleumatische for- 
mel führen. Das rathsdekret, durch welches die Sache vor das 
volk gebracht wurde , wurde in der abschrift gewöhnlich als 
überflüssig und inhaltlos weggelassen; eine einzige ausnähme ist 
uns in der inschrift II, 168 erhalten, über welche schon Gilbert 
u. a. richtig geurtheilt haben; hier geht nämlich dem volksde- 



8 3. Homeros. Nr. 1. 

kret das Probuleuma des rathes mit dem praescript ?ön*e tjj 
ßovly voraus , in welchem die ermächtigung ertheilt wird. 

Im 2. kapitel handelt der Verfasser von den Zusätzen oder 
abänderungen, welche in der Volksversammlung zu den von dem 
rath begutachteten antragen dekretirt werden konnten. Von be- 
sonderem interesse ist in diesem abschnitt eine von Aug. Reiffer- 
scheid gegebene erklärung der inschrift II, Ib. In dieser ist ein 
doppelter antrag desselben bürgers enthalten: der erste, welcher 
die bestätigung des rathes erhalten hat, besteht aus 5 §§, wenn 
die einzelnen punkte des antrags so bezeichnet werden dürfen. 
Nach Reifferscheid ist nun anzunehmen , daß der antragsteller 
in der Volksversammlung § 3 und § 4 zurückgezogen hat ; der 
vom volke angenommene rest des antrags ist in der inschrift so 
ausgedrückt, daß § 2 und § 5 ohne §§3.4 wiederholt werden, 
während der intakt gebliebene § 1 durch die worte : ia i»?t 
aXla xa&ffns.Q ti] ßovlfj bezeichnet wird. Diese erklärung dürfte 
beifall finden. Das dritte kapitel wendet sich gegen Harteis 
hypothese von der sogenannten doppelten lesung. Verfasser 
steht auf der seite derjenigen, welche den grundsatz f.uj8sv mv 
angoßovltvtov sig tov dij/wr so streng festhalten , daß sie einen 
direkten antrag in der Volksversammlung nur über eine angele- 
genheit zulassen, die durch Probuleuma an das volk gelangt ist. 
Er bekämpft daher auch Gilbert , der in den staatsalterthümern 
I, 278 die möglichkeit eines direkten antrags in der Ekklesia 
unter der bedingung einräumt, daß das volk den rath beauf- 
tragte , über den antrag sein gutachten abzugeben , ein verfah- 
ren, das nach Hartel das regelmäßige gewesen ist. Referent 
glaubt Gilbert diese möglichkeit zugeben zu können, muß sich 
aber entschieden gegen die weitere annähme desselben erklären, 
daß der rath, wenn er mit dem antrage nicht einverstanden ge- 
wesen sei, ihn doch der Volksversammlung zur berathung zurück- 
gegeben habe-, denn dann wäre allerdings der grundsatz [jqSev iäv 
anQoßnvXsvrof sig rov 8ijuoi' zur leeren form geworden. 

Konrad Seeliger. 

3. F. Albracht, Kampf und kampfschilderung bei Ho- 
mer. Ein beitrag zu den kriegsalterthümern. Beilage zum Jah- 
resbericht der königlichen landesschule Pforta 1886. Naum- 
burg a./S. 52 p. 4. 



Nr. 1. 3. Homeros. 9 

Unter den gesichtspunkten : kriegsrath, aufstellung des hee- 
res, Verwendung der wagen, vorrücken zur schlacht , stehendes 
gefecht, der geschlossene angriff und die abwehr desselben, rück- 
zug, flucht und Verfolgung betrachtet der Verfasser die nachrich- 
ten der Ilias über die einzelkämpfe ihrer helden und über den 
Zusammenstoß der kriegsvölker. Die Untersuchung beherrscht 
das material vollständig und sucht in geschickter weise aus den 
detailschilderungen die allgemeinen grundlagen des kriegswesens 
der homerischen zeit zu ermitteln. 

Dennoch glaube ich wird man die ergebnisse derselben 
nicht als die taktik des homerischen Zeitalters betrachten dürfen, 
da dieselben von einer falschen grundlage aus gewonnen sind. 
Gewiß wird niemand die anschaulichkeit der homerischen kampf- 
schilderungen in frage ziehen wollen , und dennoch kann man 
sagen, daß es irrig ist, dem beispiele der alten folgend, von ei- 
ner taktik des homerischen Zeitalters zu sprechen. Denn so 
anschaulich auch die beschreibung des dichters sein mag, so 
kommt ihr doch keine andere als die poetische Wahrheit zu, die 
aber keineswegs den realen Verhältnissen , am wenigsten in ein- 
zelneren, zu entsprechen braucht. Bei der beschreibung von 
waffen und rüstungsstücken ist die dichterische Schilderung ge- 
wiß noch mehr von wirklich gesehenem beeinflußt und abhängig 
und dennoch weist das epos auch hierin reine erzeugnisse der 
phantasie des dichters auf. Um wieviel mehr ist dies der fall, 
wenn er von den reisigen schaaren spricht, die zur schlacht 
aufgestellt werden und in dieselbe vorrücken , von den wagen, 
die über das Schlachtfeld dahin jagen. All' das bildet doch 
nur den in unbestimmten zügen gehaltenen hintergrund, von dem 
sich die einzelkämpfe um so deutlicher abheben. Je gewaltiger 
die vom dichter aufgebotenen massen sind, um so wirkungsvoller 
jst auch der eindruck, den ihr aneinanderprallen erweckt. Den 
realen Verhältnissen braucht dabei nichts anderes zu entsprechen 
als die allgemeinsten grundlagen. Wir mögen also immerhin 
sagen, daß eine festgeschlossene aufstellung, in der die krieger 
nur' s&iia standen , auch der zeit der homerischen lieder schon 
bekannt war-, daß neben den Völkern zu fuß der wagenkampf 
eine rolle gespielt hat. Wer jedoch was über solche allgemeine 
Schlußfolgerungen hinausgeht, läuft gefahr eine poetische Aktion 
als Wirklichkeit zu betrachten, gleich jenen, die in der Ilias das 



10 4. Homeros. Nr. 1. 

werk eines dichters und einer zeit erblicken. Wer wollte aus 
Torquato Tasso , wer aus den kampfschilderungen des Nibelun- 
genliedes Schlüsse auf das kriegswesen ziehen , und doch wird 
auch diesen Schilderungen niemand die poetische Wahrheit , die 
den dichter als augenzeugen erscheinen läßt , bestreiten. Wer 
wollte über römisches kriegswesen belehrung suchen bei den 
deutschen oder italienischen malern , welche historische bilder 
dargestellt haben und doch wirkt die künstlerische Wahrheit der- 
selben nicht minder, weil die römischen Soldaten das kostiim der 
zeit und der Umgebung tragen, in der sie entstanden sind. 

Für die Verwendung der wagen in homerischer zeit ist 
msines erachtens aus den ägyptischen Wandbildern mehr zu ler- 
nen als aus Homers beschreibung. Wer diese Untersuchung 
nicht als einen beitrag zu den kriegsalterthümern betrachtet, 
wie das der Verfasser gethan hat, sondern die verschiedenen ar- 
ten der kampfschilderungen des homerischen epos kennen lernen 
will, dem wird die vorliegende Zusammenstellung gute dienste 
leisten können. Adolf Bauer. 

4. Zur characteristik homerischer composition von dr. 
Clemens Hüttig. Programm des kgl. pädagogiums bei Zül 
lichau 1886. 

Was verf. in I „über parallelhandlungen bei Homer" sagt, 
ist richtig, aber selbstverständlich. Jeder verständige erzähler ver- 
meidet es handlungen bis in ihre einzelheiten zu verfolgen , die 
langweilig und ohne interesse sind ; er lässt sie vielmehr gleich- 
sam wie ein von ihm aufgezogenes uhrwerk bis zu einem punkte 
ablaufen, in welchem sie wieder interessant werden, während er 
die gelegenheit benutzt in der Zwischenzeit eine andere , in den 
rahmen der dichtung gehörende handlung seinen lesern vorzu- 
führen. So bin ich denn auch bei Homer nie „förmlich besorgt" 
gewesen , „der dichter möchte uns in epischer breite die hun- 
dert und einige versuche (der freier den bogen zu spannen) 
hinter einander einzeln erzählen". Wenn verf. ferner meint, 
daß bei solchen parallelhandlungen im Homer „die hörer oder 
leser zeitlich keinen rückschritt thun , sondern ohne Unterbre- 
chung vorwärts schreiten", so ist, wie verf. in bezug auf den 
Nostos und die Telemachie, die zurückführung der Chryseis u. 
s. w. selbst zugeben muß, dies nicht immer der fall. Sodann 



Nr. 1. 4. Homeros. 11 

bemerkter, daß mit ausnähme von M 108 und 194 übergangsfor- 
men, mit denen eigentliche parallelhandlungen eingeführt wer- 
den müssen, bei Homer fehlen, während Herodot, „der jünger 
Homers in der kunst zu erzählen" , eine fülle derselben aufzu- 
weisen hat. Sollte aber nicht auch der häufig stehende vers ,,ä>g 
oi (jih TOiavra ngog aXXtjXovg dyögsvov 1 ' eine Übergangsform sein ? 
In II „die erkennungsscenen im zweiten theile der Odyssee" 
leitet verf. aus v. 430-- 33 „völlige Unkenntlichkeit des Odys- 
seus" ab und glaubt daraus schliessen zu dürfen , daß diese 
verse mit den späteren erkennungsscenen im widersprach stehen, 
da in den letzteren nur dann alles seinen richtigen sinn hat, 
wenn man diese Verwandlung wegdenkt. Ich meine allerdings, 
daß in den versen 430 ff. wie so oft der ursprüngliche maßvolle 
ausdruck des dichters durch einen unverständigen interpolator 
übertrumpft worden ist, und daß ursprünglich nur v. 430 dage- 
standen hat. Aber wenn man auch 430 — 33 gelten läßt, so 
kann ich dennoch keinen anderen sinn in ihnen finden, als daß 
Odysseus in folge der Verwandlung der Athene greisenhaft er- 
schien, gewissermaßen in eine spätere erscheinungsform seiner 
selbst übersetzt wurde; von einer völligen Umwandlung ist keine 
rede. Beweis dafür ist das gewiß unverderbte (n. 456) „nuliv 
aoi'rjas yi (>o»'7ft". Auch unterschätze man nicht die rolle , wel- 
che die bettlergewandung bei der Verwandlung spielt! Es ist 
ein altes wahres wort : „kleider machen leute". Als z. b. Odys- 
seus gebadet, gesalbt und mit neuen kleidern versehen vor Nau- 
sikaa tritt, sieht er so anmuthig und stattlich aus, daß die Jung- 
frau ihn, der kurz vorher noch ati-/.iliog aussah, jetzt mit einem 
gotte vergleicht (£ 242 f.). Daß der dichter in seiner frommen 
naivität diesen eindruck auf eine besondere einwirkung der 
Athene zurückführt (£ 229 ff.), ändert daran nichts. Als ferner 
Athene dem Telemach den vater in seiner wahren gestalt er- 
scheinen läßt, begnügt sie sich nicht ihn jünger zu machen 
{n. 174), sondern sie unterläßt auch nicht ihm ein tfügog el- 
nlvveq und einen inwv umzulegen (n. 173), und ausdrücklich 
werden bei der rückverwandlung wieder die Ivyga Hfiura (n. 457) 
erwähnt. Man sieht, welches gewicht der dichter auf diese ge- 
wänder legt. Ich meine daher, daß wie etwa ein Schau- 
spieler mit hülfe von garderobe und einiger toilettenkünste sich 
für seine rolle zustutzt, so auch Odysseus von Athene soweit 



12 4. Homeros. Nr. 1. 

verändert gedacht werden muß, daß er von den seinigen nicht 
erkannt werden konnte. Eine große körperliche Veränderung 
brauchen wir daher nicht anzunehmen , zumal Odysseus nach 
der langen abwesenheit und infolge der erlittenen mühsale an 
und für sich vielleicht schwer wiedererkannt worden wäre , und 
seine kleidung nicht wenig dazu beitrug , daß niemand hinter 
dem bettler den verschollenen könig suchte. Der geist vollends 
war natürlich von der Verwandlung überhaupt nicht betroffen 
worden; das gemüth daher, die art zu denken und zu reden, 
kurz sein ganzes wesen mußte vielfach an Odysseus erinnern, 
so daß es , wie verf. richtig ausführt , für Eurykleia nur noch 
der bestätigung ihrer dunklen ahnung durch die narbe bedurfte. 
Auch darin stimme ich mit dem verf. überein, daß das wieder- 
erkennen durch die schaffnerin kein zufälliges, sondern ein von 
Odysseus absichtlich herbeigeführtes und für die ausführung sei- 
nes planes nothwendiges war. — Wenn verf. die darstellung in 
xp 91 — 95 in anbetracht der Verwandlung des Odysseus für un- 
vernünftig hält, so ist dagegen zu bemerken, daß in diesem 
Zeitpunkt der handlung Odysseus offenbar seine wahre gestalt bereits 
wiedererhalten hat. Mit den lumpen zu beginn des kampfes 
(j. 1) ist natürlich auch das greisenhafte aussehen gefallen, und 
Odysseus ist wieder er selbst; er braucht die maske fortan nicht 
mehr. Oder meint vielleicht jemand , ein runzeliger greis hätte 
dort auf der schwelle gestanden und tod und verderben unter 
die freier gesandt? Hat je ein künstler die scene so aufgefaßt? 
Allerdings kommt nicht Athene mit ihrem Stabe, um ihren Heb- 
ung zu verwandeln, wie in den ruhigen scenen * 429, n. 172 
und 456; dazu läßt die so plötzlich hereinbrechende katastrophe 
keine zeit. Die hörer warten auch nicht, bis Athene diese Wan- 
delung etwa vollziehe , sondern so wie wir in unserer phantasie 
den gekränkten dnlder zornig auf der schwelle stehen sehen, 
den bogen in der hand, da fällt sofort die Verwandlung und der 
königliche held in der vollen reife des mannesalters steht vor 
uns. Es ist ein feiner zug des dichters, daß er die ausführung 
der rückverwandlung nicht erst erzählt , sondern sie vom hörer 
als geschehen fordert. Bei dieser auffassung ist die stelle sehr 
wohl erklärlich und ebenso auch xp 115 ff. Nach dem kämpfe 
nämlich hatte Odysseus seine bettlergewandung wieder angelegt, 
aber ihm sein greisenhaftes aussehen nochmals zu verleihen, lag 



Nr. 1. 5. Stesichoros. 13 

für Athene kein grund vor. Daher hält Odys?eus für das einzige 
hinderniß, weßhalb ihn Penelope nicht wiedererkenne, seine ärm- 
liche kleidung — wiederum ein beweis , welches gewicht auf 
dieselbe gelegt wird. — Bei meiner auffassung sind also die 
erkennungsscenen sehr wohl trotz der Verwandlung in v zu be- 
greifen, und wir brauchen nicht für v einen anderen dichter als 
für xi) anzunehmen. Wenn verf. auch die scene mit dem hunde 
Argos für seine ansieht ins feld führt, so ist dies keineswegs be- 
weisend ; denn er vergißt, daß der hund in seiner spürkraft dem 
menschen so weit überlegen ist. Ein guter hund wittert seinen 
herrn auch in der entstellendsten vermummung. Sc. 

5. Seeliger, die Überlieferung der griechischen helden- 
sage bei Stesichorus. I. (Jahresbericht der fürsten- und landes- 
schule St. Afra in Meißen vom juli 1885 bis juli 1886. Mei- 
ßen 1886. p. 1—41. 4.). 

Seeliger behandelt einen vielverzweigten stoff von einem 
beschränkten, aber lehrreichen Standpunkte. Beschränkt , weil 
wir von Stesichorus nur kümmerliche reste haben ; aber lehrreich 
zugleich , denn Stesichorus ist ja ein wichtiges mittelglied zwi- 
schen epos und tragödie, sowie ein bedeutender repräsentant der 
dorisch-peloponnesischen sagentradition im gegensatz zur atti- 
schen , deren quellen reichlicher fließen. Um so schwieriger ist 
es, einigermaßen kurz den inhalt des dankenswerthen programms 
zu skizziren und die eigenen abweichenden anschauuugen dar- 
zulegen. Ich führe die wichtigsten thesen vor. 

A. Allgemeines: 1. Stesichorus verfuhr nicht subjektiv, 
nicht rationalisirend (trotz fr. 68; gegen Robert und Busolt). 
— Darüber wird sich erst reden lassen, wenn das material ge- 
sichtet ist. 

2. Auf das „ngoöra^- eqr t " der scholiasten (fr. 62 und 57) 
ist nicht viel zu geben. — Ich theile diese skepsis. 

3. Stesichorus war — geistigerweise — ein ,, nachkomme" 
des Hesiodus. Wir besitzen als beweis außer dem zeugniß der 
antiken literarhistoriker das nicht völlig mit dem Hesiod-frag- 
ment übereinstimmende fr. 26 und die kurze notiz im scholion 
zu Lykophron 822 über das eidatXov rtfn 'Elsvijg. Außerdem 
siehe unten 9 d) und E. v. Leutsch in Ersch und Gruber s. v. 
Geryoneis. 



14 5. Stesichoros. Nr. 1. 

4. Man darf nicht (mit Max Meyer, de Euripidis mytho- 
poeia) überall bei Stesicborus sagenmotive von der größten al- 
terthümlichkeit finden wollen, sondern muß auch der späteren 
lokalen legende rechnung tragen. — Siehe zu 1. 

5. Um die stesichoreische darstellung näher kennen zu 
lernen , muß man die tragiker , namentlich Euripides , und die 
denkmäler heranziehen. — Ich vermisse einen annähernd siche- 
ren kanon dafür. Seeliger selbst verhält sich zu fr. 28 hin- 
sichtlich des Euripides und im dritten abschnitt (Iliupersis) hin- 
sichtlich des wichtigsten denkmals skeptisch ; seine eigenen fol- 
gerungen aus fr. 26 basiren auf dem einmaligen gebrauch der 
wendung Tvvöagsov xoQäi. Mehr wäre , wie sich zeigen wird, 
aus Pindar zu entnehmen gewesen. 

B. I. „Tyndareos und seine töchter. Iphigenia a (p. 4 — 
17). — 6. Die Helena des Stesichorus bestand aus zwei thei- 
len ; nach dem das hauptinteresse erregenden 2. theil führte sie 
auch den titel naluq>d(u. — Der gegen Bergk vorgebrachte 
grund, das fr. 32 könne nicht im anfange eines Stückes gestan- 
den haben, ist anfechtbar. Die von Seeliger vorgelegte hypo- 
thesis reducirt sich auf die wenigen ganz allgemeinen knoten- 
punkte des Helenamythus. 

7. Die Iphigeneiasage stammt nicht aus Lemnos oder aus 
Attika , sondern aus Argos. — Gesetzt, das citat in fr. 27 sei 
richtig, so folgt daraus doch nur (was Seeliger selber zugiebt), 
daß Stesichorus nebenher eine argivische Überlieferung erwähnt 
habe, und dies ist kein ausreichender grund, um den anspruch 
Lakedaimons auf die entstehung dieser sage zu beseitigen. 

B. IL „Die Oresteia" (p. 17—29). — 8. Das lokal der 
Oresteia ist bei Stesichorus, Simonides und Pindar Lakedaimon- 
Amyklä. Seeliger hält diese (dorische) Überlieferung für die 
jüngere. 

9. Hypothesis der Oresteia: a) „Die durch die Opferung der 
Iphigeneia ihrem gemahl, dem Pleistheniden Agamemnon, ent- 
fremdete Klytaimnestra wird von Aigisthos verführt und er- 
schlägt den heimkehrenden gatten , indem sie ihm eine tödliche 
wunde am köpf beibringt." — Es ist nicht bezeugt, daß nach 
Stesichorus Klytaimnestra selber und daß sie ihm „am köpfe" 
eine tödliche wunde beigebracht hat; vielmehr ist Pindar Pyth. 
11, 17 ff. im gegentheiligen sinne zu interpretieren — wofür 



Nr. 1. 5. Stesichoros. 15 

ich den beweis in einer besonderen abhandlung über diese ode 
in aussieht stelle, b) „Orestes wird durch die amme Laodameia 
gerettet." — In der that ein charakteristisches motiv. Inwie- 
fern aber gleichzeitig 'p. 20 Elektra als ,,die eigentliche 
trägerin des rachewerks, die von der dorischen gestaltung 
der Orestia nicht zu trennen" sei, bezeichnet werden kann , ist 
mir nicht verständlich. Auch glaube ich zeigen zu können, daß 
wirklich Pindar wie Pherekydes den jungen Orestes (trotz der 
Chronologie) für dreijährig gehalten hat, und lese Pyth. 11, 17 
uoTiton* statt 'iägaitoa. c) „Elektra bleibt unverrnählt im hause 
zurück". — Woher? d) „Klytaimnestra wird durch den träum 
vom drachen, der mit ihr den rächer erzeugt, beunruhigt". — 
Wegen iqaivt] fr. 42 kann ich den dgdxcov nur für identisch mit 
dem ßaailsug []i£ta&ut'8a< halten d. h. mit Agamemnon nach 
hesiodeischer genealogie ; der blutbefleckte gatte in drachenge- 
gtalt das weib erschreckend — das kann man doch nicht ein 
nichtvollstäi diges traumbild nennen. Jedenfalls geht aus die- 
sem träum nicht hervor , daß in der stesichoreischen dich- 
tung „Klytaimnestra als die h au p tschuldige dargestellt war" 
(p. 19). e) „Den auftrag zur räche hat Orestes von Apollon 
erhalten , von ihm auch die waffe , durch welche er sich nach 
vollbrachter that vor den Verfolgungen der Erinyen zu schützen 
sucht". — Das liegt offenbar auch in der pindarischen ode an- 
gedeutet, sowohl im ganzen als speciell in vs. 36 IlaQintaov. 
f) „Schauplatz der bandlung ist Lakedaimon". — Mau kann 
ergänzend aus Pindar vs. 37 folgern, daß Stesichorus die er- 
mordung des Aigisthos nach der ermordung der gemahlin er- 
zählt hat, und zwar ähnlich wie Soph. El. 1495 ff., mithin bil- 
lige ich nicht die von Seeliger p. 25 mit Eobert (bild und lied 
p. 149 ff.) aus vasenbildern vermuthete ergäuzung der stesicho 
reischen hypothesis. 

10. Auch Neoptolem wird von Stesichorus in der Orestes- 
sage erwähnt sein. — Dies gebe ich zu, indessen über Pindar's 
darstellung in Nem. VII (Seeliger p. 29) vgl. meinen aufsatz 
im Philologus 45 p. 596 ff. 

B. III. „Die Iliupersis" (p. 29 — 41). Seeliger stützt sich 
a\if die tabula Iliaca, doch so, daß er gerade ihre beischrift 
^IXiov nnjatq zarri JiTjjofyoQov" stark anzweifelt. Dadurch wer- 
den natürlich die andeutungen des Verfassers „zum theil recht 



16 6. Räthsel. Nr. 1. 

unsicher", wie er selber bemerkt. „Den versuch , die römische 
Aineiassage über das 4. Jahrhundert hinaus (rückwärts) nach- 
weisen zu wollen", bezeichnet Seeliger als fruchtlos. — Nun ist 
zunächst schon auffällig, wie eine reihe vereinzelter notizen 
p. 32 f. mühsam beseitigt oder verschoben werden, um „das 
wichtigste am ganzen bildwerk", den dnönlowj des Aineias nach 
Hesperien, als „interpolation" hinstellen zu können. Vollends 
aber wird Seeliger's bedenken gegen die autorität der ilischen 
tafel schwinden müssen , wenn er sich überzeugen läßt , daß in 
Pindar's sechster olympischer ode vs. 88 unter Aeneas kein an- 
derer als der trojanische held zu verstehen ist ; eine ansieht, 
mit deren begründung ich gerade beschäftigt war, als ich See- 
liger's sorgsame arbeit erhielt. Auch der von ihm angezwei- 
felte Hermes der ilischen tafel wird sich aus jener ode sicher- 
stellen lassen. L. Bomemann. 

6. Dr. Konrad Ohlert, Räthsel und gesellschaftsspiele 
der alten Griechen. Berlin 1886. II und 248 p. 8. M. 5. 

Athenaeus lib. X und der XIV. abschnitt der Authologia 
Palatina bilden die hauptquelle für unsere kenntniß der griechi- 
schen räthsel- und griphenlitteratur ; jener hat den größten und 
ältesten theil seines materials aus der schritt des vielseitigen 
und fleißigen Sammlers Klearchos von Soloi ni-fj) yQiqcav in seine 
Deipnosophisten herübergenommen. Im codex Palatinus nr. 23 
befindet sich von p. 615 an eine Zusammenstellung von 115 
arithmetischen problemen , räthseln und Orakelsprüchen aus den 
verschiedensten zeiten , von Herodot bis auf die zeit Hadrians 
und Konstantins reichend, denen sich (p. 631 ff.) 31, und nicht 
39, wie dem epigramm 146 beigeschrieben ist, inijQafjfjaTa 
UQidfjtjTixn des Metrodoros mit erklärenden, schwer lesbaren 
scholien und auflösungen , sowie 4 Orakelsprüche anschließen 
Außer diesen zusammenhängend überlieferten räthseln findet sich 
noch eine anzahl anderer bei den verschiedensten Schriftstellern 
zerstreut. Eine Sammlung und erklärung derselben konnte nach 
den mehr kritischen als exegetischen vorarbeiten von Ehlers nur 
erwünscht sein. Ohlert hat nun in der vorliegenden schritt sich 
dieser aufgäbe unterzogen, ohne sich jedoch auf die alten Grie- 
chen allein zu beschränken. "Wir finden die neugriechische und 
lateinische, die indische, aegyptische, hebräische, deutsche, schwe- 



Nr. 1. 6. Räthsel. 17 

dische, französische räthsellitteratur auch da , wo ein einfaches 
citat genügt hätte, mit großer ausfiihrlichkeit berücksichtigt. So 
führt der Verfasser von dem räthsel des Simson und dem gri- 
phos des Odysseus (t 366) uns hinüber in die märchenweit aus 
1001 nacht und zu den räthseln der indischen Fakirs des Ale- 
xanderromans, die man gymnosophisten nannte , von den negern 
der Goldküste zu den Vandalen, von den kosmischen räthseln 
der hebräischen Proverbia und des Rigveda zur altnordischen 
räthselpoesie der Edda, um von da wieder zu Kleobulos von 
Lindos zurückzukehren. Den grund dieses für eine specifisch 
griechische räthselsammlung etwas auffälligen Verfahrens giebt 
verf. selbst an : „liebe und haß und alle regungen der seele 
sind noch heute das treibende element im leben der menschen, 
wie vor tausenden von jähren und zeugen laut für die einheit 
des menschengeschlechtes; alle diese regungen finden ihr ge- 
treues abbild in mythen , märchen , sagen , Sprichwörtern , räth- 
seln, scherzen wie in jeder richtung der poesie. Die phantasie 
der Völker ist die frische quelle, der dieses gold entströmt; 
darum finden wir trotz der Verschiedenheit des himmelsstriches 
und der zeiten bei verschiedenen Völkern so merkwürdig ähn- 
liche gebilde, daß eins die mutter oder die Schwester des andern 
zu sein scheint, und doch sind beide, durch ort und zeit ge- 
trennt, aus eigener kraft emporgewachsen, die phantasie war 
ihre mutter , die gleiche sonne ließ sie gedeihen , verlockend 
schön oder einfach , düster und wild oder heiter und lieblich." 
— Scharfsinn im lösen dunkler räthsel ist Ohlert nicht abzu- 
sprechen, man vermißt aber eine streng nach zeit, ort und gat- 
tung durchgeführte Ordnung der räthsel , so daß manches ähn- 
liche an verschiedenen stellen wiederholt werden mußte, z. b. 
der begriff des ahog p. 4 und p. 76 ; das märchen von Polyi- 
dos und Glaukos p. 6, p. 49 und 84; das räthsel von tag und 
nacht p. 30, 85, 127; das Sphinxräthsel p. 31 und 56; das 
Adonisorakel p. 51 und 94; das räthsel der Nais p. 71 und 
135; die frage des Hesiod nach der zahl der Griechen vor 
Troia p. 22, 135, 181 u. a. , dagegen anderes, was zusammen- 
gehört, getrennt behandelt ist , wie die ähnlichen räthselfragen 
p. 10 und 11, p. 44, 47 und 112: die witzigen bosheiten der 
Mania p. 64 und 201 ; Homeri et Hesiodi agon p. 22 und 220. 
S chuld daran ist wohl die verfehlte disposition ; es wäre vielleicht 
Philpl. Anz. XVII. 2 



18 6. Räthsel Nr. T. 

vortheilhafter gewesen, wenn sämmtliche räthsel und griphen 
unter die verschiedenen species p. 111 — 179 eingereiht wären 
und innerhalb dieses rahmens wieder nach ihrem vorkommen in 
der litteratur , nach zeit und gelegenbeit ihrer anwenduug ge- 
ordnet wären. Auf eine eingebende kritik und sichtung der 
Überlieferung bat sich Ohlert nicht eingelassen , von philologi- 
scher akribie vermag ich keine spur zu entdecken; wahrschein- 
lich hat der mangel einer zuverlässigen ausgäbe der in frage 
kommenden texte, des Athenaeus und der anthologie, dem verf. 
in dieser hinsieht größere reserve auferlegt , als für ein solches 
werk wünsebenswerth gewesen wäre. Aus diesem gründe hat 
Ohlert sich mit einer fleißigen Sammlung der räthsel begnügt. 
Ueberhaupt scheint das buch weniger für philologische fach- 
kenntniß als für die lektüre eines größeren kreises bestimmt zu 
sein, denn den griechischen räthseln und schriftstellen wird fast 
regelmäßig eine deutsche Übersetzung beigegeben , die uns ent- 
behrlich erscheint, da sie nur aufhält und den umfang des buchs 
unnöthiger weise vergrößert. 

Nach einer kurzen allgemeinen einleitung (p. 1—5) über 
die Vorliebe der Griechen für scherz- und neckräthsel , sowie 
über den begriff des iJmi,' und aiiiypa wendet sich verf. zu ei- 
ner darstellung der wettkämpfe im räthsellösen. Das erste beispiel 
eines solchen ist ihm in dem von den tragikern und Aristopha- 
nes behandelten märchen von Polyidos und Glaukos enthalten. 
Eine episode desselben erinnert übrigens lebhaft an Hacklän- 
ders märchen „schloß Schweigern" , und es ist eine interessante 
Wahrnehmung, wie der moderne Schriftsteller statt des wunder- 
tätigen krautes, welches eine schlänge auf ihre todte gefährtin 
legt, um sie zu beleben, und dadurch dem eingesperrten seher 
zur auferweckung des verunglückten königssohnes verhilft , die 
heilung der in stücken gehauenen schlänge durch drei über die 
Schnittwunden gezogene silberne ringe stattfinden läßt. — Es 
folgt eine besprechung der musischen agone (p. 18 — 25). Bei 
dem Wettstreit zwischen Homer undHesiod hätte p. 23 die con- 
jeetur Göttlings : Bv^tG&ai 8t dtoi^ hi (für oii) nüncov iatrv 
ufisnoi als die einfachste eine erwähnung verdient. Das be- 
kannte räthsel von dem eunuchen , der mit bimstein nach ei- 
nem vogel, der kein vogel ist, wirft (p. 28), giebt uns vielleicht 
den beweis, daß Athenaeus den Klearch nicht direkt benutzt 



Nr. I. 6. Räthsel. 19 

hat, sondern nur im auszuge ; denn der Platoscholiast giebt das- 
selbe nach Klearch metrisch wieder, Athenaeus aber, welcher 
sonst gern mit citaten von versen prunkt, nur in prosaischer 
Umschreibung. Oder liegt dies etwa bloß an der Überlieferung 
des Athenaeus? Nach Piaton selbst war es ein altes knaben- 
räthsel und ist daher wobl keinem bestimmten autor (wie Pan- 
arkes nach Klearch) zuzuschreiben. Dann beginnt p. 31 eine 
Zusammenstellung von räthselkämpfen auf tod und leben. Die 
hervorragendsten beispiele bietet der thebanische Sagenkreis mit 
Oedipus und der Sphinx, die Melampodie mit dem streit zwi- 
schen Kalchas und Mopsos, ferner in gewisser hinsieht auch die 
fabel von Homer und den fischern (p. 40). P. 31 anm. 6 wäre 
die notiz am platze gewesen , daß r/>/£ der boeotische name für 
die Sphinx war. Bei götterfesten und anderen festlichen gele- 
genheiten (p. 45) zeigt sich gleichfalls die lebhafte neigung der 
Griechen für räthselscherze. Da Aristophanes die orakel regel- 
mäßig als ahiyfiara betrachtet (Equit. 196. 1085. Av. 970) 
so ist auch Plut. 51 an räthsel, nicht an yoiqot , wie Ohlert 
p. 49 anm 1 will, zu denken. Die erzählung von Pelops und 
Oinomaos und die folgenden fälle bis p. 56 gehören wohl kaum 
zu dem räthselspiel bei festlichen gelegenheiten , sondern eher 
unter den abschnitt wettkampf auf tod und leben, wenn auch 
vom räthselkampf dabei gar keine rede ist. Wohl wird die braut 
durch lösung schwerer aufgaben gewonnen , aber dieselben be- 
stehen in den wenigsten fällen in räthseln, obwohl die möglich- 
keit eines solchen falles nicht in abrede zu stellen ist. räthsel- 
lösen ist nicht immer eine schwere aufgäbe! Das original des 
angeführten Apolloniusromans geht doch erst ins dritte nach- 
christliche Jahrhundert zurück! Es handelt sich hierbei auch 
nur um die fiktion eines romanschriftstellers, aber nicht um bei 
wirklicher brautwerbung aufgegebene räthsel. Ebensowenig ist 
p. 58 das räthselaufgeben bei der hochzeit durch ein genügen- 
des beispiel aus dem griechischen belegt. Aus dem einfachen 
umstände, daß besonders beim mahle das yQt'cpovg noitiv, Ka- 
lauer machen, florirte, — ovhtiotixu 'Crjr^ara heißen bei Bekker 
Anecd. Gr. I, p. 227, 23 die griphen — folgt selbstverständ- 
lich die Übertragung dieser sitte , welche die Deipnosophisten 
des Athenaeus natürlich mitmachen, auch auf das hochzeitsmahl 
und die schmausereien bei götterfesten; daher ist dieser theil 

2* 



20 6. Räthsel. Nr. 1. 

von dem räthselspiel bei gelagen p. 60 ff. durchaus nicht zu 
trennen. 

Von dem vorkommen des räthsels in der poesie , und zwar 
zunächst der epischen (p. 68—73) und lyrischen (p. 73 — 84), 
handelt der folgende abschnitt. In den ältesten epen findet sich 
nach Ohlert noch keine spur eigentlicher räthselpoesie , welche 
erst bei Hesiod in den Eoeen (fr. 163 Goettl.) beginnt Das 
citat p. 76 anm. 3 : „Theokrit 14, 43" paßt an dieser stelle 
nicht, denn hier ist ahog mit nanouiiu gleichbedeutend. Man 
vergleiche das scholion zu dieser stelle und ferner Anthol. Pal. 
IX, 17: ix nvgbg, co h < aho<:, ntGsg tig qpAf'j'«, d. i. aus dem re- 
gen in die traufe kommen ; incidit in Scyllam ! Wenn verf. ge- 
legentlich der besprechung des räthsels in der tragödie (p. 84 
— 93) die griphenartige beschreibung der Schildkröte bei Pacu- 
vius heranzieht, dessen verse übrigens Mommsen R. G. II 7 p. 
432*) treffender übersetzt hat als Ohlert p 86, so durfte auch 
der Schluß der Batrachomyomachie (vs. 290 — 294 Draheim ; = 
294 — 298 Baumeister) über die krebse beim epos nicht ausge- 
lassen werden : 

Es kamen thiere plötzlich herbei mit panzerrücken ; 
krummschnablig und schiefgehend und mit verdrehten blicken-, 
mit scheren statt mit schnäbeln, statt haut mit schalen und 

löchern ; 
breitrückig, schulterglänzend und säbelbeinig; knöchern, 
streckarmig und achtfüßig ; zweiköpfig, ohne hand, 
mit ihren brüsten sehend, die — krebse sind genannt ; 
verse, die vielleicht eine parodie auf tragische Wendungen ent- 
halten und daher nicht vor dem ende des fünften Jahrhunderts 
vor Chr. in das epos des Pigres eingelegt sein können. 

Ein ergiebiges feld für die anwendung des räthsels ge- 
währte die komödie (p. 93 — 107); nicht so reichhaltig finden 
sich spuren des räthsels in dem eigentlichen epigramm, der poe- 
tischen aufschrift (p. 107 110), erhalten. Daran schließt sich 
eine besprechung der arten des griechischen räthsels , des sinn- 
räthsels (loyixog yQ?qo* p. 111), des bilderrätbsels mit den be- 
kannten beispielen aus Herodot III, 46; IV, 131, 132; V, 92, 6 
u. a. illustrirt (p. 128); ferner des rechenräthsels (Xoyiouxov 
ngößlij/xa p. 134) und worträthsels (p. 137) mit seinen Unter- 
arten, der homonyme (p. 156) und der charade (p. 166); des 



Nr. 1. 6. Räthsel. 21 

buchstabenräthsels (p. 167), des anagramms nebst dem akrosti- 
chon (p. 174 — 179). Das jämmerliche machwerk Anthol. Pal. 
XIV, 40 (Ohlert p. 127) scheint von Diogenes Laertius fabri- 
cirt zu sein ; wenigstens stehen am rande des cod. Pal. sicher 
lesbar die anfangsbuchstaben seines namens. Die deutuug des 
räthsels Anth. Pal. XIV, 103 auf die getrocknete Weinbeere 
oder rosine (p 141) ist sicher die richtige, wie auch das lemma 
dieses epigramms : üdift.ov m\- amcfida besagt. Anthol. Pal. XIV, 
Gl v. 2 (Ohlert p. 142) ist im Palatinus das richtige fisXairo- 
fjuspq überliefert; ebenso A. P. XIV, 62 (Ohlert p. 145 anm. 2) 
die vollkommen tadellose lesart y 7QVnij ohne öt. — Die Ver- 
weisung auf den hymnus des Kastorion Athen. X, p. 455a paßt 
nicht für Ohlerts eigene conjectur #//po<ro»(K' (p. 154 anm. 1 zu 
A. P. XIV, 24) ; denn dort ist flijooiofis überliefert, wie Ohlert 
p. 227 selber schreibt ; &ij(jocföis ist conjectur von Meineke. — 
„Pelos' haus" (p. 159 /7//?.h>,' h daXifiote) muß unzweifelhaft 
Peleus' haus lauten, sonst geht das Wortspiel /7//W'<; — nri'k6g i 
welches sich bereits in der Batrachomyomachie fand (vs. 1 9 u. 
206 TbjXfiaiv d. i. Pelei oder luti filius), verloren. Ueber das 
akrostichon vergl. auch Bergk PLGr. 4 III, p. 636 zu Kastorion 
und Anthol. lyric. 2 p. XC**), der aber mit der behauptung, daß 
das akrostichon des ionischen altars das älteste erhaltene sei, 
nicht recht hat; denn derselbe stammt, wie ich Carm. fig. p. 65 
bewiesen zu haben glaube, erst aus Hadrianischer zeit. 

Hierauf wendet sich Ohlert (p. 180) zu dem griphos, den 
er zunächst in seiner eigentlichen bedeutung als neckräthsel und 
neckisches spiel, in frage und antwort, auf diairesis und syn- 
thesis, auf homonyme und prosodie beruhend, mit den schönsten bei- 
spielen der griechischen räthsellitteratur ausgestattet, behandelt, 
denen als anhang „schnurren und räthsel der fahrenden leute" 
(p. 206) angefügt werden. 

Schwerlich ist aber jene auffassuug von der eigentlichen 
bedeutung des ygTyog (= netz) als die richtige anzuerkennen, 
besonders wenn man den nahen Zusammenhang desselben mit 
der homerischen glossographie berücksichtigt. Der griphos ist 
beinahe als eine eigenthümliche litteraturgattung zu betrachten. 
Wenn z. b. witzelnde poeten, wie Theokrit in der Syrinx, das 
homerische Staartjrijv in 8ta at^r^v auflösen und dann ötiJTt} mit 
yvvn'i erklären und in dieser bedeutung anwenden ; wenn der 



22 6. Räthsel. Nr. 1. 

hirtengott 77«'»' mit "OXui angeredet wird , weil der name (mit 
dem neutrum näv identificirt) , dasselbe wie olov, ganz, bedeu- 
tet; wenn der name Trj%i(ia%og in dem Wortspiel Mangonivlsyto^ 
versteckt wird, weil man rljls mit (xangdf und nölefxog mit 
pü-fi] identificirt; oder die hirten mit TvqftöqiÖQOi bezeichnet wer- 
den, weil rvqiloyÖQOij mit ntjgnqiögog synonym ist, letzteres von 
nijga, ranzen, abzuleiten ist und ni'^a weiter mit thjqu (von 
nrjgög = rvcplög) identificirt wird — so haben wir damit einige 
beispiele angeführt, denen der begriff des ygtcpog etymologisch 
am besten entspricht, denn alle jene räthselhaften , scheinbar 
sinnlosen Wörter müssen netzartig abgewickelt , wie knoten auf- 
gelöst werden , bevor man den beabsichtigten sinn herausfindet. 
Allerdings gehören diese beispiele nur einer art des griphos, 
die man ygicpog i% ofjcoivplag nennen möchte, an (wie Alag = 
aiag = ytjg, Xsigoor = %Eiga>v = ijoaoov vgl. Ohlert p. 162 — 163). 
Lykophrons Alexandra ist hierher zu rechnen. Ehlers hat diese 
griphen treffend mit den kalauern unserer zeit (Calembours, 
wie Neron = nez rond ; vainqueur = vingt coeurs ; bonte = 
bon the) verglichen. Der allgemeine umfassende begriff, der so- 
wohl den ytjiyo,,' wie das ai'viyfta in sich schloß, dürfte wohl 
nuiyria sein (vgl. Klearch bei Athen. X, p. 448c ygi<j>oc ngö- 
ßltjfta ininuiGttxor). 

Unter den aufgaben und spielen beim gastmahl (p. 208) 
werden nur ooq ia/juru und ^rjtt'j^aia 'O/jt^gma von Ohlert auf- 
gezählt. Als ich zu dem dritten abschnitt , Gesellschaftsspiele" 
(p. 218) gelangte, wurde ich einigermaßen enttäuscht, wie auch 
durch den titel des ganzen werks „räthsel und gesellschaftsspiele". 
Ich erwartete einiges über den Kottabos, den rundgesang und 
andere ergötzlichkeiten der alten Griechen beim mahle zu ver- 
nehmen ; doch davon findet sich bei Ohlert außer einer kurzen 
andeutung (p. 61 unten) nichts. Die alten Griechen müßten 
doch sehr geistesarme leute gewesen sein, wenn nur in räthseln 
ihre gesellschaftsspiele bestanden hätten. Der agon Homers und 
Hesiods (p. 220) hat doch mit gesellschaftsspielen nichts gemein. 
Verse, in welchen mau jedes wort umstellen konnte , ohne sinn 
und metrum zu verändern , gehören gleichfalls nicht zu der p. 
224 behandelten gattung der griphen mit buchstaben. Bei p. 
228 anm. 3 kann ich mich des Verdachts nicht erwehren , daß 
verf, ein citat von einem Vorgänger ohne weiteres herüberge- 



Nr. 1. 6. Räthsel. 23 

nommen hat. Er citirt nämlich „Boissonade Miscell. t. I, p. 367 
— 374". Ohlert hat dies werk jemals weder gesehen noch ge- 
lesen , weil es einfach nicht existirt und bibliographisch nicht 
nachweisbar ist. Das citat stammt ohne zweifei aus dem zwei- 
ten bände der Didotschen Authol. Pal. p. 521 am ende der anno- 
tatio zur Syrinx : „de hisce figuratis, cpiae vocant, poematiis ex- 
stat Boissonadii dissertatiuucula docte eadem et ingeniöse scripta, 
in eius Miscell. a. 1863 editis t. I, p. 367-374". Es ist aber 
folgendes werk gemeint: Boissonade Critique litteraire sous le 
premier empire publiee par F. Colincamp t. I, Paris 1863. 
Darin befindet sich p. 367 — 374 ein artikel aus dem Journal de 
l'Empire vom 18. nov. 1806: Sur les poesies figurees. Al- 
lerdings hat Boissonade auch ,,Melanges" geschrieben, die in der- 
selben Sammlung publicirt sind, aber darin steht nichts von tech- 
uopaegnien 1 ). Zur sache bemerke ich, daß der titel rtponai- 
ytia sich bloß auf die form bezieht; gripheu sind auch die Sy- 
rinx Theokrits und der altar des Dosiadas in bezug auf den in- 
halt. Woher weiß aber Ohlert, daß Dosiadas aus Alexandreia 
stammte? Es ist nicht nachzuweisen, daß derselbe dort je ge- 
wesen ist. Er stammt wahrscheinlich aus Kreta , obwohl er im 
Palatinus in der subscription zum Ei des Simias als Rhodier be- 
zeichnet wird-, letzteres jedoch nur, weil Simias ein Rhodier war. 
Den räthseln entsprechend theilt Ohlert die ygiqoi in griphen 
mit silben (p. 230), mit Worten (p. 231) und in rechenaufgaben 
(p. 233) ein. Das werk schließt mit einem excurse (p. 235 — 
238) über die bedeutung von atviy^ut und yglqog; ein sicheres 
resultat scheint mir nicht erzielt zu sein, zumal die angaben der 
alten schwanken und zuweilen das aiviyfia als ygiffiog und um- 
gekehrt den yoTqtog als aiviyfxa bezeichnen. Zwei register vervoll- 
ständigen das ganze. An druckfehlern nenne ich: p. 19 anm. 4 
Georgias; p. 30 anm. 1 Müllenhof. Ferner p. 145 anm. 2 lies 
v. 2 für v. 1, desgleichen p. 154 anm. 1 in der ersten zeile ; 
p. 157 anm. 1 lies v. 3 für vi; p. 4 anm. 4 lies 239 statt 
255. Ein citat „Cicero rhetor. ad Herennium" (p. 120 anm. 7) 
sollte doch wohl beseitigt sein. Die angeführten ausstellungen 
im einzelnen können übrigens dem werth dieser ziemlich voll- 

1) In meiner ersten ausgäbe der Garmina figurata p. 5 habe ich 
selbst das alte citat „Miscellanea" beibehalten; damals zweifelte ich 
an der zulässigkeit desselben noch nicht, weil jenes Sammelwerk wirk- 
lich die vermischten schriften von Boissonade enthielt. 



24 7. Piaton. Nr. 1. 

ständigen materialsammlung in denjenigen kreisen, für welche 
sie bestimmt ist , keinen eintrag thun , und ich selbst gestehe 
gern ein, mannigfache belehrung und anregung daraus geschöpft 
zu haben. 

C. Haeherlin. 

7. W. Christ, platonische Studien. Aus den abhandlun- 
gen der k. bayer. akademie der wiss. I. cl. XVII. bd. II. 
abth. München 1885, verlag der k. akademie. 

Wieder ein versuch zur lösung der frage nach anordnung 
und Zeitfolge der platonischen dialoge, wie deren jedes jähr ei- 
nige zeitigt, ohne erheblichen gewinn für das verständniß der 
platonischen philosophie oder der einzelnen dialoge. Man wird 
sich nicht wundern dürfen , wenn es dem ferner stehenden so 
vorkommen kann, als sei die platonische frage eine art kaleidoskop, 
in welchem die nämlichen bunten steinchen sich dem äuge in 
immer anderer Zusammensetzung darbieten. Und noch fehlt viel, 
daß die möglichkeiten neuer derartiger Zusammensetzungen er- 
schöpft seien. Ihre summe kann man sich leicht berechnen : sie 
kommt gleich der zahl der möglichen permutationen aus 25 ele- 
menten. Hoffen wir, daß der friede geschlossen sein wird, ehe 
diese möglichkeiten alle durchprobirt sind, hoffen wir nicht min- 
der , daß sich aus einem so mühevoll zu stände gekommenen 
friedenswerke der philologen ein angemessener gewinn auch 
für den philosophen ergeben möge. Inzwischen thut der 
philolog gut daran , sich die mühe nicht verdrießen zu lassen. 
Jede wissenschaftliche frage , einmal aufgetaucht , wird so lange 
auf der tagesordnung bleiben, bis sie gelöst, oder die Unmög- 
lichkeit ihrer völligen lösung erwiesen ist. Keines von beiden ist 
noch mit unserer frage der fall und darum hat der philolog 
keine Ursache , sich auf dem wege seiner mühsamen forschung 
beirren zu lassen , um so weniger , als diese mühe zugleich der 
quell erquickender freude ist : und was den leser der vorliegen- 
den arbeit besonders anmuthet, ist eben diese freude und frische 
des forschens, welche den vorzug hat, daß sie im stände ist, für 
die zum theil sehr bestreitbaren ergebnisse zu entschädigen. 

Das erste dieser ergebnisse ist dies, daß die viertheilige 
gliederung, die uns in der für die Überlieferung des platonischen 
textes maßgebenden anordnung des Thr asyllos vorliegt, in 



Nr. 1. 7. Piaton. 25 

ihren wurzeln bis auf Plato selbst zurückreicht. Die erste, zweite, 
fünfte und achte tetralogie sollen im wesentlichen, d. h. in dem 
zum theil bloß trilogischen grundstock, als tetralogien oder tri- 
logien schon von Plato selbst gedacht und angeordnet sein. Daß 
Plato einige seiner dialoge enger an einander angeschlossen hat, 
das zu verkennen müßte man blind sein. Aber die frage ist 
die, ob bei ihm der gesichtspuukt der künstlerischen einheit für 
den trilogischen oder tetralogischen aufbau bestimmend gewesen 
ist, oder ob, sei es der zuströmende stoff mit seinen rückwei- 
senden beziehungen , sei es die rücksicht auf die Schwierigkeit 
der erfindung immer neuer scenerien ihm einen engeren anschluß 
einiger dialoge an einander nahe legte , so daß er sie nicht als 
glieder einer erst als ganzes zu seiner Wirkung kommenden 
schöpfung , sondern einfach als eine verwandte gruppe betrach- 
tet wissen wollte. Wären jene dialoge schon zu Piatos zeit und 
seiner eigenen bestimmung zufolge als eigentliche trilogien oder 
tetralogien zusammengestellt gewesen , was konnte , was durfte 
den Aristophanes von Byzanz veranlassen, bei dem be- 
dürfniß , das er hatte, sie trilogisch zu ordnen, von der von 
Plato selbst gewählten eintheilung zu gunsten einer ganz will- 
kürlichen Zusammenstellung abzuweichen? Etwa der umstand* 
daß er nur im allgemeinen wußte , daß Plato trilogisch verfah- 
ren sei, seine bestimmungen im einzelnen aber nicht mehr kannte ? 
Das ist nach den eigenen Voraussetzungen Christ' s nicht 
sehr wahrscheinlich. Denn eine erste, ins publikum eingedrun- 
gene und für die Überlieferung hinreichend gesicherte Zusam- 
menfassung jener gespräche muß man doch annehmenn , wenn 
wirklich sogar der name der tetralogie, wie Christ will, sich 
von den platonischen tetralogien erst auf die tragödie übertragen 
hat. Christ selbst ist der meinung, daß Thrasyllos den anhält 
für seine anordnung in der Überlieferung fand ; wie könnte man 
auch sonst so fest anuehmen , daß er mit einigen seiner Zusam- 
menstellungen wirklich die platonischen bestimmungen wieder- 
gab? Waren aber die platonischen trilogien und tetralogien 
noch dem Thrasyllos bekannt, so mußten sie auch dem weit 
früheren Aristophanes bekannt sein. Nun ordnet Aristophanes 
z. b. die apologie nicht mit dem Kriton und Phädon zusammen, 
sondern mit Theätet und Euthyphron, den Theätet nicht mit 
Sophistes und Politikos , sondern mit Euthyphron und apologie, 



26 7. Platon. Nr. 1. 

und es bleibt nur die Zusammenstellung von Politie , Timäus 
und Kritias als die einzige, die, beiden gemeinsam, auch unver- 
kennbar auf Plato selbst zurückgebt, ohne daß man aber genö- 
tbigt wäre , sie als trilogie in dem oben bezeichneten sinne 
aufzufassen. 

Wenn nun Christ für die von T h r a s y 1 1 o s selbständig 
und allein geordneten tetralogien die alphabetische folge als lei- 
tenden grundsatz der Zusammenordnung erkannt zu haben glaubt, 
so mögen die vierte und siebente tetralogie dieser annähme ei- 
nen schein von berechtigung verleiben. Wie man sie aber auch 
in der dritten und sechsten zur geltung bringen will , sei es, 
daß man auf die Überleitung der alphabetischen Ordnung von 
einer reihe in die andere sieht , sei es , daß man bloß auf die 
einzelnen tetralogien für sich achtet, das einzusehen ist ein bes- 
ser erleuchteter abc-schütz nöthig als ich es bin. Denn zerlegt 
man dieser Voraussetzung zu liebe die tetralogien , deren alpha- 
betische Ordnung man nachweisen will , in zwei hälften , deren 
jede nur für sich mit ihren zwei gliedern dieser alphabeti- 
schen Ordnung sich fügt, so heißt das doch offen das tetralo- 
gische princip aufgeben und leere Spielerei treiben. Da will es 
mir immer noch weit unverdächtiger erscheinen, ein, wenn auch 
zum theil lockeres sachliches band als bestimmend für die Zu- 
sammenordnung anzunehmen , wobei immerhin einiges verwun- 
derliche mit in kauf genommen werden kann, da nicht zu über- 
sehen ist, daß unsere geschärfte erkenntniß des gedankengehalts 
der dialoge nicht ohne weiteres auf Thrasyllos oder seine Vor- 
gänger übertragen werden darf. So könnte man in der dritten 
tetralogie eine Zusammenstellung solcher dialoge erkennen, welche 
die ideenlehre nicht bloß im allgemeinen zur Voraussetzung ha- 
ben, was ja auf noch manche andere gespräche zutreffen würde, 
sondern sie von einer oder der andern seite erläutern ; in der 
fünften sind es einzelne fugenden und sittliche Verhältnisse, 
die den gegenständ der Verhandlung bilden, in der neunten te- 
tralogie ist ersichtlich- der gesichtspunkt der Verwirklichung 
des gerechtigkeitsideals der führende gewesen , dem sich auch 
die briefe ohne zwang fügen. Am schlagendsten vielleicht spricht 
für die befolgung eines sachlichen princips die Stellung des Klei- 
tophon an der seite der Politie; denn er weist mit seiner frage 
nach dem werke der gerechtigkeit auf den staat hin u. s. w. 



Nr. 1. 7. Piaton. 27 

Angenommen nun aber auch , der durch Christ versuchte 
uachweis einer auf Plato selbst zurückgehenden tetralogischen 
gliederung der dialoge dürfte als völlig gelungen betrachtet 
werden — und vielleicht ist er für manche überzeugend — , so 
gibt er doch auf keinen fall das recht, ihn zum erklärungsgrund 
für gewisse angebliche unbegreiflichkeiten solcher dialoge zu 
machen , die auch nicht die spur eines greifbaren anhalts , wie 
er für eine reihe von dialogen immerhin geltend gemacht wer- 
den kann, dafür bieten, daß sie als glieder von tetralogien ge- 
dacht sind. 

Es ist der Parmenides, den Christ, bei seinem Unver- 
mögen, mit dem thatsächlich vorliegenden sich abzufinden, durch 
solche vage möglichkeiten sich begreiflich zu machen sucht und 
damit zugleich jedem wirklichen erklärungsversuch den grund 
und boden entzieht. Denn erklärt sich der Parmenides nur aus 
anderen, nie geschriebenen dialogen , so muß er uns ein ewiges 
geheimniß bleiben. Dies ganze verfahren , zur lösung des Par- 
menidesräthsels auf die fehlenden gliecler einer geplanten, aber 
nicht ausgeführten tetralogie zu verweisen , bedeutet meines er- 
achtens nichts anderes als landanweisungen ausstellen auf län- 
dereien im monde. Es widerspricht allem , was wir von plato- 
nischer schriftstellerei wissen, allem, was uns namentlich Bonitz 
darüber gelehrt hat. Welcher platonische dialog trüge nicht in 
der hauptsache den Schlüssel seines Verständnisses in sich selbst? 
Welcher bedürfte, außer zur erklär ung von einzelheiten, solcher 
auswärtigen hülfe? Gibt man bereitwillig auch von Plato selbst 
herrührende tetralogien in dem oben besprochenen umfang zu, ist 
etwa der Phädon ohne den Euthyphron, oder die apologie ohne den 
Phädon unverständlich? Aber was bei den zwar nur angenom- 
menen, aber wenigstens aus wirklich existirenden bestandtheilen 
zusammengesetzten tetralogien nicht gilt , das soll von einer 
ganz und gar bloß in der einbildung des verfs. vorhandenen 
tetralogie gelten ! Da sind mir diejenigen doch weit verständ- 
licher , die den dialog einfach für unecht erklären ; sie fechten 
wenigstens mit faßbaren gründen und wären es auch nur sprach- 
liche beobachtungen , auf die übrigens, beiläufig gesagt, Christ 
doch mit etwas gar zu verächtlicher miene herabblickt. Wenn 
er z. b. p. 17anm. 1 sagt, es sei gewiß minder kühn, das falsche 
ysKtj&^astac p: 141 E in ytrtjveiai zu korrigieren, als daraus 



28 7. Piaton. Nr. 1. 

auf nicht attischen Ursprung zu schließen , so fragt man sich 
verwundert, ob derjenige, der dies schrieb, die stelle auch gründ- 
lich nachgelesen hat. Sie lautet : rö eoiai xat rb ynrijötiai xal 
ib yeiTjO/jasTai und ähnlich gleich darauf noch einmal. Und hier 
soll man wirklich für ytrijürjamai corrigieren dürfen ysitjaerai? 

Der verf. beruft sich wiederholt auf Soph. 217 C als die- 
jenige platonische stelle, welche den Parmenides als platonisch 
schützt. Gut. Auch ich bin der meinung, daß man in dieser 
stelle eine hinweiaung auf den dialog finden darf. Aber was 
liest man an dieser stelle? wo» non au) naonsriSq ^Qm^iicp 
hui 8ie%ioi>u Xöyovg nayxnlovt,' nn-Qsysvn^fjv iyta ring cor, ettehov 
udXa 8ij tÖts <)vio^ nQtdßi'Tov. Das, sollte ich meinen, heißt 
auf die Vergangenheit hindeuten , wie es denn Schleiermacher 
und der umsichtige englische herausgeber des Sophistes Campbell 
auch auffassen , letzterer wenigstens als das weit wahrscheinli- 
chere hinstellt. Aber Christ hat sich nun einmal die Vorstel- 
lung gebildet, daß der Parmenides zu den spätesten schritten 
des philosopheu gehören müsse. Also muß die einzige stelle, 
die wahrscheinlicher weise eine anspielung auf ihn enthält , den 
gesetzen einer gesunden interpretation zum trotz einen hinweis 
auf die zukunft enthalten (p. 37). Einer solchen stelle gegen- 
über wäre es doch zunächst weit vorsichtiger, sich zu fragen, 
ob man nicht besser thue, seine eigene vorgefaßte meinung über 
die späte abfassung des Parmenides noch einmal gründlich zu 
prüfen , als darin eine bestätigung seines vorurtheils zu finden, 
um so mehr, als der sophist selbst stellen enthält, die der Par- 
menides doch , wenn nach dem Sophist verfaßt , in eigentüm- 
lichem licht erscheinen lassen, nämlich als eine Verleugnung des 
eigenen wissenschaftlichen Standpunktes, wie er sich im Sophist 
kundgibt. Man erinnere sich z. b. der worte Soph. 259 C. 
„Sollte einer seine freude daran haben , die beweise bald nach 
der einen , bald nach der andern seite zu zerren , als hätte er 
etwas schwieriges ausgedacht, dann ist sein bemühen der mühe 
nicht werth gewesen. Denn diese erfindung ist weder geistreich 
noch schwierig, jenes aber ist ebenso schön als schwierig zugleich, 
daß man sich lossagt von solchem verfahren, dagegen im stände 
ist genau im~ einzelnen prüfend dem vorgetragenen zu folgen, 
wenn einer etwas was verschieden ist irgendwie als identisch 
und etwas, was identisch ist als verschieden bezeichnet in jener 



Nr. 1. 7. Piaton. 29 

beziehung und nach maßgabe der bescbaffenheit, die er dem ei- 
nen von beiden beilegt" u. s. w. Darauf gebe man mit ruhi- 
gem blut, ohne mystische vorurtheile, an die lektüre des zweiten 
theiles des Parmenides und man wird nicht anders können als 
Grote beipflichten, daß Plato selbst hier dem im Sopbisten so 
scharf gebrandmarkten verfahren huldige. 

Der Sophist also wird sich schwerlich die enge nachbar- 
schaft gefallen lassen, in die man ihn mit dem Parmenides brin- 
gen will. Und wie , wenn der Parmenides selbst eine anspie- 
lung enthielte auf seine verhältnismäßig frühe abfassung, we- 
nigstens was seine erste und ursprüngliche gestalt betrifft? So 
ganz sinnlos wäre es vielleicht nicht , wenn einer den versuch 
machen wollte, den ich hier nicht machen werde, eine solche 
anspielung in 128 D E nachzuweisen. Zu statten kommen würde 
ihm dabei u. a. der umstand, daß von 137 C ab plötzlich die 
oratio obliqua und das charakteristische y.urou völlig verschwindet. 
Aber dem mag sein wie ihm wolle, so viel ist aus dieser stelle 
sicher, daß dem Verfasser des Parmenides ein verfahren, das 
die eigene lehre nicht unmittelbar, sondern mittelbar durch den 
nachweis viel größerer schwächen in den aufstellungen der geg- 
ner vertheidigt (ruuto ßovi6[A8vov drjlovr , wt,- 'in ytloioreoa nü- 
g-jjm av avrööv ij vnodearg) durchaus natürlich erscheint. Und 
dies führt mich auf einige weitere bemerkungen über den Par- 
menides, zur stütze und weiteren ausfübrung früherer aufstellun- 
gen über diesen gegenständ. Ich bitte diese abschweifung ent- 
schuldigen zu wollen. 

Ich hatte nachzuweisen gesucht, daß die dialektik des zwei- 
ten theiles des Parmenides vielfach das gepräge des sophistischen 
an sich trägt, und daß sie nicht bloß unserem, durch die schule 
des Aristoteles gegangenen verstand diesen eindruck macht, son- 
dern daß Plato selbst sich des sophistischen seiner beweisfüh- 
rungen bewußt gewesen sei — eine thatsache , die sich daraus 
erklärt, daß es nicht seine eigene dialektik ist , mit der er hier 
auftritt, sondern die nachahmung einer andern, der eleatisch- 
megavischen. Ich erlaube mir einen neuen beleg dafür anzu- 
führen, p. 141 C f . wird das jünger- und älterwerden des einen 
mit einem durch die eigenthümlichkeit der griechischen spräche 
begünstigten taschenspielerkunststückchen bewiesen. Der betrug 
enthüllt sich bald jedem, der äugen hat zu sehen. Daß er aber 



30 7. Piaton. Nr. 1. 

auch im sinne des Plato selbst nichts anderes als ein sophisma 
ist, zeigt schlagend der vergleich mit einer stelle des Charmides. 
Im letzten theil dieses dialogs , wo Plato auf das wissen vom 
wissen zu sprechen kommt, zeigt er, daß begriffe , die nicht für 
sich allein eine vollständige Vorstellung ausmachen, sondern, um 
einen sinn zu geben, die angäbe dessen erfordern, worauf sie 
sich beziehen, ihre beziehung nicht auf sich selbst, sondern nur 
auf etwas von ihnen verschiedenes haben können. Der beweis 
wird durch exemplificirung mit reinen verhältnißbegriffen , wie 
,, größer", „schwerer" , „älter", „doppelt" u. s. w. geführt, die, 
wenn sie nicht sinnlos werden sollen , ihre beziehung nie auf 
sich selbst haben dürfen. Denn was älter ist als es selbst, 
müßte auch noth wendig jünger als es selbst sein und so fort, 
was doch ein ding der Unmöglichkeit ist. Ogäg n'vv , heißt es 
dann weiter 168 E, co KgiTt'a, nti oaa Sielijli&a^ev , zd fxsv 
avToov dSvvaza narrano.ai qairsrai ijfiiv, ta 8" l amarsJrai ayx'dga 
[trj tzot' av rtjv snvröäv 8vvu(aiv ngog iavra ayjrv ; (isyi&t] /< s v 
y a g y. a } n 1 r'j & q x a i r a t o iav t a n av t d n a o i v a 8 v v a- 
z o v. Ein treffenderes zeugniß kann man nicht verlangen , we- 
nigstens der nicht, dem der Charmides als werk des Plato gilt. 
Will man aber dem schon arg beschnittenen reiche des könig- 
lichen philosophen auch diese kleine provinz noch rauben , so 
steht uns noch ein anderes zeugniß zu geböte, an dem der zwei- 
fei sich nicht versuchen wird. Ich meine Epl. 430 E. Da wird 
gelegentlich einer erörterung über die amqtgoavvtj der ausdruck 
xgeCzzav savrov gebraucht. „Ist dies nicht ein lächerlicher aus- 
druck, dies xoeCrzcor iavrov?" fragt Socrates. Denn wer xgtCr- 
rcoi' savrov ist, müßte nothwendig auch "irrwv iavrov sein. Das 
ist, was die logische seite der sache anlangt, genau das näm- 
liche, wie mit dem älter- und jüngerwerden. Und wie löst So- 
crates das räthsel? Sehr einfach und richtig, indem er sagt, 
die seele habe einen besseren und einen schlechteren theil 431 A 
x«J. orav uh' ro ßiXriov cpvaet tqv %elgorog tyxgarsg y } rnvro 
Xeystv ro xgsi'rro) savrov, brav 8s vno rgocptjg xaxrjg i) rivog 
6[AiMag ygarij&y vno nXiföovg rov %sigovog a^iixgorsgov zu ßel- 
iiov öv, rovro 8e eog iv 6vs(8si xpsysiv re xai xctks.lv ?]rzco savrov. 
Er weiß also sehr genau , daß der gebrauch des savrov nur in 
einer freiheit der spräche seinen grund hat und in ernster, wis- 
senschaftlicher Untersuchung immer erst auf seinen wahren sinn 



Nr. 1. 7. Piaton. 31 

zurückgeführt werden muß. Doch ist es zeit zu unserem haupt- 
gegenstand zurückzukehren. 

Weit bedeutender als das bisher besprochene und zugleich 
geeigneter die Zustimmung des lesers zu gewinnen scheinen mir 
die folgenden abschnitte, über die echtheit des 13. briefes mit 
den daran sich schließenden folgerungen. Von den gründen, 
die mau gegen die echtheit dieses briefes geltend gemacht hat, 
• ist in der that kein einziger völlig durchschlagend ; man hat 
sich bei der achterklärung gegen diesen brief mehr mit bemän- 
geln, spötteln und vornehmem nasenrümpfen über die weltmanns- 
geschäftigkeit und die irdischen sorgen des göttlichen Plato, als 
mit beweisen geholfen, deren ein einziger, und wäre er noch so 
kurz, mehr besagen würde, als ein ganzer berg von ausstellun- 
gen und bemerkungen der ersteren art. Das indfistai der 
handschriften, der alleinige, unmittelbare äußere anhält für die un- 
echtheit, kann die geltung eines solchen beweises nicht haben. 
Hält man sich also an den grundsatz , daß keiner verur- 
theilt werden darf , der nicht überführt ist , so hat unser brief 
einigen anspruch auf freisprechung. Ich wenigstens gestehe, 
daß ich keinen weg sehe , ihm so beizukommen , daß er sich 
nicht heraushelfen könnte. Denn selbst das auf den ersten blick 
den verdacht allerdings stark herausfordernde und auch von un- 
serem verf. nicht freundlich angesehene unterseheidungs - und 
Wahrzeichen für seine briefe , auf das hier Plato hinweist , ver- 
liert viel von dem sonderbaren , das ihm anzuhaften scheint, 
wenn man beachtet, was Bentley in seinen Remarks upon a late 
discourse of free thinking darüber sagt. Da dies buch nur in 
weniger bände sein dürfte und nicht leicht zu bekommen ist, 
so setze ich die betreffende stelle, nach der Übersetzung von 
Rambach p. 476 ff. wörtlich her: „die wahre meinung des Plato 
mag beschaffen gewesen sein wie sie will; so ist doch gewiß 
genug, daß sich dieses angegebene Wahrzeichen weder in einem 
seiner briefe, noch vor denselben finden läßt. Unter allen drei- 
zehn briefen ist kein einziger anzutreffen , darin das wort &sog 
oder Oeoi gelesen werden sollte. Wo ich nicht sehr irre , so 
würde dieses Wahrzeichen entweder auswendig auf den brief, 
oder über denselben etwa folgen dergestalt haben gesetzet wer- 
den müssen: avv &sdp, wenn es ihm ein ernst gewesen ; ttvv &eo?g 



82 7. Piaton. Nr. 1. 

aber, wenn er geheuchelt. Diese formularien waren damals ge- 
wöhnlich , wenn man von einer wichtigen schrift oder rede den 
anfang machen wollte. Der gebrauch derselben war auch gleich- 
gültig (d. i. gleichwerthig) ; es wurde ein für das andere in ei- 
nerlei bedeutung genommen. Xenophon und andere weltwei- 
sen der damaligen zeiten schrieben manchmal: ävv Oeoig, da 
indessen Euripides, Aristophanes und andere zuweilen 
schrieben : avv &£<$• Plato konnte daher von beiden worten 
nicht eins auswählen , das seinen absichten gemäßer gewesen 
wäre, weil keine von diesen beiden formuln ihn einem Übeln 
verdacht unterwarf , oder von seiner wahren meinung etwas 
gewisses daraus geschlossen werden können. Ich muß daher 
nur bekennen, daß die anmerkung des Eusebii (daß Plato ei- 
nen einigen gott damit bekannt habe) mir so wohl gefällt, daß 
ich es nicht ohne verdruß würde haben ansehen können , wenn 
etwa Plato die worte avv öfotv vor seine ernstlichen biiefe, 
avv Vtcp aber vor die scherzbriefe und schlechte angelegenheiten 
hingesetzt hätte". 

Wenn nun weiter aus diesem ergebniß Schlüsse gemacht 
werden auf die abfassungszeit des Sophistes und Politikos , so 
geschieht dies auf gruud des versuchten nachweises , daß mit 
den im briefe erwähnten Öiatgeaeic nichts anderes gemeint sei, 
als diese beiden dialoge. Dieser nachweis aber stützt sich sei- 
nerseits auf die bemerkung des Aristoteles De part. anim. 
642b, 10 über die ysyguiJfAsvat Öiaighsti,;. Daß diese bemer- 
kung, ungeachtet es Plato im Sophist zunächst nicht auf eine 
eintheilung der thiere , sondern der jagd , im Politikos aber 
bloß auf eine eintheilung der heerdenthiere abgesehen hat , auf 
die betreffenden dialoge gehen könne, wird sich bei der be- 
kannten , nicht allzu ängstlichen anführungsweise des Aristote- 
les kaum in abrede stellen lassen. Und ich bin um so eher 
geneigt , Christ zu folgen , als der ausdruck diaioiaetg in bezie- 
hung auf diese beiden dialoge durchaus am platze ist. 

Die letzten abschnitte , über die abfassungszeit einer gan- 
zen reihe von dialogen , bringen manche beachtenswerthe be- 
merkung , doch keine endgültige entscheidung : adhuc sub iu- 
dice lis est. 

Otto Apelt. 



Nr. 1. 8. Lexicographie. 33 

8. A. Kopp, beitrage zur griechischen excerptenlitteratur. 
Berlin 1887, R. Gärtners Verlagsbuchhandlung (H. Heyfelder). 

Der zweite theil dieser beitrage (p. 71 — 164) enthält eine 
satura von quellenstudien, von bibliographischen und bibliothekari- 
schen nachweisen zu den griechischen grammatikern, glossatoren und 
lexikographen. No. 1 (p. 71) bringt den nicht gerade schwer zu füh- 
renden nachweis, daß der in einem Laurentianus überlieferte titel 
0tai.Tt]zoc T7t-(ji Atiiv.Üii ovotutTcar nicht, wie Bandini meinte, einen 
glossator Theaitetos verbürgt, sondern auf die quelle der ex- 
cerpierten glossen, Plato's Theaetet, zu beziehen ist. P. 72 — 75 
(no. II) gewinnt Kopp für die von Stein behandelten Herodot- 
glossare unbenutztes material aus Bachmann's Auecdota und 
Gregor von Korinth. No. III (p. 76 — 99) enthält eine Zer- 
gliederung des von Hermann herausgegebenen „Libellus de con- 
structione verborum", sowie eine fleißige Zusammenstellung ähn- 
licher theils anonymer, theils unter dem namen Planudes, Har- 
menopulos u. a. verbreiteter ovttii£ti<; Qr^tüimt'. No. IV „das 
eUjUß'^'-'VhBxikon" (p. 100 — 106), ein schätzenswerther beitrag 
zur quellenkunde des Etymologicum M. , ist dem publicum (bis 
auf die den Darmstadinus betreffende anmerkung p. 101) be- 
reits aus dem Rheinischen museum XL (1885) bekannt. Unter 
no. V (p. 106 — 125) wird der versuch gemacht, für das neuer- 
dings wiederholt , aber mit wenig erfolg behandelte Apollonios- 
lexikon das von Sturz (Etym. Gud. anhang) herausgegebene 
Homerglossar des Apion zu verwerthen , welches von Lehrs in 
die acht erklärt und seitdem fast unbenutzt geblieben ist. Ebenso 
wird no. VI (p. 126 — 135) in den von Lehrs dem Herodian 
abgesprochenen, daher von Lentz nicht berücksichtigten crj^px- 
tininii 'OptjQixoi echtes Herodianisches gut nachgewiesen. Auch 
diese beiden nummern (V und VI) waren bereits in philologischen 
Zeitschriften veröffentlicht. Dagegen bringt der rest des buches 
neue Untersuchungen. In abschnitt VII („auch ein Homerglos- 
sar" p. 135 — 137) werden für die in Bekker's Anecdota III 
veröffentlichten yltoaaut xaza nölstg andre handschriftliche Über- 
lieferungen entwickelt , sowie ihre beziehung auf Homer. 
No. VIII fp. 137 ff.) zerlegt ein zuerst von Oehler herausgege- 
benes glossar in seine bestandtheile: Apion und das atucodeh- 
lexikou, bietet also einen nachtrag zu nr. IV und V. Dem glei- 
chen zwecke dienen die beiden folgenden nummern. Mit ab- 
Philol. Anz. XVII. 3 



34 8. Lexicographie. Nr. 1. 

schnitt IX („das Ludwich'sche glossar" p. 140 — 142) wird ein 
von Ludwicb (Aristarcii p. 612) gegebenes versprechen eingelöst: 
die „vieldeutigen glossen" des Oxoniensis 298 werden (nach ei- 
ner abscbrift Ludwicb's) auf ihre quellen hin untersucht und 
besonders für die Apollonios-Apiofrage verwerthet. Ebenso ver- 
sucht Kopp unter no. X (p. 143 — 158) in den srzifitQiamu iov 
xpu).7ij(jiov des Choeroboskos sowie in den Cramer'schen jihiquao- 
XovOy/xaiu apionische bestandtheile aufzuzeigen, und giebt da- 
mit eine ergänzung seiner 1883 erschienenen dissertation ; zu- 
gleich macht er es wahrscheinlich , daß solche Psalter-Epimeris- 
men im Etyni. M. benutzt sind und die hauptquelle der nagu- 
VLolov&tjfiuza bildeten. Der Zergliederung dieser nuoay.olnvdij- 
fAUTn ist auch die letzte nummer gewidmet (XI, p. 158 — 164); 
vor allem werden aus der ziemlich mechanisch zusammengescho- 
benen compilation excerpte aus einer vollständigeren recension 
des Athenaeus ausgeschieden. 

Die durchaus sachlichen , selten das gebiet der hypothese 
streifenden erörterungen Kopp's kennzeichnen sich als das 
resultat energischer und umsichtiger forschungen auf diesem 
dornenreichen gebiete und werden zweifelsohne künftigen bear- 
beitern und herausgebern — der verf. könnte gewiß einen 
guten theil der last auf seinen eignen schultern tragen — die 
besten dienste leisten. Zu einem abschließenden urtheil über 
das gebotene hält sich ref. nicht für berechtigt , da er im ein- 
zelnen nicht selbständig nachgearbeitet hat. Diese Versäumnis 
wird ihm niemand verdenken. Wer wird die — ygvTu86y-i] auf- 
räumen, wenn der blitz in's haus gefahren ist? Und in der läge 
etwa sind wir, lector benevole, hinsichtlich des ersten theils. 
Folge mir also und hilf retten, wenn noch etwas zu retten ist — 
tua res agitur. 

Als einer der werthvollsten handschriftenfunde gilt seit sei- 
ner publication im jähre 1868 ein von Miller auf dem Athos 
gefundener miscellancodex, der unter anderm vier bis 
dahin in dieser form unbekannte parömiographiscbe Sammlungen 
und etliche durch vornehme namen ausgezeichnete excerpte 
grammatischen und lexikalischen inhalts enthielt. Die werth- 
schätzung des Athous wurde nicht verringert durch die glück- 
liche entdeckung einer floreutinischen parallelhandschrift durch 
Fresenius, da die reihenfolge der bestandtheile hier gestört und 



Nr. 1. 8. Lexicographie. 35 

der inhalt der einzelnen nummern erheblich reduciert ist. Auch 
der Vindoboneusis, den der ref. im jähre 1884 ans licht gezogen 
und auf der Dessauer philologenversammlung kurz charakteri- 
siert hat 1 ), erwies sich als ein gemellus der florentinischen hand- 
schrift und konnte dem Athous nicht die wage halten. Von ei- 
nigen schüchternen klagen über kleine mängel des kritischen 
apparates und der diplomatischen nachweise abgesehen") hat 
sich daher Miller's buch bis vor kurzem in ungeschmälertem 
ansehen behauptet. In den fragmentensammlungen griechischer 
autoren kommt jetzt der Athous meist unter den ersten zeugen 
an's wort ; für das labyrinth der parömiographischen tradition 
schien er endlich den Ariadnefaden an die hand zu geben, mit 
dem sich ein geduldiger forscher an's licht hinausfinden konnte ; 
kaum ein gebiet der griechischen philologie giebt es, dessen 
bearbeiter sich nicht zu einer gelegentlichen benutzung dieser 
quelle veranlaßt gesehen hätten. Allmählich in diesem jähre 
zog sich das unwetter zusammen. Die ersten Vorboten beobach- 
tete ref. in einem aufsatze A. Ludwich's Rhein, mus. XLI, p. 
442. Bald darauf erschien das buch Kopp's. 

Der Athous ist nach Kopp eine fälschung Mil- 
ler's. Bei seinen arbeiten in der Laurentiana soll der berühmte 
französische gelehrte auf den später von Fresenius nachgewiese- 
nen Laurentianus aufmerksam geworden sein und diesen an sich 
unschätzbaren fund mit hilfe der uns bekannten lexikographen, 
paroemiographen und grammatikern interpoliert und mit allerlei 
gefälschten titeln verziert haben, um seinen Mdlanges einen grö- 
ßeren umfang und imponierenderes aussehen zugeben (p. 1 — 11). 

Diese anklage ist so unerhört, daß ref. von vornherein — 
geneigt war daran zu glauben Von einer „beeinflussung des 
intellekts durch den willen" wußte er sich ganz frei Die in 
den analecta ad paroemiographica niedergelegten resultate bleiben 
in der hauptsache bestehen, auch wenn der Laurentianus an 

1) Vgl. „Verhandl. der 37. philol. -versamml." p. 219 ff. Kopp 
hat von diesem Vortrag keine notiz genommen. 

2) Auch der ref. bat anal, ad paroemiogr. p. 44 einen Stoßseufzer 
darüber nicbt unterdrücken können. Vor allem ist es zu misbilligen, 
daß Miller seine handschrift nicbt vollständig hat abdrucken lassen, 
sondern auf die Göttinger paroemiographen zu verweisen pflegt: worin 
ihm freilich später Jungblut gefolgt ist. So muß sich ein jeder for- 
scher, der einen klaren überblick über die tradition MLV erhalten 
will , die handschriften erst mühselig reconstruieren. 

3* 



36 8. Lexicographie. Nr. 1. 

stelle des Athous tritt; die nöthigen abzüge würden nirgends 
den a. a. o. p. 128 skizzierten gang der Überlieferungsgeschichte 
unterbrechen ; Kopp täuscht sich p. 45 und sonst über die trag- 
weite seiner kritik. So sah referent denn mit lebhaftester neu- 
gierde der versprocbenen yorjioav qicoQa entgegen. Aber mit je- 
der seite wuchs die enttäuschung , bis schließlich — — doch 
der leser muß sich schon herbeilassen , den ganzen krebsgang 
schritt für schritt mit zurückzumachen , um glauben zu können, 
daß ein scharfsinniger und unterrichteter mann wie Kopp sich 
wirklich in diese Sackgasse verloren hat trotz der besten Weg- 
weiser und führer. 

Um jedes mißverständnis auszuschließen lasse ich die haupt- 
stellen aus Kopp's schrift hier abdrucken, gewissermaßen als 
Stichwort für meine gegenbemerkungen. 

P. 11: „soviel aber darf kühnlich behauptet werden : vor- 
ausgesetzt die möglichkeit, daß jemand , dem zufällig der Laur. 
80, 13 in die hände geriethe, unabhängig von den Miller'schen 
Melanges auf den gedanken kommen konnte , die drei umfang- 
reichsten, besten und . . . nicht alphabetisch geordneten sprich- 
wörterreihen dieses Laurentius für authentische excerpte aus den 
drei büchern des Zenobius zu halten , diese möglichkeit voraus- 
gesetzt, hätten die wesentlichsten Schlüsse . . . auf grund des 
Laurentianus allein zuverlässiger und besser gezogen werden 
können, diese möglichkeit vorausgesetzt, schrumpfen die 
Miller' sehen Sprichwörtersammlungen zu vollstän- 
diger w e s e nl osi gk eit herab". 

Das recht, so zu reden, hätte Kopp nur, wenn er die par- 
oemiographen des ,, alten corpus" kritisch durchgearbeitet hätte. 
Ref. bezweifelt das nach dem p. 10 von Kopp abgelegten ge- 
ständnis und versichert seinerseits, daß sich ihm Miller's hand- 
schrift — und nur diese — in mehr als einem falle als treff- 
lichsten führer erwiesen hat. Auch gehört eine wahrhaft ge- 
niale divination dazu, den wirklichen Sachverhalt, wie er durch die 
vulgär-handschriften bestätigt wird , aus den durcheinanderge- 
worfenen trümmern des Laurentianus zu erschließen. Miller hat 
nirgends gezeigt, daß er für die kritischen grundprobleme auf 
diesem gebiete ein besonderes interesse oder Verständnis hatte: 
und nun soll er durch combination eine solche entdeckung ge- 
macht — und die entdeckung zum betrüge misbraucht haben ! 



Nr. 1. 8. Lexicographie. 37 

P. 13 constatiert Kopp die identität der alphabetischen 
Sammlung des sophista anonymus in beiden handschriften und 
fährt fort p. 14: 

„Höchst verdächtig ist an der vierten Miller'scheu 
Sammlung der umstand, daß hier die fortlaufenden Zah- 
lenangaben, welche L hat, fehlen. Die Zählung im Lau- 
rentianus ist eine ziemlich ungenaue, . . . wahrscheinlich ist sie 
dadurch entstanden, daß der Schreiber von L die Zahlenangaben 
aus seiner vorläge unverändert hinübernahm , sich dabei aber 
manche einschiebungen erlaubte, welche er nicht mit- 
zählte. Wenn Miller die in den ursprünglichen rahmen 
erst durch L hineingekommenen zusätze ebenfalls auf- 
weist, so . . . muß man annehmen daß Miller abhängig 
ist von L. Weun bei M die anfangsartikel . . . fehlen und 
die Schlußartikel verschoben sind, so erkennt man unschwer das 
bestreben Miller's, den Zusammenhang seiner publikation mit ih- 
rer wahren quelle zu verdecken". 

Was soll man sagen zu dieser bodenlosen sophistik ! Die 
angeblichen „zusätze des Laurentianus" finden sich sammt und 
sonders in den entsprechenden sprichwörterreihen der vulgär- 
handschriften, deren archetypon aus einem mit der recension 
MLV identischen exemplar abgeleitet ist 3 ], standen also wohl 
schon im neunten Jahrhundert in der alphabetischen schlußsamm- 
lung. Zahlen sind in einer nach mehreren buchstaben alphabe- 
tisch geordneten sammlung herzlich überflüssig und sicher nicht 
aus dem archetypon herübergenotnmen, sondern eine zuthat der 
recensio Laurentiana, au die man keinerlei Schlußfolgerungen an- 
knüpfen darf. 

S. 15 ff. macht Kopp dann als besonders gravierendes mo- 
ment die thatsache geltend , daß sich die Sprichwörter der Mil- 
ler'schen sammlung fast ausnahmslos im Göttinger corpus nach- 
weisen lassen. Das konnte aber gar nicht anders sein, weil, wie 
oben angedeutet, den vulgär-recensionen des Zenobios (Pseudo-Dio- 
genian, Gregorios etc.) ein vorzügliches archetypon zu gründe liegt, 
dessen (etwa dem neunten Jahrhundert angehöriger) Schreiber die 

3) Laur. **' 1 und 2 und k' z. b. Zenob. Par. I, 34—36. Wie 
konnte verf. nur über diese dinge reden, ohne sich mit den Anall. p. 
102 ff. gegebenen nachweisen abzufinden? Auch F. Brachmann's für 
diese fragen sehr nutzbaren Untersuchungen über Pseudo- Diogenian 
kennt er nicht. 



38 8. Lexicographie. Nr. 1. 

noch ziemlich vollständige vorläge der späten und spärlichen 
Athous-excerpte benutzt, zerzupft und alphabetisch geordnet hat. 

Soweit trägt Kopp in der that negative „bedenken" vor. 
Aber schon p. 18 kommt er in die schlimme läge, uns positive 
Vorzüge des Athous weg eskamotieren zu müssen. 

Lange zeit lief das dritte buch des Zenobios , angeblich 
nach dem Zeugnisse des Laurentianus, unter dem titel PlutarcM 
proverbia Alexandrina. Ein hartnäckiger windmühlenkampf ist 
darum geführt, ob das wirklich alexandrinische Sprichwörter sein 
könnten oder nicht. In Miller's Melanges ist zum ersten mal 
der falsche titel verschwunden und die Sammlung an die stelle 
gerückt, die ihr auch nach der reihenfolge der excerpten-schich- 
ten in den vulgär-handschriften allein zukommt. Weiterhin ge- 
lang dann dem referenten auch die gegenprobe: der nachweis, 
daß der in L fälschlich als subscriptio zu Zenob. III gezogene titel 
TiXovTaQftov naootpiat u. s. w. auf die folgende, demnächst in ei- 
ner Sonderausgabe zu veröffentlichende Sammlung zu beziehen ist. 

Hier schlägt auch Kopp das gewissen. P 18: „in dieser 
vorausnähme unzweifelhaft richtiger thatsachen durch den Mil- 
ler'schen Athous scheint für denjenigen, welcher bei Miller außer 
der durch L gebotenen soliden grundlage nur moderne luft- 
schlösser und kartehhäuser annehmen will, etwas wie ein inkom- 
mensurabler rest zu liegen". (Den folgenden durch 16 zeilen 
sich hinwindenden und drehenden satz erspare ich dem leser, 
so charakteristisch er ist). „Und doch , wenn jemand erst ein- 
mal die absieht hatte, die anonymen Sammlungen des Lauren- 
tianus zur Herstellung eines möglichst ursprünglichen Zenobius 
zu verwenden, so bedurfte er dreier nicht alphabetisch geord- 
neter sprich wörterreihen, und wenn er da auch nach der in rede 
stehenden griff, so war das ganz natürlich ; sonst hätte ihm eine 
reihe gefehlt (!) ; und da der name Plutarchs ohnehin längst an- 
gezweifelt war, so bedurfte es keines großen Verstan- 
des, um die zweifelhafte Unterschrift auszulassen 
und so ein drittes buch des Zenobius zu gewinnen". 

"A-noWw anoTQvnaie — — Wenn nur vor Miller jemand 
diesen verstand gehabt hätte ! Erasmus und die altern gelehr- 
ten, die den Laurentianus oder ein ebenbild von ihm benutzten, 
haben ihn nicht besessen. Und wer ihn besitzt, der soll so 
einfältig und so niederträchtig sein, auf den rühm einer durch 



Nr. 1. 8. Lexicographie. 39 

scharfsinnige combination gewonneneu entdeckung zu verzichten, 
um — das liebe publicum zu beschwindeln? Ein millionär, der 
sein geld aus dem fenster wirft und unter die f'alschmünzer geht! 
Dieses „dritte buch des Zenobios" hat nun im Athous 44 
Sprichwörter mehr, als in L , zum weitaus größten theil freilich 
nur im index der lemmata. Daß dieser Überschuß nach Kopp 
(p. 20 ff.) von Miller eingeschwärzt ist, weiß der leser schon. 
Aber auch hier schlägt ein untrügliches kriterium die anklage 
nieder. Die nur im Athous überlieferten Sprichwör- 
ter sind nach denselben, erst durch Fr. Scholl und den 
ref. nachgewiesenen prinzipien gruppenweise geord- 
net, wie die Laurentianischen. Kopp kann die ausein- 
andersetzungeu Anall. p. 80 — 90 (vgl. besonders p. 82, 2 -, 85,3) 
nicht gelesen haben. Wenn ich ihn mit dem maße messen 
wollte, dessen er sich Miller gegenüber bedient, würde ich sagen : 
er hat sie absichtlich ignoriert , weil sie ihm unbequem waren. 
Dieselben ärmlichen scheingründe werden p. 23 ff. gegen 
Zenob M I ins feld geführt. An eine Widerlegung will ref. 
um so weniger zeit verschwenden , als bei der besprechung 
der zweiten Sammlung p. 25 f. Kopp's ansieht vollends den gna- 
denstoß erhält — der verf. täuscht sich und den leser nur müh- 
sam darüber hinweg. Das Verzeichnis der lemmata im Athous 
hat im anfange der Sammlung 14 artikel mehr, als der text in 
MLV. Man höre darüber Kopp p. 26: 

„Bei dem gegenwärtigen stände der ansichten würde der 
Schreiber des Laurentianus eine sammlung , welche als das ihr 
vorgeheftete Verzeichnis weniger vollständig war 4 ), vorgefunden, 
die nur im Verzeichnis gegebenen Sprichwörter gestrichen und 
mit neuer numerierung die etwas verkürzte reihe der vollstän- 
digen artikel hinübergeschrieben haben. Eine solche kombina- 
tion klingt einigermaßen annehmbar, aber um der 14 gar zu 
leicht vorzuschiebenden lemmata willen wird man 
den glauben an das umgekehrte Verhältnis, wonach L 
vielmehr als vorläge für M zu gelten hat, nicht aufgeben. 
Allerdings ist scheinbar . . . die Zugehörigkeit der 14 nur 
in lemmaten erhaltenen Sprichwörter durch eine scharfsinnige 

4) Ein furchtbares deutsch -latein ! Doch über die formellen ei- 
genschaften der beitrage will ref. kein wort weiter verlieren. Der 
stil ist ebenso grob zugehauen, wie der inhalt. 



40 8. Lexicographie . Nr. 1. 

beobachtung sicher gestellt, welche Crusius gemacht hat. Die- 
ser führt (s. Anall. p. 77, p. 132 ff.) die ersten 28 Sprich- 
wörter der zweiten Millerschen Sammlung in ge- 
schlossener reihe auf Demon zurück. Aber zu großes 
gewicht darf darauf nicht gelegt werden, auch hier könnte Mil- 
ler sehr wohl seiner neigung zu verwirrenden winkelzügen nach- 
gegangen sein . . ." : was dann p. 27 dahin präcisiert wird, daß 
Miller „diebeziehungen zu Demon für das umlie- 
gende stück merkend, eine nachlese vonDemonar- 
tikeln gehalten und in den lemmaten am anfange seines 
Athous verwerthet habe. Für besonders schwierig wird die aus- 
führung dieses demonischen(I) kunstgriffes wohl nicht gelten". 

Man sieht, schließlich wird der verf. denn doch etwas klein- 
laut. Also Miller soll nicht nur für die in L als gruppe 
überlieferten, sondern auch für 1 4 eng verwandte, aber 
durch alle alphabetischen Sammlungen hin ver- 
streute artikel die gleiche quelle — den Atthidogra- 
phen Demon richtig erkannt, die disiecta membra, deren Zu- 
sammengehörigkeit bisher den geübtesten äugen verborgen ge- 
blieben war, sorglich gesammelt — und ohne angäbe des Sach- 
verhaltes diese tiefgreifende entdeckung nicht als sein 
geistiges eigenthum in anspruch genommen, sondern zu einer 
elenden Schwindelei benutzt haben! Und während 
die ausführungen des referenten , dem das mehr als doppelt so 
umfängliche material des Athous zu geböte stand , mit dem epi- 
theton ornans „scharfsinnig" bedacht werden , soll dieser „demo- 
nische kunstgriff " Miliern unter viel ungünstigeren bedingungen 
„nicht besonders schwierig" gewesen sein ! Der schlagfertigste 
gegner könnte Kopp in der that nicht besser ad absurdum füh- 
ren, als er es selbst gethan hat. 

Aber auch hier muß der ref. dem verf. den Vorwurf ma- 
chen , daß er — um in seinem tone zu reden — einen theil 
der gegeninstanzen unterschlagen hat. Anal. ad. paroemiogr. 
p. 78, 150 ist im zweiten buch des Miller'schen Zenobios ein 
nach grammatischen gesichtspunkten systematisch geordnetes ex- 
cerpt (vielleicht aus Aristophanes von Byzanz) nachgewiesen, 
dessen bedeutung die früheren arbeiter (auch Nauck) nicht er- 
kannt hatten. Von den 21 inM erhaltenen trümmern fehlen in 
L nicht weniger als 10; das plus bei Miller ist aber 



Nr. 1. 8. Lexikographie. 41 

genau nach demselben strengen Schema geordnet, 
wie die beiden handschriften gemeinschaftlichen 
nummeru. Soll Miller's Scharfblick auch hier gleich beim co- 
pieren oder vergleichen des Laurentianus die zusammenhänge 
entdeckt und diese entdeckung dadurch gekrönt haben, daß er 
in dem ganzen corpus verwandte stücke zusammen suchte, — 
alles in derselben betrügerischen absieht? In beiden fällen le- 
gen endlich wiederum die vulgärhaurlschriften ein zeugnis ab, 
dem sich nicht widersprechen läßt: denn in ihnen stehen die 
angeblichen zusätze Miller' s ganz an ihrer stelle 
zwischen den excerpten aus dem anfange oder der 
mitte des „zweiten buch es" (vgl. z. b. Zenob. Bodl. 568 
— 571 mit Zenob. MM. II, 4, 8, 11). 

ySapienti sat. Hat noch jemand lust, die anderen beden- 
ken Kopp's kennen zu lernen?" frage ich mit dem verf p. 17. 
Besser sind sie um kein haar; immer dasselbe einförmige „kreu- 
ziget ihn" ohne greifbare gründe. Die namen für die übrigen 
opuscules divers, die in den Untersuchungen über Sneton , Ari- 
stophaues von Byzanz u. s. w. eine so große rolle gespielt ha- 
haben, sind nach Kopp allesammt „nicht ganz ungeschickte, aber 
ganz willkürliche combinationen Miller's" (p. 31. 40) Da er 
eben „die Unredlichkeit . . . der Miller'schen Melanges erwei- 
sen will" (p. 35), ist es ihm natürlich sehr willkommen, 
daß er in einem waffengange (bei den excerpten und Didymos 
jiti/i reo» anoQOvufi mv nuQit [JXtxioovt li^coi) an Nauck einen 
kampfgenossen findet. Aber außer dem Chalkenteros hat es 
doch auch noch jüngere grammatiker und philosophen gleichen 
namens gegeben, denen man das schriftchen sehr wohl zutrauen 
könnte: so daß nicht einmal in diesem falle ein zweifei au der 
„echtheit" des titeis berechtigt wäre, sondern nur eine Zurück- 
weisung der von Miller beliebten beziehung auf den bekannten 
Alexandriner 5 ). Doch ich bescheide mich damit, den verf. beim 
worte zunehmen, wenn er p 31 sagt: „gilt ein Athous von der 
durch Miller und sonst niemanden bezeugten gestalt wie bisher 
auch fürderhin für denkbar und wahrscheinlich, so bedürfte es, 
um die unechtheit der Millerschen excerpte darzuthun, zwingen- 
derer beweisgründe . . . Dürftigkeit allein, den meisten kleineren 
werken gegenüber der einzige beweggrund zu ihrer unechtheits- 
erklärung , kann in einem excerptencodex . . . keineswegs be- 
5) Vgl. auch Leop. Cohn „Quellen der Platoscholien" p. 795. 



42 8. Lexicographie. Nr 1. 

fremden . . . Demnach wird, wer etwa fortfährt an die Miller- 
schen mittheilungen aus dem Athous zu glauben, sich dieses 
oder jenes mißliebige excerpt . . . nicht außer mit plumper will- 
kürlichkeit vom halse schaffen können . . ." Ref. glaubt an die 
Miller'sche handschrift, denn sie hat wunder gethan bei der klä- 
rung und Ordnung der paroemiographischen und grammatischen 
tradition, wunder, die ihr Laurentianischer Gemellus nicht hätte 
verrichten können. Und obgleich Kopp die geistesverfassung 
und das zukünftige loos dieser gläubigen p. 45 und sonst schwarz 
in schwarz malt, wie ein bußprediger oder ketzerrichter, so giebt 
ref. doch die hoffnung nicht auf, ihn zu bekehren und ihm der- 
einst bei gemeinschaftlicher arbeit zu begegnen im dienste des 
Miller'schen Athous. Dann wird schließlich auch sein urtheil 
über die hochinteressanten orphischen hymnen noch milder lau- 
ten , als jetzt (p. 54) 6 ). 

In der hauptsache ist also dieser theil der Kopp'schen schrift 
ein schlag in's wasser. Aber vielleicht veranlaßt die derbe, un- 
bedachte und leider durch einen höchst plumpen Chauvinismus 
verunzierte invective auf die ehre eines allgemein geachteten 
französischen gelehrten unsre zunftgenossen jenseits der Vogesen 
zu energischer abwehr und zu endlichen sorgsamen er- 
hebungen über Mille r' s nach laß und den verbleib 
des Athous 7 ). Die athoische handschrift, der 
höchst so rgfältigen und umsichtigen beschreibung 
in den Melanges durchaus entsprechend, hat sich im 
nachlasse Millers vorgefunden. Auf das ultimum ref., daß 
doch auch die handschrift selbst gefälscht sein könne, wird Kopp 
hoffentlich verzichten. Alle bemühungen des unterzeichneten, 
sich genauere informationen über die wichtige handschrift zu 
verschaffen, sind bisher ohne erfolg geblieben. 

Zum sehluß sei hier noch auf die sorgsamen Zusammen- 
stellungen über den „reichthum der Laurentiana an sprichwör- 
tersammlungen" p. 58 — 65 dankbar hingewiesen. Kopp hat 
den trefflichen Bandini'schen katalog mit großem fleiße durch- 

6) Die handschrift ist verzeichnet in Omont's Iuveataire du Supple- 
ment Grec no. 574 — was Kopp übersehen hat! 

7) Dieser wünsch hat sich inzwischen erfüllt. Vgl. A. Croiset 
„une calomnie litteraire" in der Revue critique 1886, 48, 430 f. und 
besonders den ausführlichen bericht von H. Weil im Journal des sa- 
vants 1886, p. 658 — 666, für dessen Zusendung ich dem verehrten vrf. 
auch hier meinen dank ausspreche. 



Nr. 1. 9. Plautus. 43 

gearbeitet und macht auf mehrere nummern aufmerksam , die 
auch dem referenten trotz vielfacher benutzung derselben quelle 
entgangen waren. Die bei Kopp wiederholt als inedita erwähn- 
ten Sprichwörter des Planudes sind bereits 1879 von Piccolomini 
und neuerdings von E. Kurtz herausgegeben , freilich recht un- 
genügend (s. die nachträgliche bemerkung im index p. 165); 
eine genauere besprechung der interessanten Sammlung soll an 
anderer stelle gegeben werden. 0. Crusius. 



9. De hiatu Plautino quaestionum prima pars, qua agitur 
de hiatu qui fit in thesi. Scripsit Ericus Below. Berolini 
apud Weidmannos 1885. 94 p. 

Es ist unstreitig eines der schwierigsten kapitel Plautini- 
scher kritik, von dem einen theil die vorliegende schrift behan- 
delt : wie die meisten der neueren forscher ist auch Below be- 
strebt, für den gesetzlichen gebrauch des hiatus bei Plautus eine 
größere ausdehnung in ansprach zu nehmen, als Ritschi für zu- 
lässig gehalten. Below geht aber außerordentlich weit: in der 
thesis soll überall in einsilbigen, wie in zwei- und mehrsilbigen 
Wörtern ohne jeden unterschied bei langem vokal , diphthong 
und mit m schließender silbe dem dichter gestattet gewesen sein, 
die synalöphe zu unterlassen: der lange vokal, der diphthong, 
die auf m schließende silbe seien in diesem falle nur verkürzt 
worden. Den ausgang der Untersuchung nimmt er von der be- 
kannten stelle Orator § 152, wo Cicero von Naevius behauptet, 
er habe oft den hiatus zugelassen, Ennius dagegen selten: es 
liege kein grund vor, meint Below, den Plautus eher dem En- 
nius als dem Naevius zuzugesellen-, auch spreche Cicero sehr 
ungenau und was er von der abnei°:ung des lateins bezüglich 
des hiatus behaupte, beziehe sich nur auf seine zeit und die 
spräche des redners: die letzte behauptung ist jedenfalls irrig, 
Cicero sagt § 150 . . . nemo ut tarn rusticus sit , qui vocales 
nolit coniungere und 152 sed Graeei viderint: nobis ne si cu- 
piamus quidem, distrahere voces conceditur. Im übrigen läßt sich 
allerdings aus den Worten Cicero's kein sicherer schluß ziehen, 
aber gewiß hat die lateinische spräche ihre abneigung gegen 
den hiatus nicht über nacht gewonnen. Jedenfalls ist also bei 
durchforschung der handschriftlichen Überlieferung der älteren 
dichter vorsieht und strenge Sichtung geboten: etwa sich her- 



44 9. Plautus. Nr. 1. 

ausstellende nachlässigkeiten des Plautus bezüglich des hiatus 
würden durchaus nicht auf einer linie stehen mit der freiheit, 
womit die dichter des älteren dramas die griechischen metra 
ihrer noch etwas ungefügen muttersprache anpaßten: hier führ- 
ten sie etwas fremdes ein , dort handelt es sich um bewahrung 
einer in ihrer spräche vorhandenen neigung. Aus Plautus bringt 
Below zum beweise seiner ansieht sämmtliche in 17 komödien 1 ) 
überlieferten beispiele des hiatus in den oben bezeichneten fällen 
vor. Im ersten kapitel behandelt er die einsilbigen Wörter, 
welche auf e i ö ü ae oi, auf am em om um endigen , im zwei- 
ten kapitel die mehrsilbigen , wozu er stillschweigend auch die 
zweisilbigen rechnet. Man kann dem Verfasser nicht nachrüh- 
men , daß er diese beispielsammlung mit der nöthigen vorsieht 
verwerthet habe ; es ist allerdings ein der zahl der fälle nach 
imposantes material , aber in seiner beweiskraft sehr ungleich. 
Zum großen theil ist an den versen nichts auszusetzen, als daß 
sie eben den hiatus enthalten , zum theil läßt sich der hiatus 
durch siunespause entschuldigen, zum theil fehlt den versen zur 
wünschenswerthen Vollständigkeit des sinnes etwas und setzen 
wir das fehlende hinzu, so schwindet auch der hiatus z. b. Most. 
1032 immo | exturbavit omnia vermissen wir das objekt der per- 
son , welcher Tranio so mitgespielt hat : seit Bothe ward m i 
exturbavit gelesen, oder Pers. 524 at suö periclo | is emat qui mer- 
cäbitur vermissen wir wieder das objekt, in der palatinischen re- 
cension ist überliefert qui eam mercabitur, im Ambrosianus fehlt 
das pronomen , Ritschi schreibt is eam emat : wie leicht konnte 
eam vor emat ausfallen ! Alle bisher angewandten mittel , den 
hiatus zu tilgen, entweder durch Umstellung, oder durch hinzu- 
fügung von wörtchen, welche, für deu sinn nicht unumgänglich 
nothwendig, Plautus an hundert anderen stellen hinzugefügt hat, 
z. b. ego, tu etc. oder die annähme von älteren, später aus der 
spräche verschwundenen formen wie homonis homoni, d im ablativ 
etc. werden verworfen. Der Verfasser sagt p. 82 : Accedit etiam 
quod in corrigendis singulis exemplis alius criticus aliud coniectura 
assecutus est : quin ipse Ritschelius saepenumero unum eundemque lo- 
cum variis modis scribi posse plane confitetur. Aber daraus , daß 
man in anwendung der mittel zur heilung eines verderbnisses 

1) Ausgeschlossen sind Casina Cistellaria Südens, von denen be- 
friedigende kritische ausgaben noch nicht vorliegen. 



Nr. 1. 9. Plautus. 45 

nicht einig ist, oder mehrere wege zur heilung offen stehen, 
folgt noch nicht daß keine heilung nöthig sei. Stellen wie Men. 
475 prandi potavi scörtum accubui \ dbstuli und Merc. 745 vidire 
amplecti | aüsculari \ ddloqui, worüber bemerkt wird haec enim 
exempla eius generis sunt, ut quavis mutatione non possint noii depra- 
vari sind auch nicht absolut beweiskräftig für die Zulassung je- 
der art von hiatus bei langem vokal in der thesis : im ersteren 
falle , um mich an diese beiden namentlich von dem Verfasser 
hervorgehobenen verse zu halten , ist hinter accubui sinnespause, 
das prandere polare accumbere begreift etwas ganz anderes in 
sich, als das folgende auferre: man wird also hinter accubui stär- 
ker interpungieren müssen, bei sinnespause scheint mir ein sol- 
cher hiatus ganz unbedenklich. In dem zweiten falle haben 
wir gewiß eine interpolation vor uns und zwar keine , die den 
anspruch darauf macht, als vers angesehen zu werden: die vier 
verba sind einfach als sachliche erläuterung des vorhergehenden 
verses an den rand beigeschrieben worden. Es ist freilich eine 
allgemein anerkannte thatsache, daß lange silben bei allen dich- 
tem unter bestimmten umständen durch den hiatus, ohne zu 
coalesciren , verkürzt werden können: wenn dies jedoch in der 
thesis des daktylus oder bei Plautus in der thesis des anapäst 
oder in der aufgelösten arsis iambischer oder trochäischer verse 
stattfindet, so muß nach dem metrischen gesetz die im hiatus 
stehende silbe kurz sein, während in allen von Below in der 
vorliegenden schritt für zubissig erachteten fällen die thesis kre- 
tischer verse (s. p. 83) etwa ausgenommen, diese silbe kurz sein 
kann, aber nicht zu sein braucht. Die berufung also auf 
die Verkürzung in der thesis des daktylus und anapäst muß als 
nicht zutreffend abgewiesen werden. Mit mehr recht führt Be- 
low Hör. epod 5, 100 an: et Esquilinae alites, ob aber so ganz 
vereinzelt stehende verse den massengebrauch bei Plautus recht- 
fertigen können, ist mehr als zweifelhaft. 

Bei kurzem vokal in der thesis bestreitet auch Below die 
zulässigkeit des hiatus : die in den handschriften überlieferten 
beispiele seien weit weniger zahlreich und meistens leicht zu 
verbessern. Es darf dabei nicht übersehen werden, daß über- 
haupt viel mehr wortformen im latein auf langen vokal , diph- 
thong und m als auf kurzen vokal endigen. 

Daß Below die frage über zulässigkeit des hiatus in der 



46 10. Italicus. Nr. 1. 

thesis zu einem sicheren abschlu-ß gebracht, muß referent nach 
der gegebenen darlegung verneinen. 

10. Italici Ilias Latiua. Edidit, praefatus est, apparatu cri- 
tico et indice locuplete instruxit Fridericus Plessis. Paris, 
Hachette et cie. 1885. 

Es war ein gewiß zu lobender entschluß von E. Bährens 
den lang vernachlässigten auszug aus der Ilias, der früher unter 
des Pindarus Thebanus namen gegangen war, im dritten bände 
der poetae latini minores auf neugesichteter und zum theil neu- 
beschaffter handschriftlicher grundlage herauszugeben , da die 
arbeit von L. Müller ein verhältnißmäßig seltenes buch gewor- 
den und die ausgäbe von van Kooten-Weytingk trotz des ihr 
wegen des commentars bleibenden werthes nach der seite der 
kritik lange überholt war. In eine beurtheilung der leistung 
Bährens' einzutreten ist hier nicht der ort, manches wird im fol- 
genden gestreift werden; auf ihr und dem in ihr gegebenen 
material beruht aber fast vollständig die neue französische aus- 
gäbe, deren Verfasser in den Prolegomenen (p V — LI) zuerst 
den namen, die zeit, die persönlichkeit des epitomators bespricht, 
dann über die lateinischen bearbeitungen der homerischen ge- 
dichte überhaupt und die eigenthümlichkeit unseres auszugs ins- 
besondere berichtet . zuletzt über die textquellen und den fal- 
schen namen Pindar handelt. Dem text , unter dem die anga- 
ben der handschriftlichen Varianten und die ändeiungen resp. 
emendationen der kritiker, beide getrennt, verzeichnet sind, folgt 
ein ausführlicher index der eigennamen. 

Fragen wir, was diese ausgäbe selbständiges leistet, so ist 
dies nicht bedeutend : der Verfasser hat die Varianten einiger 
werthloser, einer Brüsseler und zweier Pariser, handschriften zu 
1 — 100, 1000 — 1070 und eiuigen andern versen hinzugefügt, 
eine anzahl eigene und mehrere, und zwar zum theil treff- 
liche conjecturen L. Havets gebracht, den index beigegeben 
und alle einschlagende fragen unter geschickter verwerthung 
des von früheren forschem und herausgebern, zumeist deutschen 
gelehrten , beigebrachten materials , soweit er sich dasselbe zu- 
gänglich gemacht hat, übersichtlich behandelt und an einigen 
puncten ausgeführt: damit aber ist das ihm zu zollende lob er- 
schöpft. Doch betrachten wir das einzelne genauer! 



Nr. 1. 10. Italicus. 47 

Zuerst die handschriftliche grundlage ! Alle herausgeber 
beklagen es, daß von den bisher benutzten Codices 1 ) keiner 
über das XI. Jahrhundert zurückgeht: nun aber hätte ein fran- 
zösischer herausgeber vielleicht gelegenheit gehabt, diesem rnangel 
abzuhelfen ; denn es existiert eine handschrift, die, dem X. Jahr- 
hundert an gehörig oder wenigstens zugeschrieben, ihm leicht zu- 
gänglich war, wenn er sich über die handschriftlichen schätze auch 
nur seines Vaterlandes genügend orientiert hätte. Der 1859 
(Paris bei Techener, Valenciennes bei Lemaire) von J. Mangeart 
herausgegebene katalog der handschriften von Valenciennes — 
ich verdanke diese und die folgenden notizen der mir so oft 
bewährten gute A. Schoenes — führt p. 415 s. n. 420 einen 
St. Amandinus auf, der aus dem X. Jahrhundert stammt und an 
vierter stelle : Liber Homeri poetae, de Troiae excidio mit der Über- 
schrift (fol. 100b lin. 29) Incipit -Über Homeri poetae euthält. 
Die handschrift wird schon erwähnt in dem katalog von Saint- 
Amand aus dem XIII. s;iec. n. 43 ('s. G. Bekker, Catalogi bibl. 
nat. p. 232j Terentius cum Omero de excidio Troiae; aus den 
mir vorliegenden Varianten der verse 1 — 110 läßt sich aller- 
dings ein bestimmtes urtheil über die Verwandtschaft mit einem 
der bekannten Codices nicht gewinnen , da sie in auffallenden 
corruptelen bald mit Erf. Leid. z. b. v. 15 tempore vite, bald 
mit dem Florent. [Leid] z. b. 77 se ense 93 haec contra stimmt"), 
aber schon der umstand , daß der St. Amandinus v. 7 in dem 
sicher verderbten verse (s. u.) Protulerant ex quo discordia pectora 
pugne (e von m' 1 ) liest , zeigt , daß er ausbeute verspricht , wäh- 
rend andrerseits aus ihm zu ersehen , daß — immer vorausge- 
setzt, daß seine altersbestimmung richtig ist — die corruptelen 
unseres textes über das elfte Jahrhundert hinabgehen. 

Ebensowenig wie um die textquellen selbst hat sich Ples- 
sis um die textgeschichte seines autors selbständig bemüht : so 
wird aus Freisingen schon im IX. Jahrhundert (s. Bekker 1. 1. 
p. 41) ein exemplar des auszuges erwähnt, eine thatsache, durch 

1) Ueber die Codices der Vaticana. von denen keiner älter ist als 
saec. XIV resp. XIII/X1V s. Schenk],' Zeitschr. f. d. österr. gymn.1875, 
p. 247. 

2) Ich gebe hier die wichtigeren Varianten nach Müllers text v. 7 
protulerant ex quo discordia pectora pugne (e in 2 ), v. 17 levavit = Brif. 19 
ojftisus; 21 nata-eausa salutis, 48 nonae-noctis, 52 Perdere non Pandere 
[53 ca usas], 59 dictis primum, 11 se ense, 85 dexira ac congressus [88 veni 
90 corptis], 96 dilapsa. 



48 10. Italicus. Nr. 1. 

die das citat bei Ermenrich litterargeschichtliche beziehung er- 
hält s. auch L. Müller Philol. XV, p. 476. Auch die einschla- 
gende litteratur ibt ungenügend benutzt, und zum schaden der 
ausgäbe arbeiten wie die über den Erfürtanus ausführlich han- 
delnde von Th. Krafft, Eine Studie zum lateinischen Homer des 
sogenannten Pindarus Thebauus , Nürnberg 1874 und der auf- 
satz von 0. Roßbach (Hermes XVII (1882) p. 515 — 522) über- 
sehen , wie denn überhaupt kaum etwas für den text wichtiges 
bei Plessis zu finden resp. berücksichtigt ist , was er nicht bei 
Bährens, Müller oder van Kooten gefunden hätte. 

Gleich in betreff des vielbehandelten , von 0. Seyffert und 
F. Bücheier scharfsinnig gefundenen acrostichons [Italicus — scri- 
psit] hätte Plessis auf Cic. de divin. II § 111 (L. Müller Q. En- 
nius p. 251 Ennii rell. p. 88 bezieht die stelle auf Ennius Sa- 
tiren) verweisen sollen (s. Döring, Ueber Homerus Latinus, progr. 
des lyceums zu Straßburg 1884, p. 5 3 ): cum deinceps ex primis 
versuum litteris aliquid connectitur , ut in quibusdam Ennianis „Q. 
Ennius fecit". Der Vorschlag L. Havets Protulerunt aufzufassen 
als eine in den text genommene erklärung (= pro tulerunt) ei- 
nes durch sie verdrängten mit u beginnenden wortes scheint 
mir sehr einleuchtend; nur möchte ich wegen v. 813 mit Dö- 
ring (1. 1. p. 5) lieber versarunt . . . pugnas als volverunt . . . 
turbas (Ermenrich liest turmas) lesen. Gleich diese stelle aber 
ist bezeichnend für die arbeit von Plessis. Bährens hat den 
vers 7 aus dem schreiben Ermenrichs von Ellwangen an den 
abt Grimold , welches für die klostergelehrsamkeit in der mitte 
des IX. Jahrhunderts so charakteristisch ist (herausgegeben von 
E. Dümmler, Halle 1873, p. 10), in folgender fassung citiert : 
Protulerunt ex quo discordia pectora turmas. So gibt ihn aller- 
dings Dümmler in einer nachträglichen bemerkung (Deutsche 
forschungen XIII, p. 417), in der ausgäbe selbst aber druckt er, 
ohne angäbe einer Variante, Pertulerunt ex quo etc. = vulg. und 
dies muß doch wohl das maßgebende sein ; so wird ein druck- 
fehler zur grundlage der Havetschen conjectur, die erst durch 
den St. Amandinus ihre nachträgliche und zufällige berechtigung 
erhält. Wie hier begnügt sich Plessis auch sonst mit den an- 

3) Die vermuthung, daß der Italicus derllias mit dem Silius Ita- 
licus der Punica identisch sei, welche Döring ausführlich zu begrün- 
den versucht, weist Plessis p. XVI ab. Auf diese interessante frage 
näher einzugehen, gibt die Plessis'sche arbeit keine veranlassung. 



Nr. 1. 10. Italicus. 49 

gaben von Bährens ; aber maucbe belehrung, die er durch des- 
sen hinweise hätte erhalten könuen, benutzt er nicht einmal, 
da er sie bei Bähreus nicht ausgeschrieben fand. So figuriert 
zu v. 82 noch die von van Kooten gebotene Variante des cod. 
Burmannianus so, wie van Kooten sie gibt, während L. Müller 
schon 1867 (Rhein. Mus. XXII, p. 457 sq.) — und auf diese 
bemerkung verweist Bährens p. 7 — nach eigener einsieht in 
den jetzt in Utrecht befindlichen codex (saec. XIII) dies als 
dessen lesart notiert: n (non) se (e?) pV (der haken des p ist 
fraglich) deus peem ( — und c unsicher) patiatur in ultum. Des- 
gleichen gibt Plessis aus Schenkls aufsatz Zeitschrift für die 
österreichischen gymnasieu 1875 nur das bei Bährens bemerkte: 
für 183 z. b. erwähnt er = Bährens, daß Schenkl statt milite 
forti vorschlug milite multo , daß derselbe aber für 184 Stheneli- 
que decus conjiciert und für 185 pontum = Flor, empfiehlt, bleibt 
bei ihm wie bei Bährens unerwähnt; ebenso hat er wohl = 
Bährens zu v. 224 desselben gelehrten conjeetur exisse verzeich- 
net, aber seine vermuthung zu v. 222 iamque cito ornarant aciem 
mit jenem weggelassen. L. Müllers kritische bemerkungen (Pin- 
iol. XV, p. 483 sqq.) hat er ebensowenig eingesehen s. z. b. ad 
v. 896, wo nach L. Müller entweder coneurrit fortis sed enim 
n. v. a. oder coneurrit sed enim non dis non viribus aequis zu le- 
sen ist: ja zu 1050 wird cavae, welches L. Müller 1. 1. p. 506 
verwirft, trotzdem er es in der ausgäbe beibehalten hatte , em- 
pfohlen mit der note : restit. Mueller, s. auch wegen v. 107 
Müller, Philol. XV, p. 485 adnot. Uebrigeus ist, um auf v. 7 
zurückzukommen, meiner ansieht nach das discordia pectora, wel- 
ches außer bekannten guten codd. der St. Arnandinus und Er- 
menrich bieten , nicht so leicht aufzugeben , als dies von den 
bisherigen herausgebern geschehen ist: denn es findet seine stütze 
in dem homerischen iotciarrf , sein vorbild bei Vergil. Aen. II, 
348 iuvenes, fortissima frustra pectora, und seine parallelen bei 
Italicus selbst v. 95 tu solare tui maerentia pectora nati und 134 
quorum rex fortia dictis pectora collaudat ; die apposition aber stellt 

dieser auch sonst vor das zugehörige nomen z. b. 486. 794. 

Auch für die restitution des Schlußakrostichons bringt Plessis 
eine wiederum auf der annähme einer corruptel durch einge- 
drungene glosse beruhende emendation Havets, der um das für 
scripsit nothwendige r zu gewinnen, statt paucis — raris einsetzt. — 
Philol. Anz. XVII. 4 



50 10. Italicus. Nr. 1. 

Die lebenszeit des I.alicus setzt Plessis auf die gründe hin, 
die Lachmann in einer ganze abhandlungen aufwiegenden kur- 
zen notiz (Kleine Schriften II, p. 161), dann L Müller, Bährens, 
Döring augeführt haben und die er nur leise modificiert, in die 
zeit Tibers oder wenigstens in die erste hälfte des I. saec. p- 
Ch. Metrische gründe gegen diese annähme gibt es nicht, eben- 
sowenig sprachliche: denn das rimabant v. 456 ließe sich als 
archaistische Singularität gewiß vertheidigen. Trotzdem halte 
ich es für verderbt ebenso wie recordat v. 626, welches zu mei- 
ner Verwunderung Plessis , obgleich er es in den text setzt, 
nicht für rimabant anführt. Rimabant ist nämlich nicht nur des- 
halb verdächtig, weil Italicus selbst v. 591 die deponentiale form 
hat, sondern es ist auch wegen eines grammatischen austoßes als 
verderbt anzusehen ; es fehlt nämlich in allen Codices (diese haben 
nur iactis nicht iactisque) die nothwendige copula (s. Haupt Opusc. 
I, p. 104), ohne daß sich stellen wie 143 oder 739 als Verteidi- 
gung dafür beibringen lassen. Deshalb lese ich rimantes , wie 
auch v. 626 das participium mit sämmtlichen codd. außer Leid, 
und Guelf. zu restituieren ist: Hector at (codd. ut , Guelf. et) 
Hesionae nomen casusque recordans . . . ait. Diese verse (621 — 
626) hätte Plessis nach anderen gewiß nicht athetiert, wenn er 
die bemerkungen Roßbachs (1. 1. p. 567) gekannt hätte; der me- 
trische anstoß referre beruht auf corruptel. Diese athetese selbst 
aber, vor der schon das von allen codd. gebotene sanguis., trotz 
L. Müller Piniol. XV, p. 497, hätte warnen sollen, zeugt weiter 
dafür, wie wenig sich Plessis der von ihm selbst in den Prole- 
gomenen betonten eigenthümlichkeit des epitomators bewußt ge- 
blieben ist , der sich besonders nach Vergil äuderungen in der 
Homererzählung an zahlreichen stellen erlaubt hat; denn un- 
sere verse sind veranlaßt durch Verg. Aen. VIII, 131 sqq. Die 
Vergewaltigung dieser stelle führt mich zu einer anderen , zu 
der Plessis sich durch Bährens hat verleiten lassen. Bestimmt 
durch die an sich richtige beobachtung, daß von den troischen 
helden des schiffkatalogs nur Pylaemenes fehlt, dagegen Coroe- 
bus (v. 249) unhomerisch ist, hat Bährens statt dieses jenen 
mit dem selbstgemachten namen Pylaemen, für den er auch die 
Verantwortung tragen mag. eingeführt; L. Müller hatte den gan- 
zen vers beseitigt, Schenkl (p. 250) nach v. 240 oder 243 eine 
lücke angenommen , v. 249 aber mit änderung von claraque in 



Nr. 1. 10. Italicus. 51 

Phrygiaque beibehalten, Döring die ganz unglaubliche conjectur 
Sarpedon, Lycium ductor, Melioque creatus (s. Dictys Cret. II, 35) 
versucht. Plessis behält allerdings zweifelnd Coroebus bei, sucht 
aber den Pylaemenes in einem nach v. 245 eingesetzten selbst- 
gemachten vers hereinzubringen. Ich glaube der vergilische Co- 
roebus muß im text, und Pylaemenes muß entfernt bleiben. Co- 
roebus ist als eine hauptperson Vergils sammt dem Neptunia Troia 
v. 250 in das schulbuch des epitomators eingesetzt aus dem zwei- 
ten buch der Aeneis , wie Hesione aus dem VIII. und die un- 
homerische Situation v. 999 [ter circum muros victor trahit sc. He- 
ctorem) aus dem I. (v. 483 : ter circa Iliacos raptaverat Hectora 
muros), Pylaemenes aber, dessen name bekannte Schwierigkeiten 
bot s. ad II. XIII, 568, wohl mit absieht weggelassen, so daß 
sich hier eine spur kritischen bedenkens resp. wie in der bei- 
behaltung der form Archilochus (s. Roßbach p. 519 adn.) viel- 
leicht ein rest kritischer recension zeigt. Daß sich aber Italicus 
an Homer nicht im einzelnen band , zeigt deutlich die aufzäh- 
lung der spiele (v. 1008 lese ich : Tydides curru, cursu pedibus- 
que feroces Aeolides (= Bährens) superat) die beschreibung des 
Schildes , die erzählung vom tode des Patroclus. Wer ferner 
die homerischen helden reiten (s. v. 479. 496) läßt, wer den 
Atriden mit Ulyxes (v. 372 4 )) und Idomeneus (v. 430, wo lae- 
lus beizubehalten), wer den Nestor (144) mit Ulyxes vertauscht, 
wer von Andromache v. 1058 erzählt, sie habe sich mit Astya- 
nax in das feuer des Scheiterhaufens stürzen wollen, wer, um 
weniger wichtiges zu erwähnen, trotz Ilias VII, 268 sagt: iuve- 
nem saxo percussum sternit eodem (v. 613), wer trotz II. I, 424 sq. 
493 die Thetis sich direct von Achilles zu Zeus begeben , trotz 
II. V, 290 den Pandarus vom schwert statt von der lanze des 
Tydiden fallen läßt, bei dem darf kein besonnener kritiker gegen 
die Codices ändern , um Übereinstimmung mit dem original her- 
zustellen. Deshalb ist Müllers änderung, trotzdem ihm Bährens 
und mit ihm Plessis folgen, v. 604 ensem statt hastam und v. 
608 cuspis statt ensis zu lesen, entschieden zu verwerfen, abge- 
sehen davon, daß v. 616 stringebant i ter um gladlos sie unmög- 
lich macht. — Mit unrecht hat sich Plessis auch in der fassung 

4) Dies führt Plessis p. XXXII selbst an, aber die von ihm ge- 
gebene aufzählung ist weder vollständig, noch enthält sie auch nur 
die charakteristischsten stellen resp. parallelen. Eine gute verglei- 
chung der erzählung des Italicus mit der Homers gibt Döring p. 15 sqq. 

4* 



52 10. Italicusi Nr. 1. 

von 602 Bährens angeschlossen, da das präteriturn patebat durch 
die originalstelle (Ovid. met. XIII, 392 et in pectus . . . qua 
patuit ferrum — ich glaube allerdings, daß hier ferro zu lesen 
ist — letalem condidit ensem) gesichert wird , auf die vielleicht 
auch die einführung des ensis zurückgeht. Ich will in diesem 
Zusammenhang auf eine merkwürdige Übereinstimmung unserer 
epitome mit einer anderen schulbearbeitung der Ilias hinweisen : 
in einem zuge nämlich kommt Italicus überein mit der tabula 
Iliaca. Der epitomator erzählt gegen Homer v. 857: Excitat 
Aetnaeos calidis fornacibus (Voss Aetnaeis calidos) ignes Mulciber 
nach Vergil (VIII, 416 sqq. zum ausdrucke s. VII, 786) die 
tabula Iliaca fügt an derselben stelle die drei kyklopen ein, die 
die Ilias so wenig als gehilfen des Hephaistos kennt als seine 
werkstätte im Aetna (s. Jahn, Griech. bilderchr. p. 19), genau 
entsprechend der Schilderung Vergils Aen. VIII, 452. 

Noch zu einer andern allgemeinen bemerkung gibt Plessis' 
behanulung der die zeit des Italicus betreffenden stellen anlaß : 
in den entscheidenden versen 901 sqq. — diese wären nach 
dem erlöschen des julisch - claudischen hauses einfach sinnlos — 
ändert Plessis v. 902 non clarae gentis in pulcrae gentis indem 
er es allerdings p. XIII unentschieden läßt, ob nicht eher claris 
v. 901 in caeli zu verwandeln sei. Daß für pulcrae, da alle 
codd. clarae haben , sich keine maßgebende empfehlung bietet, 
ist einleuchtend, geschützt wird es durch v. 210. 985. Daß aber 
dasselbe wort in zwei aufeinanderfolgenden versen sich fiudet, ist kein 
grund es in einem derselben zu verdächtigen, bei Italicus sowe- 
nig als in vielen stellen anderer autoren ; denn es giebt kaum 
einen autor, der in folge des mangels jeder copia verborum sich 
so innerhalb des einmal gebrauchten ausdrucks hält , und sich 
vor der Wiederholung desselben Wortes auch nach kürzestem 
Zwischenraum so wenig scheut wie unser Italicus, der ja sogar 
ganze verse wiederholt s. 30 = 849-, 305 = 963; 471 = 536-, 
cf. 977 und 1002: s. auch L. Müller Piniol. XV, p 481; die 
bemerkuugen Scheukls 1. 1. p. 248 sind völlig unbegründet: 
man vergleiche 170 — 185. 183 sq. 325 sq. (I. relictae, codd. re- 
licta, v. 326 reliquit) 545—47. 639-642. 403 sq. (furit furi- 
bundus) 857 sq. [calidis ignibus = Erf. s. Krafft p. 23) 1003 
(mit unrecht athetiert) sq. 1005 (funerat — funera). Freilich hat 
man fast alle diese stellen ändern wollen resp. geändert , aber 



Nr. 1. 10. Italiens. 53 

berechtigt ist dieses nicht. Plessis fehlt vielfach in beiderlei 
hinsieht: so will er vastae cuspidis ictu (v. 427) mit van Kooten 
ändern in iaetae, aber s. 670. 816. 952; statt vulnere tristi v. 
450 — s. u. p. 56 — vulnere turpi lesen trotz v. 376. 584 ; v. 43 mit 
Bährens statt dixerat (== codd. omn.) dixit at trotz v. 58 : um- 
gekehrtführt er dies unrichtig gegen die codd. ein v. 331. Um Wie- 
derholung desselben Wortes zu vermeiden, läßt er sich an vielen 
stellen zu unrichtiger textfeststellung bestimmen: so ist v. 27 
= Erf. zu lesen despectus trotz v 25; v. 107 sq. — für die 
richtigkeit der versfolge v. 108 sqq. in den codd. zeugt II. I, 
603; für 108 ist Verg. Georg I, 450 und Aen. VIII, 280 Vor- 
bild ; daß bei Homer die entlassung der Versammlung nicht 
ausdrücklich erwähnt wird, beweist nichts; — ist, selbst wenn 
man mit Schenkl v. 107 für unecht hält, doch die ev. corruptel 
nur zu verstehen, wenn beide auf Olympo resp. Olympi, was wohl 
das richtige ist, schließende verse nebeneinander stehen ; v. 160 hat 
Erf. richtig armato (s. 173); dies haben die übrigen codd. mit 
instrueto aus v. 128 vertauscht wegen armari 159. v. 373 hat 
Plessis nach Schrader statt Impiger = 372 aus Homer Pm-oks ein- 
gesetzt; aber so wenig 377 der eigentliche name neben dem 
Patronymicum steht, ist er hier nöthig. Ich weiß wohl, daß si- 
chere beispiele für das eindringen glossenhafter parallelen aus 
benachbarten versen vorhanden sind (z. b. 194 pulsarunt ■= aus v. 
170. 185 s. 219; fundit v. 443 aus 434; ad templa v. 550 aus 
551): aber dies ist kein grund, sämmtliche stellen, wo der aus- 
druck sich wiederholt, für verderbt zu erklären bei einem die 
Wiederholung des einmal gefundenen ausdruckes so wenig scheu- 
enden autor, wie Italicus es notorisch ist. 

Ein zweiter für die spräche des Italicus characteristischer zug 
ist seine abhängigkeit von Vergil und Ovid. Eine ins einzelne 
gehende fleißige Untersuchung kann hier noch vieles klarstellen. 
Manches hat Plessis p. XXXIII notiert; aber das wichtigste fehlt 
auch hier ; für Vergil vergleiche man z b. v. 365 (cf. 413) mit Aen. 
IX, 349; v. 366 mit XI, 698: schon diese parallele widerlegt die 
unbesonnene änderung von ora in arma ; Havet nimmt wohl rich- 
tig nach v. 365 eine lücke an; Schenkl verwirft nicht, wie es 
nach Bährens note scheinen könnte , den ganzen vers sondern 
nur die drei letzten worte. Für Ovid trage ich folgendes nach : 
v. 148 serpens consumpsit volucrum bis quattuor arbore fetus = 



54 10. Italicus. Nr. 1. 

Ovid Met. XII, 15 sq. nidus erat volucrum bis quattuor arbore 
summa: quas simul . , . corripuit ; 146 sq. = Met. XIII, 280 ; 191 = 
Met. XIII, 281 Graium murus (Plessis liest hier falsch gegen 
die guten codd. = van Kooten Danaum murus) 432 = Met. II, 
311 (Plessis falsch nach Schrader vibrata). Diesen parallelismus 
des ausdrucks hat Plessis, wie schon die angeführten beispiele 
zeigen, nicht genügend für die kritik berücksichtigt : man ver- 
gleiche noch v. 685 , wo er mit Wernsdorf curis animosque re- 
solvunt liest: alle codd. haben curas, der cod. Brit. — dies läßt 
Plessis wieder weg — hat curäq. Gegen die fassung bei Ples- 
sis könnte man zunächst die unregelmäßige Stellung des -que 
anführen, doch hat Italicus auch et und sogar atque (v. 615; 
nach L. Müller auch v. 860) nachgestellt; letzteres wohl nach 
dem Vorgang Ovids s. a. a. III, 282 und Trist. III, 2, 12, wo 
mit Marc, sufficit atque zu lesen ist. Aber schon Higt, dem die 
emendation der epitome neben Schrader am meisten verdankt, 
vergleicht Ovid. Met. X, 368 curasque et corpora somnus solve- 
rat , wozu die Vergilstelle zu fügen ist Aen. IX, 225 laxa- 
bant curas et corda oblita laborum coli. IV, 528: also ist curas- 
que (für auslassung des que bietet die Variante des Leid. Flor, 
und Brux zu 135 ein gutes beiöpiel ; auch dort mußte es nach 
Erf. und den übrigen codd. beibehalten werden) animosque re- 
solvunt beizubehalten. Auch die mehrfach — Bährens liest mitis 
semel, Plessis mihi mitior — geänderte stelle v. 1031 wird durch 
die parallele Met. XIV, 587 gegen jede änderung geschützt 
(s. L. Müller Philol. XV, p. 505) ebenso wie v. 569 cristamque 
micantem, was Plessis ohne jede handschriftliche grundlage (denn 
das minantem resp. menantem des Guelf. sec. ist keine) einführt, 
durch die vereinte beweiskraft der bedeutung , der handschrift- 
lichen autorität und der parallelstelle bei Vergil Aen. III, 468 
(cristasque comantis) widerlegt wird — Ich will hier noch auf ei- 
nige' sprachliche Singularitäten hinweisen, die bis jetzt übersehen 
sind: Haupt hat (Op. III, p. 510 sq.) den singulär-ovidischen 
gebrauch bemerkt, die copula, die eigentlich zu einem verbum des 
sagens gehört, mit dem ersten wort der directen rede zu verbinden : 
derselbe findet sich, von Plessis allerdings verkannt, bei Italicus v. 98 ; 
das besonders von Ovid angewendete quod possum (cf. C. Eoßberg 
Jahrb. f. cl. philol. 1884, p. 645 sqq.) hat Italicus v. 420, ebenso den 
gebrauch von atque an zweiter stelle s. o. und den indicativ im 



Nr. 1. 10. Italicus. 55 

indirecten fragesatz (s. Bursians Jahresb. f. alterth. XLIII [1885, 
II], p. 198) v. 164-, über at s. u. p. 59). Mit v. 369 (s. v. 721) 
inque hostem cecidit läßt sich allein Ovid Trist. I, 5, 23 (cecidis- 
set in hostem) vergleichen, welche stelle selbst durch diese paral- 
lele den nöthigen schütz gegen änderungsvorschläge wie den 
von Madvig (adv. II, p. 96) bekommt. Durch dieses verwandt- 
schaftsverhältniß erhalten einige von den herausgebern bis jetzt 
verschmähte lesarteu guter Codices ihre geltung : es ist zu lesen 
z. b. ex toto — Erf. Leid. v. 675 unter vergleichung von Ov. ex 
P. IV, 8, 72. Auch die Stellung galea galeam — Erf. v. 295 ist 
beizubehalten wegen met. IX, 44. Verg. Aen. VIII, 165 u. a. vgl. 
auch v. 744. Also weder im stofflichen noch im sprachlichen 
hat der französische herausgeber der Individualität seines autors 
mit der nöthigen aufmerksamkeit rechnung getragen. Anderes 
übergehe ich , um über die textbehandlung noch einiges zu be- 
merken: 

Was zunächst die verwerthung der Codices anlangt, so hat 
er den werth des Erf. an vielen stellen ebenso unter- als den 
des Burmannianus (s. o. p. 49) überschätzt. So ist mit Erf., 
trotzdem er häufig durch glossen und vielfach durch Interpola- 
tion (z. b. v. 181-, zu longa s. Heins, ad Ovid. Rem. am. 595, 
zu Schraders glänzender restitution II. II, 524; und v. 509) 
entstellt ist. zu lesen: v. 279 discedit (auf Verg. Aen. V, 551 durfte 
sich Plessis nicht mehr beziehen s. Ribbeck proll. p. 294) 231 
dixit . tum . . . perfudit 360 demersus (Erf. dimersus) 417 di- 
scerpta (Erf. m l discerta) 527 subit — fudit 630 miro 729 denu- 
dant (Erf. denudunt; weder Müller noch Bährens haben diese 
Variante, wohl aber Krafft p. 14; s. denselben p. 22) 804 fessos 
(s. II. XVI, 110 ov di ntj ti^ki uuTivsvaiu) 826 celeriquam prolap- 
sam excipit ictu (so nach Krafft der corrector, über den s. Bäh- 
rens p. 5 Krafft p. 28 Schenkl p. 256) 858 calidis 860 Evolat 
inde Thetis (859 ferens = Erf. m 2 ) 896 Concurrit forti (Erf. forte 
s. Verg. Aen. V, 808 sq.; der folgende vers ist sicher corrupt: 
die von Plessis eingesetzte lesart stammt von Sponde : bei Ples- 
sis fehlt die betreffende angäbe) 957 Interea validam Thetideius 
extulit hastam: die lesart der anderen Codices verwischt die 
Schwierigkeit; v. 951 — 56 und 963 (oder wenigstens 964) — 67 
sind meiner ansieht nach interpoliert, jedenfalls mußte Plessis 963 
dissiliitque = Erf. nach v. 305 und Verg. Aen. XII, 740 schreiben. 



56 10. Italicus. Nr. 1. 

Dem Burmannianus — derselbe enthielt nach Weytingh 
p. VII vv. 58 — 650; L. Müller versichert, übrigens bevor er 
ihn selbst wieder eingesehen hat, in seiner ausgäbe p. 12, er 
habe 644 aufgehört, dies wiederholt Plessis; wunderbar sind 
die notizen zu v. 270 und 331 — legt er falschlich eine ge- 
wisse geltung bei wegen der scheinbaren gewissenhaftigkeit v. 82 
(s. o p.49 ; ich glaube es ist an dieser stelle zu lesen ne se privatum 
pactis; in dem räthselhaften contra vermuthe ich den in den text 
gedrungenen rest eines als glosse über pactis übergeschriebenen 
contractu; Krafft p. 17 conjiciert: nese, sipossit, filiump.i ; Schenkls 
bemerkung p. 248 war wenigstens zu erwähnen) und 294, und 
folgt ihm mehrfach mit unrecht z. b. 126 se emerserit (zu em. 
vgl. Ovid met. XIV, 155; die elision des se ist bei Italicus 
nicht gestattet (cf. L. Müller Piniol. XV, p 499) 191 Danaum 
murus (s. p. 54) 369 tunc ictus in inguine (an dieser schwer ver- 
derbten stelle ist J. Schrader von seinem feinen Sprachgefühl im 
Stiche gelassen worden; ich glaube es ist transfixoque inguine 
(Liv. XXIX, 18, 13) Leucus zu lesen; die vermuthung liegt 
nicht so weit von der handschriftlichen grundlage ab, als es 
zunächst scheint) 403 ferit (statt furit , für dieses vgl. v. 404. 
415. 424). 427 iactae 450 turpi (dies ist eine gerade zu lächerlich 
behandelte stelle ; der fromme Schreiber hat ,,in seinem heiligen 
eifer" tristi und cristi verwechselt und dafür die betreffende ab- 
breviatur xpi gesetzt vgl. L Müller Rh. m. XXII, p. 458 sq.; 
dies gibt für Plessis die grundlage seiner auch an sich falschen 
conjectur turpi ego ex Burmann. cod. s. o. p. 53). 528 fortissima 631 
graium Troumque (darauf hin schreibt Plessis Danaum Troumque?) 
642 aut dictis commodat, woraus Plessis == Wernsdorf aut dictis ac- 
comodat macht. 

Der kritische commentar selbst ist aus dem von van Koo- 
ten und dem von Bährens zusammengearbeitet , ohne auch nur 
in den diesen entnommenen angaben über die handschriften und 
die änderungen der kritiker genau und vollständig zu sein, 
ganz abgesehen davon , daß sich Plessis um Vervollständigung 
desselben gar nicht bemüht hat. Ja die Varianten , welche die 
gesta Berengarii in den der Ilias Latina entnommenen stellen 
bieten (vgl. Dümmler, Forschungen zur deutschen gesch. XIII, 
p. 415 sqq.) und die Bährens nach Dümmlers angaben verwer- 
thet , finden sich bei Plessis trotz ihrer Wichtigkeit nicht ver- 



Nr. 1. 10. Italiens. 57 

zeichnet; übrigens ist zu v. 355 zu bemerken, daß die gesta 
Berengarii II, 180 nicht, wie man nach Dümmler 1. 1. p. 416 

— nach ihm Bährens ad h. 1. — annehmen muß , multumque 
hinc , sondern metrisch richtig multwm hinc ülincque haben ; daß 
dies willkürliche änderuug ist (Dümmler verweist auf v. 773) 
beweist das für den sprachlich so correcten Verfasser unmögliche 
ülincque vgl. Haupt opusc. III, p. 508 sqq. 

Betrachten wir zum schluß, was Plessis selbst für die text- 
kritik geleistet hat; er conjiciert v. 82 ne se plus, populis coram, 
patiatur inultum (vel: ne se praedonem contra p, i.J : weder das 
plus noch das populis coram ist aueb nur verständlich ; — 84 et monet 
armis Abstineat dextra , gressuque exinde . . . emicat ; sprachlich 
und sachlich ist dies anstößig, ich lese nach dem St. Amand. ar- 
mis Abstineat dextram ac congressu ; deinde . . (cod. congressus .-.inde) ; 
v. 88 lese ich = St. Am. veni. — 144 sollerti = cod. Monac. 
Britann.; aber sollertis = Erf. ist das richtige, da sollerti aevo 
compressa unverständlich ist; 151 moneo . remanete Pelasgi , völlig 
willkürlich, da alle codd. Achivi haben ; ich lese: moneo, rnanea- 
tis Achivi vgl. v. 84 und Hom. II. II, 331 aXV uys (aC/avsts 
.7(/rrfc . . . 'Ayaint. — 200 longis (codd. magnis) ohne begrün- 
dung ; zu magnis vgl. Jacob quaest. ep. p. 34. — 206 horrida 
Gunei ira: dies ist eine plausible änderung , da Italicus diese 
Umschreibung sehr liebt; über v. 245 s. o. p. 50 sq. — 313 rursusque 

— Guelf. 2 und Virg. ; die guten codd. haben rursumque , was 
aufzugeben kein grund ist vgl. Neue , Formenlehre II, p. 637. 

— 316 Ac vielleicht richtig. — 325 mente relapsa, hier ist wie- 
der ohne grund von den codd. abgewieben. Ant. de Rooy 
schreibt mit leiser änderung: mente relictae. — 331 Dixit; tum 
largis perfundens fietibus ora , Tristis Alexander (selbst zweifelnd). 

— v. 365 sua sanguine multo (dies stammt von L. Müller) Arma 
rigat s o. p. 53. — 386 Ardet et immixtis, nachdem er v 385 pugna- 
tur mit den meisten codd. eingesetzt hat: wegen des ardens al- 
ler codd . ist doch nach einer weniger gewaltsamen restitution 
zu suchen; denn Plessis stellt nicht nur um, sondern schiebt 
auch noch et ein. — 555 Quis sit et unde satus\ diese stelle ist 
von den herausgebern vielfach unrichtig, am schlimmsten aber 
von Plessis behandelt worden. Zunächst ist mit den codd. qui 
(nur Brit. hat quis, Bährens schreibt qui sit; die betreffende an- 
gäbe bei Plessis ist falsch) sit (vgl. auch Sil. Pun. III, 143 qui 



58 10. Italicus. Nr. 1= 

sim und vor allem Verg. Aen VIII, 114) zu lesen, dann nach 
parat zu interpungieren, so daß roganti von mittere abhängig wird; 
foret nach sit ist unhaltbar, das ferus von Bährens liegt nahe 
und entspricht dem Sprachgebrauch des Italicus vgl. v. 580. 611 *). 
Die fassung von Plessis ist ganz willkürlich. — 567 Oscula 
grata (codd. parva, Flor, prava; Bährens cara oder pura) : aber 
oscula steht in seiner auch bei Vergil und Ovid nachweisbaren 
ursprünglichen bedeutung als deminutiv von os; der pleonasmus 
parva ose. kann nicht auffallen vgl. Kühner, Gramm. I, p. 667. 
Dagegen hat Plessis richtig mit Schrader v. 274 parva in prava 
verwandelt. — 582 Aiacesque duo, claris die copula ist in die- 
ser aufzählung unentbehrlich, das duo et Müllers allerdings me- 
trisch für Italicus anstößig, aber clari et von Bährens sehr an- 
sprechend. 596 mox (statt modo) = Bährens. — 620 fulgenti 
(statt falcato Erf.). — 631 Danaum Troumque s. o. p. 56. — 660 
gradiens supereminet omnes, was weder mit agit stimmt, noch nach 
den codd möglich ist; das totis gravis imminet armis vertheidigt 
Krafft p. 21. — 688 Iam nocte reeepti; Erf. tarnen (codd. pleri- 
que : mox) hoste repulso , was meiner ansieht nach eine aus miß- 
verständniß oder falscher reminiscenz von IL IX, 80 sqq. ge- 
machte änderung ist; auch 695 ist wegen II. IX, .705. 7]2sqq. 
(s. Ital. 633 sq.) beizubehalten. — 703 non tuta — 769 fu- 
giunt omnes, en, castra: ganz verkehrt; das in der codd. ist rich- 
tig, weil die Griechen von der mauer (vgl. v. 766) weg in das 
lager hineinfliehen. — 808 animisque nach Higt === codd. Mo- 
naco. ; animisque wird allerdings durch die von L. Müller Pin- 
iol. XV, p. 498 nach van Kooten beigebrachten stellen, an de- 
nen allen animisque frementem (resp. fremente) steht, wahrschein- 
lich, obwohl animoque der guten codd. möglich bleibt. — 888 ni- 
tidis; Erf. richtig medius; der folgende vers ist von Plessis nach 
Bährens verunstaltet: Atropos ist unbedingt nothwendig. Ueber 
diesen vers s. L. Müller Philol. XV, p. 502. — 896 oecurrit fortis 
s.o. p. 55. — 902 pulcrae s. o.p. 52. — 930 diffugiunt (ohne es in den 
text zu setzen). 971 en toto corpore (codd. in), hier ist en eben 
so unnöthig wie v. 980, wo es Plessis mit Guelf. I und II = 

1) Ist nicht vielleicht nach Vergils qui genus und Prop. I, 22, 1 
— auch v. 557 klingt an Propevz V, 1, 71 an - unde genus das no- 
menque gennsque als aecusativ der beziehung zu fassen? Dann dürfte 
nach roganti kein komma stehen. Für nnmen (= ovofin) in diesem 
gebrauch kenne ich allerdings keine parallele. 



Nr. 1. 10. Italicus. 59 

Bährens einsetzt, unpassend. Erf. (Leid, und Verg.) haben et; 
Müller und Krafft lesen: tu. Ich glaube es ist nach einem auch 
von Ovid und Vergil mehrfach angewendeten gebrauch, den 
Vahlen , Ueber die anfange der Heroiden des Ovid p. 10 sq. 
erörtert hat, at zu lesen. — 1009 Magnanimus codd. Merionem; 

Bährens Aeolides s.o. p. 51. 1046 Iamque redit: durch beseitigung 

des in patriam aller codd. wird das sua dona des vorhergehen- 
den verses, da man nuu Achilles als subject zu reportat nehmen 
muß, geradezu unverständlich: mit sua. dona bezeichnet Italicus 
den dem Priamus zurückgegebenen leichnam des Hecfor; die 
herausgeber haben sich durch die falsche erklärung Barths be- 
irren lassen; nach Hectoreum ist ein punct zu setzen. — 1053 
Abscindunt; L.Müller (Piniol. XV, p. 506) liest vortrefflich Cor- 
rumpunt s Forbiger zu (Verg) Ciris 284. Häufig hat Plessis 
ohne zwingenden grund Wortumstellungen vorgenommen, so v. 9. 
13. 894. 934. 1070. ■ — Demnach halten nur wenige der cou- 
jecturen von Plessis vor einer unbefangenen kritik stich. 

Havet hat für folgende verse änderungen vorgeschlagen: 
v. 5 ipsorum = Homers uvmug oV. v. 7 volverunt ex quo discordi 
pectore turbas s. o. p. 48 (80 contenta). — 108 soll nach 110 
gelesen werden. — 150 moneo = codd. s. o. p. 57. — 233 
quam fortior armis ; die lesart der codd. fortis in armis (s. v. 184) 
läßt sich auch nach quam wenigstens als sprachlich möglich, 
wenn auch erst bei Tacitus nachweisbar vertheidigen (s Küh- 
ner, Gramm. II, p. 979, 6c); aber das quam selbst steht auf 
schwacher handschriftlicher grundlage ; Schenkl p. 249 liest non 
(= corr. Erf. ; die guten codd. haben tunc, dessen abbreviatur 
allerdings leicht mit der für non verwechselt werden kann) for- 
tilus armis; dies hat die parallele aus Italicus selbst v. 590 und 
die aus Vergil Aen. X, 735 für sich; nach v. 365 soll ein vers 
ausgefallen sein (s. o. p. 53). — 1065 Raris . . . remis. 

Einen fortschritt bezeichnet demnach die neue ausgäbe von 
Plessis für die kritik in keiner weise , und könnte ihn bei der 
flüchtigkeit und ungründlichkeit, mit der gearbeitet ist, auch 
dann nicht bezeichnen , wenn die eigenen leistungen bedeuten- 
der wären ; auch durch die die litterarischen fragen betreffen- 
den prolegomena sind weitere Untersuchungen keineswegs unnö- 
thig gemacht. R. Ehwald. 



60 11. Griechische geschiente. Nr. 1. 

11. F. B. Jevons the development of the Athenian de- 
mocracy. London. 8. 1887. 

Der standpunct, von dem aus die vorstehende schrift ab- 
gefaßt ist, wird characterisiert durch die worte : Bub the light 
throivn on the Aryan village- Community by Sir Henry Maine and 
other English writers enables us to understand the early history of 
Athens in some respects better than did Aristotle. With this new 
light we are enabled to see the action of Solon and of Perikles in its 
true character (p. 21). Ich kann diesen standpunct nicht für 
richtig halten und die so gewonnenen resultate nicht annehmen. 
Indem der verf. (p. 11 ff.) davon ausgeht, daß Aristoteles (p. 
153, 25 ff. 155, 29 ff.) bei der aufzählung der vier arten der 
demokratie Athen im äuge hat, eine annähme, welche durch 
nichts motiviert ist , denkt er sich die entwicklung der atheni- 
schen demokratie, wie folgt: In der periode vor Solon gehör- 
ten zu den yivt t und (jQaroun ursprünglich nur die Eupatriden ; 
aber bereits vor Drakon wurde auch das nlt^-Ooc, soweit dasselbe 
ein bestimmtes vermögen besaß, in die Phratrien aufgenommen. 
Die Georgen und Demiurgen damit nicht zufrieden setzten nach 
dem Archontat des Damasias 639 für sich das passive Wahl- 
recht zum Archontat durch. Damit war die macht der eupa- 
tridischen yfrrj gebrochen (p. 12 ff.). Der verf. hält also den 
archon Damasias (s. p. 6 ff. 34 ff.) in dem aristotelischen frag- 
ment des Berliner papyrus ebenso , wie ich in meinem handb. 
1, 123 ff. gethan habe, für den archon des j. 639. Nachdem 
aber von Landwehr im 5. supplementband des Piniol, p. 105 ff. 
auf den zweiten archon desselben namens zuerst hingewiesen ist 
und nach der ausführung von Diels in den Abhl. der Berliner 
Akad. 1885 p. 13 ff. kann es keinem zweifei mehr unterliegen, 
daß der Damasias in dem aristotelischen fragment der archon 
nach Solon ist. Die zweite periode der athenischen demokratie 
beginnt nach dem verf. mit Solon , der festsetzte , daß bürger 
jeder sein sollte, der von väterlicher und mütterlicher seite von 
Athenern abstammte (p. 15/6). In der dritten periode, der 
des Kleisthenes, war das bürgerrecht von der bürgerlichen ab- 
stammung des vaters abhängig, während es auf die bürger- 
liche abstammung der mutter nicht ankam. Freilich war der- 
jenige, welcher eine nicht bürgerliche mutter hatte, bloß bürger^ 
nicht mitglied einer Phratrie (p. 1 6 ff.). In der vierten periode 



Nr. 1 11. Griechische geschichte. 61 

endlich beschränkte Perikles mit der einführung der besolduug 
das bürgerrecht wieder auf diejenigen , welche sowohl von vä- 
terlicher wie auch von mütterlicher seite Athener waren. Von 
jetzt an gehörten wieder alle bürger zu einer Phratrie. Peri- 
kles traf diese Veränderung, um die zahl der soldbewerber zu 
beschränken (p. 20 ff.). // the above view of the development of 
the Athenian democracy proves to be correct, sagt der verf. p. 25, 
the current views on the subject will require modification. Ich 
stimme dem verf. darin bei, nur kann ich die bedingung nicht 
als erfüllt anerkennen und deshalb sind auch seine resultate 
für mich nicht annehmbar. Wenn der verf. p. 8/9 die angäbe 
des Demetrios von Phaleron bei Plut. Arist. 1, daß seit Solon die 
archonten aus den Pentakosiomedimneu erwählt wurden, beanstan- 
det, worin ihm Landwehr a. a. o. p. 18 ff. ohne grund vorange- 
gangen ist, so ist er offenbar dazu veranlaßt worden, weil er die 
Verfassungsänderung, die nach dem aristotelischen fragment des 
Berliner papyrus unmittelbar nach dem archoutat des Damasias 
erfolgte, vor Solon ansetzt. Wer das archontat des an der er- 
wähnten stelle genannten Damasias, wie ich jetzt auch thue, 
zwischen 590 und 580 ansetzt, der wird sich die mit den ari- 
stotelischen Worten: i-yt'(itTo ÖS fitr') avib(v fiiu) to nraaiü^kiv 
aQ%(>iTi(^ il£rs&(ti — — — — — ( i*7Tao)u^ f.ih' w naTQidwv 
7ot/\ Öt anoiy.mi , dva (ös iiat 8i]ui)nvQywi angedeutete Verfas- 
sungsänderung folgendermaßen zu denken haben. Wenn auch 
durch Solon bestimmt war, daß das passive Wahlrecht zum ar- 
chontat alle, einerlei ob Eupatriden. Apoiken oder Demiurgen, 
besitzen sollten, wenn sie zu den Pentakosiomedimneu gehör- 
ten , so scheinen sich doch in den ersten jähren nach der solo- 
nischen gesetzgebung die Eupatriden wohl mit hülfe ihres per- 
sönlichen anhanges und weil die landbevölkerung sich nur läs- 
sig zu den w T ahlen in der Stadt einfand, in der alleinigen Ver- 
waltung des archontats behauptet zu haben. Es ist das dieselbe 
erscheinung , wie sie uns auch in Eom begegnet. Denn wenn 
auch bei eiusetzuug der tribuni militum consulari potestate 445 den 
Plebejern das passive Wahlrecht für dieses amt zuerkannt wurde, 
so ist doch erst im jähr 400 der erste plebejische kriegstribun 
gewählt worden (Liv. 4, 6-, 5, 12). Offenbar auf grund dieser 
thatsache bestimmen die leges Liciniae nicht ganz allgemein, daß 
die Plebejer das passive Wahlrecht für das consulat haben sol- 



62 12. Griechische alterthümer. Nr. 1. 

len, sondern ordnen an, ut consulum ubique alter ex plebe creare- 
tur (Liv. 6, 35). Dem entsprechend glaube ich, daß auch in 
Athen bald nach Solon von den Apoiken und Demiurgen die 
forderung einer gesetzlichen regelung der vertheilung der neun 
archontenstellen auf die einzelnen stände aufgestellt wurde, weil 
die Pentakosiomedimnen der beiden genannten stände nur so 
hoffen konnten , zur wirklichen theiluahme an der Verwaltung 
des archontats zu gelangen. Die Eupatriden haben sich zuerst 
dieser forderung widersetzt. Als ein zeichen dieses Widerstan- 
des betrachte ich die thatsache, daß zwischen 590 und 580 der 
erste archon Damasias, den ich für einen Vertreter der Eupatri- 
den halte , ohne zweifei zusammen mit den übrigen archonten 
nach ablauf seines amtsjahres sein amt nicht niederlegte , son- 
dern auch das folgende jähr sich in demselben behauptete. 
Erst nachdem er gewaltsam, wie ich annehme , durch die Apoi- 
ken und Demiurgen aus seinem amte entfernt war, gelaug nach 
erneuten parteikämpfen eine gesetzliche regelung des antheils der 
einzelnen stände an dem archontat in der weise, daß fortan das 
neunstellige regierungscollegium aus vier Eupatriden, drei Apoi- 
ken und zwei Demiurgen zusammengesetzt wurde. 

Gustav Gilbert. 



12. Das recht von Gortyn , herausgegeben und erläutert 
von Franz Bücheier und Ernst Zitelmann. (Ergän- 
zungsheft zum Rhein, mus. f. philol. Neue folge. 40. bd.). 
Frankfurt a. M., Sauerländer 1885. 8 

13. Altes stadtrecht von Gortyn auf Kreta. Nach der 
von Halbherr und Fabricius aufgefundenen inschrift. Text, 
Übersetzung und anmerkungen nebst einem Wörterverzeichnis von 
Heinrich Lewy. Berlin, R. Gärtners verl. 1885 4. 

14. Die inschrift von Gortyn. Bearbeitet von Johannes 
Baunack und Theodor Baunack. Leipzig, Hirzel 1885. 8. 

15. Zur inschrift von Gortyn. Von Jacob Simon. Wien, 
Gerold 1886. 8. 

Die große von Halbherr und Fabricius entdeckte und ver- 
öffentlichte inschrift hat wie begreiflich allgemeine aufmerksam- 
keit erregt und eine anzahl von Schriften hervorgerufen , von 
denen die oben nach der Zeitfolge ihres erscheinens verzeichne- 
ten hier kurz besprochen werden sollen. Alle geben neben dem 



Nr. 1. 12. Griechische alterthümer. 63 

griechischen texte auch eine deutsche Übersetzung , die gut zu 
geben nicht ganz leicht ist. Am treuesten 1 ) hat Bücheier über- 
setzt , so daß wo möglich jeder griechischen zeile die deutsche 
genau entspricht. Im übrigen haben die herausgeber die in- 
schrift jeuer nach seiner weise und seinen zwecken behandelt; 
weitaus am eingehendsten Biicheler und Zitelmann. Bücheier 
hat den text mit noten und sprachlicher einleituug versehen, 
kurz aber inhaltreich. Zitelmann hat sich der mühe unterzo- 
gen dazu eine vollständige systematische darstellung des in die- 
sem gesetze aufgezeichneten rechtes zu geben, und dabei in er- 
freulicher weise bethätigt, welchen antheil auch die Juristen an 
dem kretischen funde nehmen. Der heutigen sitte entsprechend 
hat der gelehrte verf. dabei die rechtsbegriffe und gesetze an- 
derer völker öfters mit den kretischen verglichen. Mehrmals 
p. 53, 136, 150 führt er kretische bestimmungen auf die indo- 
germanische vorzeit zurück ; eine zwar leichte aber in diesem 
falle nicht unbedenkliche und sogar verwegene annähme, da wir 
ja noch nicht einmal wissen (auch Zitelmann geht darauf nicht 
ein), in welchem verhältniß das kretische gesetz zu den übrigen 
griechischen steht, zu welcher gattung der griechischen vofiifAa 
es gehört 2 j. Man wird gut thun, sich dieser näheren frage zu- 
zuwenden, ehe man an die entlegenere geht. Gerade das grie- 
chische ist bei Zitelmann nicht ganz zu seinem recht gekommen. 
Im ganzen ist der erste allgemeine theil dieser juristischen erläu- 
terungen als der schwächere zu bezeichnen ; der zweite liefert eine 
höchst dankenswerthe Übersicht über den rechtsinhalt der inschrift. 
Die arbeit von Lewy hat den text des gesetzes in etwas 
modernisierter Schreibung, Übersetzung und kurze sachliche wie 
sprachliche anmerkungen dazu, endlich ein wortverzeichniß. Die 
ausgäbe empfiehlt sich durch handlichkeit und Übersichtlichkeit. 

1) So wörtlich, daß griechisch vaivtiv durch „tempeln" wiederge- 
geben wird. 

2) Bekannt ist die Verwandtschaft der Kreter mit den Spartanern, 
die jedoch ausdrücklich nur für die gerneindeordnung bezeugt ist. 
Das kretische privutrecht hat dagegen auch mit andern nicht dori- 
schen bestimmungen Verwandtschaft, wie unser gesetz lehrt, z. b. mit 
Athen, aber auch mit Italiotischen. Ob sich die bei Aristoteles (Pol. 
II, 12, p. 1274) erhaltene, von ihm aus chronologischen gründen ver- 
worfene nachricht, daß Lykurg und Zaleukos schüler des Kreters Tha- 
letas, Charondas schüler des Zaleukos gewesen sei, aus ähnlichkeit der 
vöfÄifxa hervorgegangen ist, oder bedeutungslose fabel ist, muß erst 
noch untersucht werden. 



64 13. Griechische alterthümer. Nr. 1. 

Die gebrüder Baunack haben Jas hauptgewicht auf die sprach- 
liche erklärung gelegt ; es ist ein sorgfältiger, oft weit ausholender 
sprachwissenschaftlicher commentar. Ihm folgt die Interpreta- 
tion des gesetzes und zuletzt ebenfalls ein wortverzeichniß. Bei 
dieser gelegenheit möchte ich bemerken, was den verff. entgan- 
gen zu sein scheint , daß neben der vielleicht bewußten alter- 
thümlichkeit in spräche und schritt, durch die das gesetz sich 
auszeichnet, wohl auch jüngeres mit eingelaufen ist. Daher 
möchte ich vorschlagen ?o JfpeuJj,' und Itm nicht /(i/Jid, und h/iqi 
zu lesen, sondern j^tie* 3 ) und ItCy, wie VI, 41 binlttav neben 
II, 26 8inUl. 

Die vierte von J. Simon gegebene bearbeitung, die vorläu- 
fig nur bis zur mitte der inschrift gelangt ist , will etwas ähn- 
liches leisten, wie Bücheier - Zitelmann, bleibt aber hinter dieser 
bearbeitung meilenweit zurück. Der verf. ist seiner aufgäbe 
nicht gewachsen und die schrift genügt selbst bescheidenen an- 
sprüchen nicht. Vieles ist unklar und unrichtig dargestellt, so 
ist z. b gleich im ersten abschnitt nicht beachtet, daß der recht- 
mäßige eigenthümer eines streitigen sklaven nach erfolgtem rich- 
terspruche sich desselben oder eines entsprechenden pfandes be- 
mächtigen durfte (I, 55 iov 8s nny.uf.itta> .... dyin Itnaiav 
t}(fi]v). Die regelmäßig geübte vergleichung mit den rechtsalter- 
thümern anderer Völker ist hier unfruchtbar und werthlos; der 
verf. bringt eine billig erworbene gelehrsamkeit auf den markt 4 ). 
Der eindruck der Flüchtigkeit wird durch den ungeschulten stil 
und viele druckfehler noch vermehrt, und es ist zu wünschen, 
daß der verf. , wenn er den zweiten theil seiner arbeit heraus- 

3) Vielleicht (III, 14, V, 38) rov xQtiovs. Oder soll man rov %otlos 
wagen, wie Iv^ytlog nontftolo'i 

4) Als beispiel diene folgendes (p. 53, anm. 3 zu II, 45 ff. des 
gesetzes) : ,,o» ivvncivrj vgl. das altröm : domum (sie) mansit lünam 
fecit. Der ausdruck ifvacifii ist sehr bezeichnend ; denn das spinnen 
der wolle ist die eigentliche beschäftigung der frauen und inä^de, 
während flachs auch von männern gesponnen wird (Literatur bei Mar- 
quardt - Mommsen VII, p. 500 a 2). Nicht blos Griechinnen, son- 
dern auch Griechen haben das lvv<fttivtiv ausgeübt. So hat sich Uip- 
pias, der lehrer der Staatskunst, gerühmt, seinen rock, seinen mantel 
etc. selbst verfertigt zu haben (Plato, Hipp min. p. 368; Cic. de or. 
3, 32, 127)". Was man nicht alles bei gelegenheit der gortynischen 
inschrift lernen kann ! — Für die behandlung eines gegenständes, 
wie dieser ist, ist der verf. noch nicht befähigt; vor allen dingen 
muß er sich noch den unterschied zwischen spinnen und weben ein- 
prägen. 



Nr. 1. 13. Griechische alterthümer. 65 

giebt, sich mehr mühe gebe. Bei diesem ungünstigen urtheil 
muß ich um so mehr erwähnen , daß die schrift auch einiges 
treffende enthält. Richtig ist p. 40 das i} xocT/^oiros alioa er- 
klärt, richtiger vielleicht p. 45 das OQxMoriQav, richtig, ebenfalls 
abweichend von Zitelmann, p. 80 yvvu als die verheirathete frau. 
Die in diesen ausgaben erklärte inschrift war auf der innen- 
wand eines rundbaues in bequem leserlicher höhe eingegraben, 
eines rundbaues, der überhaupt als ronoq>vläxtov gedient haben 
muß. Denn unsere inschrift füllte den räum bei weitem nicht 
aus ; außerdem sind an derselben stelle fragmente eines anderen 
nahezu gleichzeitigen gesetzes aufgefunden , die von Lewy und 
den gebrüdern Baunack dem großen gesetz beigefügt, von Bü- 
cheier und Zitelmann nachträglich im Rhein Mus. 41, p. 115 ff. 
besprochen worden sind 5 ). Die zwölf columnen unseres gesetzes 
sind später beziffert, ebenso die einzelnen platten, vielleicht um 
bei einem umbau oder einer ausbeserung die reihenfolge der 
einzelnen columnen und platten ohne mühe wieder herstellen zu 
können. Die schrift ist regelmäßig uud sorgfältig. Das aipha- 
bet ist das alte kretische, das mit T schließt, (DXW nicht braucht, 
und die alte form des jota ( 2 ) festgehalten hat. Trotzdem ist die 
inschrift, wie Kirchhof! schon aus einer früheren probe erkannte, 
nicht älter als die zweite hälfte des fünften Jahrhunderts v. Chr. 
Um diese zeit ist also das gesetz aufgezeichnet. Wann es ent- 
standen ist, ist damit noch nicht gesagt: es ist aber nicht zu 
bezweifeln, daß es eine aufzeichnung (oder Umschrift) schon frü- 
her geltender rechtssätze ist. So ist es auch keine einheitliche 
oder erschöpfende bestimmung über einen gegenständ , sondern 
ohne strengere Ordnung sind gesetze über eigenthumsstreitig- 
keiten , gewaltthaten , erbrecht, Vormundschaft u. a. darin ent- 
halten. Eine einleitung fehlt gänzlich. 

Unser gesetz beruft sich ferner häufig auf andere schrift» 
liehe bestimmungen [iy^ufitva), durch die es ergänzt wird und 
die es voraussetzt. Wohl möglich , daß diese ebenfalls in dem 
rundbau standen uud daß also in Gortyn im fünften Jahrhun- 
dert eine umfassende aufzeichnung der vorhandenen gesetze und 
rechte vorgenommen worden ist. Man kann vergleichen , was 
in demselben Jahrhundert in Athen geschah, wo um 412 und 
404 v. Chr. eine erneueruug , prüfung und aufzeichnung der 
5) Ueber andere neuere funde s. museo ital. di ant. class. II, 1. heft. 
Piniol. Änz. XVII. 5 



60 14. Griechische alterthümer. Nr. 1. 

geltenden gesetze beschlossen und ausgeführt ward : ein stück 
von den damals aufgezeichneten solonischen gesetzen ist noch 
erhalten (s. Köhler im Hermes II, 27 , C. I. Att. I nr. 61). 
Etwas ähnliches ist vielleicht auch in Gortyn damals beschlossen 
und ausgeführt wordeu und gewiß war auch mit dieser aufzeich- 
nung eine prüfung und ergänzung des vorhandenen rechtes ver- 
bunden 6 ). 

Vielleicht hat man aus Kreta am wenigsten einen solchen 
fuud erwartet; einer insel, die, abgesehen von der mythischen 
urzeit , an den geschicken der anderen Griechen wenig an- 
theil genommen hat : die insel hatte genug mit sich selbst zu 
thun und war oft von kriegen der einzelnen Städte unter ein- 
ander und mit ihren eigenen bürgern erfüllt. Es hat ihr jedoch an 
verkehr mit den andern Griechen nicht gefehlt. Die Athener 
standen im fünften Jahrhundert mit Gortyn in Verbindung, un- 
ternahmen im jähre 429 im interesse Gortyns eine landung auf 
Kreta (Thuk. II, 85, 5) und bezogen früher und später kretische 
schützen, söldner 7 ). So finden wir auch in diesem gesetz kei- 
neswegs nur kretisches, sondern viele spuren von der berührung 
mit dem allgemein hellenischen, wie sich auch im Wortschätze zeigt. 
So ist episch das duftüauiio (II, 11 Öcaluv al xuQtti dufiucfaizo), 
XQiiog (III, 11, 14), das häufig vorkommende poixtvs, das den 
leibeigenen oder hörigen bezeichnet, während die uns sonst als 
eigentlich kretische bezeichnung der minder berechtigten bevöl- 
kerungsklassen überlieferten ausdrücke nicht vorkommen. Viel- 
leicht ist auch das inaßolav (V, 44 tat ti/AUV dtulw/ni rmv tuv 
inaßolai rtxaaio^) dem epischen inrjßoXo<j entlehnt. Attisch 
und modern klingt II, 13 ntö' Üjasqiw (/im'?' ijfitQav interdiu), 
ebenso II, 35 i(jljOOai öna xa Isioovti, trotz dem kretischen ge- 
wande , mit dem diese worte angethan sind. Dem entspricht 
der inhalt der gesetze , der keineswegs , wie Zitelmann richtig 
hervorhebt , durchaus alterthümlich ist , sondern neueres neben 
älterem giebt. 

6) Derselben zeit gehört auch die berühmte gesetzgebung von 
Thurii an, die sich durch genauigkeit auszeichnete und bei der grün- 
dung der stadt (444 v. Chr.) zusammengestellt ward. Auch an die 
zwölf tafeln in Rom kann erinnert werden. 

7) Merkwürdig auch , wie die enthaltung Kreta's von der theil- 
nahme an den Perserkriegen von der Überlieferung erklärt wird : der 
delphische Apollo hat sie davor gewarnt und es trifft sie also kein 
yorwurf (Herod. VII, 169). 



Nr. 1. 14. Griechische alterthümer. 67 

Die inschrift gewährt uns einen unverhofften einblick in die 
Verhältnisse Kreta's, die sonst nur lückenhaft und durch be- 
richte späterer Schriftsteller bekannt sind. Freilich Verfassungs- 
bestimmungen enthält das gesetz nicht; solche sind auch nicht 
zu erwarten, da diese, wenigstens so weit sie alt sind, nicht zur 
eigentlichen gesetzgebung gehören. Die inschrift enthält theile 
des civilrechtes , in dem die gemeindeverfassung vorausgesetzt 
wird. 

Da sind zunächst die öfters erwähnten oixsig, von Bücheier 
mit Häusler übersetzt, in denen wir wahrscheinlich, wie die herausge- 
ber bemerken, die von Aristoteles als ntyloiKoi, von anderen Schrift- 
stellern als X'hijwiui bezeichnete menschenklasse zu sehen ha- 
ben. Jedoch ist die bestimmung deshalb nicht so einfach , da 
wie schon erwähnt ist das gesetz nicht die uns als eigentlich 
kretisch überlieferten benennungen gibt, sondern solche von all- 
gemeinerer gültigkeit, worin wir wohl den einfluß der littera- 
tursprache zu sehen haben. Neben den oinsla und vielleicht 
von ihnen verschieden kommen dmlm vor. Weder die oixi-ig 
noch die öov/.ot sind ganz rechtlos. Die oUeig leben nach dem- 
selben rechte, wie die herren, nur daß sie geringeren werth ha- 
ben , was auch die Überlieferung sagt. Nicht alle sind, wie es 
scheint, gleichgestellt; wer land bebaut (ö i/ji /<wo« oinäv) ge- 
hört zwar zum besitze des herrn , aber weder seine wohnstätte 
noch sein viehstand wird beim tode des herrn mit dem sonstigen 
nachlaß unter die erben des herrn vertheilt. Zitelmann und 
Lewy erklären sogar einen satz der inschrift 8 ) so , daß wenn 
der herr ohne verwandte und erbberechtigte stirbt, die gesammt- 
heit der hausier, der xXüqo*' , ihn beerben. Indeß ist diese er- 
klärung bedenklich , weil man dann auch eine bestimmung dar- 
über erwarten müßte, wem denn der xiüyo^ selbst, also die hausier, 
zufallen sollen. Erwähnenswerth ist noch der satz , daß das 
kind einer häuslerin das keinen vater hat, (pmitu), dem herrn des 
vaters oder des bruders derselben zugesprochen wird , diese 
also nicht unmittelbar , sondern nur mittelbar einen herrn hat. 
Diese ointi^ stehen also viel besser als die Heloten; das verhält- 
niß der abhängigkeit ist minder genau ausgebildet, als in Sparta, 

8) V, 25 : al dt /ut thv InißüMovisg , tag foixictg oinrtg x lovti o 
xkagog rovtovg ixtv tu x^i/xata , wobei 6 xlagog in erinnerung an die 
xAttjjwroct als die gesammtheit dieser, d. h. der hausier gefaßt wird. 

5* 



68 15. Griechische alterthümer. Nr. 1. 

was gewiß folge des kleineren umfanges der vielen kretischen 
gemeinden ist. 

Die vom gesetz vorausgesetzten besitzverhältnisse haben 
nichts besonders bemerkenswertbes oder von dem aus den son- 
stigen nachrichten bekannten abweichendes. Die von Zitel- 
mann p. 139 aus den bestimmungen der vierten columne abge- 
leiteten folgeruugen, wonach das von freien bewirthschaftete acker- 
land nicht in betracht kam , diese dagegen wohl Viehzucht 
getrieben hätten und dafür die gemeindeweide dagewesen sei, 
sind nicht ganz zutreffend. Nach Aristoteles Polit. II, 10 hat 
der freie Kreter, der eigentliche bürger, sein ackerland überhaupt 
nicht selbst bewirthschaftet, sondern das war sache der mQtofxot, 
wie Aristoteles sie nennt (er setzt sie den spartanischen Heloten 
gleich, wodurch jedes mißverständniß ausgeschlossen wird), de- 
nen die oixtTf der inschrift entsprechen. Diese Ordnung war 
nicht der willkühr des einzelnen überlassen, sondern ein haupt- 
stück der Verfassung. Daher in unserm gesetz die bestimmung, 
daß dem landbauenden hausier (o i/il %coaa oixätr) haus und der 
viehstand auch nach des herrn tode verbleibt und nicht an die 
erben zur verth eilung gelangt; er wechselte also den herrn, aber 
nicht die schölle. Aber nur der ackerbau, wie Aristoteles sagt, 
war sache dieser perioeken ; so erklärt es sich, wie das heerden- 
vieh , so weit es nicht dem ackersclaven gehörte, auch ohne vor- 
behält an die erben vertheilt ward. Daß es gemeindetrift war, 
auf der das heerdenvieh weidete, ist durch nichts angedeutet. 

Interessant ist besonders das im gesetz enthaltene erbrecht, 
das von politischer bedeutung ist, weil hierdurch die verthei- 
lung der guter und somit das gedeihen der bürgerschaften be- 
stimmt ward 9 ). Es enthält manches alterthümliche , aber allem 
anschein nach nicht mehr, als andere gleichzeitige gesetzgebun- 
gen. Es leuchtet überall das bestreben durch, die irdische habe 
in der familie oder dem geschlecht zu erhalten ; daher die frei- 
heit der letztwilligen Verfügung (eigentliche testamente werden 



9) Wie wichtig das erbrecht mit seinen beschränkungen für die 
antiken bürgerschaften war', die doch alle mehr oder weniger aristo- 
kratisch waien , sieht man daraus, was geschab, als in Sparta durc,h 
das gesetz des Epitadeus die Verfügung über das erbe ganz frei ward. 
Schon zu Aristoteles zeit war 2/5 des Spartiatenlandes in den händen 
der weiber. Und nicht in Sparta allein waren später die reichen 
weiber wichtige personen. 



Nr. 1. 16. Römische alterthümer. 69 

nicht erwähnt) so gut wie nicht vorhanden ist. Die mitgift an 
die tochter, das geschenk an die f'rau ist daher auf ein bestimm- 
tes maß beschränkt , wie auch in anderen griechischen gemein- 
den. Der adoptivsohn und erbe muß nach seinem tode , wenn 
er keine leibeserben hinterläßt, das vom adoptivvater ererbte in 
die familie desselben zurückkehren lassen. Dahin gehört auch 
die genaue sonderung des Vermögens der trau mit seinem 
erträgnisse von dem des manues. Stirbt sie kinderlos, so 
geht alles an ihre familie zurück ; dem manne darf sie nicht 
über einen bestimmten werth hinaus schenken l0 ). Besondere Sorg- 
falt wendet die kretische gesetzgebung , wie andere griechische, 
der erbtochter, der inixXqgot;, kretisch naj^coiuv^o^ zu. Ihre 
band gehört dem nächsten verwandten des vaters , wobei die 
reihenfolge der berechtigten genau festgesetzt ist. Auch eine 
schon eingegangene ehe bindet sie nicht mehr, wenn sie erbtoch- 
ter wird. Wenn sie den nächst berechtigten und willigen nicht 
nehmen will, so geht ein großer theil des erbes an die verwand- 
ten des vaters. Man begreift die Sorgfalt dieser bestimmungen 
wohl, da man weiß, daß in Kreta unter der regierenden bürger- 
schaft der kindersegen absichtlich beschränkt war-, um so häu- 
figer mußte es sein, daß nur eine tochter aus einem hause hin- 
terlassen ward. 

Das was in dem gesetz zweifelhaft , räthselhaft oder con- 
trovers ist, woran es nicht fehlt, ist im verhältniß zur große des- 
selben nicht bedeutend. Die inschrift bezeichnet einen großen 
gewinn unserer kenntuiß ; den ändern und ebenso denjenigen, 
die zur erklärung derselben beigetragen haben, gebührt daher 
unser dank. Benedictus Niese. 

16. W. Lieben am, Beiträge zur Verwaltungsgeschichte 
des römischen kaiserreichs. I. Die laufbahn der procuratoren 
bis auf die zeit Diocletians. Jena 1886. Anton Passarge. 

Diese schrift soll zeigen , wie sich seit der ausgiebigeren 
heranziehung der ritter zur Verwaltung des reichs durch Hadrian 
der dienst derselben gestaltete, welche ämter in den bereich der 
ritterlaufbahn gezogen waren und in welcher reihenfolge die ver- 

10) TIT, 31 ff. Das rätbselbafte wort xöuißToa, das hierbei vor- 
kommt, muß ein geschenk bedeuten, wie die herausgeber bemerkt 
haben. 



70 16. Römische alterthümer. Nr. 1. 

schiedenen posten bekleidet wurden. Der verf. führt damit nä- 
her aus, was er schon in seiner band XIII, 431 ff dieser Zeit- 
schrift von andrer seite besprochenen dissertation von 1882 an- 
gefangen hatte zu erörtern. Nach einer einleitung allgemein 
geschichtlichen und methodischen Charakters werden unter I. die 
provinzialprokuratoren besprochen nach den drei kategorien der 
kaiserlichen , prokuratorischen und senatorischen provinzen — 
eine theilung, die, da ja die prokuratorischen auch kaiserlich 
sind und der unterschied von statthaltereien unter leitung von 
männern senatorischen rangs und prokuratoren die hauptsache 
ist, besser anders wäre, — dann unter II. die hohen präfekten- 
stellen (praef. praet., annonae, Aegypti, vigilum, subpraef. vig., 
praef. classis und subpraef. praet,, praef. vethiculorum), der civil- 
dienst beim kaiser (a rationibus, ab epistulis , a libellis , a stu- 
diis, a memoria, a cognitionibus, a consiliis), die übrigen prokura- 
turen (subpraef. annonae urbis, ad Miniciam , a frumento, prae- 
pos. annonae, proc. portus, aliment., patrimonii, aquarum u. s. w.). 
Unter III. sodann wird der anschluß der prokuratorischen lauf- 
bahn an die militärische der müitiae equestres erörtert. In all 
diesen abschnitten wird aus der Stufenfolge, in welcher nach den 
inschriften solcher beamten ämter dieser kategorien bekleidet 
wurden, die bedeutung dieser stellen selbst bestimmt und am 
Schlüsse jedes abschnitts durch tabellen , in denen die beispiele 
nach provinzen oder stellen statistisch aufgeführt werden , eine 
Übersicht über das jeweilig vorhergehende und die möglichkeit, 
selbst resultate zu ziehen, gegeben. An abschnitt III schließen 
sich erörterungen über die besoldungsklassen sowie einige worte 
über den allgemeinen Charakter der ritterlaufbahn an. Ab- 
schnitt IV giebt einen überblick über die Verwaltungsgeschichte, 
endlich ein anhang bemerkungen über den Sprachgebrauch in 
der prokuratorentitulatur und über item in der aufzählung der 
stellen einer laufbahn. 

Der verf. , der mit seinen ausführungen auf Mommsens 
Staatsrecht und Hirschfelds Verwaltungsgeschichte fußt , hat die 
Verwaltung der kaiserzeit in der that an einer fruchtbaren seite 
gefaßt, von der man nicht bloß für die hadrianische uns in den 
Schriftstellern nur ganz allgemein berichtete neuerung anschau- 
ung und Verständnis im einzelnen gewinnt , sondern auch nach 
rückwärts und vorwärts licht erhält. Das beigebrachte material 



Nr. 1. 16. Römische alterthümer. 71 

von beispielen mag da und dort von spezieller behandlung ein- 
zelner theile des reichs oder der Verwaltung her noch Vermeh- 
rung erhalten — so wäre z. b. für die tabellen p. 36 ff. aus 
corp. i. 1. III, p. 588 = Bulletino d. inst. arch. 1853, p. 182 
noch für mehrere rubriken ein beispiel zu gewinnen , auch auf 
den p. 31 a. 4 erwähnten L. Fulvius bei Africa und Gallia 
Narb. zu verweisen gewesen — , indessen ist es jedenfalls reich- 
lich genug , um ein urtheil bilden zu können. Man kann dar- 
aus ersehen , daß in dieser durchaus vom kaiser abhängigen 
laufbahn zwar nicht die feste gesetzlich begründete Ordnung des 
magistratischen cursus honorum herrschte , aber doch auch nicht 
bloße willkür, sondern eine ziemlich konstante Ordnung des auf- 
steigens von geschäftlich unbedeutenderen zu wichtigeren posten, 
wobei übrigens das Verwaltungsgebiet, das diesen stellen zu- 
kommt, groß und vielfältig genug war, um der persönlichen aus- 
wahl und einer gewissen mannigfaltigkeit in der reihenfolge 
Spielraum zu lassen , zumal da die amtszeit für die bekleidung 
dieser posten, die freilich genauer nicht aus den beispielen ent- 
nommen werden kann , gegenüber den heutigen Verhältnissen 
eine kurze war. 

Hinsichtlich der bedeutung der ämter hat der verf, vorzugs- 
weise mit der laufbahn der personen beschäftigt, seine aufgäbe zu- 
weilen zu l2icht genommen. So bleibt z. b. was er p. 50 über 
die praefecti vehic. , p. 52 über die res privata sagt, letzteres 
auch mit dem p. 148 nachfolgenden hinter den erörterungen 
Hirschfelds erheblich zurück und ist überhaupt nicht genü- 
gend um eine Vorstellung von dem amt zu geben; noch mehr 
aber werden kundige anstoß nehmen , wenn sie p 58 le- 
sen : ,, schon unter Augustus waren seine nächsten freunde ihm 
rathgeber in politischen angelegenheiten, ohne daß man deshalb 
anzunehmen braucht, es habe ein wirklicher staatsrath bestan- 
den. Seit Trajan erscheinen regelmäßig diese berather unter 
dem namen a consiliis oder consiliarii. Zu diesem amte zog der 
kaiser alle ihm nahe stehenden, durch ihre tüchtigkeit empfoh- 
lenen männer , ritter , freigelassene und Senatoren. Gerade die 
letzteren für den kaiserlichen rath zu gewinnen , mußte dem 
herrscher angelegen sein". Dazu noch in a. 4 u. a. zwei stellen 
für die neronische zeit (Suet. Ner. 10 Tac. ann. 13 p. [c?] 34), 



72 16. Kömische alterthümer. Nr. 1. 

welche weder von einem staatsrath handeln noch überhaupt be- 
lege für das im text vorgetragene bieten können. 

Gegen den summarischen überblick über die verwaltungs- 
geschichte (p. 136 ff.) ließe sich gar manches einwenden. So 
heißt es z. b. p. 143: „Vitellius, obwohl persönlich von dem 
freigelassenen Asiaticus geleitet, bevorzugte die ritter , wodurch 
die später von Hadrian eingeführten Veränderungen um so mehr 
vorbereitet wurden , als auch Vespasian energisch auf diese po- 
litik einging. Immermehr wurde der senat zurückgedrängt. 
Der versuch , durch die lex de imperio sich mit demselben aus- 
einanderzusetzen , hatte keinerlei praktische bedeutung". Die 
maßregel des Vitellius, die hier gemeint ist (Tac. hist. 1, 58) 
hatte nur vorübergehende bedeutung und erscheint mehr den 
Verhältnissen des kriegslagers , unter denen sie vorgenommen 
wurde , entsprungen als einem prinzip. Aber selbst wenn man 
hierin eine „politik" sehen will, ist doch nirgends bezeugt, daß 
Vespasian energisch auf sie einging, und was über die bedeu- 
tung der lex de imperio gesagt ist, beruht einmal nur auf einer 
hypothetischen deutung dieser lex bei Hirschfeld, ist aber selbst 
wenn man diese annimmt, von sehr problematischem werth. 
Dem Domitian ein „segensreiches" wirken zuzuschreiben, ist doch 
in der rettung des guten zu viel gethan. Daß von Hadrian 
„die Verpachtung der steuern verboten und direkte einziehung 
angeordnet wurde" (p. 146) steht bei Dio 69 , 16, 2 nicht, 
geht auch in solcher allgemeinheit gesagt über die vermuthung 
Mommsens hinaus, welche diese neuerung dem Hadrian zuspricht. 
Ich führe diese beispiele an, um für die in aussieht gestellten 
weiteren beitrage in dieser beziehung zur vorsieht zu mahnen, 
wie ich auch dem verf. nahe legen möchte, sich in seinem ur- 
theil über die bedeutung des ritterstandes neben dem senatori- 
schen nicht gar zu sehr dem interesse der ihm zunächst liegen- 
den fragen gefangen zu geben. Er unterschätzt offenbar die 
bedeutung des ersten Standes für das reich. Daß die Stellung 
des Senats als körperschaft neben dem prineeps eine schwache 
war, wird niemand bestreiten , wiewohl man auch nach dieser 
seite im urtheil nicht zu weit gehen darf ; daneben hatten aber 
die Senatoren doch Verwaltungsfunktionen, die groß und wichtig 
genug waren, um dem stand seine bedeutung zu erhalten, und 
man wird nicht sagen wollen, daß derselbe in der zeit, um 



Nr. 1. 17. Alte geographie. 73 

welche es sich hier harjdelt, nicht eine menge von tüchtigen 
kräften hierfür geboten hätte. 

Der verf. läßt in seinen Untersuchungen das untergeordnete 
personal mit ausnähme der an die obersten stellen unmittelbar 
hinanreiclienden posten bei seite ; es wäre verdienstlich, weil 
sehr instruktiv , wenn er den versuch machen wollte , die ver- 
schiedenen Verwaltungsbureaus mit ihrem ganzen personal bis 
zu den dienern herab auszustatten , so weit natürlich unser in- 
schriftliches material dies zuläßt. E. H. 

17. Seh weder, E., über die weitkarte des kosmographen 
von Ravenna. Versuch einer rekonstruktion der karte. Mit 
zwei kartenskizzen. Kiel, Lipsius und Tischer 1886. 18 p. 
1 tafel. 8. 

Die reconstruetion der weitkarte des Ravennaten , die Kie- 
pert für die ausgäbe von Pinder und Parthey ausgeführt hat, 
zeigt ein kreisförmiges Weltbild, Jeiusalem im mittelpunkte , die 
peripherie des halbkreises südlich von der linie, die von Irland 
und Britannien im westen durch Jerusalem nach Indien führt, 
in zwölf gleich große bogen eingetheilt , die als tagstunden be- 
zeichnet werden ; zwölf nachtstunden entsprechen denselben auf 
der peripherie des nördlichen halbkreises. An der Verzerrung 
der karte darf man keinen anstoß nehmen, falls eine die forde- 
ruugen des kosmographen genau erfüllende reconstruetion eben 
zu einer solchen hinführt. Hat der Ravennas auch, wie Momm- 
sen gezeigt hat, seinen stoff im wesentlichen einer alten weit- 
karte entnommen, so konnte er dieselbe immerhin in eigenthüm- 
licher weise umgestalten. Ich halte es daher methodisch nicht 
für zulässig, wenn Schweder aus dem umstände, daß Kieperts 
kärtchen „den uns im ganzen wohlbekannten anschauungen des 
alterthums in den hauptzügen widerspricht", bedenken gegen 
Kieperts reconstruetion herleitet. Solche bedenken würden aber 
in der that gerechtfertigt erscheinen, wenn wirklich, wie Schwe- 
ders scharfsinnige und wohldurchdachte schrift zu zeigen unter- 
nimmt, das bei der herstellung des kärtchens geübte verfahren 
und das kartenbild selbst in wesentlichen punkten mit unzwei- 
deutigen angaben des Ravennaten unvereinbar ist. 

In dem allerdings, was der verf p. 15 über die größte 
breite Europas zwischen Dania und Dalmatia und über den 



74 17. Alte geographie. Nr. 1. 

golfus orientalis des Mittelmeeres bemerkt , vermag ich solche 
unzweifelhafte Widersprüche nicht zu entdecken; wohl aber in 
den angaben des Ravennaten über läge und gestalt von Afrika 
und in den angaben über die vier oceane. Die angaben über 
Afrika haben die gewöhnliche kartographische darstellung zur 
Voraussetzung und sind mit der Kiepertschen Zeichnung, die von 
ihren principien aus in consequenter weise construirt ist, unver- 
einbar. Also muß es an diesen principien liegen. 

In der that finden wir keine angäbe des Ravennaten, nach 
der die stundenbogen der peripherie von gleicher große wären ; 
auch ist nirgends Jerusalem als mittelpunkt bezeichnet. Bei 
den theologischen neigungen des kosmographen hat man guten 
grund anzunehmen, daß er sich die ansetzung Jerusalems im 
mittelpunkte des mundus zur gerechtigkeit gerechnet haben 
würde, und sein schweigen ist hier allerdings beweisend. Daß 
die stundeneintheilung der karte mit der windrose nichts zu 
thun hat, bemerkt der verf. meines erachtens mit vollem recht; 
lediglich der lauf der sonne , wie der Ravennas sich ihn denkt, 
hat die eintheilung bestimmt. Die drei erwähnungen des horo- 
logium, besonders I, 4, p. 11, bringen den verf. auf den gedan- 
ken , daß der Ravennas seine weitkarte eben nach dem bilde 
der Sonnenuhr construirt habe. Welche rückschritte in der welt- 
erkenntniß gegenüber den Alexandrinern nöthig waren, um über- 
haupt an eine stundeneintheilung nicht eines parallelkreises, son- 
dern des Ökumenenrandes zu denken , wird jeder kenner der 
griechischen geographie sich selber sagen. Aber ein solcher 
rückschritt wäre nicht ohne analogie ; denn verschrobener ist es 
auch nicht, sich die weit nach dem bilde einer Sonnenuhr als 
mit Kosmas Indikopleustes nach dem der stiftshütte vorzustellen. 
Unter solchen umständen werden wir natürlich von der durch- 
führung der construction wirkliche einsieht in die normen gno- 
monischer messung nicht verlangen und uns mit der äußeren 
ähnlichkeit des kartenbildes für die tagesstunden mit dem Ziffer- 
blatt einer Sonnenuhr begnügen. Ob die Zeichnung Schweders 
die absieht des Ravennas wirklich erreicht hat, muß danach be- 
urtheilt werden, ob seine karte mit den angaben der kosmogra- 
phie in besserem einklang steht als die von Kiepert. 

Raveuna , der geburtsort des kosmographen , erscheint als 
ausgangspunkt der theilung. Durch Ravenna wird eine linie 



Nr. 1. 17. Alte geographie. 75 

nach ost und west gezogen , die grenze zwischen den tag- und 
nachtstunden. Ebenfalls durch Ravenna, auf der grenzlinie 
senkrecht, geht die linie nach süden. Die beiden rechten Win- 
kel, welche die südlinie mit der westlinie bildet , werden in je 
sechs winkel zu 15 grad zerlegt, deren Schenkel die peripherie 
des erdkreises in bogen von ungleicher große zerlegen. Die 
nachtstunden werden nun dadurch gewonnen, daß die Schen- 
kel über den scheitel hinaus bis zur entgegengesetzten peri- 
pherie verlängert werden. Bei der excentrischen läge von Ra- 
venna im nordwestlichen oekumenenviertel werden die bogen west- 
lich von der nordsüdlinie natürlich kleiner als die östlichen und 
ebenso die westlichen nachtstunden kleiner als die westlichen 
tagesstunden. Indem der verf. eine solche stundeneintheilung 
zu gründe gelegt hat, construiert er eine karte, welche den an- 
gaben des Ravennaten über die läge und gestalt Afrikas und 
über die vier oceane in der that entspricht. 

Einige Schwierigkeiten bleiben aber auch bei Schweders 
construction noch übrig; dieselben sind vielleicht nicht entschei- 
dend, hätten aber vom verf. doch erörtert werden müssen. Die 
drei söhne Noes haben nach dem Ravennaten gleiche theile em- 
pfangen : auf der Schwederschen karte geräth Asien zu groß, 
Afrika übermäßig klein. Der angäbe über die nimia latitudo 
Asiens vom Mittelmeer zum ocean V, 16, p. 387 entspricht 
Kieperts Zeichnung entschieden besser. Wenn IV, 14 verlangt, 
daß Datia prima et secunda südlich von Dania liegen sollen , so 
ließe sich das zur noth aus der läge der karten seh rift er- 
klären. Daß aber nach IV, 5 die Maeotis bis zu den Roxola- 
nen reicht, denen die achte nachtstunde angewiesen ist, ließe 
sich auch bei der im alterthum häufigen Überschätzung der große 
dieses sees nur durch die annähme einer anderen quelle mit der 
Schwederschen karte vereinigen. Wenn dagegen Irland, welches 
von der grenzlinie der tag- und nachtstunden berührt wird, nach 
Schweder südlich von Ravenna zu liegen kommt, so wird man 
das mit rücksicht auf des Orosius Hibernia insula inter Britanniam 
et Hispaniam sita nicht beanstanden dürfen. 

Ich halte also die bedenken gegen Schweders construction 
nicht für unüberwindlich ; indessen finde ich nicht, daß der verf. 
die conseqiienz seiner karte gezogen hat. Ist Ravenna der mit- 
telpunkt für die stundeneintheilung, so rührt dieser glückliche 



76 Bibliographie. Nr. 1. 

gedanke auch erst vom Ravennaten her und war noch nicht 
auf der von ihm benutzten karte zum ausdruck gekommen. 
Dazu stimmt auch , daß diese neue eintheilung auf die geogra- 
phische darstellung selbst nur einen sehr geringen einfluß aus- 
geübt hat, der sich fast nur au der oceansküste merklich macht. 
Hier aber ist es bei der vertheilung der Völker auf die stunden 
nicht ganz ohne zurechtriickung abgegangen ; wenn der kosmo- 
graph I, 13 entschuldigend auf die mutatio gentium hinweist, so 
thut er es offenbar mit rücksicht auf differenzen seiner angaben 
und der karten Die von ihm zugrunde gelegte karte hat sich, 
die richtigkeit der Schwederschen coastruction vorausgesetzt, 
von den üblichen nicht sehr unterschieden ; daß osten auf ihr 
oben lag , hat der verf. nachgewiesen. Sie hatte schon eine 
christliche redaction erfahren , wenn in Oriente paradisus esse ad- 
scribebatur . 

Nun noch einige einzelheiten. Der umriß Spaniens kam 
dem wirklichen ganz gewiß nicht so nahe wie Schweders Zeich- 
nung. Den Taurus als asiatisches scheidegebirge und in nord- 
östlicher richtung zu zeichnen, lag eine veranlassung nicht vor. 
Mit den kaspischen pforten sind I, 12 nicht die medischen, son- 
dern die kaukasischen gemeint ; in kürze soll eine besondre Un- 
tersuchung das quellenmaterial über die kaspischen pforten ge- 
ordnet vorlegen. Da der östliche Taurus auch als (indischer) 
Kaukasus bezeichnet wurde, so ist auch hier die identität von 
Taurus und Kaukasus festgehalten , nur daß hier der wirkliche 
Kaukasus Taurus genannt wird. Daß dem so ist, ergiebt sich 
auch daraus, daß der Taurus nach dem Ravennas in der elften, 
nicht in der zwölften nachtstunde liegt. Endlich sei bemerkt, 
daß die Zeichnung des Paradises den irrigen schein einer insu- 
laren läge erweckt, während es nach den angaben des Ravennas 
doch nur durch eine wüste von der bewohnten weit geschieden ist. 

K. J. Neumann. 



Bibliographie. 

Bei Georg Reimer in Berlin ist erschienen : „Register zur 
archäologischen zeitung, Jahrgang I — XL1II, herausgegeben vom 
kaiserlich deutschen archäologischen institut". 8. 580 p. : die 
entstehung dieses vom cultusministerium zu Berlin liberal un- 
terstützten höchst dankenswerthen Werkes giebt der veranlasser 



Nr. 1. Bibliographie. 77 

lind leiter desselben, dr. Fränhel, im Vorwort ausführlich an: 
nach mehreren vergeblichen versuchen und anlaufen übernahm 
R. Klette aus Jauer die arbeit ; aber als er nach sorfältiger 
Sammlung des materials eben an die ausarbeitung gegangen und 
ein kleiner theil des registers ins reine geschrieben war, ereilte 
ihm in rüstigsten schaffen der tod ; aus dem von ihm hinterlas- 
senen material hat dann Fränkel, unterstützt dabei von dr. Wer- 
nicke das fehlende zusammengestellt und das ganze vollendet. 
Dadurch ist nun die von Eduard Gerhard unter vielfachen Schwie- 
rigkeiten begründete und dann mit selbstlosester ausdauer fort- 
geführte archäologische zeitung ihres begründers würdig abge- 
schlossen und zugleich die benutzung der in ihr enthaltenen ar- 
beiten so mancher trefflicher gelehrter wesentlich erleichtert, so 
daß diese Vorbilder umfassender mit richtiger methode verbun- 
denen gelehrsamkeit zur erhaltung gründlicher archäologischer 
forschung um so sicherer das ihrige auch in der folge beitragen 
können. — E. v. L. 

Ausgegeben ist : BibliotTieca philologica oder vierteljährliche 
systematisch geordnete Übersicht der auf dem gebiete der ge- 
sammten philologie in Deutschland und dem auslande neu er- 
schienenen schritten und Zeitschriften -aufsätze. Herausgegeben 
von August Blau, dr. ph. Neunundreiföigster Jahrgang. 1. u. 2. 
(doppel-)heft. Januar bis juni 1856. 8. Göttingen, Vanden- 
hoeck u. Ruprechts verl. 

Demnächst erscheint: Histoire de Cartesianisme en Belgique 
par l'abbe Georges Mouchamp . . . ouvrage couronne par l'Aca- 
demie royale des sciences des lettres et des beaux-arts de Bil- 
gique en seance du 10. mai 1886. 8. 810 p. Saint- Trout 
(Belgique), chez l'auteur, prix 8 fr. 

Versendet ist: Armand Colin et co., editeurs ä Paris: Nou- 
velles publications , ouvrages de bibliotheque et d'enseignement. 

— Bei denselben Verlegern erscheint auch : Revue internationale 
de l'enseignement , publice par la societe de l'enseignement su- 
perieure, wovon auch ankündigungen ausgegeben siud. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen aus dein gebiete der alter- 
thumswissenschaft. 1887. I. 

1. Acta seminarii philologiei Erlangensis. Edd. Iw. Müller et 
Aug. Luchs. Vol. IV. Erlangen , Deichert 1886. 8. 562 p. 9 mk. 

2. Bojesen-Htffa, kurzgefaßtes handbuch der römischen antiqui- 
täten und der römischen litteraturgeschichte. 4. aufl. bearb. v. Jos. 
Wilh. Eubitsehek. Wien, Gerolds söhn 1886.' 8. XII, 256 p. 4 mk. 

3. Corpus inscriptionum Latiuarum cons. et auct acad. litt. reg. 
boruss. ed. Vol. VI pars III: Inscriptiones urbis Romae Latinae col- 
leg. Guil. Henzen et Ion. Bapt. de Rossi edd. Eng Bormann, Gull. 
Henzen, Chr. Huelsen. Pars III. Berlin, Reimer 1886. fol. p. 1747 

- 2458. 68 mk. 

4. Citrtius, Georg, kleine Schriften. 2. theil. Ausgewählte ab- 
handlungen wissenschaftlichen inhalts hrsg. von E. Windisch, Leip- 
zig, Birzel 1886. 8. VII, 270 p. 4 mk. 



78 Bibliographie. Nr. 1. 

5. Dahl, Bastian, zur handschriftenkunde und kritik des Cicero- 
nischen Cato maior. H. Codices Parisini. Christiania, Dybwad 1886. 8. 
36 p. 1 mk. (Aus Cbristiania-Videnskabs-Selskabs-Forhandlinger). 

6. Fritz, Joh., aus antiker Weltanschauung. Die entwickelung 
des jüdischen und griechischen volkes zum monotheismus nach den 
neuesten forschungen dargestellt. Hagen, Risel u. co. 1886. 8. IV, 
433 p. 7 nik. 

7. Herodoti historiae rec. Alfr. Holder, Vol. I. Leipzig, Frey- 
tag 1886. 8. VQI, 407 p. 2 mk. 

8. Homeri Odyssea. Scholarum in usum ed Paul Cauer. Pars I. 
Carm. I XIII. Leipzig, Freytag 1886. 8. XLIV, 222 p. 1 mk. 

9. Hubert, F. G. , römische staatsalterthümer. In kurzer Über- 
sicht zusammengest. (Umarbeitung der 3. aufl. von W. Kopp römische 
litteraturgescbichte und alterthümer 2. u. 3. heft). Berlin, Springer 
1886. 8. X, 256 p. 3 mk. 

10. Kopp, Arthur, beitrage zur griech. excerptenlitteratur. Ber- 
lin, Gärtner 1887. 8. VII, 164 p. 5 mk. 

11. Kopp, Wilh. , geschichte der griech. literatur. In kurzer 
Übersicht zusammengest. In 4. aufl. neu bearbeitet von Oberlehrer F. 
G. Hubert. Berlin, Springer 1886. 8. XIV, 232 p. 3 mk. 

12. Kreyher , Jobs., L. Annaeus Seneca und seine beziehungen 
zum urchristenthum. Berlin, Gärtner 1887 8. VIII, 198 p. 5 mk. 

13. Latin, Esaias, de praepositionum usu apud Aeschylum. Up- 
saliae 1885. 8. 57 p. 2 mk 

14. Langen, Peter, plautinische Studien. Berlin, Calvary u. co. 
1886. 8. VII , 400 p 13 mk. (Aus: Berliner Studien zur class. 
philologie). 

15. Oehmichen , Gustav, griechischer theaterbau. Nach Vitruv 
und den Übersetzern. Berlin, Weidmann 1886. 8. VIII, 220 p. 4 mk. 

16 Plautus , T. Maccius, comoediae rec. et enarr. Joh, Lud. 
Ussing. Vol. V: Persam , Rudentem, Sticbum, Trinummum, Trucu- 
lentum continens. Havniae, Gyldendal et Leipzig, Weigel 1886. 8. 
662 p. 13 mk. 50 pf. 

17. Quintiliani, M. Fabi, institutionis oratoriae libri XII ed. Ferd. 
Meister. Vol. I, Lib. I — VI. Prag, Tempsky und Leipzig, Frey tag 1886. 
8. XI, 289 p. 1 mk. 20 pf. 

18. Sayce, A. H. , alte denkmäler im lichte neuer forschungen. 
Ein überblick über die durch die jüngsten entdeckungen in Aegypten, 
Assyrien , Babylonien , Palaestina und Klemasien erhaltenen bestäti- 
gungen biblischer thatsachen. Deutsche vom Verfasser revid. ausgäbe. 
Leipzig, O. Schulze 1886. 8. VIII, 232 p. 2 mk. 50 pf. 

19. ScJ/fieider, Engelbert, dialectorum Italicarum aevi vetustioris 
exempla selecta. In usum scholarum edidit. Vol. I. Dialecti Lati- 
nae priscae et faliscae exempla selecta. Pars I. Leipzig, Teubner 

1886. 8. XI, 168 p. 

20. Schwab, Jul., das altindische thieropfer. Mit benutzung 
handschriftlicher quellen bearb. Erlangen, Deichert 1886. 8. XXIV, 
168 p. 4 mk. 

21. Seeck, Otto, die quellen der Odyssee. Berlin, Siemenroth 

1887. 8. IX, 424 p. 

22. Seneeae, L. Annaei , dialogorum libros XII ad codicem prae- 
cipue Ambrosiannm rec. M. C. Gertz. Havniae, Leipzig, Brockhaus 
in co. 1886. 8. XXXIII, 443 p. 11 mk. 25 pf. 

23. Treuber, Oskar, beitrage zur geschichte der Lykier. Tübin- 
gen, Fues 1886. 4. 32 p. 1 mk. 40 pf. 

24. Virqilii Maronis opera ed. Joh. Huemer. Leipz. , Teubner 
1886. 8. XV, 195 p. 2 mk. 40 pf. 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 79 

25. Zoeller , Max, griechische und römische privatalterthümer. 
Breslau, Koebner 1887. 8. XXI, 427 p. 6 mk. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 

Heidelberg. 26. Kratt, Godof., de Appiani elocutione. Ba- 
den-Baden 1886. 8. 68 p. 

27. Kreuttner, Xav., Andranici qui fertur libelli ntol na^üiv pars 
prior de aifectibus. Heidelberg 1885. 8. 80 p. 

28. Schumacher, Carl, de republica Rhodiorum comruentatio. Hei- 
delberg 1886. 8. 64 p. 

München. 29. Endriss, Gust. , Albertus Magnus als interpret 
der aristotelischen metaphysik. München 1886. 8. 153 p. 

30. Menrad , Jos. . de contractionis et synizeseos usu Homerico. 
Diss. inaug. Monac. Monachii 1886. 8. 44 p. 

31. Praun, Joh., bemerkungeu zur syntax des Vitruv. Bamberg 
1885. 8. 108 p. 

32. Schnorr von Carolsfeld, Hans, über die reden und briefe bei 
Sallust, Leipzig 1886. 8. 47 p. 

33. Wblfflin, Heinr. , prolegomena zu einer Psychologie der ar- 
chitektur. München 1886. 8. 50 p. 

U p s a 1 a. 34. Johansson, Karl Ferd. , de derivatis verbis con- 
tractu linguae Graecae quaestiones. Upsaliae 1886. 8. 216 p. 

35. Oesterberg, Edvin, de ephetarum Athenieusium origine. ib. 
1885. 8. 71 p. 

36. Persäon, Per., studia etymologica. ib. 1886. 8. 122 p. 



Kleine philologische zeitung. 

(Römische villa in Bayern). Die von hauptmann Arnold 
im laufe des vergangenen mouats bei Machtlhng bloßgelegten 
grundmauern einer römischen villa gaben einer größeren anzahl 
von mitgliedern des historischen Vereins, der „Anthropologischen 
gesellschaft" und des ,,alterthumsvereins" Veranlassung, am ver- 
gangenen sountag, den 10. letzten monats, die fundstelle in au- 
genschein zu nehmen. Unter des entdeckers kundiger leitung 
wurde die stelle besichtigt, an welcher namentlich das vollstän- 
dig bloßgelegte bad das größte iuteresse bietet. Zwei gemacher 
des Wohnhauses scheinen nicht für Beheizung eingerichtet ge- 
wesen zu sein , und die mauern eines vorrathhauses mit keller 
mußten sorgfältig von dem schütte , der aus einer früheren Zer- 
störung herrührt , gesondert werden Bot die ausgrabung auch 
nur die bloßlegung des bodens und der grundmauern, so liefert 
dieser glückliche fund doch den beweis, daß wohlhabende Römer 
sich häuslich im jetzigen Bayern niedergelassen hatten. Pro- 
fessor Thiersch hat nicht nur die aufgefundenen mauerreste ge- 
nau im zahlenverhältniß aufgenommen, sondern auch von dem 
vollständig ausgegrabenen bade eine Zeichnung geliefert, wie 
dasselbe seinerzeit als ganzes gebäude wohl ausgesehen hat. Da 
nun die zeit zum anbau der Winterfrucht herankommt, muß der 
fund leider wieder zugeschüttet werden-, doch wird der besitzer 
die pfähle , welche die endpuncte der drei gebäude bezeichnen, 
aus dem boden hervorragen lassen. Die ergebnisse der ausgra- 



80 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

bung an mauerbewurf , glasuren , estrich , ziegeln der verschie- 
densten sorte u. s. w., sowie die gefäßreste, welche in den na- 
hen bügelgräbern gefunden wurden, sind in einem zitnmer des 
schulhauses aufbewahrt und werden von dem freundlichen lehrer 
des orts, welcher mit großem iuteresse der arbeit der ausgra- 
bung folgte , den fremden und freunden der alterthumskunde 
gezeigt. Auch der zwischen Machtlfing und Erling gelegene 
Klasberg wurde besucht, auf welchem seit kurzem der prior von 
Andechs, P. Magnus Sattler, nachgrabungen anstellt. Nach kur- 
zem graben wurden auch hier zwei gemacher bloßgelegt. Wäh- 
rend des mittagsmahles in Machtlfing hatte professor Thiersch 
die gute , die von ihm im großen gezeichneten plane der aus- 
grabungen zur allgemeinen orientiruug vorzuzeigen. Schließlich 
sei noch auf die beiden schritten des ingenieurs J. Naeher ver- 
wiesen , welche über die in Meßkirch in Baden ausgegrabene 
römische villa erschienen und mit vielen Zeichnungen versehen 
sind. Aus ihnen erhält man einen vollkommenen einblick in die 
construction einer villa, wie solche von den eroberern auf deut- 
schem boden errichtet wurden Münch. allg ztg. beil. zu nr. 287. 
Aus Kleinasien. Der ,,N. pr. ztg." wird berichtet: die Per- 
gamon -erforscher dr. Kiepert und premierlieutenant von Diest 
schlugen von Kutahia aus den weg nach Eskischehr ein und 
nahmen hier die ruinen von Dorglaion auf. Von hier aus über- 
schritten die reisenden das' bergland, welches zwischen dem lauf 
des Pursak und des Sangarius liegt, um nach Inhissar zu ge- 
langen. Von Inhissar wurden auf beschwerlichen wegen meh- 
rere Zuflüsse des Sangarius überschritten, um über Torbalu und 
Müderlü nach Boli in das quellengebiet des Filias zu gelangen. 
In Boli , welches die reisenden am 1 6. october erreichten , fan- 
den sie freundliche aufnähme durch den Mustasarif Ismail Bey, 
einen vollständig europäisch gebildeten und denkenden herren. 
Von hier aus sollte nun am 18. nach Filias (Tion), Bartin und 
Amasra aufgebrochen werden, dem nordöstlichsten puukt , wel- 
chen sich die reisenden am Schwarzen meer als ziel gesteckt 
hatten. Auf der rückreise über Uesküb soll dem programm eine 
längere besichtigung der interessanten ruinen- gegend von Pru- 
sias eingelegt werden. Münch. allg. ztg. beilage zti no. 202. 

Paris, 3. novbr. In Tebessa (Algerien) sind bei der erd- 
aushebuni>- für eine neue cavalleriecaserne zwei wohlerhaltene 
fischbehälter entdeckt worden. Man steigt zu denselben auf ei- 
ner steintreppe hinab ; beide behälter sind durch einen 8 meter 
langen und 3 meter breiten gang verbunden, dessen boden eine 
schöne marmormosaik zeigt. Dieselbe stellt götter in natürlicher 
große dar, die auf seeungeheuern reiten. Das bild ist mit einem 
anmuthigen fries umgeben , in welchem alle von den römischen 
feinschmeckern geschätzten thiere zu sehen sind. Münch. allg. 
ztg. beil. zu nr. 311. 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 81 

München. In der sitzung der anthropologischen gesellschaft 
am 10. december schilderte general Popp die in diesem jähre 
zu Pfünz bei Eichstätt vorgenommenen ausgrabungen. Im Win- 
kel zweier an der Altmühlbrücke zusammenstoßender , von Ei- 
ning und von Neuburg a. D. über Nassenfeis kommender römi- 
scher straßen liegt hoch über der thalsohle auf einem zungen- 
förmigen höhenrücken ein castrum in rechtecksgestalt mit fronten 
von 200 schritt breite und 240 schritt länge. Schon v. Kaiser 
beschrieb dasselbe vor 60 jähren, damals waren die jetzt theil- 
weise eingeebneten wälle und doppelgräben noch überall erhal- 
ten. Neben mehreren wallanschärfungen sind jetzt vollständig 
aufgedeckt: die porta decumana, porta principalis dextra und si- 
nistra, sämmtlich als doppelthore und von je zwei thürmen flan- 
kirt , ein trapezoider thurm in der südostecke , gebäudereste im 
innern. Das gebäude ist kleinschichtmauerwerk aus juraplatten- 
kalk , nach außen isodomum , die eingänge in die thürme sind 
ebenerdig. Unter den sehr zahlreichen funden aller art ragen 
hervor : drei an der porta decumana lehnende schildbuckel, lan- 
zenspitzen, beschlagtheile von maschinen, die elfenbeinerne zwinge 
eines schwertgriffes, ein inschriftstein , mehrere metallbuchstaben 
(vielleicht die inschrift eines feldzeichens). Der taktische werth 
des castrums ist nicht groß, weil die steilabhänge der höhe be- 
deutende todte winkel bilden , er reicht daher kaum weiter als 
der pilonwurf, und aus diesem gründe finden sich die sonst äu- 
ßerst seltenen doppelthore in den flanken für offensive ausfälle; 
dagegen bemißt sich der strategische werth wegen der läge am 
Straßenknoten und flußübergang und hinter einer limeßbeugung, 
zugleich als rückhalt für die posten und wachen am limes , als 
ein sehr hoher. Würde das castrum ausgegraben , so wäre es 
ein kleinod wie die Saalburg. Hauptmann Arnold fügte einen 
kurzen bericht über die canabae , die villa, die grabhügel und 
einen tempel an, die sämmtlich südlich hart am castrum liegen, 
sowie des letzten restes der Altmühlbrücke, des Widerlagers am 
linken ufer. Im schütte des tempels wurden trümmer von Sta- 
tuen gefunden, von denen der köpf einer göttin, ausgeführt in 
kehlheimer kalkstein von künstlerisch geübter hand und dem 
ausgang des zweiten Jahrhunderts angehörig, vorgezeigt und von 
professor Ohlenschlager als der einer Fortuna bestimmt wurde. 
— Münch. allg. ztg. 1886, zweite beilage zu no. 349. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Philologische abhandlungen ans Zeitschriften 18 8 6. 

No. 1. 

Acta seminarii philologici Erlangensis. Vol. IV. A. Boehner, de 

Arriani dicendi genere. — C. Wunder , zu Cyprian. — G. Hnttner, 

Demosthenis pro Phormione orationem adnotatione critica instruxit 

et commentario explanavit. — H. Braun, Procopius Caesariensis qua- 

Philol. Anz. XVII. 6 



82 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

terms imitatus sit Thucydidem. — Iw. Müller, ad Galenum vol. I. 
58, 42. K. — C. Wunde?- , coniecturae Polybianae. — Iw. Müller, 
Galenus Piatonis imitator. — H. Beckh, de Geoponicoruni codicibus 
mss. — Th. Gollwitzer , observationes criticae in luliani imperatoris 
contra Christianos libros. — L. Bergmüller , quaestiones Iuvenalianae. 

— M. , unde vis quae adiectivo »ponticus« medio aevo subiecta est, 
ducta sit. — E. Reichenhurt, der infinitiv bei Lucretius. — 

Annali del Instituto di corrispondenza archeologica t. 57. 1885: 
J. Undset, l'antiquissimo necropoli tarquiniese. — H. Jordan, statua 
vaticana di Semone Sanco. — F. Dümmler , de amphora Corinthia 
Caere reperta. - C. Siitl, le pitture della tomba cornetana detta 
della pescia e della caccia. — H. Heydemann, due vasi di Ruvo. — 

— C. Purgold, sopra alcune Statuette di bronzo spettanti ad un antico 
tipo greco di tripode. — P. Rossbach, intagli arcaici della Giecia e 
dell' Etruria. — G. B. de Rossi, le horrea sotto l'Aventino e la sta- 
tio annonae urbis Roniae con appendice sul Testaccio. — G. Sen- 
sen, iscrizioni recentemente scoperte degli equites singulares. — E. 
Dressel , statuetta di bronzo nel Museo di Berlino. — M. S. de Rossi, 
tre sepolcri arcaici nella villa Spithoever sötte le mura di Servio 
Tullio. — A. Mau , Pitture della casa antica scoperta nel giardino 
della Farnesina. — W. Heibig, le divinitä eleusinie rappresentate in 
un' idria attica. — Fr di Duhn, supplemento all' articolo inscrito negli 
Annali di 1881. — 

Antohgia, Nuova, 1886 fasc. 17. O. Maruechi, le antiche e mo- 
derne trasformazioni di Roma: Roma durante la reppublica e sotto 
l'impero (continuaz.). fasc. 18. 19. — fasc. 20. E. Muncini, gli specchi 
magici. — 

Archiv für latein. lexikographie und grammatik hrsg. v. E. Wölff- 
lin. Jahrg. III 1886. Heft 3.4. G. Schepps, die spräche Priscillians. — 

— B. Kubier, capsella. — P. Langen, die construction von utor 
fruor fungor potior im älteren latein. — L. Havel, inermis. — F. 
Hartmann , über den konjunktiv der futura. — K. E. Georaes , Pi- 
tyon. — A. Otto, die historischen und geographischen Sprichwörter. 

— W. Schmitz, crumelum. — A. Otto, zu den thiersprichwörtern. — 
C. Wagener, reformare refirmare. — A. Funck, die verba auf -issare 
und -izare. — Fr. Vogel, corrigere, sich bessern. — E. Wölfflin, 
zur allitteration und zum reime. — G. Brandt, zum inf. fut. passiv, 
auf -uiri. — E. Wölfflin, medietas, mitte, hälfte. — E. Wölfflin, con- 
petere = conpotere. — Ph. Thielmann, abdere , abditus, abdite, ab- 
ditivus, abditudo. — E. Wölfflin , toti = omnes. — Addenda lexicis 
latinis P. Q. R. S. — E. Wölfflin, zur consonanten-assimilation. — 
G. Gröber, Vulgärlatein. Substrate romanischer Wörter. — Ph. Thiel- 
mann, nachtrage. — E. Wölfflin, calvaster. — Miscellen: E. Hauler, 
sprachliches zu Sallust. — Ph. Thielmann, menetris meneris, fundiba- 
lum , fundibalarius , netura, nectura, mascarpio, satullus, contrire. — 

— Joh. Meltzer , exsternare und externare. — Ed. Lübbert, simila, 
similago , volutina. — R. Thurneysen, zu den Hisperica fainina. — 
J. Huemer , factum, fatum. — Iw. Beck, zu den differentiae sermo- 
num. — W. Siudemund, duos, duo. — Konr. Hofmann , cogitare. — 
A. Funck, calamizo, poetizo etc. — Fr. Schlee, quid est, quid id 
est. — L. Havet, istuc ago, le duel en -ere. — E. Wölfflin , adven- 
tare, circare, igitur, visere, lupus in fabula. — B. Kubier, K. Schaper. 

Archivio storico per le provincie napoletane XII, 2: A. Holm, 
ricerche sulla storia antica di Campania (continuaz.). 

Blätter für die bayerischen gymnasien heft 7. 8 — 9. N. Weck- 
lein, zu Aeschylus Agam. 937 und 1214. — J. Melber, zu Polyän III, 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 83 

11, 13. — C. Meiser, zu Livius XXI, 62, 10 und XXIII, 17, 6. - 
Anzeigen. — 

Crntralblatt für das bibliothekswesen. Heft 12. Zwei hessische 
bibliothekare, Carl Julius Caesar von K. Bnysen , und Albert Duncker 
von Ed. Lohmeyer eingeleitet von O. Hartwig. — 

Forschungen , romanische hrsg. von K. Vollmöller bd. IL heft 3. 
C. Paucker, die latinität des Joh. Cassianus. — H. Rons eh , lexikali- 
sche excerpte aus weniger bekannten Schriftstellern. II. — 

Hermes. 1886. Heft 4: I). Detlef sen , das Pomerium Roms und 
die grenzen Italiens. — E. Hiller, die partikel p« — Th. Mommsen, 
die Tatiuslegende. — - A. Erman, die herkunft der Faijum-papyrus. — 
J. Schmidt, die rangklasse der Primipilaren. — U. v. Wilummoitz- 
Moellendorff, die bühne des Aischylos. — Derselbe, res gestae Divi 
Augusti. — O. Kuhler, kleine beitrage zu den fragmenten der alten 
attischen komödie. — W. Dittenberyer , böotische inschriften. — H. 
Tiedke, Vergilianum. — R. S., l^tviixä . — 

Jahrbuch des kaiserl. deutschen archäolog. instituts. 1886. Heft 3. 
L Schwabe, wagenlenker-bronze in Tübingen — E. Fnbricius , das 
platonische weihgeschenk in Delphi. — B Graef, Peleus und Thetis. 

— J. Svoronof , scenen aus der Ilias auf einem etruskischen Sarko- 
phage. — Miscellen: R. Enge/mann, Harpyie. — W. Mahnberg, über 
zwei figuren aus dem weihgeschenk des Attalos. — A. Milchhoefer, 
die mittleren südmetopen des Parthenon. — A. Furhcängler , zum be- 
tenden knaben. — O. Puchstein und A. Conze, desgl. 

Jahrbücher für nationalökonomie und Statistik. N. F. Bd. XII. 
Heft 1-6. — Bd. Xni. Heft 1. 2. Curt Wachsmuth, ein antiker see- 
platz. - Heft 3—5. — 

Jahrbücher , neue, für philologie. 1886. Heft 10. L. Cohn, Nice- 
tae Serrarum episcopi rhythmi de marium , fluviarum etc. nominibus. 

— A. Ludwich, zur griechischen anthologie XI, 377. — H. Draheim, 
de arseos vi Homericae. — J. Werner und H. Blümner, zu Sophokles 
Aiax. — R. Förster, Pheidias der vater des Archimedes. — R. 
Crampe, zu Lukianos. — H. Menge , zur sphaerik des Theodo-üos. — 

F. Susemihl . die bedeutung von (fiXdvd'ouinof in der aristotelischen 
poetik. — K. J. Liebhold, zu Piatons Phaedon. — H Besser, zu Ho- 
ratius Carmen saeculare. — O. Keller, zur lateinisch - griechischen 
Sprachgeschichte (forts.). — O. Keller, über die ausspräche einiger 
griechischen buchstaben. — R. Förster, zu Hesychios. — W. Heraeus, 
haud impigre. — K. Rossbery , gedichte des Dracontius in der la- 
teinischen anthologie. — 

Jahrbücher, neue, für philologie. Suppl.-bd. 15, heft 2. Fr. Su- 
semihl , de politicis Aristoteleis quaestiones criticae. — C. Weyman, 
Studien über die figur der litotes. — 

Jahrbücher für protestant. theologie. XIII, 1887, heft 1. ii. F. 
Schlüren , zu Adrianos. — H. Geher, zur praxis der oströmischen 
Staatsgewalt in kirchensachen. 

Melanges d'archeologie et d'histoire (de l'ecole de Rome) 1886, 
no. 5. A. M. Desrousseaux, sur quelques manuscrits d'Italie. — L. 

G. Pelissier, les amis d'Holstenius. — A. M. Desronsseaux, a propos 
d'une epitaphe grecque. 

Me'moires de la societe de linguistique, t. VI. 2: M. Breal, Ita- 
lica. — V. Henry, notes grecques et latines. — L. Duvan, datif plu- 
riel de l'Ombrien. — L. Huvet, varia. — J. de Saussure, xgrivij. — 
M. Breal, le groupe lv et ses continnateurs en latin. — M. Breal, 
etymologies. — Ph. Berger, Camillus. — J. Loth, calaf-, colo, cala- 
mus, eulmus. — F. de Saussure, ßovxülos. 

Mind 1886, no. 2-no. 3. D. G. Ritchie , on Plato's Phaedo. — 



84 Literatur. Nr. 1. 

Mittheilungen des kais. deutschen archäol. instituts. Römische 
abth. 1886, no. 3. W. Heibig, scavi di Vetulonia. — A. Mau, scavi 
di Pompei. — A. Klitsche de la Grange , di alcuni ritrovamenti ar- 
cheologici sui territori di Tolfa e di Äiluiniere. — G. Wissowa, Sil- 
vano e compagni. — F. di Duhn, due bassirilievi del Palazzo Rondi- 
nini. — H. v. Rohden, terrecotte di Nemi. — P. Stettiner, nuovi aes 
grave. — G. F. Gamurrini, combattimento delle Lemnie in una stela 
bolognese. — Sitzungsprotokolle. 

Mnemosyne, n. s. XIV, 4 : H. van Herwerden, in Antholog. Palat. 
corum. II. — S. A. Naber, Thucydidea II (contin.). — J. P. Postgate, 
Catulliana. — ./. P. Postgate, Lucani duos locos corr. — H. W. van 
der Mey, ad Diodoruni Siculum. — H. Was, ad Ciceronem. — K. P. 
G. Schwartz, ad Dionysium Balicarnassensem. 

Review, the English historical 1886, no. 4. John B. Bury, Eu- 
boia before the Lelantine war. 

Revue internationale de l'enseignement 1886, no. 9. 10- 11. J. 
E. Labbe, le droit et le latin. 

Revue historique, t. 32, no. 2. G. Bloch, la reforme democrati- 
que a Rome du III. siecle av. J. Cr. II. article. 

Sitzungsberichte der akad. der wiss. zu München. Philos. - histor. 
cl. 1886, heft 2. E Wölff/in, epigraphische beitrage. — Sprüche der 
sieben weisen. — Papadopoulos-Kerameus , über ein chrysobull von 
Trapezunt. 

Sitzungsberichte der akad. der wissensch. z. Wien. Philos.-histor. 
cl. bd. HO, heft 1. W. Härtet, verzeichniß der im cod. 169 von Or- 
leans vereinigten fragmente von handschriften lateinischer kirchen- 
schriftsteller. — Heft 2. S. Mehler. Philodemos über den tod. 4. 
buch nach der Oxforder u. Neapolitaner abschritt. — Engelbrecht, Un- 
tersuchungen über die spräche des Claudianus Mamertus. — Bd. 111,1. 
Horawitz , zur geschichte des humanismus in den Alpenländern. I. — 
W. v. Hartel, Bibliotheca patrum Latinorum Hispaniensis, nach den 
aufzeichnungen dr. G, Loewe's hrsg. u. bearbeitet. 

Zeitschrift für das gymnasial wesen. 1886, nov. Jahresberichte: 
H. Kallenberg, Herodot. — W. Mewes, Horatius. 

Zeitschrift für die Österreich, gymnasien 1886, heft 10. JP. Drechs- 
ler, textkritische beitrage zu Cicero. — P. von Hoffmann- Wellenhof, 
zur Arminiuslitteratur des XV III. jahrh. 

Zeitschrift für kirchengeschichte , bd. VIII, heft 3. V. Schultze, 
Untersuchungen zur geschichte Konstantins des großen. 

Zeitschrift für bildende kunst, bd. 22, heft 1. 2— heft 3. Jos. 
Durm, zur bautechnik der Hellenen. 

Zeitschrift für kath. theologie, bd. X, heft 3 — heft 4. K. München, 
die lehre der XII apostel. I. 

Literatur 1887. 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Griechische grammatik für gymnasien. Auf grundlage der ver- 
gleichenden Sprachforschung bearbeitet von H. D. Müller und F. 
Lattmann. 2. theil: syntax. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht. 

Abrege de grammaire latine ä l'usage des classes de grammaire 
par Louis Havet. 8. Paris, Hachette. 

Die philosophie des Heraklit von Ephesus im lichte der myste- 
rienidee. Neb3t einem anhang über heraklitischen einfluß im altte- 
stamentlichen Kobelet und besonders im buche der Weisheit sowie 
in der ersten christlichen literatur. Von dr. Eduard Pfleiderer. 8. 
Berlin, Georg Reimer. 



Nr. 2. 3. 1887. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



18. Ettore di Ruggiero, Dizionario epigrafico di an- 
tichitä romane. Loreto Pasqualucci editore. fasc. I u. II aba- 
cus — ab actis. Roma, tipogr. della r. acad. dei Lincei. 1886. 
64 p. gr. 8. Jedes heft 1 L. 50 c. 

Dies werk, von dem bis jetzt die zwei ersten, 54 seiten text ent- 
haltenden lieferungen vorliegen, ist bestimmt den gelehrten die be- 
nutzung der inschriften für die verschiedenen wissenschaftlichen 
gebiete, denen sie neben anderen als quellen dienen, zu erleichtern. 
Dabei ist es aber, wie schon der titel sagt, nicht auf das gram- 
matische, außerdem aber auch nicht auf die beseitigung der be- 
sonderen formellen Schwierigkeiten abgesehen, denen der unkun- 
dige oder nicht hinreichend geübte bei der benutzung der in- 
schriften begegnet. Diesem zweck ist vielmehr ein manuale di 
epigrafia latina bestimmt, das als ein parallelunternehmen gleich- 
zeitig von demselben herausgeber angekündigt wird. Die auf- 
gäbe des Dizionario besteht in der erklärung der in den latei- 
nischen inschriften enthaltenen realien. Alle in diesen vorkom- 
menden worte , die auf irgend welche äußerungen und einrich- 
tungen des antiken lebens bezug haben, auf religion, cult, staat- 
liche , provinzielle , städtische Verfassung und Verwaltung , auf 
rechts- und militärwesen, genossenschaften, gewerbe, lustbarkeiten 
und dergl. mehr, — sie alle sollen darin aufnähme und dem 
heutigen stände der forschung rechnung tragende , bei möglich- 
ster kürze doch zugleich möglichst vollständige erläuterung fin- 
den. Von einer allgemeinen realencyclopädie des römischen al- 
terthums unterscheidet sich das Dizionario — abgesehen von der 
Philol. Anz XVII. 7 



86 18. Epigraphik. Nr. 2. 

schon angegebenen beschränkung — auch dadurch, daß die ei- 
gennamen im allgemeinen ausgeschlossen bleiben. Eine ausnähme 
von dieser regel machen nur die der kaiser und ihrer familien- 
glieder. Auch eine liste der consuln in alphabetischer folge 
wird zum beschluß des Werkes verheißen. Ebenda, um dies 
beiläufig zu bemerken, wird auch eine Übersicht der wichtigsten 
abkürzungeo geboten werden. Ferner sollen von den geogra- 
phischen namen die der Völker, länder, städte u. s. w. aufnähme 
finden, besonders um über ihre einrichtungen, für deren kennt- 
niß ja die inschriften die hauptquelle sind, aufschluß zu geben. 
Was die einzelausführung anlangt , so wird besonderer werth 
darauf gelegt , das auf jeden artikel bezügliche inschriftliche 
material möglichst vollständig mitzutheilen, obwohl auch die wich- 
tigsten Schriftstellerzeugnisse nicht ausgeschlossen sein sollen. 
Per tal modo, um des verf. eigene worte zu brauchen, il Diziona- 
rio pub riguardarsi quäle un repertorio epigrafico per lo studio delle 
antichith (romane), come rispetto al Corpus particolarmente potrebbe 
anche dirsi esserne un indice ragionato — wobei man freilich der 
eben angegebenen, durch die rücksicht auf den räum gebotenen 
beschränkungen eingedenk sein muß. 

Daß ein solches werk, insbesondere denen, die mit den spe- 
cielleren wissenschaftlichen hilfsmitteln nicht vertraut oder denen 
dieselben nicht zur Verfügung sind, in mannigfacher weise nütz- 
lich werden kann , ist unbestreitbar. Das maß der nützlichkeit 
wird von der ausführung abhängen. Ueber diese auf grund der 
ersten 54 seiten ein urtheil zu fällen halte ich für voreilig. 
Nur eine bemerkung will ich schon jetzt nicht unterdrücken, näm- 
lich daß der verf. den kreis der von ihm zu benutzenden hilfs- 
mittel hätte etwas weiter ausdehnen müssen. So berichtet er 
p. 64 über das senatus consultum de Thisbaeis noch nach Momm- 
sens publication in der Eph. epigr. I, p. 278 ff., ohne notiz da- 
von zu nehmen, daß in den mittheilungen des deutschen archäol. 
instituts zu Athen IV, 235 und dann in der Zeitschrift der 
Savigny Stiftung II, p. 116 ff. wichtige Verbesserungen der le- 
sung dieses denkmals veröffentlicht worden sind, die gerade 
der hier von ßuggiero wiedergegebenen darlegung Mommsens 
allen grund und boden entziehen. 

Johannes Schmidt. 



Nr. 2. 19. Homeros. 87 

19. Arthur Ludwich, Aristarchs homerische text- 
kritik nach den fragmenten des Didymos dargestellt und beur- 
theilt. Nebst beilagen. Erster theih Leipzig 1884. Zweiter 
theil. Leipzig 1885. 

Das werk , das uns hier zur besprechung vorliegt , besteht 
aus zwei nur lose mit einander zusammenhängenden theilen. 
Der erste theil enthält die Sammlung der fragmente des Didy- 
mos nsg] rrjj 'Agiazag^eCov Sioq&wgsoos nebst einer einleitung 
über entstehung, quellen und Überlieferung der Didymeischen 
schrift. Den inhalt des zweiten theils soll nach dem titel eine 
darstellung und beurtheilung von Aristarchs homerischer text- 
kritik bilden. Aber nach den fragmenten des Didymos allein 
läßt sich eine solche nicht geben. Es müssen zu diesem zwecke 
außerdem die fragmente des Aristonikos, Herodian und Nikanor 
und die Homer - scholien überhaupt herangezogen werden. Da 
der Verfasser selbst dies am besten weiß , so leuchtet ein , daß 
er sich im zweiten theile seines buches nicht ausschließlich an 
Didymos halten konnte. Wenn auch hier und da auf die frag- 
mente des Didymos oder auf bemerkungen zu denselben bezug 
genommen ist, so stehen doch im allgemeinen die ausführungen 
in keiner nothwendigen Verbindung mit Didymos und die beiden 
theile können als zwei für sich bestehende werke angesehen 
werden. Beide sind hochbedeutsame erscheinungen der neue- 
ren Homer -litteratur. Auf allgemeine und ungetheilte anerken- 
nung hat der erste theil anspruch. Ueber die Wichtigkeit der 
aufgäbe , die sich der Verfasser in diesem theile gestellt hat, 
kann kein zweifei bestehen • und daß Ludwich mit der lösung 
dieser aufgäbe sich ein großes verdienst erworben hat, müssen 
alle zugestehen , trotz etwaiger meinungsverschiedenheiten über 
einzelne fragen. Ueber den zweiten theil hingegen muß noth- 
wendiger weise je nach dem verschiedenen parteistandpunkt das 
urtheil verschieden ausfallen. Aber auch die gegner werden 
einräumen müssen, daß sie aus Ludwichs ausführlicher darlegung 
seines Standpunktes vielfache belehrung geschöpft haben, wenn 
sie auch nicht durch dieselbe von der falschheit ihrer principien 
überzeugt worden sind. 

Die einleitung (I, p. 1 — 174) charakterisiert in gedrängter 
Übersicht die Stellung der schrift des Didymos in der antiken 
Homer-litteratur, ihre entstehung, ihre quellen und ihre schick- 



88 19. Homeros. Nr. 2. 

sale. Es liegt in der natur der sache, daß hierbei auch manche 
bekannte dinge behandelt werden. Aber in diesem zusammenhange 
erscheinen die dinge in neuem licht, und oft genug ist der Verfas- 
ser in der läge , fehler und weit verbreitete irrthümer zu be- 
richtigen. Ludwich handelt zuerst über den handschriftlichen 
apparat Aristarchs, wobei er sich mit entschiedenheit gegen die 
annähme erklärt , daß das sogenannte Peisistratische exemplar 
die Urquelle der voraristarchischen ausgaben gewesen sei, dann 
über Aristarchs ausgaben, hnofAt^aia und ovyyQa(A[j,aia., wobei 
er sich über doppelte lesarten des Aristarch (scholien mit di^ät;) 
ausführlich verbreitet, und wendet sich darauf zu der schrift 
des Didymos. Er zählt die handschriften und sonstigen quellen 
des Didymos auf und kommt alsdann auf die berührungspunkte 
zwischen Didymos und Aristonikos zu sprechen. Besondere Her- 
vorhebung verdient hier der nachweis, daß Didymos in seinem 
werke auch die athetesen behandelte und daß viele der scholien, 
in welchen athetesen erwähnt werden und die man bisher mit 
Lehrs und Friedländer als eigenthum des Aristonikos ansah, 
zwischen Aristonikos und Didymos zu theilen sind , so zwar, 
daß die eine hälfte, in welcher von Aristarchs athetese die rede 
ist , dem Aristonikos , die andere , welche kurze angaben über 
ngoadtTtjötn; (des Zenodot und Aristophanes) enthält, dem Di- 
dymos zugewiesen wird. Nachdem der Verfasser kurz auf die 
geringen spuren der benutzung der Didymeischen schrift in der 
späteren litteratur hingewiesen, geht er zu demjenigen theile 
der einleitung über, der in ihr den größten räum einnimmt, zu 
der Überlieferung der fragmente des Didymos in den Homer- 
scholien, vor allem in den scholien des Venetus A. Auf grund 
seiner eigenen höchst sorgfältigen collation gibt Ludwich eine 
genaue beschreibung der verschiedenen arten der Überlieferung 
der fragmente des Didymos und der andern grammatiker in der 
berühmten handschrift. Von besonderer Wichtigkeit ist der nach- 
weis, daß der Homer-text im Venetus A und die scholien durch- 
aus nicht in so inniger Wechselbeziehung zu einander stehen, 
wie man gewöhnlich geglaubt hat: die auf Aristarchische les- 
arten hinweisenden Didymos - excerpte mit ovrcac (Aolf>7ay%og) 
schließen sich nicht immer an den text des Veu. A an, und 
man muß sich hüten in solchen fällen immer das was im Ven. A 
steht für die Aristarchische lesart zu halten. Die Varianten mit 



Nr. 2. 19. Hoineros. 89 

den einleitungsf ormeln ygdq'STai (ygäcfsrai z«/') und iv a).lq>, die 
mit den fragmenten des Didymos nichts zu schaffen haben, wer- 
den vollständig mitgetheilt (p. 152 ff.). Die einleitung , deren 
inhalt hier in kürze skizziert ist, gibt dem ref. nur in einem 
punkte anlaß zu einer erörterung. Es ist die frage nach dem 
handschriftlichen apparat des Aristarch und des Didymos. Be- 
kanntlich wird in den Didymos - excerpten auf eine große zahl 
von Homer-handschriften bezug genommen. Von diesen gehört 
die eine kategorie sicher der voraristarchischen zeit an : es sind 
dies die ausgaben des Antimachos, Zenodotos, Rhianos, Sosigenes, 
Philemon und Aristophanes. Aristarch kannte und benutzte die 
ausgaben des Antimachos (vgl. Aristonikos 52 71), des Zenodot 
und des Aristophanes, wahrscheinlich auch die des Rhianos (vgl. 
namentlich Didym. .£10) ; von den ausgaben des Sosigenes und des 
Philemon ist es zweifelhaft. Die andere kategorie der von Di- 
dymos erwähnten handschriften bilden die sogenannten städte- 
ausgaben. Ludwich ist der ansieht , daß Aristarch auch diese 
sämmtlich oder die mehrzahl derselben benutzt hat, und ferner, 
daß Didymos die von ihm citierten ausgaben größtentheils nicht 
selbst gesehen habe, sondern die nachrichten über lesarten der- 
selben den Schriften Aristarchs und anderer homeriker verdanke. 
Die annähme, daß Aristarch einen so großen handschriftlichen 
apparat gehabt habe, hält ref. nicht für richtig. Was Ludwich 
zur begründung derselben anführt, ist nicht stichhaltig. Ueber 
das alter der sogenannten Städteausgaben wissen wir gar nichts. 
Nicht eine einzige stelle in den fragmenten des Didymos ist 
beweisend für die annähme , daß sie der voraristarchischen zeit 
angehören. Nicht Aristarch , wie Ludwich behauptet , sondern 
Didymos beruft sich wie an allen übrigen stellen so auch A 
97.424. r 10 auf einige dieser ausgaben. A97 ist kein grund 
vorhanden, das citat aus Aristarchs ).i-%sig weiter als bis zum 
worte öwQtäv auszudehnen. A 424 reicht das citat aus Ari- 
starchs A?£sig sicherlich nur bis zu dem fragment des Sophokles, 
die worte ovrcog de signier x«f iv rr} Maars aXioaziity xzX. gehö- 
ren dem Didymos. Selbst dann wenn er die ' Ai-tip(i%eiog und 
' AQiGToqävsioq nicht aus autopsie kannte, durfte er sehr wohl 
ovrmg evoopsv sagen. Die ausdrucksweise ovrmg svqo^isv ist 
nicht die des Aristarch sondern des Didymos, wie uns Ludwich 
selbst aus zahlreichen beispielen belehrt (p. 45). Was aber das 



90 19. Homeros, Nr. 2. 

wichtigste ist: es lag nicht in der gewohnheit der grammatiker 
der guten alexandrinischen zeit, des Aristarch so wenig wie des 
Aristophanes u. a., zur stütze ihrer ansieht sich auf eine größere 
zahl äußerer autoritäten zu berufen. Die häufung von citaten 
und die anführung zahlreicher gewährsmänner ist das kennzei- 
chen des aufhörens selbständiger forschung und des beginns com- 
pilatorischen Schaffens, wie wir es bei Didymos sehen. Aristarch 
führte gründe für seine lesarten an, nicht handschriftliche auto- 
ritäten. Die unterbrochene aufzählung in dem scholion , die 
Ludwich außerdem für seine ansieht ins feld führt, hat ihren 
guten grund in dem umstände, daß Didymos nicht in demselben 
satze ausgaben und commentare nennen wollte. Die angaben 
über lesarten von ausgaben und die angaben über erwähnung 
von lesarten in den Schriften der grammatiker sind in den frag- 
menten des Didymos gewöhnlich geschieden: vgl. z. b. B 192. 
436. Auch an der dritten von Ludwich citierten stelle r 10, 
wo Didymos die Xta und MaG<yaXiw7ixrj nennt, deutet nichts 
darauf hin , daß Didymos Aristarchische gelehrsamkeit vorträgt- 
Bei unbefangener betrachtung der Überlieferung ergibt sich, daß 
unter den mauuskripten, welche Aristarch berücksichtigte, keine 
der sogenannten Städteausgaben war: der handschriftliche appa- 
rat Aristarchs war also nicht so umfangreich, wie Ludwich und 
wohl auch andere glauben. Es fragt sich nun noch , ob Didy- 
mos alle diese ausgaben selbst benutzt hat. An einigen stellen 
beruft er sich auf das zeugnis älterer grammatiker und es ist 
wohl möglich, daß er die kenntnis von lesarten der einen und 
der andern von diesen ausgaben den Schriften der früheren ho- 
meriker verdankt. In den meisten fällen aber erwähnt er sie 
in einer weise , daß wir nur annehmen können , daß sie ihm 
selbst vorgelegen haben. Dafür spricht noch ein anderer um- 
stand : häufig werden in den fragmenten des Didymos die ver- 
schiedenen handschriften und ausgaben unter allgemeinen bezeich- 
nungen citiert al ^agitöTSQtti, al %agi?07azui f al elxuiozegai , ai 
noivai u. ä. Wir erkennen in diesen bezeichnungen eine art 
werthschätzung und Classification der handschriften. Sicherlich 
rührt diese Classification von keinem andern als von Didymos 
selbst her (wie auch Ludwich annimmt). Wie hätte er aber 
eine derartige Schätzung vornehmen können, wenn ihm die hand- 
schriften selbst nicht vorlagen? 



Nr. 2. 19. Homeros. 91 

Die Sammlung der fragmente des Didymos läßt an Vollstän- 
digkeit, ihre bearbeitung an Sorgfalt und genauigkeit nichts zu 
wünschen übrig. Das langjährige eingehende Studium, das Lud- 
wich den werken der Aristarcheer widmete, hat seinen blick für 
diese dinge dermaßen geschärft, daß er, wie wir getrost anneh- 
men dürfen , kein wirkliches fragment des Didymos übersehen 
hat. Der text der fragmente ist auf grund sorgfältiger colla- 
tionen der wichtigsten handschriften und mit umfassender be- 
nutzung aller schritten , welche material zur kritik der Homer- 
scholien enthalten , festgestellt und emendiert. Außer dem Ve- 
netus A hat Ludwich den Victorianus (V) für die Iliasscholien, 
den Venetus Marcianus 613 (M) und den Hamburgensis (T) 
für die Odysseescholien selbst verglichen. Nur die angaben des 
Victorianus werden bisweilen berichtigungen erfahren durch den 
Townleianus, von dem er eine abschrift ist. Ueber das princip, 
das bei der aufnähme von scholien-notaten in die fragment-samm- 
lung befolgt ist, kann man mit dem Verfasser streiten. Ludwich 
hat nämlich nicht blos solche scholien , die als sicheres eigen- 
thum des Didymos anzusehen sind, aufgenommen, sondern auch 
anderen notizen über alte lesarten , die er selbst nicht für di- 
dymeisch hält, einen platz eingeräumt: dieselben sind entweder 
durch ein kreuz oder durch ein Sternchen gekennzeichnet Un- 
ter den mit einem kreuz versehenen befinden sich mehrere, in 
denen lesarten so späten Ursprungs erwähnt werden , daß sie 
ruhig hätten fortgelassen werden können: z. b. A 423. 572. 
B 4 u. a. Eine große zahl der mit einem Sternchen bezeich- 
neten scholien bilden die notate des Aristonikos, welche Ludwich 
häufig als ersatz für muthmaßlich ausgefallene notate des Di- 
dymos aufgenommen hat. Dabei scheint aber des guten ent- 
weder zu viel oder zu wenig geschehen zu sein. Wenn man 
das princip zugeben will, zu wenig , insofern die fragmente des 
Aristonikos in verkürzter form wiedergegeben werden, wobei oft 
gerade das wichtigste bei seite gelassen ist. Welchen nutzen 
hat es z. b., zu A 195 bei Ludwich zu lesen: tivh' ygacpovat 
^avdijp 8s xöfA7]v sXs ntjlticorog? es sind die letzten worte aus 
dem notat des Aristonikos. Wichtiger ist doch wohl für uns 
zu wissen, wie Aristarch las. Zu M 296 hat Ludwich aus dem 
notat des Aristonikos nur die worte ZtjvöSozo^ ygdqiei itftaa' 1 
svroa&Fr de aufgenommen , alles übrige dagegen , aus dem wir 



92 19. Homeros. Nr. 2. 

ersehen, daß Aristarch im vorhergehenden verse s^t'jXarov (nicht 
e^fjlarov) las, übergangen, u. s. f. Der größten kürze begegnen 
wir in den notaten über Aristarchs athetesen, die meistentheils 
nur mit einem worte (ußeTtirut) angeführt werden; die begrün- 
dung ist stets fortgelassen. Uebrigens herrscht in der anfüh- 
rung der fragmente des Aristonikos keine Vollständigkeit. Ref. 
vermißt z. b. die angäbe des Aristonikos zu B 2 über Aristarchs 
lesart prjdvpog (nicht rjövfiog). Man kann aber überhaupt zwei- 
feln, ob das princip richtig ist, in eine fragmentsammlung zum 
ersatz für muthmaßlich ausgefallene angaben des Schriftstel- 
lers excerpt'e aus einem andern Schriftsteller aufzunehmen. Es 
geschieht zu viel des guten mit der aufnähme so vieler angaben 
des Aristonikos , weil es sich in einer Sammlung der fragmente 
des Didymos nicht darum handeln kann , alle lesarten des Ari- 
starch oder anderer homeriker zusammenzustellen. Ludwich 
sagt selbst am Schlüsse der einleitung, daß er es nicht als seine 
aufgäbe betrachtete, „alle sicheren oder muthmaßlichen lesarten 
Aristarchs oder anderer alter herausgeber des Homer festzustel- 
len und mit dem namen des Didymos zu stempeln". Mit die- 
sen Worten steht das von ihm thatsächlich eingeschlagene ver- 
fahren nicht recht im einklang. 

Weitaus die meisten fragmente sind durch Ludwich vor- 
trefflich emendiert oder erklärt. Daß die kritik nicht überall 
eine abschließende ist und daß manche fragmente auch jetzt 
noch ihrer erklärung harren, ist bei dem lückenhaften und ver- 
derbten zustande der Überlieferung begreiflich. Zu A 364 ge- 
steht Ludwich nicht zu wissen, wodurch Didymos zur anführung 
der Xt^eig ' jägtataQ^ov veranlaßt sein könnte. Das scholion ist 
vielleicht aus den vno(.ivfjuara des Didymos geflossen. Diesel- 
ben scheinen auch sonst bisweilen benutzt zu sein. Das scholion 
zu T 81 hat bereits M. Schmidt den vnoiivqjiata zugewiesen. 
Denselben Ursprung dürfte das scholion H 135 haben; eine ähn- 
liche geographische bemerkung führt Steph. Byz. p. 116 , 8 
Mein, aus Didymos' vnvpvrma zum 13. buch der Odyssee an 
(vgl. Ludwich zu v 408). — Zu H 230 erklärt Ludwich das 
V-scholion ' AolaraQ^og imfiijvtaag für verdächtig. Bedeutet das 
scholion vielleicht , daß Aristarch aitöfiijviaag durch iniuijri'aag 
erklärte? vgl. Herakl. Miles. b. Apollon. de synt. IV, 10, p. 334 B. 
. . . . cp ovviei TTQofrtvti rj int i] vvv laodvvnfiovaa rfj utto } na&ö 



Nr. 2. 19. Homeroa. 93 

xal iv eTFQotg t] ano atzt tr\g ini ■ to y et q ,,« n o \ir\ v i aa ff" 
iv l'acp tw I n i ptj* l a a g. Wir hätten dann in dem scholion den 
rest eines excerpts aus Aristarch's fäl-eig. Aber anch ein schwan- 
ken der lesart zwischen arrofiijvCaag und Mipqvtaag ist nicht un- 
möglich : / 409 schrieb Aristarch änsfivüsofxrj) <> , andere intfiv- 
&s6fir]v. — Zu 446 und A 639 hat Ludwich notizen über 
lesarten aufgenommen , die von dem grammatiker Herakleides 
von Milet bei Eustathios erwähnt werden. Die lesart pisvtov 
446 zu erwähnen hatte Didymos schwerlich veranlassung. Da- 
gegen hätten vielleicht erwähnung verdient die Varianten P 748 
diungvaiov itrvyr t wg (Herakl. b. Eust. p. 1700, 40) und q 196 
aQiayaleg epfietai olSug (Herakl. b. Eust. p. 1815, 5). — An 
zwei stellen kommt in den fragmenten des Didymos der name 
eines sonst unbekannten homerikers Diogenes vor: 296. 441. 
Sollte vielleicht dioyittjg aus Qsaysvijg verschrieben sein? Die- 
ser wird von Didymos A 381 citiert. — Unter den von Lud- 
wich (p. 51) aufgeführten mehr oder weniger zweifelhaften quel- 
len des Didymos figuriert auch KXiagxog iv talg ylmzaig ^FSl. 
Klearch aus Soloi schrieb keine ylääaaai : an der einzigen stelle, 
wo dieselben außerdem vorkommen, bei Athen. XI, 486a, ist 
längst K}eizag%og gebessert und so ist ohne zweifei auch an un- 
serer Didymosstelle zu schreiben (an der stelle des Athen. VIII, 
345d, die Ludwich außerdem anführt, ist K)Jug%og n e g J i9 /- 
v cö r citiert). Uebrigens ist das scholion nicht so zu verstehen, 
daß Didymos sich für die lesart des Ehianos und des Aristo- 
phanes auf Kleitarch beruft (Ludwich p. 44): Didymus citiert 
das glossenwerk des Kleitarch nur für die zur erklärung von 
evtjqtBvg'atv hinzugefügten worte sv rw dytiep igaittrcav. 

Der zweite theil enthält nicht eigentlich, wie man nach 
dem titel erwarten sollte , eine darstellung von Aristarchs Ho- 
merkritik, sondern eine vertheidigung der Aristarchischen textes- 
constitution und der Überlieferung der Homerischen gedichte über- 
haupt. Zutreffender und dem inhalt mehr entsprechend ist der 
spezielle titel, der dem zweiten theil beigegeben ist: „Studien 
zur beurtheilung der Homerkritik Aristarchs und seiner gegner". 
In der that haben wir es nicht mit einer vollständigen und zu- 
sammenhängenden darstellung der kritischen grundsätze Aristarchs 
zu thun , sondern mit einer reihe von aufsätzen und Untersu- 
chungen , welche die textkritik Aristarchs und die antike tradi- 



94 19. Homeros. Nr. 2. 

tion der Homerischen gediente nach dieser und jener seite hin 
beleuchten. Der Verfasser hat seine ausführungen unter drei 
capitel vertheilt, die mit besonderen Überschriften versehen sind. 

1. capitel : „Orientierende referate ' (über La Eoche's und Nauck's 
Homer-ausgaben : wiederabgedruckt aus den Wissenschaftlichen 
monatsblättern, Fleckeisen's Jahrbüchern und der Jenaer litteratur- 
zeitung). 2. capitel: „Apologie". 3. capitel: „Polemik". Eben 
so gut hätte für das 3. capitel der titel apologie und für das 

2. der titel polemik gepaßt; denn alles ist polemik und apo- 
logie zugleich und die polemik ist leider in zu hohem maße vor- 
herrschend und beeinträchtigt häufig den genuß der leetüre. 

Die apologie ist ganz allgemein gehalten, der Verfasser geht 
wenig auf einzelheiten ein. Der aufmerksame leser wird natürlich 
auch aus allgemeinen ausführungen eines so gründlichen kenners der 
Homer-litteratur nutzen ziehen. Aber es ist nicht leicht, aus der 
fülle von polemik den positiven kern herauszuschälen. Das 
zweite capitel enthält übrigens zum theil bereits bekannte auf- 
sätze. Wie im ersten capitel die anzeigen von La Koche's und 
Nauck's ausgaben , so sind im zweiten Ludwich's aufsätze ge- 
gen Nauck, die er in den Wissenschaftlichen monatsblättern 
veröffentlichte, wieder abgedruckt: durch nachtrage und durch 
hinzufügung mehrerer neuer paragraphen ist ein gewisser Zu- 
sammenhang zwischen den einzelnen aufsätzen hergestellt. Eine 
derartige Zusammenstellung verschiedener in Zeitschriften zer- 
streuter abhandlungen ist ja immer sehr daukenswerth. Aber 
man kann mit recht fragen , ob es sich empfahl , einer viel- 
fach rein persönlichen polemik soviel platz in diesem buche ein- 
zuräumen, und ob es nicht möglich gewesen wäre, den positiven 
inhalt dieser aufsätze in einer neuen darstellung zu verarbeiten. 
Auch die zahlreichen Wiederholungen , die eine natürliche folge 
dieses Wiederabdrucks verschiedener aufsätze über denselben ge- 
genständ sind, wären dann vermieden worden. 

Auf den bekannten streit zwischen Ludwich und seinen 
gegnern näher einzugehen ist an dieser stelle unmöglich. Nur 
über einen punkt möchte ref. einige bemerkungen machen : sie 
stehen im Zusammenhang mit dem weiter oben gesagten. Lud- 
wich vertheidigt mit recht die von Lehrs vortrefflich begründete 
ansieht, daß Aristarch nicht regellose und willkürliche conjeetu- 
ralkritik trieb , sondern sich soweit als möglich an die hand- 



Nr. 2. 19. Homeros. 95 

schriftliche Überlieferung hielt. In der that wird die diploma- 
tische kritik der alten und des Aristarch insbesondere von den 
neueren vielfach unterschätzt. Aber Ludwich geht seinerseits 
wiederum zu weit, wenn er Aristarch ,,eine systematische und 
methodische handhabung der diplomatischen kritik" zuschreibt. 
Diplomatische kritik in dem sinne, wie wir sie verstehen, hat 
Aristarch so wenig wie irgend einer seiner Vorgänger geübt. 
Die Schilderung, welche Ludwich (p. 96 ff.) entwirft und welche 
zeigen soll , daß Aristarch wo möglich jede seiner lesarten mit 
einer fülle von handschriftlichen autoritäten belegte, — ist für 
Aristarch nicht zutreffend. Sie stützt sich auf die oben erwähnte 
annähme , daß alle in den fragmenten des Didymos erwähnten 
ausgaben oder doch die meisten derselben sich in Aristarch's 
handschriftlichem apparate befunden haben. In Wirklichkeit 
nahm Aristarch , wie wir gesehen haben , nur auf eine geringe 
zahl von handschriften und ausgaben rücksicht. Die äußere 
kritik trat bei ihm hinter der inneren zurück. Eine Schätzung 
der handschriften nach ihrem werthe finden wir bei Aristarch 
noch nicht. Keine der früheren ausgaben oder der handschriften, 
die ihm vorlagen , war ihm genügende autorität. Nicht auf 
das zeugnis dieser oder jener handschriften hin , sondern auf 
grund rationeller erwägungen constituierte Aristarch den text 
in jedem einzelnen falle. In der polemik gegen die Vorgänger, 
gegen Zenodot u. a. , beruft sich Aristarch, soviel wir aus den 
fragmenten des Aristonikos und Didymos ersehen können, nie 
auf handschriften, sondern stets bekämpft er sie mit gründen. 
Nur eine autorität gab es für ihn: die nagadocsig d. h. die 
übereinstimmende Überlieferung. Die naouöoatg war ihm 
überall maßgebend, ihr ordnete er auch seine ratio unter, gegen die 
allgemeine Überlieferung wagte er keine änderung, selbst da nicht, 
wo er sie aus bestimmten gründen nicht für richtig hielt, er griff 
in solchen fällen lieber zum Obelos. Nur in diesem sinne kann 
der Aristarchische text als der diplomatisch am besten beglau- 
bigte bezeichnet werden , da er sich von gewaltsamen änderun- 
gen, wie sie die früheren kritiker vorgenommen hatten, frei hielt 
und an vielen stellen der allgemeinen Überlieferung wieder au 
ihrem rechte verhalf. Ob wir bei dieser Überlieferung stehen 
zu bleiben haben, ist freilich eine andere frage. 

Das zweite capitel war eine rechtfertigung Aristarchs. Das 



96 19. Homeros. Nr. 2. 

dritte capitel ist eine vertheidigung der Überlieferung der ho- 
merischen gedichte überhaupt und eine kritische beleuchtung 
dessen, was neuere kritiker an die stelle dieser Überlieferung setzen 
wollen'. Neben allgemeinen polemischen ausführungen finden wir hier 
eingehende Untersuchungen über verschiedene fragen der Homer- 
kritik: über die mischung von älteren und jüngeren sprachfor- 
men in den Homerischen gedienten, über das digamma, über die 
sogenannte Peisistratische redaction , über den attischen einfluß 
(den Ludwich leugnet), etc. , ferner werthvolle metrische Unter- 
suchungen über die Stellung des Molossus und über den Wech- 
sel von spondeen und daktylen im Homerischen hexameter, über 
quantitätswechsel und metrische anomalien. Kef. muß sich lei- 
der versagen den inhalt dieser abhandlungen genauer wieder- 
zugeben , da er ohnehin fürchtet, den ihm zugemessenen räum 
bereits überschritten zu haben. Das resultat seiner erörterungen 
glaubt der Verfasser dahin zusammenfassen zu können, „daß Ari- 
starch die Homerische textkritik sowohl am richtigen ende an- 
gegriffen als auch im großen und ganzen nach richtigen grund- 
sätzen durchgeführt hat, während gerade die eifrigsten unter 
seinen modernen gegnern in keiner von beiden beziehungen sich 
vor argen verirrungen gehütet haben". 

Der zweite band enthält außerdem mehrere beilagen : I. Mit- 
theilungen aus der griechischen paraphrasen-litteratur (paraphra- 
sen der Homerischen gedichte, der periegesis des Dionysios, der 
kynegetika des Oppian). II. Ergänzungen und berichtigungen 
zu den von Cramer (An. Ox. I) herausgegebenen Homerischen 
epimerismen (auf grund einer neuen collation des cod. Oxon. 
bibl. Novi Colleg. 298). Auffällig ist das große lob, das Cramer 
durch Ludwich erhält, während ihm doch die ärgsten feh- 
ler und irrthümer nachgewiesen werden. Ludwich bemerkt , er 
sei häufig in der läge gewesen, Cramer's Scharfblick und Sicher- 
heit der paläographischen kenntuisse zu bewundern. Aus seinen 
mittheilungen aber ergibt sich jedenfalls , daß Cramer beim ab- 
schreiben der handschrift und bei der publikation mit der größ- 
ten nachlässigkeit verfuhr. Eine so große zahl von fehlem wird 
bei einem manne, der Scharfblick und sichere palöographische 
kenntnisse besaß , durch die schwere lesbarkeit der handschrift 
nicht entschuldigt. Welche akribie finden wir dagegen in Imm. 
Bekker's collationen ! Solche Schwierigkeiten, wie sie z. b. bei 



Nr. 2. 20. Homeros. 97 

dem cod. Coislin. 345 zu überwinden waren , bieten wohl nur 
wenige handschriften. Ref. hatte in Paris gelegenheit, einige 
von Cramer edierte texte nachzuvergleichen : er fand überall, 
auch bei gut lesbaren handschriften, dieselbe ungenauigkeit und 
unzuverlässigkeit seiner angaben, wie sie aus Ludwich's mitthei- 
lungeu hervorgeht. III. Zu Herakleitos Homerischen allegorien 
(mittheilungen aus demselben cod. Oxon.), wiederabgedruckt aus 
dem Rhein, mus. bd. 38. IV. Nachlese zu Herodian, Theodo- 
sios und andern grammatikern (mittheilungen aus dem cod. 
Vindob. gr. 293). V. Ueber den codex Hamburgensis der 
Odysseescholien, wiederabgedruckt aus dem Rbein. mus. bd. 33. 
Ref. kann von dem buche nicht scheiden , ohne dem Ver- 
fasser seinen lebhaftesten dank auszusprechen für die reiche be- 
lehrung, die er aus seinem werke geschöpft hat. 

Leopold Colin. 

20. Die homerische Ilias nach ihrer entstehung betrachtet 
und in der ursprünglichen sprachform wiederhergestellt von Au- 
gust Fick. Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht. 1885. 
593 p. 8. 20 mk. 

Fick giebt seiner Überzeugung ausdruck mit den worten 
Ritschis, die er seinem buche als motto voranstellt: „die von 
Homer komponierten, im äolischen dialekt gesungenen 
epen noch kürzeren umfangs wurden hierauf . . . erweitert und 
in den ionischen dialekt übertragen". Demgemäß 
schält er den ursprünglichen kern heraus , zeigt wie an densel- 
ben sich eine erweiterung nach der andern angeschlossen habe 
und schreibt das ganze in den äolischen dialekt um, in der fe- 
sten Überzeugung die urform des epos gefunden und dem ge- 
dichte die fremde hülle abgestreift zu haben. 

Den grundstock d. h. den Urhomer bildet die Mijvig 'A^X- 
Xeatg in vier gesängen : I. loi^xög. fiyvig. oreipog A \ — B 47-, 
II. ijziu ' Axuiwv 13 verse aus B, 1 aus 0, 57 — 805 aus A, 
24 aus 0; III. Tlargonleia /7 1 — 296 mit tilgung indes von 
112 versen; ferner 135 aus /7, 155 aus 2"; IV. 'A^Uitag ziaig 
mit 668 versen aus T — X. In summa sind es 2260 verse, etwa 
ein Siebentel der überlieferten. Bergk, der meines wissens unter 
den Henotikern am meisten diaskeuastenwerk und neuere Zu- 
sätze ausscheidet, erkennt doch allenfalls zwei fünftel als echt 



98 20. Homeros. Nr. 2. 

und ursprünglich an, dasjenige nicht mitgerechnet, was ursprüng- 
lich da war , jetzt aber fehlt oder unter der übermalung sich 
verbirgt. 

Die Mijng ist später durch stücke aus A—2.X — ß er- 
weitert. Noch später kam hinzu der Ohog ' IXtov B 48 — 55 
und endlich eine erbreiterung durch den einleger des Oitos 
55—565, A 1 — 57, 415—746, T 1—380, (fi 385—511. 
Die gestaltung im einzelnen anzugeben , erspare ich mir und 
dem leser, da meine besprechung mehr auf prinzipielle als auf 
einzelne fragen eingehen soll. Doch will ich , um ungefähr ein 
bild von der ,. ursprünglichen sprachform" zu geben, das proö- 
mium hier ausschreiben. 

flläviv astSs &sa, jrfy^iaoV ' A^O^oc, 
olXnfjtivav, a hvqC ' A%aioio' äXys sdqxs, 
nöXXaig 3' Ixpxtifjioig \pv%aig " ApiSi nootaxpe 
i]Qhi03v, avroig 8s psXcoQia rev%s xvvsggi, 
oiooiniai ts aaiai, dioc, Ö' iisXrjSzo ßoXXa, 
e£ o> 8ij tu nQWTit 8isatütav igiaavts 
' Atqh8uq ts pdva<s avdgcov xal Siog ' AyiXXhvg. 
Bevor ich zur kritik übergehe, eine kurze bemerkung. 
Fick geht mit den recensenten seiner äolischen Odyssee, 
mit Christ und Cauer, scharf ins gericht. Man fühlt sich ver- 
sucht an Lucians spott zu denken: „Zeus, du hast unrecht, denn 
du wirst böse". VonHinrichs, der ebenfalls zu seinen gegnern 
gehört, sagt er : „es thut doch wohl, wieder als ehrenhafter und 
denkender mensch behandelt zu werden". Ich erkläre ausdrück- 
lich , daß ich Fick nicht bloß für einen ehrenhaften und den- 
kenden menschen, sondern auch für einen sehr gelehrten mann 
halte und ihm alle epitheta, auf die er selbst anspruch macht, 
gern und willig zugestehe. Und nun zur Sache ! 

Der erste vers, welcher verdächtig erscheint, ist 'A 108: 
Solov 8 ovrs 7i tjoü peinag pinog ovt' itsXsaaag, 
denn „er ist eigentlich ganz gleichbedeutend mit v. 106 : 

fxaiti xaxojv , ov n<6 notä (aoi. ta XQ^yv 1 spsmsg (so 

emendiert), 
also wohl späterer zusatz". Wer sollte sich denn ohne irgend 
welche veranlassung dies billige vergnügen gemacht haben? — 
Statt Xaovg 8'ovx insoixs A 126 schreibt Fick: Xäoig ö'otöe 
pspoixs, denn „inioixs ist häufiger ersatz für pipoixs". A 139 



Nr. 2. 20. Homeros. 99 

«|ö? iläv i) 8£ xev x£%olä}G£rai , ov kev faapai fällt ohne wei- 
teres, ich meine ohne ein wort der rechtfertigung. Man sieht 
wohl, warum. „Für vr\a psluivav egvönouev A 141 kann man 
nach vers 307 väa Oöav ngopsQvaaofiep setzen". „Für 'Ido^e- 
%-svg läßt sich TvSetSag einsetzen : Idomeneus scheint nicht zu 
den helden der Menis zu gehören; A 150 könnte man 'Atqu- 
8ag lesen". „A 176 f. stammen aus E 890 f. Hier ist der 
Vorwurf in 177 geradezu sinnlos". Für ^179 o'inad' 1 io)v avv 
vrivai ze ojßg x<a aolg sräooiai lesen wir: poi-Autf imv avv vavai 
xonojiiat. ?]8'' hdoniai, denn „a^g verstößt ebenso wohl gegen 
den altionischen wie gegen den äolischen dialekt, ist also jeden- 
falls falsch". Statt du uln] A 410 schreibt Fick hu' avag. 
Von A 428 springt er über zu 430 und schreibt : mg uqu. qpco- 
viJGcnij' uneßioTszo • avTtlo Oöiaatvg. Warum? ,,Töv ds "kin 
uvtov in v. 428 stammt aus B 35, mit v. 430 vgl. ö 646 
h öS ßCrji dsxovzog an^vqa vTja /xsXatvav. Sonst kommt an- 
svQo. nur am versschluß vor, ctnsvqwv 3. pl. ist Homer ganz 
fremd und kann nicht durch dnsvgav ersetzt werden. Da 
8 646 dem redaktor der Odyssee angehört, kann unsere danach 
gemachte stelle nur sehr jung sein". Wo aber bleibt v. 429 
%co6[ievot> x.(nu Qvfiov ivt^üöroio ywuixög? Er bleibt eben weg. 
„^438 ßijaav 8Hijß6Xtot 'AnoXlmtt verstößt gegen dasdigamma; 
statt zu ändern 'AnöMcovi xivrozö^coi (Nauck) oder ' AnöXloovi 
pexacFoycoi streicht man den vers wohl besser; es scheint natür- 
licher, daß die hekatombe erst ausgeschifft wurde, nachdem Chry- 
seis dem vater übergeben war, also nach v. 446". — „Die verse 
469 — 471 sind unpassend; nachdem die Achäer sich an speise 
und trank gesättigt, können sie doch nicht zu zechen anfangen; 
so schwindet auch das dritte avtag inst v. 469. — V. 476 — 
477 sind zu streichen: es ist kein grund abzusehen, weshalb 
Odysseus noch eine nacht in Chryse zubringen soll; als v. 493 
gemacht wurde, lag ein solcher verzug auch noch nicht vor. — 
•«Y. 493 ff. sind mit aufgebung des zwölftägigen aufschubs umzu- 
gestalten ; für den späteren Ursprung der frist spricht der sprach- 
liche verstoß iqsT/Ascor v. 495". Dementsprechend folgt bei 
Fick auf v. 487: 

[ujjtog Ö' dgiyitsia qiavt] pQododuxrvlog A'vcog,^ 

xai 7oz' [tnetza Q£rit;~j drsSoasro xiua &ahuoßag, 496 

[xaQna)>i(A(og~j <5' dvt'ßa fisyav oqqüvov OWvfiitöv is. 



100 20. Homeros. Nr. 2. 

„v. 547 — 565 sind des Zeus unwürdig und mit den verstoßen 
HszakXcß 553 und nao&lnrji 555 behaftet". Sie bleiben also ein- 
fach weg. 

Das sind einige proben von der methode Ficks aus dem 
1. buche, das noch am glimpflichsten davonkommt. Für unbe- 
queme namen und anstößige formen finden sich schon andere, 
die man einsetzen kann ; einen zerrissenen vers zu flicken oder 
aus zwei verschiedenen stücken zusammenzunähen, macht keine 
Schwierigkeit; auch wird hier und da ein vers, um den zerstör- 
ten Zusammenhang herzustellen , frei eingelegt ; wo die äolisie- 
rung gar nicht gelingen will, bleiben ein paar verse weg, manche 
sind auch entbehrlich oder unwürdig. Beneidenswerthe Sicher- 
heit des wissens und des könnens! Aber manchmal kommen 
doch zweifei und bedenken , schon während der arbeit. P. 84 
lautet eine anmerkung: „die Verbindung von 415 — 418 mit 
704 (auf 418 folgt [uvzuq o f cö^] nQv/iva*' vdog t'ixparo , ovu 
fiSTirj, ein mixtum compositum aus Ficks eigenem vorrath , aus v. 
704 und v. 716) ist allerdings bedenklich, vielleicht glückt es 
später eine bessere kombination zu finden , jedenfalls befindet 
sich die handlung v. 415 und v. 704 genau auf demselben 
punkte. Für to 8s niug 416 kann man reo 8s r'm s ' setzen. Die 
abkürzung der reden v. 720 f. und v. 734 scheint durch die 
Situation empfohlen, überhaupt ist der augenblick für reden nicht 
sehr geeignet". Die Polydorosepisode T 407 — 454 hatte Fick 
der Menis abgesprochen. Hinterher findet er sie derselben „doch 
in jeder weise würdig" und beseitigt er die früher erhobenen 
zweifei. „Ist die Polydorosepisode echt, so fällt damit natürlich 
jeder grund, die verse CP 84 — 94 und X 46 — 55 zu bean- 
standen" (p. 90 und 91). Aber der verf. weiß, daß er hier 
und da geschwankt hat, daß sich inkonsequenzen und Wider- 
sprüche finden lassen ; darum werfe ich sie ihm nicht weiter vor ; 
er möchte es mir übel nehmen (vgl. den ausfall gegen Cauer 
p. 585). Es ist ja nicht anders möglich: wer eine hypothese 
über Ursprung und spräche der homerischen gedichte als eine 
bewiesene thatsache ansieht und aller Überlieferung ins ange- 
sicht schlägt , der hat keinen boden unter den fußen und muß 
in die maßloseste Willkür hineingerathen. Es ist eine kleinigkeit, 
in einem epos von über 15000 oder auch nur 1500 oder 500 
versen diesen oder jenen vers als „entbehrlich" auszuscheiden; 



Nr. 2. 20. Homeros. 101 

aber genau wissen und bestimmen zu wollen , was der dichter 
und wie er es schreiben mußte und was und wie er wirklich 
geschrieben hat, nota bene aller sicheren Überlieferung zum 
trotz : das ist Verblendung und Verwegenheit. Ficks kriterien 
zur beurtheilung dessen, was „würdig" und angemessen ist, sind 
rein subjektiver natur ; und wenn er frischweg einsetzt, was man 
einsetzen „kann", so verwechselt er möglichkeit mit Wirklichkeit 
oder gar nothwendigkeit. Daß die homerische spräche, die wir 
doch wesentlich aus Homer zu lernen haben — was wissen wir 
außerdem wirklich und sicher vom „altionischen"? — objektive 
normen für das hier beliebte verfahren an die hand giebt, be- 
streite ich mit A. Lud wich , Aristarchs homerische textkritik 
bd. II, kap. 3. Auch über den tyrannen, dem Fick sich mit 
einem blinden ruere in servitium zu eigen giebt, das digamma, 
denke ich wie Ludwich a. a. o., ohne mich deshalb für alle seine 
ausführungen verantwortlich zu machen. — Fick verspricht in 
einer etwaigen zweiten bearbeitung alle Inkonsequenzen , alle 
„flecken" zu tilgen. Wie, wenn dann doch manches wieder her- 
beigeholt würde, manches sich anders gestaltete? Und wie, 
wenn andere in denselben gleisen zu andern resultaten kämen? 
Eine recht erbauliche perspektive ! Ich wünschte , es geschähe 
bald, es würde auch diese möglichkeit nach allen richtungen 
durchprobiert, damit etwa bis zum jähre 1895, dem hundertjäh- 
rigen Jubiläum von Wolfs prolegomena , alle möglichkeiten er- 
schöpft wären. Die „homerische frage" bliebe dann, aber auch 
der Homer. Inzwischen ist es ein bedenkliches Symptom unge- 
sunden wissenschaftlichen lebens , wenn hypothesen zum dogma 
erhoben werden und die gelehrten sich kraft ihrer phantasie mit 
kühnen kombinationen über das thatsächlich gegebene hinweg- 
schwingen. Die „alterthumswissenschaft" geht dabei ig xogaxag. 
Lassen wir das und sehen wir zu, wie Fick den ursprüng- 
lichen kern der Ilias, seine Mqrtg ' A%tXli<og herausfindet. Er 
beginnt so: „wir haben keinen grund zu bezweifeln, daß uns 
in dem prooemium A \ — 7 die echte einleitung zu dem älteren 
kern des ganzen gedicktes erhalten sei". Wie? Nur dazu? 
Welchen grund haben wir denn zu bezweifeln, daß dies die ein- 
leitung zu allen 24 büchern der Ilias sei ? Weil so vieles „zum 
zorn des Achilles in keiner innerlich nothwendigen beziehung 
steht". Ja, die innerlich nothwendige beziehung! Da liegt ja 
Philol. Anz. XVI. 8 



102 20. Homeros. Nr. 2. 

eben das problem. Was ist „innerlich nothwendig", was nicht? 
Wäre die einheit der Ilias eine streng geschlossene und ohne 
alle Widersprüche, hätte uns der dichter seinen ursprünglichen 
plan und seine auffassung von der einheit eines heroischen 
epos verrathen oder fänden wir den sorgfältig ausgearbeiteten grund- 
riß des mannigfach verunstalteten baues : dann hätten wir gewon- 
nenes spiel. So aber hantiert jeder nach eigenen, für andere nicht 
beweisbaren Voraussetzungen und erhebt die maxirne seines Ver- 
fahrens zum allgemein verbindlichen gesetz , und einen solchen 
kategorischen imperativ lassen wir uns nicht gefallen. Aristo- 
teles rühmt es als ein unsterbliches verdienst des Homer, daß 
er durch die gruppierung der kämpfe vor Troja um den mittel- 
punkt der Menis recht eigentlich erst ein kunstwerk geschaffen 
habe; und daß unser prooemium von der ganzen Ilias gelte, hat 
eigentlich bisher kaum jemand bezweifelt. Zwar hatte Wolf 
den einfall, statt {Aijnr zu setzen xvdo*' , aber Lehrs hat in den 
epimetra zu seinem Aristarch kurz und gut darauf geantwortet. 
Auch Ritschi, auf den Fick sich sonst so nachdrücklich beruft, 
lehrte seine schüler : „unabweislich feststeht, daß das grundmotiv 
der Ilias der zorn des Achilles und dessen Verherrlichung durch 
Zeus ist, der ihm genugthuung giebt. Mißverständnisse sind 
dadurch entstanden , daß man den zorn des Achill nebst seinen 
tragischen folgen verwechselte mit der person und den Schick- 
salen des Achill. In der ausführung mußten natürlich die fol- 
gen jenes zornes, die leiden der Achäer, in den Vordergrund 
treten, während das motiv eine geheime rolle spielt. Den zorn 
konnte der dichter nicht besser ausdrücken als durch schwei- 
gendes grollen, wie später noch Aeschylus u. s. w. (Ribbeck l, 
p. 306). Aehnlich spricht sich Bergk aus, der doch sonst im re- 
duktionsgeschäft nicht zaghaft ist (Litteraturgeschichte I, p. 645 f.). 
Wer einzelne stellen nöthig hat, in denen der zorn als haupt- 
motiv erwähnt oder vorausgesetzt wird , findet sie bei Fäsi in 
der einleitung zu seiner Schulausgabe der Ilias. Aber weiter. 
Im prooemium steht auch: avrovg 8? ilcoQia tsv%s xvrsaan | 
oimrolai is näai, „aber im gedichte selbst steht nichts von dem, 
was das proömium so geflissentlich verkündigt, vielmehr werden 
nach H 421 ff. die gefallenen beiden während einer eigens zu 
diesem zwecke geschlossenen Waffenruhe feierlich bestattet". Das 
ist richtig. Aber ist es ebenso richtig , daß da , wo nichts von 






Nr. 2. 20. Homeros. 103 

einer todtenbestattung erzählt wird , jeder „unbefangene" leser 
es „nothwendig" als „selbstverständlich" annehmen muß? In 
der Menis wird nun zwar auch nicht ausdrücklich gesagt , daß 
die helden nicht bestattet wurden, aber es „folgt mit nothwen- 
digkeit aus dem gange der erzählung". Fick schließt: „wenn 
selbst der Troer , auf welchen aller haß der sieger fällt d. i. 
Hektor schließlich ausgeliefert wird, so ist dies von allen übri- 
gen selbstverständlich". Ein anderer könnte vielleicht schließen : 
wenigstens den einen Hektor verlangen die Troer, die andern 
geben sie dran. Indessen so kommen wir nicht weiter. Genug, 
Sarpedon sowohl als Hektor und Patroklos, die beiden haupt- 
helden der alten Menis , bleiben nach Tick unbeerdigt liegen, 
wie das proömium ankündigt , und alle die partieen , „welche 
von beider lösung und bestattung berichten , sind später hinzu- 
gedichtet". Damit fallen die bücher PWQ „ohne weiteres". 
Schluß X 394. — Ich habe immer geglaubt, durch v. 4 und 
5 des proömiums sollte den Griechen nur der schrecken eines 
großen krieges recht anschaulich gemacht werden und jeder er- 
schlagene krieger, der auf dem schlachtfelde liegt, sei als solcher 
eine beute der hunde und vögel. Daß auch die Griechen so 
dachten, schließe ich aus stellen wie & 491, K 199, A 162. 
395, .£283, X 66 ff. Ob alle erschlagenen begraben seien oder 
nicht, däucht mir eine andere frage zu sein. Allein nach Fick 
bleiben alle todten als fraß für hunde und vögel liegen. Schreck- 
lich genug. Sonst freilich war der ganze krieg vor Troja kein 
sehr schrecklicher, er schrumpft beinahe auf eine blutige raufe- 
rei mit theilweis tödtlichem ausgang zusammen, und dazu scheint 
mir die ankündigung des proömiums offen gestanden zu pomp- 
haft. Ja, das ganze erste buch mit seiner breiten ausführung 
und in seiner großen anläge paßt nur auf ein großes epos , zu 
diesem rümpf von Ficks Homer steht es in schreiendem mißver- 
hältnis. Wie ich mich wundere, daß unser kritiker das erste 
buch ziemlich unverstümmelt aufgenommen hat , so bin ich er- 
staunt, daß er die nQeaßeCa im 9. buche, die doch wenn irgend 
etwas zur fiijvig in beziehung steht, hinauswirft. Bergk, der 
von unserer jetzigen Ilias reichlich drei fünftel als nicht ur- 
sprünglich preisgiebt , erkennt in diesem gesange den ton der 
echten homerischen dichtung und hält das 9. buch für einen 
„grundpfeiler des ganzen gebäudes, das mit ihm steht und fällt". 

8* 



104 20. Homeros. Nr. 2. 

„Ohne die Vorgänge dieser rhapsodie ist ein homerischer Achilles 
nicht denkbar . . . Nimmt man dies buch heraus, so entsteht ein 
offenbarer Widerspruch in der anläge des gedichtes wie im Cha- 
rakter des Achilles . . . Der dichter bewährt seinen hohen kunst- 
verstand und tiefe menschenkenntnis, indem er die gesandtschaft 
an Achilles einfügte" u. s w. (Litteraturgeschichte I, p. 590 ff.). 
Doch prüfen wir Ficks gründe ! 

Die nosaßeCa setzt eine Situation voraus, wie sie durch die 
xö)o<; \u'i.jj\ geschaffen ist. Nun aber stehen die bücher B 50 — H 
zur pijnt; ' jä%tXXsco£ in keiner beziehung , auch von ist nur 
v. 55 echt, also . . Ja wenn unerwiesene behauptungen und 
muthmaßungen bewiesene prämissen wären, hätte der Schluß be- 
weiskraft; so aber zieht nur eine unerwiesene behauptung die 
andere nach sich. Wie gründlich der Organismus des epos durch 
solche amputationen zerstört wird , mag man bei Bergk a. a. o. 
nachlesen. Die noenpu'a ist so fest gefügt im bau des ganzen, 
daß sie auch einen theil der in manchem betracht wankenden 
und schwachen partie, namentlich von buch 7 und 8 trägt. — 
Nachdem Achilles , meint Fick , eine so überreichliche genug- 
thuung erhalten habe, sei es unmenschlich von ihm, daß er noch 
weiter zürne, sei es vor allem unbegreiflich, daß Zeus seines Ver- 
sprechens sich nicht ledig fühle , sondern noch fernerhin noth 
und bedrängnis , niederlage und tod über die Achäer verhänge. 
Natürlich ! Fick weiß ganz genait, was des Zeus „würdig" ge- 
wesen wäre, er schreibt ihm die grenzen quos ultra citrague ne- 
quit consistere rectum genau vor, ihm und dem Achilles, der gar 
nicht so zornmüthig zu sein braucht , als ihn der erste gesang 
geflissentlich schildert! Da verstand der dichter sein handwerk 
doch besser. Das 9. buch vervollständigt das bild des zürnen- 
den beiden, es ist ein correlat des ersten. Der hauptheld der 
Ilias tritt hier wieder in den Vordergrund, auf eine kurze zeit; 
die gefahrvolle läge der Achäer wird illustriert, die möglichkeit 
eines eingreifens im momente der höchsten gefahr zeigt sich von 
ferne, die demüthigung Agamemnons ermöglicht dem tiefgekränk- 
ten hartsinnigen beiden wenigstens seinen freund den bedräng- 
ten Achäern zu hülfe zu schicken. „Der dichter mußte die das 
maß überschreitende leidenschaftlichkeit des Achilles klar und 
anschaulich schildern" (Bergk); er mußte und wollte es, um die 
katastrophe zu motivieren , die man stets als eine tragische 



Nr. 2. 20. Horaeros. 105 

empfunden hat (I, 496 ff.) und empfinden wird. Warum man 
eine „ethische idee", auch wenn sie in dem gedichte nirgends 
klar ausgesprochen wird, nicht als mittelpunkt und inneres agens 
eiuer dichtung betrachten dürfe , leuchtet mir nicht ein. Nur 
darf man nicht zufahren und gleich mit der ,,moral von der 
geschichte" kommen oder widerspräche damit erklären wollen. 
Aber das beiläufig. Für die athetese von buch neun scheint 
allerdings A 609 zu sprechen: vvv oica rit-o) yovvat' iua an]- 
cjtödai A%atov<: | itaanfitinvc , sagt Achill, und das sieht nicht 
danach aus, als sei die bekannte not aß tut vorangegangen. Ge- 
wiß ist es unstatthaft das vvv mit „nun erst recht" zu übersetzen 
und so den Widerspruch hinwegerklären zu wollen. Aber der 
gewissenhafte kritiker wird fragen : wie steht es mit der beglau- 
bigung dieses verses oder der verse, unter denen er vorkommt? 
Zeigen sich keine verdächtigen spuren oder sichere kennzeicken 
der unechtheit, so wird er sich eben bescheiden und auch diese 
diucfojiia hinnehmen. So machten es wenigstens die jetzt viel- 
fach geschmähten Alexandriner. Ich darf das, ohne der „Ari- 
starchomanie" geziehen zu werden, sagen. Wie also stehts mit 
A 609? Einige 50 verse weiter, A 666 bezieht der dichter 
sich ganz direkt und mit klaren worten auf den neunten gesang 
(vgl. 1 650); er kennt also die nyeaßtiu. Was ist zu thun? 
Bergk hält diese ganze partie im 11. buche für einen spätem 
zusatz eines homeriden, an der sich auch der diaskeuast soll 
unachtsam versucht haben. Ich fälle kein urtheil, sondern be- 
merke nur, daß Fick A 57 — 805 in seine Menis aufgenommen 
hat. Vers 609 steht freilich da, aber v. 666 fehlt : von 663 springt 
der dichter über zu 762, der auch mit aviao 'AiihKev^ schließt! 
Dies ist das „Stichwort" und die erläuterung sagt nur , daß es 
ursprünglich so hieß , wie geschrieben steht. Aber andere stel- 
len schützen die ngeaßua so bestimmt als möglieh, z. b. II 61, 
T 140, 195, 243, um nur die unzweifelhaft sichern zu nennen. 
II 61 hat auch Fick, aber T 140 — 142 sind ihm „späterer ein- 
schub zur vermittelung mit der nosaßeia in /; Stichwort ist 
Saga öi 140 = 143". Demnach springt er von 139 zu 143 
über. Sonst bietet die partie ihm keinen anstoß. Man läßt 
eben aus , was einem ungelegen kommt. Wozu sind denn die 
„stichworte" da als zum überschlagen? T 195 und Umgebung 
fehlen und die verse T 238 ff. sehen so aus: 



106 20. Homeros. Nr 2. 

i] xai [Qal&vßiöv 76 nal EvQvßdrav iniksvas, 238 

o'i cot 'iaav xccqvxe xai OTgagco dsgccnovre'] 
ßav ö' ifisv slg xliaCav ' Ayafiifiiotog ' Atquöuo. 241 

ix ö' ayov alxpa yvvaixag auvfxfxova psgya ridviatg 245 

'im', aiuo 6y8odrav BQijaaijiöa (xalXinÜQavov 246 

äXloi ö' aXV äfxa 86oQa cpigov xoQQijTeg 'A^almv, 248 

xai rix. (iiv iv [ii<J<jai ayögai diaav) uvtuq ' ÄyiVkwg 249. 258 
avaiaig ' AgyeiotGi (pilonToXifiOiGt fxsrävba' 269 

Die traurige Verstümmelung, welche nicht weiter motiviert wird, 
hat offenbar den zweck , vers 243 herauszuescamotieren und je- 
den gedanken an die ngsaßeict fernzuhalten. Ein hauptgrund 
aber für die Verwerfung des 9. buches bildet die spräche. Diese 
läßt sich zwar „fast durchweg" ins äolische umsetzen, jedoch 
finden sich „einige feinere ionismen , die sich nicht beseitigen 
lassen" p. 387. Die anmerkungen p. 460 — 463 gehen dann 
näher auf diese ionismen ein , deren eine ziemliche anzahl auch 
in den nicht eingeschobenen partieen „festsitzt" ; in den nach 
550 eingeschobenen stücken wird eine äolisierung nicht versucht. 
Doch davon später. 

Darf ich über den ästhetischen eindruck , den Ficks Urho- 
mer auf mich macht , ein wort sagen , so kann ich angesichts 
dieser epitome meine empfindung nicht besser ausdrücken als 
mit des dichters Worten : 

Den schmuck der zweige habt ihr weggehauen : 
Da steh' ich, ein entlaubter stamm ! 
Dies excerpt ist keine epopöie in großem stil ; es hätte niemals 
den mächtigen zauber auf die Griechen ausgeübt , niemals den 
überwältigenden einfluß auf die gesammte griechische litteratur 
gehabt. Gab es jemals epische dichtungen in äolischer mundart, 
so sind sie spurlos verschwunden und im ström der ionischen 
Ilias untergegangen. Oder verrathen die äolismen im Homer 
ihre spur ? Möglich , aber auch nicht mehr. Ich kann mir 
denken, daß ein dichter, der eine heldensage vorfindet, die epi- 
schen lieder, welche von den beiden singen, zu einem neubau 
benutzt, aber als rohmaterial, nicht als fertige Werkstücke, die 
er nur aneinanderzufügen brauchte ; unter seinen schöpferischen 
händen nehmen die vorhandenen stücke eine neue form an. sie 
werden eben umgeschaffen zu einem neuen werke, und wenn 
dies vollendet dasteht, verschwinden sie und sind nicht wieder 



Nr. 2. 20. Homeros. 107 

auszusondern. Gelänge es wirklich , einige lieder aus der Ilias 
herauszulösen, so wären dies doch die alten heldenlieder nicht; 
denn die giebt es eben nicht mehr. Die Griechen haben vor 
Homer gewiß so gut wie Achilleus, wie Phemios und Demodokos 
ihre epischen lieder gesungen , aber von ihrer existenz in der 
litteratur , die für sie mit Homer beginnt , wußten sie nichts. 
Ich kann mir auch denken, daß dem geiste des dickters anfangs 
ein gedieht mäßigen umfangs, meinetwegen wie die sogenannte 
Menis Ficks, vorschwebte und daß sich dieser kern vermöge der 
ihm innewohnenden triebkraft weiter ausgestaltete, organisch und 
von innen heraus sich weiter entwickelte ; aber daß sich an ei- 
nen stamm von 2260 versen allmählich eine ganze Ilias in ganz 
äußerlicher und mechanischer weise ansetzte, so daß schließlich 
ein zwar nicht vollkommen einheitliches , aber doch „planmäßi- 
ges" ganze herauskam, das trotz mancher Unebenheiten und dis- 
crepanzen auch in ton und spräche so ziemlich ein und dasselbe 
gepräge an sich trägt : das kann ich mir nicht denken. Wer wa- 
ren denn alle die Homere, die successive die Ilias gemacht ha- 
ben? Die Griechen und die geschichte der griechischen litte- 
ratur wissen von ihnen nichts. Fick fabelt freilich p. 17 von 
einem „ältesten dichter der unter dem namen Homeros befaßten 
dichterschule", der wahrscheinlich nach Ephoros (Müller, fragm. 
hist. gr. I, p. 277) Mthjaiyni'^ hieß und dessen mutter die 
Kgijdijig war (vgl. dazu Bergk I, p. 475 — 477). Versteht sich, 
alle diese Homere dichteten in äolischer spräche. Ins ionische 
ist die Ilias erst von Kynäthos, „dem Verfasser des hymnus auf 
den delischen Apollo", um 550 übertragen p. 383 ff. (vgl. Bergk 
p. 545). Also erst 550 lasen die Griechen ihre Ilias im ionischen 
dialekt. Das stimmt nun freilich nicht mit dem, was man sonst 
weiß. Um den beginn der Olympiaden lag die Ilias, schriftlich 
fixiert, fertig vor ; sie ist nicht bloß für uns , sie war auch für 
die Griechen das älteste denkmal ihrer litteratur. Ich begnüge 
mich auf Bergk zu verweisen, und Fick wird es mir nicht ver- 
übeln, wenn ich ihm die vielgerühmte autorität Bitschis entge- 
genhalte, der nach 700 eine erweiterung durch dichterische thä- 
tigkeit der rhapsoden nicht mehr annimmt und bezeugt, daß 
Pisistratus die homerischen gedichte „als etwas altes vorfindet" 
(Ribbeck II, p. 26 und 27). 

Im jähre 1834 trug allerdings Ritschi (nach Ribbeck I, 



108 20. Homeros. Nr. 2. 

p. 129) seinen zuhörern noch vor, was Fick als motto auf den 
titel seines buckes gesetzt hat. Offenbar meinte er , das kome- 
riscke epos kabe mebrere Stadien durcklaufen, und so glaubte 
er auck die äolismen am besten erklären zu können. Aber 
Fick hätte doch auf „den erlauchten Vorgang" dieses „größten 
philologen des Jahrhunderts" Christ gegenüber nicht mit einer 
solchen emphase hinweisen sollen , er , der sonst so ganz seine 
eigenen wege geht. Wenn er weiter gelesen hätte , so würde 
er gefunden haben , wie Ritschi mit der homerischen frage ge- 
rungen hat, wie er sich namentlich der liedertheorie Lachmanns 
nicht erwehren zu können bekannte und wie er sckließlick etwa 
zu denselben resultaten wie Moritz Haupt gelangte (Eibbeck II, 
p. 23 — 28). In dem, was sich ihm schließlich als historisch sicher 
ergab, steht von einem äolischen, in das ionische umgesetzten Homer 
keine silbe und Fick findet für seine kypotkese in keiner hin- 
sieht auch nur den geringsten anhält, wohl aber das gegentheil. 
„Du sollst den namen großer philologen nicht mißbrauchen", 
könnte eins der geböte des pkilologischen dekalogs von Lehrs- 
Ritschl lauten. Ritschi würde den äolischen Homer Ficks wahr- 
scheinlich zu den „philologischen unverständlichkeiten" gereck- 
net haben. 

Aber wir müssen eilen, um die frage zu beleuchten: wor- 
auf gründet Fick seine Überzeugung von der existenz einer äo- 
lischen Ilias? 

Der sehr gelehrte und geehrte herr möge mir verzeihen, 
aber ich finde keinen grund und boden. Von welchen Voraus- 
setzungen ich ausgehe : immer komme ick zu andern resultaten 
als Fick. Angenommen, die Aeolier kätten die keldensage nach 
Kleinasien gebracht , der Aeolier Melesigenes hätte die Menis 
gedichtet, die von mehreren Homeriden mit der zeit erweitert 
und schließlich um 550 von Kynäthos ins ioniseke umgeschrie- 
ben wurde : die äoliseke Ilias ist untergegangen, und haben die 
Griechen jenen gesang einst äolisch gehört, gelesen haben sie 
ihren Homer nur in der las und nur die ionische Ilias ist ein 
werk ihrer litter atur, das älteste, gewesen. Oder war die 
Menis mitsammt den einlagen bereits niedergeschrieben, als Ky- 
näthos sie transponierte ? Gleichviel , wir haben dies äolische 
werk nicht mehr und es kann dock nimmermehr die aufgäbe 
der philologie sein, untergegangene gedichte, gesungene oder 



Nr. 2, 20. Homeros. 109 

geschriebene, wiederherzustellen. Aber die äolische Ilias ist ja 
da, da unter der überkleisterung des Kynäthos , wie die äolis- 
men beweisen ! Dieser Kynäthos war ein Stümper , der nicht 
so viel ionisch konnte und niclit versifikatorisches talent genug 
besaß , um einen reinen dialekt in richtigen hexametern zu 
schreiben — glücklicherweise ! Denn nun endlich konnte er 
entlarvt und das bunte kleid , das er dem Homer angezogen, 
abgestreift werden. Vergebene liebesmühe! Ja, wenn es sich 
damit verhielte wie mit einem palimpsest ! Wir kennen aber 
das äolische, in dem Homer seine Menis sang oder schrieb, gar 
nicht; nicht einmal die dazu nöthigen schriftzeichen haben wir. 
Selbst in sein geliebtes äolisch kann Fick die Ilias nicht über- 
tragen, trotz aller künste nicht. Hätte er vers für vers umge- 
schrieben, so würde seine äolische Ilias von ionismen „wimmeln", 
wie die ionische des Kynäthos angeblich von äolismen wimmelt. 
Heißt das überhaupt noch umschreiben oder übertragen , wenn 
man die oben gekennzeichnete rnanier befolgt? In fetzen hat 
Fick den königsmantel des Homer geschnitten, einen theil der- 
selben ruhig sitzen lassen , einen andern abgezogen , aber so, 
daß die haut mit herunterging, und nun zeigt er uns diesen 
geschundenen Homer und ruft: seht, welch ein mann! Die 
verse , welche er uns auftischt , sind nach form und inhalt gar 
nicht die homerischen, namentlich der rhythmus ist oft bedenk- 
lich alteriert. Es ist nicht genug, daß ein hexameter sechs fuße 
habe. — Sehen wir jetzt an ein paar beispielen. welchen wider- 
stand die homerischen verse dem umdichter leisten. „Die grie- 
chischen mundarten scheiden sich bekanntlich in dem gebrauche 
von uv und xt" (p. XXII). Die Ionier haben or, die Aeolier 
ns. Nach Fick ist das Verhältnis des losen zum festen av in 
der Menis 15:7, oder mit Streichung von B 34 und X 103. 
108 immerhin noch 15:4; ,,es kann das sehr wohl ein zufall 
sein". Dabei ist zu bemerken , daß durch ersetzung des uv 
durch xs unter 15 versen 4 im rhythmus verändert werden wür- 
den und in einem das r' wegfiele. Auch der Wohlklang scheint 
mir zu leiden; wenigstens kann ich nicht finden, daß oqop« 
x'/xtOjU«f schöner klänge als ocjpo' av ixafiai. Uebrigens hat Fick 
im texte seiner Menis selbst das lose av nicht mit xe vertauscht. 
Warum eigentlich nicht? Im Oitos und der einlegung dessel- 
ben in die Menis hat er es „bereits" gethan, „ohne auch hier 



110 20. Homerös. Nr. 2. 

auf erhebliche Schwierigkeiten zu stoßen". In der erweiterung 
der Menis ist das Verhältnis des vertauschbaren zum festen av 
26:5 beziehungsweise 26:3. „Wäre av in den älteren Homer- 
partieen ursprünglich da gesetzt, wo es jetzt steht, so würde es 
sich nur in der hälfte der fälle durch y.e ersetzen lassen, also, 
wenn av im echten Homertexte etwa 160mal vorkommt, würde 
etwa in 80 fällen ui nicht mit hs vertauscht werden können. 
Nun aber läßt sich für av fast durchweg xe setzen, ein beweis, 
daß av nicht ursprünglich dagestanden , sondern erst später äl- 
teres xs verdrängt hat". Für wen ist das beweisend? Für mich 
nicht. Lassen wir indessen das beweisverfahren einmal gelten 
und wenden es auf den ganzen Homer an, so wird das ergeb- 
nis ein anderes. Nach van Leeuwen und Mendes da Costa, 
dialekt der homerischen gedichte (deutsch von Mehler) , hat das 
jüngere av das ältere xe ungefähr an fünf stellen je einmal 
verdrängt, läßt sich also unter 100 fällen nur etwa 20mal mit 
xs vertauschen, 80mal nicht — 1:4. Seien wir aber etwas re- 
soluter, als die beiden holländischen gelehrten es gewesen sein 
mögen, in der vertauschung des av durch xe und helfen wir 
durch allerlei kleine künste nach , so daß wir auf das Verhält- 
nis von 1 : 3 kommen ; thun wir ein übriges durch ausmerzung 
der widerborstigen verse und eruieren das Verhältnis von 1:2; 
ja gehen wir bis zum äußersten und ziehen ganze partieen als 
unecht gar nicht in unsere rechnung , so daß wir herabsinken 
auf das Verhältnis 1:1: dann hätten wir für unsern Homer 
nach Fickscher methode den beweis erbracht , daß av in den 
nach unserer ansieht echten Homerpartieen ursprünglich da ge- 
setzt war , wo es jetzt steht. Wir brauchten auch den trost 
kaum, den Fick sich spendet: ,,wenn in einigen wenigen fällen 
uv etwas fester sitzt, so kann uns das nicht beirren : da die Io- 
nier so lange zeit, sicher von 550 — 500 v". Chr., das epos in 
ihren bänden gehabt haben , so wäre es zu verwundern , wenn 
der (von uns angenommene) ionische Überzug nicht hie und da 
etwas tiefer haftete". Offen gestanden , ich verstehe den satz 
nicht. — In einer Untersuchung über eig und sg kommt Fick 
zu dem resultat, daß ionisches i^ dem echten Homertext ur- 
sprünglich fremd ist. Metrisch gesichertes ig im jetzigen Homer- 
text „läßt sich entweder mit leichter mühe beseitigen oder findet 
sich in den allerjüngsten partieen, deren spräche auch sonst ioni- 



Nr. 2. 20. Homeros. 111 

sehen Ursprung verräth". Die eliminierung von ig aus der 
Odyssee macht trotzdem einige mühe, selbst wenn man statt des 
häufigen ig rfiXiov xarabvvia frischweg in' 1 ijtXtov xaTadCvra schreibt 
und andere freiheiten sich herausnimmt. Den delektus aus der 
Odyssee p. 539 — 544 empfehle ich den Homerikern als höchst 
lehrreich. „In der Menis ist metrisch festes ig ungemein selten 
und leicht zu beseitigen". Der bekannte standvers ig ijttiov 
y.aiadvrzu geniert uns so wenig wie iaävra idth X 143 u. ö. ; 
statt öco/tur' ig aiyit'xoio diog A 222 lesen wir: däu ug alyiü- 
yoio dtö*', „eig in der Senkung war dem Ionier befremdlich und 
daher leicht der änderung unterworfen. Vgl. diu dm^a Awg 
A 570". A 141 wäre sV ' Axniovg, vgl. im tijag, ebenso gut 
wie e^ifttf dxp ig ' A^aiovg. Für Aljurov ig tjya&triv ntnQrjfieiog 
58 kann man entweder nach xa< totp (aev uiv A\\jl\ ov ivxTi[i£rqp 
v. 40 schreiben: A7 l utov i'ixrifjiit'tjv oder nach xreirm» aal neQ- 
tag rijacoi in} Ti]Xs8afid<ar X 45: A/'j/nnv in" 1 tjya9itjg. ,/P 81: 
oV ig "IXiov eiXrjXovda . ig T'i'Xior hilft nicht, wenn auch ig nicht 
zu dulden ist, also (mit Bekker) ora pCXtor, vgl. " A'töao 86fJiovg 
?Q%£at X 483". Im texte steht aber IW ig T'iXiov iXXi'^Xovda. 
,,</> 610: uXX 1 iaavnircog iaifyvto I eig noliv. „infyviTo Vrat. 
A" L. Man könnte auch ixijrvvto lesen". „Ebenso vereinzelt 
und leicht zu beseitigen ist festes ig in der erweiterung der 
Menis. Im Oitos und der einlegung desselben ist ig einigemale 
nicht zu entfernen". Dies ig ist hier nämlich „die ionische Ver- 
kleidung des kyprischen Iv mit dem aecusativ". — Ich will die 
beispiele nicht häufen , sie werden zusammen mit den anfangs 
angeführten genügen. Wenn selbst eine epitome von 2260 ver- 
sen einer rückübersetzung in die ursprüngliche sprachform trotz 
aller Vergewaltigung so hartnäckig widerstrebt, welche Schwie- 
rigkeiten müssen sich vor dem Kynäthos aufgethürmt haben, 
als er 15000 äolische verse in die las zu übertragen übernahm ! 
Darum hat er wohl auch so viel äolismen stehen lassen. Und so 
viele ionismen „sitzen" doch „fest" ? Aber ich bin überzeugt, 
Kynäthos war ein solcher thor nicht. Wie in aller weit soll 
man sich das vorstellen : Kynäthos schreibt 550 den äolischen 
Homer ins ionische um, die Ionier haben das epos sicher von 
550 — 500 in händen, und jede künde von dem original ist mit 
dem original spurlos verschwunden ! Haben denn die Griechen 
auf dem festlande den Homer überhaupt erst ums jähr 500 



112 20. Homeros. Nr. 2. 

erhalten ? Homer hat doch nachweislich auf die kyklischen 
dichter, auf Hesiod und manche andere vor 500 blühende dich- 
ter eingewirkt, und zwar der ionische Homer. Wie stimmt das ? 
Und wenn es der äolische Homer war, den sie kannten, so lie- 
ßen sie sich dies machwerk des Kynäthos octroyieren und so 
löschte dies apokryphe ding jede spur von dem original im ge- 
dächtnis der mit- und nachweit aus? Ich will nicht sagen, wie 
mir zu muth ist; aber ich wiederhole: Fick hat nicht bewie- 
sen, daß eine Übertragung der Ilias, weder der halben noch der 
ganzen , in den äolischen dialekt möglich ist. Wäre sie mög- 
lich , so könnten wir mit unsern mittein es nicht. Wäre sie 
möglich und könnten wir es, so wäre die Wirklichkeit eines ein- 
stigen äolischen Homer damit noch nicht erwiesen. Daran muß 
ich festhalten trotz des trumpfes, den Fick p XIX gegen Hin- 
richs ausspielt. Dazu kommt noch, daß die der äolisierung be- 
sonders widerstrebenden partieen keineswegs in ton und spräche 
von den minder widerstrebenden abstechen und sonstwie als jün- 
gere einschiebsei sich verrathen. Zu sagen: dieser vers, diese 
versgruppe, dieser ganze passus ist viel zu ionisch, als daß er 
sich äolisieren ließe, darum zu jung und unecht: darf das als 
ein kriterium gelten ? 

Wir sind oben von der weitverbreiteten annähme ausge- 
gangen, daß die Ionier die heldensage von den Aeoliern erhal- 
ten hätten und daß die Aeolis die wiege des griechischen epos 
sei. Wie aber, wenn das eben nur eine, historisch nicht zu be- 
gründende , annähme wäre und zwar eine recht bequeme , um 
die äolismeu im Homer zu erklären? A. Ludwich z. b. hält 
sie sogar für eine „nutzlose, durch nichts zu rechtfertigende hy- 
pothese, welche gegen die thatsache , daß das epos, soweit wir 
es hinauf- und hinabverfolgen können , ionisch war und blieb, 
vergeblich anzukämpfen versucht hat" (Aristarch II, p. 373 u. 
ebd. Hartel). Karl Sittl hat im Philologus XLIV, p. 201— 227 
eine gründliche Untersuchung über „die Griechen im Troerlande 
und das homerische epos" geführt, die mit dem ergebnis schließt: 
„die behauptung , daß die Ionier die epische dichtung von den 
Aeoliern überkommen haben, entbehrt jedes historischen beweises". 
Ist das richtig, so fällt die Voraussetzung für Ficks unternehmen in 
sich' zusammen. Ist es nicht richtig und hat z. b. Bergk recht mit 
seiner ansieht , daß die epische dichtung von den Aeoliern zu 



Nr. 2. 20. Homeros. 113 

den Ioniern gekommen und Homers heimath das äolische Smyrna 
sei , so kann sich Fick dock nicht auf ihn berufen ; denn er 
nennt Homer ausdrücklich den „schöpfer des ionischen epos" 
und hält die homerischen gedichte „im ganzen" für eine „Schö- 
pfung des ionischen Stammes". Mit Homer „beginnt eine ganz 
neue periode", beginnt die griechische litteratur ; an eine äolische 
Ilias oder dergleichen hat Bergk nie gedacht (Litteraturgeschichte 
I, p. 447 — 463). 

Sittls vorerwähnter aufsatz ist hervorgerufen durch eine 
Streitschrift von G. Hinrichs gegen seine abhandlung „die äolis- 
men der homerischen spräche" Piniol. XLXXX , p. 1 — 31. In 
dieser letzteren wendet er sich u. a. auch gegen Hinrichs , der 
in seiner dissertation „De Homericae elocutionis vestigiis Aeo- 
licis" die wirre masse der äolismen zwar sehr bedeutend ver- 
mindere, aber doch noch eine erhebliche anzahl davon übrig 
lasse und diese als Überreste der vorhomerischen poesie der Aeo- 
lier erkläre. Sittl faßt das resultat seiner prüfung jener sprach- 
lichen Überbleibsel dahin zusammen , „daß in der homerischen 
Sprache nicht die mundarten verschiedener stamme , sondern die 
sprachweisen verschiedener zeiten eines und desselben Stammes 
gemischt sind". Daß vereinzelte äolismen in die homerischen 
gedichte eingedrungen seien, möglicherweise sogar aus den vor 
Homer existierenden epischen Volksdichtungen der Aeolier, leug- 
net er nicht ; „aber eine starke sprachliche einwirkung derselben 
auf das homerische epos kann nur der annehmen und mit be- 
kannten parallelen aus der späteren litteratur vertheidigen , der 
zwischen einem volksthümlichen liede und einem epos keinen 
unterschied zu machen versteht". „Um so zahlreiche und so tief 
einschneidende äolismen als man der Ilias und Odyssee aufdrän- 
gen will zu begreifen , müßten wir unbedingt eine kunstmäßige 
ausbildung des epischen gesanges für die alten Aeolier anneh- 
men. Dann wäre jedoch nicht zu begreifen , wie das ionische 
die spräche des epos werden konnte". Ilias und Odyssee „sind 
sowohl hinsichtlich des Stoffes als der traditionellen ausdrucks- 
weise aus altionischen gesängen erwachsen". „Auch die Aeolier 
wären von liedern zu epen emporgestiegen, wenn nicht die un- 
widerstehliche zaubergewalt der homerischen gesänge alle ver- 
suche im keime erstickt und ihre naturanlage sie vielmehr auf 
die lyrik und musik (Terpander , Alcäus und Sappho) hinge- 



114 20. Homeros. Nr. 2. 

wiesen hätten". Vgl. Ludwich a. a. o. II, kap. 3, besonders 
p. 363-385. 

Aber stellen wir uns auf Hinrichs Standpunkt , der sich 
„a priori mit der grundidee Ficks voll einverstanden" erklärt. 
Auch so gehören wir mit Hinrichs zu Ficks gegnern , nament- 
lich in der dialektfrage. 

Die dialektforschung ist rüstig im gange. Vielfach geht der 
zug dahin, die dialektmischung zu verneinen oder doch zu ver- 
mindern und die Verschiedenheiten in der spräche eines Schrift- 
stellers aus der genesis, den älteren und jüngeren entwickelungs- 
stufen der Sprachelemente oder aus dem allen stammen gemein- 
samen sprachgut zu erklären , so für Homer Ludwich und Sittl 
a. a. o., für die tragiker v. Wilamowitz : „wo alte und neue 
grammatiker zumeist von dorismen fabeln, da haben die dichter 
nur, wie es zu allen zeiten der dichter recht und sitte war, hin- 
eingegriffen in die Vergangenheit der eigenen Volkssprache und, 
der tragischen würde entsprechend, volle ältere formen statt der 
abgeschliffenen des täglichen lebens gewählt" (Verhandlungen d. 
32. philol. - vers. in Wiesbaden 1877, p. 38). Für die lyrik 
hält Bergk an dem gebrauch der verschiedenen mundarten , bei 
dem aber „keineswegs willkürliches belieben maßgebend war", 
aus guten gründen fest (Litteraturgeschichte II, p. 142 ff.); auch 
Hinrichs erkennt eine „freie dialektmischung" an, die häufig in 
der „metrisch gebundenen formelhaftigkeit der poesie" ihren 
grund haben wird. Förmlich perhorresciert neben Fick die dia- 
lektmischung A. Führer, Philologus XLIV, p. 49 — 60 „der böo- 
tische dialekt Pindars" und besonders im programme von Mün- 
ster 1885 „die spräche und die entwickelung der griechischen 
lyrik". Aber „bewiesen" hat bisher in dieser frage niemand 
etwas , auch Führer nicht. Daß die dialektmischung in der 
griechischen lyrik nicht ursprünglich sei, vielmehr jeder dichter 
in seiner heimischen mundart gesungen und geschrieben habe, 
ist vorläufig eine noch des beweises harrende behauptung. Mög- 
lich und wahrscheinlich, daß viele discrepanzen auf rechnung 
einer fehlerhaften Überlieferung des textes kommen oder eine 
folge der Umschreibung aus dem alten in das neue aiphabet sind. 
Aber alles läßt sich daraus gewiß nicht erklären. Ich kann 
mich des eindrucks nicht erwehren, als ob mit der ag^ata oij- 
paaia ein klein wenig humbug getrieben würde. Boeckh und 



Nr. 2. 20. Homeros. 115 

Bergk wußten auch etwas davon, und doch wagten sie nüchter- 
ner weise nicht alles nach der Schablone zu transcribieren, und 
doch hielten sie die „auf der alten willkürlichen transkription 
beruhende handschriftliche Überlieferung" nicht für „gleichgül- 
tig", wie Führer verlangt. Auch nach den inschriften oder den 
forderungen der linguistik unsere texte zu korrigieren, halte ich 
für gewagt und höchst bedenklich. Am allerwenigsten aber be- 
weist Fick die dialektfreie sprachform der lyrik dadurch , daß 
er eine anzahl verse , darunter epigramme , „die eigentlich die 
litteraturgeschichte nichts angehen", in die epichorische mundart 
der dichter überträgt. W. Christ hatte nämlich in der kritik 
seiner Odyssee im Piniol, anzeiger XIV, p. 92 gesagt, es sei 
sonst in der griechischen literatur unerhört, daß ein text aus 
dem einen dialekte in den andern übergeführt sei. Nun ist al- 
lerdings der dorische text des Archimedes in mehreren Schriften 
durchaus in die xoivq verwandelt, wofür auch noch das beson- 
dere zeugnis des Eutocius vorliegt: ebenso citiert Stobäus die 
schrift des Ocellus Lucanus , die wir unter dem titel tisqi ti]Q 
rov Ttavrog cpiaeco* im attischen dialekt besitzen , im dorischen 
dialekt. Aber sonst wird Christ recht behalten und Fick seine 
behauptung nicht beweisen können. Letzterer hat eine wahre 
sucht, überall „den falschen Überzug" zu entfernen und die „ur- 
sprüngliche sprachschönheit des dichterworts" wieder zur erschei- 
nung zu bringen. Selbst da, wo keine spur einer dialektmi- 
schung vorhanden , wie z. b. in dem weltberühmten epigramm 
des Simonides: m £ffV äyyslleiv -atX. muß er die „ursprüngliche 
dialektfarbe" wiederherstellen , hier die altlakonische. Die in- 
schriften, auf welche er so großes gewicht legt, sind auch nicht 
dialektfrei, „nicht ganz richtig erhalten", und Fick muß sie sich 
erst zurechtmachen , wie die beischriften des Kypseloskastens 
Paus. V, 18. Vollends gemischt ist die spräche des „sonst vor- 
trefflichen Alkmanpapyrus , welchen Blaß' glänzender Scharfsinn 
entziffert hat". Da steht neulakonisches g für , das digamma 
fehlt oder ist „falsch ersetzt" (tldog, atdari]v) t da stehen „ganz 
unberechtigte" äolismen wie nkswä für y.hpa, cptgoCaaig, iv&oiaa 
und gar aveigopivai gegen das metrum, welches v-vv- also dptj- 
goutiai verlangt. Allein das alles stört Fick nicht. Thatsachen 
lassen sich leicht wegschaffen, selbst die in erz und stein gegra- 
benen. Wo die inschriften gegen die hypothese sprechen , da 



116 20. Homeros. Nr. 2. 

liegt „Verstümmelung durch den leichtsinn des Steinmetzen" vor. 
Andere sterbliche werden freilich an der thatsache, daß wir die 
lyrischen dichter eben nur in einer „althergebrachten conven- 
tionellen kunstsprache" überkommen haben , nicht so leichten 
herzens vorübergehen und für sie wird die zweite thatsache, 
daß eine ganze reihe von dichtem nicht in der epichorischen 
mundart schrieb , stets von einigem belang sein. Der Böotier 
Hesiod , der Korinthier Eumelos , der Kreter Epimenides , der 
Khodier Pisander , der Athener Öolon , der Megarer Theognis 
schrieben ihre epen und elegieen in ionischer mundart; auch 
die chorische poesie haftete in sprachlicher hinsieht nicht an 
der heimath der dichter, und gleiches gilt von andern littera- 
turgattungen (A. Ludwich II, p. 373). Für die interessante 
thatsache, daß Korinna im heimathlichen dialekt gelesen wurde 
und ihr landsmann Pindar nicht , hat Führer (Philol. XLIV, 
p. 50 und 60) keine rechte erklärung. Aber hätte Führer in 
allen punkten recht, so könnte Fick sich doch nicht auf ihn 
berufen. Er betont es mit allem nachdruck , daß die epische 
poesie „die mutter und erzieherin aller gattungen der dichtkunst 
bei den Griechen" war , daß sie „der dichterische grundstock 
für alle folgende poesie" blieb. Alle poesie aber folgte bei den 
Griechen auf die homerische, denn diese war die erste, und 
zwar in der ionischen sprachform. Nachdem Führer alle äolis- 
men aus den nicht äolischen dichtem „hinausgewimmelt" hat, 
kann er an den einfluß eines äolischen dichters auf sie doch 
unmöglich denken. Er redet auch ausdrücklich von der spräche 
des „ionischen epos" als der norm, der die andern dichter 
folgten , die „das gemeingut aller stamme", ,,das idealste eini- 
gungsband der griechischen nation" wurde. Denn „in Ionien 
war es gewesen, wo die epische poesie ihre Vollendung erreicht 
hatte" u. s. w. (Progr. p. 11). 

So lange nicht eine papyrusrolle oder eine Steinplatte mit 
einigen echten Homerversen in der Aeolis gefunden wird, werde 
ich aus den angegebenen gründen an meinem Widerspruch ge- 
gen die „ursprüngliche sprachform" der homerischen gedichte 
festhalten. 

Ich habe mich ohne umschweif ausgedrückt, wollte aber 
keineswegs unfreundlich sein und bitte Fick mir diesen Vorwurf 
nicht zu machen, falls er meinen worten überhaupt beachtung 



Nr. 2. 21. Homeros. 117 

schenkt. Ich führe wirklich den ., kämpf um das bischen da- 
sein" nicht „in der grimmigen weise von heute", führe über- 
haupt keinen „kämpf ums dasein". Mag ein jeder sich seinen 
Homer schreiben und lesen nach seinem geschmack und seiner 
Überzeugung! Nur dafür möchte ich eintreten, daß die philo- 
logie als eine historische Wissenschaft rechne mit den gegebenen 
thatsachen, daß sie sich nicht entferne von dem festen boden 
dessen, was wir wissen, wissen können und beweisen. 

H. F. Müller. 

21. A. Brand, über die ausdrücke der zeit bei Homer. 
Dramburg 1882. Gymnasialprogramm. 15 p. 

22. Karl Sander, über die zeiteintheilung in den ho- 
merischen gedichten. Programm des gymnasiums zu Stralsund. 
Ostern 1883. 26 p. 

In der ersten der beiden vorliegenden abhandlungen wird 
zunächst von der ijoog und ihren verschiedenen bedeutungen und 
epitheten gehandelt, woran sich die erörterung einiger von die- 
sem worte abgeleiteter adverbien anschließt. In kürzerer fas- 
sung wird die rjcoj in der zweiten abhandlung p. 12 — 13 be- 
sprochen. Wenn es von Sander (p. 13) als auffallend bezeich- 
net wird daß die uns so geläufige ankündigung des tages durch 
aufgang der sonne in den homerischen epen nur einmal (}', 1) 
angetroffen wird, so hat er eine stelle der Ilias (XI, 735) evre 
yaQ tjikiog tyut&eav vneg^a^tüt yo-i^g) übersehen. Gegen die er- 
klärung der worte e, 390 ilXX' uzs 8i) rtj'nov rtpatj fiJTikoxu/Aog 
T£Ä«cr' tjdg haben wir manches bedenken. Brand denkt dabei 
unbedingt an den abend , so daß teIsiv hier in seiner eigent- 
lichsten bedeutung „vollenden, zu ende führen" gebraucht ist. 
Dafür werden drei gründe geltend gemacht, einerseits des Odys- 
seus klage über die bevorstehende kalte nacht, andrerseits der 
umstand daß er sonst ganz unverhältnismäßig lange , nämlich 
von einem morgen bis zum nachmittage des folgenden tages un- 
unterbrochen geschlafen haben müßte , endlich der anfang des 
6. buches, wo erzählt wird daß die Phäaken ebenfalls zu der- 
selben zeit als Odysseus sich zur ruhe gelegt hatte schliefen. 
Aber es ist zu bedenken daß von der Situation in der sich 
Odysseus v. 390 befand bis zu seinem einschlafen eine geraume 
zeit verflossen sein konnte. Odysseus sieht die insel der Phäaken 
Philol. Anz. XVII. 9 



118 22. Homeros. Nr. 2. 

und dann erreicht er dieselbe; er müht sich vergeblich ans land 
zu kommen und wird dann weit ins meer zurückgeschleudert 
(v. 431), .vielleicht weiter als die in v. 390 angegebene bestim- 
mung besagt; dann muß er die küste wieder erreichen und 
schwimmt dieselbe wieder entlang, bis er endlich zu der fluß- 
mündung gelangt. Dann heißt es weiter daß er die besinnung 
verlor, ohne daß angegeben wird daß er in kurzer zeit sie wie- 
derbekam. Es liegen also genug ereignisse vor um die zeit von 
dem anbruche des morgens bis zum abend auszufüllen. 

Es wird von Brand (p. 13) darauf hingewiesen daß, wäh- 
rend die bezeichnungen für den anfang des tages überaus man- 
nigfaltig und verschieden sind , für die folgenden tageszeiten 
dieselben verhältnismäßig nur dürftig sind, der dichter dagegen 
bei der Schilderung des herannahenden abends und der nacht 
wiederum den ganzen reichthum seiner spräche und seiner phan- 
tasie zeigt. Es möge mir gestattet sein darzulegen wie ein 
alexandrinischer epiker es verstanden hat auch in der Schil- 
derung der tageszeiten neues zu bieten. Bei Apollonius von 
Ehodus finden wir II, 164. III, 163 IV, 1170 eine hübsche 
darstellung des morgens. Dazu kommt die Schilderung der u(>- 
yilvxi] II, 669. Eigentümlich ist die Wendung Xit xe\ttni t v 
VW-ta IV, 1169 und vv% \nv intt 7' int yaiitt uyu yifgfU', SO 
wie (txoqjarijg iantgov II, 125. Auch den mittag führt Apol- 
lonius einmal in einer von Homer abweichenden weise ein (IV, 
1312 hdior i t itnQ '? t]i> , nn>i 8 o^iTarat &fgnv avyctt tjt-Xinv A<- 
ßvqi). Auch in der Schilderung der nacht hat sich Apollonius 
nicht mit unglück versucht. (IV, 1057, 1630, 1697). 

Von neuen epithetis der morgenröthe finden wir uiyXijtaaa 
I, 519, qp«iföqro()ot; IV, 883, %aoor7?] I, 1280, >)(ß 1 sXXofifUTjV 
III, 820. Die Wendung ^rj yag ?/iol it nq&alfiniat yatttoi r/fos 
III, 728 erinnert an -/, 3 ijtXioc 8* dtoQovas, Xiaoov ntyixuXXia 
Xifxvtjßi , ovquvov st; noXi^aXttov , 11 u9a.*dto-i'Gi (fatlioi. Wir 
möchten daraus schließen daß Apollonius der lesart cputitm folgte, 
Fr A. Wolf hat bekanntlich cputt'n, gesetzt. Doch hat Apollonius 
III, 828 qupiioiiti ijv i'dn i]cti. Die wendung «./»' t/uXioin fjoXctiq 
(I, 607) ««' i^Ximn fjoijjjff» II, 943 ist dem Apollonius eigen- 
thümlich. Für jjQiyhsia setzt er consequent ■ijytyevijq. Für den 
tag finden wir das epitheton ara&sgov (I, 450), für die nacht 
vv%0' vno Xvyair t v, X^vyafrj vnb ivuri (III, 1360), ferner evttjitiga 



Nr. 2. 23. Apollonios von Rhodos. 1 19 

vv% sgycov avögsaai (IV, 1058), >tJxra uy^avgov (IV, 110), vvE, iqiö- 
ßei, rrjv argre ttarovldSa xiK^anovai (IV, 1695). Es ist bemerkens- 
werth daß das epitheton xsXatvtj, welches bei Homer nur von der 
Umnachtung der äugen sterbender und ohnmächtiger gebraucht 
wird, von Apollonius auch der nacht beigelegt wird (IV, 1171, 
1631). Nicht homerisch sind ferner deielivov ^nq,ov (I, 452), 
die wendung ifjuarog avopievoio (I, 651, II, 494. III, 1340. Bei 
Homer finden wir nur vv£ arsTiti K, 251). Auch die wendung 
vf'(p in ijfjrtTt (IV, 1479) suchen wir vergeblich bei Homer. 

Eine ganz andere aufgäbe als Brand stellt sich der Ver- 
fasser der zweiten abhandlung, indem er die Zeitdauer der er- 
eignisse in der Ilias und Odyssee darzulegen sucht. So wird 
das resultat für die Ilias gewonnen daß es eine bestimmte 
Zeitdauer für die in derselben erzählten ereignisse nicht giebt, 
was das epos mit der runden zahl zehn bezeichnet. In der 
Odyssee erleichterte das fehlen jedes historischen bodens das be- 
streben auch für das hier besungene eine zeitausdehnung von 
10 jahren zu statuieren, wie denn die zehnzahl bei Homer ebenso 
wie die neunzahl einen typischen character hat. Wenn z. b. p. 17 
über den 22. tag, dessen anbruch B 48 angegeben ist und 
der sein ende erst H, 293 findet, bemerkt wird daß man in 
diesen begebenheiten keinen inneren Zusammenhang suchen darf 
und diese erdrückende fülle von begebenheiten nicht für das pro- 
dukt der thätigkeit eines tages halten darf, so scheint uns das 
zusammendrängen vieler begebenheiten auf einen tag allein noch 
kein hinreichendes kriterium für die Lachmannsche liedertheorie 
zu sein, da die Chronologie überhaupt nicht die stärkste seite 
des epos zu sein pflegt. Auch im drama muthet uns manches 
wunderlich an, z. b. wenn Agamemnon an demselben tage an 
welchem die feuerzeichen den fall Trojas verkündet haben in 
Argos eintrifft. Ludwig Schmidt. 

23. ß. Linde, de diversis recensionibus Apollonii Rhodii 
Argonauticon. Göttinger diss. 52 p. 

Der Verfasser eröffnet seine etwas breit und weitschweifig, 
aber interessant geschriebene abhandlung mit der aus dem alter- 
thum im leben des Apollonios überlieferten thatsache einer dop- 
pelten recension der Argonautica. Sechs stellen der scholien, 
sämmtlich im ersten buche, und wahrscheinlich eine siebente zu 

9* 



120 23. Apollouios von Rhodos. Nr. 2. 

einer stelle des zweiten buches verweisen auf die nynt'xdnvig. 
Bei der vorläufigen auf zäh hing der ansichten , welche frühere 
gelehrte seit Ruhnken über das verhältniß der beiden recen- 
sionen zu einander geäußert haben , hätte G. Hermann Opusc. 
II, 13 nicht übergangen werden sollen, dessen ansieht allerdings 
schon Bernhardy in den Berliner Jahrbüchern 1825, p. 272 als 
spitzfindig abgewiesen hat. Es wird dann richtig gezeigt, daß die 
beiden viten auf eine ältere gemeinsame quelle , wahrscheinlich 
auf einen ßCo^ , AnoXlaiiov an der spitze einer handschrift zu- 
rückgehen, trotzdem die eine vita einen satz enthält, der in der 
anderen, obenein längeren, fehlt. 

Da nun in den viten von den änderungen, die Apollouios 
mit seiner ersten ausgäbe vorgenommen hat, der ausdruck ?n&- 
aai gebraucht ist, der sich nur hier in übertragener bedeutung fin- 
det, im eigentlichen sinne aber ein leichtes glätten an der ober- 
flache bezeichnet, so sucht der verf. auf grund der sechs oder 
sieben scholienstellen den beweis zu erbringen , daß die beiden 
ausgaben der Argonautika nur in geringfügigen, meist sprachlichen 
dingen , keineswegs aber in der ganzen anläge und der eigent- 
lichen dichterischen behandlung des gegenständes von einander 
verschieden gewesen seien. Dieser beweis ist aber mit nichten 
erbracht Aus den sieben angaben der scholien lassen sich al- 
lerdings nur geringfügige änderungen entnehmen. Erstens aber 
sind die scholien ursprünglich jedenfalls vollständiger gewesen. 
Zweitens wissen wir nicht, ob es in der absieht der ursprüng- 
lichen erklärer gelegen hat, sämmtliche abweichungen der beiden 
ausgaben, oder nur solche zu verzeichnen, die ihnen für ihre 
interpretationszwecke von Wichtigkeit oder interesse waren. Unser 
material ist also zur entscheidung der vom Verfasser aufgewor- 
fenen frage viel zu mangelhaft, und das pressen des ausdrucks 
Ini^aai nützt zu nichts, eben weil derselbe im übertragenen 
sinne gebraucht ist, und nicht das mindeste eines terminus tech- 
nicus an sich hat. Wenn übrigens die von Apollonios vorge- 
nommenen änderungen in der that so unbedeutend waren , wie 
dies der Verfasser zu beweisen bemüht ist, wie will man es 
dann begreifen, daß dasselbe gedieht, welches bei der ersten 
recitation des dichters in Alexandria keinen beifall fand, 
dann nach jähren ebendaselbst großen beifall ärndtete? Meines 
erachtens hat Merkel daher ganz recht gehabt mit seiner 



Nr. 2. 23. Apollonios von Rhodos. 121 

behauptung falsissima est, quae apud viros dootos hodie obtinet sententia 
de mutationibus in epecdosi non admodum gravibus factis, auch wenn er 
sich eine ausführliche begrüudung derselben geschenkt hat. 

Uebrigens bricht der Verfasser seinem beweis selbst die 
spitze ab durch das zugeständniß auf p. 33 : quamquam fieri 
quoque potuit , ut quibusdam locis paullo licentius plures versus ob- 
Htteraret vel plane novas cogitationes insereret, quae a priore carmine 
afuerunt. Demnach wird mau noch immer zu sagen haben, was 
uns über den unterschied der beiden recensionen überliefert ist, 
ist zu dürftig , um denselben einigermaßen genauer bestimmen 
zu können. Wenn nun der Verfasser im folgenden zu beweisen 
sucht, daß die verse 111,927 — 947 erst in der zweiten ausgäbe 
in den text der Argonautica hineingekommen sind, so ist dies 
höchst beachtenswerth und ich glaube, daß seine erklärung die- 
ser höchst schwierigen stelle als eine recht gelungene zu be- 
trachten ist. Iason geht mit Argos und dem seher Mopsos zum 
tempel der Hecate, um daselbst mit Medea zusammenzukommen 
und ihr liebesgeständniß entgegenzunehmen. Am wege zum 
tempel befand sich eine dichtbelaubte Schwarzpappel, auf welcher 
zahlreiche krähen nisteten Eine derselben verkündet den vor- 
übergehenden den rathschluß der Here und spricht: 
axXsujc nftt fiuvrig, bg ovo oia nai8?g igu<t.v 
oiSr voq> (fiQttGaaa&aif n&nwexsp ovit ti Xagnv 
ovr -1 sgctTOv xovQtj -asv t.nng Tigozi/iv^tjoano 
rjidf'qj, evt* ar Gtfiv i7rfjXv8eg ulloi snoiirai, 
gppoi s ', cü y.uxr>fxav7i , •Aa.xoq,Qa8sg' ov 8s as Kvnoig 
ov r' ayavoi yt\sov7e<i sniTtvsiovotv Eqojtsi,'. 
Als Mopsos die rede des vogels vernommen hatte, lächelt er 
und läßt jetzt den Tason allein zum tempel gehen , in welchem 
er die ihm wohlgesinnte Jungfrau antreffen werde. Er und 
Argos würden inzwischen seine rückkehr an dieser stelle erwar- 
ten. Daß in diesen seltsamen versen , deren Seltsamkeit noch 
durch den ganzen Zusammenhang , in dem sie von der krähe 
gesprochen werden, erhöht wird, ein besonderer sinn verborgen 
liegt, ist eine vermuthung, die sich wohl schon manchem leser auf- 
gedrängt hat. Merkel hatte in ihnen eine beziehung auf Kalli- 
machos vermuthet, insonderheit auf dessen am Schluß des Apollo- 
hymuus gegen Apollonios gerichteten angriff. Aber damit wer- 
den die Schwierigkeiten der Rtelle nicht erklärt. Verfasser ist 



122 24. Griechische lyriker. Nr. 2. 

nun der ansieht, diese verse hätten in der ersten ausgäbe über- 
haupt nicht gestanden. Hier habe sich Iason mit Argos und 
Mopsos auf den weg gemacht und sei im tempel mit Medea zu- 
sammengetroffen. Daß seine gefährten kurz vor dem tempel 
zurückgeblieben seien, habe er aber vergessen besonders anzu- 
deuten. Diesen umstand rügte Kallimachos und zwar mit recht 
als argen verstoß. Apollonios machte nun in der zweiten aus- 
gäbe den fehler in geistreicher weise wieder gut. Er selbst ist 
Mopsos. Durch die krähe, den als schmähsüchtig und hämisch 
bekannten vogel, unter dem wir Kallimachos zu denken haben, 
wird er auf das unpassende der von ihm selbst geschaffenen 
poetischen Situation aufmerksam gemacht. Lächelnd nimmt er 
den tadel hin , nimmt ihn aber doch zu herzen. Denn alsbald 
erklären Mopsos und Argos dem Iason ihren entschluß zurück- 
zubleiben und ihn allein zu Medea gehen zu lassen. Ich zweifle 
nicht, daß der Verfasser mit seiner erklärung der stelle allseiti- 
gen beifall finden wird. Damit hat er aber seiner eignen an- 
sieht über das verhältniß der beiden ausgaben zu einander, we- 
nigstens seinem methodologischen grundsatz , die frage lediglich 
auf grund des scholienmaterials zu entscheiden, doch eigentlich 
den boden entzogen. Wenn eine so wichtige änderung der 
zweiten ausgäbe, der polemische zusatz von 20 hexametern, in den 
scholien mit keiner silbe erwähnt ist, wo bleibt dann die Wahr- 
scheinlichkeit, daß sie überhaupt die absieht gehabt haben, sämmt- 
liche und nicht blos die sprachlichen änderungen zu verzeichnen? 
Verfasser ist mehrfach in die läge gekommen Merkels an- 
sichten zu bekämpfen und er hat es stets in geziemender weise 
gethan. Seine annähme einer dreifachen recension der Argo- 
nautica hat er definitiv beseitigt. Wenn er aber seinem ge- 
lehrten gegner in einem citat auf p. 28 die unform xvqiotijv 
zugeschoben hat, so ist das doch etwas — respeetwidrig. 

R. Volkmann. 



24. Poetae lyrici Graeci minores. Edidit John Pomtow. 
2 voll. 16. Lipsiae, S. Hirzel. 1886. 

Diese zwei zierlichen, schön ausgestatteten bändchen erin- 
nern in ihrer äußern erscheinung an die von derselben der classi- 
schen philologie seit lange treuen Verlagsbuchhandlung veranlaßten 
ausgaben lateinischer dichter : sie entbehren wie jene aller an- 



Nr. 2. 24. Griechische lyriker. 123 

merkungen, vorreden und ähnlicher beigaben. Die ausgaben 
der Lateiner erfreuen sich ungeteilten beifalls: ob ein solcher 
den Griechen zu theil werden wird, darf man meines erachtens 
mit grund bezweifeln. Denn bei den Lateinern liegen vollstän- 
dige gedichte, auch die sämmtlichen erzeugnisse des dichters 
vor, steigen ferner wegen guter Überlieferung bei dem leser 
nicht tiberall zweifei an der echtheit des textes auf und wo Ver- 
derbnisse sich finden , läßt die Umgebung derselben doch ein 
wenn auch nicht immer sicheres urtheil über den sinn, den poe- 
tischen character der stellen zu, so daß das ganze gedieht ver- 
standen und der durch dessen vollendete darstellung gewonnene 
kunstgenuß einer unverfälschten grundlage verdankt wird. Ganz 
anders steht es bei den in obigen bändchen enthaltenen Griechen, 
lyrikern vom 8. — 4. Jahrhundert v. Chr. nebst einigen anhän- 
gen, den Pseudo-Phokylides, Anakreonteen, den nsnXog des Ari- 
stoteles (?) und epigramme enthaltend. Schon der ebenfalls von 
den Lateinern entlehnte titel befremdet als hier durchaus un- 
klar-, — beiläufig, auch in der widmung an Em. Geibel findet 
sich das jetzt geschmacklose Manibus — dann aber sind bei den 
Griechen in folge der von den werken der Lateiner ganz ver- 
schiedenen art der Überlieferung nicht bloß dialekt und formen, 
nicht bloß einzelne worte oder verse, sondern gar oft auch das 
ganze gedieht oder fragment und dessen auffassung , sogar ab 
und an zusamt mit den Verfassern gegründeten zweifeln und 
Schwankungen mannigfachster art unterworfen : mau denke nur 
an Sappho und Alkaios , an Alkman , an die iamben des Si- 
monides von Amorgos : was man von den erstem bei den neuern 
jetzt liest, beruht nicht auf sicherer Überlieferung, sondern zu- 
meist auf den doch sehr subjeetiven ansichten der herausgeber, 
kann also nicht allein zu der bildung eines sichern urtheils und 
Verständnisses geniigen Es nützt also eine ausgäbe wie die 
vorliegende nichts: benutzt man sie, muß man sich für jeden 
dichter noch einige zum theil dicke bände zur seite legen. Und 
doch hätte man für diese seine lieblinge solch eine zierliche, 
elegante ausgäbe gern : wie also helfen ? Die hülfe kann nicht 
für alle dichter die gleiche sein : bei einzelnen, wie bei Sappho, 
Alkaios, Alkman müßte in einzelnen besonders schwierigen Über- 
bleibseln neben dem text eines besonnenen herausgebers das 
ganze fragment in der handschriftlichen fassung stehen , so daß 



124 24. Griechische lyriker. Nr. 2. 

man sofort was alt was neu ersehen und dies alte im Zusammen- 
hang auf sich wirken lassen könnte. In allen andern fällen 
dürfte genügen, wenn überall da, wo bei für den sinn wichtigen 
Worten von der Überlieferung abgewichen ist , die handschrift- 
liche lesart unter dem text angegeben wäre : dann würde man 
vor Verführung durch spätere gewarnt und zu selbstständiger for- 
schung angeregt sein. So lesen wir zum beispiel bei Pomtow 
in Theogn. 3 nach Bergk, meistentheils dem führer unsers her- 
ausgebers, aXV nlel nnrnTov a? au) votutov xtI.: da müßte un- 
ter dem texte stehen : ae] rs , der leser würde sich also fragen 
was richtig und bei ruhiger Überlegung und einiger kenntniß 
des Theognis ersehen , daß nur r t dem style dieses dichters 
entspreche: ohne die handschriftliche notiz würde die conjectur 
als überlieferte lesung angesehen werden können. Ebenso wäre 
durch bestimmte zeichen oder wenige worte wo nöthig auf den 
umfang der gedichte sowie auf die Verfasser wo sie zweifelhaft 
aufmerksam zu machen. So ist Theogn. 1 — 10 als ein ganzes 
nach Bergk hingestellt : es war das richtige anzudeuten , näm- 
lich daß vss. 5 — 10 auch als ein für sich bestehendes angesehen 
würden. Theogn. 19 — 38 wird als ein gedieht bezeichnet, eben- 
falls nach Bergk : daß dies nur conjectur sei , muß angegeben 
werden : die conjectur ist falsch und beruht theils auf irriger 
auffassung dieser verse , theils auf falscher methode : da keine 
vollständigen elegien dieses dichters erhalten sind , wissen wir 
von der compositionsart dieses dichters nichts. Dies krankhafte 
streben unzusammenhäugendes zu verbinden ist in dieser aus- 
gahe nach Bergks Vorgang nicht nur für Theognis, sondern auch 
fürTyrtaios, Kallinos und andre verhängnißvoll geworden. Da- 
gegen werden Theogn. 15 — 18 nach Bergk als ein in sich abge- 
schlossenes ganzes angesehen, während doch vs. 18 eine weitere 
ausführung auf das deutlichste verlangt : was Bergk zur ver- 
theidigung seiner ansieht vorbringt , offenbart nur die schwäche 
derselben. Doch genug hiervon : was die Verfasser betrifft , so 
wäre unter andern bei Simonides von Amorgos anzudeuten, daß 
in fr. VII die verse von vs. 94 an bedenken erregen : mit dem 
vorhergehenden hängen sie jedenfalls nicht zusammen : dagegen 
zweifelt man über den Verfasser: Bergks behauptungen beweisen 
nichts, Aehnlich wäre öfter bei Theognis , auch bei Annaios, 
bei Pittakos , Bias , Chilo u. s. w. zu verfahren. So ohngefähr 



Nr. 2. 25. Pindaros. 125 

eingerichtet würde die ausgäbe überall willkommen sein : durch 
sie könnte man sonntags nach der kirche oder zu einer andern 
ruhigen stunde sicher vor täuschungen und bequem in der so- 
phaecke oder im lehnstuhle die poetische Schönheit dieser er- 
zeugnisse einer längst entschwundenen cultur auf sich wirken 
lassen und zwar nicht allein ohne durch das, was alte und neue 
zeit über jene alten ausgeklügelt haben, beunruhigt zu werden, 
sondern vielmehr, wie schon oben angedeutet, nun berufen, den 
eignen natürlich immer höchst geistreichen ideen schon um des- 
willen zum besten der Wissenschaft ungehemmt nachzugehen) 
weil wir philologen noch immer die classiker nur zu selten um 
ihrer selbst willen lesen können , sondern sie zumeist eines be- 
stimmten oft sehr prosaischen Zweckes wegen lesen müssen. Die- 
sen anfordernngen könnte übrigens unsre ausgäbe noch jetzt 
entsprechen , wenn nämlich Verleger und Herausgeber sich ent- 
schlössen, jedem der beiden bändchen einen anhang von einem 
oder zwei bogen, auf denen das hier als nothwendig bezeichnete 
enthalten wäre, nachträglich beizugeben: die benutzung eines 
solchen nachtrags ist freilich nicht so bequem als wenn die an- 
gaben gleich unter dem texte, wo wir sie in einer zweiten auf- 
läge, die wir wünschen, zu finden hoffen, ständen, aber doch 
sicherlich besser als gar nichts ; deshalb würde es uns freuen, 
wenn diese bemerkungen oder gedanken die bei ihrem nieder- 
schreiben gehegte erwartung betreffenden orts wirklich finden 
sollten. E. v. L. 



25. Pindar, the Olympian and Pythian ödes, with an in- 
troductory essay u. s. w. by Basil L. Gildersleeve. 

Seit etwa Jahresfrist hat der referent Gildersleeve's Pindar 
neben seinen alten hilfsmitteln mitbenutzt, ohne daß der erste 
eindruck, welchen er empfing, wesentlich verschoben wäre. Gil- 
dersleeve's buch ist nicht berechnet für den Pindarforscher, 
sondern für die beginners in Pindar. Es bietet, abgesehen viel- 
leicht von etlichen sprachlichen beobachtungen, nichts neues von 
bedeutung , weder für die textkritik noch für die erklärung, 
sondern übermittelt lediglich die wichtigsten resultate deutscher 
forschung dem englisch - amerikanischen publicum Diese be- 
scheidene aufgäbe hat Gildersleeve selbst sich gestellt und mit 
anerkennenswerthem eifer und geschick erledigt. 



126 25. Pindaros. Nr. 2. 

Anregend, knapp und klar sind die einleitenden essays, durch 
welche ref. sich unwillkürlich an ähnliche aufsätze Eutherfords 
erinnert fühlte. Auch die zum theil sehr weitgehende abhän- 
gigkeit von deutschen quellen (hier z. b. von E. Curtius und 
Mezger) ist beiden englischen gelehrten gemeinsam. Befrem- 
dend ist bei Gildersleeve eine große Ungleichheit in der behand- 
luug des Stoffes. Die biographischen fragen werden sehr sum- 
marisch abgethan, die Chronologie z. b. p. X auf wenigen zeilen. 
Dagegen wird die spräche Pindar's, insbesondre seine syntax, 
mit großer ausführlichkeit dargestellt (p. LXXVI — CXV) ; ebenso 
nimmt die entwicklung der höchst problematischen metrical Sche- 
ines von J. H. Heinrich Schmidt einen sehr beträchtlichen räum 
ein. Hier sind nicht sowohl sachliche grüude bestimmend ge- 
wesen , als die zufälligen interessen des Verfassers. — Bei der 
behandlung kontroverser dinge verleugnet sich nirgends der 
nüchterne, verständige, aller phantasterei abholde sinn des Ame- 
rikaners. Gänzlich abweisend stellt sich Gildersleeve p. XLIX 
zu der neuerdings durch Lübbert wieder aufgenommenen Nornos- 
hypothese. Doch benutzt er in seiner polemik gegen Westphal's 
und Mezger's ausschreitungen nicht die wirksamsten waffen. 
Was verschlägt es, daß die alten interpreten von einem nomi- 
schen bau der Epinikien nichts wissen ? Sie nehmen doch auch 
von so scharf ausgeprägten formen , wie dem Agon bei Aristo- 
phanes, keine notiz und sagen vollends von den schönen Schmidt- 
Gildersleeve'schen Strophen- gliederungen kein wort. Das ent- 
scheidende ist, daß Westphal und seine gefolgsleute die Pollux- 
überlieferung sich willkürlich umgestalten müssen. Das wird 
nicht nach gebühr hervorgehoben. — Kühl und scharf weist 
Gildersleeve nach deutschem vorgange die folgerungen zurück, 
die Mezger aus dem „recurrent word" bei Pindar zieht. Hier 
vermißt ref. den hinweis darauf, daß in vielen fällen offen- 
bar das streben , mit charakteristischen rhythmen und melo- 
dien auch im detail den text in einklang zu bringen , schuld 
gewesen ist an dieser Wiederholung der gleichen worte oder be- 
griffe an der gleichen versstelle. Das schönste beispiel bietet 
wohl gleich die erste olympische ode, wo im anfange des achten 
verses mit seinen sieben kürzen sich dreimal Ta%v- (68 rap'- 
7to7fjK)i>, 79 Tuivriirojv , 98 za%vzat) und fast immer eine ver- 
wandte Vorstellung findet. — Sehr bedenklich ist der satz, daß the 



Nr. 2. 26. Theokritos. 127 

i. in ix tu are the most important, the most characteristic of all: eise 
they had not alone survived entire (p. XIV). Wenigstens ist der grund 
dafür, daß gerade die Epinikien gerettet sind, wohl ein ganz äu- 
ßerlicher: ihre Stellung im corpus der Pindarischen dichtungen. 
Schließlich sei noch einer äußern eigenthümlichkeit des 
stattlichen bandes gedacht : der beigäbe von illustrationen. Da- 
bei hat der verf. und sein archäologischer rathgeber A. Emerson 
fast ausschließlich von Percy Gardner's „Types of Greek coins" 
contributionen erhoben: eine bescliränkung , für die sich ein 
grund nicht erfinden läßt. Doch steht hinter p. 313 die Ar- 
kesilaos-vase mit kurzer erklärung; und das stirnbild der ersten 
olympischen ode stellt den ostgiebel von Olympia in einer Ver- 
kleinerung dar, in welcher der Zeus etwa neun millimeter hoch 
ist und kaum die gröbsten umrisse der von einem grauen nebel 
umhüllten figürchen erkennbar sind. Kurz, über der ausführung 
dieses künstlerischen theiles hat kein guter stern gewaltet. Da- 
gegen verdient der gedanke, einer populären klassiker- ausgäbe 
antike bildwerke beizugeben, vollen beifall, besonders bei solchen 
dichtungen, wo sich eine direkte Wechselwirkung zwi- 
schen poesie und bildender kunst wahrscheinlich ma- 
chen läßt: so bei dem epos und drama , und besonders bei 
Theokrit, dessen ganze anschauungsweit sich in jenen erst neu- 
erdings mit der gebührenden aufmerksamkeit behandelten helle- 
nistischen gerne - bildwerken auf's klarste und anmuthigste wie- 
derspiegelt. 0. Crusius. 

26. Maximil. Rannow, Studia Theocritea. Dissert. 
inaug. Berolini 1886. 8. 53 p. 

Der Verfasser liefert mit dieser durch besonnene und maß- 
volle behandlung des Stoffes hervorragenden arbeit einen schätz- 
baren beitrag für die geschichte der sogenannten alexandrini- 
schen litteratur. Im ersten theile p. 1 — 21 versucht er die ab- 
fassungszeit der Theokriteischen idyllen XVI, XVII, XIV, XV 
annähernd zu bestimmen. Mit der ansetzung des Hieron in die 
zeit von 274 — 270, wobei verf. sich an die ausgezeichnete In- 
terpretation von Vahlen anschließt , kann ich mich nur einver- 
standen erklären. Die gedichte XIV und XV gestatten bis 
jetzt noch keine genauere Zeitbestimmung. Anders steht es mit 
dem Encomion Ptolemaei. Es ist zu bedauern , daß nicht eine 



128 26. Theokritos. Nr. 2. 

disposition und eingehendere interpretation desselben vorausge- 
schickt ist, als Buecheler Mus. Ehen. XXX, p. 57 und 58 zu 
geben versucht hat, dann wäre wohl auch verf. p. 7 zu der 
Überzeugung gekommen, daß dies Encomion sehr bald nach der 
Vermählung des Philadelphos mit seiner Schwester Arsinoe ge- 
schrieben worden ist. Nicht ohne grund hat sich der dichter 
seinen haupteffect, die Verherrlichung dieser heirath , auf den 
schluß des gedichtes vs. 128 ff. verspart; grade dies ist ein zei- 
chen feiner alexandrinischer composition, daß Theokrit erst am 
ende andeutet, worauf er hinaus will. Ohne äußeren anlaß 
wird er dies Encomion wohl kaum geschrieben haben. Ptole- 
maios hatte ihn mit wohlthaten überhäuft (vs. 112 ff.); zum 
dank dafür muß Theokrit die geschwisterehe feiern. Durch 
aufzählung der Verdienste des Ptolemaios und seiner vorfahren 
bereitet er den leser auf die hatiptsache vor ; er durfte nicht 
mit der thür ins haus fallen , indem er gleich am anfang die 
geschwisterehe pries, weil dieselbe den Griechen im höchsten 
maße anstößig war. Daher erscheint mir dieses , vielleicht auf 
direkten wünsch des Ptolemaios verfaßte Encomion fast als ein 
mittel , die Stimmung der Makedonen in Alexandreia zu beru- 
higen. Die richtigkeit dieser interpretation beweist z. b. der 
vergleich mit dem hnnc yd/iog des Zeus und der Hera (vs. 131), 
der mit homerischer formel (/7 432 u. a.) gefeiert wird; man 
vergl. ferner vs. 130: sx dvfiov ari^yoma y.aaiyrtjr6r te noairre, 
auf welchem der ganze nachdruck liegt, mit dem auf dieselbe 
ehe bezüglichen verse des Sotades bei Plutarch Quaest. conv. 
IX, 2: Zeig ö' Rqijv Fy.ultant xuaiyr)'j7>jr aloyöt tp, so wird 
erst die wirkliche tendenz des Encomion deutlich erkennbar. 
Aber auch wenn die hochzeit nicht verherrlicht würde, ist doch 
an sich die möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß dies Encomion 
bald nach der hochzeit geschrieben ist , jedoch selbstverständ- 
lich nach dem Hieron. Rannow sucht nun nachzuweisen , daß 
das Encomion auf Ptolemaios nach 270 geschrieben ist; aber 
wenn die hochzeit des Philadelphos mit seiner Schwester und 
der Hieron Theokrits vor das jähr 270 fällt und id. XVII nach 
der hochzeit und nach dem Hieron verfaßt ist, so folgt daraus 
nicht, daß id. XVII nach 270 geschrieben ist. Ueberdies han- 
delt es sich bei der abfassungszeit von id. XVI und XVII schwer- 
lich um den unterschied von jähren , vielmehr braucht nur ein 



Nr. 2. 26. Theokritos. 129 

mouatelanger Zwischenraum zwischen der abfassungszeit des Pto- 
lemaios und Hieron zu liegen; beide gedichte athmen denselben 
geist, in beiden sind homerische reminiscenzen besonders stark 
vertreten. — Zu p. 9 ist zu bemerken, daß das fehlen von Cypern 
unter den von Ptolemaios beherrschten ländern vs. 86 ff. wohl zu er- 
klären ist. Cypern hat während der regierung Ptolemaios' II. stets 
zu Aegypten gehört, wie die münzen beweisen, es ist niemals von 
ihm abgefallen , denn Pausanias I, 7, 1 sagt nur , Ptolemaios 
habe seinen bruder getödtet, weil er bemerkte, daß dieser die 
Kyprier zum abfall zu bringen versuchte. Daher mochte eine 
ausdrückliche erwähnung der insel Theokrit überflüssig erschie- 
nen sein; vielleicht trug auch das andenken an die niederlage 
der Aegypter im jähre 306 dazu bei. — Die mitregentschaft 
des Euergetes läßt sich für die Zeitbestimmung des XVII. idylls 
nicht mehr in der weise verwerthen, wie es verf. p. 18 versucht 
hat. Wiedemanns unglückliche hypothese, daß die cooptation 
des Euergetes zum mitregenten mit der Vermählung des Ptole- 
maios und der Arsinoe , welche Wiedemann um 271 ansetzt, 
zusammenfiele, ist von Jacob Krall, Studien zur geschichte 
des alten Aegypten, Wien 1884, p. 30 — 36 vollständig wider- 
legt worden. Krall selbst versteigt sich zu der behauptung, 
Ptolemaios, der mitregent des Philadelphos, sei gar nicht Euer- 
getes gewesen, sondern ein söhn des Philadelphos und der zwei- 
ten Arsinoe. Dies könnte nach unsrer ansieht niemand anders 
gewesen sein als der bei Trogus Prol. XXVI und Athenaeus 
XIII, p. 593 erwähnte Ptolemaios, später commandant von Ephe- 
sos, welchen Droysen ohne grund einen bastard des Philadelphos 
nennt. Die notiz bei Pausan. I, 7 fin. und schob Theoer. XVII, 
128 [airt] ytjLQ ij ([JiXüdtXcfo* (y.tfAt(>< ani&uter) bedeu:et nur, 
daß Arsinoe, welche ihrem ersten gemahl Lysimachus mehrere 
kinder geboren hatte, bei ihrem tode dem Ptolemaios Philadel- 
phos keine kinder hinterließ (unodaiovoa «rem og t]t stand wohl 
in der quelle des Pausanias und des scholiasten). Doch unter- 
liegt auch die Krallsche hypothese schweren bedenken : in die- 
selbe zeit (264 3), wo die ägyptischen inschriften einen mitre- 
genten des Philadelphos erwäbnen , fällt die Verlobung des Eu- 
ergetes mit Berenike, der tochter des Magas ; es ist also wahr- 
scheinlicher , daß Euergetes damals nomineller mitregent und 
deßignirter nachfolger des Philadelphos gewesen ist, sonst hätte 



130 27. Aischylos. Nr. 2. 

ihm der siegreiche Magas seine tochter wohl nicht gegehen. — 
Der zweite theil der Studia Theocritea behandelt die frage , ob 
Kallimachos von Theokrit nachgeahmt sei, und sucht den bu- 
koliker „turpissimo crimine liberare" (p. 53). In der hauptsache 
wird man dem Verfasser beistimmen müssen. Keinem , der mit 
den damaligen Zeitverhältnissen einigermaßen vertraut ist, wird 
die annähme einer nachahmung des Kallimachos durch Theokrit 
einleuchten ; wo die beiden dichter in einzelnen formen und 
formein übereinstimmen , beruht dies auf dem conventioneilen 
gebrauch , zum theil auf der benutzung gemeinsamer Vorbilder. 
Nur wäre es wünschenswerth, daß der unterschied zwischen skla- 
vischer nachahmung und bewußter reminiscenz , zwischen der 
einfachen anwendung einer conventioneilen phrase und der per- 
sönlichen unter Zeitgenossen üblichen anspielung (besonders bei 
der ' Agatsia tiaßolrj) mehr, als bislang geschehen ist, hervor- 
gehoben werde. Theokr. XVII, 13 fx naTfQCov würde ich die 
erklärung ,,ut a maioribus ordiar", also mit annähme einer el- 
lipse, der von Greverus vorziehen. — p. 44 hätte der Zeitraum, 
in welchem Antigonos Gonatas dem Ptolemaios Philadelphos die 
keltischen Söldner schickte, enger begrenzt werden können ; An- 
tigonos hat dieselben nur nach seiner thronbesteigung (277/6) 
und vor der rückkehr des Pyrrhos aus Italien (vgl. Droysen 
Hellenismus III , 1 , p. 202) entbehren können ; ihre Sendung 
fällt also in die zeit von 276 — 274. Die etwas weitläufige Wi- 
derlegung der ansichten von Koepp, Beloch u. a. ist dem verf. 
in der regel gelungen, die beweisführung ist meist korrekt, nur 
läßt sich zuweilen verf. von seiner allzugroßen Vorliebe für 
Theokrit in seiner darlegung beeinflussen. C. Haeberlin. 

27. De syllabarum in trisemam longitudinem productarum 
usu Aeschyleo et Sophocleo scripsit Sigofredus Reiter. 
Leipzig u. Prag 1887. 8. 111 p. 

In cap. 1 giebt verf. einen überblick über die behandlung 
der lehre von den drei- und mehrzeitigen längen in der neuern 
metrik seit Bentley. G. Hermann , A. Apel , A. Boeckh , H. 
Feußner, F. Bellermann, Roßbach und Westphal, J. H. H. Schmidt, 
M. Schmidt und Christ werden mehr oder weniger eingehend be- 
sprochen, besonders findet die zu vesschiedenen Zeiten verschie- 
dene Stellung G. Hermanns gründliche Würdigung, (p. 5 — 17). 



Nr. 2. 27. Aischylos. 131 

In cap. 2 wird auf grund der theorie Apels durch eine 
fülle von beispielen der nachweis geführt, daß bei den beiden 
altern tragikern eine ptaxoa Tuiai/uo^ ' — unter umständen einem 

— u, einem — uu, oder einem entsprechen kann. (p. 

18 — 52). 

Cap. 3 behandelt die vierzeitigen längen bei Aeschylus 
und Sophokles vor allem in versen des ionischen und dochmi- 
schen geschlechts, (p. 53 — 60) und schließt mit einer erörterung 
der hilfsmittel und fingerzeige, welche uns die feststellung einer 
mehrzeitigen länge ermöglichen: rhythmische analogie, das ge- 
setz , wonach ein mit einer kürze beginnender vers nicht auf 
einen akatalektischen trochäischeu vers folgen durfte, endlich der 
hiatus werden als derartige kennzeichen und hilfsmittel aufge- 
führt, (p. 60—64). 

Cap. 4 beantwortet die frage, auf welche weise Aeschylus 
und Sophokles bei anwendung der ua->.Qu zgiaut/ftot; rhythmizo- 
menon und rhythmus in einklang gebracht haben. Die 701// 
findet mit Vorliebe statt bei silben , in denen auf den langen 
vokal zwei oder drei consonanten oder ein doppelkonsonant 
folgen, ferner auf den diphthongen , auf kontrahirten silben, so- 
wie auf den natura langen vokalen, (p. 65 — 84). Die arbeit 
schließt mit einer beleuchtung derjenigen fälle, in welchen die 
Tim] bestimmten dichterischen zwecken dient. Sie trifft mit Vor- 
liebe stark betonte silben und Wörter gewichtigen inhalts. (p. 
84 — 108). 

Die arbeit zeigt durchgehend gründliche kenntnis sowohl 
der metrischen vorarbeiten, als des kritisch - exegetischen mate- 
rials. Die methode ist gesund , das urtheil des Verfassers sach- 
lich und selten fehlgehend, die darstellung gewandt und lebhaft, 
das latein im ganzen lesbar und flüssig. Ref nimmt keinen 
anstand zu erklären, daß verf. der textkritik und erklärung der 
beiden altern tragiker einen großen dienst geleistet hat , indem 

er die entsprechung von > — und — w (— wu, ) als zulässig 

erwies und dadurch eine große anzahl grade der herrlichsten 
stellen vor wohlgemeinten, aber übel angebrachten ^Verbesse- 
rungen" schützte. Das zweite capitel ist das bei weitem be- 
deutsamste in der arbeit und verlohnt, daß wir einen augen- 
blick dabei verweilen. Wenn es auch dem verf. vielleicht in 
den äugen manches zunftgenossen nicht grade zur empfehlung 



132 27. Aischylos. Nr. 2. 

gereichen wird, daß er so eifrig für Apels theorie eintritt — 
Ref. freut sich aufrichtig zu sehen , wie hier dem geistvollen, 
mit lebhaftem gefühl für das wesen des griechischen rhythmus 
begabten manne gerechtigkeit widerfährt. Die richtigkeit seiner 
theorie beweist verf. durch eine solche fülle von beispielen, daß 
ref. sich für durchaus überzeugt erklärt. Wer sollte nicht mit 
innigem behagen den nachweis lesen , daß die köstlichen verse 
Soph. Ant. 787—797: 

str. xat o^oit" 1 düatmaf qiv^iuog ovdeig 

ant. rv/ucpag, tätv {xtyälmv TzägtSgog iv agy^aig 
metrisch unanstößig sind , also der nur um des metrums willen 
vorgenommenen änderungen nicht bedürfen? Aus der seele ge- 
sprochen hat uns der Verfasser, als er Aesch. Sept. 763—770: 

str. irrst 8\ig7iygeov uLt. — w- — 

ant. tsxvqis 8'agniag u_ll/i — — 

(eqjjxer sttixotovq Tgocpäg, aial, nixgnyXwGGovg dgdg) 
für untadelig erklärte. Seine Übersetzung: „und auf der söhne 
haupt lud er grimme, wehe! bittere fluchergüsse , ob der fluch- 
beladenen nachkommenschaft" ist unzweifelhaft richtig. Wie 
kläglich nehmen sich dieser echt aeschyleischen ausdrucksweise 
gegenüber die zahlreichen konjekturen aus , die Wecklein zu- 
sammenstellt. (Für liebhaber möge die , soviel uns bekannt, 
neueste hier angemerkt werden: int xazuaigoqiiig (für inr/.n- 
zovg zgoqäg) Brey, Berl. stud. IV, 3, 27). Mit gleichem bei- 
falle sind auch z. b. folgende rettungen zu begrüßen Aesch. 
Ag. 737 (ngoeergdw), Ag. 1482—1506, Ch. 24— 34, Eu. 373 — 
383, 538 sq.— 550 sq., Soph. Ai. 905-951, El. 123—139, 0. 
C. 702—715, Ai. 1190 — 1197 (zur slgoodtj) , Ai. 697 sq.— 
710 sq., O. R. 202 — 215 und zahllose andere. Im großen und 
ganzen kann man sagen: das zweite capitel zeigt uns. daß 
Aeschylus und Sophokles bei weitem nicht so ver- 
derbt sind, wie man ziemlich allgemein annimmt, 
und daß es höchste zeit wird, die texte wieder von 
den eingedrungenen „Verbesserungen" zu säu- 
bern. Deshalb ist auch der werth der Untersuchung für die 
textkritik ein noch größerer, als der für die rhythmik und me- 
trik. Daß bei einer solch überwältigenden menge von zu be- 
handelnden stellen manches weniger sichere mit unterlaufen 
mußte, liegt in der natur der sache. Ab und zu geht der verf. 



Nr. 2. 27. Aischylos. 133 

gar zu entschieden vor, auch wo die sache nicht so sicher steht, 
wie er annimmt. Gleich sein erstes beispiel Aesch. Ag. 1537 
— 1564 flößt uns bedenken ein. Daß Orjyet (1537), nicht aber 
&r t ydrsi zu lesen ist, dünkt auch uns sicher; kritisch behandeln 
läßt sich der vers aber nicht ohne berücksichtigung des folgen- 
den in' dXXaig d-qydvaig [aoTqu. Reiter liest hier augenschein- 
lich mit Musgrave und den meisten neuern gV dXXaig fti]yüvatg 
fidyaigav, aber es fragt sich doch noch sehr, ob nicht fioiga zu 
halten und dem sinne mit leichteren änderungen aufzuhelfen ist. 
ßXußijg neben fAEQiftvar, una, dUa ist doch zum mindesten auf- 
fällig, dazu kommt daß v. 1538 g'/z' uXXuig d^yävaig (iOiQCc 

(^JLi-i — , — ui J) dem verse der gegenstrophe xtxöXXijrai yi- 

vog TiQOinxpai {y\ u - { ^ — ^ ) metrisch entspricht. Wenn 

Aeschylus nun geschrieben hätte: 

dCxag d'in UXXo ngäy^a ßi' t ytt fiXußag 

ts' aXXaig flrjyavaig Motgu. 
„Moira bereitet zu einer andern that der gerechtigkeit neue 
schicksalsschläge vor" ? Echtaescbyleisch scheint es uns , wenn 
der dichter, statt im bilde zu bleiben , bildlichen und nichtbild- 
lichen ausdruck kühn verbindet; statt zu sagen: Moira schärft 
zu neuem werke (der that des Orestes) das messer , sagt er, 
„sie schärft neue schicksalsschläge". Auch zu dem vers 1564 
hätte der Verfasser bemerken sollen, daß nicht utjulov, sondern 
güoi überliefert ist und daß againg an der einen stelle, wo es 
bei Aeschylus mit einem Substantiv fem. gen. verbunden ist 
(Sept. 770), die weibliche form (dgaCag) steht. Also durchaus 
sicher ist Hermanns agaiov nicht. Auch in der gegenstrophe 
ist manches ohne grund geändert. So schreibt auch Wecklein 
in v. 1562 mit Schütz iv dQÖvcp, aber uiuvsi 8s \xi\ivovrog tv 
XQOiq) Aiog nadelt Tor (nh'.iru heißt ganz richtig: ,,es erwartet, 
wenn Zeus' herrschaft dauert , den thäter im laufe der zeit die 
gebührende strafe" (so g* %ontq) öfter). Ob nun gar in v. 1565 
KsxnXXr/rai yivog ngoguipat mit Blomfield ngog ura zu schreiben 
ist, will uns höchst fraglich erscheinen. „Das geschlecht ist 
darangeleimt (an die yovu u. s. w.), um fest daran zu haften, 
d. h. so daß es nicht davon loskann", ngngdnzeiv ist auch sonst 
in intransitiver bedeutung belegt (Soph. fr. 69 Dind.). 

Um die schwierige stelle Aesch. Suppl. 143 sq. — 253 sq. 

str. nv de [Ae/jqiofi<ii isXevzäg ö' iv %g6vq> 
Philol. Anz. XVII. 10 



134 27. Aischylos. Nr. 2. 

ant. rtOLvri Ös ödiiti Öicoyfiolai 5' uaqaliag 
befriedigend zu erklären, hätte verf. auch über die form nacpa- 
leug ein kräftig wörtlein sagen müssen , was freilich ohne hin- 
zuziehung der inschriften kaum möglich sein dürfte. Beiläufig 
bemerkt, die erklärung Büchelers (N. Rh. M. XL, 627), so geist- , 
reich sie ist, scheitert für mich an dem umstände , daß mit der 
in obigen versen angerufenen göttin gewiß nur Artemis gemeint 
sein kann. Wohl erscheint auch Athene gelegentlich als udu- 
(nazos , der schütz der Jungfräulichkeit aber war in erster linie 
sache der Kugf//, unter welchem namen Artemis grade in Argos 
verehrt wurde. Deshalb auch Suppl. 1041: intSoi <3' " Aqi£\a\q 
ayi'u | aiöXov or/.Tt^oiii-'ia, fnjÖ i vri dvdyxag I ydfjiog ik&oi Kvds- 
gmag äyn'j ist eines der häufigsten beiwörter der Artemis (vgl. 
auch nag&svog otdfAtjg, aiei ] adfttjra, nagdtrog uiSoii], tiizvcg&svogX 
An der obigen stelle (v. 150 ff.) hätte eine nichterwähnung der 
Artemis gradezu auffallen müssen. Es wird kaum gelingen, die 
schwierigen worte ganz aufzuhellen , wenn man nicht dem rät- 
selhaften hväriia (152) ernstlich auf den leib rückt und feststellt, 
ob das wort mit den homerischen iv-tanta naptcfav/covra — über 
deren bedeutung wir trotz Schliemanns beziehung auf den hellen 
mörtelbewurf der innenwände noch sehr im unklaren sind — 
überhaupt etwas zu thun hat. — Als besonders erfreulich wollen 
wir noch auf die rettung von Soph. 0. R. 1100 Tlavog ogsaai- 
ßdra ngogntlaadsia hinweisen, wo das einen sehr heiklen ne- 
bensinn zulassende natgog Lachmanns nunmehr endgültig be- 
seitigt sein dürfte. — Ueber cap. 3 wollen wir uns kurz fassen: 
verf. fußt hier auf tüchtigen vorarbeiten und konnte sich im 
ganzen darauf beschränken , unbewiesenes zu beweisen , unhalt- 
bares zu widerlegen. Betreffs der vierzeitigen länge in versen 
des ionischen und dochmischen geschlechts steht ref. längst auf 
demselben Standpunkte: fälle, wie Pers. 69 ff. — 77 ff., 103 ff. — 
110 ff., El. 1069 — 1081; Suppl. 350—363, Phil. 400 f. lassen 
sich ohne annähme der /juxou Tsiguaijfiag i — i gar nicht befriedi- 
gend erklären, während Sept. 707 ff. — 714 ff. ntygwa tav mle- 

aioixnr die messung u— ui — uu näher liegt. Dankens- 

werth ist die Zusammenstellung von hiaten bei Aeschylus und 
Sophokles, wenn auch hierbei ab und zu ein kleines fragezei- 
zeichen nichts geschadet hätte. So konnte Suppl. 657 f. der 
hiatus e%oi/\ii*' ogoyimi nur im zusammenhange mit 658 f. uiai- 



Nr. 2. 27. Aiscbylos. 135 

votta xtX. vertheidigt werden. Wir ändern nichts und verstehen 
mit Dindorf i^oi = sustineat. Soph. Ai. 419 f. hat Thiersch 
doch wohl nicht allein am hiatus anstoß genommen, als er 8vg- 
qjoovs^ vorschlug ; diese conjektur hätte zum wenigstens beach- 
tung verdient. Interessant ist die rechtfertigung des sehr auf- 
fallenden hiatus O.C. 1215 f. paxgat /\üiAtQui durch Eur. Troad. 
848 Xsvxo7jt£(jov A ü-iitgag. Eine lohnende aufgäbe wäre es, zu 
zählen, wie viele um des metrums willen eingeschwärzte ys de ts 
auf diese weise hinausbefördert werden. 

Cap. 4 bewegt sich naturgemäß auf dem boden subjektiver 
empfiudung. Ob in jedem falle die zovtj einem bestimmten nicht 
bloß rhythmischen zwecke dient, darüber wird die entscheidung 
verschieden ausfallen. Verf. , dem gute vorarbeiten (Heimsoeth, 
Christ, Brambach, J. H. H. Schmidt) zu geböte standen, hat 
sich seiner aufgäbe mit takt entledigt und verschiedene lehr- 
reiche stellen (Aristot. probl. XIX, 15. Arist. Quint. I, p. 50 
M. II, p. 97j durch scharfe Interpretation seinem zwecke dienst- 
bar gemacht. Gewisse ihrer bedeutung nach schwerwiegende 
worte werden mit Vorliebe von der tov!\ betroffen, so uzt], alebv, 
alsC, nüt;, nävTsg, no'ü.ol, ebenso bedeutungsvolle epitheta, eigen- 
namen; überhaupt, wo es gilt, unglück zu malen oder gewaltige 
Vorgänge eindringlich zu gestalten , hat die mehrzeitige länge 
ihre stelle; zu alcöt sei bemerkt, daß Ch. 349 imazgenzov alä> 
das überlieferte almva sich halten läßt: 

str. iniaz(jS7zzop aiwva u — — u — . — w 

ant. viv ouzojg ditfitjvai u u 1 — ' — 

Damit wird das unglückliche uiw (Bekk. Anecd. I, 363 aleö 
top alävu xazu anoxontjv Aic)-/ü\o^ eintv), das auch Ag. 249 
(at'oö ts 0. Müller) nicht mehr geduldet wird, aufs neue heimathlos. 
Muß es denn auch durchaus in einem der erhaltenen stücke ge- 
standen haben ? Man könnte daran denken , dem worte Sept. 
730 uiäia ö'f,- zqItov [Atitt eine statte zu bereiten, weil der 
vers der Strophe 723 xu\ %ßon'a xovig ntri um eine more zu 
klein ist ( — uu und ist eine bei Aeschylus gewiß anzu- 
erkennende responsion , vgl. Suppl. 76 — 85), wenn nur nicht 
die wucht der [auxqu iQlaijuo^ dem sinn so ganz entspräche. 
Franckens xai nargta xovk,- (vgl. schob otuv . . . i] nazQwa 
uvtäv xou^ 7ily zu aiua . . . . sup, qpj/ffiV, ij naTQia yr\ nCy xzX.\ 
wäre sehr gut, wenn nur UATPIA von XQONIA nicht zu 

10* 



136 28. Aristophanes. Nr. 2. 

sehr abwiche. Wenn Aeschylus nun geschrieben hätte: xrc/ nn- 
lizccv xovtg 72iij? und 0, AI und /V konnten sehr leicht ver- 
wechselt werden , das scholion aber paßt zu dieser lesung fast 
noch besser, als zu nargia xo )/>.', das dadurch ja gar nicht er- 
klärt wird ; die responsion — u 1 u — u — I " u — u — u — 

ist aber durchaus regelrecht. 

Wir schließen diese anzeige , indem wir die vortreffliche 
arbeit zu sorgfältiger prüfung jedem empfehlen , der sich mit 
den tragikern beschäftigt ; hoffen wir, verf. möge die chorlieder 
des Euripides recht bald in ähnlich fruchtbringender weise be- 
handeln. . Richardt Hildebrandt. 

28. Die märchenkomödie in Athen von Th. Zielin ski. 
Abdruck aus dem Jahresbericht der deutschen schulen zu St. 
Annen. St. Petersburg 1885. 72 p. 4. 

Die beiden hauptrichtungen der dorischen komödie , die 
sociale und die mythologische , wie sie verf. eintheilt , sind in 
ihren resten sehr ungleich erhalten , indem uns nur der plauti- 
nische Amphitruo eine Vorstellung der zweiten gattung gewäh- 
ren kann, während alle übrigen römischen lustspiele zur socialen 
komödie zu rechnen sind. Ebenso ist uns die märchenko- 
mödie, welche verf. als zweite hauptrichtung der ionischen 
komödie neben der politischen hinzustellen versucht, nur in ei- 
nem lustspiel des Aristophanes , den Vögeln, vollkommen, 
daneben aber in vielen bruchstücken, titeln, und einzelheiten 
theilweise vertreten Während nun die alten grammatiker 
durch die Sammlungen der mythenschätze uns ein weiteres 
schätzbares material zur beurtheilung der mythologischen ko- 
mödie lieferten, vernachlässigten sie die märchensammlun- 
gen , weil sie dem märchenschatz ihres volks keinen werth 
beilegten, und überließen seine pflege den alten frauen und am- 
men ; uns lassen sie also von dieser seite bei allen Schlüssen 
und konstruktionen im stich: wir sind nur auf ,,d i e vögel", 
auf t i t e 1 und fragmente angewiesen. So Zielinski ; er glaubt 
nun in den neugriechischen, albanischen, walachischen, ser- 
bischen , slavischen und russischen märchen, sagen und 
Volksliedern, welche in den letzten Jahrzehnten von Hahn, 
Gonzenbach, B. Schmidt u. a. erschlossen, systematisch geordnet 
und erklärt sind, eine menge berührungspunkte mit althellenischen 



Nr. 2. 28 Aristophanes. 137 

märcben gefunden zu haben , von deuen uns meist nur spuren 
— verf. nennt es bruchstücke — erhalten sind. Diese neuen 
märcben bieten nicht nur die handhabe zum vergleich mit den 
alten (d. h. nach des verf. ansieht einzelnen alten komödien 
und vielen versen und stellen zu grund liegenden) märchen, es 
erscheint ihm auch der nachweis einer Wandlung der neuen aus 
den alten märchen und demgemäß die erklärung vieler komi- 
kerstellen mit hilfe der neuen märchen möglich, ja er versucht 
aus den vorhandenen spuren und den neuen märchen einige 
alte märchen ihrem inhalt nach zu rekonstruieren. 

Zielinski ist meines wissens der erste, der den titel mär- 
chenkomödie für eine ganze gattung attischer lustspiele in Vor- 
schlag bringt ; er hat ferner in geistreicher und fesselnder weise 
versucht, für die erklärung einzelner stellen der komiker neue 
bahnen zu weisen ; daß ihm dieser versuch nicht überall gelun- 
gen ist, ja daß er meines erachtens an den meisten stellen 
durch die phantasie und den wünsch , märchen zu finden , zu 
weit getragen ist, vermag nichts zu ändern an dem urtheil. daß 
das buch fesselnd geschrieben ist und manche neue gesichts- 
punkte enthält. 

Doch zunächst der neue name ! Wer kann leugnen, daß 
in vielen attischen komödien märchenhafte züge , insbesondere 
solche aus der thierfabel , die unter dem phantasievollen volk 
der Athener gang und gebe waren und sicher starke wurzeln 
geschlagen hatten, verwandt und eingeflochten sind! Welches 
gebiet des äußern , aber auch des inneru Volkslebens hätte ein 
Aristophanes nicht gestreift und in seine komödien an passender, 
zum theil auch an unpassender stelle hineingezogen ! Aber sind 
wir darum berechtigt, von der märchenkomödie als einer haupt- 
richtung der ionischen komödie (p. 5) zusprechen? Ich glaube 
nein. Dies hat meines erachtens schon H. Lübke in seiner 
(übrigens nicht sorgfältigen und von Zielinski als solcher ge- 
bührend gekennzeichneten !) besprechung der vorliegenden arbeit 
(Berl. phil. Wochenschrift 1886, no. 2, p. 41 ff.) richtig hervor- 
gehoben: „das gesammte lustspiel des 5. Jahrhunderts — soweit 
wenigstens unser wissen reicht — war politisch-socialer tendenz, 
sowohl die früheren gegen einzelne personen gerichteten komö- 
dien, als die von mehr allgemeiner tendenz d. h. die nach den 
„Rittern" aufgeführten". Aber selbst der von Lübke für ein- 



138 28. Aristophanes. Nr. 2. 

zelne märchenkomödien des verf. vorgeschlagene name : „phan- 
tastische komödie" trifft doch immer nur einzelne züge 
und kleinere theile dieser stücke , keineswegs aber die haupt- 
tendenz , kann also ebensowenig wie die bezeichnung märchen- 
komödie einer ganzen gattung von attischen komödien zukom- 
men. Ich bleibe also dabei , daß die attische komödie eine in 
ihrem innersten wesen politische und sociale war, — das lehren 
uns die sämmtlichen erhaltenen stücke — allerdings sind viele 
andere dinge, die religion, der aberglaube , die mythologie und 
märchen , die im volke wurzelten, mit hineinverwoben worden. 
Ohne zweifei kommen in vielen erhaltenen und nichterhaltenen 
lustspielen auch eine menge von märchenhaften zügen vor, die 
aber darum noch nicht den charakter des ganzen zum märchen- 
haften stempeln! 

Andrerseits erkenne ich an , daß verf. erwiesen hat , daß 
die kenntnis des neugriechischen märchenschatzes , insbesondere 
der thierfabel , ein unverächtliches hilfsmittel für das bessere 
Verständnis mancher einzelheiten in der politischen komödie 
Athens bildet. Um ein für mich besonders überzeugendes beispiel 
herauszugreifen, erkläre ich, daß Vesp. 794 ff. äksxTgvovog ^ 
s(ftt(y>te. xoiliav ?%sir. ra%v yovv ttatansxpsig ragyvgibv, q ö' og }.e- 
ycov. erst durch die Verbindung mit dem neugriechischen märchen 
vom goldfressenden hahn (bei Hahn II, 85) das volle 
Verständnis erlangt hat; denn die notiz des scholiasten: ins) 
navia neTTOvatv ol alsxTQvorsg &SQfi07nzt]v xoili'av s^ovreg ist zu 
offenbar erst aus des dichters eigenen worten entnommen. 

Dagegen vermag ich die nothwendigkeit des Zusammenhangs 
der p. 6 ff. aus den Rittern 415 behandelten stelle mit dem 
herangezogenen märchen vom hundskopf (Hahn 1,156) nicht 
zu erkennen. Für mich ist das Verständnis der worte auch 
ohne die deutung des verf. möglich und klar: „wie magst du, 
der du dich wie ein hund genährt, mit mir, dem hundskopf, 
streiten" ? Hundskopf war ein gewöhnliches Schimpfwort in 
Athen, — mag auch , wie verf. will , „der gefürchtete wauwau 
des griechischen Volksglaubens" gewesen sein! — und Kleon an 
derartige lieblingsbezeichnungen seitens unseres dichters gewöhnt; 
Aristophanes wählt dieses wort hier, um das Wortspiel mit den 
hundekrumen anzubringen. Selbst zugegeben , daß eine im al- 
terthum bereits vorhandene märchengestalt dem KvmxiyaXoQ zu 



Nr. 2. 28. Aristophanes. 139 

gründe lag-, so muß ich bezweifeln, daß das märchen schon da- 
mals so ausgebildet war , daß ein zuhörer die worte des dich- 
ters nach des verf. auslegung verstehn mußte, ja nur konnte! 
,,wer nemlich knochen und anderes hundefutter verzehrt , fällt 
dem hundskopf anheim und wird seines gleichen ; wie mancher 
reiche bürger, dessen physiognomie dem Kleon nicht gefiel, mag 
von ihm so mit haut und haaren verschlungen worden sein". 
Diese deutung scheint mir gekünstelt und für uns wie fürs athe- 
nische publikum unverständlich. 

Daß die Vögel des Aristophanes aus zwei genau geschie- 
denen einzelnen märchen, dem thierschwager und thier- 
königs brautwerbung zusammengesetzt seien, davon hat 
mich verf. nicht überzeugen können. Daß dagegen im ersten 
theil der komödie der Tereusmythus — ich sage absichtlich 
nicht „märchen" (cfr. Thuc. II, 29) — dem dichter die gele- 
genheit und den anhaltspunkt zur einführung des vogelthums 
bot, gestehe ich ohne weiteres zu ; ebenso glaube ich dem verf., 
daß das p. 13 erzählte märchen (Hahn I, 180) auf die auch 
in den Vögeln erhaltenen reste des attisch -nationalen mythus 
von Tereus zurückgeht. Doch war meines erachtens dieser my- 
thus kein märchen in unserem sinn , sondern eine an eine be- 
bestimmte lokalität sich anschließende sage , was ja nicht aus- 
schließt, daß das neugriechische märchen aus dieser sage ent- 
standen ist. Dagegen kann ich die Werbung um die Basileia, 
die Pisthetairos auf Prometheus rath vornimmt, nicht als das 
einzige hauptmoment des zweiten theils der komödie anerkennen, 
sie bildet nur ein glied in der kette der handlungen , welche 
vögel und vögelbeherrscher im vögelreich vornehmen. Für mich 
bleiben nach wie vor die Vögel das am meisten einheitlich, 
aber mit der größten eigenen phantasie gedichtete stück des 
Aristophanes, dessen kern p unkt die selige Stadt ist, 
deren gründung die überspanntesten hoffnungen aller Weltver- 
besserer verwirklichen soll und in der darstellung des dichters 
auch verwirklicht. „Daß wolkenreich und vögelstadt Athen ist, 
versteht sich von selbst, — nur ein Traumathen ist's mit tausen- 
derlei dingen des hier und heut, das wirkliche ist für den zu- 
hörer wie ein märchen". So Droysen in der einleitung zu sei- 
ner Übersetzung der Vögel. Auch Duruy (in der Revue des deux 
mondes 1886, p. 621) trifft, wenn er sich auch oberflächlicher 



140 28. Aristophanes. Nr. 2. 

und allgemeiner ausdrückt, das richtige, indem er zweck und 
ziel dieser komödie wiedergiebt als fantaisie charmante, mais Sa- 
tire du ciel et de la terre , des hommes qui ne fönt que des sottises 
et des Dieux qui gouvernent si mal le monde. — Um seinen großartigen 
plan einzuführen, bedient sich der dichter eines märchens, richtiger 
der sage vom Tereus und seinen verwandten. Aber dieser um- 
stand berechtigt uns nicht , den politisch - socialen hintergrund 
des ganzen Stückes wegzuleugnen und es als eine reine mär- 
chenkomödie anzusehn, die durch umdichtung vorhandener mär- 
chen entstanden sei. 

Die auseinandersetzung des verf. über den Aiolosikon 
des Aristophanes nehme ich mit der über des Eupolis 
ziegen zusammen. Den inhalt beider komödien sucht Zie- 
linski aus je drei fragmenten, verglichen mit ähnlichen neueren 
märchen, zu rekonstruieren. Die deutungen beider sind anspre- 
chend und voll phantasie ; aber ist das ein beweis, wenn zu- 
fällig drei kurze fragmente — notabene nach des verf. ausle- 
gung ! — in den inhalt der von Hahn (1 , 127 und 191) er- 
zählten märchen hineinzupassen scheinen ? es erscheint mir höchst 
gewagt und durchaus unwissenschaftlich , auf einen solchen Zu- 
fall hin die nahe Verwandtschaft der komödien mit den märchen, 
oder gar die umdichtung des märchens zum lustspiel zu statuieren. 

Auf reiner vermuthung beruht endlich die p. 41 ausgespro- 
chene, p. 71 nicht des näheren begründete ansieht des verf., 
daß in der Archippischen komödie „die Fische" das 
märchen dem dichter die möglichkeit gegeben habe, die menschen 
mit den fischen in berührung zu bringen. Der uns von Athenaeus 
7, 329b erzählte zug ist doch wohl nur ein kalauer, der kaum 
ein haupttheil der handlung in der komödie gewesen sein wird. 
Das p. 71 erzählte russische märchen vom Barsch Barschensohn 
von Borstenfeld hat doch zu wenig anbaltspunkte für einen ver- 
gleich mit dem uns ganz unbekannten hauptinhalt des Stücks. 

Zu einzelheiten übergehend, bemerke ich dem verf., daß er 
im gegensatz zur herrschenden auffassung des alterthums der 
schlänge p. 36 das prädikat der s tum p f sinnig keit zu- 
erkennt. Vergl. dazu 1. Moses 3,1; Sirach 25, 21; Matth. 
X, 16 (listig, klug). In der ganzen gräcität habe ich keine 
der biblischen eigenschaft widersprechende stelle gefunden. 

Auf welche grundlagen verf. seine behauptung p. 41 ba- 



Nr. 2. 29. Ignatius. 141 

siert, „daß die griechischen dichter aoviele tage, wochen , mo- 
nate vom verkehr abgeschlossen, in der stille des studierstüb- 
chens zubrachten", weiß ich nicht. Dem Euripides macht Ari- 
stophanes wohl nur im scherz und aus persönlicher abneigung 
den Vorwurf, um die gekünstelten und mühsam verarbeiteten 
erzeugnisse desselben zu kennzeichnen, von Sophokles wissen 
wir das gegentheil , und einen Aristophanes vollends kann ich 
mir nicht nach jener art arbeitend vorstellen : die frische lebens- 
frohe art, wie er des volks leben und treiben schildert, scheint 
mir eher fürs gegentheil zu sprechen. 

P. 41 wollte verf. wohl sagen: nur das märchen konnte 
dem dichter die möglichkeit geben — statt : das märchen . . . 
nur die möglichkeit. — p. 42 z. 4 ist das statt dass zu lesen, 
— p. 55 mitte legt statt liegt, — p. 68 mitte 2 9 statt 92. 

W. Uckermann. 

29. Ignati Diaconi tetrasticha iambica 53, versus in 
Adamum 143 recensuit et brevi adnotatione instruxit C. F. 
Müller. Praemissa est de Ignatii metrica arte vita scriptis 
disputatio. Kiel 1886. 32 p. 4. 

Ein dankenswerter beitrag zur byzantinischen litteratur. 
In der einleitung ist besonders bemerkenswerth , daß die ältere 
datirung des lebens des Ignatius , wonach seine r/x«// in die 
erste hälfte des neunten Jahrhunderts fällt , gesichert wird. Es 
geht daraus hervor, daß P. Wolters (Rhein, mus. 39, p. 117) 
unrecht hatte, das dem Ignatius in der Anth. Pal. I, 109 zu- 
geschriebene epigramm rirmOhTn xoauti ihv tuov 7^' rtagdiiov 
ßaaiXeiog r« <svv KoorciTavTl.rcp Aimv zur feststellung seiner le- 
benszeit zu benutzen , denn es ist unmöglich , daß er unter der 
regierung des Constantinus Porphyrogenitus noch am leben war, 
und also auch unmöglich , daß er der Verfasser des epigramms 
ist. Ein richtiger gedanke, der nicht in der anmerkung (an- 
merkung 8 p. 14) versteckt zu werden brauchte, ist: Quo tem- 
pore comjposuit Tarasii vitam Ignatium nondum diaconi munus ac~ 
cepisse, nescio an ideo nobis probetur, quod in cod. Paris. 1452 vi- 
I tae auctorem esse Ignatium mona chum diserte scriptum invenitur. 
Der gleiche gesichtspunkt erweist sich auch bei anderen byzan- 
tinischen Schriftstellern zur datirung der Schriften als förderlich. 
So ist z. b. das 23. anakreontion des Sophronius in der band- 



142 30. Thukydides. Nr. 2. 

schrift überschrieben JZacpQoifov [iova%ov laTQoaoqiGTov ava- 
XQEOvrtov t/V tov 'Ima/jrp und ist damit als Jugendgedicht cha- 
rakterisirt im unterschied von denjenigen , welche kurzweg als 
2mq:Qariov (nr. 20 — 22) oder als J£k>ci>qoiCov uQinnitixönov l /g- 
QoaolviKjüi (nr. 18 und 19) oder endlich als Tod aytov Smqgo- 
vlov un%tentny.o/7(>v hgoanlviAwr (nr. 1 — 17) bezeichnet werden. 
— Es ist zu bedauern , daß für die edirten texte kein neues 
handschriftliches material beigebracht ist: es wäre unschwer zu 
beschaffen und keineswegs überflüssig gewesen. Zu bedauern 
ist auch, daß der Verfasser, der recht nützliche metrische beob- 
achtungen gibt, nicht etwas mehr auf die prosodie eingeht. Eine 
genaue erforschung der prosodie des Ignatius wäre wünschens- 
werth gewesen , u. a. wegen der frage , ob die ihm zugeschrie- 
benen Anakreontea echt sind, und wäre auch zur rechtfertigung 
des textkritischen Verfahrens am platze gewesen. Müller ändert, 
ohne daß die berechtigung dazu bewiesen wäre , edy/iiiOr] am 
trimeterschluß in dirjohOij, während er sich nicht scheut, an der- 
selben stelle ytvov für ytvov einzusetzen ; er ändert daxqicüi- dgt'i- 
ffti» in 8()aaeiK daxQvmr , wobei wohl eine kurze motivirung am 
platze gewesen wäre, weshalb die Verkürzung des v wahrschein- 
licher ist als die des a. — Schließlich will ich nicht unterlassen 
zu bemerken, daß der seite 16 anm. 3 gemachte Vorschlag, im 
epigramm auf Paulus, den Schüler des Ignatius, xtdiov zov Flai- 
Xov xtl. für xsdiov FJavXoio • d'ars ya.Q >]tl(ov zu schreiben, nicht 
zu billigen ist: die kürze vor der cäsur des pentameters ist nach 
byzantinischer technik ebenso wenig anstößig als der hiatus. 

Friedrich Haussen. 

30. Thukydides und H. Müller-Strübing. Ein beitrag zur 
geschichte der philologischen methode von dr. Adolf Bauer, 
professor an der Universität Graz. 8. Nördlingen, H. Beck'sche 
buchhandlung. 31 p. 

Ueber den werth der classischen philologie für unsre zeit 
streitet man fortwährend : die dabei meist heftig angegriffene 
und verurtheilte Wissenschaft selbst sieht dem ruhig zu und 
verfährt wie das deutsche reich, das durch die geräuschvolle 
thätigkeit seiner Widersacher in ruhiger, auf die entwicklung der 
eignen kraft gerichteten arbeit sich nicht stören läßt. Solche 
arbeit gelingt aber nur bei selbsterkenntniß und rücksichtsloser 



Nr. 2. 30. Thukydides. 143 

strenge gegen sich , so daß jeder abvveg von der rechten bahn 
sofort nachdrücklich bekämpft und unschädlich gemacht wird. 
Die classische philologie zeitigt nun gewiß gegenwärtig gute ar- 
beit: erscheinen augenblicklich auch nur selten neue bahnen 
großartig eröffnende werke , stammen die grundlegenden unter 
dem schütze der academien stehenden Unternehmungen weitesten 
umfangs auch aus einer frühem epoche, so bezeugt doch gesund- 
heit und kraft das erfolgreich geübte streben das uns überkom- 
mene quellenmaterial in seiner so weit jetzt möglich echten ge- 
stalt vollständig jedem zugänglich zu machen , zumal dadurch 
zum frommen der gegenwart sowohl die sichere grundlage für 
die darstellung des lebens der beiden classischen Völker nach 
allen seinen richtungen hin geschaffen, als auch ermöglicht wird, 
das wunderbar viele neue , was ein günstiges geschick unserm 
Zeitalter sogar aus den ältesten Zeiten der menschheit zuführt, 
wenn auch nicht sofort erschöpfeud zu verwerthen , doch auf 
wege zu lenken, welche großartige resultate sicher in aussieht 
stellen : — auf diese weise mehrt die philologie ihre eigne kraft, 
sichert und erweitert sie ihren besitz und wird, indem sie allen 
gerechten anforderungen der zeit entspricht, dieser, der zeit, 
unentbehrlich und damit befähigt , allen eventualitäten siegreich 
zu begegnen Aber wie den tiefwurzelnden edlen weizen aus 
der Oberfläche üppig aufschießendes unkraut beengt und schä- 
digt, so nistet sich auch im leben der Völker unwiderstehlich 
neben dem guten das böse ein : so treibt zwar in Deutschland 
der nach langer und schwerer trübsal fröhlich aufkeimende Wohl- 
stand , das nach langer Stockung rasch sich entwickelnde und 
den einzelnen trotz der Studierstube mit sich fortreißende poli- 
tische leben vieles edle und erhebende hervor — es bleibt doch 
das gegentheil mit seiner gefolgschaft nicht aus : der hochmuth 
und die genußsucht, die durch unberechtigte und daher gar nicht 
oder nur wenig befriedigte wünsche geweckte und durch mangel 
an christlichem glauben erhaltene gleichgültigkeit gegen alles 
ideale, die schließlich zur sündlichen abwerfung des lebens ver- 
leitet, verwirren gewaltig und erschweren die erstrebte gedeihliche 
entwicklung des guten. Derartige Strömungen und Störungen be- 
einflussen naturgemäß die arbeit der Wissenschaft und somit auch 
die der philologie, da diese nicht selbstständig und unabhängig 
dastehen, vielmehr von der Stimmung und dem leben des volkes 



144 30. Thukydides. Nr. 2. 

abhängen : daher in der letztern die vielfach sich äußernde Ober- 
flächlichkeit, daher die leider durch verderbliche maaßnahmen des 
preußischen ministeriums geförderte überfülle unnöthiger weder die 
Wissenschaft noch das gymnasium fördernder sogenannter Schulaus- 
gaben der classiker , von denen ein gut theil allen eifers der 
eselsbrücke zusteuert und dadurch dem gymnasium die lösung 
seiner wahren aufgäbe, eine gymnastik des geistes zu sein, un- 
möglich macht, daher die hie und da schon von der behörde 
gehemmte fluth von schul- oder lehrbüchern, die das längst be- 
kannte etwas verändert immer von neuem auftischen und dem 
guten den räum versperren, daher das schlimmste von allem, die 
verkehrte methode, deren Vertreter um des schnellen aufsehens 
willen gegen anerkannte thatsachen kecken Widerspruch erhe- 
ben und durch Überschätzung des eignen urtheils zu principien 
und ausführungen subjectivster und deshalb gerade in unserer 
Wissenschaft destructivster art gelangen. Gerade gegen dieses 
übel, die falsche methode, die wie schleichendes gift die edelsten 
safte verfärbt, erschlafft und langsam aber sicher zerstört , rich- 
tet sich die oben vorgesetzte schritt Bauers , welche angeregt 
durch eine preisaufgabe der Utrechter gesellschaft der Wissen- 
schaften die Schriften und forschungen Müller-Strübings über Thu- 
kydides als solche kennzeichnet und nachweist, in welchen die 
methode durchweg „eine willkürliche und irrige" (p. 3) sei, de- 
ren resultate sich gegenseitig aufhöben: dies wird dann, nach- 
dem der verf. ausdrücklich (p. 4) hervorgehoben, daß er die 
gelehrsamkeit und den Scharfsinn Müller-Strübings so wie dessen 
anderweitige Verdienste um die förderung der Wissenschaft willig 
anerkenne, in ruhiger und würdiger spräche ausgeführt : es wird 
nachgewiesen, wie Müller -Strübing den Thukydides zuerst als 
historiker betrachtet habe , wie er ihm aber dann zum dichter 
(p. 11) und epiker (p. 14) werde, ja sogar zum blutdürstigen 
Schulmeister (p. 14) und pedanten (p. 28): dies hindert aber 
nicht , daß der so verurtheilte auch als „ein höchst gescheiter, 
höchst bedeutender, auf der ganzen höhe der bildung seiner zeit 
stehender mann" (p. 21) gepriesen wird; excerpieren läßt sich 
dieser nachweis nicht, man muß die lebendig geschriebene aus- 
führung selbst lesen: selbstverständlich werden aber in ihr eine 
reihe von stellen aus Thukydides besprochen, so daß die Schrift 
auch als ein willkommner beitrag zur erklärung des historikers 



Nr. 2. 30. Thukydides. 145 

empfohlen werden kann. Ihre aufgäbe hat sie gelöst : sie zeigt, 
wohin die Verkehrtheit der methode führt. 

Der schluß von Bauers scbrift läßt erkennen, wie es dem 
verf. nicht allein um Müller - Strübings schritten zu thun gewe- 
sen, sondern daß eine reihe neuer erscheinungen zugleich haben 
getroffen werden sollen. „Man glaubt", heißt es p. 29, „neue 
resultate zu finden, wenn man die vorliegenden problerne einfach 
auf den köpf stellt, und nun mit fleiß, Scharfsinn und gelehr- 
samkeit daran geht zu zeigen , daß das eigentlich das richtige 
sei"; es wird dies dann durch Schriften über Herodot (Sayce, 
Panovsky) , Diodor (Schneider) , Perikles (Pflugk-Harttung) und 
über Pausanias illustrirt. Von letzterm wird p. 29 gesagt: 
„daß Pausanias Griechenland bereist habe und im wesentlichen 
das ergebniß seiner reisen in seiner periegese niedergelegt habe, 
das steht deutlich in derselben zu lesen . . . Seitdem v. Wila- 
mowitz einzelne , zum theil falsche beobachtungen voreilig ver- 
allgemeinernd, gegen diese auffassung den kriegsruf erhoben hat, 
hat die Pausaniashetze begonnen. Wir werden jetzt von Kalkmann 
. . . belebrt, die thatsache, daß Pausanias Griechenland bereist 
und die bestätigung seiner angaben durch funde daselbst sei 
überhaupt gleichgültig : das problem müsse vielmehr so gestellt 
werden , welche guten alten Schriftsteller hat Pausanias benutzt 
und wo läßt sich zeigen, daß Pausanias ein Schwindler war. 
Wie aus dem historiker Thukydides erst der epiker, dann der 
didaktiker und schließlich der pedant wurde, so ist der reisende 
Pausanias erst ein kompilator älterer Schriften , und jetzt ein 
lügner und Mirabilienschreiber nach art des Verfassers der schrift 
über die syrische göttin geworden". Wie wahr und gerecht 
dies urtheil sei, wird auch die hierauf folgende, lange vor dem 
erscheinen von Bauers schrift verfaßte maaßvolle besprechung 
von Kalkmanns buch dem unbefangenen leser darthun, zugleich 
aber auch bestätigen, daß es noth thue, gegen die mehr und 
mehr um sich greifende Verkehrtheit der methode rücksichtslos 
energische einspräche zu erheben. Freilich wird Bauers schrift, 
die scharf in ein Wespennest gestochen , mancherlei gesummse, 
auch geschrei hervorrufen : indeß scheint der Verfasser doch der 
mann, der solcher angriffe sich wird erwehren können, außerdem 
wird es aber, wie wir hoffen dürfen, ihm und seiner guten sache 
an guten bundesgenossen nicht fehlen. E. v. L. 



146 31. Pausanias. Nr. 2. 

31. A. Kalkmann, Pausanias der Perieget. Untersu- 
chungen über seine schriftstellerei und seine quellen. Berlin, 
Georg Reimer 1886. 

In dem einleitenden theil seines Peloponnesos (1851) hat 
Ernst Curtius den periegeten Pausanias als einen schriftsteiler 
charakterisiert, der von lebendigem interesse für die alten Wohn- 
sitze und denkmäler der Hellenen erfüllt „unermüdlich durch 
die verödeten landschaften Griechenlands wanderte, sich in jeder 
Stadt unter anleitung der besten fremdenführer des ortes die 
merkwürdigkeiten zeigen ließ und sich alles der reihe nach in 
seinem tagebuche aufzeichnete". — „Aeltere reisewerke erwähnt 
und benutzt er gar nicht ; er zieht es vor, seine orts- und mo- 
numentenkenntnis unmittelbar aus der anschauung und der 
mündlichen Überlieferung zu schöpfen". Hören wir dagegen 
den Verfasser vorliegenden buches. S. 271: „wie immer die re- 
sultate im einzelnen sein mögen, darüber kann kein zweifei 
mehr obwalten, daß Pausanias alles wesentliche, das beste, was 
er uns giebt , aus anderen autoren geschöpft hat". S 280: 
„wir haben gesehen, daß uns oft in recht ungeschickterweise 
dunst vorgemacht wird , und daß sich dieser vor einer kri- 
tik, die rücksichtslos auf Wahrhaftigkeit prüft, sehr bald ver- 
flüchtigt; gleichwohl verfehlt im Zusammenhang des ganzen das 
trugbild seine Wirkung nicht. Pausanias findet sich in die ein- 
mal übernommene rolle sehr gut hinein und führt sie nicht ohne 
leichtigkeit und gewandtheit durch, so nüchtern er auch im übri- 
gen ist. Jeder, der zuerst die Periegese in die hände bekommt, 
steht unter ihrem bann" — ein trost für E. Curtius , Schubart 
u.a.! — „und nur die geschickt gehandhabte maske ist schuld 
daran , daß es überhaupt oder erst jetzt eine Pausanias - frage 
giebt. Pausanias ist nicht „ganz als perieget zu fassen", son- 
dern ganz als Schriftsteller , als sophist". „Pausanias bedient 
sich seiner einkleidung und fictionen in bewußter absieht d. h. 
nach unserem moralcodex er schwindelt, und strenge kritik kann 
solche tändelei nur als schwindelmanier bezeichnen". 

Ich habe dem älteren urtheil über Pausanias das jüngste 
gegenübergestellt, um mit den wenigen sätzen zu zeigen, wel- 
chen weg die Pausaniasforschung in den letzten jähren genom- 
men hat. Daß Kalkmann mit seinem buche den von Wilamo- 
witz Hermes 12, 347 „gezogenen Wechsel einlösen" will, darf 






Nr. 2. 81. Pausanias. 147 

man wohl aus den einleitenden worten der vorrede schließen ; je- 
denfalls ist es im sinne und geist und — wenigstens dem perie- 
geten gegenüber — im tone dieses gelehrten geschrieben. 
Uebrigens ist er sich wohl bewußt , daß er die Pausaniasfrage 
nicht erschöpfen werde , manches ganz bei seite lassen müsse, 
einiges nur skizzieren könne ; aber ,,in der Überzeugung , daß 
man sich bei dem gegenwärtigen stand der frage erst nach 
Zusammenfassung des ganzen wieder mit erfolg ins einzelne ver- 
tiefen kann , bringt er das von ihm gesammelte material zur 
Veröffentlichung. Daß er zu dieser arbeit mit anzuerkennender 
gelehrsamkeit ausgestattet ist, davon wird sich jeder leser über- 
zeugen; ob er aber mit hinreichender Objektivität seine anfgabe 
gelöst hat, dürften selbst diejenigen bezweifeln, die in einigen 
hauptpunkten mit ihm übereinstimmen. Der aufmerksame leser 
wird bald finden, daß durch eine veränderte anordnuug des 
materials nicht bloß in nebenfragen auch andre resultate gewon- 
nen werden und manche einwände, die in den anmerkungen 
nebensächlich behandelt werden , zu nicht verächtlichen waffen 
in der hand der gegner werden können. Zweierlei schicke ich 
voraus. Der Verfasser bezweifelt nicht, daß Pausanias in Grie- 
chenland gereist sei , wenn er auch den beweis dafür den ver- 
theidigern des Periegeten überläßt ; denn das wenige , was er 
selbst dafür anführt, ist ohne bedeutung und gewicht. Dies Zu- 
geständnis ermöglicht ihm , hier und da eine unbequeme notiz 
als reiseerinneruug zu erklären. Aber ich meine, wenn das- 
selbe einmal gemacht wird , so fehlt einerseits ein zwingender 
grund, zu den älteren quellen noch jüngere und jüngste „ein- 
lagen" anzunehmen und die autopsie nur im nothfalle einzuräu- 
men; anderseits wird der Vorwurf gewisser irrthümer, die auch 
der flüchtigste reisende vermieden haben würde, durch jenes Zu- 
geständnis sehr unwahrscheinlich gemacht. Die beurtheilung, 
welche der Verfasser dem Periegeten widerfahren läßt, fordert 
zur Voraussetzung die unumwundene erklärung, daß Pausanias 
Griechenland niemals gesehen hat. Dann mögen und werden 
die vertheidiger den gegenbeweis bringen: fori 6'' o Fluvoauag 
oi'jj ovto)± evx<i7a7Q<>%a.6T0$ coazs fiijö 'Adi]\u-4 avrov idth qua- 
heij ■• , ontQ tnoi fnr^htQovcii ÖtrAivi'ut. Zweitens: die oben an- 
geführte äußerung des Verfassers redet von dem geschick des 
Sophisten, mit dem er seine absieht, ausgeschriebenes als selbst- 



148 31. Pausanias. Nr. 2. 

erlebtes vorzutragen, durchgeführt habe ; damit reimt sich 
schlecht das harte urtheil, welches er im übrigen über die gei- 
stigen fähigkeiten des Periegeten fällt , dem nur „stammelnde 
ausdrücke" und „einfältige" bemerkungen als eigenthum einge- 
räumt werden , der im eifer des abschreibens sich die größten 
flüchtigkeiten und unglaubliche gedankenlosigkeiten habe zu 
schulden kommen lassen , der auf der nächsten seite nicht mehr 
gewußt habe, was er vorher geschrieben, und dies, obwohl zahl- 
reiche verweise auf früheres und späteres gerade das gegentheil 
beweisen. Ich greife zwei beispiele heraus. 5, 4, 5 erzählt 
Pausanias , daß Iphitos die olympischen spiele erneuert habe, 
nachdem sie längere zeit ausgesetzt gewesen seien-, die Ursache, 
warum, verspricht er später zu erzählen. Dieses versprechen 
hat er nun allerdings nicht gehalten (es hätte 8, 5 geschehen 
sollen); an der bezeichneten stelle aber fährt er fort: reo de 
Vqpi'rq) q,deiQO(Ati7]<; run- dtj fxaXiöTa t^ 1 'EXlddog vno ln(fvli(av 
attintcov x<u vno rnonv Xmuoodovc fnJjl&ev aiTtjnai zov §v /IeX- 
qpo/V xieov Xvaiv iioi xa-Auv — der gott befiehlt ihm darauf die 
spiele zu erneuern. Kalkmann urtheilt nun, daß Pausanias den 
mit tco Öf '/qp/r(j) beginnenden excurs aus anderer quelle nach- 
träglich eingeschoben habe und zwar so gedankenlos , daß er 
eben den grund, den er an späterer stelle habe anführen wollen, 
in demselben hinzugefügt habe ; „denn krieg und krankheit 
sind eben die Ursache, wie sich zum Überfluß aus der darstel- 
lung von Phlegon (fr. 1) ergiebt". Hier dürfte der Vorwurf der 
Unachtsamkeit den scharfen kritiker treffen ; denn Pausanias giebt 
in Übereinstimmung mit Phlegon krankheit und seuche als grund 
für die befragung des gottes, nicht für das aussetzen der spiele 
an ; für dieses bezeichnet Phlegon als Ursache Vernachlässi- 
gung der götterverehrung. Das zweite beispiel knüpft sich an 
den säuger Ölen , der von Pausanias erst 5, 7, 8 und weiter 
8, 21, 3. 9, 27, 2 als Lykier bezeichnet wird, dagegen 1,18,5 
und 2, 13, 3 ohne angäbe der heimath citiert wird. Die ab- 
stammung aus Lykien soll der Perieget erst bei abfassung des 
5. buches aus Alexander Polyhistor gelernt haben, obwohl schon 
Herodot 4, 35 den Ölen als Lykier bezeichnet und von Kalk- 
mann zugegeben wird, daß diese Herodotstelle nicht nur 8, 21, 3, 
sondern schon 1, 31, 2 eingesehen worden ist! Solche verzwei- 
felte Schlüsse sind in dem buche nicht selten. Urtheile des ver- 






Nr. 2. 31. Pausanias. 149 

fassers über die moralische Qualifikation des Periegeten habe 
ich schon angeführt; mit dem ausdruck „Schwindler" glaubt 
derselbe ihn am bezeichnendsten zu charakterisieren. Aller- 
dings muß zugegeben werden und kann zumal nach dem 
reichhaltigen material, welches Kalkmann im ersten kapitel zu- 
sammengetragen hat, selbst von dem gläubigsten Verehrer des 
Pausanias nicht mehr geleugnet werden, daß dieser vorgiebt ge- 
sehen und gehört zu haben, wo er nur gelesen hat, daß er 
einen alten dichter gelesen haben will, wo er das citat in Sam- 
melwerken gefunden hat; die *Agysloi und 'jiQxddag und im- 
Xooqioi, der ysQcoi und nQsaßvg, ja selbst die ?'£//} ijzaC verwandeln 
sich dem prüfenden blick aus gestalten von fleisch und blut in 
staubige pergamente. Aber es ist zu beachten , daß sich diese 
Aktionen fast nur auf das beiwerk , namentlich die paradoxen 
abschnitte, nicht auf die eigentliche periegese beziehen, und 
der verf. selbst weiß , daß das alterthum über derartige pla- 
giate eine ganz andere moral hatte, als unsre zeit, daß auch 
die gewissenhaftesten Schriftsteller von diesem vorwürfe nicht 
frei sind, daß endlich solche angaben nur stilistische Wendungen 
sind , die Pausanias sich besonders aus Herodot angeeignet ha- 
ben mag. Jedenfalls folgt aus dergleichen einkleidungen nicht, 
daß der Perieget überall, wo er die autopsie betont, schwindle. 
Auch unsre reiselitteratur hält sich nicht immer in den grenzen 
eines schlichten berichtes, und lesefrüchte vermengen sich leicht 
mit den eignen erlebnissen; eine verurtheilung des ganzen folgt 
nicht aus der aufdeckung einzelner irrthümer , Übertreibungen 
und erfindungen. Daß Pausanias ältere werke benutzt hat, ist 
zweiffellos ; aber so lange man zugiebt, daß er in Griechenland 
gereist ist, muß die behauptung, daß er uns das Griechenland 
von 200 v. Chr. und nicht das seiner zeit geschildert hat, dem 
berechtigtsten Widerspruch begegnen, zumal da zahlreiche notizen, 
ja die beschreibung einer ganzen Stadt (Korinth) auf das ge- 
gentheil führen. Die beweise, welche Kalkmann für diese an- 
nähme anführt , sind denn auch nicht hinreichend und beruhen 
zum theil auf einer künstlichen gruppierung des materials. Eine 
arge Übertreibung ist es , wenn Kalkmann von einer „ansehn- 
lichen hafenstadt" redet, die uns Pausanias im Piraeus schil- 
dere ; die wenigen heiligthümer und statuen und die fiaxgn 
Gtoä am hafen machen das bild von den Überresten der einst so 
Philol. Anz. XVIL 11 



150 ^31. Pausanias. Nr. 2. 

blühenden hafenstadt nicht glänzend; daß der kleine ort (oUytj 
xaioixla bei Strabo), der daraus geworden, einen marktplatz hat, 
vielleicht an derselben stelle, wo einst der hippodamische glänzte, 
ist nicht auffallend, ebenso wenig daß von den großartigen hafenbau- 
ten der vorsullanischen zeit eine anzahl schiffshäuser erhalten sind ; 
auch Plut. Süll. 14 sagt nur: xa) tu nie lata xarixavatr. 
Das große arsenal {önXo&i'jx-rj) des Philon wird von Pausanias 
nicht erwähnt. Und in der that ist es unglaublich , daß der- 
selbe, der so ausführlich von der Zerstörung Athens durch Sulla 
berichtet hat, von dem Schicksal des Piraeus nichts hätte wissen 
sollen; vielmehr klingt in dem ausdruck xa) vstna xai ig ifts 
rjoav olxoi deutlich genug das hindurch , was er seinen Zeitge- 
nossen nicht erst weiter zu erklären brauchte. Daß Pausanias 
nicht so thöricbt gewesen, einfach ein dreihundert jähre vor sei- 
ner zeit geschriebenes buch , unbekümmert um die gegenwart, 
auszuschreiben, beweist die dem verf. höchst unbequeme stelle 
7, 20, 6, in der der Perieget erwähnt, daß das Odeion des He- 
rodes von ihm in der beschreibung von Athen noch nicht habe 
angeführt werden können, weil es zur zeit seiner anwesenheit noch 
nicht gebaut gewesen sei. Das argumentum ex silentio, das vom verf. 
mit Vorliebe angewendet wird, ist bei Pausanias nicht statthaft, 
am wenigsten bei der lückenhaften beschreibung von Athen ; 
wer einen zwingenden schluß daraus ziehen will , daß in der- 
selben einige bauten der zeit von 150 v. Chr. bis 100 n. Chr. 
fehlen, der mag uns erst erklären, warum der stadttheil Melite, 
das sogenannte Theseion , das Leokorion u. s. w. übergangen 
sind. Nicht jedes bauwerk, von dem uns zufällig Überreste er- 
halten sind , wie der Augustustempel auf der Akropolis , das 
Horologium des Andronikos, die Atheuepyle am markt u. s. w. 
werden in der fülle der denkmäler das gleiche interesse des an- 
tiken reisenden erregt haben, und daß Pausanias in der that 
„nutzbauten" unberücksichtigt läßt, das geht, wenn wir es nicht 
schon wüßten, aus dem von Kalkmann p. 57 zur Widerlegung 
zusammengestellten Verzeichnis hinreichend hervor. Dazu kommt 
noch , daß Pausanias eine anzahl von bauten und denkmälern 
aus der zeit nach 150 v. Chr. erwähnt bis zum Stadion des 
Herodes Attikus ; hierbei sieht sich Kalkmann genöthigt von 
„reisereminiscenzen" und „jüngeren einlagen" oder gar von „ab- 
geleiteten" quellen zu reden, so daß er hier, wie bei der olym- 



Nr. 2. 31. Pausanias. 151 

pischeu Periegese , an einen „modernisierten Polemon" zu den- 
ken scheint ; damit ist der willkür thür und thor geöffnet. Ich 
leugne durchaus nicht, daß Pausanias namentlich hei der auf- 
zählung der denkmäler der Akropolis und der heiligen straße 
die Sammlungen eines Polemon benutzt haben kann; ich halte 
dies sogar für wahrscheinlich ; aber ehe behauptet werden kann, 
daß die gesammte Athenperiegese in ihrem grundstock aus Po- 
lemon hervorgegangen ist , muß erst nachgewiesen werden , daß 
dieser eine Periegese in ähnlicher anläge und gleichem umfang, 
wie Pausanias, verfaßt hat; die titel tzsqI tmv üra&ijfiüzcov twv 
sv ay.QonöXsi und negl t7jg uqüs 6dov weisen nur auf skulptur- 
werke und inschriften hin, womit der beiname aztjkoxonag gut 
zusammenstimmt; eben der umstand, daß auch Pausanias mit 
Vorliebe die bildsäulen aufzählt , auch da , wo er die bauwerke, 
vor oder in denen sie stehen , übergeht , macht es mir wahr- 
scheinlich, daß er sich in diesen dingen aus Polemon unterrich- 
tet hat. In welcher weise die „avTiygaqiat" die Periegese be- 
handelt haben, wissen wir nicht mehr; unbegreiflich ist mir die 
behauptung p. 61 : „die fragmente der aviiyguyai (fr. 39 ff.) 
zeigen den eifrigen Periegeten bewandert im ganzen attischen 
lande" , nur fr. 48 und das bekannte urtheil über Eratosthenes 
lassen sich auf attische topographie beziehen. 

Genau in der gleichen weise , wie die attische Periegese, 
wird die olympische behandelt ; es ist geradezu auffallend , wie 
sehr sich verf. dagegen sträubt, eigene zuthaten des Pausanias 
von einiger bedeutung anzuerkennen. Durch die Untersuchungen 
von Treu und Hirschfeld ist es sehr wahrscheinlich gemacht, 
daß der Perieget sich selbst die mühe erspart hat, die inschrif- 
ten der siegerstatuen , die er bei Polemon genau verzeichnet 
fand , noch einmal zu kopieren ; auch seine angaben über die 
entwicklung der spiele mögen in der hauptsache auf denselben 
gewährsmann zurückgehen ; wenigstens belehren uns Plutarch 
und die Pindarscholien , daß dieser darüber ausführlich gehan- 
delt hat; wie weit aber sonst Polemon benutzt ist, läßt sich 
nicht mehr erweisen. „Das von Polemon befolgte System fühlt 
man heraus". Aber niemand weiß auch nur im allgemeinen 
anzugeben , welches System Polemon befolgt hat ; Kalkmann 
meint , für ihn sei die periegetische anordnung maßgebend ge- 
wesen ; mit demselben rechte könnte man behaupten , daß Pau- 

11* 



152 31. Pausanias. Nr. 2. 

sanlas seine sachliche anordnung aus seiner quelle entlehnt habe. 
Daß dieser innerhalb seiner gruppierung einen wohlzusammen- 
hängenden weg befolgt, kann nicht geleugnet werden-, und von 
nicht zu unterschätzender bedeutung ist es, daß auch die weih- 
geschenke des Mummius an richtiger stelle eingefügt sind ; wenn 
mehrere bauten zweimal erwähnt sind, so geschieht es nur zu 
erneuter Orientierung, was die sachliche anordnung nothwendig 
machte ; der Vorwurf, der an das wiederholte „überspringen zum 
Leonidaion" geknüpft ist, erledigt sich, seitdem der südwestbau 
sicher als Leonidaion erkannt ist. Damit fällt auch der Vor- 
wurf, daß „das größte werk der profankunst aus guter griechi- 
scher zeit in Olympia übergangen ist" ; wer aber einmal ein sol- 
ches versehen annahm , durfte aus der übergehung der Exedra 
des Herodes keinen Schluß ziehen. Möglicher weise ist Pausa- 
nias früher in Olympia gewesen , als dieser bau fertig war — 
die datirung desselben durch Weil scheint mir nicht über jeden 
zweifei erhaben ; — die reise desselben in Griechenland scheint 
geraume zeit vor der abfassung des zweiten bis letzten buches zu 
fallen — die Zeitbestimmung 5,1,2 darf natürlich nicht mit 
Kalkmann auf die reise, sondern muß auf die ausarbeitung be- 
zogen werden. Doch ist diese erklärung nicht nothwendig; Pau- 
sanias kann, wie so manches andre, auch die Exedra des He- 
rodes übergangen haben. Von diesem Athener wird übrigens ein 
andres weihgeschenk angeführt, welches Kalkmann übersehen zu 
haben scheint: 6, 21, 7 im Demetertempel eine Köre und De- 
meter von pentelischem marmor; dadurch erledigt sich der Schluß, 
den er p. 102 aus dem „jüngsten datum" zieht. 

Die besprechung der delphischen Periegese führt mich auf 
ein beweismittel , das mir ganz hinfällig erscheint. Wenn Pau- 
sanias im 5. buch auf das 10. und in diesem auf jenes verweist, 
so ist dies nach Kalkmann kein zeugnis dafür, daß der Schrift- 
steller im ganzen nach einem einheitlichen plan gearbeitet hat, 
wofür auch andre verweise sprechen, sondern daß das 10. buch 
aus der gleichen hauptquelle wie das 5. geschöpft hat; mithin 
scheint Kalkmann anzunehmen, daß diese verweise aus Polemon 
selbst stammen. Was der Verfasser sonst noch für die autor- 
schaft des Polemon in der delphischen Periegese anführt , ist 
von geringer bedeutung ; der räum gestattet mir nicht auf alles 
einzelne einzugehen ; nur möchte ich ausdrücklich zurückweisen, 



Nr. 2. 31. Pausanias. 153 

daß der mythologische commentar zu den Leschegemälden auf 
diese quelle zurückgeführt wird ; wahrscheinlicher ist es , daß 
Pausanias mit hülfe eines handbuchs ihn selbst gearbeitet hat; die 
Verwechslung der Ilias mikra mit der Iliupersis scheint dafür zu spre- 
chen ; denn die annähme Kalkmanns, daß die citate aus einer von 
der Ilias Mikra zu trennenden , unter dem namen des Lesches 
gehenden Iliupersis stammen, ist nicht haltbar; vielmehr müssen 
wir bei der frühern annähme stehen bleiben , daß Pausanias, 
ohne es zu wissen , mit seiner Iliupersis des Lesches und der 
anonym citierten Ilias mikra dasselbe gedieht citiert hat. Die 
stelle über den tod des Astyanax 10, 25, 9, sowie die zu dem 
gemälde in keiner beziehung stehende notiz über Melanippos, 
c. 25, 7, weisen ebenfalls darauf hin, daß der stoff aus einer 
reicheren fundgrube (der beweis dafür, daß diese Alexander Po- 
lyhistor sei, läßt sich nicht führen) geschöpft ist. 

Noch geringer sind die resultate über die periegetischen 
quellen der übrigen abschnitte; nur für Lakonien wird noch an 
Polemon gedacht, doch wohl hauptsächlich, um die beschreibung 
des amykläischen thrones mit der der Kypseloslade und der 
Polygnotgemälde unter die gleiche firma zu bringen ; im betreff 
der andern Periegesen wird Polemon als gewährsmann ausdrück- 
lich abgelehnt. Im allgemeinen ist zu bemerken, daß die Schrift- 
steller, welche Kalkmann als quellen vermuthet, kaum Periegeten 
genannt werden können. Was wissen wir von Kalippos' buch 
über Orchomenos , was von den Argivern Agias , Derkylos und 
Deinias oder dem Tegeaten Ariaithos ? Aus den wenigen frag- 
menten, die von ihnen erhalten sind, können wir wohl schließen, 
daß sie die sagen und denkwürdigkeiten ihrer heimath gesam- 
melt haben ; von Städtebeschreibung aber findet sich nicht die 
geringste spur. Ansprechend erscheint mir , wenn Kalkmann 
die achäischen lokalsagen auf Rhianos zurückführt, der ja be- 
kanntlich der gewährsmann in der messenischen geschichte ist; 
aber eine Periegesis dürfen wir auch für diesen dichter nicht 
voraussetzen. Fast scheint es auch , als führe Kalkmann die 
topographischen partieen von Messenien , Argos , Achaia und 
Boiotien in der hauptsache auf die geographische quelle zurück ; 
nur für die arkadischen städfe wird die periegetische quelle 
noch einmal in anspruch genommen , das aber hat seine beson- 
dre bewandtnis. Strabo macht 8, 388 zu Mantineia folgende 
bemerkung: xul avzij d« nou 'Oqxohwoq xal 'HgaCa xai KXsikoq 



154 31. Pausanias. - Nr. 2. 

nal &evs6g nal Zrvpicfalog nal Malvalog nal Me&vdgiov nal Ka- 
(pvetg nal Kvvaida ij oux«V eioiv i] polig avrmv t^vrj yaCverai 
nal oqfAEta. Teyea ö' sn [isTglug avpipiivEi .... Kalkmann 
mißtraut zwar selbst dem gewicht dieser stelle und weist aus 
Pausanias nach , daß die existenz zweier städte , Mantineia und 
Kynaitha, über Strabo hinaus durch kaiserliche Stiftungen hin- 
länglich gesichert wird ; dennoch zieht er daraus, daß bei Pau- 
sanias von den übrigen städten nur Mainalos als zerstört ange- 
geben wird, dagegen Kapbyai, Kleitor, Stymphalos, Methydrion, 
Pheneos und Tegea beschrieben werden, den Schluß, daß Pau- 
sanias hierbei aus altern weit vor Strabo liegenden lokalen 
quellen schöpfe. Die sache ist wichtig genug; denn sie wäre 
entscheidend für die frage, ob der Perieget Arkadien selbst be- 
sucht hat. Nun sind uns aber von drei der genannten städte, 
nämlich Kaphyai, Heraia und Pheneos münzen aus der zeit des 
Septinrius Severus und Caracalla erhalten , und von ihnen , wie 
von Orchomenos, Kleitor und Stymphalos beweisen noch jetzt 
die Überreste, daß ihre spuren sich niemals ganz verloren haben *, 
Kalkmann weist auch mit unrecht die möglichkeit zurück , daß 
sich einige dieser orte in der kaiserzeit wieder erholt haben 
können. Nicht nur Mantineia und Kynaitha hatten sich der gunst 
des kaisers Hadrian zu erfreuen, für Tegea beweist das gleiche 
Corp. inscr. 1521. Wenn wir außerdem noch erwägen, daß die 
beschreibung der mehrzahl dieser städte sich in sehr bescheide- 
nen grenzen hält, zumeist sich auf einige heiligthümer beschränkt, 
so dürfte der Perieget bei billig denkenden lesern vor dem Vor- 
wurf geschützt sein, daß er dinge beschrieben habe, von denen 
zu seiner zeit jede spur verschwunden gewesen sei. 

Ich habe bereits von der geographischen quelle gesprochen 
welche Pausanias außer den periegetischen lokalquellen benutzt 
haben soll. Enmann hat das verdienst gefunden zu haben, daß 
die geographischen Homerstudien bei Pausanias in naher Ver- 
wandtschaft mit den strabonischen stehen. Eratosthenes ist, so- 
weit wir erkennen, der begründer dieser erudition ; an ihn rei- 
hen sich berichtigend und ergänzend Demetrios von Skepsis, 
Apollodoros und Artemidoros von Ephesos. Von allen diesen 
sind uns reste bei Strabo erhalten ; für Pausanias nimmt En- 
mann als gewährsmann Artemidoros an, weil er 5, 5, 9 einen 
avrjQ 'Eyhiog citiert. Wem es nicht gerade auf einen namen 



Nr. 2. 31. Pausanias. 155 

ankommt, der begnügt sich mit dem zweifellosen ergebnis, daß 
die Homergeographie des Pausanias auf die Studien jener ge- 
lehrten zurückgeht. Kalkmann erweitert sogleich den kreis ; 
aus derselben quelle, aus welcher die Homergeographie stammt, 
sollen auch alle übrigen geographischen angaben über entfer- 
nungen, grenzen, küstenbeschreibungen u. ä. entlehnt sein , was 
ja in hinblick auf Strabo für möglich, aber gewiß nicht als si- 
cher erklärt werden kann. Dabei kann die grenze zwischen 
der periegetischen und geographischen quelle nicht scharf ge- 
zogen werden-, vielmehr wird verf. offenbar mehr durch seine 
hypothesen als durch sachliche erwägungen bestimmt, den stoff 
zwischen beide zu vertheilen. Vor allem liegt ihm daran , das 
alter der geographischen quelle zu bestimmen Wie er dazu 
neigt den Pausanias nicht den Polemon direkt, sondern eine 
jüngere bearbeitung desselben benutzen zu lassen (p. 102 anm. 4 
wird schüchtern anf den Periegeten Praxiteles aufmerksam ge- 
macht) , so bemüht er sich hier die geographische quelle in 
die augusteische zeit herabzudrücken , um zuletzt den geogra- 
phen Menippos von Pergamon mit aller reserve empfehlen 
zu können. Darum ergreift er mit beiden händen gerade den 
schwächsten theil der Enmann'schen beweisführung, welcher 
nachweisen soll, daß einige angaben des Pausanias auf eine 
jüngere quelle zurückgehen, als die entsprechenden bei Strabo. 
Ich sage : den schwächsten theil ; denn ich verstehe z. b. nicht, 
warum die bemerkung bei Strabo über das homerische Messa: 
ovda^ov Seixtvadai qiaai voraussetze, daß bis zu dem gewährs- 
mann derselben niemand diese Stadt an der lakonischen küste 
lokalisiert habe ; im gegentheil , ich fasse diese bemerkung als 
einen Widerspruch gegen diejenigen , welche ihre existenz bis 
zur gegenwart unter anderm namen behauptet haben. Alle die 
stellen, die von Enmann und Kalkmann für ihre beweisführung 
angeführt werden , können meines erachtens mit gleichem recht 
für das umgekehrte verwendet werden. Wie dem aber auch 
sei , auch aus ihrer beweisführung ergiebt sich nicht mehr , als 
was Enmann geschlossen hat, daß die quelle des Pausanias 
zum theil jüngeres vortrage, als Strabo aus seinen quellen 
geschöpft habe ; nicht aber, daß sie jünger als Strabo oder ihm 
gleichzeitig gewesen sei. Daß es nicht Artemidoros sei, glaubt 
Kalkmann mit Sicherheit aus 3, 23, 2—6 erweisen zu können. 



156 31. Pausanias. , Nr. 2. 

Hier wird die läge von Epidauros Liraera und dem Apollohei- 
ligthuni Epidelion übereinstimmend mit Artemidoros bei Strab. 
8, 368 augegeben, nur daß hier dtjXiov gelesen wird ; aber Pau- 
sanias erzählt dazu die geschichte von dem schnitzbild des 
Apollon, das aus Delos heraDgeschwommen sei , nachdem Meno- 
phanes, des Mithridates feldherr, diese Stadt zerstört habe. „Dies 
Aition, weil eng mit der periegese (= geographische quelle?) 
verwoben, kann nicht aus fremder quelle zugesetzt seiu(!); 
Strabo kennt es nicht , da Artemidor es nicht kennen konnte. 
Trotz jener scheinbaren Übereinstimmung zwischen Artemidor 
und Pausanias benutzt dieser also eine jüngere quelle als Ar- 
temidor". Dies ist sicher ein lehrreiches beispiel Kalkmann'- 
scher argumentation : ein geschichtchen , das sich vielleicht die 
leute dort im 1. oder 2. Jahrhundert v. Chr. ausgedacht haben, 
um den namen Ji'ßiov oder 'Emd/jhor zu erklären, muß aus 
der geographischen quelle entlehnt sein , damit diese nicht Ar- 
temidoros sei ! 

Freilich Kalkmann kann schließlich auch dieses argument 
entbehren ; denn durch ein weit gewichtigeres läßt sich das al- 
ter der geographischen quelle auf die zeit zwischen dem krieg 
des Augustus mit Antonius und 25 n. Chr. (nachher sogar 23 
n. Chr. , letzteres allerdings argurnento ex silentio) bestimmen. 
Von den messenischen städten Thuria und Pharai erzählt näm- 
lich Pausauias (4, 31, 1. 30, 2), daß Augustus sie den Lace- 
dämoniern geschenkt habe, weil die Messenier den Antonius un- 
terstützten. Nun aber wissen wir aus Tacitus (4, 43), daß der 
kaiser Tiberius im jähre 25 den sogenannten ager Denthaliates 
und damit auch das gebiet dieser städte den Messeniern zuge- 
sprochen habe; daß diese entscheidung endgültig gewesen sei, 
beweisen die bekannten grenzsteine auf dem Taygetos. Pausa-' 
nias hat also eine grenze zwischen Messenien und Lakonien an- 
genommen , wie sie von jener Schenkung des Augustus an bis 
zur entscheidung des Tiberius bestanden habe. Aber wenn 
Pausanias von jenen städten erzählt, Augustus habe sie einmal 
den Lacedämoniern geschenkt, folgt daraus, daß er sie noch für 
lakonisch zu seiner zeit hält? Das gegentheil vielmehr deutet 
er damit an , daß er sie in dem messenischen abschnitt behan- 
delt. Letzteres ist auch dem verf. nicht entgangen ; er sucht 
dies damit zu erklären, daß Pausanias, wenn er Thuria und 



Nr. 2. 31. Pausanias. 157 

Pharai unter Lakonien behandelt hätte , die messenische perie- 
gese zerrissen haben würde , da Augustus den Messeniern die 
östliche küste des messenischen busens bis zur Choiriosschlucht 
gelassen habe. Pausanias sagt nämlich 4, 1, 1, daß nach kai- 
serlicher entscheidung die Choiriosschlucht die grenze zwischen 
Messenien und Lakonien sei. Er sagt dies offenbar in bezie- 
hung zu 3, 26, 7, wonach Kardamyle von Messenien abgerissen 
und den Lakedämoniern zugesprochen worden sei. Ist es nun 
glaublich , daß Augustus , als er den Messeniern Thuria und 
Pharai nahm , ihnen die Enklave von Abiai ließ ? Vielmehr 
werden wir annehmen, daß die 4, 1, 1 erwähnte grenzberich- 
tigung auf einer zweiten kaiserlichen entscheidung beruht, durch 
welche den Messeniern der ager Denthaliades bis zur Choirios- 
schlucht zurückgegeben , dagegen das früher messenische gebiet 
von Kardamyle bei Lakonien belassen wurde. Diese zweite 
kaiserliche entscheidung könnte die des Tiberius sein : denn 
Pausanias redet 4, 1, 1 nur vom ßaoiXetv (so auch 5, 1,2, wo Cäsar 
8, 1 6, 5, wo Titus, 8, 29, 2, wo vielleicht Tiberius gemeint ist) ; will 
man aber wegen der beziehung zu 3, 26, 7 an Augustus festhalten, 
so müßte man annehmen , daß bereits dieser in späterer zeit 
den Messeniern zum größeren theil zurückgegeben, was er ihnen 
früher genommen habe, und das würde auch bei Tacitus zu le- 
sen sein , wenn wir den Aticlius Geminus daselbst als praetor 
der augusteischen zeit annehmen; in diesem falle hätte Tiberius 
nur bestätigt, was Augustus schon festgesetzt hatte: da die 
Lacedämonier zuerst reden, so werden sie wohl die kläger sein, 
sie beanspruchen , die Messenier vertheidigen. Wenn übrigens 
etwas bei Pausanias zu beanstanden ist , so sind es eher die 
notizen 4, 30, 2. 31, 1 , die bekanntlich mit Tacitus in einem 
Widerspruch stehen, der auch von Mommsen , Arch. ztg. 1876, 
p. 138, anm. 16 nicht genügend gelöst ist; möglicher weise hat 
Pausanias an diesen stellen Augustus und Antonius mit einan- 
der verwechselt. Jedenfalls ist die sache so verwickelt, daß es 
unstatthaft ist, darauf einen chronologischen ansatz zu gründen. 
Mit besonderem interesse habe ich den abschnitt über das von 
Pausanias benutzte mythologische handbuch gelesen. Leider ver- 
stimmt' auch hier wieder der Schluß, der uns belehrt, daß die vor- 
hergehende beweisführung nur darauf angelegt ist, uns einen gram- 
matiker aus des Tiberius' zeit namens Seleukos als möglichen 



158 31. Pausanias. , Nr. 2. 

gewährsmaan vorzustellen. Die materie erfordert meines erach- 
tens erneute durcharbeitung. Als gesichert kann betrachtet wer- 
den, was man schon vor Kalkmann gewußt hat, daß das mytho- 
logische material bei Pausanias nicht von diesem aus den dich- 
tem und alten mythographen unmittelbar geschöpft ist, sondern 
aus den gleichen hilfsmitteln , die von den scholien und com- 
pendien, wie dem sogenannten Apollodoros, beuutzt worden sind. 
Der echte Apollodoros für die götterlehre, Dionysios Skytobrachion 
und Lysimachos für die heldensage sind die uns bekannten haupt- 
träger dieser erudition. Mehr läßt sich zunächst nicht mit Sicherheit 
bestimmen. So ist es sehr zweifelhaft , ob Pausanias für die 
götterlehre und die heldensage die gleiche quelle benutzt hat;; 
dagegen ist es sehr wahrscheinlich, daß die citate der apokry- 
phischen dichter Pamphos , Ölen , Liuos , Orpheus und Musaios 
aus einer quelle stammen. Auch Kalkmann ist nicht weit von 
dieser annähme entfernt, wenn er p. 236 bemerkt, daß dem Pe- 
riegeten für alles , was mit mysterien zusammenhängt , eine be- 
sondere quelle zu geböte stand; aber das bestreben, sein „my- 
thologisches handbuch" durch die aufnähme von citaten aus 
Pamphos, Ölen und Linos in eine spätere zeit zu rücken, ver- 
führt ihn, seiner eignen methode untreu zu werden. Hätte das- 
selbe wirklich den Linos citiert , so dürfte man mehr als ein 
citat bei Pausanias erwarten, wenn dieser auch die unter seinem 
namen überlieferten gedichte für unecht hielt ; ist es ferner glaub- 
lich, daß Pamphos, der sonst so gut wie gar nicht citiert wird, 
bei Pausanias aus drei quellen stammen soll? Denn nach Kalk- 
mann soll er 1) im „mythologischen handbuch" citiert gewesen 
sein (p. 234) , 2) soll Pausanias seinen hymnus auf Demeter 
selbst gelesen und excerpiert haben (p. 234) und 3) sollen andre ci- 
tate von ihm aus der mysterienquelle stammen (p. 336). Vergleichen 
wir dagegen alle stellen, in denen die oben genannten apokryphi- 
schen dichter vorkommen, so dürften sich mehrere anhaltspunkte zur 
annähme einer gemeinsamen quelle finden. Ist es zufall, daß in der 
Linosstelle 8, 18, 1 die echtheit der Theogonie ebenso bezweifelt 
wird, wie im Charitenkapitel 9, 35, 4. 5 und in dem Erosab- 
schnitt 9, 27, 2, wo Pamphos, Ölen und Orpheus citiert werden (da- 
gegen 1, 28, 6 und 9, 30, 3 ohne obelos)? Mit dem Erosabschnitt, 
wo die für die Lykomiden gedichteten hymnen angeführt wer- 
den, vergleiche man wieder 1, 22, 7 und 9, 30, 12 und damit 



Nr. 2. 32. Antiphon. 159 

wieder 1, 14, 3 u. s. w. ; auch ist in dem Charitenkapitel der 
dem Pamphoscitat vorausgehende satz: nagu de uvratg rsXerrjv 
uyovciv ig 7ot s' nokXoig anoQQrjtov nicht zu übersehen •, der „un- 
gehörige zusatz" (p. 204) kann vielleicht auf die richtige spur 
führen. Diese andeutungen mögen hier genügen. Wie sich 
aber aus den Pamphos - Ölen - Linoscitaten meines erachtens kein 
Schluß auf das alter der mythologischen hauptquelle, wenn über- 
haupt eine einzige anzunehmen ist, ziehen läßt, ebensowenig aus 
der paradoxen notiz über den im Orontes aufgefundenen riesen- 
leichnam, 8, 29, 2; denn von dieser ist am wenigsten anzuneh- 
men, daß sie aus dem „mythologischen handbuch" stammt. Man 
wird dem verf. gern das zeugnis ausstellen , daß er mit großem 
fleiß gerade in diesem abschnitt das material zusammenge- 
stellt hat; aber die behandlung desselben kann uns nur zei- 
gen, wie schwierig, ja vielleicht unmöglich es ist, in diesen 
quellenfragen zu einem sicheren ergebnis zu kommen ; scheint 
es mir doch noch sehr zweifelhaft , ob Pausanias wirklich so 
mechanisch und fast möchte man sagen kindisch gearbeitet hat, 
wie man annehmen muß , wenn man dem Verfasser in seinen 
Schlüssen folgen will. 

Kalkmanns buch wird für die nächste zeit als material- 
sammlung von jedem Pausaniasforscher mit dank benutzt werden ; 
ob seine beurtheilung der arbeitsweise des Pausanias über den 
engeren kreis seiner wissenschaftlichen freunde hinaus beifall 
finden wird, wird die zukunft lehren; daß seine ergebnisse in 
den einzelnen quellenfragen mit begründetem mißtrauen aufzu- 
nehmen sind , hoffe ich in dieser anzeige gezeigt zu haben. 

Konrad Seeliger. 

32. Dr. Josef Kohm, ein beitrag zur frage über die 
echtheit der tetralogien des redners Antiphon. Prag 1885. 
[Programm von Arnau], 30 p. 8. 

33. Dr. J. Kohm, ein beitrag u. s. w. (derselbe titel), Schluß. 
1886. Buchdruckerei G. Pohl, Hohenelbe, Selbstverlag. 40 p. 8. 

Die beiden schriftchen bilden ein ganzes, und behandeln 
die frage nach der echtheit der antiphonteischen tetralogien in 
sehr ausführlicher und methodischer, freilich nicht ganz umfas- 
sender weise. Zuerst wird die geschichte der ganzen frage ge- 
nau und gründlich dargelegt; alsdann die äußere beglaubigung 



160 33. Antiphon. Nr. 2. 

der tetralogien ; ferner Antiphons rhetorische thätigkeit, mit der 
die abfassung solcher werke zusammenhängt. Die zweite schrift 
sodann erörtert die frage, ob die tetralogien „nach thema und 
form, nach inhalt und ausführung etwas enthalten, was mit ih- 
rer echtheit nicht zu vereinigen wäre". Aus allem zieht der 
verf. das ergebnis , daß man diese Schriften als echt anzusehen 
habe. Es ist nun zu bedauern, daß er bei einer so eingehen- 
den und sorgfältigen Untersuchung es meidet, auf diejenige seite 
einzugehen, wo sich wirklich Schwierigkeiten finden : wir meinen 
den ausdruck. Die unterschiede im partikelgebrauche zwischen 
den reden und den tetralogien hatte schon Spengel aufzudecken 
begonnen; andre sind mit ähnlichen beobachtungen gefolgt: wie 
dürfte man die frage als erledigt ansehen , so lange nicht diese 
instanzen hinweggeräumt sind? Insbesondre die erste abhand- 
lung liefert für einen beweis der echtheit sehr wenig material. 
Daß Harpokration und andre lexikographen , nach gemeinsamer 
quelle, wie der verf. darlegt, die tetralogien benutzten, beweist 
bei diesen Schriften genau so viel oder so wenig wie bei 
den andern , in gleicher weise citirten. Daß aber die ge- 
meinsame quelle Caecilius' avtray/ta neo) 'ArtiqiävTog sein sollte, 
wie der ve'rf. I, p. 19 meint, ist ganz unmöglich, da dies ja 
keine lexikalische schrift war. Es würde aber auch dann noch 
nicht viel gewonnen sein, wenn Caecilius' anerkennendes urtheil 
zweifellos feststände. — Ebenso, wenn wirklich echte qi]toq)x(u 
tijyai von Antiphon vorhanden waren, so fehlt darum noch jede 
möglichkeit des schließens auf die echtheit dieser tetralogien. 
Dies gilt auch von dem nachweise im zweiten theile , daß die 
vorausgesetzten institutionen die attischen sind ; nur ist dieser 
nachweis deshalb wichtiger , weil die unattischen sprachformen 
den verdacht einer entstehung außerhalb Athens nahelegen kön- 
nen. Der rest ist sodann analyse des inhalts , sehr dankens- 
werth , aber für die aufgeworfene frage ohne die tragweite, 
welche der verf. selbst seinen ausführungen beimißt. Jemand, 
der die tetralogien heutzutage für unecht hält — ref. ist nicht 
in diesem falle — , wird nach durchlesung dieser abhandlungen 
sich in seiner ansieht nicht beunruhigt finden. Denn die ähn- 
lichkeit zwischen reden und tetralogien ist weder vom verf. als 
derartig nachgewiesen, noch in Wirklichkeit derartig, daß sie, 
wenn unecht , „im hinblicke auf die echten reden" Antiphons 



Nr. 2. 34. Isokrates. 161 

gearbeitet sein müßten (II, p. 36). Diese schwäche seines gan- 
zen beweises hätte auch dem verf. nicht entgehen dürfen. Wir 
machen dennoch zumal wegen der vielen nachweise und anfük- 
rungeu im einzelnen auf die Schriften empfehlend aufmerksam. 

F. Blaß. 

34. H. Bu ermann, die handschriftliche Überlieferung 
des Isokrates. II. Der Urbinas und seine Verwandtschaft. 
Wissenschaftliche beilage zum programm des Friedrichs-gymna- 
siums. Ostern 1886. Berlin 1886. 22 p. 4. 

Der erste theil der abhandlung Buermanu's über die iso- 
kratischen handachriften erschien als osterprogramm des Jahres 
1885, und ist in diesen blättern 1885 nr. 7, p. 410 ff. bespro- 
chen worden. Der vorliegende zweite theil reicht nun nicht 
so weit, wie damals in aussieht gestellt wurde : nicht die hand- 
schriften der familie des Urbinas /", sondern nur diese hand- 
schrift selbst kommt zur behandluug. Ueber dieselbe hatten 
wir schon die kleine schrift von Martin : Le manuscrit d'Isocr. 
Urbinas CXI de la Vaticane (Paris 1881), auf welche der verf. 
für die geschichte des codex und auch größtentheils für die be- 
schreibung desselben verweist. Er beschäftigt sich in der haupt- 
sache mit den correkturen im Urbinas , die er viel genauer er- 
örtert als Martin gethan. Mit den hauptergebnissen des Franzo- 
sen trifft er dennoch , wie sich bei der Sorgfalt auch des letz- 
teren begreift, in der regel zusammen ; aber er präcisirt schärfer 
und zieht die folgerungen für die recension des textes. Diese 
folgerungen lauten dahin, daß die vom Schreiber selbst, oder 
von den älteren , nahezu mit jenem gleichzeitigen händen gege- 
benen correkturen und insbesondere nachtrage in der regel auf- 
zunehmen, dagegen die correkturen der späteren hände, als nach 
einem mit der vulgata verwandten exemplare geschehen , mit 
derselben vorsieht wie die abweichungen der vulgata zu beur- 
theilen seien. Von der ersten regel sind auszunehmen und der 
zweiten zu unterwerfen eine anzahl bestimmt kenntlicher nach- 
trage und Varianten aus vergleichung, die theils der erste Schrei- 
ber aus seiner vorläge mit herübernahm , theils ein alter cor- 
rektor anmerkte. Die anwendung dieser regeln ergiebt mit be- 
zug auf den text des ref. einige, jedoch nicht allzu zahlreiche, 
abänderungen. Antid. § 136 war ich auch schon früher ge- 



162 35. Plautus. Nr. 2. 

neigt, die worte nöcovs de räv nooyeystnjpisvcov avmvvfiövg slvai, 
die wegen ihres fehlens in F, seit Bekker getilgt sind , mit 
Havet wieder aufzunehmen, wiewohl die stelle im übrigen nicht 
in Ordnung zu sein scheint. (Zu vergleichen ist für §134 — 137 
die nachahmung bei Isidor von Pelusion Epist. V, 479.) Das. 
177 möchte Buermann das nnlv nltioo des corr. 2 herstellen, 
welches auch die vulgatlesart ist, für nolvnXaaim des corr. l b , 
welches Bekker aufgenommen ; von erster band stand wohl nolv 
naoioi da, immerhin, wie Buermann annimmt, aus einem 110- 
ATflAElQ der vorläge hervorgegangen. Mir scheint nolv nlitco 
auch jetzt matt , und die weitere besserung der correktur von l b 
in nolXanläaiov durch die parallelstelle Archid. 8 empfohlen. — 
Am Schlüsse werden die Varianten von TdQA zu den letzten 
§§ der Antidosis gegeben; die von Td für Paneg. § 51 — 99, 
welche nach p. 3 ebenfalls beigefügt werden sollten, haben aus 
mangel an räum mit sammt der zweiten hälfte dieses gan- 
zen theils, der darlegung über die Verwandtschaft des Urbinas, 
zurückgestellt werden müssen. Hoffen wir, daß Buermann uns 
bald mit dieser fortsetzung erfreut. 

F. Blaß. 



35. T. Macci Plauti comoediae. Eecensuit et enarravit 
Ioannes Ludovicus Ussing. Volumen quintum Persam 
Rudentem Stichum Trinummum Truculentum continens. Havniae 
MDCCCLXXXVI. Sumtibus librariae Gyldendalianae. 662 p. 8. 

In diesem bände liegt uns der abschluß der Ussing'schen 
Plautusausgabe vor, es fehlt nur Cistellaria und Casina, welche 
die erste hälfte des dritten bandes bilden sollen, deren erschei- 
nen einstweilen mit rücksicht auf das (beiläufig bemerkt schon 
recht lange vergeblich erwartete) apographum des cod. Ambro- 
sianus , was Studemund zu veröffentlichen in aussieht gestellt 
hat , verschoben worden ist. Wie vorauszusehen war , ist der 
letzte band nicht geeignet, das im allgemeinen ungünstige ur- 
theil, welches die deutsche philologie über das werk gefällt hat, 
irgendwie zu ändern. Wir sehen hierbei ab von der auffassung 
der für Plautus gültigen metrischen und rhythmischen gesetze, 
da die ansichten in diesen punkten überhaupt sehr auseinander 
gehen , jedenfalls darf man aber mit recht behaupten , daß Us- 
sing nichts zur klärung der streitigen anschauungen und zur 



Nr. 2. 35. Plautus. 163 

förderung unserer erkenntniß nach der erwähnten riektung hin 
beigetragen hat. Dafür hätte uns aber doch der commentar 
Ussing's billiger weise in der exegese entschädigen müssen, na- 
mentlich durch belehrung über Plautinische spräche in formaler 
syntaktischer stilistischer phraseologischer beziehung. Wenn nun 
auch Ussing im einzelnen hierin manches geleistet, auch die 
kritik hier und da unläugbar gefördert hat , so fehlt ihm doch 
das volle verständuiß zur beurtheilung des Plautinischen Sprach- 
gebrauches und seiner besonderheiten , die ihren grund haben 
theils in dem gegenständ der darstellung , theils in der frühen 
zeit, welcher der dichter angehörte, theils in den umständen, 
unter denen er schrieb und der gesellschaftlichen Sphäre , in 
der er aufgewachsen war und zeitlebens verblieb. Die bemer- 
kungen Ussing's über eigenthümlichkeiteu der Plautinischen 
spräche sind vielfach oberflächlich, sehr oft für denjenigen, wel- 
cher nur einigermaßen mit Plautus bekannt ist, völlig überflüs- 
sig, für den anfänger dagegen völlig unzureichend. Es kann 
uns deßhalb nicht wunder nehmen, daß wir in den commentaren 
von Brix z. b. zu Mil. glor. , und Lorenz z. b. zu Pseudolus 
mehr zuverlässige belehrung über Plautinische spräche erhalten, 
als in den 18 vorliegenden komödien der Ussing'schen ausgäbe 
zusammengenommen. 

Zur erhärtung unseres urtheils wählen wir aus dem 5. 
bände das erste drama , den Persa. Einen fortschritt erkennen 
wir 221 (220 R ), wo Sophoclidiska auf die frage des Pägnium 
itanest die Versicherung gibt ita ne, Ritschi hatte noch mit den 
cod. auch an zweiter stelle als frage itanest geschrieben; 376 
(377 R.) hat Ussing verum lubere haud liceat , si liceat mihi in 
den text gesetzt statt des von der palatinischen recension über- 
lieferten ei lubeat mihi; er wendet sich mit recht gegen die von 
Ritschi gebilligte, vielleicht auch in A erhaltene fassung, die 
Pistoris dem verse gegeben : verum lubere hau lubeat, si liceat, 
mihi; 758 (759 R.) verwirft Ussing ebenfalls mit recht die von 
Ritschi aufgenommene correktur hie statui volo primum aquolam, 
das metrum ist sehr unsicher: Ussing schreibt als dim. anapaest. 
hie statui volo primum aliquid mihi, bewahrt im folgenden verse 
das handschriftlich überlieferte unde, was Ritschi auch zu än- 
deren genöthigt war und versteht unter aliquid richtig den 
wein; den vers 770 gibt Ussing den Lemniselenis mit rücksicht 



164 35. Plautus. . Nr. 2. 

auf die vorhergehenden worte des Topilus : tu hie eris dietatrix 
nobis , bisher theilte man den vers weniger passend dem To- 
xilus zu. 

Ungern vermißt man einen hinweis auf die schönen allitte- 
rationen und annominationen : v. 7 qui ero suo servire volt bene 
servos servitutem, 330 ut mihi supersit suppetat superstitet, 760 quo- 
rum opera mihi facilia factu facta haec sunt ; ferner eine erklä- 
rung zu 24 ergo edepol palles (Ussing macht doch nicht die ganz 
falsche erklärung des Servius zu der seinen ?) ; zu scelus pueri 
v. 193 fehlt die Bemerkung , daß ähnliche Wendungen nur als 
anrede, ausruf, apposition gebraucht werden und der genetiv 
immer nachfolgt; zu v. 236 die beobachtung, daß weibliche 
neugierde und hartnäckigkeit in dem Wortgefecht zwischen So- 
phoclidiska und Pägnium den sieg davontragen; zu 242 eine 
bemerkung über den unterschied von loqui und eloqui; zu 254 
die erklärung des nicht im gewöhnlichen sinne gebrauchten 
Substantivs commoditas ; zu 460 wird Ritschis vermuthung kurz- 
weg mit den worten nimis licenter abgewiesen, aber Ussing sieht 
sich nicht veranlaßt, die gerechten anstoß gebende Verbindung 
educ virginem et tabellas auch nur mit einem worte zu erwäh- 
nen, geschweige denn zu rechtfertigen; zu v. 520 fehlt die be- 
obachtung daß penitus bei Plautus nur adjektivum ist; zu v. 
623 eine bemerkung über den absoluten gebrauch von expedivit; 
zu 799 über die redensart ludos me facitis; zu 641 über die 
in der antwort der virgo liegende Zweideutigkeit, bei deren be- 
achtung erst die darauf folgenden worte des Toxilus ihre volle 
bedeutung erhalten ; noch bezeichnender ist die Zweideutigkeit 
der rede der Jungfrau in 650 und 654, Ussing hat den wink, 
welchen Ritschi praef. XI über den doppelsinn der antworten 
des mädchens gibt, zu großem schaden des vollen Verständnisses 
übersehen , daher ist auch seine bemerkung über den namen 
Lucris v. 622 völlig unzureichend. 

Unzureichend außerdem oder ungenau sind unter andern 
folgende erläuterungen und bemerkungen : v. 12 zu praefulciat, 
was einfach mit subiciat erklärt wird ; v. 32 zu scapulae pru- 
riunt, es wird nicht angedeutet, was hier im Zusammenhang Sa- 
garistio mit den worten sagen will; zu v. 61 die bemerkung 
über duris capitonibus. Bugge's vermuthung bezüglich des aus- 
falles eines verses hätte Ussing doch auf den gedanken bringen 






Nr. 2. 35. Plautus. 165 

müssen, daß die erwähnung der duri capitones in dem jetzigen 
Zusammenhang sehr auffällig und ungehörig ist , da der parasit 
von seinen vorfahren ausschließlich in bezug auf das essen spricht. 
Aber eben weil der ganze monolog des Saturio nnr von diesem 
einen gedanken an das essen beherrscht wird, möchte ich lieber 
den v. 61 (60 E.) für späteren zusatz erklären, als mit Bugge 
durch einführung eines neuen gedankens den Zusammenhang 
erträglich machen. Zu den Worten v. 461 : numquid moror ge- 
nügte nicht die einfache hinweisung auf Most. 779, sondern es 
mußte auch vor der nahe liegenden , aber verkehrten auffassung 
des moror als gleichbedeutend mit cunctor gewarnt werden ; zu 
v. 490 ist die bemerkung über die construktion von instare da- 
hin zu berichtigen , daß nur an dieser einen stelle Plautus 
instare mit dem dativ verbindet, das von Ussing citirte beispiel 
Men. 339 beruht auf seiner eigenen conjektur; v. 493 fehlt 
eine bemerkung über den unterschied der bedeutung von expo- 
scere und expostulare , was um so nothwendiger war, als Ritschi 
die palatinische lesart expostulant, Ussing aber das von Abraham 
empfohlene exposcunt , was der Ambrosianus gibt, aufgenommen 
hat; wenn Ussing 545 nicht contemplemus statt contemplemur auf- 
nehmen wollte , mußte er wenigstens das tbatsächliche zahlen- 
verhältniß in der Überlieferung der aktiven formen zu denen 
des deponens richtiger darlegen: mit der hinweisung auf eine 
andre stelle ist gar nichts gegeben. Völlig ungenügend sind 
auch die einleitenden bemerkungen Ussing's über die angenom- 
mene contamination und nachplautinische Verkürzung des Persa. 
Bezüglich des letzteren punktes sagt er p. 414: Equidem ut 
saepe addendo histriones et grammaticos Plautinis fabulis nocuisse 
video, ita contractionis certa exempla requiro nee quid in hac re ipse 
Plautus sibi permiserit, me scire credo. Diese anwendung des so- 
matischen prineips ist sehr bequem aber übel angebracht: uns 
liegen ja zwanzig komödien des dichters vor und da könnte 
man doch versucht sein , bei einer so umfangreichen grundlage 
über die dramatische kunst des Plautus sich ein urtheil zu bil- 
den. Auch die vermuthung bezüglich der contamination begnügt 
sich Ussing mit den kurzen worten abzuweisen : argumenta veri- 
similia desidero. Er schreibt doch nicht für schüler und wer 
sich zur lektüre des Persa veranlaßt sieht , darf billiger weise 
über solche fragen etwas eingehendere auskunft verlangen. 
Philol. Anz. XVII. 12 



166 35. Plautus. _ Nr. 2. 

Als irrig müssen zurückgewiesen werden zu v. 204 die 
conjektur commorandumst , Ussing mußte sich darüber belehren 
lassen , daß commorari bei Plautus gar nicht in der bedeu- 
tung „verweilen" vorkommt , auch was er weiter in diesem 
verse schreibt obiecit moram , ist verwerflich , da das perfektum 
obiecit nicht der Sachlage entspricht , das präsens obicit moram 
würde aber einen verkehrten versschluß bilden; zu v. 226 die 
erklärung dextram pridem ostenderat bei den Worten Päg- 
niums estne haec manus, denn erst mit diesen worten zeigt Päg- 
nium seine rechte hand ; zu v. 395 cum hac dote poteris vel men- 
dico nubere die bemerkung : post vel exspectabatur ditissimo Jiomini, 
sed sequitur mendico nuQa n(j<>o8oni<tv , der parasit will vielmehr 
sagen , du bekommst in meinen witzen eine so reiche mitgift, 
daß du wenn du willst, auch einen armen mann heirathen kannst ; 
zu v. 443 die conjektur tibi istac tu avorsis: da Toxilus sich 
nur mit einer person in Unterredung befindet, ist die hinzufü- 
gung des pronomens tu zu dem imperativ verwerflich , Ussing 
hätte sich bei der vortrefflichen lesart Lambins abiistac tr avorsis, 
welche auch der corruptel in B viel näher liegt als seine eigene 
vermuthung, beruhigen sollen; zu v. 524 die änderung accipias 
statt accipiat , wobei Ussing die Verwunderung ausspricht, daß 
.keiner vor ihm auf diesen gedanken gekommen. Es liegt dies 
daran, daß die herausgeber bis auf Ussing die stelle richtig 
verstanden haben : nämlich nicht Toxilus, an welchen der brief 
gerichtet ist , sondern der hospes soll das geld in empfang neh- 
men , wie es in der that 688 (691 R.) geschieht. Toxilus soll 
nur einen käufer besorgen, neben accipiat kann deßhalb 
promittes v. 523 sehr wohl bestehen; die virgo gehört ja auch 
gar nicht dem herrn des Toxilus. V. 776 qui sunt quique erunt 
quique fuerunt quique futuri sunt posthac ist quique erunt neben 
quique futuri sunt , wie zu erwarten , nicht frei von anstoß ge- 
blieben , sonderbar ist deßhalb , daß Ussing , ohne ein wort zu 
bemerken, auf die parallelstelle Bacch. 1084 (1087 R.) verweist, 
wo gerade das anstößige quique erunt fehlt. Was v. 801 die 
vereinzelte stelle aus Livius für bedeutung haben soll zum be- 
weise für die mindestens zweifelhafte existenz eines Plautin i- 
schen eludere in dem sinne von ,, verspotten", ist unerfindlich; 
daß eludere klassisch und nachklassisch in dieser bedeu- 
tung geläufig ist, kann man aus jedem beliebigen lexikon ersehen. 



Nr. 2. 36. Vergilius. 167 

Die Verdienste , welche Ussing sich um einzelne stellen er- 
worben hat, dürfen uns nicht hindern , das bedauern auszuspre- 
chen , daß die ausarbeitung eines commentars zu Plautus nicht 
von einer berufeneren kraft unternommen worden ist, durch Us- 
sing ist diese arbeit nicht überflüssig geworden. 



36. J. S. Speijer, Lanx Satura. Separatabdruck aus 
dem programm des Amsterdamer gymnasiums 1886. 30 p. gr. 8. 

Eine fülle von theilweise neuen beobachtungen zu lateini- 
schen Schriftstellern enthält dieses bücblein, dessen titel die be- 
schaffenheit des inhalts unschwer errathen läßt. Dasselbe zer- 
fällt in vier abtheilungen : vorangeschickt ist eine längere ab- 
handlung über den begriff des Orcus; darauf folgt eine neue 
erklärung des oppidulum versu quod dicere non est (Hör. Sat. I, 
5, 87), emendationes zu Vergil , Horaz, Cicero, Livius, Tacitus 
und zum schluß observationes grammaticae über est = edit, 
pecua, cupere alicuius und den nominativus praedicativus. 

Während bisher die meinuog herrschte, daß der name Orcus 
ebensowohl die unterweit, wie den gott der unterweit, Pluto, be- 
zeichne , sucht Speijer den nachweis zu führen , daß die erstere 
bedeutung an allen stellen, welche man in diesem sinne erklärte, 
entweder unzulässig sei oder doch wenigstens durch die zweite 
ersetzt werden könne und deshalb Orcus nur den gott bezeich- 
nen dürfe , niemals aber des gottes reich. Ist aber diese an- 
nähme Speyers richtig, wie wir für die von ihm angeführten stel- 
len zugeben, so muß Vergil. Aen. IV, 242 (nicht 442, wie bei Speijer 
p. 13 verdruckt ist) animas ille evocat Orco, wo Speijer die prä- 
position ab ergänzt , für evocat unbedingt avocat geschrieben 
werden. Denn grammatisch läßt sich hier nur die präposition 
des verbs ergänzen, also eo: (vgl. somno und e somno excitare); 
dann wäre aber Orcus die unterweit. Die von Speijer angezo- 
gene Terenzstelle (Eun. 3, 4, 7 ab Thaide exit) beweist nichts, 
denn dort ist die präposition gesetzt. Soll aber nur der gott 
gemeint sein, dann müßte auch erlaubt sein, evocat Iove für e caelo, 
Neptuno für e mari zu schreiben. Wie leicht die änderung von 
evocat in avocat ist, zeigt z. b. Verg. Aen. VI, 524, wo amovet 
und emovet überliefert ist. Indessen kommen wir vielleicht auch 
ohne jede änderung aus und können trotzdem den begriff des 
Orcus als gottes beibehalten, wenn wir nämlich Orco als dativus 

12* 



168 36. Vergiliüs. Nr. 2. 

(ethicus) fassen : „er ruft dem Orcus die seelen fort", (also evocat 
wie eripit construirt). Die möglichkeit dieser construktion er- 
giebt sich aus der dem sinne nach der unsrigen entgegengesetzten 
stelle bei Horaz , Satir. II, 5, 49 : si quis casus puerum egerit 
Orco, wo man sich zu hüten hat, Orco als locativen dativ anzu- 
sehen. In der anmerkung p. 12 hat Speijer, der an verschie- 
denen stellen, z. b. Verg. Aen. V, 520, aether und aetherius für das 
überlieferte aer und aerius herstellen will , die bemerkungen 
Lachmanns p. 176 zu Lucrez III, 405 nicht berücksichtigt. — ■ 
In dem oppidulum versu quod dicere non est , einer gründung des 
Diomedes bei Horaz, Sat. I, 5, 87, wo der scholiast an Equum 
Tuticum denkt, hat Speijer die heimath des dichters , Venusia, 
wiedergefunden. Der scholiast mag wohl unter den von Dio- 
medes gegründeten Städten, Arpi, Benevent, Equum Tuticum (bei 
Servius zur Aen. VIII, 9), die letztere ausgewählt haben, weil 
sie ihm metrisch am wenigsten brauchbar erschien; Equum Tu- 
ticum kann aber in Wahrheit , wenn die beiden bestandtheile 
dieses namens durch ein oder mehrere Wörter getrennt sind, 
sehr wohl im hexameter verwandt werden. Vielleicht veran- 
laßte auch die erinnerung an Ovid ex Ponto IV, 12, 10 — 11, 
wie Speijer richtig bemerkt, den scholiasten zu der wähl grade 
dieses fleckens , der gar nicht auf der beschriebenen reiseroute 
lag. Mit dem deminutiv oppidulum bezeichnet demnach Horaz 
schmeichelnd seine heimath; ein kosename soll es sein, aber 
nicht eine andeutung der kleinheit und Verödung , wie Speijer 
p. 20 will. 

Die emendationen Speijers zeichnen sich sämmtlich durch 
eine gefällige leichtigkeit in paläographischer hinsieht aus, aber 
auf den sinn der behandelten stellen wird zu wenig rücksicht 
genommen ; so ist mir Speijers ire patravit für reparavit (Hör. 
C. I, 37, 24) völlig unverständlich; anderes, z. b. Verg. Aen. 
VI, 211 das sehr empfehlenswerthe nutantem für eunetantem ist 
schon vorher von andern (0. Güthling 1877 und L. Schmidt 1883) 
vorgeschlagen; manche änderung erscheint mir unnöthig. So 
läßt sich quonam nostri tibi cura recessit Verg. Aen. II, 595 halten, 
wenn man cura nostri als die sorge um uns d. h. um unsere fa- 
milie (unsere angehörigen, die unsrigen, seil. Anchises , Creusa, 
Ascanius) erklärt. Venus ist ja die mutter des Aeneas und re- 
det auch hier nicht als göttin sondern als mutter ; außerdem 



Nr. 2. 36. Vergilius. 169 

ist der erzähler an dieser stelle kein andrer als ihr söhn Aeneas. 
Quonam monstri was Speijer vermuthet, widerstreitet jedem Sprach- 
gefühl („bis zu welchem grade der Ungeheuerlichkeit!"); quo in- 
saniae ginge an, aber quonam monstri ist nicht = in quamnam 
rem portentosam. Dagegen halte ich Speijers vermuthung zu 
Verg. Aen. IV, 610 et Dirae ultrices fidei (statt et di) auch we- 
gen der fides , welche nach Didos meinung (vs. 597 en dextra 
fidesque) Aeneas gebrochen haben soll , für richtig. Di morientis 
Elissae können höchstens die schntzgötter der Dido sein ; nur 
glaube ich , daß das überlieferte et di vielmehr dittographie des 
versanfaugs als corruptel aus fidei ist. Unnöthig ist Aen. 
V, 570 impavidos für pavidos , denn pavidus bedeutet hier 
schüchtern (modestus) als kennzeichen des jugendlichen Charak- 
ters, dabei können die knaben doch laeti sein; ebenso unnöthig 
cateias für catenas (Hör. C. II, 13, 18). Italum robur an dieser 
stelle ist weder das kernholz der pfeile noch das Tullianum son- 
dern robur legionum; catenae bezeichnen nicht das gefängniß, 
sondern die ketten , mit denen gefesselt die Partherfürsten im 
triumph aufgeführt werden, man darf sogar noch weiter gehen 
und unter catenae das imperium Romanuni verstehen ; die rich- 
tigkeit unsrer deutung zeigen stellen, wie Hör. C. III, 8, 22 
sera domitus catena , Ovid ex Ponto IV, 13, 45 Latus catenis, 
Hör. C. I, 29, 5 horribilique Medo nectis catenas, I, 37, 20 und 
31 daret ut catenis fatale monstrum (Kleopatra) . . . invidens de- 
duci triumpho , T, 12, 53 Parthi iusto domiti triumpho ; die furcht 
der Partber vor dem robur legionum illustrirt Horaz C. III, 2, 2 
robustus puer Parthos vexet, II, 20, 17 metus Marsae cohortis. Auch 
Verg. Aen. VIII, 219 durfte nicht geändert werden, denn furiis 
wird durch das folgende furens animis (v. 228) wieder aufgenommen. 
Verg. Aen. II, 256 liest Speijer iam für cum, aber das an fatis 
im folgenden verse angehängte que spricht gegen diese conjectur. 
Bei Cicero Catil. I, 13, 31 liest Speijer: morbus qui est rem pu- 
blicum (für est in republiea) ; allein der relativsatz umschreibt 
hier nur ein einfaches attribut (f] iv iSJ noXiniu vöaog würde es 
griechisch lauten) ; hätte Cicero sagen wollen : die krankheit, 
welche den Staat zerfrißt, so genügt das simplex edo nicht; edo 
für comedo ist poetisch. Richtig ist Speijers interpretation von 
Verg. Aen. II, 388, zweifelhaft Aen. II, 589 videnda für viden- 
dam. Zu den beispielen des prädicativen nominativs läßt sich 



170 37. Griechische geschichte. - Nr 2. 

Lucrez I, 1 5 ferae pecudes persultant pabula laeta hinzufügen ; 
pecus und fera stehen zu einander im gegensatz (wie bei Ovid 
Met. XI, 600), also gehört ferae zum praedicat: wild durchhüpft 
das vieh die üppigen kräuter. Die übrigen grammatischen be- 
obachtungen Speijers, welcher dieselben regelmäßig im anschluß 
an emendirte stellen aus Cicero , Plautus , Horaz und besonders 
Vergil auf seiner lanx zum besten giebt, verdienen , wenn nicht 
immer billigung, so doch eingehende berücksichtigung. 

C. Haeberlin. 

37. Demosthenes und seine zeit von Arnold Schaefer. 
Zweite revidierte aufläge. Bd. I, 1885, p. XVI und 528; II, 
1886, p. VII und 566. Leipzig, druck und verlag von B. G. 
Teubner. — 20 mk. 

E. Curtius hat A. Schaefers werk über Demosthenes und 
seine zeit das schatzhaus aller unserer künde vom philippischen 
Zeitalter genannt. In der that hat wohl niemand sich mit die- 
sem Zeitabschnitte beschäftigt , ohne sich hier rath zu erholen. 
Wenn nun auch seit dem ersten erscheinen in den jähren 1856 — 1858 
mancherlei material ans licht gefördert war, und die forschung 
in mehr als eine frage größere klarheit gebracht hatte , so er- 
wies sich doch bei einer neubearbeitung nicht überall die bes- 
sernde band als nothwendig, denn ein wei'k, welches einmal auf 
gründlichen Studien aufgebaut ist, fällt nicht über nacht wie 
ein kartenhaus zusammen. Schaefer hat während seiner akade- 
mischen thätigkeit die griechische geschichte nie dauernd unbe- 
achtet gelassen. Wenn er auch zeitweise andern Studien auf 
dem gebiete der preußischen geschichte oblag, so verlor er doch 
seinen Demosthenes nie ganz aus dem äuge. So wurde denn 
fortdauernd an dem werke , welches seinen namen als gelehrter 
begründet hatte, weiter gearbeitet, und die nothwendigkeit einer 
neuen aufläge konnte ihn nicht überraschen. Als zu beginn des jahres 

1882 Schaefer die zweite aufläge ankündigte, stellte er sich seine auf- 
gäbe, auf der erprobten grundlage den gegenwärtigen stand der histo- 
rischen Überlieferung wiederzugeben, unter entsprechender prüfung 
der arbeiten mitforschender gelehrten. Leider war es ihm nicht 
vergönnt, die arbeit zu ende zu führen ; denn sein im november 

1883 erfolgter tod setzte seiner irdischen arbeit ein ziel. Die 
Umarbeitung des ersten bandes war vollendet, für die beiden 



Nr. 2. 37. Griechische geschichte. 171 

andern lieferte das handexemplar reichliche winke , so daß ein 
schüler des verstorbenen, Max Hoffmann, sich an die Vollendung 
der arbeit wagen konnte, zumal prof. Usener in Bonn und prof. 
A. Kirchhoff ihre beihülfe zugesagt hatten. 

Seit dem ersten erscheinen des Werkes war vor allem das 
urkundliche material bedeutend gewachsen, und das früher schon 
bekannte lag nun in kritisch gesicherter bearbeitung vor. Da- 
neben hatten auch die texte der griechischen Schriftsteller man- 
cherlei berichtigung erfahren ; des Plutarch leben des Demosthe- 
nes war erst damals einer kritischen bearbeitung unterzogen. 
Schaefer selbst hat auf diesem gebiete stets mitgearbeitet. Als 
im ' j4&fjvaio% eine inschrift von Kumanudes veröffentlicht war, 
die die bis dahin geltende Chronologie der bosporanischen kö- 
nige völlig umstieß, war es Schaefer, der dies neue dokument einer 
eingehenden Untersuchung im Rhein, mus. n. f. XXXIII, p. 424 ff. 
unterzog. Auf grund dieses aufsatzes mußte dann bd. I, p. 262 ff. 
eine Umarbeitung erfahren. In gleicher weise ergab sich eine 
neubearbeitung der gründung des zweiten attischen seebundes. 
Hier war nicht nur durch Köhler die grundlegende Urkunde im 
C. I. A. II kritisch gesichert geboten, sondern auch Busolts Un- 
tersuchung hatte manches klar gestellt. Ebenso war auf neuge- 
fundene inschriften hin des Dionysios von Syrakus theilnahme 
am friedenskongreß in Delphi und sein Verhältnis zu Athen zu 
erörtern f l } p. 90 f.). Fernere punkte der Umarbeitung sind : 
bd. I, p. 94 über die griechische gesandtschaft am persischen 
hofe. P. 162 der kämpf auf Euboea, p. 271 der vormundschafts- 
proceß, p. 550 ff. die ausführungen über Androtion. Aus dem 
zweiten bände wäre hervorzuheben, daß bei den Verhandlungen 
über den philokrateischen frieden eine große Umänderung vor- 
genommen ist. Philipps abgeordnete hielten an den von Phi- 
lokrates in antrag gebrachten friedeusbedingungen fest, aber 
Demosthenes, der auch den frieden wollte, erachtete den vorlie- 
genden entwurf Athens unwürdig und wollte den beschluß der 
bundesgenossen als grundlage festhalten. Die Athener schlössen 
sich ihm an, und man schritt am folgenden tage zur abstimmung 
in der meinung , es werde vorläufig ein frieden ohne bündnis- 
vertrag zu stände kommen. Demosthenes hatte den bericht über 
die ablehnende erklärung. Antipater bestätigte zwar, daß Phi- 
lipp auf einen frieden ohne das bündnis nicht eingehen werde; 



172 37. Griechische geschichte. - Nr. 2. 

aber Demosthenes empfahl standhaft den beschluß der bundes- 
genossen. Da trat Aeschines auf, und in gleicher weise spra- 
chen sich auch andere redner dahin aus, daß Philipp die Phoker 
wohl doch als bundesgenossen der Athener ansehen würde. So 
begnügte man sich denn mit der tilgung des paragraphen , der 
die Phoker ausdrücklich ausschloß. Dann gaben des Eubulos 
worte den ausschlag. Weitgehendste änderung hat dann das 
schlußkapitel des zweiten bandes erfahren. Hier ist u. a. die 
besetzung Elateas vor Philipps zug nach Amphissa gesetzt, und 
die schlacht bei Chaeronea mehr im detail ausgeführt. Neu be- 
arbeitet ist ferner die einleitung des zweiten bandes, welche die 
Vorgeschichte Makedoniens behandelt. Die Makedonen gehören 
zu den hirtenstämmen, die aus der großen Völkerwanderung der 
Pelasger, Phryger , Thraker in den abgeschiedenen thälern und 
ringbecken der mittelgebirge, so weit deren gewässer von norden 
und westen her dem thermaischen meerbusen zuströmen , sich 
abgelagert haben. Ein aufsatz Schaefers im historischen taschen- 
buch 1884 läßt mich vermuthen , daß er selbst vielleicht hier 
noch tiefer greifende änderungen vorgenommen hätte. 

Bezüglich der litterarischen thätigkeit des Demosthenes hebe 
ich folgendes hervor. Bd. I, p. 349 wird die unechtheit der 
reden gegen Stephanos , welche Schäfer in der beilage V ver- 
fochten hatte, noch aufrecht erhalten. Bd II, p. 117, n. 2 wird 
H. Weils ansatz des feldzugs nach Euboea in das jähr 348 zu- 
rückgewiesen , denn dann würde die rede wider Meidias nach 
den olynthischen reden verfaßt sein , und Demosthenes würde 
erst als rathsherr 346 jenen rechtshandel beigelegt haben , um 
dem abschluß des friedens mit Philipp nicht hinderlich zu sein. 
Aber die erste und dritte olynthische rede fordern unabweislich, 
daß Apollodors antrag sammt dem euboeischen krieg, in welchen 
er fällt, vor dieselben gesetzt werde. — In neuerer zeit ist dann öfter 
die frage erörtert, ob die unter des Demosthenes Schriften nr. XII 
bezeichnete smazolij <biktnnov echt sei oder nicht. Während 
nun Blaß für deren authenticität eintritt, meint dagegen Schaefer 
bd. II, p. 504, daß das Schriftstück , obgleich es auf guten ma- 
terialien beruht, als die arbeit eines rhetors anzusehen sei. Denn 
soviel wir erkennen können, war Philipps schreiben nicht gera- 
dezu ein absagebrief, sondern ein Ultimatum. Wenn wir so hier 
sehen , daß Schaefer nicht so leicht von seinem wohlerwogenen 



Nr. 2. 37. Griechische geschichte. 173 

urtheil abging, so werden wir es auch begründet finden, daß er 
auch andernorts nicht sogleich apologien zustimme. So hat ihn 
Jakob Bernays schritt: Phokion und seine neueren beurtheiler 
Berlin 1881 nicht bestimmen können, anders zu urtheilen, als 
daß Phokion „gewissenhaft in der führung seines amtes, ehrlich 
und unbestechlich , aber ohne höheren schwung des geistes und 
ohne hervorragendes talent" war. 

Von kleineren änderungen mag einiges hervorgehoben wer- 
den. Bd. I, p. 208 wird das gesetz des Eubulos betreffs der 
theorikengelder vor den olynthischen krieg gesetzt. P. 74 wird 
neben Amphipolis der thrakische Chersonnes genannt, der unter 
Zustimmung der makedonischen gesandten den Athenern auf dem 
friedenskongreß zu Sparta zugesprochen wurde. P. 115 n. 1 
wird C. J. G. I, 1118 als verdächtig bezeichnet. P. 253 urtheilt 
Schaefer betreffs der rathsschreiberfrage : „nach dem älteren 
brauche wechselte der yünu^ards ryg ßovXrji,- mit jeder prytanie, 
aber zwischen ol. 103, 2 und 104, 1 (367 — 364) wurde der- 
selbe auf die dauer eines Jahres erwählt und ihm ein zweiter 
Schreiber beigeordnet , der mit der prytanie wechselte. Diese 
einrichtung blieb bis zum ende des lamischen krieges bestehen". 

Schaefer hatte nicht die absieht , die dem dritten bände 
beigefügten beilagen wiederabdrucken zu lassen. Es fehlte ihm 
die muße, diese litterarischen fragen, über die im laufe der jähre 
so vieles geschrieben war , nochmals zu durcharbeiten. Er 
glaubte, daß diese dem spezialforscher leicht in den bibliotheken 
zugänglich wären. Aber wer z. b. die berliner Verhältnisse 
kennt, wird wissen , daß es oft mit den größten Schwierigkeiten 
verknüpft ist , eines gesuchten werkes habhaft zu werden. Da 
nun in den anmerkungen häufig auf die beilagen verwiesen 
wird , so wäre ein Wiederabdruck derselben nicht ohne zweck 
gewesen. Hat sich doch so die nothwendigkeit ergeben , einen 
längeren exkurs über das geburtsjahr des Demosthenes an an- 
derer stelle einzuschalten. 

Die neue aufläge zeichnet sich vor der alten dadurch aus, 
daß ihr zwei bildnisse des Demosthenes beigefügt sind, dem 
band I die büste , dem band II die statue , welche sich gegen- 
wärtig in Knole (England) befindet. Für den dritten band hat 
dann prof. Ad. Michaelis einen exkurs über die erhaltenen bild- 
nisse des Demosthenes geliefert. Hugo Landwehr. 



174 38. Griechische alterthürner. * Nr. 2, 

38. Die Staatshaushaltung der Athener von August Boeckh. 
Dritte aufläge herausgegeben tmd mit anmerkungen begleitet von 
Max Franke 1 Zwei bänrle. Berlin, druck und verlag von 
Georg Reimer 1886. gr. 8. I, p. XVIII und 711; II, p. VII, 
517. 217. — 30 mk. 

Boeckhs hundertjähriger geburtstag konnte in keiner würdi- 
geren weise gefeiert werden, als daß das schon seit geraumer 
zeit im buchhandel vermißte meisterwerk seines lebens , welches 
gleich bei dem ersten erscheinen des griechischen alterthumsfor- 
schers rühm dauernd begründete , in neuer aufläge verbreitet 
wurde Unter der heutigen generation. die griechischen alter- 
thumsstudien obliegt , möchte wohl kaum einer sein , der sich 
vermessen könnte , bei Boeckh nicht in die lehre gegangen zu 
sein. Sein werk muß auch heute noch , wenn es auch in ein- 
zelnen fragen überholt ist , als der ausgangspunkt gelten ; man 
wird sich eben stets bei jeder schwierigen Untersuchung zu der 
frage gezwungen sehen , wie hat Boeckh die sache beurtheilt. 
Das geschieht nicht allein aus historisch überkommener ehrfurcht 
vor seinem namen, die auch dem jüngeren geschlecht immer ge- 
predigt werden muß, weil der ton der heutigen kritik nur leider 
allzu häufig in einen banausischen ausartet. Boeckhs urtheil war 
stets ein wohl erwogenes. Der gang seiner Untersuchung pflegte 
gleichsam der zu sein, daß er nach jedem schritte, den er ge- 
than hatte erst stehen blieb, um nach allen seiten Umschau zu 
halten, ob irgend ein angriff auf seine position möglich war; 
den nächsten schritt pflegte er nicht eher zu thun, bis er alle 
einwände, die denkbar waren, der reihe nach beseitigt zu haben 
glaubte. So kann sich denn der jüngere bei einer anzeige die- 
ses meisterwerkes nicht erkühnen, bessern zu helfen, sondern 
er wird sich damit zu begnügen haben , darzulegen , wie der 
neue herausgeber vorgegangen ist. 

Die neubearbeitung des attischen processes übernahm ein 
jetz.t lebender meister der Wissenschaft, der jenen älteren an 
ansehen und tüchtigkeit durchaus ebenbürtig war. Aber die 
folge war, daß ein völlig neues werk entstand, welches man nie 
ohne den namen des neubearbeiters citieren darf, da seiner gei- 
stigen arbeit sonst eintrag gethan würde Hier nun hat ein 
dankbarer schüler sich der mühe unterzogen. Seine auf dem 
gebiete der griechischen alterthumskunde veröffentlichten Studien 






Nr. 2. 38. Griechische alterthümer. 175 

sind ein beweis für seine Vertrautheit mit dieser disciplin. Ihm 
hat es von vornherein fern gelegen , das werk zu überarbeiten ; 
er wollte dasselbe bei einem neudruck nur mit dem ausstatten» 
dessen ergänzung gegenwärtig geboten erschien. Allerdings ver- 
langte die beschaffenheit des werkes eine verschiedene behand- 
lungsart. Es war zwischen dem ersten und zweiten bände zu 
scheiden. Mit diplomatischer treue wurde der erste band wie- 
dergegeben, der die darstellung umfaßt. Hier beschränkte sich 
die thätigkeit des herausgebers nur auf eine revision der citate 
und Verbesserung der offenkundigen versehen. Alle eigenthüm- 
lichkeiten in spräche und interpunktion wurden beibehalten. 
Die Übersichtlichkeit des werkes wurde dann dadurch angebahnt, 
daß die Überschriften der bücher und kapitel , welche nur im 
Inhaltsverzeichnisse von Boeckh gegeben waren, jedem dieser ab- 
schnitte vorgesetzt und als columnenüberschriften durchgängig 
wiederholt wurden Die Seiten der ersten und zweiten aufläge 
wurden dazu beigefügt. Wenn nun Fränkel sich nicht dazu 
entschlossen hatte, auf grund der neueren forschungen an Boeckhs 
darstellung hand anzulegen, so war es doch die frage, ob ein 
einfacher abdruck genügen würde und nicht wenigstens das all- 
gemein als richtig anerkannte aufnähme finden sollte Um der- 
artigen wünschen nachzukommen, hat Fränkel sich durch beifii- 
gung von anmerkungen zu helfen gesucht, die er in besonderer 
paginierung gedruckt dem zweiten bände anreihte. Die absieht 
dieser anmerkungen, sagt der herausgeber, war , alles zu ergän- 
zen und zu berichtigen, wozu er im stände war, jedoch nur die 
konkreten erörterungen , nicht allgemeine urtheile und auffas- 
sungen. Aber auch anderes findet sich hier; z. b. p. 109* 
n. 746 ein hinweis auf die methodischen Vorzüge der forschung 
Boeckhs. Für die anmerkungen wurde dann auch das benutzt, 
was Boeckh in sein handexemplar eingetragen hatte. Bei der 
frage der öffentlichen Schreiber hat dann Fränkel nicht sämmt- 
liche berichtigungen und ergänzungen in der form einzelner an- 
merkungen gegeben, sondern aus Boeckhs im jähre 1857 ver- 
öffentlichter revision dasjenige dem text selbst angeschlossen, 
was seine spätere ansieht klar stellt oder sich ausdrücklich als 
ergänzung dieses abschnittes zu erkennen giebt. Bezüglich die- 
ser anmerkungen insgesammt muß ich bekennen anderer mei- 
nung als der herausgeber zu sein. Wenn er kein repertorium 



176 38. Griechische alterthümer. - Nr. 2. 

der litteratur liefern will , sondern nur diejenigen Schriften an- 
führen , welche die sache wirklich gefördert haben , so ist das 
ein grundsatz , bei dem die Subjektivität sehr mitspricht. Um 
nun einer derartigen gefahr aus dem wege zu gehen , wäre es 
besser gewesen, lieber in den fehler des zuviel, als den des zu- 
wenig zu verfallen. Zudem glaube ich auch nicht, daß durch ein 
solches streben nach Vollständigkeit die anmerkungen ins unab- 
sehbare geschwollen wären , vielmehr hätte sich hier in vielen 
fällen durch noch knappere fassuug des Wortlautes platz gewin- 
nen lassen. Boeckhs werk soll doch ein handbuch für den stu- 
dierenden sein , und in demselben muß sich dann alles für ihn 
nothwendige finden. Namentlich in der anführung entlegener 
aufsätze geziemt es sich peinlich zu sein , weil sie auch dem 
tiefer forschendeu leicht entgehen. So wäre wohl , um ein bei- 
spiel herauszugreifen , p. 37* n. 227 eine anführung von Neu- 
bauers aufsatz in den symbolae Ioachimicae geboten gewesen. 
Doch ich will mich nicht mit der anführung weiterer einzelheiten 
aufhalten. Es ist das eben ein verschiedener Standpunkt. 

Anders mußte sich das verfahren des herausgebers bei der 
bearbeitung des zweiten bandes , der die beilagen umfaßte , ge- 
stalten. Hier war eine vielfache kürzung des textes geboten. 
Zunächst war die wiedergäbe der inschriften in majuskel unnö- 
thig, da diese jetzt im C. J. A. 'leicht zugänglich sind. Nur da 
ist der majuskeltext beibehalten , wo irgend ein äußerer oder 
innerer grund dafür sprach, sei es daß die erläuterung Boeckhs 
zunächst an ihn anknüpfte, sei es daß eine zusammenhängende 
Umschrift von ihm überhaupt nicht gegeben worden ist. Dieje- 
nigen Varianten , welche heute als überwunden gelten müssen, 
sind ohne weiteres fortgelassen. Gerade diesem bände hat also 
Fränkel seine arbeit zu teil werden lassen. Schon ein flüchtiges 
durchblättern zeigt , mit welcher sorgsamkeit der herausgeber 
hier vorgegangen ist. Eine durchgreifende Streichung hat er 
in dem abschnitt über die tributlisten vorgenommen. Denn hier 
sind Boeckhs forschungen duich U. Köhlers arbeit weit überholt. 

So geht denn das werk in seiner dritten aufläge in einer 
gestalt hinaus, die würdig ist, dem jüngeren geschlecht den na- 
men Boeckhs und seine Verdienste um die alterthumswissenschaft 
klar zu machen. Auch das äußere gewand, mit welchem es die 
verlagsanstalt ausstattete, ist ein geziemendes. Hugo Landwehr. 



Nr. 2. 39. Literaturgeschichte. 177 

39. Frank Byron. Jevons, a history of Greek litera- 
ture from the earliest period to the death of Demosthenes. Lon- 
don, Charles Griffin and comp. 1886. XVI und 509 p. 8. 

Das buch gehört zu einer serie von handbüchern (Cornpa- 
nion volumes), welche „zunächst für Universitätsstudenten und 
adspiranten der indischen Verwaltung oder anderer höherer ämter 
bestimmt sind". Diese worte der vorrede sind geeignet, deutsche 
philologen zur ignorierung des werkes zu veranlassen. Daran 
thäten sie unrecht. Wenn es auch mit ähnlichen deutschen bü- 
chern nicht in konkurrenz treten wird, so möchten wir doch auf 
dasselbe hinweisen als ein erfreuliches zeichen davon, daß, ob- 
gleich German scholars in Englaud beinahe sprichwörtlich sind, 
die deutsche methode sich auch dort bahn bricht. Der Verfas- 
ser ist nicht bloß mit den neuen und neuesten literarhistorischen 
arbeiten bis herab auf die Klytaimestra-litteratur vertraut , son- 
dern auch ein kritischer köpf, dem wir es nicht verargen wollen, 
wenn er sich skeptischer gegen die modernen als gegen die alte 
Überlieferung verhält; gelegentlich, z. b. dem neuesten buche 
Zielinskis gegenüber, macht er freilich eine auffallende ausnähme. 
In der homerischen frage steht Jevons auf gemäßigt konserva- 
tivem Standpunkt und entwickelt zwar nicht neue , aber recht 
vernünftige gedanken, welche bearbeiter von Schulausgaben Ho- 
mers mit nutzen lesen werden. 

Die hauptsächlichste ausstellung, die wir an dem buche zu 
machen haben, ist die Ungleichheit der behandlung , indem der 
Verfasser je nach seinem persönlichen interesse den einen schrift- 
steiler ausführlich und mit einigem notenapparat (z. b. die tra- 
giker p. 202 f. 215. 221 f.) bespricht, andere dagegen (z. b. 
Homer) unverhältnismäßig kurz abmacht. Versehen sind dabei 
nicht zu häufig. Ich habe mir beiläufig folgende notiert : p. 104 
According to Diogenes Laertius, Ar ist otle ascribed to Empedocles 
tragedies and oiher xoorks u. s. w.". Ein solches Zeugnis des Ari- 
stoteles wäre höchst wichtig, aber leider existiert es nicht P. 
105: nicht Empedokles selbst trug seine dichtungen vor, son- 
dern der rhapsode Kleomenes (üikaiarchos fr. 47 bei Athen. 
14, 620d.). P. 174 meint Jevons die monostrophischen gedichte 
Pindars, sagt aber von der zwölften pythischen ode : lt contains 
only stroph.es and antistrophes, whereas those ödes which contain 
also epodes u. s. w. P. 181: Clitagora flourished between B.C. 



178 39. Literaturgeschichte. Nr. 2. 

560 and B.C. 527 and was famous for a sholion she composed; 
und was sagt die Überlieferung ? In der „Lysistrata" steht y. 
1236 f. tl fiir yi tig a8oi TtXa pä rog, Ki. e i t uy ö q a g äSeiv 
dt'ot* ; das war also das Stichwort eines trinkliedes und dieses 
selbst finden wir in den Wespen v. 1245 ff. Xo^/iara x«i ßCov 
KXstrayoQa te Kapo) fjtetu QetTaläv. Wo die sache so klar 
liegt , können wir die scholiastenweisheit bei seite lassen. Die- 
selbe stelle bringt uns auf eine schwäche des Verfassers , näm- 
lich die altmodische Vorliebe für künstlich kombinierte Jahres- 
zahlen, die er hoffentlich nicht fiir die adspiranten der indischen 
Verwaltung zum auswendiglernen bestimmt hat. P. 182 unter- 
scheidet Jevons zwei Melanippides , macht den musiker Demo- 
kritos von Chios zum dichter, Kinesias zum favourit e dithyramb 
writer at Athens, Phrynis zum dithyrambiker und läßt die Par- 
thenia , Prosodia und Hyporchemata nach Pindar verschwinden, 
obwohl z. b. in den Vögeln des Aristophanes neue TtaQÜivsta 
(v. 919) vorkommen. P. 198 scheint Jevons noch immer Ky- 
negeiros für Aeschylus' bruder zu halten. P. 224 : wenn Jevons 
rundweg behauptet , daß Euripides den prolog und den deus ex 
machina einführte (introduced), so vergißt er den prolog der ,,Eu- 
meniden" und die lösung der „Danaiden" durch Aphrodite; 
außerdem muß in den Aittalai und den ' RXtädt^ eine gottheit 
die zukunft verkündet haben Für jenes stück zeugt Fr. 5 (bei 
Dindorf) , für dieses Plinius' notiz 37, 2, 11, welche nicht an- 
gezweifelt hätte werden sollen, denn das futur in Fr. 67 (Bekker 
Anecd. p. 346,6) stimmt damit überein. P.237: But it is sup- 
posed that not only in these later days (d.h. von ßhinthon), but 
b ef or e the time of c omedy , mythology was travestied. This 
Interpretation of the evidence afforded by the painted vases is, how- 
ever , not beyond dispute, ist mir völlig unverständlich-, denn so- 
lange es ein lustspiel gab, travestierte man mythen. 

In der wähl zwischen verschiedenen ansichten zeigt Jevons 
soviel common-sense , daß es selbstverständlich ist, daß er ziem- 
lich oft von der literarhistorischen vulgata abweicht. Z. b. ver- 
muthet er p. 167, daß Simonides den dithyrambos von den Dio- 
nysossagen emancipierte, was ihm allerdings wohl zugetraut wer- 
den könnte. P. 179 f. lesen wir eine vergleichung des lyri- 
schen und dramatischen chors, welche in dieser präcisen Zusam- 
menfassung , soviel ich mich erinnere , sonst nicht zu finden ist. 






Nr. 2. 39. Literaturgeschichte. 179 

P. 190 wird vermuthet , daß die das alte chorlied einleitenden 
anapäste später durch musik (a piece of music) ersetzt wurden 5 
p. 191 verbindet Jevons die einfuhrung der flöte mit dem kult 
der Kybele; nun ist aber, auch wenn man statt Kybele götter- 
mutter sagt, der Dionysoskuit jedenfalls älter. P. 241 f. weist 
er richtig den versuch , die sicilische komödie mit dem Diony- 
soskult zu verbinden, ab ; er hätte sich aber nur der iambisten- 
chöre von Syrakus und der iamben des Selinuntiers Aristoxenos, 
welchen bekanntlich Epicharmos in metrischer hinsieht nach- 
ahmte, erinnern dürfen, um die vermuthung zu wagen, daß die 
keime der sicilischeu komödie im dienste der Demeter lagen, 
die ja auch in Megara eine der ältesten und angesehensten 
gottheiten war. P. 246 anm. 1 : To one of these (komiker) must 
be attributed the Statement — generally aeeepted seriously — that 
Cratinus belonged t?j^ Oli rjlöog q.vU/<;. Sehr richtig! Doch hatte 
schon Zielinski (Rhein, mus. 39, 301 anm. 1) den witz empfun- 
den. — Bei der gewöhnlichen besonnenheit des Verfassers be- 
fremdet es sehr, daß er an eine kontamination der erhaltenen 
„Wespen" und „Acharner" des Aristophanes glaubt (p. 256, 1) 
und diese unwahrscheinliche vermuthung p. 277 ff. ausführlicher 
vertheidigt. Freilich wer in der alten komödie kousequenz sucht, 
der wird dazu kommen müssen , jedes aristophanische lustspiel 
kleinzumachen. — Hingegen ist die annähme von literarischen 
cliquen unter den komikern (p. 249) gewiß richtig und man 
könnte leicht Aristophanes' genossen in freunde und gegner 
scheiden. 

Zu den Vorzügen des buches gehören zahlreiche anspielun- 
gen auf die neuere literatur Englands, während ein vergleich 
des alten dramas mit Shakespeare und der alteuglischen bühue 
merkwürdiger weise nicht unternommen ist. Den söhn eines 
parlamentarischen landes empfindet man, wenn er p. 407 meines 
erachtens treffeud hervorhebt, daß die Veröffentlichung der de- 
mosthenischen reden eine durch Isokrates' erfolg veranlaßte neue- 
rung war; da jedoch Jevons Demosthenes auffallend günstig be- 
urtheilt , möchte ich ihm ein buch eines berühmten englischen 
Parlamentariers empfehlen , nämlich W. G. Hamiltons parlamen- 
tarische logik, rhetorik und taktik (Deutsch, 2. aufl. Tübingen 
1872), das gleichsam den rhetorischen kommentar liefert zu dem 
satze, daß die politik den charakter verdirbt. 



180 40. Römische geschichte. __ Nr. 2. 

Das allgemeine schlußkapitel enthält geistreiche apercus 
über griechische spräche und literatur, doch scheinen sie nur 
deshalb dort zu stehen, weil der verf. vorher keinen geeigneten 
platz dafür ausfindig machen konnte. Bei einer neubearbeitung 
wird er gut thun, vieles in die jetzt sehr dürftige einleitung zu 
ziehen ; eine neue aufläge wird aber dieses praktische buch vor- 
aussichtlich bald erleben. 

Karl Sittl. 



40. Karl Wilhelm Nitzsch, geschichte der römischen 
republik. Nach dessen hinterlassenen papieren und Vorlesungen 
herausgegeben von dr. Georg Thouret. Erster band, bis 
zum ende des Hannibalischen krieges. Leipzig , verlag von 
Duncker und Humblot 1884. 203 p. 8. 

41. Karl Wilhelm Nitzsch, geschichte der römischen 
republik nach dessen hinterlassenen papieren und Vorlesungen 
herausgegeben von dr. Georg Thouret. Zweiter band, bis 
zur schlacht bei Aktium. Leipzig , verlag von Duncker und 
Humblot 1885. 298 p. 8. 

Das vorliegende werk ist, wie der herausgeber in der vor- 
rede mittheilt , nicht etwa ein nachgelassenes werk von Nitzsch, 
ja nicht einmal zu einem irgend wie erheblichen theile aus hin- 
terlassenem material , das sich nur in der höchst ungeeigneten 
form von losen blättern und zetteln vorfand, sondern im wesent- 
lichen aus , wenn auch sorgfältig nachgeschriebenen , kollegien- 
heften hervorgegangen. Man wird sich also von vorn herein 
mit dem gedanken vertraut machen müssen, in dem vorliegenden 
werke etwas wesentlich anderes anzutreffen, als wir sonst in 
Nitzschs arbeiten zu finden gewöhnt sind. Denn während wir 
in dessen buch „Ueber die Gracchen und ihre nächsten Vorgän- 
ger" (Berlin 1847), ferner in der „Römischen annalistik" (Berlin 
1873) und endlich in der ausführlichen recension von Momm- 
sens römischer geschichte (erster artikel in den Jahrbüchern für 
klassische philologie 1856, zweiter und dritter artikel ebenda- 
selbst 1858) wesentlich historisch kritische arbeiten 
und zwar in jener ihm eigenen scharfsinnigen, aber zugleich so 
schwerfälligen art, die sich nur einen kleineu leserkreis zu ero- 
bern wußte, zu erblicken haben, so werden uns ganz im gegen- 
satze hierzu im vorliegenden werke die resultate seines langen 



Nr. 2. 40. Römische geschickte. 181 

und reichen forscherlebens , wie er sie den studierenden zu 
vermitteln pflegte, mitgetheilt. 

Die einleitung , die Nitzsch allen seinen Vorlesungen zu 
gründe zu legen pflegte, ist auch diesem werke vorangedruckt-, 
sie enthält einen überblick über die geschichte der geschicht- 
schreibung bis auf Niebuhr und behandelt im ersten kapitel die 
antike geschichtschreibung und im zweiten kapitel die deutsche 
geschichtschreibung im mittelalter. 

In seinen historischen kritischen arbeiten geht Nitzsch be- 
kanntlich von dem grundsatz aus , daß die römische geschichte 
vom anfang der republik bis zu den Licinischen gesetzen in den 
vorhandenen quellen nach den anschauungen der Sullanischen 
zeit dargestellt und daher zum großen theil wissentlich oder 
unwissentlich gefälscht sei. Gleichwohl läßt Nitzsch in dem 
vorliegenden werke die römische geschichte durch einen gegen- 
satz beherrscht sein, der wesentlich der späteren zeit der repu- 
blik angehört , nämlich durch den gegensatz der plebs rustica 
zur plebs urbana, welch letztere nach Nitzsch von vorn herein ein 
bedeutendes element im römischen Staat gebildet hat. Ein solches 
element von anbeginn anzunehmen sah sich Nitzsch durch die 
auch von Mommsen getheilte anschauung veranlaßt , daß Rom 
zu anfang der republik ein wichtiger handelsplatz mit bedeu- 
tenden überseeischen Verbindungen gewesen sei und folglich eine 
große handeltreibende bevölkerung, die er mit der plebs urbana 
identificiert, besessen haben müsse. Wir werden sehen, wie aus 
der verkehrten annähme eines solchen gegensatzes in so früher 
zeit eine reihe von schiefen und falschen auffassungeu Nitzschs 
sich herleitet, während andere paradoxe aufstellungen wiederum 
einem übertriebenen vertrauen auf die richtigkeit seiner doch 
theilweise sehr einseitigen quellenauffassung entsprungen sind. 
Im folgenden heben wir die Nitzsch eigenthümlichen ansichten 
hervor , indem wir zumeist dasjenige übergehen, was er mit an- 
deren forschem gemein hat. 

Eine ganz von den bisherigen anschauungen abweichende an- 
sieht hat Nitzsch zunächst von der Zusammensetzung der ursprüng- 
lichen centurien. Nach ihm umfassen dieselben, mit ausnähme der 
18 rittercenturien, nur plebejer. Die centurien sind die abtheilungen 
des plebejerheeres, welches dem patricischen ritterheere gegenüber 
steht. Ein beweis für diese paradoxe anschauung wird in dem vorlie- 
Philol. Anz. XVIL 13 



182 40. Römische geschicbte. Nr. 2. 

genden werke nicht erbracht; aber auch die in der Annalistik 
angeführten gründe sind unzureichend , zumal es sehr fraglich 
ist, ob die dort angeführten stellen wirklich auf Fabius Piktor 
zurückgehen und nicht einem späteren schriftsteiler entnommen 
sind. Auch dasjenige was Nitzsch von der entstehung einzelner 
magistraturen sagt, unterliegt erheblichen bedenken, so dasjenige, 
was über die entstehung der quästoreu, die von vorn herein le- 
diglich magistrate des Saturnstempels gewesen sein sollen , be- 
hauptet wird, ferner die ansieht, daß die censur ursprünglich 
einen rein priesterlichen Charakter gehabt und entstanden sei 
aus dem bestreben der plebs, die aufstellung der tribuslisten 
und namentlich die aushebung zum militärdienst der consula- 
rischen willkür zu entziehen. Der letzteren ansieht wi- 
derspricht schon die bestimmung, daß die censur ein rein p a- 
tricisches amt sein sollte; andererseits ging bekanntlich seit 
der decemviralgesetzgebung das bestreben , die consularische 
macht zu verringern, nicht von den plebejern, sondern von den 
patriciern aus. Eine ganz eigenthümliche ansieht von Nitzsch 
ist aber die, daß er als die eigentlichen von der ersten secessio 
eingesetzten magistrate der plebs die ädilen und die 
tribunen als deren diener betrachtet, während man sich 
das Verhältnis zwischen beiden bisher umgekehrt dachte. Nach 
Nitzsch hat erst die Sullanische tradition das Verhältnis umge- 
kehrt, da das tribuuat im laufe der zeit das wichtigere amt ge- 
worden sei. Als beweis für die höhere Stellung der ädilen führt 
Nitzsch einen Vorgang aus dem furchtbaren pestjahre 463 v. Chr. 
an. In jenem jähre erlag der eine consul der seuche, der an- 
dere rang mit dem tode , eine große anzahl der ersten persön- 
lichkeiten im Staate starb dahin. Damals wurde, wie Livius 
(III, 6) berichtet, die oberste gewalt, das consularische Imperium, 
den plebejischen ädilen übertragen , obwohl , wie wir sonst wis- 
sen , tribunen am leben waren. Dieses argument beweist gar 
nichts, da einerseits das tribunat seinem ganzen wesen nach die 
gleichzeitige bekleidung eines anderen Staatsamts , insbesondere 
des consulats, völlig ausschließt, und andererseits die funktionen 
der ädilität (cura urbis, polizeiliche aufsieht über die Stadt) viele 
berührungspunkte mit dem consulat hatten. Den oben bespro- 
chenen gegensatz zwischen plebs rustica und plebs urbana findet 
Nitzsch schon in der geschicbte der decemvirn. Denn der wi- 



Nr. 2. 40. Römische geschichte. 183 

derspruch in dem verhalten des Appius Claudius, der zuerst als 
ein freund , dann als ein feind der plebs dargestellt wird , sei 
nur dadurch zu erklären, dali derselbe ein gegner der ländlichen 
plebs, aber ein feind des handeltreibenden theils der bevölke- 
rung gewesen sei. Demzufolge entsprach nach Nitzsch auch die 
folgende reaktion einem sich plötzlich luft machenden unbehag- 
lichen gefühl der grundaugesessenen plebs und derjenigen pa- 
tricischen geschlechter, welche mit der Claudischen politik nicht 
übereinstimmten und durch dieselbe ebenso wie die bäuerliche 
bevölkerung ihre interessen gefährdet glaubte. Diese erklärung 
ist sehr künstlich und durch die angeführten beweise keineswegs 
hinlänglich gestützt. Von einem gegensatze zwischen einer 
plebs urbana und der plebs rustica hören wir in der damaligen 
zeit noch nichts. Daher verdient dem gegenüber die ansieht 
Ihn es beachtung, wonach Appius Claudius volksfreundlich war 
und eben deshalb von einer durch die patricier ausgehenden 
reaktion gestürzt wurde. Erst auf diese patricische reaktion, 
die vor allem das tribunat beseitigen wollte, trat die zweite se- 
cession ein. 

Die gallische katastrophe erzählt Nitzsch nach Polybius 
(II, 18 ff.) und Diodor (XIV, 1 14 ff.), die er für die beiden be- 
sten quellen hält. Diesen berichten gegenüber verliert die sage 
von des Camillus eingreifen, von der Vernichtung der abziehen- 
den Kelten und der Wiedergewinnung des lösegeldes ihren ganzen 
Zusammenhang. Auch die berühmte erzählung des Livius von 
dem brande und der Zerstörung Roms ist zum mindesten für 
übertrieben zu halten. Bekanntlich hat Georg Thouret auf grund 
dieser aufstellungen von Nitzsch in einer besonderen schrift : 
Ueber den gallischen brand (Teubner 1880), es versucht, den 
gallischen brand zu streichen. Allein die dort angeführten gründe 
erscheinen dem recensenten doch nicht als durchschlagend, und 
es hat derselbe seine bedenken auch in einer besondern bespre- 
chung der Thouretschen schrift (Philol. anz. XIV, p. 60) aus- 
druck gegeben. 

Die gallische katastrophe hatte nach Nitzsch zwei wichtige 
folgen, nämlich die auflösung des lateinischen bundes, dann die 
wirthschaftliche noth und Verschuldung der plebs. Die letztere 
führte zu dem wirthschaftlichen theile der Licinischen gesetze; 
den Zusammenhang zwischen diesem letzteren und der bestimmung, 

13* 



184 40. Römische geschickte. . Nr. 2. 

daß immer ein consul ein plebejer sein müsse, erklärt Nitzsch 
richtig aus einem compromiß der reichen und der armen plebejer. 

In der erzählung der Samniterkriege, deren Überlie- 
ferung auch Nitzsch für außerordentlich zerrüttet hält, ist Nitzsch 
im wesentlichen der reconstruktion Niebuhrs gefolgt, wenn er 
auch hie und da, wie z. b. bezüglich des Friedensschlusses nach 
dem zweiten Samniterkrieg, sich Mommsen anschließt. Sehr un- 
genau und mit geringem Verständnis sind die in diesen Zeitraum 
fallenden staatsrechtlichen Verhältnisse , wie die Unterwerfung 
Latiums und Campaniens, behandelt. 

In betreff der centurienreform schließt sich Nitzsch 
der ansieht Niebuhrs an , wonach dieselbe einfach in einer Ver- 
doppelung der tribuszahl 35 bestand , eine ansieht , welche mit 
der in späterer zeit noch vorhandenen eintheilung in fünf klas- 
sen unvereinbar und jetzt fast allgemein aufgegeben ist. 

Das bekannte Hortensische mit dem dritten Valerischen 
und dem Publilischen dem Wortlaut nach identische gesetz will 
Nitzsch nicht erklären. Dies ist allerdings vorsichtig. Doch 
vermissen wir andererseits eine erklärung der thatsache, daß die 
plebejischen tribusversammlungen nach und nach das ganze ge- 
biet der gesetzgebung sich aneignen und des weiteren, wie die 
tribunen aus plebejischen sonderbeamten zu oberbeamten des 
gesammtstaats sich entwickelt haben. 

Den gegensatz, der nach Nitzsch von anfang an die römische 
republik beherrscht, nämlich den zwischen commercieller und bäuer- 
licher politik, will er besonders im kriege mit Pyrrhus erkennen ; 
derselbe soll hier hauptsächlich nach der schlacht bei Heraklea her- 
vorgetreten sein, wo es sich nach unserer darstellung darum handelte, 
ob die Römer die bedingungen des Pyrrhus (herausgäbe von Un- 
teritalien, dagegen freie hand gegen norden) annehmen und da- 
mit für immer auf eine commercielle politik verzichten (politik 
des Fabricius und Dentatus) oder der politik des Appius Claudius 
Caecus folgten, der die exclusiv rusticane politik des Dentatus be- 
kämpfte und forderte , daß Rom nicht auf jede maritime politik 
verzichten solle. 

Diese Claudische politik siegte nach Nitzsch von neuem, 
als man sich entschloß , die Mamertiner in Messaua zu unter- 
stützen. Dagegen ist die Vernachlässigung der römischen flotte 
seit dem jähre 312 auf den einfluß der rusticanen partei zu- 



Nr. 2. 41. Römische geschiebte. 185 

rückzuführen. Der erste punische krieg hatte eine Stärkung 
der commerciellen politik zur folge; Rom wurde Seemacht, und 
dies mußte dem römischen kaufmann und dem stände der frei- 
gelassenen, dem eigentlich handeltreibenden element, vor allem 
zu gute kommen. Doch war damit der kämpf zwischen den bei- 
den elementen der römischen plebs keineswegs entschieden. Der 
Hannibalische krieg war vielmehr für die plebs rustica die 
fortsetzung des Keltenkriegs , bei dem es sich hauptsächlich um 
die bereicherung derselben durch ackerauftheilung handelte. Da- 
her auch die Opposition gegen den kriegsplan des Fabius, 
welcher die Poebene preisgab, während es im interesse der plebs 
lag, die kostbare eroberung im Pothale so bald wie möglich vom 
feinde zu säubern. Die niederlage des Flaminius am Trasimenus war 
zugleich eine niederlage der rusticanen und antisenatorischen par- 
tei. Die Verwüstungen Hannibals während der diktatur des Fa- 
bius trafen unmittelbar die bäuerliche plebs, weshalb auch die 
plebejisch-rusticane Opposition bald wieder auflebte und die wähl 
des Terentius Varro neben Aemilius Paulus für das jähr 216 
durchsetzte. Die Schlacht bei Cannae, äußerlich ein großes Un- 
glück, hatte andererseits die günstige folge, daß eine Versöhnung 
der parteien eintrat und der staat die innere festigkeit erlangte, 
die ihn schließlich zum siege verholfen hat. 

Nach dem Hannibalischen krieg kam zu dem gegensatz der 
bäuerlichen und commerciellen politik noch ein anderer hinzu. 
Nämlich Scipio, der ein begünstiger der ersteren war, ver- 
folgte nach außen den grundsatz, daß Rom sich nicht neue län- 
der annektieren und dieselben in provinzen verwandeln, sondern 
sich mit einem system selbständiger verbündeter Staaten umge- 
ben müsse. Diese politik widersprach dem interesse der com- 
merciellen partei , welche in einer erweiterung des provinzialsy- 
stems ihren vortheil suchte. Von jetzt an zeigt sich im römi- 
schen Staate ein heftiges ringen zwischen diesen richtungen. 
Zunächst gelangte die antiseipionische partei durch den für 
Scipio unglücklichen unterschleifsprozeß zum siege. Dieser stellte 
auch die nach Scipionischen prinzipien geordneten Verhältnisse 
des Ostens in frage, was zunächst den krieg mit Perseus im ge- 
folge hatte. Allein die mißerfolge in diesem kriege führten 
wieder zu einer Stärkung der Scipionischen partei, an deren 
spitze Aemilius Paullus stand , nach dessen sieg bei Pydna die 



186 41. Römische geschichte. Nr. 2. 

gegenpartei sich zu concessionen bequemen mußte. Doch mit 
dem tode des Aemilius Paullus (160) erhob die kaum zurück- 
gedrängte kapitalistenpartei aufs neue ihr haupt und erfocht in 
der Zerstörung Karthagos und Korinths sowie in der Verwand- 
lung Africas, Achajas und Macedoniens in provinzen siege, de- 
ren Wirkungen bleibende sein sollten. Denn mit der ausdeh- 
nnng der römischen provinzialverfassung und der dadurch be- 
dingten großen fluktuation der vermögen mußten die merkan- 
tilen und kapitalistischen interessen sich immer mehr , auch in 
den Volksversammlungen, bemerkbar machen und das eigentliche 
lebenselement der republik, die kleinen bauern, immer mehr zu- 
rückgedrängt werden. Auch die auf diese zeit folgende politik 
ist zum größten theil durch wirtschaftliche interessen bedingt. 
Die wirthschaftlichen Verhältnisse der bürgerschaft verschlech- 
terten sich nämlich mit reißender Schnelligkeit. Der hauptgrund 
hiervon lag in der durch die ansammlung großer kapitalien be- 
dingten zunähme der großen gutswirthschaft und des sklavenim- 
ports. Jene verschlang die kleinen bauernstellen , dieser ver- 
drängte die freien arbeiter von den feldern. Das verschwinden 
des bäuerlichen mittelstandes hatte aber auch zugleich den ruin 
der bisherigen kriegsverfassung zur folge , deren vertauschung 
mit einer besoldeten proletarierarmee ehrgeizigen großen den 
weg zur alleinherrschaft bahnen sollte. Eine reform gegen die 
genannten übelstände konnte nur zwei wege einschlagen ; man 
konnte entweder die römische bauernschaft durch neue assigna- 
tionen wirthschaftlich stärken , oder aber durch aufnähme der 
noch nicht ruinierten Latiner und bundesgenossen in die alt- 
bürgerschaft dem Staate frische und ungebrochene kräfte zufüh- 
ren. Jenen weg schlug Tiberius , diesen Cajus Gracchus ein. 
Das scheitern der Gracchischen reformen führte zunächst zu ei- 
ner enormen Steigerung des egoistischen kaufmannsgeistes und 
damit zu einer gänzlich veränderten Stellung der nobilität, 
welche sich den reichen rittern gegenüber jetzt ebenfalls auf 
den gelderwerb angewiesen sah. Weitere folgen waren die er- 
pressungen der Statthalter in den provinzen, die vollständige de- 
moralisation der unteren stände, das entstehen eines proletarier- 
heeres und zuletzt der fürchterliche bundesgenossenkrieg, durch 
den die wirthschaftlichen Verhältnisse Roms vollständig ruiniert 
wurden. Die aufnähme der neubürger in alle tribus war das 



Nr. 2. 41. Römische geschichte. 187 

werk des mit Sulpicius verbündeten Marius, der dadurch die 
stimmen derselben für den mithridatischen krieg gewann. 
Die antimarianische partei gewann aber die oberhand und so 
kam es zum ersten bürgerkriege , der mit dem vollständigen 
siege des Sulla endigte. Die Sullanische reform richtete ihre 
spitze gegen die ritter, begrub alle bildungen und bewegungen 
unter einem furchtbaren Soldatenregiment und begünstigte eine 
junge aristokratie, die als ihr ziel die ausbeutung der provinzen 
betrachtete und deren schließlicher ruin als die hauptursache 
der catilinarischen Verschwörung zu betrachten ist. 
Eine reaktion gegen die durch Sulla herbeigeführte mißwirth- 
schaft ging zunächst von P o m p e j u s aus, der, obwohl ursprüng- 
lich selbst ein Sullaner, in Verbindung mit Crassus, mit dem 
er das consulat im jähre 70 theilte, alle ehrbaren elemeute ge- 
gen die bisherige mißwirthschaft vereinigte. 

Die folge davon war die Wiederherstellung des tribunats 
und der censur , die erlosung der richter aus dem senat , dem 
ritterstand und den aerartribunen und im weiteren die nieder- 
lage der Sullanischeu aristokratie. Der ruin der letzteren führte 
die Catilinarische Verschwörung herbei , deren kern von banke- 
rotten Sullanern gebildet wurde. 

Der charakter der folgenden zeit ist der der persönli- 
chen intrigue, die sich auf eine furchtbare weise geltend 
machte. In der Charakteristik der einzelnen persönlichkeiten 
weicht Nitzsch sehr von den neuern, insbesondere von Mommsen 
ab. Pomp ejus war nach ihm ein großes organisatorisches ta- 
lent und ein bedeutender, von neueren sehr unterschätzter feld- 
herr Von den übrigen damaligen heerführern unterschied er 
sich durch die ungeschwächte freude an großen und anstren- 
genden arbeiten, den sinn für den materiellen Wohlstand der 
nation und durch die behutsame, überaus vorsichtige art, mit 
der er bei seinen militärischen Unternehmungen die mittel sam- 
melte , organisierte und den entscheidenden schlag vorbereitete. 
Die laufbahn Cäsars vor dem gallischen feldzuge 
widerspricht nach Nitzsch dem glänzenden bilde, welches Momm- 
sen von ihm entwirft; erst in Gallien entwickelten sich Cäsars 
genie und die großen eigenschaften seines Charakters. Der 
kämpf gegen Pompejus entschied sich zu seinen gunsten, weil 
Cäsar nicht von einer vielköpfigen aristokratie abhängig war, 



188 41. Römische geschichte. „ Nr. 2. 

durch deren hartnäckigen eigensinn Pompejus vorzeitig zu der 
Schlacht hei Pharsalus gezwungen wurde. Im übrigen erwiesen 
sich die beiden hauptfaktoren des Cäsarischen reformsystems, 
die man in der regel als die tilgung aller bisherigen übelstände 
bezeichnet, nämlich die erniedrigung des Senats und die respek- 
tierung der principiellen Volkssouveränität, nach seinem tode 
als die Schöpfungen einer kurzsichtigen politik , die nur dem 
schöpfer selbst einen halt für seine momentane macht, dem Staate 
aber gar nichts boten. Das hauptproblem , die Stellung der 
armee im römischen Staate, hatte Cäsar nicht gelöst. Antonius 
und Octavianus suchten diese frage dadurch zu beseitigen , daß 
sie alles der rücksicht auf die legionen unterordneten ; nur da- 
durch waren sie stark. Als Antonius im gegensatz von Octa- 
vian von diesem prinzip abwich und sich an die spitze der 
alten eigenthümer stellte, führte dies zum ersten conflikt zwischen 
den beiden machthabern im Perusinischen kriege. Derselbe 
wurde zwar mit einer allgemeinen Versöhnung beschlossen, doch 
war der friede nicht von langer dauer. Die neuorganisation 
Italiens machte übrigens Octavian zum stärkeren, wie denn Oc- 
tavian nicht soldat , sondern durch und durch Staatsmann war. 
Mit der Schlacht bei Aktium schließt die geschichte der rö- 
mischen republik. Sie endet infolge dieser schlacht mit der 
Vereinigung der gesammten Mittelmeerküste unter dem römischen 
imperium. 

Wir haben uns im vorstehenden im wesentlichen darauf 
beschränkt, Nitzsch's auffassung der geschichtlichen entwicke- 
lung in ihren grundzügen wiederzugeben. Natürlich wäre dazu 
im ganzen wie im einzelnen vieles zu bemerken, was aber hier 
nicht weiter verfolgt werden kann. Die enge beziehung , in 
welche Nitzsch durch bestimmte gegensätze die innere und die 
äußere politik bringt, wirft zwar auf das Verständnis vieler er- 
scheinungen ein überaus klares licht; allein wie die allzu con- 
sequente und schroffe Verfolgung seiner in der römischen Anna- 
listik aufgestellten historisch-kritischen principien ihn oft für die 
nächst liegenden Wahrheiten blind gemacht hat, so hat auch 
hier die Übertragung der von ihm angenommenen politischen 
gegensätze auf die gesammte geschichte der römischen republik 
ihn häufig die offenbarsten historischen Wahrheiten übersehen 
lassen. Wir haben schon oben bemerkt, daß die annähme eines 



Nr. 2. 42. Römische alterthümer. 189 

politisch ausschlaggebenden gegensatzes zwischen plebs urbana 
und plebs rustica in der zeit der decemvirn ein anachronismus 
ist. Aber wir halten es auch zum mindesten für mehr als zwei- 
felhaft, ob auch im kriege mit Pyrrhos und in dem mit Han- 
nibal dieser gegensatz schon die ausschlaggebende bedeutuug ge- 
habt, die Nitzsch ihm zuweist. Insbesondere ist die annähme, 
daß die plebs den Hannibalischen krieg lediglich als eine fort- 
setzung des Keltenkrieges betrachtet habe, doch angesichts der 
ganz unerwarteten gefahr , die Rom nach der schlacht an der 
Trebia und am Trasimen bedrohte , äußerst unwahrscheinlich. 
Auch in der entwickelung der folgenden ereignisse wäre noch 
dies und jenes zu bemerken , was uns , wenn nicht einer voll- 
ständigen Zurückweisung, doch einer bedeutenden einschränkung 
zu bedürfen scheint. Als vollständig schief aber muß die Cha- 
rakteristik von Cäsar und Pompejus betrachtet werden. Wenn 
man auch nicht soweit gehen will, wie Mommsen, der den Pom- 
pejus dem genialen feldherrn Cäsar gegenüber als einen „Wacht- 
meister" bezeichnet, so ist er doch sicherlich mit Cäsar nicht 
auf eine linie zu stellen. Uebrigens hat Nitzsch nebenbei ge- 
sagt ähnliche verunglückte ausdrücke gebraucht, die offenbar 
die antiken Verhältnisse unserem modernen empfinden näher 
bringen sollen, so z. b. die mehrmals vorkommende phrase : „land- 
rath , advokat und bataillonskommandeur waren in Rom häufig 
in einer person vereinigt". Den schließlichen sieg Cäsars über 
Pompejus als ein bloßes werk des zufalls zu erweisen, ist unserer 
ansieht nach Nitzsch trotz allen bemühens nicht gelungen. Auch 
die abfällige beurtheilung von Cäsars reformsystem, welches doch 
sicherlich die Voraussetzung für die alleinherrschaft des Augu- 
stus und die monarchie war, vermögen wir uns nicht anzueignen. 
Im übrigen ist das werk trotz der gerügten fehler allen denje- 
nigen , welche sich eingehender mit der römischen geschichte 
beschäftigen, sehr zu empfehlen. M. Zoeller. 



42. Marks, E., de alis, quales in exercitu Romano tem- 
pore liberae reipublicae fuerint. Lipsiae, Teubner 1886. (XV. 
Supplementband der Jahrbücher für class. philologie p. 1 — 44). 

Der erkenntnis der kriegerischen einrichtungen bei den 
Griechen und Römern ist nichts hinderlicher als der umstand, 
daß nur sehr wenige Schriftsteller sich der genauigkeit im 



190 42. Römische alterthümer. Nr. 2. 

gebrauche militärischer termini befleißigen. Die vorliegende Un- 
tersuchung zeigt, daß das wort ala von Livius und anderen 
autoren in ganz verschiedenem sinne gebraucht werde , daß 
damit nach dem sprachgebrauche der späteren zeit eine rei- 
terabtheilung bezeichnet werde , in den darstellungen der äl- 
teren römischen geschichte das wort aber bald in diesem sinne, 
bald für das aus reitern und fußvolk zusammengesetzte contin- 
gent der bundesgenossen verwendet werde. Die art des aufge- 
botes des letzteren, die bei Polybios VI, 21 ff. geschildert wird, 
hat nach Marks längstens bis in die zeit des marsischen krieges 
bestanden, während desselben wird ala zuerst speciell und tech- 
nisch für reiterabtheilungen gebraucht. Der verf. sucht ferner 
die art der aushebung der alten alae sociorum , ihre comman- 
danten und ihre Verwendung im felde zu bestimmen , und ver- 
gleicht die von Polybios überlieferten Zahlenangaben über die 
stärke dieser alae im Verhältnis zu den legiones mit den bei Li- 
vius und anderen autoren in den Schilderungen von kriegen 
angegebenen Ziffern. Die letzteren stimmen zu der von Poly- 
bios angegebenen norm durchaus nicht. Endlich wird der be- 
griff und die Verwendung der reiterala seit dem marsischen 
kriege und in der zeit Caesars dargelegt. 

Eine wichtige und auch die ergebnisse dieser sorgfältigen 
Untersuchung berührende frage scheint mir zum nachtheil der- 
selben nicht in betracht gezogen zu sein ; die rein militärische 
und taktische , wie die aus fußtruppen und reitern zusammen- 
gesetzten legiones und alae zur Verwendung kamen und ob nicht 
in dem verschiedenen gebrauch des letzteren terminus die nach- 
wirkung einer geänderten taktik früherer und späterer zeit zum 
ausdruck gelangt. In einem punkte hat die außerachtlassung 
dieser dinge den Verfasser zu einer irrigen auffassung verleitet. 
Wenn Polybios XI, 23, 1 bemerkt die Zusammenfassung von 
drei manipeln habe bei den Römern als taktischer körper den 
namen cohorte geführt, so hat Delbrück darin mit recht einen 
beweis erblickt, daß schon zu Polybios zeit der Übergang von 
der manipulartaktik zur cohortentaktik stattgefunden habe. 
Marks dagegen meint, cohors bezeichne die abtheilungen der socii, 
manipulus jene der legionare. Die bedeutung der ala und die 
Veränderungen dieses militärischen terminus lassen sich nicht 
darlegen, ohne auf die alte phalanx der Römer, die mit gelenken 



Nr. 2. 43. Römische alterthümer. 191 

versehene phalanx der manipularordnung und die cohortentaktik 
einzugehen. 

Adolf Bauer. 

43. Max. Siebourg, de Sulevis Campestribus Fatis 
dissertatio epigraphica. Bonuae 1886. (Diss. inauguralis). 40 p. 8. 

Jedem , zu dessen speziellerem arbeitsgebiet die alten in- 
schriften gehören, wird sich gelegentlich die Wahrnehmung auf- 
gedrängt haben , wie viel noch nicht genügend ausgebeutetes 
material zur erkenntniß der religionen der den Römern unter- 
worfenen Völker in denselben enthalten ist, und demgemäß auch 
der wünsch, daß diese schätze durch gründliche, systematische 
bearbeitung gehoben werden möchten. Als einen beitrag zur 
lösung dieser aufgäbe werden wir also die vorliegende disserta- 
tion von vorn herein willkommen heißen. Aber sie verdient 
unsere anerkennung auch durch die umsichtige sorgsamkeit, mit 
der wenigstens die die Suleviae und Campestres betreffenden denk- 
mäler in ihr zusammengestellt, und die besonnenheit , mit der 
die daraus sich ergebenden folgerungen gezogen worden sind- 
Für die Fati Fatae freilich kann die arbeit des verf. nicht als 
genügend bezeichnet werden, wie ich unten zu beweisen gedenke. 
Jetzt möchte ich zunächst den thatsächlichen inhalt der schrift 
kurz berichten und beurtheilen. 

P. 6 — 28 erhalten wir zunächst eine vollständige Übersicht 
der inschriften, durch welche die gottheiten bezeugt werden, die 
den gegenständ der Untersuchung bilden: p. 1 — 16 die die Su- 
leviae betreffenden mit zwei auf die dea Sules{?) von Bath und 
die Silvanae bezüglichen anhängen p. 16 — 20, dann p. 20 — 25 
die, welche den Campestres, und 25 — 28 die, welche den Fati, 
Fatae gewidmet sind. — Daß die den denkmälern beigefügten 
anmerkungen ihren Standpunkt etwas gar zu niedrig nehmen 
und zum guten theil für leute bestimmt zu sein scheinen , die 
noch nie eine lateinische inschrift gelesen haben, thut der sache 
ja wenigstens keinen schaden. 

In der darauf folgenden erörterung bestimmt der verf. zu- 
nächst die provinzen, denen der cult der Suleviae und der mit 
ihnen eng verwandten Matres (oder Matronae) angehört. Erstere 
finden sich in Moesien, Pannonien , Dacien , Raetien, Helvetien, 
Germania superior und inferior, Gallia Narbonensis, Belgica und 



192 43. Römische alterthümer. Nr. 2. 

im südlichen Britannien , letztere abgesehen von den Donaupro- 
vinzen ebenda und außerdem noch häufig in Gallia transpadana 
und vereinzelt in Spanien. Es sind also keltische und germa- 
nische landschaften , in denen diese gottheiten zu hause sind. 
Ihr cult erstreckt sich über die ersten drei Jahrhunderte der 
kaiserzeit, und zwar war er, wie der verf. meint, ausschließlich 
oder vornehmlich den homines humiliores eigen. Darin aber wird 
man ihm schwerlich recht geben können. Daß unter den sol- 
dateu , die als dedicanten der Suleviae begegnen — mit aus- 
nähme eines (no. 21) alle den zur stadtrömischen garnison zäh- 
lenden equites singulares Augusti zugehörig — keiner eine hö- 
here charge bekleidet als die eines centurio oder decurio , kann 
uns nicht wunder nehmen. Höher pflegten diese peregrini in 
der regel nicht emporzusteigen. Von den Widmungen an die 
Matres gehen zwei , in Lyon und Benwell (Britannien) , von ei- 
nem tribunus legionis und einem praefectus alae aus , also von 
inhabern der höchsten ritterlichen Chargen, die jedenfalls zu den 
allerangesehensten leuten jener orte gehörten. Wenn sich aber 
unter den Privatleuten keine finden , von denen es ausgemacht 
wäre, daß sie zu den reicheren und vornehmeren gezählt hätten, 
so ist das gegentheil doch ebensowenig zu erweisen, und jeden- 
falls berechtigt auch die geringe anzahl der Zeugnisse, die sich 
ja unter so verschiedene landschaften vertheilen, nicht zu einem 
derartigen Schluß. — Dagegen urtheilt der verf. richtig , daß 
die Suleviae wie die Matres Schutzgottheiten sind, Schutzgottheiten 
theils bestimmter örtlichkeiten , theils bestimmter stamme , fami- 
lien oder einzelner. Mit den Suleviae gehört auch die dea Sules 
von Bath zusammen. Der name scheint „die schauenden" zu 
bedeuten, vgl. ir. suil (mit sol verwandt) = oculus , eine für 
Schutzgottheiten offenbar sehr angemessene benennung. Die auf 
den bildlichen darstellungen den Suleviae beigegebenen attribute 
sind die der gottheiten , quae salutem ac fecunditatem donare cre- 
debantur. 

Die ebenfalls weiblichen Campestres , welche etwa den glei- 
chen landschaften und der gleichen zeit angehören wie die Su- 
leviae, also trotz des lateinischen namens keine italischen gott- 
heiten sind , wollten frühere für die Schutzgottheiten der felder 
und feldfrüchte erklären. Allein campus bedeutet stets das mi- 
litärische übungsfeld , und campester wird nur in beziehung auf 



Nr. 2. 43. Römische alterthümer. 193 

leben und sitten der lagersoldaten gebraucht. Nur Soldaten er- 
scheinen als Verehrer der Campestres. Also sind diese militärische 
Schutzgöttinnen, eine art Spezialisierung der Matres. Den un- 
terschied, den der verf. in bezug auf den rang und die sociale 
Stellung zwischen den dedicanten der Suleviae (Matres) und der 
Campestres behauptet, kann ich, wie schon aus dem oben gesagten 
folgt, nicht zugeben. 

Auch der cult der Fati Fatae ist, ursprünglich wenigstens, 
nicht italisch , sondern hat in ungefähr denselben gebieten sei- 
nen sitz gehabt wie der der Matres. Es sind wie diese schutz- 
gottheiten , nur männlich und weiblich, und der verf. identifi- 
ciert sie wohl mit recht mit den in keltischen landen nicht selten 
auf inschriften vorkommenden Parcae. Daß sie nur von den leuten 
niederen Standes verehrt worden seien, müssen wir wiederum für 
unrichtig erklären, wobei ich noch bemerken will, daß doch auch 
centurionen und decurionen in den landstädten Italiens und der 
provinzen entschieden zu den houoratioren gehörten. Der verf. 
würde aber in diesen irrthum gewiß nicht gerathen sein , wenn 
er sich nicht lediglich auf die inschriftlichen Zeugnisse beschränkt 
und insbesondere an den münzen, auf denen die Fatae erwähnt 
werden, nicht vorbeigegangen wäre. Es ist das um so mehr 
zu verwundern, als ihn das citat in Prellers röm. mythologie 2 
565 anm. 4, wo freilich statt Fata Victricia vielmehr Fatae Vic- 
trices zu schreiben war, darauf hinwies. Die hierhergehörigen 
münzen sind : von Diocletian a) Eckhel d. n. VIII p. 6 = Cohen 
description des monnaies 2 VI p. 422 n. 57 (vgl. n. 58) und 
b) Cohen ebendas. n. 56; c) von seinem mitregenten Maximian 
Cohen a. a. o. VI p. 503 n 90. Der revers zeigt bei n unter 
der Umschrift Fatis Victricibus drei göttinnen , die in der linken 
eine jede ein füllhorn halten und mit der rechten, die eine al- 
lein, die beiden anderen zusammen ein Steuerruder. In b und c 
erscheinen die drei göttinnen bei gleicher Umschrift ohne attri- 
bute , übrigens einander bei den bänden fassend und die links 
mit erhobener rechten. Es liegt auf der hand, daß wir es hier 
nicht mit den von den römischen dichtem und auf bildwerken 
so oft dargestellten römischen oder hellenischen schicksalsgott- 
heiten zu thun haben. Erwägt man außerdem , daß auch die 
mit den Fatae verwandten drei Matres oder Matronae (vgl. Sie- 
bourg p. 35) auf gallischen denkmälern öfter mit dem füllhorn 



194 44. Römische alterthümer. Nr. 2. 

erscheinen (vgl. Sieburg a. a. o.), daß es ferner nur zwei illy- 
rische kaiser sind, auf deren münzen wir diesen gottheiten be- 
gegnen, so wird man es gewiß mit mir für höchst wahrschein- 
lich ansehen, daß wirklich hier Fatae Victrices zu verstehen und 
diese mit jenen Schutzgottheiten der germanischen, keltischen und 
Donauprovinzen identisch sind ! ). Vermutblich sind diese später 
auch nach Italien übertragen worden und dort mit den von den 
Griechen entlehnten so wie mit den nationalitalischen Vorstel- 
lungen von den schicksalsgottheiten zusammengeflossen. Indeß 
man wird mir nicht zumuthen auf diesen schwierigen gegenständ 
hier näher einzugehen. 

Johannes Schmidt. 



4:4c. Hermann Maue\ die vereine der fabri, centonarii 
und dendrophori im römischen reich. I. Die natur ihres hand- 
werks und ihre sakralen beziehungen. Mit einem anhang, ent- 
haltend die inschriften. (Programm des realgymnasiums in Frank- 
furt a. M. Ostern 1886). Frankfurt, Mahlau und Waldschmidt 
1886. 78 p. 4. 

Diese abhandlung kann als ein werthvoller beitrag zu der 
für die zustände der römischen kaiserzeit so interessanten frage 
des genossenschaftswesens bezeichnet werden. Nach einigen ein- 
leitenden bemerkungen über die bedeutung und klassifikation 
der römischen kollegien greift der verf. die drei bedeutendsten 
hand werkerkollegien, die fabri, centonarii und dendrophori heraus, 
um die art ihres handwerks, ihren zweck, ihre sacralen bezie- 
hungen und ihre geltung in dem munizipalen leben zu bespre- 
chen. In jener einleitung stellt er sich hinsichtlich der einthei- 
lung der kollegien auf die seite derer, welche nicht mit Momm- 
sen als caussa perpetua aller profanen kollegien die fürsorge für 
die bestattung und die dafür nöthige beschaffuug der mittel an- 
sehen , sondern die handwerkervereine besonders stellen 2 ). Er 
unterscheidet p. 3 vier arten: 1) die rein sakralen, 2) die hand- 

1) Fatae Victrices richtig Schiller Geschichte der römischen kai- 
serzeit D, p. 156. Richtig urtheilte im allgemeinen auch schon Lersch 
Jahrbuch des Vereins von alterthumsfreunden im Rheinland II (1843) 
p. 129 ff. , wenn seine behauptungen auch im übrigen nicht alle be- 
weisbar sind. 

2) Den p. 1 anm. 2 genannten gegnern der Mommsenschen auf- 
fassung wären auch noch beizufügen Duruy, Hist. des Rom. V, 
413 anm. 3. 



Nr. 2. 44. Römische alterthümer. 195 

werkervereine und sonstigen berufsgenossenschaften, 3) die col- 
legia tenuiorum , Unterstützungsvereine ärmerer, von denen eine 
art die sterbekassenvereine (collegia funeraticia) waren , 4) die 
militärischen vereine , ebenfalls zu gegenseitiger Unterstützung 
ins leben gerufen. Unter den handwerkervereinen unterscheidet 
er nur solche der älteren zeit, welche zum theil schon während 
der republik entstanden waren zum theil während der früheren 
kaiserzeit je durch besonderen Senatsbeschluß gestattet wurden. 
Die erstere kategorie ist lediglich hervorgegangen aus dem be- 
dürfnis der handwerker die meistens freigelassene waren , ihre 
soziale Stellung zu heben, geselligkeit zu pflegen und sich mit 
rath und that zu unterstützen. Von den collegia tenuiorum un- 
terscheiden sie sich nur durch die gemeinsamkeit des berufs unter 
den mitgliedern, in den zwecken des Vereins aber nimmt dieser 
beruf keine stelle ein , es handelt sich weder um Überlieferung 
und fortbildung der technik noch um gemeinsame ausübung, 
sondern die berufsgenossenschaft hat nur die bedeutung , daß 
leute , welche dieselbe beschäftigung haben, sich leichter und 
enger aneinanderschließen. Die sakrale beziehung fehlt ihnen 
nicht, ist aber nicht der eigentliche zweck. Von den drei spe- 
ziell erörterten collegia opificum nun werden die fabri ohne nä- 
here bezeichnung (wie aerarii, ferrarii, aurarii u. dgl.) als iden- 
tisch mit den fabri tignuarii d. h. als bauhandwerker bezeichnet, 
die centonarii in ausführlicher bemerkenswerther erörterung als 
verfertiger von centones d. h. nicht bloß von aneinandergeflickten 
kleiderabfällen, sondern von filzstoffen , die gar mancherlei Ver- 
wendung im bürgerlichen und militärischen leben hatten , nach- 
gewiesen. Die dendrophori endlich sind ursprünglich holzliefe- 
ranten , also ebenfalls zum baugewerke gehörig ; ihr lateinischer 
name war, was freilich durch das beispiel Pompejis ungenügend 
gestützt ist, lignarii, nach einführuug des kults der Mater Magna 
und des Attis aber bekamen sie die lieferung der bäume für 
deren fest, die dendrophorie , und nahmen von dem fremden 
kult den fremden namen an. Als holzlieferanten stehen sie in 
beziehungen zu den fuhrleuten (plostrarii) und den Schiffern (na- 
vicularii). Wie die dendrophori, so haben auch die andern ver- 
eine besondere beziehungen zu göttern als Schutzpatronen, die 
sie sich geben, die sakrale thätigkeit aber, die in kap. II erör- 
tert wird, besteht in dem cultus dieser götter durch opfer, opfer- 



196 44. Römische altertbiimer. , Nr. 2. 

mahlzeiten und spiele, in gemeinsamer f'ürsorge für die begräb- 
nisstätte und in der pflege der gräber, also in ähnlichen funktio- 
nen, wie sie die gentilicischen und rein sacralen genossenschaften 
haben. In kapitel III bespricht der verf. bedeutung und ansehen 
der drei kollegien in den landstädten. Ein epigraphischer an- 
hang, der besonders dankenswerth ist, stellt die inschriften der- 
selben zusammen , welche die inschriftensammlungen bis jetzt 
bieten. Der verf. will mit dieser abhandlung seinen gegenständ 
noch nicht erschöpft haben , er verspricht eine weitere Untersu- 
chung über das rechtsverhältnis der kollegien zur Staatsgewalt, 
die gesellschaftliche Stellung der mitglieder, die innere Organi- 
sation der vereine und ihre Vermögensverhältnisse (p. 6). 
Dabei soll auch nachgewiesen werden , daß bis gegen das ende 
des 2. jahrhnnderts ein besonderer beamter, der praefectus fabrum 
mit der polizeilichen bewachung der vereine beauftragt war 
(p. 48). Dagegen läßt der verf. die erörterung der späteren 
vom Staate zwangsweise zusammengehaltenen und für seine 
zwecke verwendeten, andrerseits aber auch mit immunitäten be- 
dachten vereine auf der seite (p. 47). 

Mit dem in der vorliegenden abhandlung gebotenen hat der 
verf. das verdienst, indem er zwei so wichtige kollegien, wie 
die der centonarii und dendrophori ausführlich behandelt — die 
fabri sind nur ganz kurz besprochen — , ein konkretes bild von 
dem bestand eines solchen kollegiums und den interessen , die 
es vertritt, gegeben zu haben , oder genauer von dem , was die 
inschriften davon enthalten; denn neben dem könnte doch auch 
noch anderes in betracht kommen. Ref. hat in seiner 1864 er- 
schienenen Gallia Narbonensis die vermuthung hingestellt, es 
hätten die collegia opificum eine art produktivgenossenschaften 
gebildet; der verf. wendet dagegen ein, dafür lasse sich der 
nachweis nicht beibringen. Als bewiesen sollte jene these auch 
nicht gelten ; sie sollte eben eine lücke ausfüllen , die darin zu 
liegen schien , daß das handwerk als das den verein bildende 
moment erscheint und doch in den zwecken des Vereins gar 
keine rolle spielen soll, und sie stützte sich darauf, daß die betreffenden 
gewerbe solche sind , zu deren betrieb größere mittel gehören, 
und daß der Staat, als er diese genossenschaften für seine zwecke 
benutzte, sie eben als gewerbe in beschlag nahm, wozu dann 
dadurch die Vermittlung leichter geboten wäre, wenn vorher der 



Nr. 2. 45. Römische alterthümer. 197 

gewerbebetrieb ebenfalls eine rolle gespielt hätte 2 ). Ich will in- 
dessen jene these , eben weil unser material keine direkten be- 
weise dafür bietet , nicht weiter verfolgen oder aufs neue auf- 
stellen ; allein man fühlt doch eine lücke in unsrer einsieht, wenn 
man sieht , wie gewichtig und zugleich in wie engem verein 
diese handwerker auftreten, und nun annehmen soll, daß sie in 
dem, was ihren beruf betrifft, doch ganz isoliert, als einzelne 
gewerbetreibende, beziehungsweise konkurrenten neben einander 
stehen. — Was ferner die eintheilung der kollegien betrifft, die 
der verf. vorschlägt, so will es mir scheinen, als ob ev, was an- 
laß zu verschiedenen benenuungen giebt , mit der rechtlichen 
begründung verwechselt. Es ist immerhin möglich , daß der 
Staat ein merkmal , das allen zugehörte , das gemeinsame be- 
gräbnis , als causa perpetua aufstellte , und es den konkreten 
Verhältnissen des lebens anheimgab , sich für diesen nominellen 
zweck zu koDstituieren, damit aber andere zwecke zu verbinden, 
natürlich sich dabei vorbehaltend , jede sich bildende und um 
genehmigung nachsuchende geuossenschaft , die nach dem Cha- 
rakter ihrer mitglieder besondere zwecke repräsentierte, sich dar- 
auf anzusehen , ob man sie anerkennen könne oder nicht. In- 
dessen beabsichtigt ja der verf. , die rechtsverhältnisse der kol- 
legien noch besonders zu behandeln und ebenso noch verschie- 
dene andere fragen, deren befriedigende lösung sehr zu wün- 
schen wäre. Da wird wohl auch die frage sich erheben , ob 
der gesichtspunkt, von dem aus unter einem Antoninus Pius und 
M. Aurel die kollegien behandelt wurden, nicht in der richtung 
lag, daß man mit den nöthigen kautelen den humanitären zweck 
derselben fördern wollte und erst in der nachfolgenden zeit der 
Staat auf die ausnntzung dieser verbände zu seinen zwecken kam. 
— In der p. 41 besprochenen inschrift aus Emona (n. 265): 
leg{atis) ex testamentiis) eor(urn) dec. IUI coll{egii) fabr(um), uti ro- 
sas carnar(iis) ducant, ergiebt sich aus diesem ducant heraus die le- 
sung decuriis quattuor natürlicher als decuriae quartae. E. Herzog. 

2) Auch stände dem nicht gerade entgegen, daß in diesen kolle- 
gien einzelne mitglieder sich finden , die nicht das gewerbe treiben, 
nach dem das kollegium sich nennt; die könnten ja, weil sie ein ver- 
wandtes geschäft haben , mit ihren mittein bei dem durch das kolle- 
gium vertretenen betrieb sich betheiligen. 



45. P. Willems, les elections municipales ä Pomp&. Dis- 
Piniol. Anz. XVII. 14 



198 45. Römische alterthümer. v Nr. 2. 

cours prononce" k la seance publique (de l'acad. royale de Belg.) 
du 12. mai 1886. 142 p. Bruxelles, F. Hayez 1886. 

Der gelehrte belgische romanist, dem die römischen alter- 
thümer in dem Droit public rom. ein vortreffliches handbuch, 
in der umfangreichen schrift Le sönat de la räpublique rom. 
eine ausgezeichnete monographie verdanken , giebt hier in der 
Veröffentlichung einer akademischen rede mit den dazu gehörigen 
belegen das muster einer antiquarisch - epigraphischen Untersu- 
chung in einer form, die auch für weitere kreise anziehend ist. 
Aus den bis jetzt zu tage geförderten quartieren Pompejis soll 
uns das bild eines wichtigen Stücks munizipalen lebens erstehen 
durch die Schilderung der Wahlhandlung eines bestimmten jahrs 
mit all dem detail, welches die inschriften und die topographie 
des orts geben. 

Allgemein bekannt sind die an den wänden der häuser 
von Pompeji auf stuck gemalten oder eingeritzten wahlprogramme, 
beinahe durchaus erklärungen für den und den candidaten sei 
es in der form des Wunsches, daß er gewählt werde {rogare, 
capere aliquem) oder der aufforderung , ihn zu wählen (oro vos 
faciatis) oder der erklärung, daß man für ihn eintrete (facere) 
mit beigefügter empfehlung (z. b. panem bonum fett) oder em- 
pfehlendem beiwort (virum bonum, iuvenem probum, egregium) ; end- 
lich finden sich auch aufforderungen an einen geeigneten mann, 
als kandidat aufzutreten. Von dieser art von inschriften gehen 
nur wenige, welche in steinerne wände eingeritzt sind, über das 
jähr des erdbebens (63 n. Ch.) zurück, die große menge gehört 
der zeit der mit stuck überzogenen wände , also der nach dem 
erdbeben neugebauten Stadt an , und zwar vertheilen sich die 
13 — 1400 nummern solcher Wahlerklärungen, die in dem bis 
jetzt aufgedeckten drittheil des alten Pompeji gefunden sind, 
auf 116 kandidaten. Diese inschriften sind nicht datiert, aber 
es läßt sich theils durch den unterschied des auftrags auf über 
einander befindlichen lagen von stuck, theils durch die verschiedene 
frische der färben ein unterschied von jüngeren und älteren 
herausfinden, und da hat nun Willems den glücklichen gedanken 
erfaßt, dis letzten munizipalwahlen, welche die kolonie Pompeji 
erlebte und deren Zeugnisse mit den frischesten färben gemalt 
erscheinen, zu einem möglichst vollständigen bilde zu gestalten. 

Pompeji wurde am 23/24. august des Jahres 79 n. Chr. 



Nr. 2. 45. Römische alterthümer. 199 

verschüttet. Am 1. juli hatten die neuen munizipalbeamten ihr 
jähr angetreten, die wählen werden im märz stattgefunden haben. 
Als beamte fungierten damals in der kolonie nur duumviri iuri 
dicundo und ädilen in kollegien von je zweien , diese beamten 
hatten also auch den kassendienst zu versehen , für welchen 
sonst zwei quästoren bestimmt waren. Früher hatte Pompeji 
diese ebenfalls gehabt, aber in der jüngsten form seines gemein- 
wesens fehlen sie. Für die hiemit gegebenen vier stellen nun, 
zwei bürgermeister und zwei polizeibeamte, lassen sich aus 590 
Wahlerklärungen zehn kandidaten , sechs für die ädilität, vier 
für das duumvirat herausstellen , und aus diesem material ge- 
staltet Willems sein bild des wablkampfs. Vor allem stellt er 
heraus, daß bei der aufstellung der kandidaten die nachbar- 
schaftsverhältnisse eine große rolle spielen : die quartiere haben 
ihre besonderen kandidaten ; das läßt sich aus der Straße er- 
kennen und aus der läge des hauses des kandidaten innerhalb 
des quartiers. Dieses lokale Verhältnis erleichtert die verwer- 
thung des materials und giebt dem , der die Straßen durchwan- 
dert , eine handgreifliche einsieht in die Verhältnisse. Auf sol- 
chem wege durch die Straßen wird die kandidatenliste zusam- 
mengestellt, die Charakteristik der kandidaten , ihre familienstel- 
lung gegeben , die Urheber der Wahlaufrufe und damit die ver- 
schiedenen interessenkreise herausgestellt. Individuen, berufs- 
kreise, korporationen und zwar solche von handwerkern wie re- 
ligiöse betheiligen sich, eine lebhafte bewegung entsteht vor un- 
sern äugen. Der verf. sucht auch die verschiedenen Stadien 
der wahlvorgänge festzustellen, insbesondre zu zeigen, was vor 
der amtlichen feststellung der kandidatenliste infolge der profes- 
sio und wieder zwischen dieser und der Wahlhandlung liegt. 
Natürlich sucht er auch nach wahlpolemik, aber es giebt davon nur 
schwache spuren, versteckte anspielungen oder einen zusatz von 
gegnerischer hand zu einer empfehlung (p. 68 anm. 1), vielleicht 
auch zeichen von Verbindungen zweier gegen einen dritten (trucs 
üectoraux). Bezeichnend für die zeit ist es freilich, daß bei ei- 
nem volk, dessen politische beredsamkeit unter der republik sich 
die stärksten invektiven gestattete, die offene wahlpolemik ganz 
verschwunden erscheint. Auf die frage , welche allgemeineren 
interessen denn sich im wahlkampf begegnen, lautet die antwort: 
nur das materielle interesse der gemeinden. Kein gegensatz 

14* 



200 45. Komische alterthümer. - Nr. 2. 

von kaiserlich und republikanisch , von nachkommen der kolo- 
nisten und alten oskischen eingeborenen, nichts von sonstigen politi- 
schen Verhältnissen kommt in betracht, nur der nutzen, den man 
sich von dem beamten verspricht. Der verf. führt uns bis an 
die schwelle der wählen von 79 : das resultat muß er uns vor- 
enthalten, die wirklich gewählten sind noch nicht bekannt, Wil- 
lems hat vermuthungen, wer wohl als sieger hervorgegangen sein 
wird, aber er giebt sie nicht preis, und verweist auf künftige 
ausgrabungen. In einer reihe von eclaircissements werden dann 
(p. 79 ff.) noch einzelne punkte, allgemeinere fragen und per- 
sonen betreffendes genauer erörtert. Von besonderem interesse 
ist sogleich der erste , über die wähl durch das volk und über 
die ausdrücke rogare und facere. Daß die beamten nicht vom 
gemeinderath, sondern vom volk gewählt wurden, wird dem verf. 
nicht bestritten werden. Dagegen daß facere das aktive Wahl- 
recht bedeute, möchte ich nicht für erwiesen erachten. — Die 
Zeugnisse, in welchen frauen das facere beigelegt ist, sind nicht 
ganz beseitigt. Will der verf. allen denen, welche ,faciunt\ das 
Wahlrecht beilegen, auch freigelassenen? Er sagt p. 77: Les 
bourgeois de Pompei etaient tous electeurs , aber wer ist Bourgeois? 
Darüber wäre eine Untersuchung sehr willkommen gewesen. — 
In den weiteren eclaircissements sucht der verf. einmal die namen 
der abtheilungen der Wähler herauszustellen (Forenses, Salinienses, 
Campanienses). Die bezeichnung dieser abtheilungen selbst, tribus 
oder kurien , läßt er unbestimmt. Da wir es mit einer bürger- 
kolonie zu thun haben, werden es tribus gewesen sein (vgl. die 
lex col. Iul. Genet). Sodann giebt er statistisches material zu 
den sonstigen wählen Pompejis, weist aus den Wahlprogrammen 
nach , daß die aediles v. a. s. p. p. identisch sind mit den aedi- 
les überhaupt und schlägt für jene bezeichnung die auflösung 
vor: viis aedibus sacris publicis procurandis; bespricht schließlich 
das System der eigennamen in Pompeji , wobei er zeigt , daß 
bei den besseren familien des orts es üblich war, die mütter- 
liche abstammung oder sonstige seitenverwandschaft im cognomen 
oder in einem zweiten oder auch dritten nomen auszudrücken, 
während vornamen und erstes gentilicium die väterliche abstam- 
mung bezeichnen. Dieser Observation ließen sich analogien aus 
andern Städten und aus dem namensystem der großen familien 



Nr. 2. 46. Reisen. 201 

Roms zur seite stellen ; sie ist für die einsieht in die zusammen- 
hänge der munizipalen familien von besonderem interesse. 

E. Herzog. 

46. M. Toussaint, Von klassischen statten. Reiseerin- 
nerungen und geschichtliche rückblicke. (Programm der könig- 
lichen Studienanstalt in Bayreuth 1885/86. p. 3 — 41. 8). 

47. Ed. Engel, Griechische frühlingstage. Jena 1887. 
VIII und 446 p. 8. 

Zwei ganz verschiedenartige arbeiten. Toussaint führt uns 
von Messina zur see nach Athen und skizziert seinen aufent- 
halt daselbst, nicht ohne seinen früheren aufenthalt in Rom, 
Neapel, Pästum , Selinus zwischendurch einzuflechten. Ueber 
die beziehungen dieser klassischen statten zu einander oder über 
die eindrücke , die der Verfasser an den verschiedenen orten 
hatte, werden wir nur oberflächlich unterhalten, und auf wis- 
senschaftliche berücksichtigung macht Toussaint keinen ansprach ; 
er erwähnt selber, daß der größere theil seines aufsatzes eine 
reproduetiou aus den arbeiten von Gregorovius , Dörpfeld , Mi- 
chaelis, Roß ist. 

Anders tritt Engels buch auf. Die zu gründe liegende 
tendenz, das volk der Neugriechen gegen „eine gattung lächer- 
licher, ja hassenswerther reisebeschreiberei" zu vertheidigen und 
seine guten Seiten herauszustellen , wird mit geschick durchge- 
führt ; aber die tonart der darstellung ist nicht immer angenehm. 
Wenn die einleitung, die durch das ganze buch nachklingt, von 
den eseln und reisescribenten spricht, so finden wir das schon 
anspruchsvoll; und wenn Engel p. 358 die frage auf wirft , ob 
der jüngste unglimpfliche beschreiber Griechenlands vielleicht 
irgendwo ohrfeigen gekriegt oder verdient habe , so finden wir 
das recht wenig fein. Neben der endlos wiederkehrenden be- 
leuchtung des ausdrucks „Saugriechenthum" machen wir auf 
Wendungen folgender art aufmerksam : „die holdesten tage schul- 
jungenhafter begeisterung für Marathon u. s. w." — „das mac- 
caroni- oder kunstbutter - griechisch der bücher und leitartikel" 
— „unzählige male wird jedes der armen viecher (siel) an den 
vier beinen in die höhe gehoben" — „mit dieser in gutem ku- 
chengedächtnis stehenden , kleinen, sauersüßen frucht (sc. korin- 
then) bezahlt der pelopormesische bauer die europäischen He- 



202 47. Reisen. Nr. 2. 

loten" — u. a. m. Man merkt dem Verfasser auf jeder seite 
die wonne an, aus der weit der „museumsmigräne" in den grie- 
chischen frühling entflohen zu sein ; aber ein stück angekrän- 
kelter kultur schleppt er mit sich und wird es nicht los. Für 
feuilletons, aus denen unsers wissens das buch entstanden 
ist, mag diese generalstimmung sich eignen •, aber dem buche 
stehen ihre formen wirklich nicht gut. Auch dem inhalt hat 
diese Stimmung insofern geschadet, als Engel's Schilderung den 
hervorragenderen und deshalb bekannteren lokalitäten nicht ge- 
wachsen ist : was er von Korfu sagt , streift meistens nur das 
äußerliche, und auf dem boden der akropolis erhebt er sich we- 
nig über negative allgemeinheiten. Dagegen auf seltener be- 
tretenen pfaden ist Engel in seinem element , so daß wir trotz 
aller bisher vorgeführten ausstellungen (die bei einer zweiten 
aufläge großentheils leicht zu beseitigen sind) mit größtem in- 
teresse seinem reisebericht zuhören. Den größeren theil des bu- 
ches, die reise durch den Peloponnes (p. 82 — 332), wird jeder, 
der für Griechenland irgend interesse hat, mit beifall und dank 
begrüßen; frisch und natürlich, bisweilen mit epischer behaglich- 
keit , wird großes und kleines uns vorgeführt , und es gelingt 
dem Verfasser in der that, uns zu fesseln. Nicht sowohl de situ, 
sondern de moribus Graeciae will er berichten ; aber das thut er 
naturgetreu und mit einem für die kleinen züge des Volkslebens 
empfänglichen sinn. Auch die kapitel 20 — 22 (p. 363 — 420: 
gestalten aus dem alten Athen d. h. aus dem älteren stadttheil 
am nordfuß der akropolis ; in Athens schulen ; ein deutsches 
dorf in Attika [Heraklion] und was es lehrt) rechnen wir zu 
diesen anziehenden abschnitten und wollen nicht unerwähnt las- 
sen , daß die trefflichen empfehlungen , welche Engel auf die 
reise mitgenommen hatte, ihm in verhältnismäßig kurzer zeit ein 
reiches beobachtungsmaterial zur Verfügung gestellt haben. Die 
etwas reichlich eingestreuten erörterungen über die ausspräche 
des altgriechischen will der Verfasser in einer eigenen schrift 
ausführlicher begründen ; wir rechten also mit ihm an dieser 
stelle darüber nicht, ebensowenig auch über seine gedanken von 
dem „ganzen deutschen philologendünkel und gymnasialzopf" 
oder von dem „ganzen muffigen schulstaub , womit man uns in 
des lebens schönsten jähren die schönste dichtung des alterthums 
bedeckt". Zum Schlüsse noch zwei einzelheiten. Wozu p. 409 f. 



Nr. 2. Bibliographie. 203 

die garstigkeiten gegen Fallmerayer : „es hat selten einen im 
schärfsten wortsinn dümmeren [gesperrt !] , unwissenschaftli- 
cheren mann von witz und gelehrsamkeit gegeben , als Fall- 
merayer — " und : „die von Fallmerayer zu seinem zweck ge- 
fä — rbte (siel) Übersetzung"? Ferner p. 29 : die Odysseusklippe, 
wo „der Ithakesier . . landete", ist „das heutige schiff der 
Phäaken . . ., welches . . . bei der heimkebr versteinert wurde"? 
Doch genug. Immerhin ein höchst anziehendes buch. 

L. Bornemann. 

Bibliographie. 

Ueber die feier des am 20. jan. stattgefundenen lOOjähri- 
gen Jubiläums der auch um die classische philologie hochver- 
dienten Verlagsbuchhandlung Bernhard Tauchnitz zu Leipzig be- 
richtet Münch. allg. ztg. nr. 33. 

Ueber den stand der arbeiten an dem katalog der hand- 
schriften der bibliothek zu Bamberg giebt einige notizen Münch. 
allg. ztg. beil. 2 zu nr. 40. 

München, 9. f'eb. In der Sitzung der academie der Wissen- 
schaften legte Wecklein eine abhandlung vor über den Schau- 
platz „Aeschylus Eumeniden und die sogenannte orchestra in 
Athen" und Unger „über Zeus von Kittion und Antigonos 
Gonatas". 

Ausgegeben ist : Neuer und neuester verlag der J. G. 
Cotta'schen buchbandlung in Stuttgart ; — Mittheilungen der 
Verlagsbuchhandlung von B. G. Teubner in Leipzig, 1887, 1: 
es werden erscheinen : Corpus glossariorum latinorum editum 
auctoritate societatis literarum regiae sasonicae (ausführliche an- 
zeige von G Goetz ; Pergamos , Untersuchungen über die früh- 
geschichte Teuthraniens und der nachbargebiete von Ed. Thrae- 
mer , Plutarchi de proverbiis Alexandrinorum libellus ineditus. 
Eec. et praefatus est O . Crusius ; Piatonis dialogi secundum Thra- 
sylli tetralogias dispositi. Post C. Fr. Hermannum recognovit 
M. Wohlrab; Die Piatonhandschriften und ihre gegenseitigen be- 
ziehungen, von M. Wohlrab. 

Verzeichniß empfehlungswerther kartenwerke . . . aus dem 
Verlage von Dietrich Reimer (Reimer et Höfer) in Berlin. 

Prospecte sind erschienen : phonetische Studien. Zeitschrift 
für wissenschaftliche und praktische phonetik . . . von W. Vietor, 
Marburg, Elwert; — Die Stadt Syrakus im alterthum. Autorisirte 
deutsche bearbeitung der Cavallari-Holm'schen Topographia ar- 
cheologica di Siracusa von B. Lupus, Straßburg i. E., Heitz. 

Verzeichniß von mehr als 5000 dissertationen, programmen, 
gelegenheitsschriften aus dem gebiete der classischen philologie 
. . . vorräthig bei Simmel u. co. in Leipzig. 



204 Bibliographie. ^ Nr. 2. 

Cataloge der antiquare : W. Koch u. Reimer in Königsberg 
i. P., katalog nr. 24. 25: Auetores graeci et latini ; — Anti- 
quarischer lagerkatalog von Lehmann u. Lutz in Frankfurt a. M., 
nr. 68, literatur- u. gelehrtengeschiclite, kunstgeschichte , biblio- 
graphie; — Verzeicbniß des antiquarischen bücberlagers von 
R. Levi in Stuttgart, nr. 55, allgemeine Sprachwissenschaft, al- 
terthumskunde, mythologie, kulturgeschichte ; — Katalog nr. IV 
des Lippert' sehen . . antiquariats in Halle a S. , bibliothek von 
A. Eckstein und H. Weißenborn theil III ; — Rheinisches buch- 
und kunstantiquariat (dr. Nolte) zu Bonn, katalog XIX scripto- 
res Graeci , katalog XX lateinische schriftsteiler , katalog XXI 
grammatik; — Antiquariats-catalog von Simmel u. co. in Leip- 
zig, nr. 115, vergleichende grammatik der indogermanischen 
sprachen ; — Verzeicbniß antiquarischer bücher von C. Steyer 
in Cannstadt, classische philologie. 

Bulletin mensuel de la librairie Leopold Cerf, janvier 1887, 
Paris, rue de Medecis 13. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft 1887. IL 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

37. Anecdota varia Graeca et latina edd. Rud. Schoell et Guil. 
Studemund. Vol. IL Prodi commentariorum in rempublicam Piatonis 
partes ineditae ed. Rud. Schoell. Berlin, Weidmann 1887. 8. 240 p. 
10 mk. 

38. Bauer, Ad., Thukydides und H. Müller-Strübing. Ein beitrag 
zur geschichte der philologischen methode. Nördlingen, Beck 1887. 
8. 31 p. 70 pf. 

39. Bilfinger , G. , die Zeitmesser der antiken Völker. Stuttgart 
1886. 8. 78 p. 2 mk. 

40. Blümner, H., leben und sitten der Griechen. Abth. I. Die 
tracht, geburt und erste kindheit. Erziehung und Unterricht. Eheschlie- 
ßung und frauenleben. Prag und Leipzig, Tempsky u. Freytag 1887. 
8. 196 p. 1 mk. — 2. abth. Tägliches leben in und außer dem hause. 
Mahlzeiten, trinkgelage und gesellige Unterhaltungen. Krankheiten und 
ärzte. Tod und bestattung. Gymnastik. Musik und orchestik. Kultus, 
ib. 8. VIII, 184 p. 1 mk. (Wissen der gegenwart bd. 60. 62). 

41. Brady , Everett, die lautveränderungen der neugriech. Volks- 
sprache und dialekte nach ihrer entwickelung aus dem altgrieebischen 
dargestellt. Göttingen, (akad. buchh.) 1886. 8. 128 p. 1 mk. 50 pf. 

42. Carmina figurata Graeca. Ad fidem potissimum codicis Pa- 
latini ed. prolegomenis instr. apparatum criticum scholia adj. Carolus 
Haeberlin. Ed. II correctior. Hannover, Hahn 1887. 8. 90 p. 3 mk 

43. Ciceronis, M. Tulli, scripta quae manserunt omnia recogn. C. 
F. W. Müller. Pars II, vol. III continens orationes pro Sestio in Va- 
tinium pro Caelio de provineiis consularibus pro Balbo in Pisonem pro 
Plancio pro Scauro pro C. Rabirio Postumo, pro Milone, pro Marcello, 
pro Ligario, pro rege Dejotaro in M. Antonium Philippicas XIV. Leip- 
zig, Teubner 1887. 8. CXXIX, 569 p. 2 mk. 

44. Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum. Editum con- 
silio et impensis academiae litt. caes. Vindobonensis. Vol. XII: 8. Au- 
relii Augustini Hipponensis episcopi operum sect. III, pars 1. Liber 
qui appellatur Speculum et liber de divinis scriptum sive speculum quod 



Nr. 3. Bibliographie. 205 

fertur S. Augustini. Rec. et comment. critico instr. Franc. Weihrieh. 
Wien, Gerold's söhn 1887. 8. LH, 725 p. 

45. Curschmann , F., Horatiana. Erklärungen und beinerkungen 
zu einzelnen gedienten und stellen des Horaz. Berlin, Springer 1887. 
8. IV, 71 p. 1 mk. 60 pf. 

46. Denkmäler des klass. alterthums zur erläuterung des lebens 
der Griechen und Römer in religion, kunst und sitte. Lexikal. bearb. 
von B. Arnold, H. Blümner, W. Deecke etc. u. d. hrsg. A. Baumeister. 
Liefg. 4 30. Mit etwa 1400 abbild. München 1887. 4. ä 1 mk. 

47. Euripides' Iphigenie bei den Taurieru. Für den schulgebrauch 
erklärt von Chph. Ziegler. Freiburg im Br. , Mohr 1887. 8. VI, 
85 p. 1 mk. 

48. Fischer, H., Lessings Laokoon und die gesetze der bildenden 
kunst. Berlin, Weidmann 1886. 8. VIII, 200 p. 3 mk. 60 pf. 

49. Fontes iuris Romani antiqui ed. C. G. Bruns. Ed. V cura 
Th. Mommseni. II. Freiburg im Br., Mohr 1887. 8. XVI u. p. 209 
—422. 4 mk. 

50. Fragmenta poetarum Romanorum coli, et emend. Aemil. Baeh- 
rens. (Poetae latini minores vol. VI). Leipzig, Teubner 1886. 8. 
427 p. 4 mk. 20 pf. 

51. Furtwängler, Ad. u. Geo. Loeschcke, mykenische vasen. Vor- 
hellenische thongefäße aus dem gebiete des Mittelmeers. Im auftr. des 
kaiserl. deutsch, archäol. instituts hrsg. Mit atlas u. 44 taff. Berlin, 
Asher u. co. 1886. fol. XV, 88 p. 115 mk. 

52. Giel , Chr. , kleine beitrage zur antiken numismatik Südruß- 
lands. Mit 5 taff. Moskau, (Berlin, A. Weyl) 1886. 4. III, 43 p. 
5 tafeln. 6 mk. 

53. Handbach der class. alterthumswissenschaft in systemat. dar- 
stellung. Mit besonderer rücksicht auf geschichte und methodik der 
einzelnen diseiplinen hrsg. v. Iwan Müller. 5. halbbd. (Bd. I, XX p. 
und p. 619—712 und bd. IV, p. 1—224). Nürdlingen, Beck 1886. 8. 
5 mk. 50 pf. 7. halbb. (Bd. IV, p. 481—9311. 5 mk. 50 pf. 

54. Homer's Ilias. Schulausgabe von K. F. Ameis. Anhang. 8. 
heft: erläuterungen zu ges. XXII— XXIV von C. Hentze. Nebst regi- 
ster zu der ganzen ausg. von gymn.-lehrer Wähmer. Leipzig, Teubner 
1886. 8. 185 p. 1 mk. 80 mk. 

55. Für den schulgebr. erkl. von J. La Roche. Theil II. 

Ges. V— VIII. 3. verm. u. verb. aufl. Leipzig, Teubner.1886. 8. 163 p. 
1 mk. 50 pf. 

56. Iloratius Flaccus, Q., episteln. Deutsch von C. Bardt. Bie- 
lefeld, Velhagen u. Klasing 1887. 8. 121 p. 1 mk. 60 pf. 

57. Jung, Jul., Römer und Romanen in den Donauländern Histor.- 
ethnogr. Studien. 2. aufl. Innsbruck, Wagner 1887. 8. VIII, 372 p. 
7 mk. 60 pf. 

58. Karten von Attika. Auf veranl. des kais. archäol. instit. und 
mit Unterstützung des kgl. preuß. minist, d. geistl unterr. u. medicinal- 
angel. aufgen. durch Offiziere u. beamte des kgl. preuß. großen gene- 
ralst. hrsg. von E. Curtius u. A. Kaupert. Heft 4. 4 kart. Berlin, 
Reimer 1886. 4. 10 mk. 

59. Kirchhoff, A. , Studien zur geschichte des griechischen alpha- 
bets. 4. umg. aufl. Mit 1 karte u. 2 alphabettafeln. Gütersloh, Ber- 
telsmann 1887. 8. VI, 180 p. 6 mk. 

60. Krebs, J. Ph. , Antibarbarus der lateinischen spräche. Nebst 
einem kurzen abriß der geschiebte der latein. spräche und Vorbemer- 
kungen über reine latinität. 6. aufl. in vollst. Umarbeitung der von dr. 
Allgayer besorgten 5. ausg. von gymn.-dir. J. H. Schma'z. Liefg. 1—3. 
Basel, Schwabe 1886. 8. p. 1—400. 6 mk. 



206 Bibliographie. Nr. 3. 

61. Lange, Ludw.. kleine Schriften aus dem gebiete der klass. al- 
terthumswissenschaft. Bd. I. Mit portrait und lebensabriß des verf. 
Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht 1887. 8. XL, 429 p. 10 mk. 

62. Langl, Jos., griechische götter- u. heldengestalten. Nach an- 
tiken bildwerken gezeichnet und erläutert. Mit kunstgeschichtl. einlei- 
tung von Carl von Lützow. Liefg. 11 — 13. Wien, Holder 1886. fol. 
p. 88—112 u. je 3 lichtdrucktafeln, ä liefg. 2 mk. 50 pf. 

63. Lexikon , ausführliches , der griech, und röm. mythologie im 
verein mit Th. Hirt, 0. Crusius etc. hrsg. v. W. H. Röscher. Liefg. 
9. 10. Leipzig, Teubner 1886. 8. Sp. 1409—1760. ä 2 mk. 

64. Lieblein , J., handel und schifffahrt auf dem Rothen meere in 
alten zeiten. Nach ägypt. quellen hrsg. von der gesellsch. d. wiss. zu 
Christiania. Leipzig, Hinrichs 1886. 8. 151 p. 4 mk. 

65. Mark Aureis meditationen. Aus dem griechischen von F. C. 
Schneider. 4. durchgesehene aufl. Breslau, Trewendt 1886. 16. XVI, 
203 p. 2 mk. 

66. Menge, Rud. u. Siegm. Preuß, lexicon Caesarianum. fasc. 2. 3. 
Leipzig, Teubner 1886. 8. ä 1 mk. 60 pf. 

67. Merguet , H. , lexikon zu den Schriften Caesars und seiner 
fortsetzer. Mit angäbe sämmtlicher stellen. Liefg. 6 u. 7. Jena, Fro- 
scher 1886. 8. IV u. p. 785 — 1142. 15 mk. 

68. Mensel, H. , lexicon Caesarianum fasc. 5 — 7. Berlin, Weber 

1886. 8. Sp. 7G9-1344. ä 2 mk. 40 pf. 

69. Meyer, Elard Hugo, Homer und die Uias. Berlin, Oppenheim 

1887. 8. VII, 258 p. 6 mk. 

70. Mittheilung <en aus der Sammlung der papyrus erzherzog Rainer 
hrsg. und red. von Jos. Karabazek. Jahrg. I. 1886/87. (Heft 1. 2). 
Wien, hofdruckerei 1886. 4. 52 p. 10 mk. 

71. Mommsen, Tycho, beitrage zu der lehre von den griechischen 
Präpositionen. Heft 1. Frankfurt a. M. , Jügel 1886. 8. VII, 96 p. 
2 mk. 40 pf. 

72. Nestle, Eberh., Veteris testamenti Graeci Codices Vaticanus et 
Sinaiticus cum textu reeepto collati. Supplementum editionum quae 
Sixtinam sequnntur omnium imprimis Tischendorfianarum. Ed. II re- 
cogn. et auet. Leipzig, Brockhaus 1887. 8. 10, 203 p. 5 mk. 

73. Ohse , J. , zu Piatons Charmides. Untersuchungen über die 
kriterien der echtheit der platonischen dialoge im allgemeinen und des 
Charmides im besondern. Fellin 1886. 4. 37 p. (Berlin, Friedländer 
u. söhn). 

74. Patin, Alois, Heraklits einheitslehre, die grundlage seines Sy- 
stems und der anfang seines buches. Leipzig , Fock 1886. 8. 100 p. 
1 mk. 50 pf. 

75. Reisig, K., Vorlesungen über latein. Sprachwissenschaft. Mit 
den anmerk. v. Fr. Haase. 3. theil. Neu bearb. v. J. H. Schmalz u. 
studienl. G. Landgraf. Liefg. 10,11. p. 577-768. (Calvary's philol. 
u. archäol. bibl. 76. 77). Berlin 1887. 8. 

76. Richer , L., Pompeianische Wandmalereien und Ornamente. 
3. liefg. Berlin, Wasmuth 1886. fol. ä liefg. 36 mk. 

77. Rose, Valentin, leben des heil. David von Thessalonike. Grie- 
chisch nach der einzigen bisher aufgefundenen handschrift hrsg. Berlin, 
Asher 1887. 8. XVI, 22 p. 1 mk. 

78. Sophokles erkl. von J. Holub. I. Oidipus Tyrannos. Pader- 
born, F. Schüningh 1887. 8. XII, 92 p. 1 mk. 50 pf. 

79. Supplementum Aristotelicum ed. cons. et auet. acad. litter. re- 
giae Boruss. Vol. II , pars. I. Alexandri Aphrodisiensis praeter com- 
mentaria scripta minora de anima cum mantissa ed. Ivo Bruns. Berlin, 
G. Reimer 1887. 8. XVII, 231 p. 9 mk. 



Nr. 3. Bibliographie. 207 

80. Testamentum vetus graece juxta LXX interpretes. Textum 
Vaticanum Roinanum emendatius ed. argumenta et locos novi testa- 
menti parallelos notavit omnem lectionis varietatem codicum vetustis- 
simoruni Alexandrini Ephraemi Syri, Friderico-Augustani subiunxit pro- 
legomenis uberrimis instruxit Const. de Tischendorff. Ed. VII. Pro- 
legomena recogn. supplem. auxit. Eberardus Nestle. 2 tomi. Leipzig, 
Brockhaus 1887. 8. 81, 684, 616 u. suppl. 10, 203 p. 15 mk. 

81. Texte und Untersuchungen zur geschickte der altchristlichen 
litteratur von Ose. v. Gebhardt und Ad. Harnack. Bd. 3. Heft. 1. 2. 
Leontius von Byzanz und die gleichnamigen Schriftsteller der griech. 
kireke von Friedr. Loofs. Bück 1: das leben und die polemiscken 
werke des Leontius von Byzanz. Leipzig, Hinrichs 1887. 8. VIII, 
317 p. 10 mk. 

82. Tiele, C. P. , kompendium der religionsgeschichte. Ein hand- 
buch zur orientirung und zum Selbststudium übers, u. hersg. von F. W. 
T. Weber. 2. aufl. Prenzlau , Biller 1887. 8. 12. XI, 299 p. 
3 mk. 60 pf. 

83. Untersuchungen, philologische, hrsg. v. A. Kießling u. U. von 
Wilamowitz-Möllendorff. Heft 10. Carl Robert, archäologische mär- 
chen aus alter und neuer zeit. Mit 5 taff. u. 7 abbild. Berlin, Weid- 
mann 1886. 8. VII, 205 p. 6 mk. 

84. Urlichs, Ludw. v. , Arkesilaos. 19. progr. zur Stiftungsfeier 
des Wagnerscken kunstinstituts am 18. dec. 1886. 4. Mit tafel. Würz- 
burg, Stakel 1886. 8. 18 p. 1 mk. 20 pf. 

85. Usener, Herrn. , altgriechischer versbau. Ein versuch verglei- 
chender nietrik. Bonn, Cohen u. Sohn 1887. 8. 127 p. 2 mk. 80 pf. 

86. Windisch, E. , Georg Curtius. Eine Charakteristik. Berlin, 
Calvary 1887. 8. 2 mk. 40 pf. 

Frankreich. 

87. Cohen, Henri, description historique des monnaies frappees 
sous l'empire romain communement appelees medailles imperiales. 2 edit. 
5vols. Paris, Alcan-Levy 1880— 1885. 8. XXVIII, 544 p. ; XVI, 446 ; 
426; 536; 549 mit fig. 

88. Bemosthene, les plaidoyers politiques de. Texte grec publie 
d'apres les travaux les plus recents de la philologie avec un commen- 
taire critique et explicatif et des notices sur chaque discours par Henri 
Weil. 2e serie. Androtion, Aristocrate, Timocrate, Aristogiton. Paris, 
Hachette 1886. 8. II, 376 p. 8 fres. 

89. Heuzey, Leon, les Operations militaires de Jules Cesar dtudiees 
sur le terrain par la mission de Macedoine. Paris, Hachette 1886. 4. 
II, 149 p. 8 plans et 4 vues. 10 fres. 

90. Kondakoff, N., Histoire de l'art byzantin considere prineipa- 
lement dans les miniatures. Edition frangaise originale publ. par l'au- 
teur sur la traduetion de M. Trawinski et precedee d'une preface de 
A. Springer. Tome I. Paris, Ronam 1886. 4. 268 p. 29 gr. 25 fr. 

91. Nisard, D. , nouveaux melanges d'histoire et de litterature. 
Paris, C. Levy 1886. 18. 337 p. 

92. Piaute, les comedies de, traduites en francais par E. Sommer 
avec une introduetion et des notices. 2 vols. Paris, Hachette 1887. 
18. IV, 423, 499 p. 7 fres. 

93. Restaurations des monuments antiques par les architectes pen- 
sionnaires de l'academie de France ä Rome depuis 1788 jusqu'ä nos 
jours publiees avec les memoires explicatifs des auieurs etc. Temple 
de Marc-Aurele (temple de Neptune) restauration executee en 1824 par 
Alexandre Villain. Paris, Didot 1881. grand-folio. 12 p. und 7 pl. ; 
Temple de Juppiter Panhellenien ä Egine restauration exaete en 1852 
par Charles Garnier, ibid. 1884.^ grand-fol. 47 p. 19 pl. 



208 Bibliographie. „ Nr. 3. 

94. Waddington, Charles, memoire sur l'authenticite des Berits 
de Piaton. Paris, Picard 1886. 8. 42 p. (Extr. des Comptes rendus 
de l'acad. des sc. morales et politiques). 

Italien. 

95. Amati, Luigi, saggio dell' antica civiltä greca studiata nei re- 
lativi drammi. Milano 1887. 16. 142 p. 1,50 lire. 

96. Bnni, Gius. , lo svolgimento interno del diritto romano pri- 
vato iü relazione al diritto giustinianeo. Bologna, Zanichelli 1887. 
8. 23 p. 

97. Brizio, E., guida alla antichitä della villa e del museo etrusco 
di Marzabollo. Bologna, tip. Fava e Garagnani 1886. 16. 56 p. 

98. Chuijjjjelli, Aless., Studi di antica letteratura cristiana. To- 
rino, Loescher 1887. 8. VIII, 239 p. 5 lire. 

99. Cicerone, M. Tullio, l'orazione in difesa di Cneo Plancio com- 
mentatä da G. B. Bonino. Torino, Loescher 1887. 8. XL VII, 124 p. 

100. Cinquini, Ad., Andocidis de codieibus qui in bibliotheca Am- 
brosiana extant. Mediol. 1886. 8. 15 p. 

101. Codici, i, Palatini della Biblioteca nazionale centrale di Fi- 
renze. Vol. I, fasc. 4-5. Roma 1886—1887. 8. p. 241-400. 2 lire. 

102. Codici, i, Panciatichiani della Biblioteca nazionale centrale 
di Firenze. Vol. I, fasc. 1. Roma 1887. 8. p. 1—80. 1 lire. 

103. Correra, Luigi, dialcune imposte dei Romani. Studio. To- 
rino, Roma 1887. 8. 76 p. 

104. Flechia, G., Studi filologici. Nel 25. anniversario catedratico 
di G. J. Ascoli gratuiando e augurando all' amico e collega. Torino 
1886. 16. 10 p. 

105. Forcellini, Aegid., totius latinitatis lexicon. Pars altera sive 
Onomasticon totius Latinitatis opera et studio Vinc de Vit lucubratum. 
destrib. 29. Prati 1886. 8. III, p. 633 — 712. 2 mk. 50 pf. 

106. Fumari, Luigi, l'Eneide di Virgilio considerata nella storia: 
studio esposto in una conferenza etc. Reggio, Calabra 1886. 16. 43 p. 

107. Gozzadini, Giov. , seavi governativi in un lembo della necro- 
poli felsinea 1885. 86. Bologna 1886. 8. 23 p. 

108. Gubematis , Angelo de , Mitologia comparata. Seconda edi- 
zione. Milano 1887. 16. VIII, 149 p. 

109. Legnazzi , E. N. , del catasto romano e di aleuni strumenti 
antichi di geodesa. Padova 1886. 8. 312 p. 12 tav. (Annuario della 
Universitä 18H5/86). 

110. Museo, Ero e Leandro [versione e studio critico] di Tom- 
maseo Pietrobono. Roma 1886. 16. 48 p. 

111. Plautus, T.Maccius, Trinummus, Captivi, con proemi e note 
di F. Zambaldi. Milano, G. B. Paravia 1886. 16. 194 p. 

112. Porfirio il libro a Marcella tradotto e commentato da Giu- 
seppe Chinazzi. Seconda edizione riveduta ed ampliata. Genova, Sam- 
bolino 1886. 8. LI, 147 p, 3 lire. 

113. Rur/giero , Ettore de, dizionario epigrafico di antichitä ro- 
mane. Fasc. I — III. Roma, Pasqualucci 1886. 8. p. 1 — 80. ä 1,50 1. 

114 Stocchi, Gins., la prima guerra dei Romani nella Mesopota- 
mia: studio storico critico. Firenze 1887. 16. VIII, 98 p. 

115. Teocrito Idilli tradotti da Giacomo Zanella. Cittä di Ca- 
stello, Lapi 1886. 16. XXXII, 158 p. 3 lire. 

116. — , gli idilli, con studio critico e versione di Antonio Cipol- 
lini. Milano, Hoepli 1886. 16. VIII, 471 p. 5 lire. 

117. Virgilio, l'Eneide tradotta dal cav. Cesare Monteverde. Mo- 
dena, Tonietto 1880. 16. 374 p. 2,50 lire. 



Nr. 3. Bibliographie. 209 

118. Zoppetti, Luigi, di alcuui riti nuziali presso gli anticlii Ro- 
mani. Studi ed appunti. Venezia 1686. 8. 15 p. 

Beilage A. Schulschriften und programme. 

119. Albert, Franz, die komparationsgrade bei Homer und den 
tragikern. Neuburg a. D. 1886. 8. 43 p. 

120. Augsberger , Jos., die scholien zu Aristophaues Fröschen im 
cod. Venetus A. München 1886. 8. 43 p. 

121. Baier, Bartholom., Studien zur achaeischen bimdes Verfassung. 
Würzburg 1886. 8. 35 p. 

122. Bernhard, Franz, die frage nach der chronolog. reihenfolge 
der erhaltenen Sophokleischen tragödien. Oberhollabrunn 1886. 8. 34p. 

123. Bilfinger , Gustav, die Zeitmesser der antiken Völker. (In 
Festschrift zur Jubelfeier des Eberhard -Ludwigsgymn.). Stuttgart. 4. 
78 p. (Teubner no. 544). 

124. Chudzinski, A., ubi et quo tempore ortus sit hymnus Homeri 
VII in Dionysum. Straßburg i. Westpr. 4. 9 p. (no. 41). 

125. Deiter , H. , de Ciceronis codicibus Vossianis LXXXIV et 
LXXXVI denuo excussis. Aurich. 8. p. 51—78. (no. 277). 

126. Dippe, A., de canticorum Aeschyleorum compositione. Soest. 
4. 33 p. (no. 339). 

127. Doering, Rob.. de Silii Italici epitomes re metrica et genere 
dicendi. Straßburg im Eis., Lyceum. 4. 5» p. (no. 473). 

128. Eble , griechische alterthümer bearb. für den Unterricht in 
den oberen klassen der gymnasien. I. Athen. Ravensberg. 4. 49 p. 
(no. 542). 

129. Fiegl, Alois, de Seneca paedagogo. Bozen. 8. 21 p. 

130. Filtpsky, Anton, das stehende beiwort im volksepos. Villach. 
8. 22 p. 

131. Frick , Carl, die quellen Augustins im XVIII. buche seiner 
schrift de civitate dei. Höxter. 8. «3 p. (no. 332). 

132. Friedersdorff, F., de orationum operi Liviano insertarum ori- 
gine et natura. Pars I. In Festschrift zum 300jährigen Jubiläum des 
gymn. zu Tilsit p. 3 — 10. Tilsit. 4. 

133. Fuchs, Carl, die „Idee" bei Plato und bei Kant. Ein ver- 
gleich. Wiener Neustadt 1886. 8. 16 p. 

134. Funk, Ad., Homerisches. In Programm zum 50jährigen amts- 
jubiläum des professors H. Dühr. Friedland i. M. 1866. p. 5 — 9. 4. 
(no. 603). 

135. Gemo/l, Guil. , adnotationes criticae in L. Aunaei Senecae 
epistulas morales. Kreuzburg 0. S. 21 p. (no. 177). 

136. Hanna, F., zur prosographia Horatiana. (Theil IL) Krems. 
8. 25 p. 

137. Hart, Gust. , zur seelen- und erkenntnislehre des Demokrit. 
Mülhausen. 4. 32 p. (no. 468). 

138. Hartz, Heinr., Coniectanea Caesariana. Altona, (Christianeum). 
4. 13 p. (no. 255). 

139. Hatz, Gottlieb, beitrage zur lateinischen Stilistik. (Zur Hen- 
diadys in Ciceros reden). Schweinfurt. 8. 68 p. 

140. Heigl, die quellen des Plinius im XI. buch seiner naturge- 
schichte. Theil IL Marburg i. Steierm. 8. 56 p. 

141. Helmreich, Georg, Galeni de utilitate partium über quartus 
ad cod. primum collatos rec. Augsburg, (studienanst. St. Anna). 8. 53 p. 

142. Hintner , Valentin, Meridies. Eine etymologische Untersu- 
chung. Wien, akad. gymn. 8. 10 p. 

143. Holba, Marian, über das wesen Poseidons. Budweis , deut- 
sches staatsgymn. 8. 34 p. 



210 Bibliographie. . Nr. 3. 

144. Jänicke, Christ., die Verbindung der substantiva durch Präpo- 
sitionen bei Cicero. Wien, staatsgymu. Im 3. bez. 8. 20 p. 

145. John , Tacitus dialogus de oratoribus cp. 1—27 übers, und 
krit.-exeget. erläut. Urach. 4. 44 p. (no. 537). 

146. Kalb, Wilh. , das Juristenlatein. Versuch einer Charakteri- 
stik auf grundlage der digesten. Nürnberg 1886. 8. 48 p. 

147. Kröhnert, R., zur Homer-lectüre. Theil I. Homerische epi- 
theta und gleichnisse. Memel. 4. 20 p. (no. 14). 

148. Kühl, Jos., Homerische Untersuchungen. III. intl bei Homer. 
Jülich. 4. 17 p. (no. 406). 

149. Lamparter, G., noch einmal zu Piatons Phaedon 62 A. Stutt- 
gart, (Karlsgymn.) 4. 44 p. (no. 545). 

150. Lange, Edm., Kleon bei Thukydides. Köln, (gymn. z. Burg- 
steinfurt). 4. 18 p. 

151. Langrehr, Georg, Plautina. In Programm zum 50jähr. amts- 
jubil. des prof. A. Dühr. p. 13—47. Friedland i. M. 4. (no. 603). 

152. Macke , Reinhold , die römischen eigennamen bei Tacitus. 
I. Eine sprachl. Untersuchung. Hadersleben. 4. 16 p. (no. 258). 

153. Mair , Georg , der feldzug des Dareios gegen die Skythen. 
Saaz. 8. 30 p. 

154. Meiß, Ph., Apuleius ntgi tQ/urjveMiüi' hrsg. Lörrach. 4. 29 p. 
(no. 560). 

155. Miller, J. M. , die beleuchtung im alterthum. Würzburg, 
(studienanstalt Aschaffenburg). 8. 75 p. 

156. Miller, Max, Oppian's des jüngeren gedieht von der jagd. 
Buch IV. Metrisch übersetzt und mit erläuternden bemerkungen ver- 
sehen. Amberg. 8. 51 p. 

157. Mohr, Jacob , Heraklitische Studien. Zweibrücken. 8. 32 p. 

158. Müller, Jos., der dual bei Euripides nebst einigen einleiten- 
den bemerkungen zur geschichte des duals im griechischen. Sigmaringen. 
4. 36 p. 

159. Neckel , Otto, agynifävirig. In Programm zum ÖOjähr. amts- 
jubiläum des professor A. Dühr. p. 10 — 12. Friedland i. M. 4. 

(no. 603). 

160. Nestle, Eb., septuagintastudien. Ulm, königl. gym. 4. 19 p. 
(no. 547). 

161. Neumeyer, Andreas, Aratus aus Sikyon. Ein Charakterbild 
aus der zeit des achäischen bundes nach den quellen. Theil IL Neu- 
stadt a. H. 8. 42 p. 

162. Obermeier, J., der Sprachgebrauch des M. Annaeus Lucanus I. 
München, (Maximil. gymn.) 1886. 8. 96 p. 

163. Ortner, Heinr., kritische Untersuchungen zu Aeschines' reden. 
München, (Wilhelmsgymn). 8. 36 p. 

164. Ostermann, Hugo, die Vorläufer der Diocletianischen reichs- 
theilung. Böhm. Leipa. 8. 19 p. 

165. Popp, Ernestus, de Ciceronis de offieiis librorum codice Pa- 
latino 1531. Erlangen. 39 p. 

166. Praechter , Karl , die griechisch-römische popularphilosophie 
und die erziehung. Bruchsal. 4. 40 p. (no. 553). 

167. Presset, der eingang in die Ilias. Heilbronn. 4. 26 p. 
(no. 541). 

168. Preuß , Th. , über namen und herkunft der Salier. Tilsit. 
4. (p. 11 — 16 der Festschrift zur 300jähr. jubelf. des Tilsiter gymn.). 

169. Proschberger, Job. , fünf öden des Horaz in moderner deut- 
scher Übertragung. Mit Studien zu denselben und einem vorwort. 
Stadtamhof. 8. XXIII u. 44 p. 



Nr. 3. Bibliographie. 211 

170. Rappold , J. , beitrage zur kenntniß des gleichnisses bei Ai- 
schylos Sophokles und Euripides. Wien, (staatsgymn. im IV. bezirk). 
8. 27 p. 

171. Reichenberger , Silvanus , Demosthenis de collectione prooe- 
miorum. Landshut 8. 61 p. 

172. Resl, W. , in welchem verhältniß stehen die reden der fünf 
ersten im Symposion auftretenden redner zu der des Sokrates und ins- 
besondere zu der lobrede des Alkibiades. Brody. 8. 35 p. 

173. Rieek , H., die gelehrte bildung des Apostels Paulus. In 
Programm zum ÖOjähr. amtsjubiläum des prof. A. Dühr. p. 18—24. 
Friedland i. M. 4. (no. 603). 

174. Roschatt, A., die metaphern bei den attischen rednern. Strau- 
bing. 8. 52 p. 

175. Schedlbauer, Joh , beitrage zur textkritik von Lykurg's rede 
gegen Leokrates. Bamberg. 8. 32 p. 

176. Sc/iafczik, H , de Cornelii Taciti Germaniae apparatu critico. 
Troppau. 8. 18 p. 

177. Sch?nidt , Hans, über das attributive adjectiv im Nibelun- 
genlied und in der llias. Salzburg, (staatsgymn.). 8. 50 p. 

178. Schreiner, Rupert, zur Würdigung der Trachiniai des So- 
phokles. Theil IL Znaim. 8. 40 p. 

179. Schubert, Friedr., Analecta Sophoclea. Prag, obergymn. d. 
Kleinseite. 8. 16 p. 

180. Schühlein, Franz, Studien zu Posidonius Rhodius. Freising. 
8. 80 p. 

181. Schwenkenbecher , quo anno Taciti dialogus de oratoribus 
habitus sit quaeritur. Sprottau. 4. 13 p. 

182. Seeliger , die Überlieferung der griechischen heldensage bei 
Stesichorus I. Meißen. 4. 41 p. (no. 500). 

183. Senger, J., über den infinitiv bei Catull, Tibull und Properz. 
Speier 8. 44 p. 

184. Stern , Wilh. , beitrage zu den quellen der sicilischen ge- 
schichte. Pforzheim. 4. 14 p. (no. 563). 

185. Stummer, Adam, über den artikel bei Homer. Schweinfurt. 
8. 63 p. v 

186. Suman , Josef , bemerkungen zu einigen stellen der Platoni- 
schen apologie des Sokrates. Laibach. 8. p. 20 — 26. 

187. Tomanetz, K. , über den werth und das verhältniß der hand- 
schriften von Cicero's Cato maior. (Theil II). Wien , staatsgymn. in 
Hernais). 

188. Toussuint, Maximilian, von klassischen statten. Reiseerin- 
nerungen und geschichtl. rückblicke. Bayreuth. 8. 41 p. 

189. Treuber , Oskar , beitrage zur geschichte der Lykier. Tü- 
bingen, (königl. gymn.). 4. 32 p. (no. 546). 

190. Waber, Leop. , Isokrates und der am schloß von Piatos 
Euthydem gezeichnete rhetor. Kremsier. 8. 35 p. 

191. Wagner, Jos., junggrammatisches für die schule. Brunn, 
(erstes deutsches gymn). 8. 16 p. 

L<2. Wessely , Karl, Ephesia grammata aus papyrusrollen. In- 
schriften, gemmen etc. Wien, (Franz-Jos.-gymn.). 8. 38 p. 

193. Wild , Georg , die vergleiche bei Nonnus. Regensburg. 
8. 85 p. 

194. Würzens, J. , ein beitrag zur griechischen acceutlehre IL 
Teschen. 8. 30 p. 

195. Wollner , David , die von der beredsamkeit aus der krieger- 
und fechtersprache entlehnten bildlichen Wendungen in den rhetorischen 
Schriften des Cicero, Quintilian und Tacitus Landau. 8. 44 p. 



212 Bibliographie. ^ Nr. 3. 

196. Wurmser, Konrad, über die gedächtniskunst in den rhetori- 
schen Schriften der alten Römer und ihre anwendung beim unterrichte 
in der geschichte und geographie. Burghausen. 8. 44 p. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Bonn. 197. Lübbert, Ed., commentatio de Pindari poetae et 
Hieronis regis amicitiae primordiis et progressu. Bonn 1886. 4. 28 p. 

198. — — , meletemata in Pindari locos de Hieronis regis Sacer- 
dotio Cereali. Bonn 1886. 4. XXIV p. 

199. — — , meletemata de Pindari studiis Terpandreis. ib. 1886. 

4. XXII p. 

200. Festschrift zur fünften saecularfeier der Carl-Ruprechts-uni- 
versität zu Heidelberg überreicht vom rector und senat der Rheinischen 
Friedrich- Wilhelms-universität. Bonn 1886. 8. 80 p. Inhalt: Acta 

5. Marinae et S. Christophori ed. Herrn. Usener. 

201. Boelte , Felix, de artium scriptoribus latinis quaestiones. 
Bonn 1886. 8. 53 p. 

202. Oder, Eug., de Antonio Liberali. ib. 1886. 8. 61 p. 

203. Rauschen, Gerard, Ephemerides Tullianae rerum inde ab ex- 
silio Ciceronis (Mart. LVIII a. Chr.) usque ad extremum annum LIV 
gestarum. Bonn 1886. 8. 64 p. 

204. Schoenemann , Julius , de lexicographis antiquis qui rerum 
originem secuti sunt quaestiones praecursoriae. Hannover 1886. 8. 116 p. 

205. Sieboury, Maxim., de Sulevis campestribus fatis. Bonn 1886. 
8. 40 p. 

Erlangen. 206. Müller, Iwan , Libri Galeniani qui inscribitur 
ort TccTg iov GuJfiarog xi>ä(Seon' al 7Jj? xpv/rjq dwäfitig enoprat. Erlangen 
1886. 4. 17 p. 

207. Bechh. Heinr., de Geoponicorum codicibus manuscriptis. Erl. 
1886. 8. 86 p. 

208. Bergmüller , Ludov. , Quaestiones Iuvenalianae. Erlangen 
1886. 8. 63 'p. 

204. Braun, Herrn. , Procopius Caesariensis quatenus imitatus sit 
Thucydidem. Erlangen 1885. 8. 61 p. 

219. Bürchner , Ludw. , die besiedelung der küsten des Pontos 
Euxeinos durch die Milesier. Historisch-philologische skizze. Theil I. 
Kempten 1885. 75 p. 8. 

211. Doehler, Alfr. , de partibus quibusdam historiarum Herodoti 
earumque compositionis genere quaestiones. Halis Sax. 1886. 8. 30 p. 

212. Gaiser, Eug., des Synesius von Cyrene ägyptische erzählun- 
gen oder über die Vorsehung. Darstellung des gedankeninhalts dieser 
schritt und ihrer bedeutung für die philosophie des Synesius unter be- 
rücksichtigung ihres geschichtlichen hintergrunds. Wolfenbüttel 1886. 
8. 36 p. 

213. Gollwitzer , Theod. , observationes criticae in Iuliani impe- 
ratoris contra Christianos libros. Erl. 1886. 8. 50 p. 

214. Kennerknecht, D., de Argonautarum fabula quae veterum 
scriptores tradiderint. Monachii 1886. 8 61 p. 

215. Ortner, Heinr., kritische Untersuchungen zuAeschines reden. 
München 1886. 8. 36 p. 

216. Schinner er , Frid., de epitaphiis Graecorum veterum. Erl. 
1886. 8. 53 p. 

217. Wunderer, Carl, Coniecturae Polybianae. Erl. 1885. 8. 39 p. 

218. Z wy q d (f o s, AK., XQmxrj xctl ii-qytjnxij ^ifXiitj lv tiS ns/umo) 
ßißkico lov Oovxvdidov. Erlangen 1886. 8. 106 p. 

Greifswald. 219. Reblin, Carl, de Nonii Marcelli locis Plau- 
tinis pars I. Gryphisw. 1886. 8. 61 p. 



Nr. 3. Bibliographie. 213 

220. Wellmann, Maxim., de Istro Calliraachio. ib. 1886. 8. 123 p. 
Jena. 221. Gerstenberg , Henr. , de Eugraphio Terentii inter- 
prete. Ienae 1886. 8. 117 p. 

222. Grosch, Gust., de codice Coisliniano 120. ib. 1886. 8. 41 p. 

223. 'Ay io oo (fity ?, navayi<ui)js A., 'AoiOToiekovs &HOoia ntgl xüJv 
rj&ixujv xai TUJv öiavor^TfAwv dtwpoowv t(äv dpd-Quinojy. 't£v 'A&rjvcug 1886. 
8. 95 p. 

224. Koeniff, C. , m ükr) et ol Iv tika, verbis quinam intelligendi 
sint. ib. 1886. 8. 66 p. 

225. Liebenam , W. , die laufbahn der procuratoren bis auf die 
zeit Diocletians. Theil I. Jena 1886. 8. 102 p. 

226. Papalukas, Anastasius, neol rij? nöktcos 2TQarovi,x£iag xctl nßv 
Uqwv avT/jg. Patris 1886. 8. 61 p. 

227. Planer , Herrn. , de haud et baudquaquam negationum apud 
scriptores usu. Ienae 1886. 8. 91 p. 

Königsberg. 228. Jordan, EL, Retractationes criticae. Regim. 
1886. 8 p. 4. 

229. Arnotieit, Herrn., de Plutarcbi studiis Homericis. ib. 1887. 
8. 49 p. 

230. Arnold, Carl Franklin, quaestionum de compositione et fon- 
tibus Barnabae epistolae capita nonnulla. ib. 1886. 8. 32 p. 

231. Baumert, Hans, Apionis quae ad Homerum pertinent frag- 
menta. ib. 1886. 8. 52 p. 

232. Dittmar , Arnold, de Meleagri Macedonii Leontii re metrica. 
ib. 1886. 8. 30 p. 

233. Glueck, Maxim., de Tyro ab Alexandro Magno oppugnata 
et capta; quaestiones de fontibus ad Alexandri Magni bistoriam perti- 
nentibus. ib. 1886. 8. 53 p. 

234. Myska, Gust., de antiquiorum historicorum Graecorum voca- 
bulis ad rem militarem pertinentibus. ib. 1886. 8. 67 p. 

235. Rosenstock, Paul, de Donato, Terentii et Servio, Vergilii ex- 
plicatore syntaxeos latinae interpretibus. Marggrabovae 1886. 8. 85 p. 

236. Schroeter, Franz, ad Tbucydidis librum VII quaestiones pbi- 
lologicae. Regimonti 1886. 8. 30 p. 

Leiden. 237. Kesper , Lud. Alb., commentatio critica de Ca- 
millo Volscorum victore. Lugd. Bat. 1886. 8. 

238. Kindermann, Carl Henr., quaestiones de fabulis a Vergilio 
in Aeneide tractatis. ib. 1885. 8. 124 p. 

239. Slavenisse de Brauw , Robert Annaeus Marius , quaestiones 
ad Tberamenem Hagnonis filium pertinentes. ib. 1886. 8. 82 p. 

240. Vinkesteyn , Cornelius loa. , de fontibus ex quibus scriptor 
libri de viris illustribus urbis Romae bausisse videtur disputatio. ib. 
1886. 8. 95 p. 

241. Vries, Scato Gocko de, epistula Sappbus ad Pbaonem appa- 
ratu critico instructa commentario illustrata et Ovidio vindicata. ib. 
1885. 8. 149 p. 

Straßburg. 242. Blase, Henr., de modorum temporumque in 
enuntiatis condicionalibus latinis permutatione quaestiones selectae. 
Argentorati 1885. 8. 54 p. 

243. Brokate, Henr., de Tbeopbilinae quae fertur Iustiniani insti- 
tutionum Graecae parapbraseos compositione. ib. 1886. 8. 60 p. 

244. Brückner, Alfred , ornament und 'form der attiscben grab- 
stelen. Weimar 1886. 8. 93 p. 2 tafeln. 

245. Caesar, Herrn., de Plauti memoria apud Nonium servata. 
ib. 1886. 8. 75 p. J ). 

246. Döring, Robert , de Silii Italici epitomes re metrica et ge- 
nere dicendi. ib. 1886. 4. 58 p. (Aucb programm). 

Philol. Anz. XVII. 15 



214 Bibliographie. Nr. 3. 

247. Ehrismann, Henr., de temporum et modorum usu Ammianeo. 
ib. 1885. 8. 73 p. l ). 

248. Feldmann, Wilh., analecta epigraphica ad historiam synoecis- 
morum et sympolitiarum Graecorum. ib. 1885. 8. 60 p. *). 

249. Hansen, J. Henr., de metallis atticis commentatio prior. 
Hamburg 1886. 4, 30 p. 

250 Herbrecht, Hugo , de sacerdotii apud Graecos emptione ven- 
ditione. Argent. 1885. 8. 56 p. 1 ). 

251. Lucius, Albert, de crasi et apbaeresi. ib. 1885. 8. 50 p. 1 ). 

252. Maurer, Carl , de aris Graecorum pluribus deis in commune 
positis. Darmstadii 1885. 8. 138 p. 

253. Peter, Rud. , quaestionum pontificalium specimen. ib. 1886. 
8. 84 p. 

254. Bauscher, Georg , de scholiis Homericis ad rem metricam 
pertinentibus. ib. 1886. 8. x ). 

255. Ritter, Carl, de Pindari studio nomina variandi, ib. 1885. 
8. 54 p. l ). 

256. Roehricht , Aug. , quaestiones scaenicae ex prologis Teren- 
tianis petitae. ib. 1885. 8. 53 p. ')■ 

257. Scheele , Lud. , de Sorano Epbesio medico etymologo. ib. 
1884. 8. 40 p. 1 ). 

258. Schrader, Paul, de particularum -ne anne nonne apud Plautum 
prosodia. Argent. 1885. 8. 46 p. 1 ). 

259. Stehle, Rod. , de Tibullo puri sermonis poetici cultore. Ar- 
gentor. 1886. 8. 74 p. 

260. Voltz, Lud. , de Helia monacho Pseudo-Dracone scriptoribus 
metricis Byzantinis. Argentor. 1886. 8. 52 p. *). 

261. Zur Jakobsmühlen, Henr., Pseudo-Hepbaestion de metris. ib. 
1886. 8. 55 p. »). 

Frankreich. 

A i x. 262. Parrocel, Pierre, du role et des attributions des gou- 
verneurs dans l'administration des provinces romaines. Marseille 1886. 
8. (These de droit). 

Lyon. 263. Duseiqneur , Marcel, des corporations ä Rome. 
Lyon 1886. 8. 101 p. "(Droit). 

Nancy. 264. Guerrier de Dumast, Rene, les finances de l'e'tat 
et l'administration financiere ä Rome sous la republique. Nancy 1886. 
8. 80 p. (Droit). 

Paris. 265. Reville, Jean, la religion ä Rome sous les Se>eres. 
Paris 1885. 8. VIII, 302 p. (The'ologie protest). 

266. Jourde, Jean Florimond Gaston, du culte du Dieu Terme et 
de la limitation de la propriete chez les Romains. Paris 1886. 8. (Droit). 

267. Girardin, Marie Hyacinthe Maurice, du mancipium. Paris 
1886. 8. (Droit). 

268. Paufßn, Henri Joseph, des origines du colonat et de la con- 
dition du colon. Paris 1886. 8. (Droit). 

269. Bleteau, Aug. Edouard Antoine, des ediles. Paris 1886. 8. 
(Droit). 

270. Pages, Ferd. Jos. Helie, de l'infe'riorite' sociale des affranchis 
ä Rome et des moyens de la relever. Paris 1886. 8 (Droit). 

271. Bazin, Joseph Marie Hippolyte Theodore, la republique des 
Lacedemoniens de Xenophon. Etüde sur la Situation interieure de Sparte 
au commencement du IVe siecle avant J. C. Paris 1885. 8. XIV, 
286 p. (Lettres). 

272. , de Lycurgo. Parisiis 1885. 8. VII, 140 p. 

1) Zum tbeil vollständiger in Dissertat. philolog. select. Argentora 



Nr. 2. Bibliographie. 215 

273. Plessis, Frederic Edouard , etudes critiques sur Properce et 
ses elegies , ouvrage contenant le facsimile de six feuilles du Neapoli- 
tanus. Paris 1884. 8. XVI, 332 p. (Lettres). 

274. — — , de Italici Iliade latina. Äccedit Ilias latina cum apparatu 
critico item nominum index locuples. Paris 1885. 8. LH, 100 p. 

275. Droz, Edouard Leon, de M. Cornelii Frontonis institutione 
oratoria. Vesontione 1885. 8. 86 p. 

276. Lauret, Henri Jacques, de perturbationibus animi Stoici quid 
senserint. Nancy 1885. 8. 46 p. 

277. Soariau, Maurice Anatole, de la Convention dans la tragedie 
classique et dans le drame romantique. Coulomniers 1885. 8. XI, 294 p. 

278. , de deorum ministeriis in Pharsalia. Paris 1885. 8. 90 p. 

279. Monceaux, Etienne Paul Victor, les proxenies grecques. Tou- 
louse 1885. 8. X, 332 p. 

280. , de Communi Asiae provinciae (Koivov 'Aalag). Paris 

1885. 8. 132 p. 

281. Bouvy, Edmond Leon Adolphe, poetes et melodes etudes sur 
les origines du rythme tonique dans l'hymuographie de l'eglise grecque. 
Nimes 1886. 8. XVI, 386 p. 

282. , de S. Isidoro Pelusiota libri III. Nemausi 1884. 8. IV,216p. 

283. Uri , Isaac , un cercle savant au XVIIe siecle. Francois 
Guyet (1595 — 1655) d'apres des documents ine'dits. Paris 1886. 8. 
XII, 264 p. 

284. — — , quatenus apud Sallustium sermonis latini plebeii aut 
cotidiani vestigia appareant. Paris 1885. 8. 140 p. 

285. Merimee, Amedee Charles Ernest, de antiquis aquarum re- 
ligionibus in Gallia meridionali ac praesertim in Pyrenaeis montibus. 
Parisiis 1886. 8. 112 p. 

286. Bourciez, Ed. Eug. Jos., de praepositione ad casuali in la- 
tinitate aevi merovingici. Paris et Burdigalae 1886. 8. 116 p. 

287. Martin, Antoine Albert, les cavaliers atheniens. Paris 1886. 
8. XII, 588 p. 

288. — — , quomodo Graeci ac peculiariter Athenienses foedera 
publica iure iurando sanxerint. Paris. 1886. 8. 86 p. 

289. Cheneviere, Adolphe, de Plutarchi familiaribus. Paris 1886. 
8. 132 p. 

290. Jullien , Victor Emile, les professeurs de litterature dans 
l'ancienne Eome et leur enseignement depuis l'origine jusqu'ä la mort 
d'Auguste. Paris 1885. 8. 380 p. 

291. — — , de L. Cornelio Balbo maiore. Lutetiae Parisiorum 

1886. 8. IX, 160 p. 

Poitiers. 292. Jarrasse, Alfred, des e'diles et de leur röle dans 
le developpement du droit prive. Poitiers 1886. 8. 

Renn es. 293. Seze, Fernand Pierre Marie Victor, etude sur les 
quaestiones perpetuae. Vannes 1886. 8. 114 p. 

Toulouse (Montauban). 294. Bois, Henri, poesie gnomique 
chez les Hebreux et chez les Grecs. Toulouse 1886. 8. 333 p. 

295. Thomas , Frank , Saint Augustin, la cite de Dieu : etude hi- 
storique et apologetique. Geneve 1886. 8. 124 p. 

296. Monod, Paul, La politique religieuse de Constantin. Mon- 
tauban 1886. 8. 50 p. 

297. Guiraud, Jean, un essai de reforme paienne au Ille siecle. 
La vie d'Apollonius de Tyane par Philostrate. Montauban 1886. 8. 48 p. 

298. MoUnes, Charles, Chrysostome orateur. Montauban 1886. 8. 64 p. 

299. Mar gier, E , essai sur l'organisation du pouvoir judiciaire ä 
Rome. Toulouse 1885. 8. 189 p. 



15 : 



216 Kleine philologische zeitung. . Nr. 3. 

Kleine philologische zeitung. 

Unter der Überschrift : das Schicksal der Via Appia bei 
Rom" wird in der Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 343 von neuem 
darauf aufmerksam gemacht, welche gefahren den resten aus 
dem alten Rom durch die jetzt in Rom herrschende bauwuth 
drohen. Vrgl. PhAnz. XVI, nr. 6, p. 354. 

Olympia. Die von dr. Treu die läge des Leonidaion im 
Südwesten der Altis dicht bei einem eingangsthore bestimmende 
inschrift hat Bötticher zu einem aufsatze über die topographie 
von Olympia veranlaßt, Münch. allg. ztg. no. 345, in welchem er 
frühere aufstellungen zu sichern oder zu berichtigen sucht. 

Rom, 10. decbr. (Festsitzung des kaiserlich deutschen ar- 
chäologischen instituts). Das deutsche archäologische institut 
eröffnete heute mit der üblichen feierlichen sitzung zum gedächt- 
niß Winckelmanns die reihe seiner wöchentlichen Zusammen- 
künfte. Der erste secretär, professor Henzen, besprach zunächst 
eine kürzlich am Apenuinenpasse Furlo ausgegrabene, ins 
museum von Pesaro aufgenommene inschrift, von der durch ver- 
mittelung der k. generaldirection der alterthümer ein wohlgelun- 
gener papierabdruck vorlag. Dieselbe ist der göttin Victoria 
geweiht für das wohl des kaisers Philippus, seines sohnes und 
seiner gemahlin , und zwar von einer abtheilung von Soldaten 
der Ravennatischen flotte unter führung eines evocatus der 6. 
prätorischen cohorte, der als agens ad latrunculum bezeichnet wird. 
Der vortragende erörterte im anschlusse an neuere Untersuchun- 
gen Mommsens die bedeutung des namens evocatus in der römi- 
schen kaiserzeit im gegensatz zu den zeiten der republik und 
sah in dem evocatus agens ad latrunculum einen nach seinem aus- 
tritt aus der kaiserlichen garde als polizeiagenten verwendeten 
officier, sei es nun, daß derselbe eine stehende polizeistation am 
Furlo-paß befehligt, oder daß er zur Verfolgung eines besonde- 
ren, damals die gegend unsicher machenden räubers ausgesandt 
sei. Er äußerte dabei die vermuthung, es könne möglicherweise 
in dem agens ad latrunculum eine erste spur der späteren agentes 
in rebus zu suchen sein. Daß flottensoldaten entweder als ste- 
hender posten zur Sicherung der Straßen , oder zur Verfolgung 
des gedachten räubers detachirt hier vorkommen , findet seine 
erklärung in dem umstände, daß in Italien außer den kaiser- 
lichen und stadtrömischen garden und der vom 3. Jahrhundert 
an bei Albano lagernden legion keine anderen truppen standen, 
als eben die flotten von Misenum und Ravenna. Der vortra- 
gende knüpfte daran einige bemerkungen über die Unsicherheit 
der straßen und das räuberwesen in der kaiserzeit, sowie über 
die dagegen ergriffenen maßregeln. — Dr. Studniczka sprach über 
stil und Ursprung der sculpturen am Zeustempel in Olympia. 
Die Überlieferung , Paionios und Alkamenes hätten die giebel 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 217 

gemacht, wurde als unhaltbar zurückgewiesen, weil entstehungs- 
zeit und stil allem widersprechen , was wir sonst von diesen 
künstlern wissen. Damit fällt der anlaß hinweg, an nordgrie- 
chischen oder attischen Ursprung zu denken. Dagegen wird das 
nächstliegende, der von einem einheimischen gebaute tempel sei 
auch von peloponnesischen bildhauern geschmückt , eine vorur- 
teilslose betrachtung des denkmals bestätigen. Während in der 
strengeren rothfigurigen Vasenmalerei die feinfaltige ionische 
kleidung noch ausschließlich herrscht, in den jüngeren selinun- 
tischen metopen aber und in der kunst des Pheidias diese tracht 
gleichberechtigt neben der dorischen steht, erscheint in den olym- 
pischen sculpturen die erstere nur vereinzelt als brautkleid im 
westgiebel , sonst aber die dorische , und zwar in derselben 
schlichten stilisirung , wie wir sie hauptsächlich aus peloponne- 
sischen werken kennen. Das hat für die Sterope auch Brunn 
anerkannt, freilich bevor er wußte, daß sie zum giebelfeld ge- 
hört, ferner auch für die trauen der ostmetopen, welche wie- 
derum durch einen singulären Verschluß des gewandes auf den 
schultern mit den giebelfiguren verknüpft werden. Die breite 
faltenbehandlung rührt von der technik der spkyrelaten her, 
ebenso die bildung des haares , wo es sorgfältig ausgearbeitet 
ist. Die angebliche „malerische" flauheit der körperformen in 
den giebeln beruht th eilweise auf stümperhafter arbeit, theilweise 
aber in einer Unterdrückung des details , welche in hoher auf- 
stellung vorteilhafter wirkt, als die katatexis der Aegineten. 
Uebrigens zeigt auch noch der Doryphoros etwas von jener 
flächenhaften behandlung. Auch die köpfe weisen meist auf den 
Peloponnes hin, z. b. der eines Lapithen mit geknüpften kopf- 
tuch gleicht im typus der vaticanischen wettläuferin , der der 
Hesperide steht der Hera von Girgenti und der polykletischen Ama- 
zone nahe, der des gottes im westgiebel einem köpfe im British 
museum, welchen 0. Müller ansprechend auf Kanachos zurück- 
führte. Dieser im Kentaurenkampfe die Griechen beschützende 
gott ist kaum Apoll, eher Herakles, der in alter Verbindung 
mit dem gegenstände stand und als gründer der olympischen 
spiele am besten dem Zeus des ostgiebels entspräche. Als 
alexikakos , wie er hier erscheint und (ein ander mal) auch 
bartlos hatte ihn Ageladas gebildet, dessen schule den nächsten 
ansprach auf die ausführung des tempelschmuckes haben mußte. 
Man könnte z. b. an die untergeordneten künstler denken, 
welche das Praxitelesbathron nennt. Nur die vier fxguren in 
den spitzen des westgiebels sondern sich ab. Der schöne köpf 
der gelagerten nymphe ist eine unmittelbare Vorstufe der Par- 
thenos Ihn und die köpfe der zwei alten frauen zeichnet u. a. 
eine naturgetreuere augenbildung vor allen anderen tempelscul- 
pturen aus. Damit stimmt die fortgeschrittenere gewandbehand- 
lung und der pentelische marmor dieser vier gestalten. Offen- 



218 Kleine philologische zeitung. , Nr. 3. 

bar waren sie die letzten arbeiten am tempelschmuck , welche 
unter dem einfluß der zur ausführung des cultbildes berufenen 
attischen meister entstanden. — Der zweite secretär , professor 
Heibig, las über den neuerdings gefundenen marmorkopf einer 
römischen matrone von vorzüglicher arbeit , welchen stil und 
haartracht in die zeit der julischen kaiser verweisen. Die letz- 
tere entspricht derjenigen der älteren Agrippina, gattin des Ger- 
manicus, ist aber deutlich als eine perrücke characterisirt , da 
die scheitellinie nicht bis zur kopfhaut herabreicht. Der vor- 
tragende wies in dem köpfe ein portrait der Livia nach. Das 
gesicht bekundet eine auffällige ähnlichkeit mit demjenigen des 
Tiberius. Das profil stimmt genau mit den in Italien gearbei- 
teten, sicher beglaubigten portraits der Livia überein, z. b. mit 
der im jähre 22 n. Chr geschlagenen münze mit der aufschrift 
SALUS AUGUST A und dem wiener Cameo , welcher die kaise- 
rin als sacerdos Augusti mit der büste des divus Augustus in der 
hand darstellt. Die abweichende haartracht wurde durch den 
Wechsel der mode erklärt. Die bei Neuilly-le-R^al in der Gal- 
lia Lugdunensis gefundene , inschriftlich bezeichnete büste der 
Livia ist eine dürftige provinciale arbeit und als solche für die 
ikonographie der kaiserin von untergeordneter bedeutung. Der 
neu gefundene marmorkopf stimmt vortrefflich zu dem bilde, 
welches wir uns nach der Überlieferung von Livia zu machen 
haben. Die wohlgebildete stirn , das scharfgeschnittene profil, 
die großen äugen , die beobachtend in die weit blicken, bekun- 
den eine hervorragende intelligenz ; der tiefe Schädel und das 
stark markirte kinn eine ungewöhnliche energie. Der ausdruck 
erscheint kalt und berechnend. Die dünnen lippen , die genau 
denen des Tiberius entsprechen, weisen darauf hin, daß die dar- 
gestellte person sich zu beherrschen und ihre gedanken und ge- 
fühle zu verbergen verstand. Münch. allg. ztg. beil. zu no. 346. 
London, 13. december. Neueren nachrichten zufolge ge- 
denkt Penrose, der neuernannte leiter der englischen schule für 
alterthumskunde in Athen , demnächst in begleitung von dr. 
Dörpfeld eine gemeinschaftliche besichtigung von Tiryns und 
Mykene vorzunehmen. — Die griechische gesellschaft für alter- 
thumskunde ist dr. Schliemanns ursprünglicher absieht , seine 
arbeit in Mykene wieder aufzunehmen und nach dem palaste 
der Atriden zu graben, seit juni zuvorgekommen. Ihre mit nur 
wenigen arbeitern begonnenen grabungen rücken jedoch sehr 
langsam vor. Indessen ist dr. Schliemann , welcher mit seiner 
gemahlin eine Nil - reise bis zu den zweiten Wasserfällen hinauf 
angetreten hat , vor dieser reise in Mykene gewesen und hat 
sich überzeugt , daß man auf dem felsgipfel der oberstadt die 
grundlagen eines vorgeschichtlichen gebäudes gefunden hat, die 
jedoch später für ein augenscheinlich dorisches gebäude verän- 
dert worden sind. Unterhalb des gipfeis kam die hälfte eines 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 219 

saales und eine kleine stube mit einem runden feuerheerd zum 
Vorschein. Es ergaben sich Übereinstimmungen der bauart in 
den mauern mit Troja und Tiryns. Im frühjahr hofft der ver- 
dienstvolle forscher , dessen anregung zu dieser neuesten ent- 
deckung geführt hat, in Kreta beginnen zu können. Münch. 
allg. ztg. no. 349. 

Ueber neuerdings vom minister von Gautsch erlassene Ver- 
fügungen , meist personalien betreffend , berichtet Münch. allg. 
ztg. no. 354: sie zeigen fortschreiten auf dem bisher eingeschla- 
genen wege. 

Ein interessanter bericht von Gustav Meyer über Engel's 
griechische frühlingstage , über welche wir oben hft. 2, p. 201 
berichtet haben, findet sich Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 354. 

Einen lesenswerthen artikel über Schliemanns ausgrabungen 
und deren wissenschaftliche bedeutung von Lübhe bringt Lindau's 
Nord und süd , bd. 37, heft 109: damit zu vergleichen Lübke 
Dritte Sammlung vermischter aufsätze (Breslau, Schottländer) und 
Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 354. 

Ueber die auftindung einer im Kölner dorn befindlichen alt- 
römischen Wasserleitung und deren jetzt vorgenommene nähere 
Untersuchung berichtet Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 354. 

Ueber Naville's ausgäbe des ägyptischen todtenbuchs findet 
sich ein lehrreicher aufsatz im Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 355. 

Ueber die jüngbt mit dem Deutschen archäologischen insti- 
tut vorgenommenen Veränderungen berichtet Münch. allg. ztg. 
nr. 359. Damit ist das unten und p. 220 gesagte vorläufig zu 
verbinden. 

Ueber das am 18. dec. stattgehabte feierliche begräbniß 
Madvigs berichtet Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 360 

1887. Sehr beachtenswerth sind die ausführungen von S. 
Conrad in Münch. allg. ztg nr. 1. 3 beil. zu nr. 4 über „die 
gefahr eines gebildeten Proletariats in der gegeuwart", in wel- 
chen zwar der werth und die geltung der classischen sprachen 
zu gering angeschlagen, aber eine reihe von den tiefen schaden, 
an denen jetzt unser ganzes erziehungs- und Schulwesen leidet, 
mit großer kenntniß rücksichtslos dargelegt werden. 

Sehr zu beachten ist die gelehrte „die braunschweigischen 
Schulordnungen" überschriebene anzeige von Fr. Koldeweys buch: 
„die braunschweigischen Schulordnungen von den ältesten zeiten 
bis zum jähre 1850 mit einleitung, anmerkungen, glossen und re- 
gister", bd. I (8. Berlin. Hofmann) in beil. zu Münch. allg. ztg. 
nr. 5 : es wird in ihr eine skizze der geschichte der schulen in 
der Stadt Braunschweig gegeben. Dieser band ist die erste lieferung 
der Monumenta Germaniae paedagogica von L. Kehrbach : man kann 
nur wünschen, daß die folgenden bände mit gleicher umsieht und 
sachkenntniß behandelt werden. Vrgl. unten hft. IV. 

Ueber eine von R. Bonghi in Eom geplante aus Italienern 



220 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

und gelehrten anderer nationen bestehende archäologische ge- 
sellscbaft berichtet Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 7 : da Bonghi's 
plan durch mittheilungen aus Berlin über änderungen, welche 
mit der Stellung und den Schriften des kaiserlich deutschen ar- 
chäologischen instituts in Rom beabsichtigt seien, veranlaßt war, 
erklärte die Norddeutsche allgemeine zeitung diese mittheilungen 
für irrig ; gegen dieses dementi spricht aber ein artikel in Münch. 
allg. ztg. nr. 24, wie es scheint, nicht mit unrecht : man scheint 
in Berlin selbst über diese Veränderungen noch nicht im klaren 
zu sein: so soll man noch für das archäologische institut nach 
einem „generaldirector" suchen : allerdings ein schöner titel : aber 
über wichtigeres Sicherheit endlich zu erhalten, wäre doch auch 
wünschenswerth. 

Ueber EgWs Studien über altchristliche martyrologie be- 
richtet lehrreich eine kritik in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 14. 

In Bamberg soll ein zweites gymnasium jetzt errichtet wer- 
den. Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 16. 

Interessante mittheilungen über „das deutsche volksschul- 
wesen vor hundert jähren" giebt ein aufsatz in Münch. allg. 
ztg. beil. zu nr. 19 im anschluß an A. Landesberger Pädago- 
gische Studien (Ludwigsburg, 1886): die noth und auch der gute 
wille der Städte und fürsten in jenen zeiten tritt auch hier klar hervor. 

Ueber die in letzter zeit in Pompeji vorgenommenen aus- 
grabungen berichtet in anziehender weise Härtung in Münch. 
allg. ztg. beil. zu nr. 21. 

In Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 29 findet sich ein sehr 
interessanter artikel von Ad. Michaelis über die archäologische 
gesellschaft in Athen , nicht zu verwechseln mit dem deutschen 
archäologischen institut daselbst : sie ist stets von Griechen ge- 
leitet und von diesen reichlich unterstützt worden. 

Gießen. Am 17. märz 1887 referirte Universitäts-bibliothe- 
kar dr. H. Haupt in der Sitzung des oberhessischen Vereins für 
localgeschichte zu Gießen über die in jüngster zeit unweit Butz- 
bach zu tage getretenen funde aus der römischen zeit; dieselben 
wurden gelegentlich der auf den feldern nordwestlich von Butz- 
bach seit einiger zeit vorgenommenen drainirungs- arbeiten ge- 
macht, und gaben dem verein veranlassung seinerseits durch 
grabungen zur näheren erforschung des terrains der römischen 
militärstation bei Butzbach beizutragen. Die bisherigen ergeb- 
nisse kommen in erster linie der kenntniß der bürgerlichen 
niederlassung , die hinter dem Limes -castell bei Butzbach lag, 
zugute. Bisher war auf grund der forschungen von Dieffenbach 
(Archiv für hessische geschichte IV, p. 208 ff. Vgl. aber auch 
Archiv X, p. 453) anzunehmen gewesen, daß die westlich von 
der landstraße Butzbach, an der nordwestecke von Butzbach ge- 
legene „Hunnenburg" — so heißt das römische trümmerfeld 
noch heute — sich in einer längenausdehnung von etwa 1700 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 221 

fuß nach westen , bis an den sogenannten Hunnenbergsweg, er- 
strecke. Aus den neu gemachten funden ergiebt sich nun, daß 
das von römischen ansiedlungen besetzte terrain weit über den 
Hunnenbergsweg , zum theil bis über 80 meter gegen westen 
hinausreicht. Es wird eine längenausdehnung der Hunnenburg 
von über 2000 fuß angenommen und auch über die von Dief- 
fenbach berechnete breite von 1000 fuß um ein beträchtliches 
hinausgegangen werden müssen. Die durch die ausgrabungen 
vom jähr 1842 östlich vom Hunnenbergsweg constatirten fun- 
damente von wohnstätten setzen sich nach den neu gemachten 
entdeckungen genau in derselben weise westlich von jenem 
wege fort ; bei mehreren ergaben sich deutliche spuren eines 
estrich , und eine große anzahl von ziegelplatten gab sich als 
rest römischer luftheizungsanlagen zu erkennen. Ebenso wie 
innerhalb der fundamente östlich des Hunnenbergsweges wurden 
auch in denen westlich derselben lagen von brandschutt aufge- 
funden. ' In den besitz des oberhessischen Vereins für lokalge- 
schichte zu Gießen, der die vorgenommenen arbeiten fortdauernd 
im äuge behält, sind von den gemachten funden 11 kupfermiin- 
zen , darunter ein Marc Aurel , 1 Antoninus Pius , 1 Faustina 
und 3 silbermünzen (darunter 1 Septimius Severus und 1 An- 
toninus Pius) übergegangen, ferner eine bronze-broche mit ein- 
gelegten mosaik-ornamenten, eine messingkette von feiner arbeit, 
zwei lanzenspitzen , eine anzahl kleinerer und größerer gegen- 
stände aus bronce oder eisen , ein mit kleinen löchern siebartig 
durchbrochenes irdenes gefäß und eine menge von größeren 
scherben aus terra sigillata, die zum theil höchst geschmackvolle 
ornamentirung und in sechs fällen den Stempel des töpfers (dar- 
unter ein Cilsinus, Fidelis, Cintugnatus und ein Melissus) zeigen. 
Besondere aufmerksamkeit beanspruchte die durch die draini- 
rungsarbeiten erfolgte bloslegung einer gepflasterten römischen 
straße, die in einer länge von etwa 20 fuß durch einen ent- 
wässerungsgraben durchschnitten werden mußte. Da in der 
„Hunnenburg" bisher nur die bürgerliche niederlassung der Rö- 
mer bei Butzbach, nicht aber das zugehörige kastell nachgewie- 
sen werden konnte , so unternahm es der oberhessische verein 
für lokalgeschichte , durch eigene grabungen die richtung der 
genannten straße festzustellen, um auf diese weise allenfalls ei- 
nen anhaltspunkt für die fixircmg des castelles selbst , das un- 
fraglich in der nächsten nähe der straße zu suchen ist , zu er- 
halten. Es gelang denn auch auf eine längere strecke den 
lauf der 8'/2 meter breiten straße nachzuweisen, die von Butz- 
bach aus in nordwestlicher richtung dem Limes zuzieht und 
denselben etwa 1200 schritte westlich von der straße Butzbach 
Gießen erreicht haben muß. Die durch die anlegung verschie- 
dener graben auf dem zunächst dem pfahlgraben gelegenen ter- 
rain gemachten beobachtungen werden hoffentlich in nicht zu 



222 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

langer zeit bei einer systematischen nachgrabung nach den re- 
sten des Butzbacher castelles , das mit vollem recht als eines 
der wichtigsten in der ganzen pfahlgrabenlinie bezeichnet werden 
darf, verwerthet werden können. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Philologische ab h and Hingen aus Zeitschriften 188 7. 

No. 2. 

Anlologia, Nuova, 1886, fasc. 21—22. 23 u. 24. O. Marucchi, le 
antiche e moderne trasformazioni di Roma (contin.). 1887, fasc. 1. O. 
Baratieri, le fortificazioni dei re e la moderna Roma. 

Archiv, neues, der gesell schaft für ältere deutsche geschichtskunde 
XI. Heft 2.- heft 3. — XII. Heft l.-heft 2. Br. Kmsch, zu Gregor's 
schrift de cuisu stellarum. — Br. Krusch, der Fonds libri in Florenz. 

Archiv für lateinische lexikographie und grammatik.- Bd. IV. 
Heft 1. E. Wölfflin, dissimilation der littera canina. — A. Otto, die 
natur im Sprichwort. — C. Ho/mann, medianus. — K. Roßberg, zu 
Dracontius. — E. Wölfflin, temere. — E. Wölfflin, usque mit accusativ. 

— E. Wölfflin, vice versa. — A. Funck, die verba auf -illare. — P. 
Hirt, penes I. — E Wölfflin , dirigere litteras. - E. Wölfflin , ab- 
dico, ahdomen etc. — H. Ploen, abhinc. -- G. Gröber, vulgärlatei- 
nische Substrate romanischer Wörter (M. N.). — Miscellen: M.Hertz, 
randglossen zu III, 355 f. — O. Keller, zu Cato's fragmenten. Zu Pli- 
nius ep. I, 5. 14. Melo = Nilus. — W. Brandes, accipiter = Jagd- 
falke — J. Hauer, adductorium. — L. Havet, Coluber. Hispali. — 
E. Wölfflin , älteste lateinische Inschrift. Zur entwickelung des Hen- 
diadyoiu. Ex toto, in totum. 

Archiv für das Studium der neueren sprachen hrsg. von Herrig. 
Bd. 73. (1885). Bd. 74.— bd. 75.— bd. 76.- bd. 77: Ad. Vollmer, Sha- 
kespeare u. Plutarch. I. 

Archivio giuridico. Vol XXXVII, fasc. 1. 2. Brugi , dei pascoli 
accessori a piü fondi alienati secondo i libri degli Agrimensori romani 
commentati col Digesto. — fasc. 3. 4. Tamassia, il periodo poetico sa- 
cerdotale dei diritto. — Ferrini, intorno al Salvius Iulianus dei prof. 
E. Buhl. — Derselbe, Genn. Manna, degli argentari in diritto romano. 

— fasc. 5/6. Ferrini, delle origini della parafrasi greca delle istituzioni. 

Archivio della Societä romana di storia patria. Vol. IX, fasc. 3. 4. 
G. Tomassetti, della Campagna romana nel medio evo parte II. 

Beiträge zur künde der indogerm. sprachen hrsg. von A. Bezzen- 
berger. Bd. XII, heft 1. 2. A. Fick , die ursprüngliche sprachform 
und fassung der Hesiodischen Theogonie. — K. Foy , griechische vo- 
calstudien. — A. Bezzenberger, etymologien. — Ch. Bartolomae, die 
Vertretung des altitalischen -ss im oskischen. — W. Deecke, lykische 
Studien I. — O. Weise, volksetymologische Studien IL — A. Fick, ety- 
mologien. — Heft 3. F. Blaß, dialektinschrifteu von Korinth, Kleonai, 
Sikyon, Phlius und den korinthischen kolonien am ionischen meere. — 
A. Bezzenberger, etymologieen. — J. B. Bury, simul. — H. Collitz, 
Währung meines rechts (entdeckung des palatalgesetzes). 

Bibliotheqne de l'ecole des chartes 1886, no. 4.-5.-6. H. d'Ar- 
bois-Jubainville, -iacus, -iaca. 

Blätter für das bayer. gymnasialwesen 1886, heft 10. H. Schrader, 
des Herakleitos Problemata Homerica und ein angebliches Summarium 
desselben. — H. Stadtmüller, zur kritik der Iphigeneia Aulidensis v. 
610-620 N. — Anzeigen. — 1887. Heft 1. M. Radlkofer, die äl- 
teste Verdeutschung der Germania des Tacitus durch Job. Eberlin. 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 223 

Bulletin de correspondance africainr-, IV aunee 1885, t. III: P. 
Monceaux, nouveaux fragrnents grecs de l'edit de Diocletien „de pretiis 
reruni". — JB. Masqueray, lettre ä Mr. Tissot sur la Ghorfa des Aou- 
lad Selama; M. Choiset ä Tatilti. - E. Cat, une hypothese de M. 
Monirnsen. — E. Masqutray, les additamenta ad Corporis volumen VIII 
de M. Jo. Schmidt. — W. Waille, note sur une inscription trouve'e ä 
Affreville. — W. Waille, decouverte d'une statue de Jupiter ä Cherchell. 

Centrulbiuit für das bibliothekswesen. 18S7, heft 1. G. Meier, ver- 
zeichniß der haudschrifteukataloge Schweizerischer bibliotlieken. — Heft 2. 

Comptes retidua de l'academie des inscriptions et belies lettres. 
1886.. fasc. 3. Communications Dieulafoy, expedition en Susiane. — 
E. Le Blant , sur les objets trouves dans un mausolee de la Via Sa- 
laria. — Ph. Berger, note sur trois reuts ex-voto de Carthage. — M. 
R. de la Blondiere, expose de la Situation actuelle du service des mis- 
sions francaises en Tunisie et de service beylical des antiquites et des arts. 

'E'frj/uioig «oyaioloj ix>j 1886 7. y: F. Studniczka , naoctGiacug 
'A&rjvcig int xtga/Aticov 9üC(v<j/uÜiüji> t-x irjc dxgonolfcjg 'Ad-rjvwv, — 17. 
K c. ß ß «d i'i «, "Ay/io/uog 6 Xlog. — K. N A et /u in äXtj , Iniyqaipal äxoe- 
Holtiog. — I. fl av iat,i a 'q , dioodivoti; t'ic uvu tx 'Enidavoov intyqa- 
qtjv xai tig yjaoiov n tov Uavoaviov. — tl. Kaßßa&ia, ijitygaaial ix 
jujy iy 'Enidcwoui avaöxaq-öip. ■ — B.^Tatj", cioycä/.ov ävdyXvifov l!; axao- 
noXiiog. — X. N. Tcovyi«, xarüt.oyoc 6vof.tc'tT<av. 

Hermes, bd. XXII. heft 1. U. Wücken, die obelisken-inschrift von 
Philae. — O. Pachter, der capitoliuische Jupitertempel und der italische 
fuß. — G. JVissoica, die Überlieferung über die römischen Penaten. — 
L. Colm, zur kritik des redners Lykurg. — W. Dörpfeld, der römische 
und italische fuß. — P. Stengel , zu den griechischen sacralalterthü- 
mern. 1. die angeblichen menschenopfer bei der Thargelienfeier zu 
Athen. 2 über die wild- u. fischopfer der Griechen. — Th. Mommsen, 
die römische tribuseintheilung nach dem Marsischen krieg. — U. v. 
Wilamowitz - Möllendorff, demotika der attischen metöken I. — Mis- 
cellen: C. Robert, eine attische künstlerinscbrift aus Kleisthenischer 
zeit. — H. Collitz, das B im theräischen aiphabet. — F. Becher, zu 
Quint. Inst. orat. XII. - U. Wücken , die memphitischen papyri der 
königl. bibliothek zu Berlin u. der kaiserl. bibliothek zu St. Petersburg. 

— Th. Kock, Apollon oder sauhirt. — G. Kaibel, zu den griechischen 
künstlerinschriften. — Ct. Baeuniker, eine angebliche schritt und ein 
vermeintliches fragment des Numenios. — 11. Tieclke, Livianum. — K. 
J. Neumann, civitates mundi. 

Jahrbücher, neue, für pbilologie u. paedag. 1886, no. 11. 0. Apelt, 
Melissos bei Pseudo-Aristotelps — H. Kothe, Anaxagoras von Klazo- 
menai 1 — 3. — Th. Gomperz, Skylla in der Aristotelischen poetik und 
die kunstform des Dithyrambus. — /. Beloch , über das 3. buch der 
historien des Timaios. — P. Busch , Lucretius und die isonomie, mit 
anmerkungen von F. Susemihl. — H. Deifer, zu Cicero de natura deo- 
rum. — K. Schliack, K. Conradl, H. Gilbert, zu Caesars Bellum Gal- 
licum. — F. Weck, zu Verg. Aen. II, 256—61. — Th. Pläß, Hora- 
zische naturdichtung. — W. Böhme, zu Valerius Maximus. — No. 12: 
E. Iroost, anzeige von J. Deutschle, Piatons Gorgias. — A. Ltiuwich, 
zum Apollonhymnus des Sokrates. — E. Hiller, zur handschriftli- 
chen Überlieferung der griechischen Bukoliker. — E. Hoffmann, zu Euri- 
pides Hekabe. — L. Cohn. anzeige von A. Kopp, beitrage zur griech. 
excerptenlitteratur. — 0. Keller, zur lat. und griech. Sprachgeschichte. 
M. Müller, zu Livius 31 — 35. — 0. Keller, zu Plautus und Terentius. 

— W. Gebhardi, zu Cicero's Tusculanen. — H. Gilbert, zu Ovids He- 
roiden 8, 104. — A. Weidner, zu Horatius Satiren. — F. Vogel, haud 
impigre. — 1887. Heft 1. A. Breusmg , nautisches zu Homeros 7. — 



224 Auszüge aus zeitschritten. . Nr. 3. 

A. Ludwich, zum homerischen Hermeshymnos. — E. Hiller, zum home- 
rischen Margites. — F. Giesing , zu Euripides Medeia. — G. Gilbert, 
der beschluß der phratrie JijfxoiHovidai,. — A. Otto, zu Xenophons 
Hellenica. — G, Busolt , zur Chronologie und geschichte der Perser- 
kriege. — O. Keller, der faden der Ariadne. — G. F. Unger, Diony- 
sius Periegetes. — F. Susemihl, zu Aristoteles poetik c. 18. 24. — A. 
Ludwich, zi;r griechischen anthologie. — E. Bohrens, carmen. — H. 
Gilbert, zu Caesar's bellum civile. — W. Friedrich, zu Cicero's bü- 
cheru de oratore. — F. Folie, zu Arnobius IV, 21. — H. F., Robert 
Schumann und Forcellinis lexikon. 

Journal asiatique. 8 Se'rie, t. 5. 1885.— t. 6. — t. 7. — t. 8.— t. 9, 
no. 1. U. Bourian, fragment d'uu roman d'Alexandre en dialecte thebain. 

Journal of the anthropological Institute of Great Britain and Ire- 
land. Vol. XVI. 1—2.— 3. G. Fräser, the legend of Narcissus. 

Journal of philology Vol. XV, 2 (no. 30). F. Haverfield, on Aure- 
lius Victor. — W. Ridgeway, on Aristoteles' Polities III, 2, 2 (Con- 
greve) 1275 b 26. — /. H. Onions , Placidiana. — J. E. B. Mayor, 
änoKXTo?, ("tngcaog. Pionii vita Polycarpi. 8; Sueton. Aug. 92; ^ Iviy- 
xovaa in Heliodorus. — Eunap. vit. Soph. p. 477,35 Didot. p. 480, 14; 
Senec. benef. VI, 16, 2 medicus amicus, medicus imperator; Clem. Alex. 
Strom. IV § 62 p. 592 P. — H. Nettleship, dierectus ; the study of latin 
grammar among the Romans in the first Century. — D. I). Heath, 
Herodotus in Egypt. — F. Eliis, notes of a fortnights research in the 
bibliotheque nationale of Paris. — E. A. Haigh, on the trilogy and 
tetralogy in the greek drama. — H. Jackson , Plato's later theory of 
ideas VI the Politicus. — C. Merirale, W. H. Thompson. 

Mittheilungen, archäolog.-epigraph. , aus Oesterreich, jg. X, heft 2. 
Jirecek, archäolog. fragmente aus Bulgarien. — F. Studniczka, aus Ser- 
bien. — Lliwy, Inschriften aus Rhodos. — Masner, ein spiegelrelief aus 
Caere. — Bormann, die Tribus Pollia. — Gompers, zu den neu ent- 
deckten grabinschriften der jüdischen katakomben nächst der Via Appia. 
— Ä'. Baron Häuser, epigraphisches aus Kärnthen. — von Bremer stein, 
neugefundene römische Inschriften aus Poetovio. — v. Domaszewski, 
griechische inschriften aus Moesien u. Thrakien. — Ders., zu griechi- 
schen inschriften. 

Mittheilungen des kais. deutschen archäolog. Instituts, röm. abth. 
bd. I, fasc. 4. L. Borsari , scavi di Ostia. — F. Koepp , archaische 
sculpturen in Rom II. — A. Mau, Scavi di Pompei. — W. Heibig, 
Viaggio nell' Etruria e nell' Umbria; appendice : osservazioni sopra il 
Kottabos. — J. Fa/chi, scavi di Vetulonia. — F. Sordini, muro poli- 
gonale scoperto in Spoleto. — F. Marx, rilievo della Villa Albani. — 
T. Mommsen, miscellanea epigrafica. 

— — , athenische abth eilung XI, heft 3. F. Dummler, mittheilun- 
gen von den griech. inseln. IV. Aelteste necropolen auf Cypern. — 
H. G. Lolling, lesbische inschriften mit anhang von E. Petersen. — 
W. Dörpfeld, der tempel von Corinth. — E. Petersen, Athenastatue 
von Epidauros. — H. G. Lolling, das Heroon des Aigeus. — H. Hey- 
demann, bemalte vase aus Boeotien. — O. Boßbach , zum thongefäß 
von Anthienu. — E. Loewy, inschriften aus Mughla. — W. Dörpfeld, 
ausgrabungen. 

Mnemosyne XV, pars 1. J. M. J. V aleton , Quaestiones Graecae. 
1. de suffragio senum milium Atheniensi. — J. van Leeuwen, ad Pia- 
tonis Theaet. p. 15 Id. — H. van Herwerden, Notulae criticae ad Pau- 
saniam. — Addendum. — ./. van Leeuwen, Homerica. — J. vati der 
V/iet, Serviana. — C. M. Francken, J. N Madvigius. 

Monatshefte, philosophische, hrsg. v. Schaarschmidt und Natorp. 
XXII, heft 8-10. - XXIII, 1/2. W. Ribbech , über Plato's Parme- 
nides. — P. Natorp, anzeige von A. Stein, die psychologie der stoa. 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 225 

Museum, Rheinisches für philologie. Bd. 42, heft 1. II. Diels, 
Leukippos und Diogenes von Apollonia. — A. Papadopulos Kerameüs, 
neue briefe von Iulianus Apostata. — IL Ä T isse?i , über tempelorienti- 
rung V. — J. Byivater, Scaliger's u. Labbes handschriftliche noten zu 
den veteres glossae verborum iuris. — E. Meyer, die entwicklung der 
Überlieferung über die lykurgische Verfassung IL — G. Hey Wut, zur 
Überlieferung der politik des Aristoteles. — O. Ribbeck, die verloren 
gegangenen scenen der Plautinischen Bacchides. — A. Kopp, das 
Wiener Apionfragment. — P. J. Meier, die gladiatorentesseren. — 
Miscellen: H. Tiedke , Nonniana. — F. Dämmler, zu Athenaeus 
IV, p 174. — F. Susemihl, zu Laert. Diog. I, 79 und die Chronologie 
des Pittakos. — E. Wblfflin und F. Becher, zu Quintilian. — J. van 
der V/iet, ad Apulei Metamorphoses. — E. Meyer, ist Herodots ge- 
schichte vollendet? — K. Schumacher, verschleppte griechische In- 
schriften. — F. Bücheier, ala classiana zu Köln. — A. Riese, nach- 
trag zu band 41. 

Nachrichten von der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften 1885, 
no. 8. 9.— no. 10. F. Wieseler, kritische bemerkungen zu Pausanias 
beschreibung der akropolis. — No. 11. 12. 13. — 1886, no. 1. F. 
Wieseler, archäolog. excurse zu Pausanias I, 24, 3 und I, 27, 8. — 
No. 2. 3. — no. 4. P. de Lagarde, kleine mittheilungen. — No. 5. 6. — 
no. 7. Leo Meyer, über das griecb. Imovaiog. — No. 8.9.10 — no. 11. 
F. Bechtel, inschrift aus Eresos. — No. 12. 13. 14.— no. 15. F. Wie- 
seler, nachtrag zu der abhandlung über die einlegung und Verzierung 
von werken aus bronze mit silber und anderen raaterialien in der grie- 
chischen und römischen kunst. — No. 16. 17. 18. 19. — 

Review, the English historical, 1887, Jan. C. E. Maltet, the em- 
press Theodora. 

Revue arche'ologique, 1886, sept /octobre: J. Gozzadini, les fouilles 
arche'ologiques et les steles fune'raires du Bolonais. — Clermont- Gan- 
neau, antiquites et inscriptions inedites de Palmyre. — Mowat, note 
sur une pierre gravee servant de cachet. — M. R. de la Blanchere, hi- 
stoire de l'epigraphie romaine redig. sur les notes de Leon Renier. — 
H Gaidoz, un sacrifice romain ä Carthage. — Dieulafoy , fouilles de 
Suze campagne 1885/86. — D. Chatelier, le tumulus de Kerlan en 
Goulien. — Menar.t, l'expedition Wolff en Mesopotamie — Nov./dec. : 
H Bazin , l'Artemis marseillaise da musee d'Avignon. — Dieulafoy, 
(suite). — R. 31. de la Blanchere, (suite). — E. Müntz, les monuments 
antiques de Rome ä l'epoque de la renaissance (suite). — 1887. Janv. 
fevr. — Dieulafoy, (suite). — P. Tannery, les noms de mois attiques 
chez les Byzäntins. - Lettres de A. Renan a G. Perrot. — E. Müntz, 
(suite). 

Revue, Nouvelle , historique de droit frangais et etranger 1886, 
no. 5. — no. 6. E. Cuq , rechercb.es historiques sur le testament per 
aes et libram. — 1887, no. 1. J. E. Labbe, du mariage romain et de 
la manus. — A. Esmein, courtes etudes. 

Revue internationale de l'enseignement 1886, no. 12. — 1887, no. 1. 
— no 2. A. C'artault, la poesie latine au premier siecle de l'ere chre- 
tienne et les propres de l'histoire depuis les poetes latins de la deca- 
dence de M. D. Nisard. 

Revue de l'histoire des religions XIV, no. 2. A. Reville , l'empe- 
reur Julien. III. — J. A. Hild, le pessimisme moral et religieux chez 
Homere et Hesiode. — M. Souriau, du merveilleux dans Lucain. — no. 3. 

Revue numismatique , 4. serie, t. IV, no. 4. J. P. Six , monnaies 
lyciennes article III. — E. Babclon , sur la numismatique des villes 
d'Asie mineure qui ont porte le nom de Comana. — Th. Reinach, es- 
sai sur la numismatique des rois de Cappadoce (fin). — V, no. 1. J. P. 



226 Auszüge aus Zeitschriften. „ Nr. 3. 

Six, monnaies lyciennes. — W*istphalen, la date de l'evenement au 
tröne de Constantin le Grand d'apres Eusebe et les rnedailles. 

Revue de philologie 1886, livr. 3. P. de Nolhac, le Festus d'Ange 
Politien. — A. M. Desrousseaux , sur les dialogues des morts de Lu- 
den. — Ders., sur la correspoudance de Fronton. — F. P. Nash, sur 
un passage de Juvenal X, 176 — 178. — L. Havet , Cicero orator. — 
L. Quicherat, un passage obscur de Catulle eclairci par une coniecture. 
— O. Riemann, la question de l'imperatif latin en -to. — L. Havet, 
le ms. B. de Ciceron de natura deorum. — L. Havet, Ennius ap. Pri- 
scianum 10, 26. — L. Havet, le reviseur du ms. de Fronton. — L. 
Havet, exuuis. 

Revue philosophique 1886, no. 11. 12. — 1887, no. 1. V. Bro- 
chard, la möthode experimentale chez les anciens. 

Revue des questions historiques 1885, t. 38. Douuis, la persecu- 
tion des Chretiens de Rome en 64. — P. Allard, l'opposition sous les 
Cesars. — t. 39. — t. 40. P. Fournier, le dernier livre de M. Fustel 
de Coulanges „Recherches sur quelques problemes d'histoire". — t. 41, 
no. 81. Fustel de Coulanges , de l'analyse des textes historiques. — 
Paul Allard, l'empire et l'e"glise pendant le regne de Gallien. 

Rivista di filologia. Anno XV, 1886/87, no. 3-6. E. Pais, Stra- 
boniana. — F. Ramorino , notizie di alcuni manoscritti italiani del 
Cato maior e del Laelius di Cicerone. — Bibliografia. 

Sitzungsberichte der kgl. preuß. academie der wiss. zu Berlin 1886, 
no. 40-50. — 51. Hirschfeld, die kaiserlichen grabstätten in Rom. — 
Pernice, zum römischen sacralrechte II. — no. 52. — 

Sitzungsberichte der acad. der wiss. zu München. Philol. -hist.-cl. 
1886, heft 3. K. Krumbacher, ein irrationaler spirant im griechischen. 

Studien, Leipziger, zur class. philologie hrsg. von G. Curiius , L. 
Lange, O. Ribbeck, H. Lipsius IX, p. 2 : C. Cichorius , de fastis con- 
sularibus antiquissimis. — G. Schwedler, de rebus Tegeaticis. - O. 
Ribbeck, apinae tricaeque. 

Studien, Wiener. Zeitschrift für philologie. Bd. IX, heft 1. J. 
Simon, zur zweiten hälfte der inschriften von Gortyn. — E. Haider, 
die Orleaner Palimpsestfragmente zu Sallusts Historien. — J. Huemer, 
Iter Austriacum I. — E. Reich, Properzstudien — T. Gottlieb, rand- 
bemerkungen des cod. Bernens. 363. — R. Beer, ein alter catalog und 
eine junge fälschung. — J. Hilberg, zum Christus patiens. — C. Bur- 
kard, ad panegyricos Latinos. 

Zeil, unsere, 1886. Heft 1 — 12. - 1887, heft 1. F. Gregorovius, 
Segesta, Selinunt und der Mons Eryx. — Heft 2. 3. 

Zeitschrift für assyriologie. 1886, heft 1. — heft 2. Eb. Schröder, 
2tlü[.i\pug Salmanassar. — Franz Reber, über altchaldäische kunst. — 
Heft 3. 4.— 1887, heft 1.— 

Zeitschrift für ethnologie 1885, heft 5. 6. — 1886, heft 1-3.— 
heft 4/5. R. Zampa, vergleichende anthropologische ethnographie von 
Apulien übers, von M. Bartels. 

Zeitschrift für allgemeine geschichte u. s. w. hrsg. v. Zwiedeneck- 
Südenhorst 1886, heft 11. 12. — 1887, heft 1. G Dehio, die vestali- 
schen Jungfrauen und ihr neu entdecktes haus zu Rom. — Heft 2. W. 
Fischer, eine kaiserkrönung in Byzantion. 

Zeitschrift, westdeutsche, für geschichte und kunst 1886, heft 4. 
K. Samwer, die grenzpolizei des römischen reiches, hrsg. von K. Zan- 
gemeister. — Fr. Möller, die gans auf den denkmälern des Mars. — 
Conrady, neue römische inschriften in Stockstadt. 

Zeitschrift für gymnasialwesen, 1886, dezember: W. Mewes, Jah- 
resbericht über Horaz. — 1887, heft 1. H. J. Müller, Jahresbericht 



Nr. 3. Literatur. 227 

über Livius. — Febr. märz : G. Andreseti, Jahresbericht über Tacitus 
mit ausschluß der Germania. 

Zeitschrift für die Österreich, gymnasien. 1886, no. 11. — 12. J. 
Mähly, zur griechischen anthologie. - Fr. Drechsler, zu Tacitus Agri- 
cola 31, 20. — Anzeigen. — 1887, no. 1. F. Maixner , kritisch-exege- 
tischer beitrag zu Porcius Licinius und Quhitus Catulus. — J. Huemer, 
ein Trojanerbild aus dem mittelalter. — Anzeigen. 

Zeitschrift, historische, hrsg. von H. v. Sybet, bd. 54, heft 3. — 
bd. 55.- bd. 56.— bd. 57, heft 1—2.-3. Th. Mommsen, der rechen- 
schaftsbericht des Augustus. — A. Philippi, über einige züge aus der 
geschichte des Alkibiades. 

Zeitschrift für vergleichende litteraturgeschichte , hrsg. von Max 
Koch, bd. I, heft 1. — heft 2. Otto Francke , über Goethe's versuche 
zu anfang unseres jahrh. Plautus und Terenz auf der Weimarschen 
bühne heimisch zu machen. — Jos. Kohler, ästhetik , philologie und 
vergleichende litteraturgeschichte. — A. Biese, die aesthetische natur- 
beseelung in antiker und moderner poesie. I. 

Zeitschrift des deutschen Palaestina-vereins. Bd. IX. — bd. X, heft 1. 
K. Zangemeister, römische inschrift. — 

Zeitschrift für deutsche philologie, bd. 19, heft 1. 2. -heft 3. G. 
Kettner, die composition des ethnographischen theils dor Germania des 
Tacitus. 

Zeitschrift für vergleich. Sprachforschung, bd. 28, heft 4. W. 31. 
Famsay, Phrygian inscriptions of the Roman period. 

Zeitschrift für wissenschaftl. theologie. bd. XXX, heft 1. J.Drae- 
seke , über den codex Bobiensis jetzt Tauriuensis T. VI, 1. — K. T. 
Zimmer, der codex Augiensis (F. Paul) eine abschrift des Boernerianus 
(Gnave). — A. Hilgenfeld, die schlacht bei Issos im alten testament. — 
Heft 2. J. Weiß, ein neugefundenes kanonverzeichniß. — J. Dräseke, 
zum hirten des Hermas. — A. Hilgenfeld, zu dem griech. Schlüsse des 
Hermashirten. — E. Noeldechen, Tertullian vom Fasten. — F. Goerres, 
Arianer im offic. martyrologium der römischen kirche. — A. Hilgenfeld, 
zur vorläufigen Säuberung des griechischen Hermasschlusses. 

Zeitschrift für kirchlich!. Wissenschaft und leben, 1886, heft 9. 10. 
— 11. H. Behm , bemerkungen zur Didache IX, 2. — Heft 12. A. 
Zahn, die anfange des apostol. Zeitalters. — 1887, heft 1. 2. 



Literatur 1887, 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Die ausspräche des griechischen. Ein schnitt in einen schulzopf 
von Eduard Engel. 8. Jena, Costenoble. 

The dialects of Northern Greece by Herbert Weir Smyth. 8. Bal- 
timore. 

Tycho Mommsen , beitrage zu der lehre von den griechischen Prä- 
positionen. Erstes heft. 8. Frankfurt a. M., C. Jügel. 

Altgriechischer versbau. Ein versuch vergleichender metrik fvon 
Hermann Usener. 8. Bonn, Cohen. 

Heinrich Selling, Ursprung und messung des homerischen verses. 4. 
(Programm des realgymnasium zu Münster i. W.). Nördlingen, Beck. 

F. V. Fritzsche , coniectaneorum pars secunda. (I. De numeris 
dochmiacis particula octava. II. Adnotationes ad Arist. Nub. 110 — 
132). Ind. lectt. aestiv. acad. Rostock. 4. Rostock. 

Handbuch der classischen alterthumswissenschaft in systematischer 



228 Literatur. Nr. 3. 

darstellung . . . herausgegeben von dr. Iwan Müller. Siebenter halb- 
band. 8. Nördlingen, Beck. 

Homeri Odysseae epitome. In usum scholarum edidit Fr. Pauly. 
8min. Lipsiae, Freitag. 

C. Franke , de nominum propriorum epithetis homericis. Diss. 
inauguralis. 8. Gryphiswaldiae. 

Leopoldi Schmidt, Quaestionis de Piudaricorum carminum chrono- 
logia supplementum alterum. 4. Marburg. (Ind. lectt. aest.). 

R. Peppmuelleri in poetas Graecos, maxime in elegias Theognideas 
exercitationes criticae. Accedunt Th. Bergkii ad Periclis vitam Plu- | 
tarcbeam adnotamenta. 4. Programm des gymnasium zu Seehausen. ! 
4. Halle a. S., Waisenhaus. 

Car. Dilthey, de epigrammatum Graecorum syllogis quibusdam mi- 
noribus commentatio. (Ind. lectt. aestiv.). 4. Gottingae. 

A. Loivinski, zur kritik des prologs im gefesselten Prometheus des 
Aeschylus. 4. Programm. Deutsch-Krone. 

Sophokles. Für den schulgebrauch erklärt von G. Wolff. Erster 
theil. Aias. Vierte aufläge, bearbeitet von Ludwig Bellermann. 8. 
Leipzig, Teubner. 

Sophokles. I. Oedipus Tyrannus. Erklärt von /. Holub. 8. Pa- 
derborn und Münster, Schöningh. 

Iucerti auctoris Menandri et Philistionis comparatio cum appendi- 
cibus edita a G. Sludemund. (Ind. lectt. aestiv.). 4. Vratislaviae. 

Herodoti historiarum liber sextus. Scholarum in usum edidit A. 
Holder. 8. Lipsiae, Freitag. — Liber J septimus. Ibid. — Liber oc- 
tavus. Ibidem. 

Thukydides und H. Müller - Strübing. Ein beitrag zur geschichte 
der philologischen methode von dr. Adolf Bauer. 8. Nördlingen, Beck. 

Kritische und exegetische bemerkungen zu Xenophons Anabasis 
von Fr. lieuß. Programm. 4. Wetzlar. 

Alphons Simon, Xenopbon-studien. I. Zur entwicklung des Xeno- 
phonteischen Stils. 4. Programm. Düren. 

Polyaeni Strategematon libri VIII. Ex recensione E. Wölfflin. Ite- 
rum recensuit , Excerpta Polyaeni e codice Tacticorum Florentino ad- 
didit, Leonis imperatoris Strategemata e Rud. Schoellii apographo sub- 
iunxit Io. Me/ber. 8. Lips., Teubner. 

Athenaei Naucratitae Dipnosophistarum libri XV. Recensuit G. 
Kaibel. T. II, 11. VI— X. 8. Lips., Teubner. 

De Piatonis Phaedro et Isocratis contra sopbistas oratione scripsit 
Fr. Susemihl. 4. Gryphisw. 

Plato's Symposion. Eene erotische Studie door dr. H. Was. 8. 
Arnhem, P. G. Quint. 

Th. Heine , Studia Aristotelica. I. Aristoteles über die arten der 
tragödie. Programm. 4. Kreuzbnrg 0. S. 

Nemesii Emeseni nsgi (fvosiag avSooinov versio latina. E libr. ms. 
nunc primum edidit et apparatu critico instruxit C. Holzinger. 8. 
Prag, Tempsky. 

Plutarchi de proverbiis Alexandrinorum libellus ineditus. Rec. et 
praefatus est O. Crusius. 4. (Programm). Tübingen, Fues. 

Bodleiana. Edidit Richardus Schneider. 8. Lips., Teubner. 

Demostlienis orationes selectae. In usum scholarum edidit Car. 
Wotke. 8. Lips., Freytag. 

Dr. G. Scheps, die ältesten evangelienhandschriften der Würzburger 
Universitätsbibliothek. 8. Würzburg, Stuber. 

T. Macci Plauti Comoediae. Recensuit . . . Fr. Ritschelius. Tomi 
III, fasc. 2, Captivos continens. Rec. Frid. Schoell. 8. Lips., Teubner. 



Nr. 4. 5. 1887. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



48. De derivatis verbis contractis linguae Graecae quaestiones. 
Scripsit Karl Ferdinand Johansson. Upsala, akademisk 
bokhandeln (C. J. Lundström) 1886. (Aus Upsala Universitets 
Ärsskrift 1886. IL) gr. 8. 218 p. 

Die vorliegende schritt verdient aus mehr als einem gründe 
anerkennung. Man muß dem verf. umfassendes wissen , eif- 
riges Studium der fachlitteratur , unermüdlichkeit im combi- 
nieren und im aufstellen von hypothesen nachrühmen. Und 
der unterzeichnete wäre zu lauten lobsprüchen um so lieber be- 
reit, als ein haupttheil des buches , wie schon die vorrede an- 
kündigt , gegen ihn gerichtet ist und er gerade in diesem pole- 
mischen theile nicht bloß sehr glimpflich behandelt, sondern auch 
mit wirklich gewichtigen gründen bekämpft wird. Trotzdem 
kann sich der ref. nur schwer dazu verstehen irgend jemand 
zu der lektüre des buches aufzumuntern, am allerwenigsten die 
leser dieses anzeigers. Denen müßte schon das latein des Ver- 
fassers anstoß geben. Wohl ist es dankenswerth, daß in Skan- 
dinavien noch nicht die leidige sucht alleinherrschend geworden 
ist, auch die wissenschaftliche arbeit durch sogenannte nationa- 
lisierung für ausländische gelehrte ungenießbar zu machen. Und 
allen denen , die nicht in der läge sind neben ihrem eigenen 
forschungsgebiet noch alle modernen sprachen sich anzueignen, 
wird zumal bei gelehrten , welche so viel ausgezeichnetes zu 
bringen vermögen , wie die skandinavischen , auch ein weniger 
elegantes latein willkommen sein. Indessen geht der mangel an 
eleganz beim verf. doch allzu weit: fehlem wie ex quo oder 
unde sequitur , wie nescio annon statt nescio an , nulladum statt 
Philol. Anz. XVII. 16 



230 48. Griechische grammatik. ^ Nr. 4. 

iam nulla, sublatus „gestützt" begegnet man fast auf jeder seite. 
Und wo die spräche fehlerfrei ist, ist sie unklar und unbeholfen. 
Es ist oft eine wahre marter sich durcharbeiten zu müssen. 

Zum theil hängt dies mit der natur der vom verf. gegebe- 
nen darlegungen zusammen. Seine lust ist überaus groß , in 
die entlegensten arcana der formengenetik einzudringen. Man- 
ches davon geht völlig über das Verständnis des ref. hinaus, 
anderes muß er als entschieden verfehlt, viele dieser Untersuchun- 
gen als jedenfalls verfrüht ansehen. Es scheint, als habe der 
verf. , was ja leicht begreiflich ist , sich allzu sehr durch die 
schriften und Vorlesungen seines lehrers Danielsson leiten lassen, 
dessen bedeutende Verdienste übrigens jeder mitforscher aner- 
kennen wird. 

Einen weitern hauptmangel erblicke ich in der Stellung, 
die der verf. zu den sprachthatsachen einnimmt. Einmal em- 
pfängt er , von den inschriften und dialektisch schreibenden 
Schriftstellern abgesehen, alles aus zweiter und dritter hand. 
Charakteristisch ist anm. 6 zu p. 140: „Secundum Lobeckii Ehe- 
maticon p. 211 etiam apud Theognidem 1229 legitur rjß&oitfh 
In Wirklichkeit ist es nach der heutzutag allein üblichen Zäh- 
lung v. 887, wie Lobeck auch in klammern angiebt, und ist 
zweitens r t fiäotc, die lesart nur der geringeren handschriften ; das 
best bezeugte tjßa tot führt auf das jetzt allgemein gelesene 
qßa (Mo». — Sodann, und dieser mangel macht sich stärker fühl- 
bar, unterläßt der verf. allzu oft nach den bedingungen zu fra- 
gen , unter denen ein wort entstanden sein konnte , wie weit 
sprachkünstelei oder der naturgemäße einfluß verwandter Wörter 
auf dessen entstehung einfluß hatte. Zumeist werden die ein- 
zelnen formen, ob sie bei Homer oder bei Demosthenes oder bei 
Hesych belegt sind , nach dem bedürfnis der gerade erörterten 
theorie analysiert. So werden z. b. p. 97 die drei hesychiani- 
schen glossen xe'urai.' xtitai, •aiugOui' xeiodai, xaiixtiudei'' xa- 
teyotfo'i&ri als belege für eine alte wurzelform xfiu verwerthet. 
Aus Schmidts noten und Lobeck Rhem. p. 192 f. konnte der 
verf. entnehmen, daß die erste glosse, wenn nicht geradezu xtTiTtxt 
zu schreiben ist, einfach einen den handschriften geläufigen feh- 
ler für xf£7«f reflectiert , daß die zweite, wenn mit xt'azo- txi- 
vsho verglichen, sich als aus xlandai' x</»>>H<röat verschrie- 
ben ergiebt , daß endlich die dritte offenbar eine , wohl alexan- 



Nr. 4. 48. Griechische grammatik. 231 

drinische, nachbildung von fjutexiaOet ist. Schlimmer ist es 
noch, p. 130 £r}Oi als alte echte imperativform aufgetischt zu 
bekommen , während es doch am tage liegt , daß diese vor der 
hellenistischen zeit nicht belegte form einfach darum das echt 
attische £7} verdrängte, weil C'/' rCÜ mit 6itjza> analog schien, 
wie ja auch im indicativ das alte «£ooi frühestens bei Dem. 24, 7 
aus ähnlichem gründe durch VCflv ersetzt ist (vgl. Cobet, misc. 
crit. 546 f.). Es ist leidig, daß man die Sprachforscher immer 
wieder auf die goldene regel Leskiens hinweisen muß, daß eine 
form nur dann als lautliche fortsetzung einer idealen Urform 
gelten darf, wenn erwiesen ist, daß keine Wirkung der analogie 
vorliegen kann. 

Gehen wir in kürze den inhalt der abhandlung durch. Im 
kapitel I (p. 1 — 71) stellt sich der verf. die aufgäbe sämmtliche 
außerhalb des ionischen und attischen vorkommenden formen 
der verba contracta nachzuweisen, ebenso die auf den ionischen 
inschriften dargebotenen, und auf grund dieses materials die 
contractionsgesetze der einzelnen mundarten klar zu stellen. Es 
ist dies vielleicht der befriedigendste theil des ganzen buches. 
Nirgends sind lücken wahrzunehmen, überall die neuesten und 
besten publicationen berücksichtigt und die aus den höchst über- 
sichtlich geordneten thatsachen gezogenen folgerungen beifalls- 
würdig. Ich mache namentlich auf die glückliche vertheidigung 
von Ahrens' Scheidung einer severior und mitior Doris (p. 22 ff.) 
aufmerksam. Dagegen sind p. 22 die bemerkungen über die 
ionischen e- und ö-laute ganz schief. 

Das II. kapitel (p. 72 — 104) ist gegen die vom ref. in 
Kuhns Zeitschrift 27, 89 ff. aufgestellte theorie gerichtet, daß, 
wo die lautgruppen t? , us , oo , ot auf eje, aje, oje, ojo zurück- 
gehen, sie bereits urgriechisch zu e, ä, ö contrahiert worden 
seien, und daß daraus das e in einzelnen casus der nomina auf 
-ei'g, ferner das q, <7, co in den nicht präsentischen tempora und 
einigen, besonders homerischen, präsensformen der verba contracta, 
und endlich mittelbar die sogenannte äolische flexion dieser 
verba erklärt werden müsse. Nach dem vorgange von Spitzer, 
Lautlehre des arkadischen dialekts (Kiel 1883), p. 30 macht 
der verf. gegen mich den übrigens auch von mir nicht uner- 
wähnt gelassenen umstand geltend, daß in fällen wie noXetg, 
jfpeii; und den gewöhnlichen präsensformen der verba contracta 

16* 



232 48. Griechische grammatik. - Nr. 4. 

die lautgruppen ff , (u , oo , os erst in den einzelnen dialekten 
oder überhaupt nicht contrahiert worden sind. Ich hielt es für 
möglich, daß in manchen dieser fälle formübertragung vorliegen 
könne , also wenn z. b. die überlieferten formen cptXsüftsv, *qpt- 
Xtjzt, qiiltojTi lauteten, die mittlere nach der analogie z. b. von 
&t]Qsion?r, i9^pfjf7f, drjQtvoni unschwer durch (ptlpe7e verdrängt 
werden konnte. Die möglichkeit einer solchen erklärung be- 
haupte ich auch jetzt noch. Iohansson hält mir p. 79 das pa- 
radigma von attisch nlf'm und genossen entgegen, wo auch of- 
fene und contrahierte formen neben einander stehen, ohne doch 
auf einander einfluß zu üben. Als ob darum , weil in e'inem 
fall angleichung statt findet , solche überall stattfinden müßte. 
Auch erinnre ich hier daran , daß er selbst p. 48 das regelwi- 
drige böotische bovJet (statt 8ov,tI , doxi) auf die analogie von 
doyjco, dokiofifv zurückführt, und daß ferner das attische gerade 
in der nlm-'klasse ein weiterwuchern der unkontrahierten formen 
kennt , nicht bloß in der III. sing. aor. , wo das lautgesetzliche 
*f/f/ durch Ijffg (nach pjje«) verdrängt ist, sondern auch in allen 
formen mit tq. Diese zeigen, daß sich in den nXt'm-vevbeia. die 
contraction nur halten konnte, wo sie einen dem s zunächst ste- 
henden vocal oder diphthong ergab , daß aber sonst sich das e 
der offenen formen eindrängte. Daher im coniunctiv und in der 
II. sing. med. 8?rj, diqg u. s. w. statt ftfj, dijg ■, ebenso im aorist 
sdnjas statt ttyai (2 100). Vgl. Kuhns Zeitschrift 25, 275. 

Ein zweiter einwand lautet p. 80 : Omnes rationes recentiores 
docent , verborum suffixum j o, j e p -aesentis temporis esse peculiare, 
quod non nisi sensu eius notionis e lingua sublato in cetera tempora 
irrepere potuerit. Gesetzt diese behauptung wäre sicher begrün- 
det, was sie nicht ist, warum kann jene ausbreitung des -jo 
nicht zum theil schon in der grundsprache stattgefunden haben? 

Immerhin läßt sich meine ansieht nicht halten, insbesondere 
weil viele offene formen sich thatsächlich nicht aus formübertra- 
gung erklären lassen, namentlich nicht diejenigen der verba auf 
-6<a. Es fragt sich nun, wie man die ersch einungen beurtheilen 
soll, die ich durch jene annähme von urgriechischer contraction 
des eje , aje , oje , ojo geglaubt hatte erklären zu können. Was 
die nomina auf -«»%■ betrifft, so ist mir deren flexion wieder ein 
völliges räthsel. Es wäre erwünscht, wenn man feststellen könnte, 
wie alt die nominativendung -ijg statt -evg ist. Da weder des 






Nr. 4. 48. Griechische grammatik. 233 

Ibycus 'Ogqt'jv noch des willkürlichen wortschnitzlers Antimachus 
Tvö/j*' ins gewicht fallen, bleiben nur die arkadischen und cy- 
prischen beispiele hgy*;, ltaji' r , yquipfc übrig, wo der nominativ 
zu den obliquen casus in einer zeit hinzugebildet worden sein 
kann , da das p bereits verloren war (vgl. Spitzer p. 30). — 
lieber die äolische flexiou und was aus Homer etwa dazu ge- 
hört siehe p. 234. — Endlich für die nichtpräsentischen tempora 
tritt der verf. im ganzen Brugmanns erklärung bei, wonach de- 
ren y, ü, öj aus verben entlehnt ist, denen der lange vocal von 
haus aus eignet. Er verbessert sie durch die annähme , daß 
diese entlehnung durch die ähnlichkeit der präsensflexion vieler 
langvocalischer wurzelverba mit derjenigen der denominativa 
vermittelt sei. Also: die ähnlichkeit von tiuata mit öquco be- 
wirkte, daß man zu jenem nach dem muster von üdguau einen 
aorist irfaaaa bildete. Ich halte diese ansieht der hauptsache 
nach für richtig, obwohl der umstand, daß die radicalen verba 
contraeta im präsens mehrfache abweichungen von der flexion 
der denominativa zeigen , Schwierigkeit macht. Nur wundert 
mich, daß der verf., wenn ich nichts übersehen habe, es unter- 
läßt auf die spuren von stammabstufung zwischen den einzelnen 
tempora der verba contraeta hinzuweisen: uigijaa) — rjohdr/r; 
h\c)'üoj, y.'i.i\o(x) — x'/.tsrng, wie bei Homer statt nXtnög zu lesen ist. 
Entsprechend wäre ich geneigt das schwanken zwischen t und rj 
in au ia , inuinco davon herzuleiten, daß es ursprünglich etwa 
pi^ff«, aber ijitöiji hieß. (Vgl. suQi'jaco — ijvgedqt). Das ist 
etwas , was zu des verf.s betrachtungsweise sehr gut passen 
würde. 

Das III. kapitel (p. 105 — 162) quomodo stirps praesentis ver- 
borum derivatorum fieta sit exponitur ist für mich das wenigst ge- 
nießbare. Man muß sich die sonstigen Vorzüge des buches recht 
lebendig gegenwärtig halten, um hier nicht den muth zum wei- 
terlesen zu verlieren. Nirgends tritt in solchem grade wie hier 
die im eingang unserer besprechung an dem verf. gerügte sucht 
zu tage urindogermanische formen zu construieren. Daß ein- 
zelnes beachtenswerthe mit unterläuft, soll nicht verschwiegen 
werden ; dahin stelle ich besonders die sinnreiche erklärung von 
xvisco aus y.v-it-i-w d. h. der durch präsensinfix erweiterten 
wurzel Jeus , deren Zusammenstellung mit sanskrit cumbati indeß 
fehlerhaft ist. Auf die ebenfalls in diesem kapitel enthaltene 



234 48. Griechische grammatik. - Nr. 4. 

aufzählung derjenigen formen der verba contracta , welche den 
vocal , dem ursprünglich j folgte , gedehnt zeigen , soll in der 
nächstfolgenden besprechung eingetreten werden. 

Kapitel IV (p. 163 — 169) werden einzelheiten nachgetragen, 
insbesondre für die sogenannte äolische flexion und die ver- 
wandten formen der homerischen spräche ein nicht befriedigen- 
der erklärungsversuch gemacht. Theils weil neben Sgaam einst 
^ögäfit stand , habe sich neben Ti/jdaco einst *i£fia(At eingestellt, 
theils sei durch die spezifisch äolische contraction von es und 
i]s zu rj u. s. w. die Überführung in die flexion derjenigen 
verba erzielt worden, denen, wie rlQrjfai, das r\ von haus aus 
eigen ist. Endlich in kapitel V (p. 170 — 201) sucht der verf. 
spuren einer altertümlicheren flexion der verba auf jea ohne 
sogenannten thematischen vokal nachzuweisen. Hier tritt im gan- 
zen das griechische hinter den verwandten sprachen zurück. 
Auffällig ist es p. 187 so späte formen wie scöganu, sälwxa als 
belege für einstige länge des reduplicationsvocals {pr}-) ange- 
führt zu finden, noch auffälliger iqixeiv, dessen unterschied von 
eotxa doch unmöglich auf etwas anderm als dem augment be- 
ruhen kann. 

P. 202 — 216 folgen einige exkurse. Hier hatte der verf. 
ursprünglich die absieht gehabt unter no. II umfassende Unter- 
suchungen über Ursprung und eigenheiten der verschiedenen ver- 
balstämme mitzutheilen ; raummangel nöthigte ihn davon abzu- 
stehen. — Der erste exkurs handelt von den endungen des infi- 
nitivs. Nach dem vorgange von Spitzer, Lautlehre des arkadi- 
schen dialekts p. 56, sieht er in dem dorischen und arkadisch- 
cyprischen -ev mit recht eine von -er*, -rjv verschiedene, aus der 
grundsprache ererbte endung. Unrichtig zieht er aber, wie lei- 
der schon Cauer und G. Meyer gethan , das flqpctAev der thasi- 
schen inschrift (Cauer's Delectus 2 no. 527) eben dahin. Denn, 
wenn auch auf dieser inschrift das unechte ov immer und ebenso 
jedenfalls dasjenige ei , das auf dehnung beruht (öqpwit-, shai) 
durch OT, EI dargestellt ist, so konnte doch im infinitiv die 
ältere Schreibweise festgehalten sein. Man vergleiche , daß auf 
der attischen inschrift CIA. 2, 804 A (aus 334/3 a. Ch.) neben 
zahlreichen fällen diphthongischer Schreibung sogar in der infi- 
nitivendung doch z. 33 AIIO/IQZEN zu lesen ist (Meisterhans 
p- 3, n. 14, 1). Demnach lese ich das auslautende EN als -eir, 



Nr. 4. 48. Griechische grammatik. 235 

lieber als daß ich mit dem verf. annehme , daß in einem dia- 
lekte, für den die endung -siv durch tausende von beispielen be- 
legt ist, ein einziges mal -bv belegt sein könne. — Wenn der 
verf. weiterhin es plane consentaneum nennt, daß in qnXeiv, ri- 
fiüv, (iinBovv die endung -sv stecke, so vermisse ich gründe ge- 
gen die übliche herleitung aus cptlitiv u. s. w. 

Auch der inf. perf. activi kommt, eben weil sein -ivm dem 
-tr zu entsprechen scheint, zur erwähnung , und zwar im sinn 
von Brugmanns früherer erklärung . wonach von sixe'pui, eigent- 
lich einem alten dativ zu elxmv, sich -hat, zuerst auf das übrige 
perfect , dann auch auf präsens und aorist ausgebreitet habe. 
Diese theorie ist, schon so weit sie das perfect angeht, unrichtig. 
Eine assoziation des „dativs" peixtrat an das perfect setzt den 
Übergang von pspix in per/, voraus: dieser Übergang fällt aber 
in eine zeit, wo es längst keine dative auf -ai mehr in leben- 
digem gebrauch gab , wo also auch ein solches eixwai , wie es 
Brugmann ansetzt, nicht mehr existieren konnte. Daher muß 
man , wenn man nicht darauf verzichten will das perfektische 
-erat an eine bestimmte nominalbildung anzuknüpfen, von siösvni 
ausgehen, das sich mit avestisch vldvane berührt: (Osthoff M. U. 
4, 64). 

Was die präsentialen und aoristischen infinitive auf -vai 
betrifft , so ist die ausbreitung dieser endung von den formen 
aus, wo sie ursprünglich heimisch war, wie Snvvai, ftniai, auch 
Uvai in der weise vor sich gegangen, daß sie -//n-formen ver- 
drängte d. h. nachdem ß7jvai nebenform zu ßt][tev geworden war, 
wurde dvrat solche zu 8vuer, und nachhomerisch zidivai u. s. w. 
solche zu ri&ifitv u. s. w. Später verschwand dann -psv ganz. 
Wenn nicht nüfiisv vorläge gewesen wäre , so hätte *zi&ijvat 
eintreten müssen. So erklärt sich auch shai am besten; es ist 
eine Umgestaltung von *t?f*£i. Das in der spätesten atthis auf- 
tauchende fvat, das seinerseits nach dem muster von ridsiai ge- 
formt ist, habe ich Kuhns Zeitschrift 25, 273 f. aus Machons 
Chreiai belegt. Phrynichus p. 15 bekämpft es als vulgärform; 
vgl. die in den ausgaben des letztern fehlenden belege : das 
Sprichwort bei Str. 9, p. 408 sie Zuwlov fira avrbg i'vat fitjt 1 
allcp snsadai, und Herodian nsg\ 8iyg. 2, 17, 28 ff. (Lentz) tb 
T x«t' iiQX>j v fyov rtjV devTsgaf avllaßr/r KQyo/jirqv ann tov v~, 



236 49. Griechische grammatik. Nr. 4. 

firj xara xllaiv Qt](ia7inr t v, ixziiveodai &eXei . . . noogtöyact. de 
v iiTj iv xXi'aei QfjiACt.'Ttxf" diä ro nai xm egtrai unaotucfuTa. 

Der III. exkurs (p. 203 — 210) handelt von aoristischen und 
futurischen bildungen, in denen das a doppelt enthalten ist, wo- 
bei der unglückliche versuch gemacht wird, die futura auf -<Jtoo, 
-oeofjKxt als indogermanische erbstücke darzustellen. Endlich p. 
210 — 216 theilt der verf. seine ansichten über die behandlung 
des zwischen vocalen stehenden und auf consonanten folgenden 
jod mit. Auch hier erschwert er Studium und nachprüfung 
durch die leidige neigung auf fragen über Ursprung der indoger- 
manischen formenbildung abzuschweifen. In einen eigentümli- 
chen Widerspruch verwickelt er sich p. 215. Hier lehrt er, for- 
men wie &tios , evy&vem bewiesen, daß in fällen, wo ursprüng- 
lich vocal -J- si -J- vocal gestanden hätten , im attischen das ho- 
merische si bewahrt bleibe, daß also zeXä, Innov nicht auf ry- 
Xeioa, innoto zurückgehen können: er stellt also die letztern ho- 
merischen formen mit &elog, evyivvia auf gleiche linie. Aber 
wenige zeilen zuvor macht er auf die bekannte thatsache auf- 
merksam, daß in Qklog , evyeveia u. s. w. ei mit diaerese, also 
eben anders zu lesen sei, als in Telelm , Innmo. Wenn aber 
schon bei Homer ein lautlicher unterschied zwischen den beiden 
Massen von formen vorliegt, warum soll nicht auch das attische 
verschiedene reflexe bieten d. h. et als si, dagegen et, oi zu e, o 
geschwächt und dann mit dem folgenden vocal contrahiert? Hie- 
mit soll nicht gesagt sein , daß ich die herkunft von reXco aus 
TeleCoj und 'innov aus Innmo noch unbedingt vertreten möchte. 

Ich scheide von dem buch mit dank , aber mit noch grö- 
ßerm bedauern , daß darin soviel arbeit an nichtigkeiten ver- 
schwendet ist. 

J. Wachernagel. 

49. Georg Mekler, Beiträge zur bildung des griechi- 
schen verbums. (Inauguraldissertation). Dorpat 1887. 90 p. 8. 

Der erste theil von Mekler's sauberer und angenehm zu 
lesender arbeit (p. 5 — 42) berührt sich mit Johansson's buch, 
insofern hier die griechischen verba mit „langem themavocal" 
d. h. fälle wie neivqv, giyrnv, delphisch areqiatmetoo, äolisch ädi- 
xrjei besprochen werden, ein gegenständ auf den Johansson na- 
turgemäß öfter zu reden kommt, am eingehendsten im III. kapitel. 



Nr. 4. 49. Griechische grammatik. 237 

Vergleichen wir die materialsammluugen beider, so ergiebt sich, 
daß Mekler besser gearbeitet hat. Seine aufzählung ist weit 
vollständiger , namentlich für das attische , wo Johansson auf 
Kühner (!) angewiesen ist und nicht einmal das bei Eupolis in 
einer hergehörigen form belegte itjr ,, spinnen" kennt Aller- 
dings hat er dafür die bei Mekler vermißten verba ovgTjv und 
fininü/v; aber ersteres ist nur von der byzantinischen gramma- 
tik, gleichgültig vermöge welches irrthums , bezeugt; fiuXmijv 
mußte zwar aufgeführt werden : aber als echt kann es kaum 
gelten. Denn gut überlieferte attische texte (Aeschylus und De- 
mosthenes) und ebenso Harpokration kennen nur nulxCca. Wenn 
daher Photius und Hesych ftaXxi^r, das lexikon des Phrynichus 
(AulaxUji aufführen und bei Hesiod Op. 528 puixiöon rec überlie- 
fert ist, liegt der verdacht nahe, das alte nalxteiv und das hel- 
lenistische nulaxiär seien darin zusammengeworfen (Cobet V. L. 
p. 130—132). 

Nicht ganz klar ist des verf.'s standpunct gegenüber den 
homerischen formen mit langem vocal. Prinzipiell erkennt er 
an , daß die meisten derselben , weil die dehnung metrisch sein 
kann, nicht ins gewicht fallen (p. 30). Sicher gilt dies von al- 
len denen , wo es sich um einen zwischen zwei langen silben 
stehenden vokal handelt: trotzdem bringt er p. 35 uaiuätir, 
p. 36 fitintiGeiv. In Wirklichkeit sind bei Homer bloß einige 
formen von lAväaftui und d(j~a , sowie ys7.coovTsg a 111 in dieser be- 
ziehung ganz verdachtfrei , also abgesehen von der letzten , aus 
verschiedenen gründen selbständig zu beurtheilenden form, bloß 
formen einsilbiger wurzelverba. Denn auf die von Bechtel u. aa. 
ganz unnöthig für -a'co eingesetzten ri^//co, oxujm u. s. w., kann 
man , bevor die dehnformen anderswoher als urgriechisch gesi- 
chert sind, natürlich nicht bauen. — Ebenso ist der verf. bei 
den andern dialekten etwas zu freigebig. Warum dorisch ntt- 
vävTi (p. 10. 38), das nur bei Theokrit wirklich überliefert ist, 
als zeugnis für ngirü- gelten soll, da doch Ar. Ach. qvnüvTSi;, 
Theokrit yslüvTi bietet, sehe ich nicht ein, ebensowenig warum 
er p. 42 die entstehung des lakonischen vnrär (Ar. Lys. 143) 
aus invasiv bezweifelt und vnvwttv als grundform muthmaßt. 
Endlich ist eleisch noitjaoaai , in dessen beurtheilung er sich 
Bechtel anschließt, ohne beweiskraft. 

Wie sollen wir die thatsächlich übrig bleibenden belege be- 



238 49. Griechische grammatik. Nr. 4. 

urtheilen ? Bei einsilbigen contracta macht die annähme , daß 
sie auf -ejö, -äjö zurückgehen, keine Schwierigkeit. Wohl aber 
bei den denominativen. Hier liegen außerhalb der aeolis , wo 
einflüsse der sogenannten aeolischen conjugation wirksam gewe- 
sen sein können, nur die delphisch-phokischen beispiele avlrjor- 
t£S] GTtCfttv&FTU), xlaoäen, dnvlcörji, aTTiiXXnTQiaotr], -cöovgo. und 
die beiden attischen paare di\p>ji> , neivijv und idgav , qiymv vor. 
Aber bei den erstem bedarf die mangelnde contraction bei allen 
außer av^rjoirsi; der begründung und ist bei ännXloTQiaoii} je- 
denfalls die endung modern. Und was die attischen betrifft, so 
hat gewiß beim ersten paar das eine verb seine flexion in folge 
der bedeutungsähnlichkeit vom andern entlehnt. Gesetzt Stxptjv 
sei das vorbild gewesen , könnte dieses nicht selbst wiederum 
sein Vj von \pijr empfangen haben? Uebrigens kann Pindars 
dixpr; (Nem. 3, 6) nur auf dixputi oder Stippst zurückgehen. Im er- 
stem fall zeigt es, daß die dehnung des « nicht gemeingriechisch 
ist, im zweiten daß das verbum seinem Ursprung nach von 7»- 
(läco u. s. w. grundverschieden ist. Aehnliches gilt von j'Sprör, 
Qiyär. Unstreitig ist der co-laut des einen von dem des andern 
bedingt. Ich halte Idgmv für das vorbild und weise auf 
tSocöi,' hin. 

Sollte aber im gegensatz zu den hier vorgetragenen annah- 
men das tj und oo dieser phokischen und attischen formen zu- 
sammen mit dem, was bei Homer und den Aeoliern ihnen zu 
entsprechen scheint, urgriechisch sein , so müßte jedenfalls nicht 
bloß der Ursprung jener urgriechischen länge, sondern auch der 
grund nachgewiesen werden, warum dieselbe sich in so wenigen 
formen und gerade in diesen und keinen andern erhalten hat. 
Auf diese zweite frage gehen Johansson und Mekler , die beide 
diese längen als uralt betrachten , nicht ein , wohl aber wenig- 
stens jener auf die erste. Im anschluß an die meinung , daß 
der thematische vocal ursprünglich, wenn acuiert, e, wenn bary- 
toniert, o (oo) gelautet habe , glaubt Johansson , man habe ur- 
sprünglich adikejö, adik&j&is, adikejomen flectiert, d. h. in den fällen, 
wo der acut auf die mit ; schließende silbe fiel , deren vocal 
lang , sonst aber kurz gesprochen. Dann sei ausgleichung ein- 
getreten und das eine verb durchweg mit lauge vor ;', das an- 
dere mit kürze flectiert worden. Mekler spricht sich in den 
einleitenden bemerkungen nur über die radicalen contracta aus 



Nr. 4. 49. Griechische grammatik. 239 

und wagt den langen vocal der denominativa nicht ausdrücklich 
als grundsprachlich zu bezeichnen. 

Der zweite theil von Meklers abhandlung „die flexion des 
activen plusquamperf'ects" enthält außer einigen Vorbemerkungen 
über die plusquamperfectbildungen der verwandten sprachen und 
die geringe belegbarkeit mancher formen im griechischen drei 
abschnitte. Im ersten wird das plusquamperfect mit themati- 
schem vocal behandelt, in welcher bildungsweise der verf. einen 
indogermanischen typus erkennt. Mit großer Sorgfalt wird nach- 
gewiesen , wie neben yiyaiu iye'ywrov, neben avooya aiwyov (so- 
wie der coniunctiv dvmyrf), neben ninlyya in%n\i\yov u. s w. ste- 
hen. Man folgt dem verf. gern, wenn er das präsens urcoyw 
oder unmetrisches pysyooTSov aus Homer entfernt, weniger gern, 
wenn er rein erzählende bedeutung den betreffenden plusquam- 
perfecten völlig abstreitet. Ich brauche dem gegenüber bloß 
an den homerischen gebrauch von ßsßtjxei zu erinnern. — ■ Schließ- 
lich zählt der verf. noch eine anzahl plusquamperfectformen auf 
'8i auf, die bloß im versausgang vorkommen, in denen also der 
einsetzung der endung -e nichts im wege steht. 

P. 65 — 69 werden die formen des „kürzesten plusquamper- 
fects" aufgeführt , und wird erläutert , warum der zugehörige 
Singular verloren gegangen ist. Was verwehrt übrigens präte- 
ritale formen wie ötiöit oder Fnevijvode dahin zu rechnen? — 
Die behandlung des Präteritums von tl/xi, zu der die angebliche 
formelle Zugehörigkeit von rjiGav zum plusquamperfect dem verf. 
die veranlassung giebt, ist höchst unglücklich ausgefallen. Im 
verzeichniß der vorkommenden ist das höchst wichtige , zu at- 
tisch [ja sich stellende r/s (ZU 371) vergessen. Dann werden im 
anschluß an Nauck r/iov, jßOfitr als unhomerisch verurtheilt. Aber 
wenn neben imr 100m vorkommt, warum nicht auch die diesem 
entsprechende imperfectform ? vgl. 'iov. Sodann will der verf. 
statt j ( 't/, /jti lesen, worin r\ augment, n die diphthongierte form 
des verbalstammes sein soll. Aber weder hat außer in den mit 
p anlautenden verben das augment in alter zeit anders als e- 
gelautet, noch konnten augment und verbalstamm in solcher weise 
unverbunden neben einander stehen Weiterhin vertheidigt er 
die diäretischen formen ?jia, yn, rjtaav gegen mich , der ich da- 
für , weil schon indogermanisch augment und verbalstamm zu- 
sammenfließen mußten, r^a, rjsf, leaav einsetzen wollte: als ein- 



240 49. Griechische grammatik. Nr. 4 

ziges argument erscheint das EIE des gesetzes von Gortyn 2, 47, 
das i'jis zu lesen sei. Allerdings ist darin die dritte sing, imperfecti 
von tlfji zu erkennen , aber warum nicht in der form ys oder 
auch ijEi? meint denn Mekler etwa, der stein fordere dreisilbig- 
keit? — Warum sagt der verf. nichts von den attischen for- 
men , die doch das überlieferte g«t und das conjicierte p« , fies, 
fjeaai' sichern? 

Sein ganzes verfahren ist für ihn um so nachtheiliger , als 
eben diese neben das uralte ?/«, ye getretenen formen eine so 
werthvolle parallele zu der dritten art von plusquamperfecten 
bildet, die er p. 69 — 90 behandelt. In diesem letzten abschnitt 
seines büchleins stellt er die homerischen belege für -««, -*■«?, 
-ff, -//, -eeav;, sowie die altertümlichsten attischen formen, die 
hieher gehören, zusammen, dann p. 79 — 84 die erklärungs- 
versuche der neuern. Die gemeine meinung , daß su auf 
eoa zurückgehe , hat Brugmann bekanntlich dahin präzisiert, 
daß er ijpefdw als einen ursprünglichen aorist faßt, dem dann 
die übrigen verba nachgefolgt seien. Brugmanns ansieht ist in- 
deß trotz dem ihr zu theil gewordenen beifall irrig, nicht aus 
den vom verf. p. 84 angeführten nichtigen gründen, sondern 
weil ein aorist von stamm vid eben nur *'/jtiaa lauten könnte. 
Der verf. verwirft aber überhaupt die annähme , daß -?<* auf 
-saa beruhe , und führt , weil die von Fick aufgestellte und 
von ihm aeeeptierte aoristbildung mit bloßem a nach seiner mei- 
nung auch abgeleiteten verben zukommen soll, ijpeiSsa auf ?}psC- 
8eja, aorist des nach dem verf. verschiedenen formen zu gründe 
liegenden verbums slSs'm, zurück. Dieses letztere habe auch äo- 
lische flexion annehmen können ; daher das q von tj&i&qo&M und 
der 3. sing, yeidtj. 

Auf den Fick'schen a-aorist hier einzutreten würde zu weit 
führen. Ich beschränke mich darauf hervorzuheben, daß der 
verf. den beweis dafür nicht erbracht hat, daß abgeleitete verba 
eines solchen fähig seien. Denn Hesiods (Op. 767) Smiaadai 
kann, wenn es überhaupt richtige lesart ist, falsche nachbildung 
von aXsaa&ai sein. Mit Fick aber Hesych ila^ia ■ tdägq ' 
KgJJTtg zu Xaxt'a) zu stellen, oder eleisch noirjaanai. mit Bechtel 
als sigmalose aoristbildung anzuerkennen , wird sich kaum je- 
mand bestimmen lassen. Zudem weiß ich von einem verbum 
slöpto nichts. Höchstens könnte man dem verf. das zugestehen, 



Nr. 4. 50. Griechische grammatik. 241 

daß ti8a>, sidsiTj» und homerisch tj?.i8i] mit eidt'jöco und auch äo- 
lisch -oiStjUi zusammengehören, also auf eiuen stamm pn8-r r zu- 
rückgehen. Aber für die gewöhnliche plusquamperfectbildung 
ist damit nichts gewonnen. 

Ein grund von der herleitung von -ia aus -fgh abzugehen 
liegt nicht vor. Denn die behauptung, daß ts aus säe bei Ho- 
mer uncontrahiert bleibe und darum z. b. öoajott nicht auf 
*<>oo3oi;r>i beruhen könne (Mekler p. 84), ist falsch , wie ich an- 
derwärts zeigen werde. Daß umgekehrt das attische das ehe- 
malige dasein eines >■ im plusquamperfect fordert , glaube ich 
Kuhns Zeitschrift 29, 126 erwiesen zu haben. Freilich woher 
dieses e(<x)a dem imperfect von eqti und dem plusquamperfect 
zugekommen ist, bleibt einstweilen noch ein räthsel. 

Zum schluß noch ein paar einzelheiten ! Wie der Verfasser 
überhaupt für Fick's scharfsinnige, aber leider allzu oft para- 
doxe theoreme eine ausgesprochene Vorliebe hat, so tritt er auch 
p. 15 der meinung desselben bei , daß ye durch die mittelstufe 
ttj zu Tj werde. Thatsächlich gestützt wird diese anschauung 
nur durch das einzige inntriQ auf einer attischen inschrift aus 
dem anfang des vierten Jahrhunderts. Da man nun aber schon 
im fünften Jahrhundert in Athen ijttiij^ sagte, so kann jene form 
unmöglich die Vorstufe der letztern sein, wie man immer das f, 
um das sie reicher ist, erkläre. — Gewagt ist ferner p. 27 die 
behauptung, daß nloj- aus nlptj- entstanden sein möge. Brug- 
mann's vermuthungen Mu. 1, 45 f. und die thatsache hätten 
berücksichtigung verdient, daß bei Homer überwiegend und bei 
Herodot so gut wie ausschließlich dem präsens nl?pt eignet 
(^/.(Joj-, -la'oiei (]) 302. e 240 bedeuten wenigstens nicht na- 
vigare), dem aorist und perfectum n\m. 

Jacob Wackernagel. 

50. Eduard Engel, die ausspräche des griechischen. 
Ein schnitt in einen schulzopf. Motto : „der buchstabe tödtet". 
Jena, Costenoble 1877. 168 p. 8. 

Bei der besprechung des Engel'schen buches „Griechische 
frühlingstage" (vgl. oben hft. 2, p. 201), dessen anziehungs- 
kraft wir vollauf gewürdigt zu haben meinen, konnten wir 
unser misbehagen über die tonart und die ausdrucksweise, der 
wir darin an mehreren stellen begegneten , nicht zurückhalten. 



242 50. Griechische grammatik. Nr. 4. 

Diesmal handelt es sich um eine wissenschaftliche frage, 
— und wie verfährt Engel ? Von anfang bis zu ende , seite 
für seite in feuilletonistischen tiraden , vielmehr in einem tone, 
der jeden billig denkenden empört. Um so wohlthuender ist 
für alle fachgenossen das bekenntnis der ersten zeile des buches, 
daß verf. „nicht zur zunft der klassischen philologen" gehört. 
Mag er sehn, ob er unter den angehörigen anderer ,,zünfte" mit 
seinen redensarten besseren erfolg hat ! — Eine sachlich und 
verständig geschriebene ausfiihrung des von Engel vertretenen 
Standpunktes findet jedermann in Rangabe's schrift von 1881; 
Engel's „wischiwaschi" oder „vorwitzigkeiten" oder „narren- 
possen" oder „opfer des Verstandes" (ich rede Engelsch) bedarf 
es dazu ganz und gar nicht. Uebrigens lauten Engel's vier er- 
sten thesen : 1) höchster richter in fragen der ausspräche ist 
die lebendige Überlieferung-, 2) die erasmische ausspräche ist 
erfunden, nicht überliefert, sie wird im jähre 1887 359 jähre 
alt ; 3) ein plumper scherz wird durch sein alter nicht zur Wis- 
senschaft ; 4) die neugriechische ausspräche ist die einzige münd- 
lich überlieferte der gesammten griechischen weit. Um von 
Engel's verfahren mit gründen und thatsachen ein einziges bei- 
spiel zu geben — es heißt p. 58 und 111: „ob das u, welches 
in der krasis xuyai (aus xul eycä) geschrieben steht, auch wie a 
gesprochen wurde, das weiß ich nicht, das weiß kein leben- 
der mensch zu sagen. Ich spreche die schüchterne vermuthung 
aus, es möchte wie ie oder je gesprochen worden sein". Ferner: 
„wie denkt man sich das entstehen von hata aus hai aita (x.v.ia 
aus aal eha). Man erwartet doch gewiß eher haita. Ich glaube, 
daß y.ara garnicht einmal wie hata zu sprechen ist, sondern wie 
hita (oder nach neugriechischem Vorgang hjita) , entstanden 
aus Ted ita u . 

Wir hätten noch vieles zu sagen, möchten dem verf. auch nach- 
träglich ein recht fruchtbares Studium der epigraphik, linguistik, 
metrik , naturwissenschaft u. s. w. anrathen ; aber wir gehören 
ja „zur zunft der klassischen philologen", und von diesen hat 
der verf. a priori die meinung , daß es „(milde gesagt) nicht 
scheine , als ob die einseitige beschäftigung mit klassischer phi- 
lologie einen schütz gewähre gegen den gänzlichen mangel an 
wissenschaftlichem sinn , an einfacher folgerichtigkeit des den- 
kens". Dem Verfasser der vielgelesenen „Griechischen frühlings- 



Nr. 4. 51. Lateinische grammatik. 243 

tage" stellt diese neueste Schrift ohne weiteres selber das Zeug- 
nis aus : si tacuisses, amabüis mansisses. 

L. Bornemann. 

51. Abrege de grammaire latine ä l'usage des classes de gram- 
maire par L o u i s Havet. Paris, 1886, Librairie Hachette et Cie. 

Der verf. geht von dem gewiß richtigen grundsatz aus, daß 
im Unterricht sich formenlehre, syntax und Stilistik nicht scharf 
trennen lassen , sondern in einander greifen müssen. Daß nun 
aber verf. nach diesem grundsatz ein lehrbuch der grammatik 
eingerichtet hat , ist nicht zu billigen. Die grammatik nämlich 
muß doch unter allen umständen die systematische Zusammen- 
fassung der aus der lektiire abstrahierten erscheinungen sein 
und als solche benutzt werden können , da der schüler an der 
fremden spräche auch zugleich das grammatische System ler- 
nen soll. 

In folge dieses extremen Standpunktes des Verfassers sind 
diejenigen theile der grammatik, die bei uns vereinigt erschei- 
nen, auseinandergerissen. Das ganze zerfällt in zwei kurse, von 
denen der erste die durchgreifenden erscheinungen behandelt, 
letzterer die mehr vereinzelten. Jedem abschnitt der formen- 
lehre folgt die betreffende partie der syntax, so folgt z. b. auf 
die declination p. 53 ein abschnitt über den gebrauch der casus: 
P. 133 ff. wird dann die casuslehre zu ende geführt, indem die 
construction der einzelnen verben behandelt wird. P. 83 — 114 
schließt sich an die conjugation ein gutes stück verbalsyntax an, 
der rest findet sich dann p. 128 ff. im anschluß an die sogenannte 
unregelmäßige conjugation. — Im gegensatz zu dieser auflösung 
der grammatik in einzelheiten empfiehlt sich sicherlich ein buch, 
wie z. b. die schulgrammatik von Holzweißig, welche sich ge- 
nau an das grammatische System hält und durch besondere 
zeichen (in diesem falle durch den druck) die pensa der ein- 
zelnen Unterrichtsstufen aus den verschiedenen theilen der gram- 
matik hervortreten läßt. 

Im einzelnen hat ref. folgendes zu bemerken: p. 19 acus 
aceris abgelegener Wortschatz. P. 44 wird cuius cuia cuium auf 
gleiche stufe mit cuius gestellt und keine bemerkung über die 
Seltenheit gemacht. P. 66 petto erscheint wegen des perfects 
und supinums weniger geeignet, als typus der dritten conjugation 



244 52. Lateinische grammatik. Nr. 4. 

hingestellt zu werden. P. 77 sind unter die perfecta auf ui auch 
solche gerechnet , bei denen das u statnmhaft ist. Ebenso geht 
es gegen den p. 16 der vorrede ausgesprochenen grundsatz, daß 
in der grammatik latente Sprachwissenschaft enthalten sein müsse, 
wenn p. 78 die perfecta auf vi in solche eingetheilt werden, 
bei denen 1) das v schon im praesens vorkommt und 2) das v 
im praesens fehlt. Auch die Zusammenstellung von perfectis 
auf «de, mbi und rfo' p. 81, ist auf die gleiche weise zu beurtheilen. 

P. 112 — 114 tritt bei besprechung der consecutio temporum 
das princip nicht scharf genug hervor ; es werden nur die ver- 
schiedenen conjunctive besprochen , wie sie in den einzelnen 
Satzgefügen zur Übersetzung der französischen verbalformen die- 
nen. Ob auf diesem wege ausreichende Sicherheit erzielt werden 
kann, möchte ref. bezweifeln. 

Eef. steht somit in principieller hinsieht auf einem anderen 
Standpunkt und hat auch im einzelnen mancherlei auszustellen, 
ist aber dennoch der Überzeugung, daß das buch als frucht reif- 
licher Überlegung und ernsten nachdenkens über die einrich- 
tung des lateinunterrichtes auf die Verhältnisse, für die 
es bestimmt ist, anregend und fördernd wirken dürfte. 

Georg Ihm. 

52. II Grecismo nella sintassi Latina. Dissertazione 
di laurea di Arnaldo Beltrami. Torino, Vincenzo Bona 
1885. (92 p. 8). 

Streift man das italienische gewand — die spräche — ab 
so möchte man vorliegende dissertation für eine deutsche arbeit j 
halten: denn in der ganzen abhandlung begegnet uns nicht ein 
einheimischer autor, sondern ausschließlich deutsche namen, etwa 
50 an der zahl, wovon die große mehrzahl, soweit nicht ergän- 
zungen aus Dräger — Kühner hinzukommen, auf meine disserta- 
tion l ) zurückzuführen sind. Die feststellung der prinzipien wie 
die sichtung des Stoffes bewegen sich durchgehend in gleichem 
rahmen mit ausnähme weniger kontaminirter stellen , wobei der 
autor zweimal an einen möglichst abgelegenen gleichgiltigen 
winkel gerückt ist. Nicht selten sind die gleichen citate und 
beispiele beibehalten. Geradezu komisch wirkt die besprechung 
derjenigen kapitel, wo Beltrami in meiner abhandlung nur re- 
1) S. Philol. anz. 1885. 7./8. hft. p. 389-91. 



Nr. 4. 53. Lateinische grammatik. 245 

ferate und berichtigungen zu abschließenden arbeiten vorfand. 
Mit einer beinitleidenswerthen magerkeit sind diejenigen kapitel 
der syntax behandelt, welche der verf. nur der historischen 
syntax von Dräger entlehnen konnte. Auch textkritische noten 
sind wiederholt. Manchmal sind autoreu ohne angäbe ihrer 
Schriften angeführt. Was aber dem ganzen die kröne aufsetzt, 
ist die beibehaltung derjenigen versehen , welche unliebsamer 
weise in meiner arbeit sich eingeschlichen haben und wovon ich 
der redaktion eine blumeniese vorgelegt habe. Daß die wich- 
tige gräcismenfrage in keinerlei weise gefördert worden ist , be- 
weisen die beiden Schlußfolgerungen (p. 43). Doch satis superque ! 

J. Schofler. 

53. Johann Praun, bemerkungen zur syntax des Vi- 
truv mit eingehender darstellung der substantivsätze. Bam- 
berg 1885. 

Verfasser betont besonders die bedeutung , die Vitruv als 
Vertreter der Volkssprache im augusteischen Zeitalter hat, und 
zeigt, wie manche erscheinung, die man als eigenthümlichkeit 
der afrikanischen latinität zu betrachten gewohnt war, sich schon 
bei ihm findet. — Behandelt sind der infinitiv , accusativ mit 
dem infinitiv, die mit partikeln eingeleiteten substantivsätze, ge- 
rundium und gerundivum , die indirekten fragesätze , kompara- 
tion, pronomina, der gebrauch der kasus. Den abschluß bilden 
bemerkungen zur textgestaltung und zur geschichte einzelner 
Wörter. — Bei der bebandlung der einzelnen fragen wird unter- 
schieden, ob sich die stellen in den technischen partieen finden oder 
in den einleitungen, da letztere in einem überladenen und über- 
schwänglichen stile geschrieben sind, der beim streben nach er- 
habenheit des ausdruckes nicht selten einen komischen eindruck 
macht. — Was speziell diese Seite anlangt, so dürfte vielleicht 
eine vergleichung mit Velleius interessante parallelen ergeben. 

Im einzelnen hat ref. zu dieser werthvollen und hochinter- 
essanten abhandlung folgende bemerkungen zu machen: 

P. 16 scheint unwahrscheinlich, daß der infinitiv bei ver- 
ben der positiven Willensäußerung erst nach dem häufigen ge- 
brauch durch die dichter und im anschluß an griechischen ein- 
fluß allmählich auch in die Umgangssprache übergegangen sei, 
— Naturgemäß wäre gewesen, daß die dichter für ihre zwecke 
Philol. Anz. XVII. 17 



246 54. Metrik. Nr. 4. 

die bequemere ausdrucksweise der Umgangssprache wählten und 
dieser so auch in der litteratur größere bedeutung verschafften. 
(S. Ladewig zu Verg. Aen. I, 10 und meine recension von 
Keiny De subiunctivo et infinitivo apud Plinium Minorem in Philol. 
anz. XV, p. 395—97). — P. 17. Der ausgedehnte gebrauch 
von cogere = müssen scheint ebenfalls zu den erscheinungen 
zu gehören , welche die affektiertheit und das hohle pathos des 
halbgebildeten bekunden. — P. 18. Für das dignumst mittere 
Plaut. Pseud. 1013 ist wohl kein anderer grund anzunehmen, 
wie für die Vitruvstellen ; es handelt sich eben um eine erschei- 
nung der Volkssprache. — P. 22. Aus Ziemer, Junggrammatische 
streifzüge p. 78 ß geht hervor , daß auch er mit der Umgangs- 
sprache rechnet. — P. 48. velim, ne inventi essent. Jedenfalls ist 
der coni. plusquamperfecti als ausdruck der irrealität berechtigt, da- 
gegen bekundet der auffallende gebrauch von velim den in den ur- 
banen Wendungen ungewandten autor, wenn nicht etwa kreuzungen 
zweier ausdrucksweisen anzunehmen ist. — P. 48 und 50 sollte sich 
nicht 121, 2 und 162, 14 das uti mit ,,wie" übersetzen und mit 
den p. 67 aufgezählten beispielen in Verbindung bringen lassen? 
— P. 51 ist es wohl nicht statthaft bei sie faciendum erit das 
ut deshalb nicht consecutiv zu fassen, weil ein verbum des Sor- 
gens umschrieben sei, da es doch zunächst auf die thatsäch- 
liche fassung des gedankens ankommt, nicht auf diejenige, 
welche der autor hätte wählen können. — P. 62 ist es nicht 
zu billigen , daß Praun in dem rein temporalen gebrauch des 
ablativ. gerundii in den zwei beispielen des letzten buches 
eine fortbildung und entwickelung des Stiles erkennen will , da 
diese spuren doch zu vereinzelt und deshalb bedeutungslos sind. — 
P. 77 sind die praesentia perficiantur und praestent durch den 
für alle zeiten geltenden charakter der betreffenden handlungen 
zu erklären, während ut essent notiora die absieht, die dem Ver- 
fasser bei den einzelnen momenten der der Vergangenheit an- 
gehörigen handlung des Schreibens vorschwebte, ausdrückt. — P. 82. 
Der häufige gebrauch von is geht aus dem übertriebenen streben 
nach deutlichkeit hervor, welches den in der schriftstellerischen 
thätigkeit ungeübten Verfasser verräth. Georg Ihm. 

54. H. Usener, altgriechischer versbau, ein versuch ver- 
gleichender metrik. Bonn 1887. 127 p. 8. 



Nr. 4. 54. Metrik. 247 

Gegenüber allen anderen philologischen disciplinen ist die 
metrik erheblich im rückstanue, denn was sonst überall als die 
erste bedingung für wirklich wissenschaftliche behandlung gilt, 
nämlich historische betrachtungsweise, dazu sind auf diesem ge- 
biet nur anfange , freilich einige sehr beachtenswerthe anfange, 
gemacht. Um so freudiger ist es zu begrüßen , daß Usener es 
unternommen hat, gerade der ältesten und dunkelsten partie der 
geschichte der griechischen verskunst durch seinen Scharfsinn 
licht zu spenden. Ein referat zu liefern für diejenigen, die das 
buch nicht selbst lesen wollen , halte ich nicht für meine auf- 
gäbe , denn von einer schrift von so eminenter bedeutung wie 
diese, muß jeder mit eigenen äugen kenntniß nehmen , der sich 
für metrik interessirt. Ich hebe daher aus dem gedankenrei- 
chen inhalt nur einen gegenständ hervor , der für mich beson- 
ders anziehend gewesen ist , nämlich die frage nach dem aller- 
ältesten metrum der Griechen. 

Richtig erscheint mir der von Usener p. 120 ausgesprochene 
grundsatz : „die angleichung der metrischen formen an den mu- 
sikalischen rythmus ist bei den Griechen ein nachträglicher Vor- 
gang". Auch bin ich mit ihm der meinung, daß es „eine Ver- 
leugnung der geschichte, eine umkehrung des thatsächlichen Ver- 
hältnisses" ist, „die gesetze der aristoxenischen rythmik als die 
grundlage der griechischen metrik überhaupt zu nehmen". Ich 
betrachte das silbenschema als das bei weitem stabilere dement 
gegenüber dem rythmus des musikalischen Vortrags , das silben- 
schema möchte ich den körper, den musikalischen rythmus das 
gewand nennen. Dies gewand hat im verlauf der zeit 
vielfach gewechselt; der glykoneus z. b. war in hadrianischer 
zeit rythmisch ein ganz anderes ding als zur zeit des Aristoxe- 
nos, und ich glaube, daß er im altäolischen volksgesang wie- 
derum etwas ganz anderes gewesen ist *). Auch zeugt es nach 
meiner meinung von gründlicher einsieht, wenn Usener p. 111 
über den formenreichthum der griechischen metrik sagt: „diese 
schönen gebilde sind nicht freie Schöpfungen einzelner dichteri- 
scher genien , sondern geschöpft an dem ewig jungen und ver- 

1) Eine nicht uninteressante parallele bietet in später zeit die 
anpassung des anakreontischen metriuus an die Vortragsweise der by- 
zantinischen kirchenmusik, vgl. meinen aufsatz „Accentus grammatici 
in metris anacreontico et hemiarnbico quae sit vis et ratio explicatur". 
Philol. suppl.-bd. V, 2, p. 217 sqq. 

17* 



248 54. Metrik. Nr. 4. 

jungenden born der volksüberlieferung. Formen werden nicht 
geschaffen, sondern sie entstehen und wachsen. Der schöpfe- 
rische künstler erzeugt sie nicht, sondern bildet das überkom- 
mene veredelnd um". Das muß der leitfaden sein für jede hi- 
storische Untersuchung der griechischen metra. Außerdem möchte 
ich noch einen anderen gesichtspunkt geltend machen. Wie die 
spräche sich in dialekte schied, so mußte sich aller Wahrschein- 
lichkeit nach auch die metrische volksüberlieferung in verschie- 
dene zweige theilen, und gerade dadurch kam, wie ich glaube, 
die griechische rythmik zu reichster entwickelung , daß sich die 
poesie der einzelnen griechischen stamme mit ihren verschiede- 
nen formen wieder zu einer panhellenischen vereinigte. Mit 
der blüthe des attischen drama's war dieser proceß vollendet, 
und damit waren die quellen erschöpft , aus welchen der reich- 
thum der griechischen metrik geflossen war : es begann die pe- 
riode der Verarmung. Auch darin erkenne ich ein allgemeines 
gesetz : die verskunst muß nothwendiger weise verfallen , wenn 
ihr nicht, sei es aus der volksüberlieferung, sei es durch zu- 
rückgehen auf ältere Vorbilder, sei es durch fremdländische ein- 
flüsse neues blut zugeführt wird , sondern wenn die dichter nur 
auf ihre eigene phantasie angewiesen sind. Denn wer die me- 
trischen formen, ich fahre mit Usener's Worten fort, „willkürlich 
schaffen zu können meint, übt nicht kunst sondern spielende 
künstelei ; sein gebilde zerstiebt, wie seine spur auf erden er- 
lischt". Nach festen, traditionellen formen also müssen wir su- 
chen , wenn wir die entwickelung der griechischen metrik ver- 
folgen wollen. Von dieser Wahrheit ist Usener so durchdrun- 
gen, daß er sich nicht auf die griechische litteratur beschränkt, 
sondern weit über das gebiet des Griechenthums hinaus bei den 
verwandten Völkern nach den altererbten grundformen des Vers- 
baues forscht. Dadurch kommt er (p. 78) zu dem Schluß : „die 
Griechen sind von demselben achtsilbigen kurzvers ausgegangen 
wie die Italiker und Germanen , und hatten ihn bereits über- 
nommen als vers von vier hebungen, nur daß die hebung an 
die lautliche schwere der silbe gebunden war". Vielleicht ist 
es mir möglich an dieser stelle die sache in etwas zu fördern, 
indem ich darlege, wie nach meiner Überzeugung der Übergang 
vom achtsilbigen verse zum verse von vier hebungen mit un- 
bestimmter Senkung stattgefunden hat. Der verfall und die 



Nr. 4. 54. Metrik. 249 

Verwitterung des achtsilbigen kurzverses ist nach Usener bedingt 
durch den hochton (p. 67), denn „in dem rnaaße als rythmus 
sich in dem sprachlichen Stoffe des liedes geltend machte , trat 
die frühere silbenzählung zurück". Nebenher kommt aber gewiß 
noch ein zweites in betracht, denn es scheint mir keinem zweifei 
zu unterliegen , daß die Verwitterung des verses auch mit der 
Verwitterung des den vers bildenden Sprachmaterials in ursäch- 
lichem Zusammenhang steht. Das lateinische , noch mehr das 
germanische, hat zahlreiche silben durch lautliches nädog ver- 
loren und hat andererseits durch vokaleinschub neue silben ge- 
schaffen , dadurch war eine Umgestaltung des verses bedingt 2 ). 
Man kann sich diesen Vorgang am besten vergegenwärtigen, 
wenn man sich alte metrische carmina im volksmunde oder im 
sakralen gebrauch mehrere generationen hindurch überliefert 
denkt. Wenn sich in dieser zeit die ausspräche änderte, wenn 
einzelne vokale allmählich schwächer lauteten und schließlich 
ganz verklangen , und wenn sich dafür an anderer stelle neue 
vokale entwickelten, so mußte sich (vorausgesetzt daß die Über- 
lieferung eine mündliche war) die metrische form der alten for- 
mel umgestalten. Dieselbe Veränderung aber wie diese einzel- 
nen verse erlitt die metrische technik überhaupt. Das ist nicht 
uur eine vermuthung sondern läßt sich durch beobachtungen 
erhärten. Ueberall beeinflussen tiefgreifende lautliche Verände- 
rungen der sprachen das metrum , ich führe nur zwei beispiele 
an : der altnordische vers zeigt sich gegenüber dem altdeutschen 
in dem maaße verkürzt, wie es der größere lautschwund im nor- 
den bedingt, und die mittelhochdeutsche metrik verwilderte, weil 
beim Übergang zum neuhochdeutschen das veränderte tieftonge- 
setz den rythmus des verses zerstörte. Ist das alles richtig, so 
muß dem alterthümlichen charakter des griechischen lautbestan- 
des entsprechend die urgriechische metrik alterthümlicher sein 
als die lateinische oder germanische , und das ist auch der fall. 
Ja es scheinen mir sogar in einigen jener denkmäler urgriechi- 
schen versbaues, die Usener aufführt, noch mittelstufen zwischen 
dem achtsilbigen verse und dem verse von vier hebungen deut- 
lich erkennbar. Halten wir uns an vier beispiele , die einen 

2) Eine Zwischenstufe zeigt uns die moderne französische metrik, 
wo vokale, die in der spräche ganz oder bis auf einen schwachen vo- 
kalanstoß geschwunden sind, im verse noch zählen. 



250 54. Metrik. Nr. 4. 

bestimmten hochalterthümlichen typus repräsentiren , nämlich 
'EX&elv, ijQOi /Jinrvan xrl. (p. 80), Tag "Hgag lagög eifii xtX. (p. 85), 
KaXXiGTQarog dvs&tjxs xtX. (p. 86) und 'laQcov ö AnivofiFveog xiX. 
(p. 87), so haben wir augenscheinlich feste, traditionelle formen 
und zwar darunter fünf mal: 

sk&eiv, t]Qco /jtowae 
■tag Hgag inoög eifAi 
KaWiGTQUtZg avs&ijxs 
zq> ' AaxXamw n (näyiQog 
7w Ai TvQQav* ano Ki>{tag, 



ferner einmal: 



und zweimal: 



reo ßoeq> no8i &var } 



coQiafiog psQywv dexurav 

'lägcov o /Juvopireog 3 ). 
Das sind kurzverse von acht silben 4 ) mit vier hebungen und 
zwar mit formen, die wir ganz ähnlich im indischen finden, 
freilich sind das nicht die gewöhnlichen , sondern gewisse alter- 
tümlichere vergl. Eigveda I, 90, 4. 5 : 



-L. V U . 



und I, 30, 10. 13: 






3) Ich messe das t in 'Iuqcdv unbedenklich lang. 

4) Aus den formen des achtsilbigen verses sind die kürzeren (durch 
„Verwitterung") abgeleitet. So gehen zurück auf vj-£-ö_/_ ; wu_lj_: 
ctyvov üvv XagiiiGCW — - i -- t -i uu_4-~a. und Kvviaxog /x avt&rjxt ^>-i--t-, 
uuj-l, vielleicht auch die verse von drei hebungen : «£** mips -x, uuj__l 
(mit Unterdrückung der ersten hebung) und mg lv Titdia -£--*-, uu_^_ 
(mit Unterdrückung der letzten hebung). Auf _i_v-t-v, _/-uu_i_ geht 
zurück xal 7ot Zvgaxöoioi, -/--£-u, _i_uw_^_. E s bleibt dann noch ig 

vaö'v , ig vttlv _*__/_. £-_£. und dem entsprechend wohl auch 

'AXtlwv ig vaöv, wofür als achtsilbige grün dform etwa ö_«-ü_z.y ö-lu-j- 
zu erschließen ist, vgl. dievonUsener p. 86 citirte böotische inschrift: 

Kgiroy xal Ssvöadorog u _*__£_, — _/r_u_£- 

TöJ dl TWTHtiQrjl £- -f-, — _£-_£- 

5) Hier haben wir einen indischen anaklomenos. 



Nr. 4 54. Metrik. 251 

Wie diese verse im indischen aufzufassen sind , darüber kann 
kein zweifei bestehen , obgleich die sanskritaner über sie nicht 
zur klarheit gekommen sind : sie enthalten in der ersten hälfte 
vier nicht unprosodisch aber freier gebaute silben und in der 
zweiten einen ionicus von der form üu oder einen Cho- 
riambus. Denn der eintritt des ionicus und des Choriambus für 
die iambische dipodie , welchen neuerdings Wilamowitz (Philol. 
unters. IX) für die griechische metrik glücklich verfochten hat, 
ist in der vedischen ganz unzweifelhaft 6 ). Ich will nun zwar nicht 
behaupten, daß der dichter den vers rw J) TVoo«»' unb Kv^mj wirk- 
lich noch in eine frei gebaute iambische dipodie — _?_ — _^_ und einen 
ionicus zerlegt habe; ich halte vielmehr für wahrscheinlich, daß 
derselbe für ihn rythmisch bereits die bedeutung des paroe- 

miacus hatte (ich halte nämlich ö — ü — uu für die Urform 

des paroemiacus, welcher ursprünglich aus diiambus und ionicus 
bestehend im laufe der zeit rythmisch umgedeutet , und dann 
auch metrisch umgestaltet wurde), doch das thut nichts zur sache, 
denn, um Usener's worte zu brauchen, die „angleichung der me- 
trischen formen an den musikalischen rythmus ist ein nachträg- 
licher Vorgang' - . Als feststehend betrachte ich aber, daß beim 
Übergang des achtsilbigen verses zum verse von vier hebungen 
der Wechsel des diiambus mit dem ionicus a minori und dem 
Choriambus eine wichtige rolle gespielt hat. Tritt man dem bei. 
so wird von Usener's resultaten nichts erschüttert, im gegentheil 
sie stehen gesicherter da, wenn wir noch auf griechischem boden 
den achtsilbigen vers nachweisen können 7 ). 

Aus der zusammenfügung der kurzverse sind die griechi- 
schen langverse , vor allen dingen der epische hexameter ent- 
standen. Die Untersuchung über den Ursprung des hexameters 

6) Die elfsilbigen verse z. b. enthalten im mittleren theil nicht 
wie Usener der metrisch sehr wenig geschulten sanskritphilologie fol- 
gend angiebt (p. 60) vier unbestimmte silben sondern gewöhnlich ei- 
nen ionicus oder (mit cäsur nach der fünften silbe und mit syllaba 
anceps vor der cäsur) einen Choriambus, so daß das Schema ist: 

jöu | ^ 

( — ö u ) 

7) Auch den glykoneus betrachte ich als direkte , im laufe der 
zeit rythmisch umgedeutete, fortsetzung des achtsilbigen verses, vgl. 
z. b. Rigveda VIII, 8, 8: 

U _£ t- VJ, \J_l_KJ_l_ _Z_ -J- 1 U -t-\J _I_ 

Vers 1 und 4 zeigen die urform des glykoneus. 



252 55. Pinrlaros. Nr. 4. 

ist der am ausführlichsten begründete theil des Usenerschen bu- 
ches, aber man mag darüber bei Usener selbst nachlesen, ein 
mageres referat an dieser stelle hätte für niemand nutzen. [Eine 
besprechung vom andern Standpunkt aus wird folgen. — E. v. L.~\. 

Friedrich Haussen. 

55. Eduardi Luebberti meletemata in Pindari locos 
de Hieronis regis sacerdotio Cereali. Index scholarum univers. 
Frideric. Guilelm. rhenan. hibern. 1886 — 7. Bonnae. 8. p. XXIV. 

Die gedichte Pindars an Hieron bilden nur den ausgangs- 
punkt von zwei Untersuchungen , deren erste sich auf die Über- 
lieferung von dem Demeterpriesterthum in der familie der Dei- 
nomeniden bezieht , während die zweite namen und bedeutung 
des mythischen Triopas behandelt. Ueber das priesterthum der 
Deinomiden sind nach Luebbert zwei von einander unabhän- 
gige Überlieferungen vorhanden; der bericht des Herodot 7,153 
sei von mißgunst gegen das geschlecht erfüllt ; daraus sei die 
mangelhafte Überlieferung von seiner Vergangenheit und beson- 
ders die angebliche Unkenntnis von dem Ursprung des Demeter- 
kultus in demselben zu erklären. Genauere angaben darüber 
finden wir in den Pindarscholien , durch Vermittlung des Didy- 
mos aus Timaios entlehnt, die wichtigste im Schob Pind. Pyth. 
2, 27, wo — allerdings unter Verwechslung mit dem vater des 
Hieron — jener ahnherr des geschlechts , namens Deinomenes 
(vgl. Etym. M. s. v. tt\a) genannt wird , der den Demeter- 
kultus aus dem karischen Triopion nach Sicilien gebracht habe. 
Freilich darf nach ansieht des ref. nicht übersehen werden, daß 
in einem andern scholion , Olymp. 6, 158, welches von Lueb- 
bert ebenfalls auf Timaios zurückgeführt wird , in Übereinstim- 
mung mit Herodot Telines als erster priester des geschlechts 
genannt wird, und es scheint nicht über jeden zweifei erhaben, 
ob die wenigen dem Timaios zugeschriebenen zusätze zu der 
herodoteischen Überlieferung auf echter tradition und nicht viel- 
mehr auf jüngerer combination beruhen. Der eingefügte exkurs 
über die Timaiosfragmente in den Pindarscholien ist lehrreich ; 
ob Schol. nem. 9, 95 aus dem citat des zweiten buches von 
Timaios mit Beloch das zehnte oder mit dem verf. das zwölfte 
herzustellen ist, dürfte bei dem gegenwärtigen material nicht zu 
entscheiden sein. 



Nr. 4. 55. Piudaros. 253 

Nicht übereinstimmen kann referent mit dem resultat der 
zweiten Untersuchung. Nach demselben ist Triopas nicht, wie 
man gewöhnlich annimmt, der eponyme von Triopion, das ihm 
den namen gegeben hat , sondern dem Eiysichthon ähnlich ein 
heros im kultuskreis der Demeter : sein name bedeutet den 
„dreimal gepflügten" acker , sein mythus ebenso den grausamen 
eingriff der ersten pflüger in den jungfräulichen boden, wie den 
segen des ackerbaus. Als ältester sitz seiner legende ist nach 
Luebbert das dotische gefild in Thessalien zu bezeichnen , au- 
ßerdem — wohl an zweiter stelle der zeit nach — Argolis, von 
wo die sage nach der knidischen halbinsel getragen worden wäre. 

Die ganze Untersuchung stützt sich auf eine nach ansieht 
des ref. sekundäre, ja tertiäre Überlieferung. Daß bei der deu- 
tung eines mythus aus vorhistorischer zeit ein denkmal des zwei- 
ten nachchristlichen Jahrhunderts , das Triopion der Regula an 
der appischen straße, außer acht zu lassen ist, dürfte kaum Wi- 
derspruch erfahren. In dem Demeterhymnus des Kallimachos 
ist die legende von dem frevel und der strafe des Eiysichthon 
dargestellt, die zum größern theil jüngere märchenmotive ent- 
hält: was als alterthümlich übrig bleibt, ist der Erysichthonsage, 
nicht dem Triopas zuzueignen, auf welchen die gleiche geschichte 
fälschlich von Diod. 5, 61 und Hyg. Astr. 2, 14 übertragen 
wird. Das älteste zeugnis für die Erysichthonsage besitzen wir 
in dem des Hellanikos fr. 17, der den Eiysichthon nicht einen 
söhn des Triopas , sondern des Myrmidon nennt. Derselbe ge- 
währsmann schwächt auch das zeugnis des Pausanias für den 
argivischen Triopas ; denn Iasos , Pelasgos und Agenor , welche 
bei Paus. 2, 16, 1. 2, 22, 1 söhne des Triopas heißen, werden 
von ihm söhne des Phoroneus genannt, Schol. vict. zu II. r 75 
und Eustath. z. d. st. Die argivische königsreihe ist von späte- 
ren genealogen offenbar durch die namen Triopas und Phorbas ver- 
stärkt worden : Paus. 2,22,1. 4, 1,1 wird Phorbas vater, 7, 26, 12 
dagegen söhn des Triopas genannt. Wohin diese namen gehö- 
ren, ist nicht zweifelhaft : in die dorische Hexapolis, nach Trio- 
pion der eine, nach Rhodos der andre, und dieser hat den Trio- 
pas ebendahin gezogen. Wie das thessalische Dotion — zuerst 
bei Dieuchidas fr. 7 — in diesen Sagenkreis hineingekommen 
ist, daüber hat H. D. Müller, Myth. d. griech. st. I, p. 21, eine 
vermuthung geäußert, jedenfalls ist es keineswegs auffällig, wenn 



254 56. Pindaros. Nr. 4. 

eine in kleinasiatischen kolonien entstandene sage in der wabl 
des lokals auf das mutterland zurückgreift. Hellanikos, fr. 107, 
nannte Triopas einen söhn des Helios und der Rhodos, Herodot 
1,144 erzählt von dem triopischen Apollon, und der apollinische 
hymnus hom. 1, 211 (2, 33) bringt mit Apollon den Phorbas, 
söhn des Triopas, in enge Verbindung ! ) ; wer kann uns da be- 
weisen , daß Triopas ein echter Demeterheros ist? Referent 
stimmt im princip gern mit denjenigen überein, welche die hel- 
densage in engste Verbindung mit kultus und Stammesgeschichte 
gebracht haben möchten ; aber nach seiner kenntnis der quellen 
bezweifelt er, ob sich in der mehrzahl der fälle eine sichere kom- 
bination, die die Dorer in ihren Stammsitzen aufsucht, gewinnen 
lassen wird. Für das , was der verf. beweisen will , ist Dieu- 
chidas, ein schriftsteiler des vierten Jahrhunderts, und auch die- 
ser nur in einem nebensächlichen punkte der älteste gewährs- 
mann , während Herodot und Hellanikos dagegen ins feld ge- 
führt werden können. 

1) Die Schwierigkeiten der stelle sind bekannt; ob dieselbe in 
den großen hymnus gehört oder einem andern entlehnt ist, ist hier 
gleichgültig. Ref. aber zweifelt nicht, daß mit dem namen nur der 
heros von Rhodos und Triopion bezeichnet sein kann, nicht der Phle- 
gyer bei Ovid Met. 11, 414 (vgl. Schob II. *P 660 ^ lanoia naga Tolg 
xvxfoxoig). 

Konrad Seeliger. 

56. L. Schmidt, quaestionis de Pindaricorum carminum 
chronologia supplementum alterum. (Index lectionum , sommer 
1887). Marburgi, typis academicis R. Friedrich. X p. 4. 

Während 0. Schroeder und J. Sitzler der pythiadenrech- 
nung von Boeckh-L. Schmidt zugestimmt haben, hat referent in 
den Jahresberichten über die fortschritte der klassischen alter- 
thumswissenschaft XLII, 78 sich auf die seite von Bergk ge- 
stellt. Das an letzterer stelle kurz vorgeführte material unter- 
zieht L. Schmidt einer nochmaligen besprechung. 1) Für Ol. 12, 18 
ist er geneigt , neben der Mommsenschen herstellung des scho- 
lions auch die vermuthung des referenten (8)g v.ai) anzuerken- 
nen. 2) Ueber Ol. 9 hatte referent a. o. p. 97 sich dahin ge- 
äußert, daß Pindar die gelegenheit des pythischen sieges 
benutze , um den olympischen im eingang zu erwähnen , daß 
mithin der pythische sieg der später errungene sei und die ode 



Nr. 4. 57. Griechisches drama. 255 

in anlaß dieses sieges aufgeführt werde. L. Schmidt wirft ein, 
daß vs. 6 — 8 mit größerem gewicht von dem olympischen siege 
gesprochen werde als vs 1 1 f. vom pythischen. Dies ist in- 
dessen durch den höheren werth eines olympischen sieges mei- 
nes erachtens hinlänglich motiviert; dagegen finde ich hei der 
hergebrachten , vom verf. vertheidigten auffassung sowohl die 
weitläufige bezugnahme auf das Archilochuslied vs. 1 — 4 als 
die erwähuung des pythischen sieges selber auffällig. 3) Hin- 
sichtlich Pyth 11, welches lied sowohl vom Verfasser als vom refe- 
renten in die 28. pythiade gesetzt wird, betont L. Schmidt den 
singularis ille et cum civilis concordiae commendatione coniunctus sen- 
sus Thebanus, qui in stropha et antistropha prima legentium animos 
movet , und findet deshalb die ansetzung in ol. 75, 3 angezeigt. 
Eeferent kann diese politische tendenz der Thebanerode nicht 
zugeben , behält sich aber das weitere für eine bereits in aus- 
sieht gestellte ausführliche behandlung dieses liedes vor. Ueber- 
dies legt L. Schmidt das hauptgewicht auf : 4) Pyth. 1. Es ist die 
frage, ob ein lebhafter eindruck des Aetna-ausbruches nach 9 
(statt 5) jahren, fromme wünsche für die junge Stadt Aetna 
nach 6 (statt 2) jahren und das vir ;■? \xäv vs. 50 als auf die 
Vorbereitungen zur Schlacht von Kyme bezüglich 4 jähre nach 
der schlacht mit fug und recht vom dichter verwerthet werden 
konnten. Die beiden ersten punkte halte ich für unbedenklich; 
über den dritten dagegen habe ich mich bereits in der Berliner 
philol. wochenschr. 1886, p. 965 deutlicher dahin ausgedrückt, 
daß ich gar nicht an die Vorbereitungen zum kriege , sondern 
an den bereits siegreich vollführten pythischen wagenkampf, 
welchen eben Pindar besingt, denke. 5) Im scholion zu Pyth. 3 
inscr., welches deutlich für Bergk spricht, nimmt jetzt L. Schmidt 
mit Sitzler einen Schreibfehler an. Eeferent dagegen hofft bald 
durch eine neue auslegung von Pyth. 8 zeigen zu können, daß sich 
aus den dichtungen Pindars selber die richtigkeit der Bergk- 
schen pythiadenrechnung wird erweisen lassen. 6) Ol. 1 setzt 
L. Schmidt jetzt in ol. 76. L. Bornemann. 



57. Kritische Studien zu den griechischen dramatikern 
nebst einem anhang zur kritik der anthologie von dr. H. W. 
Schmidt, oberschulrath und direktor des gymn. Carol. zu 



256 57. Griechisches drama. Nr. 4. 

Neustrelitz. Band I. Zu Aeschylos und Sophokles. Berlin, 
Weidmannsche buchhandlung 1886. gr. 8 XIV und 289 p. 

Es ist keine leichte sache ein buch, das zu einer so großen 
anzahl von stellen (es sind einige hundert) des Aeschylos und 
Sophokles Verbesserungsvorschläge bringt, richtig zu würdigen 
und noch schwerer ist es sein urtheil entsprechend zu begrün- 
den ; denn um dies zu erreichen, müßte man einen großen theil 
der hier vorgebrachten conjekturen ausführlich behandeln. Da- 
durch würde aber die anzeige eine ausdehnung erhalten , die 
ebenso den recensenten als die leser in eine unangenehme läge 
versetzen müßte. Ueber viele stellen läßt sich ja nach dem, 
was bisher erörtert ist, kaum etwas neues sagen, besonders wenn 
man nicht selbst eine änderung vorschlagen, sondern die über- 
lieferte lesart vertheidigen will. Ich werde daher im folgenden 
die ricbtung des verf. , die übrigens aus seinen zahlreichen ar- 
beiten bekannt ist, kennzeichnen und beurtheilen, wobei ich stel- 
len aus verschiedenen theilen des buches heranziehen werde. So- 
dann will ich auf die Verbesserungsvorschläge zu je einem drama 
des Aeschylos und Sophokles näher eingehen, um auf dieser 
grundlage ein gesammturtheil über das buch abzugeben. 

Der verf. hat in diesem bände, was er seit jähren in steter 
forschung und arbeit auf dem gebiete der kritik der beiden 
großen tragiker erzielt hat , zu einem einheitlichen ganzen ver- 
einigt. Daher hat er auch die beitrage, welche er in den bei- 
den Neustrelitzer programmen vom jähre 1868 und 1874 und 
in bd. 111 und 113 der Neuen Jahrbücher für philologie 
und pädagogik veröffentlicht hat , soweit er noch von der rich- 
tigkeit des daselbst gebotenen überzeugt war, aufgenommen, zum 
theil allerdings in verkürzter form. In dem Vorworte entwickelt 
er kurz die grundsätze , die er in der kritik befolgt hat. Von 
haus aus eine durchaus konservativ gerichtete natur habe er es 
zunächst als seine aufgäbe betrachtet unter berücksichtigung des 
durch eingehende , gründliche forschung ermittelten Sprachge- 
brauches die handschriftliche Überlieferung nach kräften in 
schütz zu nehmen. Aber je mehr er sich in die sache vertieft, 
desto mehr sei bei ihm die achtung vor den alten Pergamenen 
geschwunden, desto mehr sein konservativer Standpunkt erschüt- 
tert worden. Er bekennt sich entschieden zu den grundsätzen, 
welche Nauck in dem Vorworte zu Soph. Aiax (und, fügen wir 



Nr. 4. 57. Griechisches drama. 257 

hinzu, in dem Vorworte zur Berliner textausgabe) ausgesprochen 
hat. Das schönste und vollendetste, was überhaupt denkbar ist, 
dürfen und müssen wir dem Sophokles zutrauen, und das gelte 
auch von den beiden anderen meistern wenigstens zum theile ; 
sie stehen zu hoch als daß man ihnen offenbare Verkehrtheiten 
und geschmacklosigkeiten zuzutrauen ein recht hätte. Hinsicht- 
lich der kritischen mittel bemerkt er , daß er sich im wesent- 
lichen zur alten methode bekenne. Also so viel als möglich den 
buchstaben der Überlieferung nachzugehen und mit berücksich- 
tigung der gewöhnlichen fehler der abschreiber die neue lesart 
zu construieren , daneben die anderen mittel wie transposition 
oder die annähme der vertauschung der endungen bei benach- 
barten Wörtern in anwendung zu bringen, die glossographie zu 
versverthen u. s. w. , dies sei das richtige. Nachdem der verf. 
hierauf die neuere methode mit ihrer willkür verworfen hat, be- 
merkt er noch, daß er sich alle mühe gegeben habe, soweit dies 
seine literarischen Hilfsmittel gestatteten, die litteratur zu durch- 
forschen, um nicht etwas, das schon vorgebracht wurde, als sein 
gut vorzuführen und beschließt das vorwort mit einem scharfen 
tadel der holländischen schule, bei der das ignorieren fremder 
funde am auffallendsten und peinlichsten hervortrete. Der großen 
Schwierigkeit der arbeit ist er sich wohl bewußt, wie dies schon 
das motto : bv natu' 1 <> tov Ujtovitoc svyiaxet norog , auf dem 
titel zeigt. 

Als sich vor etwa dreißig jähren eine immer mehr wach- 
sende thätigkeit in der kritik der tragiker entfaltete, gab man 
sich der hoffnung hin eine herstellung der verderbten texte zu 
erzielen. Aber so groß auch die zahl der vorgebrachten eraen- 
dationen war, so gering war die Übereinstimmung über dieselben. 
Nur verhältnißmäßig wenige wurden von allen oder doch von 
der größeren zahl der gelehrten anerkannt. Je mehr nun die 
zahl der conjecturen anwuchs und je mehr ein Vorschlag durch 
den anderen verdrängt wurde, desto mehr mußte ein Umschlag 
nothwendig eintreten. Es ist kein wunder, daß der ruf nach 
rückkehr zur Überlieferung immer mehr erschallt und daß viele 
gelehrte sich wieder der conservativen richtung zuwenden. Auch 
begreift man leicht , wie sich unter solchen Verhältnissen selbst 
ein auf die spitze getriebener conservativismus geltend machen 
kann. So steht nun gegenwärtig die sache. Das allein rieh- 



258 57. Griechisches drama. Nr. 4. 

tige bleibt die goldene rnittelstraße zu finden; nur auf dieser 
wird man ein günstiges ergebniß erzielen können. Man muß 
sich vor äugen halten , daß vieles , was uns auffällt, fremd, un- 
passend, verschroben erscheint, doch wohl seine berechtigung haben 
kann, nicht weil es geradezu verkehrt oder geschmacklos ist, sondern 
weil wir anders urtheilen und fühlen als jene zeit und ihre dichter. 
So erschien z. b. Soph. El. 288 qanoloa Nauck matt, weshalb 
er XaaY.ovan vorschlug; der verf. schreibt ögoovoa t weil dies 
den buchstaben mehr zu entsprechen scheint. Man müßte aber 
doch , um das verderbniß zu erklären , an ein glossem denken 
oder eine Verstümmlung des verses am eingange annehmen, was 
gewiß sehr bedenklich ist; qanovou nimmt das vorhergehende 
Xojoiai auf. — Ib. 632 iä, xt/.ttm heißt es doch mit dem dichter 
rechten, wenn man ihm diese worte nicht lassen will, weil Elektra 
in keiner aufregung sei , welcher solche asyndetische fügungen 
sonst entsprechen, weil keine sinnverwandten Wörter verbunden 
seien und weil Elektra überhaupt nichts zu befehlen habe. Es 
soll also e'oö g\ shijXojs geschrieben werden. Wir bemerken nur, daß 
xelevcü unserem ,,ich sage dir" entspricht. — Ib. 656 wird öog nüaiv 
ijixu in gü(T ojiix.gov ljf.ui geändert. Klytämuestra will aber sagen: 
„gieb unserem ganzen hause", wobei sie natürlich an sich und 
Aigisthos denkt. — Ai. 1324 soll für aia^gd : i^&ou geschrieben 
werden, weil nur so ßXäßrjv, woran Nauck anstoß nahm, gerecht- 
fertigt werden könne ; sonst sei ßla^v zu allgemein gehalten und 
wolle nicht recht zu veiö^gd stimmen. Warum soll nicht ßläßr t v 
allgemein „schaden", natürlich an der ehre, bedeuten? — Daß 
Aesch. Prom. 442 n^/xaza unrichtig ist und zd de ßgozoT^ beo- 
Qi'j/.iazu geschrieben werden müsse, beruht bloß auf einer subjec- 
tiven aufiassung. Nach der anschauung anderer ist n!]\xu.ta^ 
wenn man an v. 447 ff. denkt, ganz passend. Prom. 613 wird 
man schwerlich mit dem verf. xkuior, das wohl unter dem ein- 
flusse von Weckleins xXenov Soph. Ant. 1 entstanden ist, für 
das vollkommen passende xoirot setzen wollen. Ebenso ist Sept. 
244 tovtoj) erklärt durch qoiop fiyozoöv ganz richtig. Der verf. 
denkt anders und vermuthet dornog yi/g "4q>jq. Das gleiche gilt 
von Eum. 471, wo statt ßgozoi^: und ms vermuthet wird. Wir 
könnten noch eine große zahl von stellen anführen , welche der 
verf. in gleicher weise wie die erwähnten behandelt. Uebrigens 
mögen die hier vorgeschlagenen conjecturen sich auch nicht zu 



Nr. 4. 57. Griechisches drama. 259 

weit von der Überlieferung entfernen und au die buchstaben der- 
selben sich einigermaßen anschließen, so sind sie doch nicht im- 
mer leicht und das verfahren sie durch uncialschrift zu ver- 
deutlichen , was der verf. so oft auweudet , wird nicht überzeu- 
gend wirken. Es finden sich aber auch coujekturen , welche 
dieses maß bei weitem überschreiten und die Überlieferung ganz 
umgestalten, so daß von einer paläographischen erklärung nicht 
mehr die rede sein kann und wir lebhaft an die neue, vom verf. 
bekämpfte richtung in der kritik erinnert werden, so z. b. Soph. 
Ai. 988 f. avyxufxi' 1 ■ ot' OQqaiolai toi qii)ovaiv ävögeg övö/jsvsig 
STTtrytlur, Oß. 677 aol fisv Soxär al/.olog (zudem ist an dieser 
stelle nichts zu ändern; aov fAfv tv%gov aytmrog ist absichtlich 
gewählt, um den besonnenen Kreon zu kennzeichnen; vgl. 628), 
OC. 551 ff. rulg ai/xatr/gaig o' ofjfjiutoov diacpdogaig novovvx* axovmv 
. . X(t6i(p eyvaoxa . . tavvv ö' sSouig iv taiafr aOgäv apeiiop 
i^snlaruftai , OC. 664 ff. &agaetv ftep ovv Xs'jco as } xllv in ytjg 
ifiijg to\] o' uyeiv ng, <I><jißo<; . , ae ' novo* ö« . ., OC 1117 
xaigog as Tolgyov näv ■ o 8 Siegel ßQ<x%v, Aesch. Ag. 615 altrj 
per elnova' zioni- (lav&avovu aoi toqov tiv igftqvevGi 8t] togoig 
Xöyor, Cho. 273 ei fit) (itTnifii rovg dmXovg nutgoxiotovg. Wir 
könnten noch viele stellen dieser art beibringen , unter- 
lassen es aber , weil es für unseren zweck ohne nutzen 
wäre. Wenn der text der tragiker so verderbt ist, so muß 
man jede hoffnung auf emendation aufgeben. Und wie sollen 
solche weitgehende Verderbnisse entstanden sein ? Da kommen 
wir doch wieder zur annähme eines archetypus , in welchem 
ganze stellen mehr oder minder unlesbar geworden waren ; denn 
sonst läßt sich auch bei der größten nachlässigkeit der Schreiber 
eine solche verderbniß nicht erklären. Und wann hat diese 
Zerstörung stattgefunden? In der byzantinischen zeit? Oder 
hatten etwa schon die Alexandriner oder gar die Athener zu 
Lykurgos zeiten einen solchen corrupten text? Wurde dieser 
unsinn im theater vorgetragen ? Man sieht, daß sich hier fragen 
aufdrängen, die sehr weit gehen ! ). 

1) Daß Soph. OR. 636 die fehlerhafte lesart im Laur. A läiav Ixvovptts statt 
Xdiu y.ivovvng benutzt wird, ura eine conjectur idice vhxovvtis zu erzielen, 
ist Dicht zu billigen, noch weniger, daß das scholion qdovtixovvTig 
zur bestätigung herangezogen wird, da dies doch den ganzen ausdruck 
i&ict xwovvng y.u/.d erklären soll. Uebrigens scheint der verf. nach ei- 
ner bemerkuDg im Vorworte p. VII diese conjectur wieder autgegeben 
zu haben. 0. R. 579 schreibt der verf. ag^e, d' £xtivy %avz > t/ns faov 



260 57. Griechisches drama. Nr. 4. 

Nachdem wir nun so das verfahren des verf. im allgemei- 
nen gekennzeichnet habeu , wollen wir , wie dies schon früher 
angedeutet wurde, noch die vorschlage zu zwei dramen etwas 
näher betrachten , um zu zeigen , was für die kritik geleistet 
wurde. Wir wählen die Perser und den Philoktetes. Was das 
erstere stück betrifft, so ist wohl keine der vorgeschlagenen con- 
jecturen evident , aber einige sind allerdings recht beachtens- 
werth. Dazu rechne ich v. 218 ralla ö 1 ' ixTslij , 632 &irj7är 
naQog , (was freilich schon Merkel vorweggenommen hat; aber 
die änderung et yag tig ulxoj tcüjö'' aide noiav überschreitet 
jede grenzen. Vielleicht ist oide nliav in parenthese zu setzen, 
wie dies schon M. Schmidt, der freilich v. 632 anders schreibt, 
angedeutet hat) ; 745 f. Umstellung der letzten beiden vershälften 
nur mußte nicht deshalb, weil 'Elli'jonovxoQ bei Aeschylos nicht vor- 
kommt , gleich noQ&fAOf geschrieben werden-, es genügt "Elljjg 
nonov iqov , Bogtioqoi Q<'or , Oeov. Auch ögofidSa 734 liegt 
dem uoväöa wenigstens näher als Oberdieks qvyitöu. Endlich 
scheint mir noch die vermuthung bemerkenswerth , daß nach 
234 zwei verse ausgefallen sind; ich habe dieselbe vor jähren 
in den Übungen des hiesigen seminars ausgesprochen. Die an- 
deren conjecturen dürften weniger anerkennung finden: 169 
iQfjLa statt ofifAa (in o'/^« ist vielleicht ein anklang an orienta- 
lische ausdrucksweise zu erkennen), 236 -a(u arguTog ye &ovgm 
(ich vermuthe rai' atoarog -zoonuzog, £'o£«c), 329 togoiS' uq 1 
aQxövrmv pvv ifit^a&t]v nini (wobei die Streichung von vn und 
die Verbindung uqu . . ivi mißfällt), 452 sv^sIqootov ur Heitern 
ayoav (vielleicht ist nach xzsiieiav, wozu sich nvrovg leicht er- 
gänzt, zu interpuugieren und «tjf. 'EXXi'jimv ayQuv als apposition 
zu fassen), 735 ncog t' £%Eir aal nol nod' uioeir; 748 n. ns&jt 
nslevOor ij. nst,m rsigctzw, 756 si döfioig naiXsiv (auch mir scheint 
alißütkir durch abirrung auf al%ufi entstanden zu sein ; ist etwas 
auf Soph. Tr. 1005 svvaaat zu geben, so könnte man vielleicht 
an evdop tviui,bii denken), 769 d^^ug ext/ja sraiaip slatdeiv qöog, 
771 sdftfiaaev statt tjlaaev , 772 ov oy 7 tj%&qyer 3 cög ffcoqppoa»' 
(wenn schon geändert werden soll, zöge ich Blomfields e/ucfQoov 
vor). Wir kommen zum Philoktetes. Von den hier vorgebrach- 

vf/ua)i>, wobei tcevt 1 t/us mißfällt, ebenso die Wortstellung; ich dachte 
an äg/ag <T txflytj rijg tayr/s icov vs/ucvy (die quantität des a ist be- 
kanntlich schwankend). 



Nr. 4. 57. Griechisches drama. 261 

ten coujekturen schließen sich mehrere an bemerkungen Naucks 
an und können daher , falls diese sich nicht als begründet er- 
weiseD, nicht gehalten werden. Dazu rechne ich v. 91 ol yng 
ahoi' -inSt (der folgende vers mit Nauck gestrichen), 255/6, wo 
der verf. oi'xadt . . in^dufiov mit Nauck streicht und im anschlusse 
an Blaydes Ifids noi schreibt (aber Naucks bemerkuug ist nicht 
gerechtfertigt ; Philoktetes erkennt aus den Worten des Neopto- 
lemos , daß er jüngst nach Troia gekommen ist-, er mußte also 
von dem geschicke des Philoktetes doch schon in Skyros etwas 
vernommen haben, und sicher von der heimath desselben her, 
wenn eine künde dahin gedrungen wäre); 258 ibrvy[ovi>tsg (ye- 
Xäai aiy' 1 sxoitsg erkläreich nicht „sie lachen sich ins faustchen", 
sondern fasse ff// '?i<)izic für sich „stillschweigen (über mich) 
beobachtend, meiner nicht mit einem worte gedenkend", weshalb ye- 
fcöoiv evTV%nvt7£S überflüssig ist); 278 näg zweimal statt noV 
(mir genügt Wunders erklärung) , 372 i/xo) statt ovroi (weder 
nothwendig noch wahrscheinlich), 526 ny' ti doxe? (scheint nicht 
geboten),. 934 niXag unX 1 (man muß co/ioi täXag mit dem vorher- 
gehenden verbinden roig avtsidooit). Die anderen vorschlage 
sind folgende: 55 sAooi statt Xtyoov (verträgt sich iXmv mit ix- 
xljxptig? Xiycav ist so gesagt, als ob folgen sollte ozav a ?Qata 
. . *A. nalg\ durch leyeiv wird aber leyoji wieder aufgenommen), 
294 'Svlai (gewiß dem herrschenden sprachgebrauche entspre- 
chend , aber doch kaum nöthig) , 324 üv^idi y. dtjT«. (was wohl 
niemand der conjectur Bruucks vorziehen wird ; war &vfibv durch 
einen ganz gewöhnlichen fehler zu Ov/aw geworden, so müßte 
mtg'i in xt'Qu geändert werden ; wen wird übrigens die Zusam- 
menstellung von XE/PA und AHTA überzeugen?), 425 oöanzQ 
tji Xoyog (beachtenswerth), 440 xa) xpnqioiat ivi rtigi (rsnyoi ist 
„pfiffig"; bei xpoqotoi hätte Neoptolemos nicht aufOdysseus ver- 
fallen können ; über den genetiv kann ich nach dem , was in 
den commentaren steht, nichts weiter sagen), 1048 0/noog statt 
si6i, 1266 QÜnToirn statt nefunotjsg , 1383 ocpsXog tl Xiyoi 
statt mqnloiutiog (könnte man nicht an tatpeXäv &eovg denken?), 
1384 i) Ti uiit statt /] 'ti' ifiai. Darnach wird man sich über 
die von dem verf. geübte kritik leicht auch ganz unabhängig 
von der anschauung des berichterstatters ein urtheil bilden können. 
Ich verkenne den werth und die bedeutung des buches 
sicher nicht. Der verf. beherrscht den Sprachgebrauch der tra- 
Philol. Anz. XVII. 18 



262 58. Aischylos. Nr. 4. 

giker vollkommen ; freilich muß man hiebei immer bedenken, 
über welch kleinen theil dieser litteratur wir verfügen. Hätten 
wir diese im größeren umfange erhalten , so würden manche 
bedenken schwinden und manche vermuthung würde nicht aus- 
gesprochen werden. Seine conjecturen drängen mit sehr wenigen 
ausnahmen nichts den dichtem auf, was ihrer denk- und aus- 
drucksweise widerspricht. Sie zeugen von großer gewandtheit 
und werden fast immer durch passende belege unterstützt. Oft 
erweitert sich die begründung zu excursen, die reiche Sammlun- 
gen für redeweisen, grammatische eigenthümlichkeiten, arten von 
fehlem u. s. w. enthalten und als ein wahrer schätz zu betrach- 
ten sind. Bei dieser gelegenheit werden stellen aus Euripides, 
der anthologie und späteren prosaikern behandelt und zwar 
mehrfach in überzeugender weise. Die vermuthungen sind viel- 
fach geistreich und sehr anregend; sie werden auch dann, wenn 
sie nicht evident oder wahrscheinlich sind , für die künftigen 
kritiker belehrend und zum richtigen weisend wirken. Wir wir 
schon früher bemerkt haben , können überhaupt , nachdem die 
gröberen fehler verbessert sind, nur wenige änderungsvorschläge 
auf allgemeine anerkennung anspruch machen. Am meisten 
leuchten einige kleinere besserungen ein, z. b. Aesch. Sept. 1025 
cbde statt 7<w<5f, Hik. 522 idpia statt Tatra, Soph. El. 528 rl 
ydg', statt // yuQ ; über die anderen werden die ansichten viel- 
fach sehr auseinandergehen. Die commentare und besonders 
die kritischen anhänge zu den einzelnen dramen werden allmäh- 
lich das hier vorliegende material verarbeiten und würdigen, 
und so wird sich ja herausstellen , was bleibender gewinn ist 
und was nur vorübergehend wirkt. Noch eins muß ich hervor- 
heben , daß der verf. auch manche stellen gegen Verdächtigun- 
gen in schütz genommen und trefflich erklärt hat, z. b. El. 573, 
Phil. 271 u. s. w., wodurch das, was er in dem Vorworte sagt, 
bestätigt wird. Es versteht sich daher von selbst, daß niemand, 
der sich mit der kritik der tragiker beschäftigt, des Studiums 
dieses buches entrathen kann. 

Karl Schenkt. 

58. De praepositionum usu apud Aeschylum. Comm. acad. 
scripsit E. Laiin. Upsaliae 1885. 4. 57 p. 

Verf. hat sich die aufgäbe gestellt, die von Menge (deprae- 



Nr. 4. 58. Aischylos. 263 

positionum usu apud Aeschylum. C4ott. 1863) bei seite gelas- 
senen praepositionen fr, avv, (isra, aucpC, 7it-Qt, tiuqÜ, tiqoi,', snC, 
vtio , in ihrem aischyleischen gebrauch zu untersuchen. Verf. 
hat der Untersuchung offenbar viel fleiß und Sorgfalt gewidmet, 
auch zeigt er sich in der neuern deutschen und englischen lit- 
teratur hinreichend bewandert. Wenn trotzdem für die Wissen- 
schaft nicht eben viel dabei herauskommt, so ist die schuld an 
diesem geringen erfolg verschiedenen umständen beizumessen. 
Zu bedauern ist es schon , daß verf. wegen Zeitmangels (p. 1) 
die composita von der erörterung hat ausschließen müssen. 
Grade die ursprüngliche bedeutung einer praeposition erkennt 
man nicht selten aus ihren Zusammensetzungen sehr deutlich, 
und über nichts sind wir so wenig unterrichtet, als wie über 
die art und weise der Zusammensetzung und die bedeutung der 
composita bei Aischylos ganz im allgemeinen. Beweis z. b. 
die behandlung, welche das wo;-t xgeiooSzeitvot; Sept. 769 ge- 
funden hat, ein attributives compositum interessantester art, das 
man hätte erklären, nicht aber äudern sollen (tpQiaaoiixvcov Stan- 
ley, •Avoamix* oov Hermann, xosmaort^i a>r Donaldson, cpv&TexvcovQ) 
BreyJ. Doch davon ein ander mal. 

Zu bedenken ist ferner , daß Aischylos als ein attischer 
dichter sich betreffs der praepositionen im wesentlichen innerhalb 
der grundzüge attischen Sprachgebrauchs gehalten haben wird. 
Beweis die vorliegende Untersuchung , in der man lange nach 
nicht bereits allbekannten thatsachen suchen kann. Hätte verf. 
seine aufgäbe zu einer fruchtbringenden gestalten wollen , so 
hätte er sie weiter fassen, sie auf die drei tragiker und die 
fragmente ausdehnen müssen, um eine antwort zu gewinnen auf 
die frage : sind die Jüngern tragiker in sprachlicher hinsieht in 
den bahnen des meisters gewandelt, oder haben sie eigene wege 
eingeschlagen, mit andern worten, ist Aischylos auch auf diesem 
gebiete als schöpfer eines tragischen stils anzuerkennen? Eine 
derartige erörterung könnte einen dankenswerthen beitrag zu 
einer geschichte des tragischen Sprachgebrauchs liefern. So, 
wie verf. den stoff behandelt, erhält man wenig mehr als eine 
paraphrase des lexikons, und man wird doch immer wieder lie- 
ber zu letzterem greifen , insofern es das material bequemer, 
weil übersichtlicher geordnet bietet, als die manchmal recht 
breite darstellung des verfs. Einer wissenschaftlich befriedigenden 

18* 



264 58. Aischylos. Nr. 4. 

Lösung der aufgäbe hinderlich zeigt sich auch der Standpunkt, 
den verf. der kritik gegenüber einnimmt : nullam coniecturam un- 
quam ipse protuli ea causa adductus , quod acervum coniecturarum 
minus probabilium in dies sane ad immensum crescentem aliis augere 
nolebam, quum certam emendationem me facere posse plane diffiderem. 
Deshalb folgt er dem urtheil der besten gewährsmänner Her- 
mann, Dindorf, Weil u. a. Wir werden solch bescheidener selbst- 
beschränkung unsere achtung nicht versagen, aber wissenschaft- 
lich ist ein derartiges verhalten kaum zu rechtfertigen. Da 
grade die optimi critici in zweifelhaften fällen himmelweit ausein- 
anderzugehen pflegen , sieht verf. sich nicht selten in die 
läge versetzt, zween herren dienen zu müssen. Während er 
im text eine stelle nach der einen auffassung behandelt , fin- 
det er sich in der anmerkung mit der andern ab, gewöhn- 
lich mit der bemerkung quae et ipsa probanda est. Diese Un- 
sicherheit der kritischen grundlage führt zu mancher gewagten 
behauptung. So gleich im anfang (p. 2) , wo tiv als unaischy- 
leisch bezeichnet wird, weil Suppl. 883 tu ttvgatg verderbt sei. 
Wir sind noch lange nicht so weit um über diese stelle ein be- 
stimmtes urtheil abgeben zu können. Für tri führt er Ag. 78 
als beleg an , wo er doch wenigstens berücksichtigen mußte, 
daß von den neueren mehrere ivC anzweifeln. Wie der stelle 
beizukommen ist , weiß ich nicht ; nur darauf sei aufmerksam 
gemacht, daß die worte ' Aqt]q Ö'ovh in x^ija wohl heißen kön- 
nen: „die kriegstüchtige mannschaft ist nicht im lande". 

Für die feststelluug der bedeutung einer praeposition wichtig 
wird die textkritik z. b. : 

Sept. 611 nag' uGnitHo^ yviirwdti- agnuaai dogv. 
Verf. stellt diesen fall mit Suppl. 205 o/nfiazog nag" 1 ijGt'%ov zu- 
sammen — schwerlich mit recht. Die ersterer stelle vorausge- 
henden verse: 

(Sept. 609 f.) yigovta 70i voiir, aiujy.it S" 1 i/ßojoai qvsi, 
nodojy.tg v/jfjiu, jjfiioa d ov ßgi&dvi trat 
schildern den Lasthenes als schnell mit dem äuge und nicht 
minder rasch mit der band um — von der schildseite her (nag'' 
ttuzr/ooc) den entblößten speer (?) zu packen. Was das heißen 
soll, fasse ich einfach nicht. Und versteht man nug } </ßnt'Sng 
along side of the shield (Paley) , so bleibt immer noch yv/ucoOev 
$üqv zu erklären. Ein „nacktes Schwert" wäre verständlich und 



Nr. 4. 58. Aischylos. 265 

Lowinski schlägt deshalb frischweg fy'cpng statt 8ogv vor. Das 
geht nun freilich nicht, aber ändern werden wir müssen, um 
sinn in die worte zu bringen. Ich glaube, JOPT ist aus äEM.AE 
verlesen , keine schwere änderung , da und § , FT und M 
leicht verwechselt werden konnten. Die verse noSäxeg opipia, 
jffTp« 8 <>v ßgix8ivstai nag 1 uaiidoc yv/Avco&sv agnuaai Seuag be- 
deuten demnach: sein äuge und seine hand sind hurtig genug, 
um den leib (des gegners) in dem augenblicke mit raschem 
wurf zu treffen , wo er neben dem Schilde sich ungedeckt zeigt. 
Zu 77«o !'.<j7u'8oj vgl. ^/, 468 TrXevQa, tu ni stvxpavri nug 1 ar>nt- 
8og ?h(fcic/r\))] '/foni'^Hi heißt „rasch packen", „mit raschem 
griffe festhalten", wie 'tgitn^sm ror x(uq('v, Hauptaufgabe des 
antiken kriegers war es, den augenblick zu erspähen (nobäxs!; 
ouutt , ein echt aischyleisches bild) , in welchem die brüst des 
gegners sich vom schilde ungedeckt zeigte , und dann mit ra- 
schem wurf (ythiu 8'nl ßgctdirtrai) die bloße zu treffen (agnciaai d. i. 
gleichsam festhalten, wie rt:i> xaigav). Auf diese weise soll Teja, 
der letzte Ostgothenkönig, umgekommen sein. 

Nach unserer auffassung der stelle hätte nag aaniSog mit 
Suppl. 205 nichts zu thun , ist vielmehr neben w«o' aanlda 
TJ, 312 zu setzen. Ueberhaupt ist die methode des verfs. , die 
praepositionen mit zwei oder drei casus nach den letzteren zu 
behandeln, eine gar zu äußerliche. Voranzustellen war überall 
die grundbedeutung ; von ihr aus die verschiedenen möglichkeiten 
der Verbindung zu erklären, auf sie die einzelnen fälle zurück- 
zuführen, versprach eine lohneudere aufgäbe zu werden, als eine 
derartige Umschreibung des lexikons. So ist es eine rein äußer- 
liche auffassung, wenn verf. (p. 41) bemerkt: Deinde praepositio 
e {sie !) adiectivis passivae significationis suspenso, de persona ita di- 
citur , ut originem famae vel existimationis alicuius ex aliquo repeti 
significet , ut Eu. 882 sqq. ngbg vtearigue rnoi — uii^tni; eggeiv 
et q. s. Auf die ngvq in derartigen fällen innewohnende be- 
deutung kommt es an, nicht, ob es originem famae vel existima- 
tionis alicuius ex aliquo repeti, bezeichnet. Verfs. behauptung 
nohe rearioag an obiger stelle gehöre sowohl zu nrifiog wie zu 
togttv ist nicht richtig: es gehört zu uti/aoc vgl. Eu. 678 rrobg 
vumv näg rt&si&' attnftqiog w ; die vom verf. aus Kühner entnommene 
Thukydidesstelle I, 71 8qÖ>(aev ut uSixor oi/dsv ovis ngog dedüv pvts 
ngog äiftgconav hätte er zur erklärung von Aesch. Sept. 311 f. 



266 59. Euripides. Nr. 4. 

&en&av nfQ&ofth'ai' atifitog benutzen können, wo Heimsoeth ns- 
dodev schreiben und Wecklein (Stud. p. 55) unter vergleichung 
mit größer erklären wollte: „zusammen mit göttern". ßsoQsv 
atificog ist soviel wie ngog demv nttucog oder in dtäiv dtifimg 
(Ag. 1278 ov ft!]v arifiol y' sx Oecov re&v^Ofjisv). 

Die behandlung der stelle Ag. 1029 zeigt so recht deutlich 
die schaukelnde methode des verfs. Zuerst betont er, nugd ard- 
9fAi]v heiße immer secundum amussim , also dürfe man auch an 
vorliegender stelle nicht anders erklären. Dann meint er, man 
könne entweder diese auffassung beibehalten mit einschieb ung 
einer negation, oder man könne mit Meineke niga 67a&ficcv 
schreiben. 

Die worte o* ö' ovnor iXaiaavreg rj/xtjauv y.a\wg | ooftot rs 
dovloig näi>ra xa) nugd atä&firjv sind vollkommen heil. Kly- 
taimestra will sagen : emporkömmlinge , welche in beständiger 
furcht leben ihrer jungen würde etwas zu vergeben , sind un- 
freundlich gegen ihre diener und kommen ihnen nur so viel 
entgegen, als es nach strengem recht (nugd otd&'pqv) unver- 
meidlich ist. Eine herrschaft von altem adel und reichthum 
hat es nicht nöthig, auf ihre würde so ängstlich bedacht zu sein 
und kann, ohne dieselbe zu gefährden, ihre untergebenen men- 
schenfreundlich behandeln — eine der größten Wahrheiten , die 
Aischylos ausgesprochen hat Die in den Schlußworten der 
Klytaimestra liegende furchtbare Zweideutigkeit £%stg nag tjnäv 
oidneg vofil^stai, bedarf keiner erläuterung. 

Verf. liest Sept. 931 1=770 8s ßo'/tari ydg nXoltog dßvnoog 
sarai und auch Wecklein hat diese lesart beibehalten. Ich 
verstehe nicht, was hno aojftari yäg heißen soll, finde auch om//a 
nie von der erde gesagt. Sollte Blomfield wirklich nicht recht 
gehabt haben, als er im^an vorschlug? — Die vom verf. bei- 
gegebenen Übersetzungen kann man sich meistens gefallen lassen. 
Immer sieht man freilich nicht ein , für wen sie bestimmt sind. 
Wer z. b. Ag. 427 opfxuzog 8'iv dpjviaig zogst niig ' Aqgo8lra 
nicht versteht, wird auch durch die Übersetzung in oculorum ino- 
piis omnis venustas perit nicht aufgeklärt werden. Die beziehung 
auf Helena war doch hier vor allem anzudeuten. 

Richard Hildebrandt. 

59. De hyporchemate amoebaeo quod est in Euripidis Cy- 



Nr. 4. 60. Herodotos. 267 

clope praef. est J. M. Stahl (Ind. lect. sem. aest. MDCCCLXXXVII 
Monast.). 4. 13 p. 

Der ausgezeichnete Thukydidesforscher erfreut uns in vor- 
liegendem programme mit werthvollen beitragen zur Euripides- 
kritik. Ist es schon an und für sich interessant, zu erfahren, 
wie Stahl über gewisse schwierige stellen denkt, so wird der 
werth der arbeit noch erhöht durch den streng methodischen 
gang der Untersuchung. Er schreibt 490 axaiög , air<p8bi> ra^« 
mavoofitrog (sehr ansprechend), 499 f. inl dnufoiatr avQog iki- 
8att]g tjmv sTufgag, wobei wir uns besonders gefreut haben, daß 
die schöne erklärung der worte 502 QvQav rig ni'^ei ptoi\ als 
anfang eines nuQuxluvaCdvQot (Musgrave) wieder zu ehren ge- 
bracht wird. 511 wird ixnsgag (für innsga), 512 <Cxa\bv olv^> 
spileiv ri a tjuäg, 513 \vyva 5' u/tunti ndXui <spr (für 8äia aov) 
vermuthet. Auch sonst enthält die abhandlung manche inter- 
essante bemerkung, z. b., daß nanan't 503 prae ebrietate lalantis 
ist, nunanul dagegen dolentis et mirantis. Die abhandlung sei 
der beachtung jedes freundes der griechischen tragiker bestens 
empfohlen. 

Richard Hildebrandt. 

60. A. Kirchhoff, über ein selbstcitat Herodots (VII, 
213). Sitzungsberichte der königlichen academie der Wissen- 
schaften Berlin 1885. p. 301—320. 

61. Th. Gomperz, über den abschluß des herodoteischen 
geschichtswerkes. Sitzungsberichte der phil.-hist. classe der kai- 
serlichen akademie der Wissenschaften. CXII, II, p. 507 — 531. 

Th. Gomperz hatte in seinen Herodoteischen Studien (Si- 
tzungsberichte der kaiserlichen academie der Wissenschaften CHI, 
I, p. 141 und II, 521 ff.) sich gegen die zuerst von Dahlmann 
aufgestellte behauptung , Herodots werk liege in unvollendeter 
gestalt vor , von neuem ausgesprochen '). Seine erörterungen 
haben Kirchhoff bestimmt, diese frage, die er in seinen abhand- 
lungen ,,Ueber die entstehungszeit des herodoteischen geschichts- 
werkes" nur leicht berührt hatte , wieder aufzunehmen ; in sei- 
ner beweisführung beschränkt er sich aber im gegensatz zu 
Gomperz, der sich mehr auf allgemeine gesichtspunkte stützt, 

1) Zum ersten male in der Zeitschrift für österreichische gymna- 
sien 1859, p. 820. 



268 60. Herodotos. Nr. 4. 

auf einen einzigen, ganz bestimmten fall, nutzt diesen aber voll- 
ständig für seinen zweck aus und zieht aus ihm, ohne rechts 
oder links zu sehen, unerbittlich seine folgerungen. Darin liegt 
der Vorzug der Kirchhoffschen beweisführung, aber auch, meines 
erachten s, seine schwäche. 

Es handelt sich um die stelle VII, 213, wo Herodot ver- 
spricht bei einer späteren gelegenheit auf Ephialtes tod zurück- 
kommen zu wollen, ein versprechen, das in dem uns vorliegen- 
den geschichtswerk nicht erfüllt ist tmd das damit nach Kirch- 
hoff, sofern man nicht Herodot planlosigkeit oder lässigkeit vor- 
werfen darf oder im texte eine lücke annehmen kann, über den 
rahmen des erhaltenen werkes hinausweist. Beide eben genann- 
ten möglichkeiten hält Kirchhoff für ausgeschlossen , und dies 
zu erweisen ist der zweck seiner schrift. Zunächst wird bei 
sämmtlichen stellen, in denen Herodot seine leser auf eine spä- 
tere darstellung verweist (VI, 19—77; I, 75— -107-, II, 38 — 
III, 27-, II, 161— IV, 159; V, 22— VIII, 137; VI, 39—103), 
durch eine eingehende besprechung gezeigt, daß überall be- 
wußte Überlegung und bestimmt erkennbare gründe für das von 
Herodot eingehaltene verfahren vorhanden sind. Eine ausnähme 
machen abgesehen von unsrer stelle nur die beiden Verweisungen 
(I, 107 und 184) auf die ' yiaavgioi löyoi, die bekanntlich eben- 
sowenig im Herodot vorhanden sind als die genauere erzählung 
vom tode des Ephialtes, für deren nichtVorhandensein aber Kirch- 
hof! auf seine in seinen früheren abhandlungen dargelegten 
gründe — die durch Herodots auswanderung nach Thurii ver- 
anlaßte Unterbrechung in der ausarbeitung — verweist. Aus 
alle dem folgt für Kirchhoff, daß Herodot auch VII, 213 mit 
bewußter Überlegung gehandelt hat. Um nun zu beweisen, daß 
die vermißte erzählung in dem auf VII, 213 noch folgenden 
theil des geschichtswerkes gar nicht gestanden haben könne, 
unterscheidet er zwei fälle ; entweder sei die geschichte als in- 
tegrierender bestandtheil der erzählung gleichzeitiger ereignisse 
oder als episode aufzufassen. Für beide fälle aber gilt, daß im 
texte selbst sich nirgends eine lücke erweisen läßt 2 ). ,,Nur al- 

2) In betreff der randbemerkung zu VIII, 120 im Passioneus „kti- 
novßt mi^oi, x il , die als beweismittel verwerthet ist , daß dort eine 
lücke im texte sei, bemerkt Kircbboff „mit demselben recht könnten 
diese worte besagen, die hinter vea folgenden zwanzig zeilen fehlten 
in einem andern exemplar, das ich verglichen habe". Da im texte 



Nr. 4. 60. Herodotos. 269 

lein durch die Voraussetzung, es habe in dem Zeiträume, welchen 
das achte und neunte buch behandeln , ein ereignis sich zuge- 
tragen, welcbes zur haupthandlung in einer mehr oder weniger 
nahen beziehung stand und von dessen darstellung der ver- 
sprochene bericht einen integrierenden bestandtheil ausmachte, 
die erzählung dieses ereignisses aber, also nicht wenige Zeilen, 
sondern ein stück der darstellung von bedeutend größerem um- 
fange sei durch einen zufall verloren gegangen , läßt sich eine 
entfernte möglichkeit für die annähme gewinnen , daß Herodot 
die versprochene angäbe vor dem ende des neunten buches bei- 
gebracht habe. Ein solches ereignis aber ist sonsther nicht be- 
kannt und seine hypothetische setzung leidet an so hochgradi- 
ger unwahrscheinlicbkeit, daß uns nicht zugemuthet werden kann, 
mit einer solchen möglichkeit zu rechnen". Aehnlich äußert er 
sich über die zweite möglichkeit, daß das stück eine episode 
gebildet habe, nur mit dem zusatz, daß dann, da sich nirgends 
eine stelle nachweisen lasse , wo die episode hätte eingeschaltet 
werden können, ein noch größerer abschnitt mit der episode aus- 
gefallen sein müßte. 

Nach dieser beweisfiihrung, deren resultat Kirchhoff für ab- 
solut sicher hält, erörtert er mehr anhangsweise die frage, bei 
welcher gelegenheit etwa Herodot die versprochene erzählung 
hätte einfügen können. Ephialtes floh aus furcht vor der räche 
der Spartaner nach Thessalien, d. h. c. 478; denn vor dem 
verschwinden der Perser aus Mittelgriechenland hatte er von 
jenen nichts zu fürchten. Einige zeit nach der ächtung durch 
die Amphictyonen , die ebenfalls 478 erfolgt sein wird, kehrte 
er nach Anticyra zurück und fand dort seinen tod. Zurück- 
kehren konnte er aber erst, nachdem Spartas einfluß im norden in 
folge von Leotychides verunglücktem zuge nach Thessalien gebrochen 
war (476/75). Nach dessen abzug mag Ephialtes zurückgekehrt 
sein , und bei gelegenheit der erzählung von Leotychides zug 
hätte Herodot auf Ephialtes zurückkommen können. 

Gegen diese vermuthung macht Gomperz mancherlei gel- 
tend, woraus ich nur das eine hervorheben will , daß Ephialtes 

keine lücke bemerkbar ist, wird man mit dieser randbemerkung we- 
nig anfangen können ; daß aber Kirchhoffs erkläruog irgend jemand, 
abgesehen von denen, die sich gewöhnt haben auf das wort des mei- 
sters zu schwören, befriedigen wird, möchte ich bezweifeln. 



270 61. Herodotos. Nr. 4. 

doch auch den sprach der Amphictyonen , der nach so kurzer 
zeit unmöglich schon in Vergessenheit gerathen sein konnte , zu 
fürchten hatte. Was nun aber die hauptsache betrifft, so giebt 
sich Gomperz durchaus nicht gefangen. Er weist darauf hin, 
daß , da wir von der person des Athenades , des mörders des 
Ephialtes, gar nichts wissen, es uns völlig unmöglich ist zu be- 
stimmen, ob an irgend einer stelle des achten und neunten bu- 
ches eine einschaltung möglich oder nicht möglich war. Herodot 
mochte sich auf einem höhepunkte seiner geschichtserzählung, in 
der Schilderung der Thermopylenkämpfe , nicht länger als es 
unbedingt nöthig war , bei Ephialtes aufhalten. Der anlaß zur 
ermordung desselben mochte sich nicht mit wenigen Worten er- 
zählen lassen, und so könnte die rücksicht auf die künstlerische 
öconomie ihn bewogen haben , die haupterzählung zu entlasten 
und jene erzahlung einer späteren stelle vorzubehalten. Der 
Zusammenhang des einzuschaltenden berichtes mit irgend welchen 
begebenheiten des achten und neunten buches konnte ein sehr 
enger oder auch von recht loser art sein ; kurz die totale Un- 
kenntnis des inhaltes jenes in aussieht genommenen berichtes 
und unseres autors ausgesprochene Vorliebe für abschweifungen 
aller art sprechen nach Gomperz' meinung gegen Kirchhoffs be- 
hauptung, es sei unmöglich und undenkbar, daß Herodot jene 
meidung an irgend einem punkte des erhaltenen werkes habe 
einfügen wollen. Nach seiner meinung steht die frage noch auf 
demselben punkte wie vor Kirchhoffs schrift, d. h. jene stelle 
im siebenten buche kann von denen , die auch aus anderen 
gründen Herodots werk für unvollendet halten, mit vollem recht 
mit als beweis verwendet werden; wer aber aus schwer wie- 
genden gründen zu dem entgegengesetzten Schlüsse gekommen 
ist, wird das recht haben einer geringfügigen dispositionsverän- 
derung und einer hinzutretenden achtlosigkeit des autors oder 
auch einem zufall der Überlieferung die schuld an dem nicht- 
einlösen des Versprechens zu geben. Am Schlüsse hebt er noch 
hervor, daß, da Herodots werk nicht mitten in einem satze oder 
mitten in einer geschichtspartie abbreche, demjenigen die last 
des beweises zufällt, der das werk für einen torso erklärt, und 
daß derselbe vorgebrachte beweisgründe der gegner seiner an- 
sieht nicht ignorieren darf. Erwähnt muß endlich auch noch 
werden, daß Gomperz mit vollem recht Verwahrung einlegt gegen 



Nr. 4. 61. Herodotos. 271 

den ton selbsteigener Unfehlbarkeit, der sich durch die ganze 
Kirchhoffsche abhandhing hindurch unangenehm bemerkbar macht, 
und gegen Unterstellungen, wie sie sich in folgenden Worten zei- 
gen „obgleich ich die auffassung , welche ich vertrete , für die 
allein richtige und einzig mögliche immer gehalten habe und 
noch halte, so bilde ich mir doch nicht ein, durch meine darle- 
gung irgend jemand überzeugt zu haben oder überzeugen zu 
können, der aus irgend einem gründe von dem wünsche beseelt 
ist, daß die dinge sich anders verhalten möchten". 

Nachdem ich beide Verfasser habe reden lassen , habe ich 
nur wenig zuzusetzen. Gegen Kirchhoffs beweis würde sich 
nichts erhebliches vorbringen lassen , wenu man die frage nur 
nach der stelle im siebenten buche betrachten dürfte. Nun sind 
aber von Nitzsch, Gomperz a. a., ganz neuerdings noch von E. 
Meyer (Rhein, mus. XLII, p. 142 — 146) eine reihe zum theil 
recht beachtenswerter gründe vorgebracht worden, die die ab- 
sieht Herodots , die darstellung der geschichtlichen ereignisse 
über den rahmen des erhaltenen hinaus noch weiter fortzusetzen, 
mindestens doch zweifelhaft machen. Meyer zählt in seinem 
kurzen artikel eine reihe von ereignissen aus der zeit , deren 
Schilderung nach Kirchhoffs ansieht in der absieht Herodots lag, 
auf, die in seinem werke erwähnung gefunden haben, ohne von 
einem hinweis auf eine künftige darstellung begleitet zu sein. 
Ich hebe hieraus als besonders wichtig die erzählung von den 
Vorgängen in Eion bei der eroberung der Stadt durch Kimon 
(VII, 107) hervor, die, wenigstens was das benehmen der Perser 
betrifft, nicht bloß eine vorläufige oder bloß andeutende ist, wie 
es sich sonst zuweilen bei Herodot findet, sondern so sehr ins 
einzelne geht , daß Herodot an einer späteren stelle wohl kaum 
etwas hätte zusetzen können. Hinzufügen möchte ich auch noch, 
daß Kirchhoffs folgeruugen aus der art und weise von Herodots 
Verweisungen auf eine spätere darstellung doch nur stichhaltig 
sind, wenn wir für die beiden stellen I, 107 und 184 eine be- 
sondere erklärung zulassen. Wem aber weder Kirchhoffs hypo- 
these — und eine hypothese ist es doch nur , und zwar eine 
solche, gegen die von verschiedenen seiten erhebliche bedenken 
geltend gemacht sind , die freilich von Kirchhoff nicht beachtet 
werden („auf grund der Vorstellung , die ich durch anderweite 
gründe genügend gesichert glaubte und noch glaube betrachten 



272 62. Iosephos. Nr. 4. 

zu dürfen" sagt er jetzt von derselben) — noch die andere 
ansieht, nach der in den ' AnavQim Xöyoi ein besonderes buch 
beabsichtigt war , genügt , der wird eben diese beiden stellen 
unter demselben gesichtspunkte wie die im siebenten buche be- 
trachten und daraus den Schluß ziehen, wie dies auch von meh- 
reren Seiten geschehen ist, Herodots werke fehle nur die letzte 
feile. Er mag beabsichtigt haben, ' 4aavQioi Inyoi zu schreiben, 
bei der weiteren ausarbeitung hinderte ihn aber die anläge sei- 
nes werkes diese geschichte aufzunehmen ; für die geschichte des 
Ephialtes und Athenades, die er im siebenten buche nicht weiter 
ausführen wollte , mochte er später entweder keine geeignete 
stelle gefunden oder auch das an sich unbedeutende ereignis 
übersehen haben. Es stehen eben dann sechs erfüllte zwei (oder 
drei) nicht erfüllten versprechen gegenüber; jene Verweisungen 
wären natürlich bei einer genaueren durchsieht vor der heraus- 
gäbe gestrichen worden. An eine lücke in der Überlieferung, 
die natürlich an sich möglich ist, vermag ich nicht zu glauben. 

H. Kallenberg. 

62. Flavii Iosephi opera edidit et apparatu critico in- 
struxit Benedict us Niese. Vol. II. Antiquitatum Iudai- 
carum libri VI— X. Berolini apud Weidmannos MDCCCLXXXV. 
(VIII und 392 p.). 

Von der neuen ausgäbe der werke des Flavius Iosephus, 
die Benedictus Niese mit kritischem apparat erscheinen läßt, ist 
am schluß des Jahres 1885 der zweite band zuerst erschienen. 
Derselbe enthält außer einer kurzen praefatio buch 6 — 10 der 
Archäologie, worin die zeit von dem tode Elis bis zum ende der 
babylonischen gefangen schaff behandelt wird. Prolegomena über 
die textgeschichte, welche schon im jähre 1845 von W. Dindorf 
versprochen wurden, dürfen wir in Nieses erstem band erwarten. 
Bis dahin bleibt jedes urtheil über die arbeit ein vorläufiges. 

Die anordnung der neuen ausgäbe ist folgende. Am an- 
fang jedes buches finden sich die bei Bekker fehlenden indices, 
welche nach A. v. Gutschmid von Iosephus selbst herrühren. 
Unter dem strich werden zuerst die biblischen und sonstigen 
quellen mitgetheilt , die ebenfalls weder bei Bekker noch bei 
Dindorf gegeben sind, und dann der kritische apparat. 

Eine neue ausgäbe des Iosephus gehört schon lange zu den 



Nr. 4. 62. Iosephos. 273 

lebhaftesten bedürfnissen für alle, die auf dem gebiet der alten 
geschichte arbeiten, denn die bisherigen editionen fußten noch 
auf dem ganz unzureichenden material, das Siegbert Haverkamp 
1726 zusammengetragen hatte. Selbst die meisten nachtrage, 
welche die Bekkerscke ausgäbe zu der 10 jähre früher erschie- 
nenen Dindorfschen gab, waren aus dieser quelle geschöpft, und 
die 1871 von Julius Wollenberg veröffentlichten Constantinischen 
excerpte nuji uyeifjg x<u xuxia^ des codex Peirescianus (saec. X) 
in dem Programme du College royal francais. Berlin 1871 haben 
bis jetzt noch in keiner ausgäbe Verwendung gefunden. — 
Durch die neue edition wird zum ersten male den Studien über 
Iosephus eine sichere grundlage gegeben. 

Die beste Überlieferung wird repräsentiert durch die Codices 
B und 0, (Oxonieusis bibl. Bodleianae miscell. graec. no. 186 
saec. fere XV) , beide sind abschritten desselben Originals. 
(Ueber B = cod. Parisinus bombyc. 1421 saec. XIV vergl. J. 
A. Fabricius Bibl. Graeca ed. Harles t. V, p. 23). Die andern 
handschriften sind stark interpoliert. Auch die sehr alte und 
genaue lateinische Übersetzung , für die feststellung des textes 
sonst von höchstem werthe, weist, namentlich in den eigennamen, 
die deutlichsten spuren einer correctur nach Septuaginta und 
Vulgata auf. Als hauptquelle für diese Übersetzung benutzte 
Niese den cod. Ambrosianus (saec. VI), vielleicht sind es reste 
der handschrift des Cassiodor selbst. 

Obwohl der cod. Peirescianus älter ist als irgend eine die 
erste decade der jüdischen Archäologie enthaltende griechische 
handschrift, so bieten doch diese constantinischen excerpte für 
die textkritik des Iosephus nicht so reiche ausbeute, wie man 
erwarten sollte. Bedeutender als die von den epitomatoren ge- 
übten gewohnheitsmäßigen änderungen ist hierfür der umstand, 
daß die lesarten des excerptes mit denen der interpolierten 
handschriftenklasse vielfach übereinstimmen (vgl. z. b. VIII, 6, 5. 
— VIII, 7, 6. — VIII, 10, 4.) Daß auch die von Suidas benutzte 
textesrecension zu dieser klasse gehört , darf unser urtheil nicht 
irre machen. Charakteristisch ist die stelle IX, 10, 1, wo von 
Ierobeam II. die rede ist. In Übereinstimmung mit 4 Beg. 14, 24 
heißt es dort erst : ovrog o l^aaiXsvg ra usv eu; top &eor iiji^iazijg 
xu) nu(jüiO{Ao<j dtaäJi! iyeieio xr/., und dann fährt der text nach 
einer beschreibung dieser gottlosigkeit in BO weiter fort: tw öe 



274 62. Iosephos, Nr. 4. 

"kaöp rööv Iagut]).(Tmv [AVQicor n y n & öS v airin^ vnfjQXS. Dem re- 
daktor der interpolierten handschriftenklasse verstieß diese an- 
tithese zu sehr gegen das kirchliche bewußtsein. Unmöglich 
konnte ein abgöttischer könig von segen für das volk sein. Wir 
lesen deshalb bei MSP Exe. Suid. iüj> ds (Exe. xut reo Suid. 
oi," zw) law tÖ)v /aQatjliTmv /ivgi'oav xaxmv aizioQ vnrjQ%£i, was 
weder mit 4 Eeg. 14, 25, noch mit dem was bei Iosephus folgt 
übereinstimmt. Am nächsten verwandt ist das excerpt mit M 
(cod. 381 bibl. Marcianae) vgl. dafür p. 12 z. 5; p. 62 z. 15; 
p. 69 z. 17; p. 70 z. 22; p. 77 z 7; p. 80 z. 1. z. 17; p. 
81 z. 12; p. 106 z. 19; p. 107 z. 5. z. 11; p. 108 z. 2. z. 14; 
p. 109 z. 5. z. 17; p. 110 z. 3; p. 229 z. 15; p. 234 z. 18. 
z. 19; p. 235 z. 1. z. 9; p. 254 z. 7 ; p. 313 z. 17; p. 314, 
z. 13. 14; p. 373 z. 5; p. 374 z. 4. z. 10. z. 14. z. 18 u. s. w. 
An einzelnen stellen nimmt der epitomator selbständig eine Ver- 
änderung vor, so bei der erscheinung, die nach Antt. IX, 10, 4 
der könig Usia im tempel gehabt haben soll. Da heißt es in 
allen handschriften ytyyog y).iov lapnQov i^eXafxtye xal t^ tov 
ßaaiX'm*; oxpei jigo^insnev. Allein das excerpt hat, wohl in 
folge einer sacherinnerung an Actor. 26, 13 Xatingöregor. — 
Auch erklärende oder abrundende zusätze werden in dieser hand- 
schriftenklasse eingeschoben. Wo das excerpt von M abweicht, 
hat dies gewöhnlich darin seinen grund, daß es gegen den hiatus 
gleichgültig ist wie p. 62 z. 11, und daß es keine krasen und 
apostrophirungen anwendet, wie p. 12 z. 11 und p. 234 z. 1. — 
Daß von 35 hier in betracht kommenden conjeeturen Bekkers 
17 mit dem text des excerptes übereinstimmen, hat schon Wol- 
lenberg gezeigt. Manche dieser Übereinstimmungen haben übri- 
gens nicht den werth von handschriftlichen bestätigungen, sondern 
zeigen nur an, daß die Bekkersche conjeetur schon in Byzanz gemacht 
ist. Mit recht hat Niese p. 69 z. 11 gegen alle andern Codices 
das vom excerptor und von Bekker geforderte nudovra statt 
HaQötn in den text gesetzt. Nicht mit Bekker stimmte das ex- 
cerpt VI, 14, 4 (p. 80 z. 13), wo es mit MPS im bot. Aber 
HO haben richtig rö. Ebenso werden Bekkersche lesarten durch 
R gegen OMPS p. 117 z. 20 und p. 236 z 27 gehalten. Aehn- 
lich p. 160 z. 9; p. 144 z. 3. Die vorzüglichkeit der hand- 
schrift ß, sowie die nahe Verwandtschaft von O mit derselben 
ergiebt sich recht augenscheinlich aus VIII, 13, 4. Dort lesen 



Nr. 4. 62. Iosephos. 275 

MPS sxaiov sv rn?g vtioyetoig aii]luioig XQVXpai 77poqr>//7«y. 
Dindorf konnte in Jahns Jahrbüchern 99 p. 839 noch darauf 
hinweisen, daß hier alle handschriften das compositum von yrj 
mit ti schrieben und darauf gestützt die forderung stellen , daß 
die anderwärts überlieferten formen vnoyaiog, vnöyatov geändert 
werden müßten. An unserer stelle bietet vnoyüooig. Dies 
könnte man als vnnyaioig zu lesen sich versucht fühlen. Doch 
bliebe es immerhin auffallend , daß weder der hebräische urtext 
noch die Septuaginta den mindesten anhält bieten , die höhlen, 
in denen Obadja die propheten Iahves verbarg, für unterirdische 
zu halten , und wenn Iosephus aus der tradition zahlreiche Zu- 
sätze zur biblischen erzählung gemacht hat , so erwartet man 
aus dieser quelle eine örtliche fixierung der höhlen. Daß wir 
es in dem zusatz in der that mit der verwerthung einer solchen 
tradition zu thun haben , zeigt die lesart von R v n o rü g i g. 
Diese Ortschaft wird B. J. 3, 6, 3 als Stadt, vita 71 als dorf 
bezeichnet. Ohne zweifei gehörte sie zu dem kränz von dörfern 
oder flecken, der das hoch auf der spitze des berges gelegene 
Sepphoris rings umgab. Bei seinem aufenthalt dort im jähre 67 
konnte Iosephus leicht von der localtradition kenutnis nehmen, die 
uns durch cod. R erhalten ist. 

Daß übrigens die in RO erhaltene Überlieferung nur eine 
relativ von interpolationen freie ist hat schon J. v. Destinon 
ausgesprochen (Die Chronologie des Iosephus, Kiel 1880 p. 24). 
Er hat beachtenswerthe gründe dafür geltend gemacht, daß in 
dem codex, aus welchem RO geflossen sind, die zahlen der pa- 
triarchen methodisch durchcorrigiert erscheinen , während Iose- 
phus selbst nichts anderes gegeben habe als die Zahlenreihen des 
hebräischen textes. 

Von principieller Wichtigkeit ist nun die frage , wie nach 
dieser neuen ausgäbe über die spräche des Iosephus zu 
urtheilen sei , resp. welche Stellung der herausgeber in dieser 
beziehung einnimmt Zunächst handelt es sich dabei darum, 
ob bei den Schriftstellern der xonij überhaupt die handschrift- 
liche Überlieferung so schlecht ist, daß der ganze Sprachcharakter 
der autoren seine ursprüngliche einheitlichkeit verloren hat , so- 
daß wir nach denjenigen stellen , die mit dem attischen über- 
einstimmen, die übrigen zu corrigieren hätten. Erst kürzlich hat 
G. Kratt unter beistimmung von H. Stich gegen solche nivelli- 



276 62. Iosephos. Nr. 4. 

rungsversuche moderner atticisten in seiner dissertation De Ap- 
piani elocutione eine reihe von gründen angeführt. Iosephus 
verwendet nun allerdings größere Sorgfalt auf den stil als der 
auch in historischen einzelheiten nachlässige Appian. Das war 
schon durch die aufgäbe , welche er sich stellte, gegeben. Er 
will ja nichts anderes, als [itracpQii^ttv rag 'Eßyaimr ßifiXavg eig 
r\v 'EWüSa ylmrtav. Daß er sich dieses ziel steckte, nachdem 
die Septuaginta schon vorhanden war, zeigt, daß es ihm auf 
die form wesentlich ankam, und wenn er sich rühmt v.ai tmv 
l E).X?p mär 8e yga^fAiutjüv ianovdaaa /j£Ttta%tiv , rijv yQct[A[ACt.Tt}itjv 
ifinsigCav ui>aA«.ßoöv, so erkennt man aus seinen Schriften selbst, 
welche fortschritte er bei der seltenen elasticität seines reich 
begabten geistes in der beherrschung des fremden idioms machte. 
Daß er nach seinem eigenen geständnis in der Schrift gegen 
Apion sich fremder beihülfe in bezug auf den ausdruck bediente, 
d. h. doch wohl, von andern die letzte feile anlegen ließ, zeugt 
für und nicht gegen die Sorgfalt , die er auf die form verwen- 
dete. Daß er aus vornehmer familie war und einer sehr sorg- 
fältigen erziehung sich rühmen konnte , kann man freilich nicht 
mit W. Diudorf in Jahns Jahrbüchern 99, p. 830 dahin geltend 
machen , daß er schon früher im griechischen unterrichtet sein 
müsse. Denn wenn auch das im Talmud sich findende verbot 
eines solchen Unterrichts zeigt, daß derselbe innerhalb des rab- 
binischen judenthums vorgekommen war (vgl. Schürer, Geschichte 
des jüdischen volkes im Zeitalter Jesu Christi II, p. 45), so 
waren das doch gewiß immer ausnahmen, und Iosephus selbst 
führt als entschuldigung für die mangelnde eleganz seiner 
Sprache am Schluß seiner Archäologie die ausschließliche concen- 
tration seiner erziehung auf das jüdische gesetz und die schrift- 
gelehrsamkeit an. Diese entschuldigung dürfte freilich mehr von 
eitelkeit als von bescheidenheit dictiert sein, und wenn ein so 
feiner kenner wie Ernesti seinem stil hohes lob ertheilt, so kann 
man vielleicht an die moderne erscheinung Moses Mendelssohns 
erinnern, der sich auch das reine Schriftdeutsch erst durch eigene 
arbeit erobern mußte, ehe er es gewandt beherrschte. Bei Io- 
sephus' spräche ist sehr viel lehngut; gleich der titel seiner 
Archäologie ist dem Dionys von Halikarnaß nachgeahmt. Hier 
dürfte noch ein reiches feld für philologische beobachtungen 
sein, zu denen schon Ernesti aufforderte. 



Nr. 4. 62. Iosephos. 277 

Bei dieser Sachlage wird man es gewiß nur anerkennen 
können, daß die neue Iosephus- ausgäbe in sofern einen conser- 
vativen charakter trägt , als sie sich durchaus nach dem hand- 
schriftlichen thatbestande richtet. Es werden sogar auf die auc- 
torität von EO hin schlechtere formen hergestellt , wo Bekker 
die besseren hatte. So schreibt Niese VII, 4, 2 xQovafMxzcür, 
während Bekker auf grund von MS 2 PSuid. x^ov^idrojv bietet; 
ebenso die reflexivform avtog rs £#£«<,' iv avrw, wo Bekker nach 
MPS aavzw giebt. Diesem princip zu liebe scheut der herausgeber 
auch inconsequenzen nicht. So lesen wir als acc. pluralis von 
ßovg p. 323 z. 5 und p. 346 z. 2 die richtige form ßovg. P. 7 
z. 3; p. 8 z. 4; p. 162 z. 2 ; p. 185 z. 11; p. 253 z. 4 hin- 
gegen die falsche form ßöag. — Hierzu möchte ich auf den 
umstand hinweisen , daß an den erstgenannten stellen die Sep- 
tuaginta ein anderes wort hat, nämlich [i6o%og , während die 
form ßöag überall aus den parallelstellen der alexandrinischen 
Übersetzung eingefügt werden konnte. — Daß auf diese weise 
manche Verderbnisse des Iosephus - textes zu erklären sind , hat 
schon Ernesti Opuscula philologica 2 p. 397 zu Antt. VI, 4, 4 
gezeigt. In einem andern falle sind die besseren formen durch 
anschluß an die lesarten von BO hergestellt. P. 80 z. 18 ist 
für aooovg , was die andern handschriften bieten, aus der Über- 
lieferung x«t locog BO nach Dindorfs Vorgang xal amg gemacht. 
(VI, 14, 4). P. 137 z. 7 ist die form aäovg nach OE in £aovg 
geändert, was in den Zusammenhang tov re nartgu Htsietr avxov 
xul tovg ovv avro) £a>ovg dvu^etv vortrefflich paßt, s. Xenoph. 
Hellen. I, 2, 5. — In andern fällen war auf grund der Über- 
lieferung die einheitlichkeit des ausdrucks nicht herzustellen. 
P. 20 z. 20 lesen wir mit BO und den übrigen nugadidSaciv, 
p. 341 z. 10 nagudtdovaiv, p. 350 p. 12 öidöaati'. 

Aber der herausgeber bindet sich keineswegs sklavisch an 
die lesarten von BO, sondern er verfährt unter umständen auch 
eklektisch. P. 31 z. 3 wird gegen die auctorität von BOM mit 
SPE die lesart svaifia statt des verderbten st> a'i^ati hergestellt, 
was schon Ernesti forderte. P. 47 z. 6 wird in dem satz 
davl8i]g onoi not'' uqlxono xaTWQ&ov neu diEvngayöiv sdeixvvTO 
das in EOME überlieferte onov geändert. 

Es ist zu bedauern, daß bei dem fehlen der prolegomena 
der leser der neuen ausgäbe in mancher beziehung sich selbst 
Piniol. Anz. XVII. 1!) 



278 63. Propertius. Nr. 4. 

überlassen ist. Recht nutzbar kann der kritische apparat doch 
erst durch die textgeschichte werden , und auch die Verdienste 
des herausgebers wird man dann erst voll und ganz würdigen 
können, wenn er über seine kritischen grundanschauungen in 
bezug auf einen in mancher beziehung so eigenartigen Schrift- 
steller seine leser aufgeklärt haben wird. 

Sparsam zu interpungieren ist modern. Derjenige deutsche 
klassiker, der uns wegen seines klaren stils noch lange ein mu- 
ster bleiben wird, theilte nicht die meinung, daß durch zu viele 
zeichen die deutlichkeit leide. Kein deutscher klassiker hat so 
viel interpungiert wie Lessing. Möchte doch in den späteren 
theilen des werks dies wesentliche hülfsmittel des Verständnisses 
mehr zur anwendung kommen. Hierin unterscheidet sich die 
Teubner'sche ausgäbe von der Weidmann'schen noch zu ihrem 
vortheil. 

Druck und ausstattung lassen nichts zu wünschen übrig. 
P. 7 z. 3 ist ein spiritus abgesprungen und p. 158 z. 5 fehlen 
anführungszeichen. — Die neue praktische paragrapheneinthei- 
lung wird sich gewiß bald einbürgern. 

C. Franklin Arnold. 

63. Frö'de'ric Plessis, Etudes critiques sur Properce 
et ses elegies. Paris, Hachette et Cie. 1884. 327 p. 

Im ersten capitel dieser fast alle die Properzkritik bewe- 
genden fragen erörternden oder wenigstens berührenden Studien 
zerstreut Plessis die zweifei, die sich gegen das alter des Nea- 
politanus erhoben haben. Ich glaube , daß nach seinen gründ- 
lichen darlegungen , bei denen er sich des rathes so trefflicher 
kenner wie Delisle und Chatelain erfreute , niemand mehr an 
den an sich schon unwahrscheinlichen vermuthungen von L. Müller 
und E. Bährens mehr festhalten wird. Der Neapolitanus ist 
saec. XII/XIII geschrieben und repräsentiert die beste Überlie- 
ferung, die von Bährens herangezogenen handschriften sind erst 
in zweiter linie zu benutzen. Wenn für viele dies resultat nach 
beiden seiten hin schon früher feststand, so ist es doch nicht ohne 
werth, daß es jetzt noch einmal im einzelnen erwogen und fest- 
gestellt worden ist. Ein facsimile von sechs blättern gibt jedem 
die möglichkeit, sich ein getreues bild von der handschrift zu 
machen. An die besprechung des Neapolitanus schließt Plessis 



Nr. 4. 63. Propertius. 279 

eine aufzählung der übrigen ihm bekannten Properzcodices an. 
Das zweite capitel berichtet mit umsichtiger und sachkundiger 
kritik über die ausgaben (cf. auch p. 326) von der editio prin- 
ceps an und die Übersetzungen , das dritte behandelt die frage 
nach der eintheilung in vier oder fünf bücher. Wer die jemals 
gegen die Lachmannsche hypothese vorgebrachten gründe kennen 
lernen will, findet hier das material beisammen; neues bringt 
der verf. selbst nicht gegen sie vor; wer III. 5, 9 sq. als einem 
dritten buch angehörig und für die existenz eines solchen zur 
zeit der abfassung der betreffenden elegie entscheidend ansieht, 
wird sich auch durch Plessis' ausführungen nicht von der Un- 
richtigkeit dieser auffassung überzeugen lassen. 

Im vierten abschnitt wendet sich Plessis zu der frage 
nach den interpolationen im Properztext des zweiten buches und 
bespricht die von Heimreich , Carutti , Weber u. a. verlangten 
athetesen 1 ) von II, 1, 17 sq. 10, 7. 8; 14, 11.12; 23, 23.24; 
24, 1—8; c. 26. 28 b , 49 — 50; 30, 19 — 22; 34 b , 61 — 64. Im 
allgemeinen bewahrt er eine conservative haltung und bietet in 
seinen die annähme von fälschungen widerlegenden ausführungen 
manche feine bemerkung über sinn und Zusammenhang der be- 
handelten stellen, ohne für Sprachgebrauch oder metrik eigene 
beitrage zu bieten ; öfter vermißt man die nöthige umsieht in 
der Interpretation und die nöthige Vertiefung in den gedanken 
z. b. II, 30. Am gelungensten scheint eine besprechung von 
II, 34 b , 61 — 94, obwohl hier weder das von ihm beibehaltene 
Vergilio auch nur mit einer sylbe erklärt oder der schwierige 
vers 83 irgend wie behandelt wird. Ich glaube, daß abgesehen 
von einer lücke im zweiten buch der text des Properz im all- 
gemeinen ohne starke Störung und interpolation uns überliefert 
ist; am verdächtigsten scheint mir immer noch V, 5, 55 sq. 
(= I, 2. 1 sq.) ; die sonstigen athetesen haben sich bei genaue- 
rer Interpretation noch immer als unrichtig erwiesen. Plessis 
versucht die von ihm angenommenen corruptelen aus dem argen 
zustand des archetypus zu erklären; II, 23, 24 (er hätte die 
conjeetur Birts Rhein, mus. 1883, p. 216 vües statt nullus we- 
nigstens erwähnen sollen; für II, 1 sind ihm die bemerkungen 
Vahlens, Bericht der Berliner akademie 1882, p. 279 unbekannt 
geblieben) soll ein ursprünglich von einem Schreiber an den 

1) Der Verfasser citiert nach Bährens. 

19* 



280 63. Propertius. Nr. 4. 

rand geschriebener, später in den text eingedrungener vers sein. 
Ich glaube, er ist so echt wie der vorhergehende, indem er mit 
einführung eines neuen gedankenelements (volet) das vorherge- 
sagte in engstem anschluß an dasselbe verallgemeinernd ab- 
schließt. II, 24, 1 — 8 sollen unecht sein und ebenso 9 — 16, 
oder sie sind — auch diese möglichkeit gibt der verf. zu — 
in folge der verderbniß des archetypus durch die versuche der 
abschreiber bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ich finde in dem 
gedichtchen , dessen zwei theile so eng wie I, 8 a und 8^ und 
V, 1, 1 — 70 und 71 — ende zusammenhängen , keinen grund zu 
dieser annähme ; die echtheit desselben könnte schon die nach- 
ahmung Ovids (Am. III, 1, 21 sq.; bei Properz ist das sis gegen 
Neapolitanus beizixbehalten) beweisen. In der schönen elegie 
II, 26 nimmt Plessis — interpolationen erkennt er in dieser 
nicht an — einen doppelten , vom dichter selbst herrührenden 
Schluß in den seiner ansieht nach sich einander ausschließenden 
distichen 17 sq. 19 sq. an: während nämlich Plessis im übri- 
gen vorsichtig alle unerwiesenen hypothesen abweist, folgt er doch 
hier der ganz unerwiesenen und ganz unerweislichen ansieht, 
daß Properz selbst nur' lib. I ediert habe und daß die spuren 
aller möglichen Unordnung sich erklären lassen mit dem hin- 
weis , der dichter habe den text der übrigen bücher nicht 
für die publication abgeschlossen. Eine vorurtheilslose prü- 
fung wird die bedenken gegen den schluß von II, 26 
ebenso abweisen wie die Bährens'sche Umstellung von v. 11 sq. 
nach v. 18: der dichter sieht den delphin des Arion wohl her- 
beikommen , aber damit ist doch seine Cynthia noch nicht ge- 
rettet , und deshalb und um selbst zur Sicherung zu thun , was 
er kann, will er sich ins meer stürzen um ihr beizustehn. An 
der erklärung von II, 30, 19 — 22 (hier war die emendation 
von C. Brandt Quaest. Prop. p. 18 zu erwähnen: nunc tarnen 
(immerito !) Phrygias potes e. q. s.) verzweifelt Plessis : diese ele- 
gie soll aus zusammenhangslosen fragmenteu von drei oder vier 
gedichten bestehen , so daß hier wiederum spuren der Verderb- 
nisse des archetypus hervorträten (p. 153). Ich kann Plessis 
in keiner beziehung recht geben : die elegie hat allerdings kri- 
tische Schwierigkeiten, aber wenn man nur v. 1 den vocativ de- 
mens auf einen freund und v. 14 vita auf Cynthia bezieht, — 
wer sich über diesen Wechsel der angeredeten pevson wundert, 



Nr. 4. 63. Propertius. 281 

der vergleiche, um nur ein, aber ein ganz sicheres beispiel an- 
zuführen, Tibull I, 3, 1 (Messalla) und 23 (Delia) — so ergibt 
sich einheit des inhalts ohne jede künstliche Interpretation ; mit 
v. 19 wird deutlich auf v. 1 zurückgewiesen. 

P. 171 — 193 handeln über namen und Vaterland des dich- 
ters ; hier schließt sich Plessis den resultaten Haupts an, obwohl 
er IV (V), 1 , 125 (coli. v. 65) die glänzende conjectur Lach- 
manns (Assisi) nicht annimmt, sondern trotz der deutlichen hin- 
weise der codd. arcis schreibt. Die erklärung des Lacus Umber 
V, 1, 124 auf eine stelle im lauf des Clitumnus hätte Plessis 
schwerlich beibehalten , wenn er Nissens bemerkungen (Ehein. 
mus. XX, p. 219 und Italische landeskunde I, p. 310) gekannt 
hätte; das notis penatibus ib. v. 121 kann sich kaum auf etwas 
anderes als die herkunft des Properz beziehen. 

Aus dem der Chronologie gewidmeten abschnitt ist beson- 
ders hervorzuheben, daß Plessis im gegensatz zu Lachmann, 
Eschenburg, Luetjohann und Hertzberg zu dem resultate kommt, 
das auf das discidium fallende jähr (peccaram semel et totum sum 
pulsus in annum) gehöre selbst mit in die durch Properz bezeugte 
fünfjährige dauer des liebesverhältnisses mit Cynthia (quinque 
tibi potui servire fideliter annos) und zwar (s. auch p. 242) in 
den anfang desselben; er nimmt (p. 225) als geburtsjahr des 
dichters 47 oder 46 a. Ch. (resp. ein jähr zwischen 58 und 43) 
an : mehr als eine allgemeine richtigkeit beansprucht er für 
diese annähme nicht ; ein sicheres resultat wird sich hier über- 
haupt nicht finden lassen. Für das erste buch sucht er im all- 
gemeinen chronologische Ordnung der elegien (el. 1 ist zuletzt 
gedichtet, el. 16 neben 20. 21 eine der ersten, el. 2 soll nach 
3. 4 geschrieben sein) nachzuweisen , s. auch Scharf Quaest. 
Propert. Halle 1881, p. 12 sqq. — Ueber I, 1, 5 sagt Plessis 
p. 2 1 4 : Je crois que Properce designe par le mot castae puellae 
toutes les fernmes que Von peut decemment aimer, pour lesquelles on 
peut eprouver un veritable amour. M. Haupt erklärte in seinen 
Vorlesungen, mit castae puellae bezeichne der dichter verallge- 
meinernd seine Cynthia ; und dies halte ich für allein zutref- 
fend. Die behauptung p. 205 adn. Ovide riavait que quatorse 
ou quinze ans quand Tibulle est mort ist ein starker irrthum. In 
betreff der erklärung von IV, 16, 9 Peccaram semel et totum 
sum pulsus in anuum schließt sich Plessis der vermuthung Knauths 



282 63. Propertius. Nr. 4. 

an, der aus dem Zusammenhang einen hinweis auf ein ähnliches 
vergehen, wie das hier erwähnte (der dichter habe den wünsch 
der Cynthia nicht erfüllt) folgern zu können meint , nicht auf 
eine treulosigkeit des dichters. 

In der biographie (p. 237 — 45) stellt Plessis alles, was wir 
über das leben des Properz wissen , zusammen. Wenn er er- 
klärt, die erwäbnung der bulla aurea V, 1, 131 könne die rit- 
terliche abstammung des Properz nicht beweisen , so kann er 
damit recht haben, denn diese ist im VII. saec. ab u. c. nur Signum 
ingenuitatis, cf. M. Voigt , Bericht der Leipziger gesellschaft der 
Wissenschaften 1878, p. 186, adn. 128. Die ackervertheilung, 
durch die das vermögen des Properz geschmälert wird, ist auch 
nach Plessis die von 41 a. Ch. Daß nach dem durch IV, 25 
bezeugten bruch mit Cynthia, der von den meisten als definitiv 
betrachtet wird, das verhältniß trotzdem noch fortgedauert habe, 
vermuthet er p. 243; dafür hätte er auch auf Postgate, sei. ele- 
gies p. XXIV sqq. verweisen können. Daß das V(IV) buch 
nach des dichters tod veröffentlicht sei, bezweifle ich auch jetzt 
noch, s. Philol. anz. 1882, p. 390 sq. 

Wenn in der sich hieran anschließenden Untersuchung über 
die gescbicbte der elegie Plessis den versuch macht, die elegie 
als eine nicht vom metrum abhängige , sondern lediglich nach 
dem inbalt zu bestimmende dichtungsgattung zu definieren , so 
stellt er sich damit in gegensatz zur auffassung des gesammten 
alterthums von Aristoteles (Ars poet. p. 1447 1 *) bis zu Diomedes 
und Beda (s. Reifferscheid Sueton. rell. p. 18), und wenn er 
diese au point de vue de la critique pure für nicht legitime hält und 
die elegie erst von Philetas und Callimachus datiert, so verläßt 
er damit den historischen boden; in ihren anfangen gehören eben 
auch elegie und epigramm zusammen, s. K. 0. Müller , Griech. 
literaturgesch. I, p. 21 1 sq. 2 ). Eine gelungene Charakteristik des 
Properz als dichter schließt die reihe der abhandlungen, wenn- 
gleich auch hier manche kritische und litterargeschichtliche be- 
hauptung, wie besonders die über den einfluß des Ovid auf 
Properz — in Wahrheit verhält sich die sache gerade umgekehrt 

2) Wenn Plessis p. 277 behauptet, Korn schreibe Ovid. ex P. III, 
1, 58 ohne grund Bittide, während alle codd. die silbe Ba böten, so 
ist dies ein starker irrthum ; die lesart Bittide beruht auf der auto- 
rität des cod. Harnburgensis der coabit tibi de hat. 



Nr. 4. 64. Martialis. 283 

— , über die poetische eigenart Tibulls, über das nachleben des 
dichters Widerspruch hervorrufen wird , resp. berichtigung nö- 
thig macht. 

Mit wohlthuender wärme empfiehlt Plessis seinen landsleuten 
das Studium und die richtige Würdigung des Properz. Daß er diese 
paräuese nicht ohne seitenhiebe auf die beschäftigung mit dem 
dichter in Deutschland schreibt, wird man mit Unbehagen, aber 
ohne Überraschung lesen. Man beurtheile, sagt er p. 300, in 
Deutschland den Properz cVune moniere assez juste dans Vensemile 
mais superficielle. Dabei hat Plessis wenige seiten vorher das ur- 
theil M. Haupts seiner besprechung zu gründe gelegt; freilich 
gibt er über diesen die verblüffende behauptung zum besten, 
daß dieser sei un esprit excellent, frangais en plus cVun point. 
Auch sonst finden sich (z. b. 248. 258) hämische bemerkungen 
über deutsche arbeiten , während doch die resultate resp. das 
material derselben fast ausschließlich die grundlage seiner aus- 
einandersetzungen bildet. 

Angefügt sind als probe einer in Vorbereitung begriffenen 
ausgäbe , in der Plessis mehr als in der des Italicus (Homerus 
Latinus) den anforderungen der Wissenschaft entsprechen möge — 
und diese sowie die andern in der Untersuchung selbst sich finden- 
den proben berechtigen zu dieser annähme — , drei elegieen 
mit kritischem commentar: I, 2. III (IV), 12 (Postume plorantem) 
undIV(V),l 1. — 1,2,13 liest Plessis richtig = Neapolitanus persuadent 
(ebenso jetzt Vahlen s. Bericht der berliner akademie 1881 , p. 
340); III, 12, 25 Castro, decem annorum, Ciconum mons Ismara 
capta, v. 38 vincet (codd. vincit), v. 30 hält er für corrupt. Zu 
V, 11 (dazu s. auch p. 288) gibt er folgende eigene conjectu- 
ren : v. 21 assideant fratres iuxta Minoa: sed astet . ., v. 30 
Clara Numantinos regna locuntur avos (peut-etre vasta, nota ou lata), 
39 statt stimxdantem, was er im text läßt, peut-etre : stimulat quem, 
v. 40 feras statt tuas , 53 vel cui iam extinctos nach Vatic. m 2 
und Val. Max. I, 1, 7. In den additions p. 327 erklärt er, 
daß er für III (IV), 15,(14), 3 mit Carutti (p. 45) die lesart 
des Neapolitanus amicus aufzunehmen geneigt sei. 

R. Ehwald. 

64. M. Valerii Martialis epigrammaton libri. Kecognovit 
Walther Gilbert. Lipsiae in aedibus B. G. Teubneri 1886. 



284 64. Martialis. Nr. 4. 

65. M. Valerii Martialis epigrammaton libri. Mit erklä- 
renden anmerkungen von Ludwig Friedländer, professor 
in Königsberg. 2 bände. Leipzig, verlag von S. Hirzel 1886. 

Vor uns liegen zwei werke, zu deren erscheinen die Wis- 
senschaft allen grund hat sich glück zu wünschen , zwei werke 
der hierzu berufensten gelehrten, welche sich mit seltener unei- 
gennützigkeit zu eifrigstem meinungsaustausche verbanden und 
nun dessen reife fruchte den liebhabern lateinischer muse dar- 
bieten. Nur unter jener Voraussetzung aber war es möglich, 
den durch einen Zwischenraum von 11 jähren (1842 — 1853) 
von einander getrennten grundlegenden ausgaben F. G. Schnei- 
dewins zu gleicher zeit zwei gegenstücke an die seite zu geben, 
die mehr oder weniger das gepräge ein und derselben hand an 
sich tragend , in verschiedener hinsieht gegen den bisherigen 
stand der kenntnis Martials einen namhaften fortschritt, wenn 
auch nicht einen völligen abschluß, zu dem es wohl niemals 
kommen wird, bedeuten. 

Um mit Walther Gilbert zu beginnen , so hat derselbe in 
einer reihe von Veröffentlichungen , zumal im Dresdener schul- 
programm vom jähre 1883 „Ad Martialem quaestiones criticae" 
und in seinen „Beiträgen zur textkritik des Martial" eine glän- 
zende probe seiner fähigkeit abgelegt, dem mannigfach ver- 
derbten autor durch tieferes eindringen in seine geistigen und 
sprachlichen eigenthümlichkeiten und durch Unterscheidung der 
handschriften nach ihrem wahren werthe , die echte gestalt zu- 
rückzugeben. In der praefatio seines buches redet er zunächst, 
weniger ausführlich allerdings hier als in dem betreffenden abschnitt 
der Friedländer'schen ausgäbe, von den fällen, in denen er sich 
genöthigt sah, orthographische änderungen vorzunehmen. Auf- 
fällig hiebei ist, daß nicht selten die sämmtlichen handschriften 
entgegenstehen. Diese änderungen beziehen sich namentlich auf 
die vokale e, ae , oe, auf c und ch, die Setzung von o nach v, 
die Gilbert nur noch in Volcane V, 7, 5 (obwohl R und T in 
einem lemma Vulcane haben), volva (in XI, 61, 11 gegen die 
handschriften und Schneidewin) , volsus (in VIII, 47, 2 gegen 
die handschriften und Schneidewin) und volsellae gelten lassen 
will, ferner auf cu und quu (z. b. cocus , coeuntur , relicus , aber 
antiqims). Die substantivendung ii zieht verf. mit Schneidewin 
regelmäßig in i zusammen , ebenso behält er die griechischen 



Nr. 4. 64. Martialis. 285 

ausgänge bei und fügt nur Jiemitritaeos neu hinzu; Encolpos, wel- 
ches Gilbert gerne aufgenommen hätte , finden wir bei Fried- 
länder wirklich. Die akkusativendung is wird durchgehends 
verworfen, von den Zahladverbien einerseits totiens, quotiens, an- 
derseits quinquies, decies etc. geschrieben ; die assimilation unter- 
bleibt , wofern auch nur ein besserer codex dies begutachtet, 
s nach ex wird stets ausgestoßen. Aus den von der Schneide- 
winschen Schreibart abweichenden einzelnen Wörtern mögen nur 
hervorgehoben sein : Atlans, cansea, coclea und cocleare (zweimal 
gegen die handschriften), culix, havere, hirnea, paelex, schida, spon- 
gea, tisana, tubures, unguere. Bei einigen Wörtern ist eine schwan- 
kende Schreibung angenommen, so affuit und adfuit, arridere und 
adridere, assiduus und adsiduus, imbellis und inbellis, tinguere und 
tingere (letzteres zweimal mit allen handschriften, doch hat Fried- 
länder tinguere, wohl wegen der analogie von unguere), iantaadum 
und ientaculum. In XII, 77, 4 könnte divom genitor immerhin 
richtig sein, ebenso caupo an den stellen, an welchen der dich- 
ter nicht der volksthümlichen Sprechweise huldigt. 

Die dem text vorangeschickten kritischen noten enthalten 
1) alle lesarten der zwei Schneidewinschen ausgaben, wo diese 
unter sich selbst verschieden sind oder der verf. von ihnen ab- 
weicht, 2) die des Scriverius, wo entweder Schneidewin in sei- 
ner zweiten ausgäbe oder verf. zu denselben zurückkehrte, 3) 
ansprechende vermuthungen anderer , 4) alle vom verf. für 
verderbt oder noch nicht für erklärt gehaltenen stellen , 5) die 
handschriftlichen lesarten, wo im text eine weniger sichere kon- 
jektur aufnähme gefunden hat, 6) alle lesarten eines theiles der 
handschriften , welche mit den in den epigrammen angeführten 
gleichen anspruch auf richtigkeit erheben können. Indem wir 
die gedrängte besprechung des nun folgenden textes , der nach 
den in oben erwähnter schritt „Ad Mart. quaest. criticae" darge- 
legten gesichtspunkten hergestellt ist und dessen zahlreiche Ver- 
besserungen nicht bloß auf den jeweiligen Wortlaut und die 
wortschreibung, sondern auch auf wort- und versstellung und 
auf die interpunktion sich erstrecken, für den letzten theil un- 
sereres referates uns vorbehalten, wollen wir hier nur noch be- 
merken, daß, gleichwie der kleineren ausgäbe Schneidewins, auch 
der Gilbert'schen rezension ein index epigrammaton und überdieß 
ein index nominum sowie eine kurze aufzählung der auffüh- 



286 65. Martialis. Nr. 4. 

rungszeiten der einzelnen epigrarnmenbücher nach Friedländer 
hinzugegeben ist. 

Wenden wir uns nun zu prof. Friedländers für die Mar- 
tialforschung geradezu epochemachendem werke, um zunächst die 
gesammtanlage desselben kennen zu lernen. 

Eine einleitung von 140 seiten ergeht sich in erschöpfend- 
ster, überallhin licht verbreitender weise über Martials leben 
und gedichte (p. 1 — 26), Martials versbau (p. 26 — 50), die 
Chronologie seiner gedichte (p. 50 — 67), die Überlieferung des 
textes (p. 67 — 92) nebst einem anhang über die abstammung 
der drei handschriftenfamilien von drei texten (p. 92 — 96), ei- 
nem zweiten über den cod. F und die von Schneidewin mit 
ihm identifizierten handschriften von Karl Frobeen (p. 96 — 108) 
und einem dritten „Orthographisches von dr. W. Gilbert" (p. 
108 — 119); ein weiteres kapitel handelt von den ausgaben, 
woran sich außer verschiedenerlei aufklärungen zu den anmer- 
kungen noch ein besonderes Vorwort zum sogenannten Über spec- 
taculorum anreiht, wie ein solches sich auch dem XIV. buch 
vorgesetzt findet. 

Wiewohl nun ein jeder dieser theile für sich das größte 
interesse erregt und das Studium Martials aufs erheblichste för- 
dert, so werden wir begreiflicherweise doch aus demjenigen, 
welcher „das leben und die gedichte" des meisters zum gegen- 
stände hat, das höchste vergnügen und die vollkommenste be- 
friedigung schöpfen. Hier befand sich der gepriesene verf. der 
Römischen Sittengeschichte recht eigentlich in seinem gebiete und so 
hat er uns denn in anziehendster form den dichter und seine 
Schöpfungen fast ausschließlich aus diesen selbst vor die äugen 
geführt und zugleich mit spielender leichtigkeit, immer aber mit 
der ihn ganz besonders auszeichnenden ruhigen und zielbe- 
wußten Überlegung, irrthümer berichtigt und zweifei gelöst, so 
in bezug auf Martials vielgeschmähten charakter , seine Origi- 
nalität, die Ursache seiner häufigen nachlässigkeiten im aus- 
druck , den gebrauch fingierter und willkührlich gewählter na- 
men. In dem abschnitt über den „versbau des Martial" wird 
einer betrachtung des skazon und des phaläceischen hendeka- 
syllabus eine eingehende erörterung von Th. Birt über das 
elegische distichon angefügt, wobei zuerst der pentameter mit 
namentlicher berücksichtigung der synaloephe , dann der hexa- 



Nr. 4. 65. Martialis. 287 

meter, insbesondere die verschleifung in demselben und die an- 
wendung der hauptcäsuren zur spräche kommt. Die „Chronologie 
der epigramme Martials" stellt sich im allgemeinen als eine der 
römischen Sittengeschichte entnommene Wiederholung dar, jedoch 
mit mehrfachen auslassungen, Zusätzen und berichtigungen, haupt- 
sächlich nach den von Stobbe, Mommsen und 0. Hirschfeld er- 
zielten resultaten. Ein ungewöhnliches maß von fleiß und von 
Scharfsinn ist ferner der „Überlieferung des textes" gewidmet. 
Es werden uns hier die drei handschriftenfamilien vorgeführt, 
nämlich die familie R, die beste, aber sehr verstümmelte, beste- 
hend aus den codd. HRTM, die familie B, bestehend aus P$Q, und 
die familie C , welche wieder zerfällt in die klasse Ca mit den 
codd. EXABCGVF und den excerptenhandschriften Exe. Frisin- 
gensia, NDeO, und die klasse Cb , zu der unter anderen der 
Vindobon. 3, der Bononiensis, eine anzahl handschriften des XV. 
Jahrhunderts und die Bodleiani gehören. Mit welcher gründ- 
lichkeit Friedländer seine aufgäbe erfaßte, geht wohl am klarsten 
daraus hervor, daß er, um das handschriftliche material vollstän- 
dig aufzubringen, theils schon früher verglichene Codices selbst 
von neuem durchsah, wie (in Verbindung mit Rühl) den Thuaneus 
= T, theils durch andere vergleichen ließ, und daß er namentlich 
drei bisher wenig bekannte Codices, EFQ, zuerst ihrem ganzen 
umfange nach der Wissenschaft zugänglich machte. Cod. Q, der 
Arondellianus Gronovii , von Wallace M. Lindsay nach langer 
verschollenheit im britischen museum wiederaufgefunden und von 
ihm, J, H. Onions und Alfr. Goodwin kollationiert, ist eine aus 
dem späteren XV. Jahrhundert stammende papierhandschrift mit 
vielfach korrigiertem texte ; schon Schneidewin hat seine durch- 
gängige Übereinstimmung mit P hervorgehoben , doch diffe- 
rieren sie da, wo eine handschrift der familie C, vermuthlich aus 
der klasse Cb, mitbenutzt wurde. Der cod. E, eine pergament- 
handschrift des X. Jahrhunderts, steht der urhandschrift am näch- 
sten und ist dem cod. X sehr ähnlich. Schneidewin hielt ihn 
für den besten Vertreter der familie Ca und Lindsay, der E zwei- 
mal aufs sorgfältigste durchmustert hat , bestätigt diese ansieht 
durchaus. Cod. F oder Florentinus aus dem XV. Jahrhundert, 
wurde von Schneidewin irrthümlich zur fam. B gerechnet und 
für identisch mit dem von Beverland benutzten Florentinus (g, 
gl), sowie dem von Thomson für Scriver verglichenen Florentinus 



288 65. Martialis. Nr. 4. 

und des letzteren öfter genannten optimus betrachtet. Wie 
C. Frobeen , der diese schön geschriebene und vortrefflich er- 
haltene , trotzdem aber bisher fast unbekannte handschrift ge- 
nau kollationierte, in ausführlicher abhandlung im anhang 2 
auseinandersetzt , ist dieselbe nach einer vorläge der familie Ca 
kopiert, mit deren besten Vertretern, EXA , sie fast durchweg 
übereinstimmt; sie wurde aber nach einer guten handschrift der 
familie B korrigiert und nicht selten wirklich verbessert. Nach 
Frobeens endurtheile ist dieselbe bei aller Unselbständigkeit in- 
sofern nicht ohne werth, als sie, einer guten repräsentantin zweier 
familien entstammend, zuweilen eine willkommene stütze für les- 
arten der einen oder andern von ihnen abgiebt. 

Was ferner die „ausgaben Martials" anlangt, so ist die editio 
princeps vom jähre 1470 bereits von dem bald darauf ans licht 
getretenen ziemlich fruchtbaren kommentar des Dom. Calderinus 
begleitet. Einen wesentlichen fortschritt in der textgestaltung 
brachten die ausgaben des Holländers Adrian de Jonghe (Hadrianus 
Iunius) von 1559 und 1566, noch mehr die des Jan Gruytere (James 
Gruterus) von 1602, die auf Gruters text beruhende des Peter 
Schryver (Scriverius) von 1619 und besonders von 1621 und des 
Kornelius Schrevel von 1656, 1661 und 1670 mit J. F. Gronovs 
werthvollen anmerkungen. Fast zwei jahrbunderte blieb hierauf 
Martial der Vergessenheit anheimgefallen, bis D. F. W. Schneidewin 
seiner sich annahm, die verschiedenen gruppen der handschriften son- 
derte und übersichtlich ordnete, auch ihren werth im ganzen 
richtig beurtheilte und so für die textkritik eine neue grundlage schuf, 
welche vor ihm auch nicht annähernd bestanden hatte. Und 
wenn er auch, fährt Friedländer fort, die bedeutung von T 
überschätzte und geneigt war, der familie Ca vor der familie B un- 
gebührlich den vorzug zu geben , so ist es doch sein verdienst, 
den kritischen apparat für die feststellung des textes mit siche- 
rer methode und ebenso viel geschmack als gelehrsamkeit ver- 
werthet zu haben , wie auch er bereits einsah , daß der Schry- 
ver'sche Wortlaut zum großen theile zurückgerufen werden müsse. 
In neuerer zeit erwachte in England und Deutschland ein leb- 
hafteres interesse für Martial. In ersterem erschienen ziemlich 
schnell auf einander drei auswählen der epigramme : von Paley 
and Stone 1868 (und 1881), Stephenson 1880 und Sellar and 
Hamsay 1884, in Deutschland abgesehen vom I. buche von Joh. 



Nr. 4. 65. Martialis. 289 

Flach (1881) und beitragen von mehreren die Schriften Walther 
Gilberts und Friedländers , denen ein sowohl zwischen diesen 
als zwischen Friedländer und Munro über Martial geführter 
briefwecbsel ganz beträchtlichen Vorschub leistete. Für die er- 
klärung bot bis in die jüngste zeit die ausgäbe Scbrevels das 
beste hülfsmittel. Nachdem F. G. B. Schmieder und nach ihm 
Schneidewin an der herstellung eines neuen kommentares ver- 
hindert worden waren , ist auch dieses unternehmen L. Fried- 
länder gelungen und wir treffen daher in seiner «usgabe in 
unter einander liegenden abschnitten a) die mittheilenswerthesten 
kritischen noten , b) reminiscenzen und anklänge bei Martial 
an frühere und spätere von dr. Wagner, c) citate der betreffenden 
stellen bei grammatikern, scholiasten und mittelalterlichen Schrift- 
stellern, d) mit meisterhafter beschränkung und sachkenntniß ver- 
faßte erklärungen, die in der that das lesen zum genusse machen. 

Nicht wenig erhöht wird die nützlichkeit des buches durch 
ein register, umfassend I) ein namenverzeichnis von C. Frobeen, 
welches wieder abgetheilt ist nach mythologischen , geographi- 
schen und topographischen namen , nach autoren , historischen 
personen aus der zeit bis zur Schlacht bei Actium, nach römi- 
schen kaisern, wirklichen und fingierten privatnamen hauptsäch- 
lich aus Martials zeit und nach thiernamen ; II) ein Wörterver- 
zeichnis; III) ein register zur einleitung und den anmerkungen. 
Den schluß bilden berichtigungen und nachtrage, die sich aber, 
zumal aus dem Wörterverzeichnis (man vergl. Wölfflins Archiv für 
lateinische lexicographie IV. Jahrg. 1 hft. pp. 148 und 149 !), noch 
um manches vermehren ließen. So entdeckte ref. in band I p. 34 
unten: a Martiali, p. 41: „das charakteristischste", p. 100: respe- 
risse, 110 worte statt Wörter, 113 imbelles für inhelles, und bei 
nur flüchtigem nachschlagen in band II, p. 437 ebenfalls imbelles 
für inbelles bei IV, 74, 1 ; p. 463 bei neque statt bei nee die Zah- 
lenangabe VII, 20, 1 ; p. 498 bei saevus oryx XIII, 85, 2 statt 95,2. 

Noch erübrigt, ein wort über die gestaltung des textes 
in Gilberts und Friedländers ausgäbe zu sagen. Ref. kann 
auch in dieser hinsieht im großen ganzen unbedingt zustim- 
men , um so freudiger natürlich da , wo er auf dem wege 
eigenen nachdenkens schon früher zu denselben ergebnissen ge- 
langte ; es betrifft das im VII. buche 1, 2: comae (statt deae\ 
6, 8 invicius (statt invitus), 31, 9 colonus (statt Calenus), 32, 9 



290 65. Martialis. Nr. 4. 

in lento (statt in lecto), 51, 13 nolis licet (statt noles licet), 56, 1 
pia cepisti (statt pia percepsti) , 74, 9 ministrat (statt ministrei). 
Vielleicht wäre in VII, 15, 2 Gilberts vermuthung fugit (statt 
fugitat) zu befürworten, in VII, 17, 9 delicata, wie Gilbert an- 
zunehmen lust hat, als vokativ zu verstehen, und in VII, 54, 1 
das ebenfalls von Gilbert angeregte fera statt des von ihm auf- 
genommenen mala und des Schneidewinschen mera oder des 
Friedländer'schen tua (cf. VII, 38, 3) zu empfehlen. In der 
mehrzahl der ziemlich seltenen fälle , in denen die beiden her- 
ausgeber von einander abweichen , dürfte das recht jedoch auf 
seite des überlegenen weiterblickenden Friedländer zu suchen 
sein , so z. b. in III, 50, 6 : nee adhuc (Gilbert neque adhuc), 
was aber folgerichtig auch für XIV, 94: nee ardenti erfordert; 
VII, 31, 6: rure missa (Gilbert missa rure) , VII, 62, 1 und 5 
Hamille statt Amille, VII, 69, 9 laudarit (Gilbert laudavit). 

Ausnahmsweise glaubt ref. seine eigenen wege gehen zu 
sollen in VII, 14, 9 , wo er statt des ihm unbegreiflichen bis 
denos, mit Q, Heinsius und Schneidewin bis senos ähnlich dem bis 
senis in IX, 50, 3, aufrecht hält; dann in bezug auf die schwie- 
rige durchaus ungenügend emendierte stelle in VII, 47, 5 und 6 : 
Perdiderant iam vota metum securaque flebat 
Tristitia et lacrimis iamque peractus eras 
(Friedländer: Tristitia et lacrimis i. p. e.). 
Es möge darum gestattet sein, die im anhang zum Lindauer 
katalog des Jahres 1882 vorgeschlagene Verbesserung: flebant 
Tristitia e -J- et lacrimis iamque peractus eras 
Nicht mehr fürchteten schon die wünsch', es weinte gewißheit 
d. i. die eben noch wünschenden und flehenden weinten in si- 
cherem bewußtsein des eingetretenen todes 

Und der trauer schon galt'st du und den thränen 

für todt 
hier in erinnerung zu bringen. Ein weiterer stein des anstoßes 
ist VII, 56, 3 und 4: si dare parabit — petet, wie Gilbert, pa- 
rabit — petat, wie auf dessen aufmunterung Friedländer bietet, 
dem ref. das im nämlichen Lindauerkatalog veröffentlichte : s 
dare pararit — petat entgegen stellt. Mit entschiedenheit be- 
hauptet er ferner in VII, 87, 1, die in den Bayrischen gymna- 
sialblättern des jahrg. 1877, p. 212 von ihm aufgestellte und 
vertheidigte konjektur glagalopece, gegenüber dem auch von Fried- 



Nr. 4. 66. Seneca. 291 

länder als unhaltbar bezeichneten lagalopece (Gilbert thut dessen 
nicht einmal erwähnung !) , da sie nach analogie anderer Wörter 
auf die denkbar leichteste weise gebildet, eine dem inhalt des 
epigramms bestens entsprechende erklärung ermöglicht, wenn 
auch die kümmerlich überlieferten altklassischen naturgeschichts- 
bücher diesen thiernamen nicht aufweisen sollten 1 ). 

Wir schließen mit dem aufrichtigen wünsche , daß durch 
die mustergiltig zu nennenden arbeiten prof. Friedländers und 
W. Gilberts dem als epigrammendichter unsterblichen und un- 
erreichten Martial aus allen kreisen der gelehrtenweit recht 
viele neue freunde und bewunderer gewonnen werden mögen! 

E. Renn. 

66. L. Annaei Senecae dialogorum libros XII ad codicem 
praecipue Ambrosianum recensuit M. C. Ger tz, dr. phil., professor 
Havniensis. Havniae 1886. Sumptibus librariae Gyldendalianae. 

Nicht grade günstig und freundlich hatte H. A. Koch in 
der einleitung zu seiner ausgäbe der dialogi über Sorgfalt und 
geschick seiner Vorgänger bei vergleichung der maßgebenden 
Mailänder handschrift geurtheilt. Daß ihm selbst einige erheb- 
liche , zahlreiche minder bedeutende fehler untergelaufen sind, 
zeigt der jüngste herausgeber desselben werkes, der schon durch 
seine Studia critica (1874) sich namhafte Verdienste um die Dia- 
logi erworben hatte. Da seit dem erscheinen der wissenschaft- 
lichen ausgäbe , die von Koch verfaßt und nach dessen allzu 
frühem tode von J. Vahlen veröffentlicht war, erst acht jähre 
verflossen sind , so tritt Gertz in der vorrede den beweis an, 
daß seine nachvergleichung des Ambrosianus noch reichliche 
fruchte getragen und eine erneute ausgäbe des werkes wün- 
schenswerth gemacht hat. Die auseinandersetzung mit dem Vor- 
gänger ist bei der kleinheit der meisten gegenstände nicht durch- 
aus erquicklich ; da jedoch das neue buch sich einem vorurtheil 
gegenüber sah , war sie kaum zu vermeiden, und jedenfalls ist 
sie überzeugend. Unmittelbar einleuchtend wird dann die be- 
rechtigung der neuen ausgäbe durch den reichhaltigen kritischen 
kommentar erwiesen. 

Mit rühmlichster Sorgfalt ist die vergleichung der handschrift 

1) Siehe übrigens Brehms Thierleben 2. ausgäbe p. 684 etc. unter 
cunin zerdu Fenek oder Wüstenfuchs! 



292 66. Seneca. Nr. 4. 

durchgeführt, besonders auch die thätigkeit der verschiedenen 
„hände" untersucht und nach möglichkeit geschieden. Der verf. 
gesteht selbst zu , daß manche für die wissenschaftliche arbeit 
entbehrliche angäbe aufgenommen sein möge. So ist es auch; 
aber die Vollständigkeit des berichtes gewährt dafür dem for- 
scher ein gefühl großer Sicherheit, und zwar, nach meinem ein- 
druck, ohne ihn durch ballast zu behelligen. Eher wird ihm 
der wünsch kommen, daß die vermuthungen früherer bearbeiter, 
auch da wo sie nicht offenbaren Verbesserungen gleichkommen, 
mit derselben Vollständigkeit mitgetheilt sein möchten. Dem 
äuge stellt sich die neue ausgäbe durch übersichtlicheren druck 
und gediegenere ausstattung gefällig dar. Kein zweifei, daß 
die methodische arbeit an den Dialogi in eine neue epoche ein- 
tritt; die Gertz'sche ausgäbe wird zahlreichere kräfte anziehen 
und auf der verbesserten grundlage zahlreichere erfolge zeitigen. 
Denn wenn Gertz vortreffliche waffen zum kämpfe gegen 
die textesverderbnis zu schmieden versteht: seine eigenen er- 
folge sind bis jetzt nicht so bedeutend, wie man sie von seiner 
seltenen beherrschung der handschriftlichen Überlieferung und 
von seiner unzweifelhaften Vertrautheit mit Senecas geist und 
spräche erwarten sollte. Es ist schwierig , über das maß der 
seit Haase erreichten wirklichen besserungen ein zuverlässiges 
urtheil zu fällen ; aber man wird gut thun, die fortschritte nicht 
zu überschätzen, und eins ist sicher: „noch viel verdienst ist 
übrig". Schon bei früheren gelegenheiten mußten wir der Wahr- 
nehmung ausdruck geben , daß Gertz es mit änderungen der 
Überlieferung zu leicht nimmt, daß er die am einzelnen orte, 
p. 16, von ihm selbst gewürdigte gefahr cavendum est ne Sene- 
cam ipsum corrigamus oft nicht vermieden hat. Beispiele gebe 
ich nur aus einem dialoge, und auch da nur die wesentlichsten 
stellen, an denen die lesart des Ambrosianus (A) gewahrt blei- 
ben konnte. Ad Marciam I, 3, p. 163, 4 mutato tempore, Sub- 
jekt saeculum. I, 4, p. 163, 22 tacebunt , Subjekt homines. 8, 4, 
p. 172, 17 omniumque. 172, 19 Uli. 11, 1, p. 177, 3 suae , in 
seiner Unbestimmtheit viel feiner. 14, 2, p. 183, 10 fortioris 
(nicht fortunatioris). 16, 1, p. 184, 25 dixit (wer hat dir gesagt?) 
16, 2, p. 185, 8 ob insignem audaciam (was sollte wohl unser 
modernes komma für eine trennende Wirkung haben?). 16, 8, 
p. 187, 3 disponit, nicht deponit. 17, 4, p. 188 s 17 bleibt ubi. 



Nr. 4. 66. Seneca. 293 

18, 2, p. 190, 1 dis Tiominibus ohne kopula , kühn aher aus- 
drucksvoll. 18, 2, p. 190, 4 impleri, solem. 18, 4, p. 191, 3 
defusi. 18, 5, p. 191, 8 seges, also auch adiuta cultu und nach- 
her feritatis. Die vermuthung feritantia ist recht gelehrt , aber 
unnöthig. 18, 8, p. 193, 3 non aceedes , mit scherzhafter ironie 
schließlich doch bejahend. 19, 6, p. 195, 20 dependenti. 20, 3, 
p. 196, 17 non unius quidem (und zwar nicht). 20,3, p. 197, 4 
at pathetisch; at bleibt auch 13. 20, 5, p. 198, 5 nee caedes 
nee locata publice latrocinia. 198, 13 bleibt natürlich immatura, 
21, 4, p. 200, 3 defatigavit. 200, 16 bleibt ex Mo quo (mit 
seinem quom, quoi, aliquoi hat Gertz überhaupt nicht viel gutes 
ausgerichtet). 21,7, p. 200, 22 ferat vortrefflich. 25, 2, p. 207, 12 
excepit ebenso statthaft. 

Veranlassung zu solchen, uns willkürlich erscheinenden, ab- 
weichungen giebt ihm oft genug ein auf gleichmachung gerich- 
tetes streben : so in bezug auf die consecutio temporum oder den 
symmetrischen satzbau. Marc. 18,2, p. 190,4 wird ein konstruk- 
tionswechsel einfach beseitigt, der durch die formen des verbums 
völlig begründet war. Wie oft ist ferner das überlieferte und 
zu der rhetorischen Schreibart des Schriftstellers ganz gut pas- 
sende pronomen hie haec hoc vor dem relativsatz rücksichtslos 
in is ea id umgeschrieben ! 

Gewaltthätiger sind die einschiebungen ganzer Wörter in 
angebliche lücken. Sie sind durch schrift und klammer als 
fremde zuthat deutlich gekennzeichnet; aber Gertz mußte, da 
er ja keine Schulausgabe beabsichtigte , von dieser ultima ratio 
überhaupt seltener gebrauch machen. Als einschiebsei, die den 
text verschlechtern , nenne ich beispielsweise Polyb. 2, 7, p. 
344, 14 quaerens. Gall. 3, 4 , p. 216, 9 spretis. Gall. 8, 1, p. 
221, 1 gloria. Gall. 10, 1, p. 223, 20 hominibus. Gall. 25, 4, 
p. 246, 7 rae tunc. Gall. 26, 8, p. 250, 1 anus. Marc. 16, 1, p, 
185, 3 tantum. 22, 7, p. 203, 18 orant. 25, 3, p. 208, 5 loqui. 
208, 6 potiti. Brev. vitae 20, 2, p. 338, 12 declamantem. 
Polyb. 7, 4, p. 352, 17 Caesarem. 18, 4, p. 374, 15 doloris. 
Unmöglich wäre es, ihm hier vorzurechnen, wie oft er ohne noth 
ein et oder at in set , ein präsens ins perfekt , eine präposition 
in eine ähnliche verwandelt oder entbehrliche wörtchen — ut, 
tu, et, at, est, in, ad, tarn, huc u. s. f. — einschiebt. 

Daß Madvigs oft glänzende, immer aber scharfsinnige und 
Philol. Anz. XVII. 20 



294 66. Seneca. Nr. 4. 

anregende konjekturen vorzügliche berücksichtigung finden , ist 
nicht mehr als gerecht ; doch kann man öfters beobachten , wie 
Gertz den leistungen seines lehrers und freundes außer dem 
objektiven werthe nocb ein pretium affectionis beimißt. So be- 
wundert er, zu p. 203, 2 Marc. 22, 5, die höchst gezwungenen 
werte etiam Mo in imperio altum als eine egregia coniectura. Um- 
gekehrt hätte er p. 237, 3 Gall. 20, 3 bei Madvigs besserung 
comoediamque bleiben und der eigenen erfindung eodem vultu quo 
mandueum videbo höchstens einen platz in der aumerkung geben 
sollen. Auch p. 227, 7 Gall. 12, 5 lese ich lieber mit Madvig 
erubescentiae, als mit Gertz displicentiae. 

Die eindringende schärfe, mit der von einem solchen her- 
ausgeber jeder buchstabe der Überlieferung von neuem auf seine 
berech tigung geprüft wird, bringt es mit sich, daß manche stel- 
len, die als geheilt anzusehen waren, wieder aufgerissen werden. 
So halte ich Marc. 17, 4, p 188, 18 nativus, 18, 5, p. 191, 7 
aliae ripis lacu vallibus palude für richtige änderungeu, und Gertz' 
bemängelung derselben für feines haarspalten. 

Erwähnenswerthe vermuthungen des herausgebers lassen sich 
nicht wenige namhaft machen. So schreibt er vielleicht richtig Po- 
lyb. 9,8, p. 357,15 sinceriorem. Gall. 7,4, p. 220,22 pertendit. 
Gall. 13, 5, p. 229, 2 excelsissimam dominum; 17, 2, p. 233, 6 
viridarium ; doch würde ich hier in erinnerung an Hör. Carm. 
II, 15, 5 violarium noch vorziehen; ferner ist zu nennen Marc. 
I ende, p. 165, 2 — 6. Marc. 17, 3, p. 188, 12 inlapsum ; Marc. 
9, 3, p. 174,6 aliquis; 18,6, p. 191,13 nitens statt inter, Prov. 
2, 7, p. 5, 15 capit , Polyb. 11, 1, p. 359, 19 excidere. Stu- 
demunds schöne entdeckung fluentem e lorica sanguinem I, 4, 4 
wird durch ein sua vor sanguinem noch vervollständigt, p. 12, 6. 

Ich komme zur mittheilung eigener bemerkungen und vor- 
schlage, zu stellen, an denen, wie ich glaube, die Überlieferung 
des Ambrosianus in anderer weise als bei Gertz zur herstellung 
des textes benutzt werden muß. 

Marc. 3, 2, p. 167, 21. Gertz, ut primum tarnen (Livia den 
Drusus) inhdit tumulo, simul et illum et dolorem suum posuit, nee 
plus doluit , quam aut honestum erat Caesar e aut aequom alter o 
filio salvo. Non desiit denique u. s. f. — Ueberliefert ist Cae- 
sare aut aequo maluo, woraus Madvig (und Koch) in Caesare aut 
aequum in filio machen. Darin hat Gertz sicher recht, daß Caesare 



Nr. 4. 66. Seneca. 295 

nur den kaiser Augustus , nicht den Drusus bezeichnen kann, 
und auch das ist mir jetzt wahrscheinlich, daß im ersten gliede 
der überlebende gatte , im zweiten der überlebende söhn (Tibe- 
rius) bezeichnet war. Die einschiebung von altero filio wird 
nichtsdestoweniger keinen überzeugen ; alle schärfe und zuspi 
tzung des gedankens , sogar die gleichmäßigkeit der form geht 
dabei verloren. Seneca wird (unter Nero !) geschrieben haben 
quam aut honestum erat Caesare aut aequom Nerone s alvo. Damit 
war Tiberius mit hinreichender deutlichkeit und mit wahrung 
der Symmetrie bezeichnet, und man kann nur noch zweifeln, ob 
Nerone in der lücke hinter aequom oder am satzende vor dem 
folgenden Non ausgefallen ist. Statt simul et illum lese ich si- 
mul et filium. 

Marc. 4, 2, p. 169, 7 — 9. Gertz. lila (seil. Iulia Augusta) 
in primo fervore, cum maxime impatientes ferocesque sunt miseriae, 
consolandam se Areo philosopho viri sui praebuit etc. Ueber- 
liefert ist nur consulareo ; Pincianus : se consolandam Areo; Haase : 
consolatori se Areo ; obige fassung des einschiebsels ist von Mad- 
vig. Ist eine solche gewaltthätigkeit nöthig? Mich sollte es 
wunder nehmen, wenn Seneca das ergebnis des gesprächs , die 
tröstung , so ungeschickt gleich in Livias absieht verlegt hätte. 
Auch habe ich nicht einsehen können, warum er vorher miseriae 
statt des richtigeren abstrakten singularis oder vielmehr statt 
des noch natürlicheren konkreten pluralis miseri gesetzt haben 
sollte. Diese beiden erwägungen sind der Ursprung meiner vermu- 
thung : cum maxime impatientes ferocesque sunt miseri, accessum Areo. . . 
praebuit. Die vorauszusetzende abkürzung ces~s ist fälschlich für 
consul genommen, ac mit miseri zusammengewachsen. Zu dem 
ausdruck accessum praebere vgl. Polyb. 8, 1, p. 353, 10. 

Marc. 10, 5, p. 176, 8 — 11. Si mortuum tibi filium doles, 
eius temporis , quo natus est , crimen est ; mors enim Uli denuntiata 
nascenti est; in hanc legem natus (est), hoc illum fatum ab utero 
statim prosequebatur. Das unerträgliche, wenn auch anscheinend 
unentbehrliche vierte est hat Gertz erst hinzugesetzt. Ueberlie- 
fert ist auch nicht natus sondern datus. Wer mit Haase daraus 
natus macht, muthet dem Seneca zu, daß er viermal hinter ein- 
ander dasselbe sagt; natum (Wsbg) stört außerdem durch 
einen heäßlichen reim den rhythmus. Ein ganz anderes bild 
stellt sich dar, wenn wir lesen in hanc legem erat satus; jetzt 

20* 



296 66. Seneca. Nr. 4. 

gewinnt auch ab utero eine besondere bedeutung, und das dritte 
und vierte glied (zeugung und empfängnis) bilden zu den bei- 
den ersten (geburtsstunde) eine wirksame Steigerung. 

Marc. 11, 2, p. 177, 9 — 11. Hinter theatris fehlt ein dem 
litigat entsprechendes verbum , hinter diligis steht ein nicht un- 
terzubringendes veneraris. Wer hätte diligis so glossieren 
sollen? Vermuthlich hat sich veneraris nur aus seiner reihe ver- 
irrt und dabei ein wenig verändert. Ich lese: omnis ista, quae 
in foro litigat, in theatris venenatur, in templis precatur, turba. Se- 
neca spricht ad Gall. 27, 2 von venenati sales der komödien- 
dichter, und sonst von dem vergiftenden einfluß des damaligen 
Schauspiels. 

Verfehlt scheint mir ebendaselbst die behandlung von §. 3, 
die antwort auf die frage quid est homo? Ich gebe nur kurz 
meine lösung der zahlreichen Schwierigkeiten : inbecillum corpus 
et fragile . . ex f um eis, fluidisque contextum . . . ipso rursus 
situ iturum ex otio in tabem , alimenta metuens sua, quorum mor- 
detur ieiunio, copia rumpitur, anxiae sollicitaeque tutelae, pre- 
carii spiritus et male haerentis, quippe quem repentinum gau- 
dium et ex improviso sonus auribus gravis excutit , fellis semper 
sibi nutrimentum, vitiosum et inutile. 

Marc. 12, 3, p. 179, 20. Das allerdings unverständliche maior 
ist nicht einfach wegzuwerfen, sondern zu verwandeln : at potuit 
longior esse. Mallem ; melius tarnen u. s. w. 

Marc. 12, 3, p. 180,8. Gertz, iuvenis cito prudens, cito pius, 
cito maritus, cito pater, cito omnis officii curiosus, cito sacer dos, om- 
nia tanquam pr aepropera. Ambr. propera. Der satz klingt, auch 
in Gertz' fassung, matt aus, und der Schluß fügt sich nicht in 
die konstruktion. Diesen mangeln hilft auch die alte änderung 
tarn praepropera nicht ab, noch weniger die willkürliche einschie- 
bung tarn praestantia quam propera (Koch); wohl aber die ein- 
führung eines verbum : omnia tanquam proper ans = gleich als 
hätte er es mit allem eilig, im Vorgefühl eines frühen todes. 

Marc. 12, 6, p. 181, 4. Gertz. Sulla filium amisit , nee ea 
res aut malitiam eius et acerrimam virtutem in hostes civesque con- 
tudit aut effecit, ut cognomen illud usurpasse falso videretur. Das 
handschriftliche malitiam wird mit recht bezweifelt, Lipsius' ver- 
um thung militiam verworfen. Gertz' Vorschlag malificam ist 
sprachlich unmöglich, so lange es mit dem Superlativ acerrimam 



Nr. 4. 66. Seneca. 297 

kopuliert ist. Aendern wir aber diesen entsprechend, so ist mit 
malificam eins ac terrificam virtutem wahrscheinlich Senecas kon- 
zept hergestellt. 

Marc. 16, 3, p. 185, 14. Gertz, ex una tibi familia duas 
Cornelias dabo : primam Scipionis filiam, Gracchorum matrem. Duo- 
decim illa partus totidem funeribus recognovit; et de ceteris facile 
est, quos nee editos nee amissos civitas sensit, {sei) Ti. Gracchum 
(et C. Grac chum), quos . . . magnos fatebitur, et occisos vidit et 
insepultos. Richtig vertheidigt wird facile est. Taktlos wäre es, 
hätte Seneca mit facile erat das urtheil in die zeit und in das 
gemüth der mutter verlegt (so Koch und Wesenberg). Willkürlich 
hineingesetzt ist set. Nachher steht im Ambr. T. gracchum. 
Daraus ergiebt sich als ursprüngliche lesart Tiberium Gaiumque 
ohne hinzufügung des familiennamens. Was sollte der auch? 
Gracchorum mater stand oben voran. 

Marc. 16, 8, p. 186, 23. Gertz. Agricola eversis arboribus, 
quas aut ventus radicitus evolsit aut contortus repentino impetu turbo 
praefregit, subolem ex Ulis residuam fovet et a missarum semina statim 
plantasque d eponit. Ambr. et in missarum semina und richtig dispo- 
nit. Kochs änderung et in amissarum locum semina kommt nur 
dem gedanken Senecas nahe. Sonst gebricht es ihr an äußerer 
Wahrscheinlichkeit noch mehr als dem amissarum an innerer. 
Mich hat das folgende (z. 6) vacantem locum exple auf einen an- 
deren gedanken gebracht: in scissuram semina statim pl. disponit. 
So entsprechen sich die satztheile chiastisch : der riß im erdboden 
dem radicitus evolsit. 

Marc. 18, 7, p. 192, 4. Gertz. Videbis hie inquietis et sine 
vento fluetuantibus aquis inn antia excedenti terrena magnitudine 
animalia . . . Das überlieferte innari et excedenti terrentia führt 
vielmehr auf innare tot excedenti terrestria magnitudine animalia. 
Die besserung terrestria fand schon Gronov ; terrena ließ dem 
leser die wähl zwischen zwei bis drei beziehungen, und so un- 
klar schreibt Seneca nicht. 

Marc. 21, 1, p. 199, 1. Gertz. Ad brevissimum tempus editi, 
cito cessuri loco, venienti inpactum hoc prospieimus hospitium. Gertz 
Stud. crit. p. 118 billigte früher Madvigs vermuthung inpacatum; 
jetzt hat er sich durch Koch (incolae venienti inpactum iri hoc 
prospieimus hospitium) auf den nicht glücklichen gedanken brin- 
gen lassen, das partieip inpactum (von impingo) anzunehmen. 



298 66. Seneca. Nr. 4. 

Aber diese ganze erklärung ist der stelle auch nur aufgezwun- 
gen. Zu ändern ist gar nichts ; nur richtig zu trennen in pa- 
ctum und zu erklären: „für kürzeste frist geboren, mit der be- 
stimmung, schnell den platz wieder zu räumen , besorgen wir 
einem nachfolger quartier, der auf eben diese bedingung kommt 
(in pactum hoc, als ein cito cessurus loco) , der also in unsern 
kurz befristeten miethsvertrag eintritt". 

Marc. 18, 9, p. 193, 7. Gertz (theilweise nach F): Consulti sunt 
de nöbis parentes nostri, qui cum condicionem vitae nossent, in hanc 
nos sustulerunt. Ambr. tunc , nachher an. Da tunc einstweilen 
guten sinn giebt, liegt gewiß nur ein einfacher fehler vor, und 
zwar in an hanc. Seneca schrieb qui tunc condicionem vitae nos- 
sent, antequ am nos sustulerunt. 

Marc. 19, 6, p. 195, 15. Gertz, non libidinis per voluptatem 
animos carpentis stimulis incessitur. Dafür empfehle ich capientis 
nach Cic. Cato 44 voluptate homines capiuntur ut pisces (seil. esca). 

Marc. 20, 3, p. 197, 2. Gertz, video fidiculas, video verbera, 
et membris singulis [e t) articulis singula n ocuerunt machinamenta : 
set video et mortem. Ainbr. sinnlos docuerunt, nachher richtig at. 
Das fehlen der kopula zwischen membris und articulis ist auffäl- 
lig. In der ähnlichen stelle Epist. 24, 14 ist nur von articuli 
die rede. Daher vermuthe ich: et urendis singulis articulis 
singula tor quentium machinamenta. Alles hängt nur von video 
ab , und ohne Störung schließt sich der nachsatz an : at video 
et mortem. 

Marc. 22, 3, p, 201, 22. Gertz. Adice incendia ruinös nau- 
fragia lacerationesque medicorum ossa vivis legentium et totas in vi- 
scera manus demittentium et (per) non simplicem dolorem pudenda 
curantium. Die einfügung des nicht überlieferten per erscheint 
willkürlich, der ausdruck per non simplicem geschraubt, das bei- 
spiel pudenda curantium in dem an eine edle frau gerichteten 
trostschreiben recht merkwürdig, obgleich noch niemand es „be- 
anstandet" hat. Sollte Seneca nicht geschrieben haben medico- 
rum . . . demittentium et nunc simplicem dolorem duplic ando 
curantium? Vgl. 16, 9 unum dolorem geminato solacio leva. 

Marc. 22, 5, p. 202,22. Gertz. Consar cinatur subscriptio, 
et acerrimi canes (ankläger) , quos ille (Sejan) . . . sanguine hu- 
mano pascebat, circumlatrare hominem etiam illo in imperio altum 
ineipiunt. (den Cremutius). Am anfang steht im Ambr. consecratur 



Nr. 4. 66. Seneca. 299 

offenbar falsch, denn dicht vorher consecrari. Vermuthet ist au- 
ßer dem obigen (Lipsius) noch concinnatur (Madvig) , conflatur 
(Gertz bedingungsweise). Näher kommt der Überlieferung das 
einfache conficitur „sie wird fertig gebracht". Die letzte zeile 
giebt Gertz nach Madvig; aber diese besserung ist doch in dop- 
pelter hinsieht eine gezwungene , dem sinne wie der Überliefe- 
rung nach. Kochs änderung et iam laniare intemperantius ist ge- 
waltsam, bleibt aber wenigstens im bilde. Die spuren im Ambr. 
hominem etiam illum imperiatum führen auf folgendes : canes . . 
circumlatrare hominem et iam illum rump er e hiatum ineipiunt. 
Hiatus von hunden Verg. Aen. X, 754. Der ausdruck ist derb, 
aber wohl bezeichnender als aperire hiatum ; woran man sonst 
auch denken könnte. Sen. Oed. 164 mors avidos oris hiatus panclit. 

Marc. 23, 1, p. 204, 2. Gertz, facillimum ad superos iter 
est animis cito ab humana conversatione dimissis\ minimum enim 
faecis pondus traxerunt. Ambr. faecis ponderis. Daraus läßt sich 
leichter und sinngemäßer faecosi ponderis ableiten. 

Marc. 23, 5, p. 205, 6. Gertz, puerum Romae fuisse staturae 
ingentis vir u m antec ellenti s \ sed hie cito decessit , et moriturum 
brevi nemo (non) prudens dixit. Ambr. statura ingentis viri ante. 
Man braucht nur ante in instar zurückzuverwandeln. Nachher 
würde ich, statt non einzusetzen , dixit verbessern in dubitavit. 

Marc. 24, 1, p. 205, 15. Gertz. Adulescens statura pulchri- 
tudine cetero corporis robore castris natus militiam recusavit ne a te 
discederet. Daß diese Überlieferung (A) einen logischen fehler 
enthält {cetero corporis robore) , hat Gertz richtig erkannt ; er 
hätte ihn nur nicht in robore suchen sollen. Robur brauchen 
wir zu castris natus , falsch ist nur cetero. Pauly's versuch raro 
wird kaum beifall finden. Erkennbar steckt in den buchstaben 
certo corporis robore , und der zusatz geht auf die feste gesund- 
heit, die unerschütterte körperkraft ; er fügt also eine nicht un- 
wesentliche Steigerung hinzu. 

Marc. 24 , 5, p. 206, 19. Gertz. Haec quae vides circum- 
data nobis, ossa (ac) nervös et obduetam cutem vultumque et rnini- 
stras manus et cetera, quibus involuti sumus, vineula animorum tene- 
braeque sunt. Ueberliefert ist das fehlerhafte circum nobis. Aus 
Kochs vermuthung hat Gertz circumdata nobis aufgenommen und 
ac hinzugesetzt. Beide ergäuzungen sind gewaltsam ; die erste 
ist auch deshalb unrichtig, weil damit der begriff „körperliche 



300 66. Seneca. Nr. 4. 

Umhüllung unsres eigentlichen wesens", der erst nachher mit 
quibus involuti sumus auftritt , vorweggenommen würde. Seneca 
hat wohl geschrieben haec quae vides concret a nobis , dann bei 
der apposition mit asyndeton und polysyndeton wechselnd ossa, 
nervös et o. c. etc. 

Marc. 25, 3, p. 208, 1. 2. Der text ist wohl so zu ge- 
stalten : Aut in profunda terrarum permittere aciem iuvat et in de 
ex dito relicta respicere. Z. 5. 6 erubesce quicquam humile mente 
co gitare et mutatos in melius tuos flere. Z. 6—8 aeterna rerum 
per libera et vasta spatia dimensos non Mos interfusa maria dis- 
cludunt u. s. w. Z. 9 scheint in den trümmern omniu plana et ex 
das wort planetae zu stecken. Etwa contigui planetae = als zwe 1 
benachbarte Wandelsterne? 

Marc. 26, 2, p. 209, 6 — 11 Gertz. Regesne tibi nominem fe- 
licissimos futuros , si maturius Mos mors instantibus subtraxisset ma- 
lis ? ... an nobilissimos viros clarissimosque ad ictum militaris gladi 
composita cervice deformatos? Ambr. formatos. Koch aus dem 
Neap. firmatos. Richtig verlangt Gertz (Stud. 121) einen hin- 
weis auf das schimpfliche der Stellung. In dieser art wird das 
plastisch anschauliche curvatos eine gute ergänzung zu composita 
cervice geben. 

Marc. 26, 3, p. 209, 12 — 14 Gertz, ego (Marcias vater 
spricht) nihil in me cuiquam permisi, set cibo prohibitus ostendi 
quam magno me -\- quam vibar animo scripsisse. Gertz wie Koch 
nehmen mit recht an, daß im Ambr. nicht nur die von erster 
band geschriebenen worte ostendi quam vibar animo sondern auch 
die worte vom rande magno me. qua , welche ein punkt über 
quam als hinter diesem worte einzusetzende bezeichnet, zur Über- 
lieferung gehören. An der herstellung des Wortlautes verzagend, 
giebt Gertz als muthmaßlichen gedanken tarn magno me quam 
infausto animo scripsisse. Kaum richtig. Wo bleibt die Zuspit- 
zung? Von der zeit seiner schriftstellerischen thätigkeit wird 
Cremutius nicht sagen können infausto animo scripsisse. Das Un- 
glück liegt höchstens im lebensausgang ; daß aber auch dieser 
für den weisen kein Unglück bedeute, will die ganze schrift be- 
weisen. Näher am ziel war schon Haase (Koch) mit der besse- 
rung ostendi t am magno me quam videbar animo scripsisse. Noch 
näher liegt es aber, aus vibar ein utebar zu entziffern, und 
ersichtlich gewinnt der gedanke dadurch. Denn es heißt nun : 



Nr. 4. 66. Seneca. 301 

„ich habe bewiesen, daß mein schriftstellerischer charakter (keine 
maske war, sondern) meinem wirklichen charakter entsprach". 
Darin ist tarn magno = non maiore; beides aber eine berechnete 
zuntipcüGig für das vulgäre non minore me quam scribebam animo 
usum esse. Uebrigens ist statt des willkürlich geänderten set 
herzustellen et; cibo prohibitus aber ist für die freiwillige enthal- 
tung wohl zu passiv. Cremutius will sagen cibum prohibui et 
ostendi. Also ist herzustellen der abl. absol. cibo prohibito. 

Marc. 26, 5, p. 210, 9 Gertz, iuvabat unius me saeculi facta 
componere in parte minima mundi et inter paucissimos gesta. Ambr. 
in parte ultima. Für einfacher als vorstehende lesung Madvigs 
halte ich die änderung in particula illa mundi (im engeren 
sinne Rom, im weiteren die erde). 

Helv. 11, 7, p. 396, 18 Gertz, cogitatio eius (sc. animi) 
circa ornne caelum it, in omne praeteritum futurumque tempus in- 
mittitur. Ueberliefert ist et statt it. Gertz hat sich von eiuem 
richtigen gedanken leiten lassen ; doch würde ich seinem Vor- 
schlag it wegen der konstruktion ein est vorziehen , in erinne- 
rung an Hör. Carm. II. 5, 5 circa virentes est animus tuae cam- 
pos iuvencae. 

Helv. 11, 6, p. 396, 13 vermuthe ich levis ipse et per nix. 

Helv. 16, 6, p. 404, 6 Gertz, ßentibus tarnen circa se et fa- 
tum eius exsecrantibus interdixit, ne temere fortunam accusarent, quae 
sibi filios Gracchos ademisset. Daß Seneca fatum eius dicht hiu- 
ter circa se geschrieben hätte, ist schwer zu glauben. Es wird 
zu lesen sein: fatorum ius, wie von der Niobe Ovid Met. 6,270 
sagt: irascentemque quod ausi hoc essent superi, quod tantum iuris 
haberent. Am schluß muß das handschriftliche dedisset trotz 
Bentley, Haupt und Koch stehen bleiben. Die ganze Zuspitzung 
des gedankens geht durch ademisset verloren. Gertz hatte de- 
disset noch in den Stud. crit. 161 mit recht vertheidigt und ad 
Marc. 16, 3 verglichen. 

Helv. 16, 5, p. 403, 21 Gertz, ne feminae quidem te sinent 
intabescere volneri tuo, sed v el pio necessario que maerore cito de- 
functam iubebunt exsurgere. Diese änderung (A : levior) trifft den 
sinn; sonst aber taugt sie nicht viel, wie das nachher hinein- 
gezwängte que zeigt. Ich schwanke , ob Seneca licito ac neces- 
sario geschrieben hat oder debito ac necessario. 

Helv. 17, 2, p. 405,2 — 4 Gertz. Volumus interim illum (sc. 



302 66. Seneca. Nr. 4. 

dolorem) obruere et devorare gemitus . . . ludis Interim aut gladia- 
toribus animum occupamus : at illum inter ipsa , quibus avocatur, 
spectacula, levis aliqua desiderii nota subruit. Gertz erkennt richtig, 
daß dies zweite illum {animum) nach dem ersten illum {dolorem) 
keine klare beziehung hat. Ich vermuthe illusum, mit wiederaufnähme 
des vorhergehenden begriffs ludus; auch spectacula gewinnt dadurch. 

Helv. 17, 4, p. 405, 29 Gertz. Beneficio tarnen rapacis in- 
genii plus quam pro tempore hausisti. Die bemerkung „mehr als 
für den augeublick" ist nicht geeignet , rapax zu stützen. Se- 
neca schrieb capacis; man sehe nur hausisti an und ad Polyb. 
15, 3 verum omnium capacissimum pectus. 

Zu der dritten Consolatio, ad Polybium , mache ich folgende 
verbesserungsvorschläge. 2, 2, p. 343, 7 hominem non teti- 
gisse. 3,3, p. 345, 13 nullis benigna virtutibus. 3,5, p. 346, 6 
sinccrus et totus litter arum amor. 4, 1, p. 346, 17 nos fletis do- 
lor iste adiciet. 5, 3, p. 348, 2 omnia Jiaec monita dubie ponerem. 
5, 3, p. 348, 5 utrique vestrum increscentem dolorem. 6, 5, p. 
351, 2 ut multos fletus audire possis [}i>f\ periclitantium, wie schon 
früher in Gott. gel. anz. 1874, p. 1453. Auf Gertz's einwand ist zu 
erwidern, daß es sich bei audire hier nicht um den gehörssinn, 
sondern um eine audienz handelt. 11, 6, p. 361,8 exemplaris 
modo. 12. 5, p. 363, 4 successorem orbis aspiciat\ vgl. z. 12. 
363, 5 bleibt qua. 

Ferner zu de vita beata , ad Gallionem. 2, 2, p. 214, 11 
tarn candidatos quam sordidatos. 7, 4, p. 220, 16 nee quiequam 
mutavit optatum. 8, 4, p. 221, 19 eat viri ratio via a sensibus 
inita. 20, 1, p. 236, 9 namque idem si et paria dictis agerent. 
22, 2, p. 240, 10 ut exilis corpore acutissimo oculo valebit. 25, 2, 
p 245, 11 praetextatus et calceatus scheint mir sicher; in der fol- 
genden zeile würde wenigstens dem sinne entsprechen nudis scapulis 
aut sectis planus. Verg. Bucol. 10, 49 glacies secet aspera plantas. 

Viele dieser vorschlage ermangeln einstweilen noch einer 
eingehenden begründung. Vielleicht findet sich bald an ande- 
rem orte gelegenheit darauf zurückzukommen. Ausdrücklich be- 
zeuge ich noch, daß dieselben sämmtlich durch die lesung des Gertz- 
schen werkes angeregt , theilweise überhaupt erst durch seinen 
trefflichen kommentar ermöglicht sind. Gewiß wird er auch den 
in dieser form dargebrachten dank für die so wesentliche berei- 
cheruug der Wissenschaft nicht verschmähen. Fr. Schulteß. 



Nr. 4. 67. Topographie, 303 

67. Gilbert, Otto, geschichte und topographie der Stadt 
Eom im alterthum. Leipzig bei Teubner. I. Abtheilung 1883. 
308 p. II. abtheilung 1885. 456 p. gr. 8. 

Ein schwieriges buch , voll von vor- und rückblicken, län- 
gern abhandlungen unter dem text, nicht frei von Wiederho- 
lungen und vielleicht Widersprüchen , ohne register , ohne über- 
sichtliche rubriken, ohne plane, auch in der darstellung schwer- 
fällig und breit, in acht kapiteln bis zum ende der Tarquinier- 
herrschaft. 

Ein sehr gelehrtes und lehrreiches buch, auf grund umfas- 
sender Studien, welche die alte wie die neuere litteratur durch- 
forscht, auf- und zum theil umgewühlt haben , mit Sachkenntnis 
und selbständigem urtheil abgefaßt, welches man achten muß, 
wenn man auch nicht beistimmen kann. 

Aber ein gefährliches buch für leser , welche den Schluß- 
folgerungen des Verfassers trauen, ohne die prämissen vorsichtig 
und mistraiiisch zu prüfen. 

Denn der grundfehler liegt in der methode. Auf die alten 
Zeugnisse geht die Untersuchung von vorgefaßten meinungen aus 
ein: was sich fügt, wird einsichtig benutzt, was nicht biegen 
will, muß brechen. 

Daß die entwicklung der Stadt bis zu dem durch den servia- 
nischen mauerbau und die Tarquinier bewirkten abschluß von 
einzelniederlassungen auf den verschiedenen höhen ausging, be- 
hauptet der verf. mit recht; es ist ja auch gar nicht bezweifelt 
worden. Aber neu ist die behandlung und anordnung: die kö- 
nige vertreten als eponymen die gemeindenamen ; ihre aufeinan- 
derfolge ist ein werk der systematisierenden priesterweisheit: 
Numa Pompilrus ist als eine göttliche figur zu streichen. Die 
Stadt entsteht aus den dörfern so, daß zuerst der ramnische Pa- 
latin aus dreien, dem Palatium, dem Cermalus, der Velia zusam- 
menwuchs. Ihnen entsprechen drei dörfer auf dem Esquilim 
welche mit den durch die Sabiner vergrößerten Ramnern einen 
bund , das septimontium , schließen. Dazu kommen auf dem 
Quirinal, Viminal, Kapitol Sabiner (Tities), während die Esqui- 
jiner durch ein neues element von der ramnisch-titischen doppel- 
stadt geschieden werden. Diesen faktor bilden die Etrusker, 
welche den Caelius besetzen, die esquilinischen Luceres besiegen 
und im namen mit ihnen verschmelzen. Die drei sondergemein- 



304 67. Topographie. Nr. 4. 

den werden zur einheit : ihr repräsentant ist Tullus = Turnus = 
Tuscus, als feind und fremdling Hostilius. Der name des Cae- 
lius gilt ihm, dem Caeles Vibena, wie ihn die Etrusker nennen. 
Der Esquilin tritt erst durch Servius Tullius (Mastarna) wieder 
in den Vordergrund , er vertritt eine jüngere periode tuskischer 
einwanderung, die unter leitung der königlichen gens Tarquinia 
sich auf dem Esquilin niederließ, von hause aus söldneroberst 
und bandenführer (II, 271 f.); Servius Tullius vom Standpunkte 
der altbürger der Tuskersklav, welchen der herrschende Tusker- 
stamm zu seiner stütze, zu seiuem dienste in der Stadt hereinzog 
(ebd. p. 276). Diese Stadt, zunächst der Caelius, war mit der 
selbständigen gemeinde des Aventin in eine folgenreiche Verbin- 
dung getreten, äußerlich durch die Stiftung des Dianatempels 
an beiden orten vertreten. Diese zerfiel wieder in zwei theile, 
einen latinischen, der osthälfte bis gegen die see hin in mehre- 
ren bauerschaften, eine von der Tiber aus sich ausbreitende 
hellenische niederlassnng, der tyrrhenischen Pelasger; der Stam- 
mesrepräsentant dieser Aventingemeinde, der wurzel der plebs, ist 
Aerus Marcius, der ,,diener" oder „helfer". Mit der kraftvollen 
regierung der Tarquinier, der servianischen mauer und dem ka- 
pitolinischen tempel schließt der zweite band , die fortsetzung 
steht noch aus. 

Wie sich wahres und falsches, lichtvolle blicke und trüge- 
rischer schein , in dem blendenden gewebe von hypothesen ver- 
mischen, macht schon dieser kurze auszug anschaulich; ref. er- 
innert es an das seiner zeit aufsehen erregende buch von Lach- 
mann über die spartanische Verfassung. Es darf aber nicht 
vergessen werden, daß Gilbert sich eine quelle in eindringlicher 
weise zu nutzen gemacht hat, das sakralrecht und den alten 
festkalender ; seine erörterungen verdienen eine sorgfältige und 
eingehende Würdigung. 

Die topographischen einzelheiten behandelt der verf. mehr 
gelegentlich, im zusammenhange mit den historischen deduktionen, 
sehr ausführlich und mit einer anerkennenswerthen Unparteilichkeit 
und unbefangenem urtheil : ich freue mich , daß er in der brü- 
ckenfrage auf meine seite getreten ist. Aber indem er die 
Stadtbeschreibung seiner theorie unterwirft, geht er mit den Zeug- 
nissen der alten, auch mit dem nachweislichen thatbestand willkür- 
lich und gewaltsam um. Als beispiel möge die Velia dienen. Sie ist 



Nr. 4. 68. Römische alterthümer. 305 

ihm die osthälfte des palatinischen berges 1 ). Nun verkennt er 
nicht, daß der ausdruck in der klassischen litteratur eine niede- 
rung gegen die Carineu hin (tempel der Penaten) bezeichnet. Also 
liegt ihm in der letztern stelle die curia Veliensis, welche doch 
zu den curiae veteres an der nordostecke des Palatins gehört. 
Er nimmt nun an , daß die 'Bezeichnung des mons allmählich 
ganz abgekommen war , der name naturgemäß sich mehr und 
mehr auf die tiefer liegenden theile eingeschränkt hatte. Also 
rutscht die höhe ganz in das thal hinunter ; früher war es ein 
berg auf dem Palatin , einem hügel , dem Augustus im Monum. 
ancyranum die Velia ausdrücklich entgegensetzt. Ebenso das 
Tigillum sororium. Das Curiosum verlegt es zwischen den Tel- 
lustempel und den Koloß, der verf. identificiert es mit der Porta 
Ianualis, die, wenn sie überhaupt dort lag, doch unter den Vi- 
minal gesetzt wird. Auch die tief eingreifenden Untersuchungen 
über die Curiae (veteres und novae), die Sacra via, das Pomerium 
führen zu anfechtbaren resultaten. Indessen darf man sie nicht 
flüchtig oder leichtfertig nennen : sie hängen mit der grundan- 
sicht des verf. zusammen, sie führt ihn dahin, die Novae curiae 
gleich mit der ausdehnung der Caeliusgemeinde zu verbinden, 
während die nähe des Compitum Fabricium auf eine jüngere 
zeit schließen läßt. 

1) Jordan, der sich nach I, p. 104 dieser, p. 266 der Rosa'- 
schen ansieht anzuschließen scheint, hat seine meinuDg 1, 2, p 419 
anm. berichtigt. y. 



68. A. Bouchö-Leclercq, Manuel des institutions ro- 
maines. Paris, Hachette et cie., 1886. XVI u. 655 p. gr. 8. 

Das vorliegende werk umfaßt die ganzen römischen anti- 
quitäten mit ausnähme der privatalterthümer. Als anhänge bietet 
es einen kurzen abriß der metrologie, der Chronologie, consular- 
fasten und zum Schluß reichhaltige bibliographische und sach- 
liche indices. Der verf. bezeichnet es als manuel, und wie er 
dieses wort definiert (un outil constamment rnanie , un Instrument 
de travail, p. V), kann man ihm die berechtigung dazu nicht 
bestreiten. Berücksichtigt man die uns geläufige Unterscheidung 
von handbüchern und compendien , so würde es wohl eher zu 
der letzteren kategorie zu zählen sein Der verf. hat es in erster 
linie für die französischen Studenten bestimmt. Er hat, so viel 



306 68. Römische alterthümer. Nr. 4. 

ich sehe, damit ein von diesen längst empfundenes bedürfniß be- 
friedigt ; sein buch wird sich also gewiß eines dankbaren publi- 
cums zu erfreuen haben. Auch ist es geeignet über das nächste 
ziel einer oberflächlichen belehrung hinaus zu eindringenderen 
Studien anzuleiten , denn auf manche noch in der schwebe be- 
findliche Streitfrage ist der verf. in den anmerkungen etwas 
näher eingegangen. Auch bietet er nicht nur reichliche quellen- 
nachweise , sondern vornehmlich auch ausführliche angaben der 
neusten über die einzelnen fragen handelnden specialuntersuchun- 
gen. Dabei hat besonders die deutsche litteratur eine ausge- 
dehnte, sich selbst auf unbedeutende dissertationen oder programme 
erstreckende Berücksichtigung erfahren , was zum theil freilich 
darin seinen grund hat, daß der verf. dieselben nur ihrem titel 
nach kannte. Ich werde unten einige beweise dafür beibringen. 
— Trotz vieler ausstellungen , die man im einzelnen machen 
kann, hat Bouche - Leclercq seinem nächsten zweck immerhin in 
anerkennenswerther weise entsprochen. Gröbere versehen , wie 
wenn er p. 201 in den concilia prpvinciarum die Statthalter den 
vorsitz führen läßt, sind doch im ganzen selten. Vor den mei- 
sten deutschen compendien der römischen alterthümer dürfte sein 
buch den vorzug verdienen , besonders auch deshalb , weil jene 
ihren Standpunkt meist gar zu niedrig genommen haben. Nur 
Schillers mir so eben zugegaugene compendiarische darstellung 
der römischen Staats-, rechts- und kriegsalterthümer (in J. Müllers 
Handbuch der classiscben alterthumswissenschaft IV, 481 — 744) 
scheint, so weit ich nach flüchtigem einblick zu urtheilen vermag, 
durch klarheit und präcision der darstellung, durch einsichtige 
auswahl des wesentlichen und auf wirklicher selbstverleugnender 
anlehnung an die besten hülfsmittel beruhende Zuverlässigkeit 
sowie auch durch zweckmäßige, auf grund eigener kenntniß- 
nahme entworfene Übersichten der litterarischeu hilfsmittel dem 
französischen werk den rang abzulaufen. 

Aber man wird von dem recensenten des vorliegenden 
Werkes auch noch eine antwort auf die frage erwarten , in wie 
weit dasselbe auf wissenschaftliche Selbständigkeit und dem ent- 
sprechende beachtung von seite der fachgelehrten anspruch zu 
erheben habe. In dieser beziehung will es mich dünken , als 
ob die bisher veröffentlichten beurtheilungen etwas zu günstig 
ausgefallen seien. Um in das verhältniß des verf. zu seinen hülfs- 



Nr. 4. 68. Römische alterthümer. 307 

mittein einen klaren einblick zu gewinnen , schien es mir am 
rathsamsten , eine reihe von abschnitten seines buches einer ge- 
nauen vergleichung mit den entsprechenden in Marquardts Staats- 
verwaltung zu unterziehen. Das ergebniß derselben war , daß 
in diesen abschnitten Bouche-Leclercq's darstellung, von einigen, 
unbedeutenden Zusätzen oder abweichungen, die wir meist nicht 
als berichtigungen bezeichnen können, sowie von einigen Verschie- 
denheiten der anordnung abgesehen, im wesentlichen, bis auf die 
aumerkungen und die darin enthaltenen citate als ein nicht selten 
wörtlicher auszug aus Marquardt erscheint. Vergleiche man z. b. 
p. 195 f. mit Marquardt II 2 , 498—500, dann 196 — 201 mit 
Marquardt 69—90, 201 — 208 mit 504—577: man wird sich 
überzeugen, daß ich Bouche-Leclercq nicht unrecht thue. Uebri- 
gens mache ich ihm aus seinem verfahren im allgemeinen auch 
gar keinen Vorwurf: er wußte eben mehr und besseres als Mar- 
quardt in der regel nicht zu bieten und dem compendienschreiber 
pflegt man es nicht zu verargen , wenn er auf Selbständigkeit 
verzichtet. — Ich gehe noch auf ein paar einzelheiten ein , die 
geeignet sind jene thatsache so wie den grad der abhängigkeit 
des verf. von Marquardt näher zu beleuchten und zugleich auch 
die citate neuester specialuntersuchungeu bei Bouche'- Leclercq 
auf ihren wahren werth zurückzuführen. 

P. 557 anm. 3 ist auszug aus Marquardt 174, 3. Nur die 
letzten worte : on manque de monographies pour les autres provinces 
sind Marquardt p. 173, 11 nachgeschrieben. Aber während sie bei 
diesem ihre berechtigung hatten, treffen sie für Bouche-Leclercq 
nicht mehr zu. Derselbe citiert ja 553 die arbeit von H. Herbst de 
sacerdotiis Romanorum municipalibus Hai. Sax. 1883. Von dieser 
hatte er also hier notiz zu nehmen und entweder ihre ergebnisse 
bei seiner darstellung zu verwerthen oder aber zu erklären, daß 
dieselbe, wie es thatsächlich der fall ist, ihr thema in sehr un- 
zulänglicher weise behandelt und also die Sachlage nicht we- 
sentlich verändert hat. Bouche-Leclercq hat die arbeit ohne zwei- 
fei nicht gelesen. Ebensowenig die von Mantey de gradu et 
statu quaestorum in municipiis coloniisque Hai. 1882, die er 182 
anführt. Denn sonst würde er sich nicht begnügt haben 183, 6 
einiges aus Marquardt 167 zu excerpieren , sondern würde die 
unrichtige angäbe Marquardts über den rang der quaestur in 
der folge der ämter beseitigt haben. Auch meine schrift über 



308 68. Römische alterthümer. Nr. 4. 

die Augustalen (558) kennt er wohl nicht durch eigene lectüre 
s.u.; seine citate derselben finden sich durchweg bei Marquardt. 
Ja sogar Mommsens Schweizer nachstudien Herrn. XVI, 445 ff., 
die p. 322 citiert werden, kennt er schwerlich, denn sonst 
würde er sich p. 180 und 193, wo er der angeblichen bürger- 
rechtsverleihung an sämmtliche reichsbewohner durch Caracalla 
gedenkt , eine kurze Verweisung auf Mommsens wichtige äuße- 
rungen darüber a. a. o. 474 ff. nicht haben entgehen lassen. 
Auch in Mommsens abhandlung über die evovati und in meinen 
aufsatz darüber kann er trotz 273, 2 doch nur eben flüchtig 
hineingeguckt haben, denn was bei ihm im text steht, ist völlig 
confus und ungenügend, und den kernpunkt dessen , worin 
Mommsen meine auffassung des instituts geglaubt hat berichtigen 
zu müssen, hat er gar nicht erkannt oder berührt. — P. 184,4 
ist fast wörtlich gleich Marquardt 2 180, 4. Aber Bouch^-Leclercq 
hätte dies Marquardt nicht nachschreiben sollen, denn warum, weil 
es z. b. in Gades zu Strabos zeit 500 equites Romani gab, der de- 
curionencensus dort erhöht werden sollte , ist nicht einzusehen. 
Daß in den größeren Städten vor dem öconomischen verfall des 
reichs die zahl der für den ordo und die honores qualifizierten 
bürger weit größer war als die derjenigen, welche wirklich dazu 
gelangten , ist ja sonnenklar. Jeder von jenen 500 equites Ro- 
mani war unzweifelhaft für die honores und den ordo qualificiert, 
aber nur ein theil gelangte wirklich dazu, die übrigen blieben 
equites de flehe wie jene auf der ara Narbonensis erwähnten. — 
Zuweilen ist der verf. allerdings zu seinem schaden von Mar- 
quardt abgewichen , darunter einige male wohl nur gleichsam 
unabsichtlich. So hat er p. 182, wo von der eintheilung der 
bürgerschaft in den römischen landstädten die rede ist, die noth- 
wendigen einschränkungen Marquardt 140 wohl nur der kürze 
halber unberücksichtigt gelassen. Daß jede civitas stipendiaria 
ihre lex civitatis gehabt habe (200), ist eine unbewiesene Ver- 
allgemeinerung des Marq. 82, 5 gesagten. Ebenso ist die bemer- 
kung 183, 4: un cur ator, qui se substitue aux quinquennales 
wohl nur durch das streben nach kürze irreleitend geworden, 
vgl. Marq. 164. Aber es fehlt auch nicht ganz an einigen erheb- 
licheren abweichungen. Wenn Bouche-Leclercq 192 f. die zahl 
der iuridici schlechthin auf vier bestimmt, so hätte er sich von 
Marquardt 226 nach Mommsen Staatsrecht II 2 1039 eines bes- 



Nr. 4. 68. Römische alterthümer. 309 

seren belehren lassen sollen. Während Marquardt die Augusta- 
len in dem abschnitt von der municipalverfassung abhandelt, 
gedenkt Bouche-Leclercq ihrer da mit keinem wort, sondern ver- 
weist sie gänzlich in die religionsalterthümer 557 ff. Offenbar 
hat er die sociale und staatsrechtliche Stellung des ordo Augu- 
stalium in den landstädten des reiches und seine bedeutung für 
die Verwaltung derselben damit nicht genügend gewürdigt. Fer- 
ner hat er zwar vollkommen recht , wenn er Egger Verdienste 
um die Widerlegung früherer irrthümer hinsichtlich des Augu- 
staleninstituts nachrühmt 558 f., aber er übertreibt dieselben, 
und wenn er mit jenem die seviri Augustalium mit den magistri 
Larum Augustalium und den magistri vicorum zusammenwirft , so 
war diese ansieht Eggers längst mit überzeugenden gründen 
zurückgewiesen worden. — Mit ihr steht wohl auch die irrige 
meinung im Zusammenhang , die augustalität sei par Vinitiative 
privee ins leben gerufen (558), habe von privatassociationen ih- 
ren ausgang genommen (561). — Llvistoire des Augustales manque 
absolument de Chronologie, sagt verf. 558, 4. Das ist nicht rich- 
tig. Augustalinschriften , die nach sicheren anzeichen noch bei 
lebzeiten des Augustus verfaßt sind, belehren uns über die zeit 
der errichtung des instituts (vgl. Marquardt 200, 1); andere, 
die mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit wenigstens der zeit 
kurz nach Augustus zugeschrieben werden dürfen , geben uns 
über die früheste entwicklung der Augustalcollegien werthvolle 
aufschlösse (s. Schmidt de seviris Augustalibus p. 25. 23. 30. 40). 
Falsch ist es auch , wenn Bouche-Leclercq von denen , die die 
ornamenta Augustalia empfangen hatten, sagt: ils etaient Augu- 
stales sans etre sevirales 560. Das gilt nur von den ad- 
lecti; übrigens übersieht Bouche-Leclercq auch, daß das einzige 
beispiel einer Verleihung der ornamenta Augustalia einen verstor- 
benen betrifft (s. Schmidt a. a. o. p. 71). — In allen diesen 
punkten trägt Marquardt nicht die schuld an den irrigen mei- 
nungen, die Bouche-Leclercq über das Augustalinstitut vorträgt. 
Dagegen wenn derselbe 557, 6 sagt: Dans VItalie du Sud les 
seviri Augustales n'apparaissent qu'ä Puteoli et ä Rhegion, mais 
iL y a des Augustales de condition inconnue, so hat er hierin 
allerdings Marquardt zum Vorgänger (p. 204). Es ist das einer 
der nicht ganz seltenen fälle , wo dieser die entscheidung zwi- 
schen den entgegengesetzten ansichten in der schwebe läßt, 
Philol. Anz. XVII. 21 



310 68. Römische alterthümer. Nr. 4. 

während er bei gründlicherer Würdigung der beiderseits vorge- 
brachten beweise wohl hätte zu einem bestimmten urtheil kom- 
men können. Ich bin auch heute noch der Überzeugung , daß 
die Augustales in Süditalien von den seviri oder seviri Aug. oder 
Augustales in anderen gegenden sich nur durch den namen un- 
terscheiden und daß in meiner schon öfter citierten schrift p. 33 ff. 
völlig ausreichende beweise für diese behauptung vorgetragen 
worden sind. Freilich ist gegen diese meine darlegung von an- 
derer seite sogar der directe Vorwurf unberechtigter ausgleichung 
der differenzen erhoben worden, ohne daß man jedoch darauf 
eingegangen wäre , die der meinigen entgegenstehende ansieht 
Henzens durch bessere beweise als die von diesem vorgebrach- 
ten zu stützen oder meine einwendungen dagegen und meine 
positiven argumente zu widerlegen. Gewiß ist es pflicht des 
historikers bei dem über alle Verhältnisse sich erstreckenden 
streben nach nivellierung , bei der langweiligen uniformität, 
die für die institutionen der kaiserzeit notorisch ist, jede 
wirkliche ausnähme, jedes wirkliche zeugniß einer individuellen 
gestaltung , einer mannigfaltigkeit der entwicklung sorgfältig 
zu respectieren. Allein wer jetzt noch meint, daß hier dieser 
fall vorliege , bei dem ist meines erachtens der wünsch der 
vater des gedankens. Jedenfalls wäre es wohl angebracht, wenn, 
wer in Zukunft die von mir bewiesene ansieht bestreitet, meine 
beweise widerlegen und die von mir widerlegte gegnerische an- 
sieht mit festeren argumenten stützen wollte. 

Bouche'-Leclercq's versuche gegenüber den autoritäten, denen 
er im allgemeinen folgt, abweichende auffassungen zu verfechten, 
sind auch sonst noch zuweilen recht unglücklich ausgefallen, so 
insbesondere seine polemik gegen Mommsens grundanschauung 
vom prineipat 126. Er sagt von derselben: eile n'est pas fausse, 
rnais je lui reproche de n'etre vraie que pour un jurisconsulte. Das 
ist ähnlich , wie wenn er in einem andern fall Mommsen zwar 
en tMorie recht haben läßt , übrigens aber seine ansieht bestrei- 
tet (273,2). — Giebt es denn zweierlei Wahrheit? Worauf be- 
ruht denn der unterschied zwischen der juristischen auffassung 
rechtlicher Verhältnisse und der nicht selten von derselben ab- 
weichenden des laien? Doch nur darauf, daß der Jurist die- 
selben schärfer und in ihrem wahren wesen zu ergründen sucht, 
während der laie sich oft bei einer oberflächlichen, auf trügeri- 



Nr. 4. 69. Pädagogik. 311 

sehen schein gegründeten beurtheilung beruhigt. Und kann 
denn Bouche" - Leclercq die schranken der kaiserlichen gewalt in 
bezug auf gesetzgebung , criminalgerichtsbarkeit , begnadigungs- 
recht, Zusammensetzung des senats, provincialverwaltung u. s. w. 
leugnen? In bezug auf letztere heißt es freilich 149: les pro- 
consuls des provinces ne sont plus que ses (des kaisers) lieutenants. 
Aber das sind doch nur leere worte angesichts dessen, was der 
verf. dann selber p. 152 und besonders 204 des näheren dar- 
legt. Hier, an der letzteren stelle, spricht er mit dürren worten 
als seine eigene meinung aus, was er 126 als „Übertreibung" 
bezeichnet hatte, nämlich que, durant pres de trois siecles, Vempire 
fut une sorte de dy archie et qua cöte de V empereur , considere 
comme le premier magistrat de la republique, le Se"nat avait son do- 
maine et ses fonetionnaires a lui. Wenn er diese meinung kund 
giebt toute reserve faite sur la portee de V expression , nun, so hat 
doch auch Mommsen an den nöthigen vorbehalten, d. h. an der 
aufzeigung der schon mit den anfangen des prineipats gegebenen 
und immer weiter fortschreitenden durchlöcherung der princi- 
piellen rechtsordnung es wahrhaftig nicht fehlen lassen. — Auch 
in der neuerdings wieder viel erörterten controverse über die 
giltigkeit der plebiscite hätte Bouche - Leclercq lieber Mommsen 
und der autorität der römischen Juristen folgen sollen, anstatt 
mit den ihre unkenntniß in staatsrechtlichen fragen so oft ver- 
rathenden ausläufern der annalistik historische Unmöglichkeiten 
zu behaupten, vgl. meine kurze meinungsäußerung in der Deut- 
schen litteraturzeitung 1885, p. 354 ff. 

Ich muß es mir versagen, noch weitere einzelheiten in dem 
vorliegenden buch einer kritik zu unterziehen. Das gesagte 
wird genügen, um mein oben darüber gefälltes urtheil zu recht- 
fertigen. 

Johannes Schmidt. 

69. Kurzgefaßter plan der Monumenta Germaniae Paeda- 
gogica, umfassend Schulordnungen, Schulbücher, pädagogische 
miscellaneen und zusammenfassende darstellungen aus den lan- 
den deutscher zunge. Unter mitwirkung einer anzahl fachge- 
lehrter herausgegeben von Karl Kehrbach. Berlin, A. Hof- 
mann u. comp. 

70. Monumenta Germaniae Paedagogica. Herausgegeben 

21* 



312 69. Pädagogik. Nr. 4. 

von Karl Kehrbach. Bd. I. Braunschweigische Schulord- 
nungen von den ältesten zeiten bis zum jähre 1828 mit einlei- 
tung , anmerkungen , glossar und register. Herausgegeben von 
D. dr. Friedrich Koldewey, direktor des herzoglichen 
realgymnasiums in Braunschweig. Erster band. Schulordnungen 
der Stadt Braunschweig. Berlin, A. Hofmann und comp. 1886. 
CCV und 602. 

Die zwei angeführten publikationen , von welchen die erste 
als manuscript gedruckt ist, machen uns mit einem unternehmen 
bekannt, das seit einer ziemlichen anzahl von jähren sorgfältig 
vorbereitet wurde und schon vor dem erscheinen des ersten ban- 
des die aufmerksamkeit weiter kreise erweckt hat. Es handelt 
sich um nichts geringeres , als um eine pädagogische parallele 
zu den Monument a Germaniae historica. Der geistige vater des 
ganzen Unternehmens ist dr. Karl Kehrbach , bekannt als her- 
ausgebet* mehrerer Schriften Kants und besonders der gesammt- 
ausgabe der werke Herbarts. Ueber den ausgangspunkt seines 
Unternehmens gibt derselbe p. 3 des „kurzgefaßten planes" fol- 
genden aufschluß: „schon längst ist in Schriften und auf öffent- 
lichen Versammlungen wiederholt darauf hingewiesen worden, 
daß die geschichtswerke der pädagogik einen nur ungenügenden 
einblick in die deutschen Unterrichts- und erziehungsverhältnisse 
vergangener zeiten gewähren. Der grund dieser offenkundigen 
thatsachen liegt in der mangelhaften heranziehung des bezügli- 
chen quellenmaterials". Diesem mangel soll nun durch die 
Monumenta abgeholfen werden. 

Ehe Kehrbach zur ausführung schritt , hat er sich münd- 
lich und schriftlich mit sehr zahlreichen gelehrten berathen, vor- 
schlage sich machen lassen und dann erst seinen plan in die 
vorliegende fassung gebracht. Unter den um rath gefragten 
gelehrten befinden sich pädagogen , historiker, philologen , theo- 
logen, archivare, bibliothekare u.s. w. Das unternehmen bekam so- 
dann eine feste form, indem man vier abtheilungen machte: 1) 
Schulordnungen; 2) Schulbücher; 3) pädagogische miscellaneen ; 
4) zusammenfassende darstellungen. In die abtheilung 3 sollten 
aufgenommen werden: dokumente pädagogischer art, die nicht 
in 1 und 2 unterzubringen waren, wie abhandlungen zur päda- 
gogik, pädagogische gutachten , selbstbiographisches, tagebücher, 
schulreden , tischzuchten , akten über erziehung und Unterricht 



Nr. 4. 69. Pädagogik. 313 

einzelner personen , briefwechsel unter Schulmännern etc. Die 
„zusammenfassenden darstellungen" sollen zur entlastung der 
andern abtheilungen dienen und zugleich auch monograpliien 
über hervorragende pädagogen , wie Erasmus und Melanthon, 
liefern. 

Kehrbach hat seinem plan ein Verzeichnis von Schulbüchern, 
wie sie von der mitte des 15. bis gegen ende des 16. Jahrhun- 
derts in den schulen Deutschlands gebraucht worden sind , bei- 
gegeben , das zwar keinen anspruch auf Vollständigkeit macht, 
aber trotzdem ein sehr werthvolles hülfsmittel für die geschichte 
der pädagogik auch in dieser form ist. Zu p. 34 sei bemerkt, 
daß die richtige namensform nicht Elummelberger, sondern Hum- 
melberg ist; denn so steht dieser aus Ravensberg stammende 
humanist in der von Töpke edierten matrikel der Universität 
Heidelberg eingetragen. Wenn sodann Kehrbach p. 34 fragt, 
wie Simler , der lehrer Melanthons , zu berücksichtigen sei , so 
dürfte das vielleicht am besten in der weise geschehen, daß 
man ihn mit den andern humanistischen grammatikern der zeit, 
wie sie damals in Tübingen und andern orten Südwestdeutsch- 
lands lehrten, zusammenfaßt. Denn davon wird man absehen 
müssen, wie ja auch Kehrbach selbst betont, alle diese Schul- 
bücher nochmals in extenso abzudrucken. Das wäre ein ding 
ohne ende. In vielen fällen genügt es , einen oder zwei cha- 
rakteristische repräsentanten herauszugreifen und in der einlei- 
tung dazu über ähnliche werke zu berichten. 

Nachdem der plan ausgereift war, begann der leiter des 
Unternehmens mitarbeiter für die einzelnen bände zu gewinnen, 
welche dann sofort mit der arbeit begannen. Aus den in an- 
griff genommenen thematen mögen die hervorgehoben sein, 
welche auch für die philologie von besonderem interesse sind : 
1) Direktor dr. Fr. Koldewey in Braunschweig , edition der 
braunschweigischen Schulordnungen ; 2) prof. dr. Teutsch in 
Hermannstadt, Schulordnungen Siebenbürgens ; 3) staatsrath prof. 
dr. Teichmüller in Dorpat, Schulordnungen der Ostseeprovinzen; 
4) Kehrbach selbst , der leiter, das visitationsbüchlein Melanch- 
thons ; 5) Jesuitenpater Pachtler in Blyenbeek, die Ratio studio- 
rum der Jesuiten; 6) dr. D. Eeichling in Heiligenstadt, das 
Doctrinale des Alexander Gallus (de villa dei) ; 7) prof. dr. J. 
Huemer, das Scholarium fundamentum des Remigius von Auxerre ; 



314 70. Pädagogik. Nr. 4. 

8) direktor dr. Uhlig in Heidelberg und dr. Galland in Straß- 
burg , die grammatiken des Chrysoloras , Theodorus Gaza , Las- 
karis etc.; 9) prof. dr. Ad. Horawitz in Wien, Erasmus von 
Eotterdam und seine bedeutung für erziehung und Unterricht, 
eine zusammenfassende arbeit, und ebenso 10) der Schreiber 
dieser zeilen eine zusammenfassende arbeit über Melanthon. 

Im laufe des jahres 1886 ist sodann bd. I des Unterneh- 
mens im druck erschienen. Der Verfasser der stattlichen und 
gut ausgestatteten publikation ist direktor Koldewey, der durch eine 
reihe gründlicher arbeiten über geschichte Braunschweigs in 
weiteren kreisen sich schon bekannt gemacht hatte. Der inhalt 
des bandes umfaßt „die Schulordnungen der stadt Braunschweig" 
von 1251—1828, wie der titel sagt. In Wirklichkeit aber ist 
derselbe viel reicher ; denn außer den eigentlichen Schulordnun- 
gen sind noch sehr zahlreiche andere Urkunden aufgenommen, 
welche die braunschweiger schulgeschichte erläutern , zugleich 
auch in manchen fällen ein ganz allgemeines interesse bean- 
spruchen. Eine 167seiten umfassende einleitung, die eine voll- 
ständige schulgeschichte der stadt Braunschweig ist, baut sich 
auf dem festen unterbau der folgenden aktenstücke auf. Der 
Verfasser hat überall auch eine weitschichtige lokalhistorische 
und pädagogische litteratur herbeigezogen , wodurch solche lo- 
kalhistorische schulgeschichten erst werthvoll und nützlich für 
allgemeinere wissenschaftliche zwecke werden. Wenn p. XXV ff. 
in dem streite der bürger mit der geistlichkeit um eigene Stadt- 
schulen Koldewey den ansichten Spechts und Meisters beipflich- 
tet und keine andern motive gelten lassen will als zweckmäßig- 
keitsgründe , so scheint mir der kämpf doch nicht so harmlos 
zu sein. Wenn die städter ihre eigenen schulen haben und 
nicht mehr von den schulen der geistlichen abhängig sein woll- 
ten, so waren die gründe dafür gewiß nicht bloß, wie die päpst- 
liche bulle angibt, darin zu suchen, daß die wege zu den geist- 
lichen schulen im winter für die kinder zu beschwerlich waren. 
Dafür allein hätte ein sparsamer magistrat den „pfaffenkrieg" 
mit dem banne und „ein gutes stück geld" schwerlich riskiert. 
Im gründe widersprechen auch die eigenen mittheilungen Kol- 
deweys p. XXXVII dieser harmlosen auffassung. Wenn die 
amtlichen zeitgenössischen quellen „vorwiegend nur äußerliche 
motive" angeben , so ist das selbstverständlich. Kein verstän- 



Nr. 5. Bibliographie. 315 

diger enthüllt in solchen Schriftstücken die letzten und eigent- 
lichen motive. — Zu dem , was p. XXXIII über die verböte 
zügelloser schülerfeste gesagt wird , finden sich jetzt hübsche 
parallelen bei Carl Eugel das Schulwesen in Straßburg vor der 
gründung des protestantischen gymnasiums, (Straßburg 1886), 
p. 24 ff. 

Koldeweys arbeit bringt zugleich eine anzahl werthvoller 
einzelbemerkungen, aus denen einige hervorgehoben sein sollen. 
Wenn Paulsen (Geschichte des gelehrten Unterrichts , Leipzig 
1885) p. 106 vermuthet hatte, daß locatus in den schulen des 
15. u. 16. Jahrhunderts den Vorsteher einer bestimmten schüler- 
abtheilung bedeutet, so scheint mir nach den bemerkungen Kol- 
deweys p. XLIV diese hypothese jetzt bewiesen. In der kon- 
troverse über den begriff der „partikularschule" p. 552 dürfte 
Paulsen im rechte sein. Wir verweisen dafür auf H. Denifle 
Die Universitäten des mittelalters (Berlin 1885) p. 11 ff. Zu 
den schulen p. 544, in welchen der Baptista Mantuanus als 
lehrbuch gebraucht wurde, dürfte nach Engel a. a. o. p. 35 
auch die Straßburger (und wohl auch Schlettstadter) schule des 
Hieronymus Gebwiler gefügt werden. 

An den abdruck der dokumente p. 1 — 526, die den haupt- 
inhalt des bandes ausmachen und anscheinend mit großer Sorg- 
falt wiedergegeben sind, reihen sich anmerkungen p. 527 — 574, 
ein niederdeutsches glossar zum Verständnis der niederdeutschen 
Urkunden p. 577 — 594 und ein Verzeichnis der mehrfach er- 
wähnten bücher p. 595 — 598. Die eigentlichen register bringt 
der zweite band. Jedenfalls ist das unternehmen durch Kolde- 
weys arbeit in durchaus würdiger und wissenschaftlicher weise 
eröffnet worden. Wird es in diesem geiste weitergeführt, so 
kann es ihm an gedeihen nicht fehlen. 

Karl Hartfelder. 

Bibliographie. 

Im verlage von Paul Neff in Stuttgart erscheint in 20 lie- 
ferungen ä 60 pf. „Rudolph Töpff er- aWmm" : wir machen beson- 
ders die, welche sich mit Plautus beschäftigen, auf die carrika- 
turen dieses classisch gebildeten meisters aufmerksam : sie wer- 
den durch diese bilder in der auffassung mancher plautinischer 
scene gefördert werden. 



316 Bibliographie. Nr. 5. 

Bei Paul Neff erscheint ferner die zehnte aufläge von Lübke's 
grundriß der kunstgeschichte : Neff erbietet sich zum umtausche 
älterer ausgaben ; dabei ein verzeichniß des sonstigen werthvollen 
Verlags dieser buchhandlung. 

Zu beachten sind für den philologen auch die anstrengun- 
gen in andern Wissenschaften zur hebung und förderung der ihnen 
nothwendigen Zeitschriften: so ist versendet ein prospect der von 
Fr. Vieweg u. söhn in Braunschweig verlegten „Naturwissen- 
schaftlichen rundschau", redacteur dr. W. SMareJc, ferner der bei 
H. Laupp in Tübingen erscheinenden „Zeitschrift für die ge- 
sammte Staatswissenschaft", redacteur dr. Adolph Wagner, des von 
Georg Reimer in Berlin übernommenen „Archivs für geschiehte 
der philosophie", redacteur dr. Ludwig Stein, alle drei in Ver- 
bindung mit andern gelehrten : in betreff der reichhaltigkeit und 
dem streben das ganze fach zu umfassen sind sie muster. Dazu 
macht einen eigenthümlichen gegensatz Julius Rodenbergs Rund- 
schau (gebrüder Paetel in Berlin Verleger): sie versendet vom 
13. Jahrgang, heft 7, april 1887 eine miniatur-nachbildung, um 
dadurch dem geneigten leser den mund nach dem ganzen recht 
wässerig zu machen : ein bestellzettel ist auch der bequemlich- 
keit wegen gleich beigegeben. Wie erfinderisch doch das stre- 
ben nach erwerb macht ! 

Kataloge der antiquare. Katalog nr. XLVIII des antiqua- 
rischen bücherlagers von Paul Lehmann in Berlin, geschiehte der 
außerdeutschen Staaten, geographie und reisen; — Katalog nr. V 
der Lipperf sehen buchhandlung und antiquariats in Halle a. S., 
bibliothek F. A. Eckstein, theil IV, schul- und gelehrtengeschichte, 
Universitätswesen, pädagogik; nr. VI, bibliothek des professor 
dr. Julius Caesar in Marburg, 4. 1: griechische autoren ; — 
XXII. katalog des Rheinischen buch- und kunst-antiquariats (dr. 
Nolte) in Bonn, alterthumskunde, encyclopädie der philologie. 

Verzeichniß der wichtigeren Publikationen auf dem gebiete der alter- 

thnruswissenschaft 1887. III. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

300. Ascoli, G. J. , sprachwissenschaftliche briefe. Autorisierte 
Übersetzung von Bruno Güterbock. Leipzig, Hirzel. 8. XVI, 228 p. 4 mk. 

301. Athenaei Naucratitae Deipnosophistarum libri XV rec. Geo. 
Kaibel. Vol. II, libri VI— X. Lpz., Teubner. 8. IV, 498 p. 4mk. 80 pf. 

302. Aufsätze philosophische. Eduard Zeller zu seinem 50jähr. 
doctorjubiläum gewidmet. Leipzig, Fues. 8. 482 p. 9 mk. 

3Ö3. Beer , Rud. , die Anecdota Borderiana Augustinischer Ser- 
monen. Wien, Gerold. (Sitzungsber. d. k. k. akad. d. wiss.). 14 p. 
8. 30 pf. & ' 

204. Blümner, Hugo, leben und sitten der Griechen. 3. abth. 
Feste und festliche spiele. Das theaterwesen. Kriegs- und Seewesen. 
Landwirtschaft. Gewerbe. Handel. Die sklaven. Prag u. Leipzig, 
Tempsky u. Freitag. IV, 190 p. 1 mk. (Wissen der gegenwart bd. 63). 

305. Bodleiana ed. Rieh. Schneider. Leipzig, Teubner. 8. 52 p. 
1 mk. 60 pf. 






Nr 5. Bibliographie. 317 

306. Brunn, Heinr., besprechung der glyptothek könig Ludwig I. 
zu München. 5. aufl. München, Ackermann. 8. VI, 292 p. 2 nik. 

307. Brunnenmeister, E., das tödtungsverbrechen im altrömischen 
recht. Leipzig, Duncker u. Humblot. 8. VII, 248 p. 5 mk. 

308 Büdinger, Max-, zeit und Schicksal bei Römern und West- 
ariern. Eine universalhistor. studie. Wien, Gerold. (Sitzber. d. k. k. 
akad.). 8. 33 p. 60 pf. 

309. Chantepie. de la Saussaye , P. D., lehrbnch der religionsge- 
schichte. Bd. I. Freiburg i. Br., Mohr. 8. X, 465 p. 9 mk. 

310. Cicero's rede f. T. Annius Milo. Für den schulgebr. erkl. 
v. R. Bou/enoeck. Ausgabe A u. B. Gotha, Perthes. 8. III, 90 p. 
1 mk. 20 pf. 

311. — , de natura deorum libri III. F. d. schulgebr. erkl. von 
Alfred Goethe. Leipzig, Teubner. 8. IV, 242 p. 2 mk. 40 pf. 

312. Denkmäler, antike, hrsg. vom kaiserl. deutschen archäolog. 
institut. Bd. I. Heftl. Berlin, Reimer, fol. 5 p. 12 tafel. 40 mk. 

313. Dissertationen philologae Vindobonenses. Vol. I. Prag und 
Leipzig, Tempsky u. Freytag. 348 p. 8. 7 mk. 

Inhalt: C. Kunst, de Theocriti versu heroico. — S. Reiter, 
de syllabarum in trisemam longitudinem productarum usu Aeschyleo 
et Sophocleo. — J. Kubik, de M. Tullii Ciceronis poetarum Latino- 
rum studiis. 

314. Di?tarchi orationes III. Ed. Th. Thalkeim. Berlin, Weid- 
mann. VIII, 52 p. 75 pf. 

315. Eudoxi ars astronomica qualis in charta aegyptiaca superest 
denuo ed. a. Frid. Blaß. Kiel, universitäts-buchh. 25 p. 4. 1 mk. 

316. Eutropi breviarium ab urbe condita recogn. Fr, Riwhl. 
Lpz., Teubner. 8. XIX, 90 p. 45 pf. 

317. Forchhammer, P. W., erklärung der Ilias auf grund der in 
der beigegebenen karte von Spratt u. Forchhammer dargestellten to- 
pischen u. physischen eigenthümlichkeiten der troischen ebene. Ein 
beitrag zur erledigung der homerischen frage. 2. aufl. Kiel, Lipsius 
u. Tischer 1888. 10 mk. 

318. Gom-perz , Theod. , zu Heraklit's lehre und den Überresten 
seines werkes. Wien, Gerold. (Sitzungsber. d. akad. d. wiss.). 8. 
61 p. 1 mk. 

319. Hauler, Ed., neue bruchstücke zu Sallust's Historien. Wien, 
Gerold. (Sitzber. d. k. k. akad.). 66 p. 1 mk. 

320. Hauser , Karl Baron , die Römerstraßen Kärnthens. Wien, 
Holder. III, 35 p. 8. 1 mk. (Aus Mittheil. d. anthropol. gesellsch. 
in Wien). 

321. Herwerden , H. van, lucubrationes Sophocleae. Utrecht, 
Beijers. 8. 83 p. 1 mk. 70 pf. 

322. Homeri Iliadis carmina ed. Alois Rzach. Pars II , Carm. 
XIII -XXIV. Prag u. Tempsky, Leipzig u. Freitag. 375 p. 8. 1 mk. 

323. — Odyssea scbolarum in usum ed. Paul Cauer. Pars II, 
carm. XIII-XX1V. Ebd. 228 p. 8. 1 mk. 

324. Jogi, Karl , zur erkenntniß der geistigen entwicklung und 
der schriftstellerischen motive Plato's. Eine studie. Berlin , Gärtner. 
8. 90 p. 2 mk. 

225. Knoke, Friedr. , die kriegszüge des Germanicus in Deutsch- 
land. Berlin, Gärtner. XI, 566 p. 8. 15 mk. 

326. Longinus, Aiovvaiov >} Aoyyivov ntql vipovg. De sublimitate 
libellus in usum scholl, ed. Otto Jahn. Iterum ed. Joh. Vahlen. 
Bonn, Marcus. XII, 80 p. 8. 2 mk. 40 pf. 

327. Mayerhoefer , Anton, geschichtlich- topographische studien 
über das alte Rom. München, Lindauer. III, 115 p. 8. 2 mk. 



318 Bibliographie. Nr. 5. 

328. Menge, Rud. u. Siegm. Preuß, lexicon Caesarianurn fasc. 3. 
Leipzig, Teubner. p. 257-384. 8. 1 mk. 60 pf. 

329. Meyer, Elard Hugo, indogermanische mythen. II. Achilleis. 
Berlin, Dümmler. VIII, 710 p. 8. 14 mk. 

330. Nemesii Emeseni libri ntgi ffvaicos dvftQianov versio latina. 
E libris mss. nunc primum ed. apparatu critico instr. Carolus Holzin- 
ger. Prag u. Leipzig, Tempsky u. Freitag. XXXVII, 175 p. 8. 6 mk. 

331. Oberhummer, Eugen, Akarnanien Ambrakia Amphilochien 
Leukas im alterthum. München, Ackermann. XVIII, 330 p. 8. 10 mk. 

332. Piatonis opera quae feruntur ornnia ad codd. denuo collatos 
ed. Martin Schanz. (Krit. ausgäbe.) Vol. III. Fasc. 1. Sophista. 
Leipzig, Tauchnitz. IX, 92 p. 8. 2 mk. 

333. Plauti, T. Macci, comoediae rec. instrumento critico et pro- 
legomenis auxit Fr. Ritschelius sociis operae adsumptis Gast. Loeive, 
Geo. Goetz, Fr. Schoell. Tomus III, fasc. II. Captivi rec. Fr. Schoell. 
Leipzig, Teubner. XXIII, 136 p. 8. 4 mk. 

334. Polyaeni strategematon libri VIII ex rec. Fd. Woelfflin. 
Iterum rec, excerpta Polyaeni e codice tacticorum Florentino addidit, 
Leonis imperatoris strategemata e Rud. Schoelli apographo subiunxit 
loa. Melber. Leipzig, Teubner. XXVI, 562 p. ■ 8. 7 mk. 50 pf. 

335. Sammlung Sabouroff, die. Kunstdenkmäler aus Griechen- 
land hrsg. von Adolf Furtwängler. 15. (schluß-)liefg. Berlin, Asher. 
10 taff. 10 bl. 112 p. text. fol. 25 mk. 

336. Schepss, G., die ältesten evangelienhandschriften der Würz- 
burger Universitätsbibliothek besprochen. Würzburg, Stuber. 38 p. 
8. 1 mk. 20 pf. 

337. Schneider, J., die alten heer- und handelswege der Germa- 
nen, Römer u. Franken im deutschen reiche. Nach örtl. Untersuchun- 
gen dargestellt. Heft 5. Leipzig, T. O Weigel. 23 p. 8. 5 mk. 

338. Scholia in Euripidem collegit recens. ed. Eduard Schwartz. 
Vol. I. Scholia in Hecubam Orestem Phoenissas. Berlin, G. Reimer. 
XVI, 415 p. 8. 9 mk. 

339. Schranko, Ed. Maria , der stoiker Epictet u. seine philoso- 
phie. Frankfurt a. O., Waldmann 1885. 8. VIII, 119 p. 2 mk. 

340. Taciti , Cornelii , opera quae supersunt rec. loa. Müller. 
Vol. IL historias et opera minora continens. Prag u. Leipzig, Tempsky 
u. Freytag. 360 p. 8. 1 mk. 50 pf. 

341. Wrobel, Valentin, Aristotelis de perturbationibus animi do- 
ctrina. Dissertat. particula I. Lanow 1886. 8. 58 p. 1 mk. 20 pf. 

Frankreich. 

342. Aristote , traite de la generation des animaux. Traduit en 
francais pour la premiere fois et accompagne de notes perpetuelles 
par J. Barthelemy Saint Hilaire. tome 1. 2. Paris, Hachette 1887. 
8. CCLXXXIII, 128, 557 p. 20 fr. 

343. Boissier, Gaston, Promenades archeologiques. Rome et 
Pompei. 3. e'd. Paris, Hachette 1887. 18. VI, 408 p. 8 pl. 

344. Casati, C. Charles, la gens, origine etrusque de la gens ro- 
maine. Paris, Didot 1887. 8. 18 p. 

345. Catalogue des manuscrits conserves dans les depots d'ar- 
chives departementales communales et hospitalieres. Paris, Plön 1887. 
8. II, 471 p. 

346. Catalogue general des manuscrits des bibliotheques publi- 
ques de France Departements. Tome I. Rouen par Henri Omonl. 
Paris , Plön 1887. 8. LX , 623 p. Tome II. Paris bibliotheque de 
P Arsenal p. p. Henri Marlin. Paris, Plön 1887. 8. 12 fr. 






Nr. 5. Bibliographie. 319 

347. Cesar oeuvres corupletes commentaires sur la guerre des 
Gaules avec les reflexions de Napoleon I. suivis des commentaires sur 
la guerre civile et de la vie de Cesar par Suetone. Traduction cVAr- 
taud. Nouvelle ed. tres soigneusement revue par Felix Lemaistre et 
precedee d'une etude sur Cesar par M. Charpentier. Tome I. II. Pa- 
ris, Garnier freres 1887. 18. XVI, 336. 354 'p. (Bibliotheque latine 
fran9aise). 

348. Collileux, E., Etude sur Dictys de Crete et Dares de Phrygie. 
Grenoble, Drevit 1887. 8. 111p. 

349. Denis, Jacques, la comedie grecque. Tome 1. 2. Paris, 
Hachette 1887. 8. 518 u. 556 p. 15 frcs. 

350. Diclionnaire des antiquites grecques et romaines d'apres les 
textes et les monuments contenant l'explication des termes, qui se 
rapportent aux moeurs aux institutions ä la religion aux arts aux 
sciences etc. et en general a la vie publique et privee des anciens 
sous la direction de Ch. Daremberg et Edm. Saglio. fasc. 11. (fiu du 
tome 1. et commenc. du tome II. Paris, Hachette 1887. 4. p. 1600 
—1703 et p. 1-56. 5 frcs. 

351. Doncieux, Geor., de Tibulli amoribus. Paris. (These). 1887. 
8. VI, 108 p. 

352. Dupouy , Edmond, la prostitution dans l'antiquite etude 
d'hygiene sociale. Paris, Alcan 1887. 8. 224 p. 

353. Gasquy , Armand , Ciceron jurisconsulte avec une table des 
principaux passages relatifs au droit contenus dans les oeuvres de 
Ciceron. Paris, Thorin 1887. 8. 352 p. 

354. Girard, Jules, le sentiment religieux en Grece d'Homere ä 
Eschyle etudie dans son developpement moral et dans son caractere 
dramatique. 3. ed. Paris, Hachette 1887. 18. 458 p. 3 fr. 50 c. 

355. Homolle , Theophile, les archives de l'intendance sacree a 
Delos 315—166 av. J. C. Paris, Thorin 1887. 8. 152 p. (Biblioth. 
des ecoles francaises d'Athenes et de Rome fasc. 49). 

356. Jousserandot , Louis, des assesseurs pres des tribunaux ro- 
mains. Paris, Larose et Forcel 1887. 8. 21 p. (Extrait des Seances 
et travaux de l'acad. des sc. morales et politiques). 

357. Jallian, Emille, inscriptions romaines de Bordeaux. Tome I. 
Bordeaux 1887. 4. XII, 616 p. 8 pl. (Archives municipales de 
Bordeaux. Tome complementaire). 

358. Lenormant, Francis, Histoire ancienne de l'Orient jusqu'aux 
guerres mediques continuee par Ernest Babelon. 9. ed. revue corri- 
gee considerablement augmentee et illustree de nombreuses figures 
d'apres les monuments antiques. T. 5 la civilisation assyro-chaldeenne; 
les Medes et les Perses. Paris, Levy 1887. 8. 527 p. 169 grav. 

359. Maspero, G., l'archeologie egyptienne. Paris, Quantin 1887. 
8. 313 p. 

360. Mommsen , Theod., le droit public romain. Trad. sur la 
deuxieme e'd. allemande avec l'autorisation de l'auteur par Frederic 
Girard. T. 1. Paris, Thorin 1887. 8. XXIV, 442 p. 

361. Pennier , Ferd. , les noms topographiques devant la philo- 
logie. Paris, Viewig 1887. 18. 357 p. 

362. Perrot, Georges et Ch. Chipiez, histoire de l'art dans l'an- 
tiquite (Egypte Assyrie Perse Asie mineure Grece Etrurie Rome). To- 
me 4. Sardaigne Judee Asie mineure. Paris, Hachette 1887. 8. 839 p. 

363. Poiret, Jules, de centumviris et causis centumviralibus. 
Paris, Thorin 1887. 8. 83 p. (These). 

364. — — Essai sur l'eloquence judiciaire a Rome pendant la 
republique. Paris, Thorin 1887. 8. 308 p. 



320 Bibliographie. Nr. 5. 

365. Poftier, Edm. , Salomon Reinach , la necropole de Myrina 
fouilles exe'cuteos au nom de l'ecole francaise d'Athenes par E. Pot- 
tier, Salomon Reinach, A. Veyries. Partie I. Paris, Thorin 1887. 4. 
262 p. 60 fr. 

366. Reinach, Salonion, conseils aux voyagenrs archeologiques en 
Grece et dans l'Orient hellenique. Paris, Leroux 1887. 18. 117 p. 

367. Saint Sains , Canaille , notes sur les decors de theatre dans 
l'antiquite romaine. Paris, Baschet 1887. 4. 23 p. 5 frc. 

368. Tacile , oeuvres de , texte latin revu et publie d'apres les 
travaux les plus recents, avec un commentaire critique philologique 
et explicatif uoe introduction des arguments et des tables analytiques 
par Emile Jacob. 2. ed. Annales, livres 11 — 16 suivis du testament ' 
politique d'Auguste. Paris, Hachette 1887. 8. 455 p. 7 fr. 50 c. 

Italien. 

369. Columba , Gr. M. , la prima spedizione ateniese in Sicilia 
(427-424 a. Chr.). Palermo 1886. 8. 32 p. 

370. Dottrina , la, dei dodici apostoli documento del primo se- 
colo della chiesa pubbl. nel suo testo originale con versione e com- 
menti del Rodolfo Majocchi. Ed. 2a corretta ed ampliata. Modena 
1887. 8. 288 p. 4 l'ire. 

371. Gamurrini, Gian. Fr., dissertazioni archeologiche. Arezzo 

1886. 8. 45 p. tavola. 

372. Goochvin, Fed., le XII tavole dell' antica Roma. Traduzione 
dall' inglese di Luigi Gaddi con prefazione di Pietro Cogliolo. Cittä 
di Castello 1887. 8. 1 lira. 

373. Scarabicchi, Giov. , la Serbia antica e moderna. Parte I la 
Serbia antica ossia la Mesia la Dardania e l'Illirico. Vol. I, fasc. 1. 
Siena 1887. p. 1—64. 

374. Stocchi , Gius., due studi di storia romana. Firenze 1887. 
16. 139 p. 2 lire. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Berlin. 375. Vahlen , Job. , über den philologischen sinn. 
Berlin 1886. 4. 22 p. 

376. (Observationes Euripideae). ib. 1887. 4. (Ind. lect.). 

377. de Propertii eleg. III, 11, 57 ff. 

378. Barbu, Nicol., de Sapphus epistula. Berlin 1887. 8. 42 p. 

379. Sie, Oscar, de Musarum imaginibus quaestiones selectae. 
ib. 1887. 31 p. 

380. Briel, Albert, de Callistrato et Philonide sive de actionibus 
Aristophaneis. 70 p. 

381. Fuchs, Max., die fabel von der krähe die sich mit fremden 
federn schmückt betrachtet in ihren verschiedenen gestaltungen in 
der abendländischen litteratur. ib. 1886. 8. 46 p. 

382. Grimmelt, Bernh., de reipublicae Piatonis compositione et 
unitate. Berlin 1887. 8. 102 p. 

383. Hartmann, Ludw. Moritz, de exilio apud Romanos inde ab 
initio bellorum civilium usque ad Severi Alexandri principatuna. ib. 

1887. 8. 62 p. 

384. Hiller de Gaertringen , Frider. , de Graecorum fabulis ad 
Thraces pertinentibus quaestiones criticae. ib. 1886. 8. 34 p. 

385. Kaiser, Rudolf., de inscriptionum Graecarum interpunctione. 
ib. 1887. 8. 38 p. 

386. Meyer, Arthur, de compositione Theogoniae Hesiodeae. ib. 
1887. 8. 102 p. 

387. Rannow, Maximil., Studia Theocritea. ib. 1886. 8. 53 p. 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 321 

388. Wendland, Paul, Quaestiones Musonianae. ib. 1886. 8. 38 p. 

389. Zimmermann, Ric, de nothorum Athenis condicioue. Mese- 
ritz 1886. 8. 53 p. 

Kopenhagen. 390. Ussing, Job.. Ludw. , Tiryns og de der 
ftindne Ruiners Betydning for Forstaaelsen af Homer. Kjebenhavn 1886. 
4. 57 p. 



Kleine philologische zeilung. 

Aus Südtirol, 22. januar. (Römische funde). Hiesige Zei- 
tungen bringen seit einiger zeit berichte über funde von römi- 
schen alterthümern aus der ersten kaiserzeit, welche in Obermais 
bei Meran gemacht worden sind. Nachdem vor mehreren Wo- 
chen die „Mer. ztg." von römischen dachziegeln (tegulae) und 
münzen, die dort gefunden wurden, berichtet hatte, meldet jetzt 
der „Bote für Tirol und Vorarlberg" als weitere ergebnisse der 
nachgrabungen : hohlziegel (imbrices) scherben , knochen , eisen- 
stücke und ein bruchstück einer handmühle. Nicht weit von 
der stelle , wo diese alterthümer in den trümmern eines alten 
gemäuers einen meter unter dem ackerboden aufgefunden , ist 
vor kurzem f/2 meter unter dem erdboden auch eine römische 
münze (kleinbronze) ausgegraben worden , welche auf der Vor- 
derseite die inschrift „Imp. Licinius P. F. Aug.", im felde des 
kaisers köpf und auf der rückseite die worte „Iovi Conservatori" 
trägt ; im felde eine stehende figur — Iupiter in der rechten 
hand die Siegesgöttin haltend und sich mit der linken band auf 
einen speer stützend. Unweit vom schlösse Rametz in Obermais 
ist noch eine andere römische münze , eine sehr gut erhaltene 
„rettungsmedaille", 2 1 /a meter unter der bodenfläche gefunden 
worden. Diese trägt auf der Vorderseite die Umschrift: „Ti. 
Claudius Caesar Aug. P. M. TR. P. Imp. u im felde dessen köpf 
und auf der rückseite die inschrift: „Ex S. C. Ob Cives Servatos". 
Münch. allg. ztg. no. 26. 

Rom. Am 27. januar entschlief dr. Wilhelm Henzen, der 
als langjähriger Vorsteher des archäologischen instituts sich um 
unsere Wissenschaft in mannigfachster weise die größten Ver- 
dienste erworben. Seinen tod zeigt Münch. allg. ztg. nr. 32 
in schönen worten an : beil. zu nr. 32 berichtet wie folgt über 
das begräbniß : Rom, 30. januar. (Beerdigung Henzen's). Heute ist 
Wilhelm Henzen zu grabe getragen worden. Die feier war, wie 
der mann, anspruchslos, ohne pomp, herzlich und echt deutsch. 
Alle Deutschen der ewigen Stadt gaben ihm das letzte geleite 
nach dem stillen historischen friedhof an der Cestius - pyramide, 
über dessen majestätischen cypressen ein reiner himmel blaute 
und auf dessen marmordenkmälern helle, warme Sonnenstrahlen 
wehmuthsänftigeud und verklärend spielten. An der offenen 
gruft sprach zuerst der botschaftsprediger, pastor Rönneke, wel- 
cher der ewigen Stadt und ihren örtlichkeiten, dem capitol, dem 



322 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

Tiberstrom tiefsinnige gleichnisse abzulauschen wußte; nach 
ihm in herzlichster , ergreifendster weise namens der central- 
direction des archäologischen instituts professor Ad. Michaelis, 
welcher dem dahingeschiedenen das versprechen nachrief, daß 
das institut in seinem sinne auch ferner Deutsche und Italiener 
in brüderlichem zusammenwirken vereinigen werde. Der clas- 
sisch schöne nachruf schloß mit den worten der von Henzen 
geliebten inschriltensprache : „Vale, anima pia ! Sit tibi terra levis 11 . 
Auf dem durch Michaelis gewidmeten prachtvollen kränze stan- 
den die einfachen worte: „die generaldirection ihrem treuen 
Henzen". Die schüler des instituts , deren einer kurze tiefge- 
fühlte worte dem hingeschiedenen lehrer und freunde nachrief, 
hatten einen kränz mit der aufschrift: „Guilelmo Henzen patri 
optimo iuvenes Capitolini" gestiftet. Auf der schleife eines an- 
deren kranzes las man : ,,0. Benndorf et Bormann Vindobonenses 
Guilelmo Henzen, quem patris instar coluerunt". Im namen der ita- 
lienischen collegen Henzens , welche diesen mit recht wie einen 
der ihrigen betrachteten und durch seine mit höchster Urbanität 
vereinigte wissenschaftliche bedeutung nicht wenig zur achtung 
deutscher gelehrsamkeit ermuthigt worden sind, sprach professor 
Gatti mit einer dankbarkeit und wärme, wie sie in höherem 
grade nicht von einem Deutschen hätte erwartet werden können. 
Es fehlte nicht an weiteren durch kranzspenden zum ausdruck 
gebrachten beweisen der freundschaft und Verehrung von den 
verschiedensten seiten : so von dem deutschen botschafter herrn 
von Keudell, dem langjährigen collegen des verstorbenen, Wolf- 
gang Heibig („Guilelmo Henzen per V lustra animi patrii amico, 
per XXII annos conlegae probatissimo") , von Theodor Mommsen, 
dem Baron von Hoffmann , dem deutschen künstlerverein , dem 
archäologischen institut zu Athen, dem österreichischen institut, 
der russischen colonie, der englisch amerikanischen archäologen- 
gesellschaft , der römischen municipalität , der generaldirection 
der alterthümer und künste in Italien u. a. m. Aber auch ohne 
diese anzeichen würde man es der trauerversammlung angesehen 
haben, daß sie einen schweren und allgemein gefühlten Verlust 
erlitten hatte. Wir allen fühlen es tief: ein vir bonus ist uns 
entrissen. — Beil. zu nr. 36 reproducirt einen in dem Reichs- 
anzeiger enthaltenen nachruf: dazu fügen wir den von Julius 
Vogel in Leipz. Illustr. ztg. nr. 2277, p. 193. 

Am 1. februar brachte in Berlin im abgeordnetenhause pro- 
fessor Enneccerus die übelstände zur spräche, an denen das ju- 
ristische Studium und das prüfungswesen auf unsern und beson- 
ders den preußischen Universitäten leide. Ihm entgegnete der 
geheime regierungsrath Stölzel, präsident der prüfungscommission 
im Justizministerium in so gründlicher und überzeugender weise, 
daß der professor in größte Verlegenheit gerieth: wir machen 
jeden freund der Universitäten auf diese ausführungen nachdrück- 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. • 323 

liehst aufmerksam : sie beweisen wie umsichtig und sorgfältig 
alles hierher gehörige die regierung beachtet und das erregt vertrauen. 
Dann aber sieht man auch hier wieder, wie wenig grade den Jüngern 
professoren unsrer zeit das wesen der deutschen Universität be- 
kannt ist und sie daher die wege für abhülfe der schaden nicht fin- 
den können : wir führen hier an das programm von Liszt in Mar- 
burg (s. PhAnz. XVI, 12, p. 641), ferner den in der juristischen ge- 
sellschaft zu Berlin am 12. decemb. 1886 von professor dr. Gold- 
schmidt gehaltenen Vortrag über das juristische Studium in Preußen : 
er verlangt in den schluß-thesen (der Vortrag selbst wird im druck 
erscheinen) ein strengeres examen als das bisherige, die abhal- 
tung desselben durch eine gemischte commission, die jedoch vor- 
wiegend aus professoren bestehen soll, und als Vorbedingung zur 
Zulassung ein vierjähriges Studium der rechts- und Staatswissen- 
schaften , wobei der einjährige dienst nicht eingerechnet wird: 
vrgl. Münch. allg. ztg. 1886, no. 348. Diese wie andre suchen 
in prüfungen und dergleichen das heil und streben darnach nur 
in andrer weise zwangscollegia einzuführen, die vor unge- 
fähr 40 jahren auf wünsch und drängen der Universitäten von 
den regierungen unter dem beifall aller guten und verständigen 
abgeschafft wurden: dann aber übertreiben alle, professoren und 
ihre freunde wie die gegner der Universitäten: eine Universität 
ohne schwänzen und faullenzen wird man auf dieser erde eben 
so wenig erreichen, als ein volk ohne Spitzbuben und gott und 
kaiser vergessende Wähler. Hierzu vrgl. unten p. 330 die mit- 
theilung aus Göttingen. 

Aus dem bericht des generalmajors Popp über die jüngst 
bei Ffünz in Baiern an den Überbleibseln eines Römercastells 
ausgeführten ausgrabungen und Untersuchungen giebt mitthei- 
lungen Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 44. 

Ueber die russifizirung der Ostseeprovinzen so wie über 
die immer wahrscheinlicher werdende aufhebung der Universität 
Dorpat berichtet Münch. allg. zeit. beil. zu nr. 51. 53. Daran 
schließen wir, was Riga, 10. mai der ,.Köln. ztg." geschrieben 
und von der Münch. allg. ztg. nr. 136 reproducirt wird: „das 
gesammte deutsche Schulwesen der baltischen provinzen ist durch 
einen so eben bekannt gewordenen kaiserlichen befehl vom 10. 
(22.) april d. j. im höchsten grade gefährdet worden. Am ge- 
nannten tage hat der kaiser ein vornehmlich auf drängen des 
estländischen gouverneurs Schachowski und des Justizministers 
Manassein zu stände gekommenes gutachten des minister-comite"s 
bestätigt, das sich für die einführung der russischen Unterrichts- 
sprache nicht nur in allen vom Staate unterhaltenen deutschen 
gymnasien, sondern auch in sämmtlichen auf kosten der ritter- 
schaften, städte und Privatpersonen bestehenden deutschen gym- 
nasien und realschulen ausspricht. Vom 1. august d. j. ab soll 
mit der ausführung dieser maßregel , deren einzelheiten zu be- 



324 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

stimmen dem minister der volksaufklärung, beziehungsweise dem 
curator des lehrbezirks, überlassen wird, begonnen werden. Wie 
verlautet , gedenkt man in der weise den anfang zu machen, 
daß zunächst in den oberen klassen der genannten lehranstalten 
bereits vom nächsten halbjahr ab einzelne fächer in russischer 
spräche vorgetragen werden. Immerhin soll so schleunig wie 
möglich der gesammte inhalt des kaiserlichen befehls verwirk- 
licht werden. Daß damit zugleich einerseits das bestehen der 
unzähligen deutschen schulen niederer Ordnung in frage gestellt 
ist, und andrerseits die aufhebung der deutschen Universität 
Dorpat nur als eine frage der zeit erscheint, liegt offen zu tage" 
und wird durch spätere mittheilungen der Münch. allg. ztg. nr. 
147, beil. zu nr. 151 bestätigt. In Deutschland scheint man 
dies vorgehen der russischen regierung zu unterschätzen, obgleich 
eine reihe namentlich von .der Verlagsbuchhandlung Duncker 
und Humblot verlegten Schriften die wege dieser regierung ge- 
nau verfolgt und würdigt: so die schrift: „Die bedrückung der 
Deutschen und die entrechtung der protestantischen kirche in 
den Ostseeprovinzen" 1886 und dazu das p. 57 angehängte ver- 
zeichniß des verlags der genannten buchhandlung : die wege 
und die macht des absolutismus treten da neben der zerspaltung 
der angegriffenen und unterdrückten sehr grell zu tage : der 
czar und der pabst begegnen sich hier einander. 

Einen beachtenswerthen nekrolog von A. Socin über den 
unsrer Wissenschaft leider im rüstigsten mannesalter entrissenen 
A. von Gutschmid liefert Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 82. 

In München wird zu ostern d. j. das jetzt errichtete Luit- 
pold-gymnasium eröffnet werden. Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 83. 

Am 23. märz hielt in der juristischen gesellschaft zu Wien 
dr. v. Brinz einen Vortrag über die bedeutung von auetoritas und 
potestas im römischen recht. 

Am 26. märz ward von schülern der oberclasse des Maxi- 
miliansgymnasium zu München — rector dr. Wecklein — der 
Prometheus des Aischylos in der Ursprache unter zahlreicher be- 
theiligung des publicums in gelungener darstellung aufgeführt, 
worüber Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 89 genauer berichtet. 

Am 27. märz ward zu Ansbach unter betheiligung zahl- 
reicher leidtragenden, worunter auch deputirte von der academie 
der Wissenschaften zu München und der directum der Marcus- 
bibliothek zu Venedig , Staatsbibliothekar professor dr. G. M. 
Thomas beerdigt, worüber das nähere beil. 2 zu Münch. allg. 
ztg. nr. 89 mittheilt. 

Die von Döllinger in der sitzung der academie der Wissen- 
schaften zu München am 20. märz gehaltene rede, auf die wir 
hier ausdrücklich aufmerksam machen, veröffentlicht die Münch. 
allg. ztg. beil. zu nr. 88. 89 : sie weist nämlich in großen Zü- 
gen nach, ,,wie die ganze moderne civilisation und bildung aus 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 325 

griechischen quellen geflossen , zeigt wie dies zuerst durch das 
griechische unmittelbar , dann durch die Eömer und das latei- 
nische geschehen, daß diese hellenischen einflüsse zwar mancherlei 
Unheil gestiftet , aber doch viel größern gewinn der menschheit 
gebracht haben, daß endlich bei der geistigen freiheit, in deren 
genuß die jetzige zeit sich befinde, in zukunft die Wirkungen 
des Studiums der antiken muster und lehrmeister sich viel wohl- 
thätiger erweisen dürften, als dies in der Vergangenheit der fall 
gewesen". Es spricht sich in diesen ausführungen zugleich das 
als die Überzeugung dieses gelehrten kenners unsrer zeit und 
ihrer bedürfnisse aus , daß der Unterricht in den classischen 
sprachen grundlage des Unterrichts auf unsern gymnasien 
sein und bleiben müsse , auf welcher jene fortschritte sich ent- 
wickeln können. Um aber einmal zu zeigen, welche gegensätze 
in unserer zeit vorhanden , die alle auf die nation einzuwirken 
sich bemühen, erwähnen wir hier das buch von M. Flürschein : 
„Auf friedlichem wege", in welchem p. 323 zu lesen: „erst mit 
seiner (der philologenherrschaft) abschüttelung ist die schule 
frei und kann sie ihre aufgäbe erfüllen , jetzt bildet sie weder 
für das praktische leben tüchtige beamte, advocaten, kaufleute" 
u. s. w. : es erklärt sich dies urtheil aber aus der völligen un- 
kenntniß des Verfassers vom klassischen alterthum ; zum beweis 
für diese angäbe führen wir folgende zwei stellen des buches 
an : p. 329 „der Jurist wird gezwungen seinen {sie) Corpus iuris 
in lateinischem urtext zu studiren", und p. 331 die amerikani- 
schen advocaten und richter sind besser als die deutschen „weil 
nicht der [sie) Corpus iuris , nicht die lateinischen und griechi- 
schen klassiker das fundament ihrer bildung abgeben" : grade 
von derartiger Unwissenheit und Unverschämtheit — denn es ist 
unverschämt, öffentlich über dinge zu urtheilen , die man nicht 
kennt — rühren die Verdächtigungen der classischen Studien 
grade jetzt her. Statt sie zu widerlegen verweisen wir vorläufig 
auf den erlaß des preußischen ministers der öffentlichen arbeiten 
vom 6. juli 1886, wonach den abiturienten der oberrealschulen 
vom jähre 1889 ab die berechtigung für den Staatsdienst im 
bau- und maschinenfach entzogen werden soll: mit derartig ge- 
bildeten beamten scheint man also in der praxis nicht auskom- 
men zu können. Freilich ist dieser erlaß schon gegenständ von 
denkschriften und sonstigen publicationen, auch von besprechun- 
gen im abgeordnetenhause geworden, vrgl. die beachtenswerthe 
besprechung von Ziegler in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 77 : 
hier nur die bemerkung , daß man doch schon um der logik 
willen nicht gegen facta — solche haben doch den minister zu 
seinem erlaß veranlaßt — streiten und sie der theorie zu liebe 
zu beseitigen bemüht sein sollte. 

In R. v. GottschaW 's Unsere zeit, Jahrg. 1887, hft. 1, p. 28 
findet sich ein trefflicher aufsatz von Ferd. Gregorovius „Segesta, 

Philol. Anz. XVII. 22 



326 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

Selinunt und der Mons Eryx", welcher manche ergänzung zu 
desselben buch „Siciliana" enthält; in ihm spricht er p. 34 ge- 
legentlich seine bekümmerniß über die jetzt vor sich gehende 
Zerstörung so vieler ewig werthvoller reste des alten Eom aus, 
sonst aber illustrirt die abhandlung den p. 43 angeführten aus- 
spruch des Italieners Boito: „die einzige classische kunst ist die 
der Griechen : sie bleibt immer schön, wie die verse Homers". 

Skizzen über die Levante und Griechenland von H. Scherer 
stehen in Grenzboten 1886, nr. 30. 31. 32. 

Aufmerksam wollen wir machen auf die schrift: Biographi- 
sches. Gesammelte aufsätze von dr. Otto Mejer (Freiburg i. B., 
Mohr), welche sich beziehen auf Gustav Hugo , den gründer der 
historischen Juristenschule , auf B. G. Niebuhr , auf den in Born 
lange lebenden Kestner , dessen bekannte archäologische Samm- 
lungen zum guten theil in folge testaments nach Göttingen kom- 
men , und auf den minister C. F. Eichhorn , an welchen letztern 
eine beachtenswerthe Schilderung der kirchlichen zustände in 
Preußen unter dieses ministers Verwaltung sich anknüpft : allen 
vier männern liegt nach dem verf. als leitendes princip ihres 
lebens redliche Selbstzucht , unbedingte Pflichterfüllung und ein 
warmes religiöses empfinden zu gründe, wodurch die aufsätze 
trotz der eigenthümlichkeit der männer einen innern einheitli- 
chen, ihre Wirkung nur verstärkenden character erhalten. 

Athen, 4. april. Ziemliches aufsehen macht in der athenischen 
gelehrtenweit die auffind ung eines prähistorischen grabes in Dy- 
menion bei Volo. Die ausgrabungen haben schon vor mehreren 
Wochen begonnen. Der custos des athenischen archäologischen In- 
stituts ist dahin abgegangen, um die ausgegrabenen alterthümer 
zu verificiren. Ein offizieller bericht über diese liegt noch nicht 
vor, aber nach allem, was bisher über die ausgrabungen ver- 
lautet, ist kein zweifei darüber gestattet, daß das blosgelegte 
grab den homerischen zeiten angehört. Die zahllosen darin auf- 
gefundenen gegenstände, meist frauenschmuck, so wird der ,,Polit. 
corresp." geschrieben, sind größtentheils aus gold ; doch befinden 
sich darunter auch solche aus bernstein und einem bisher noch 
nicht festgestellten harz. Diese gegenstände stellen meist blu- 
men oder blätter von pflanzen dar und sind in ihrer künstleri- 
schen ausführung außerordentlich jenen ähnlich, die in den grä- 
bern von Mykene vorgefunden wurden. Einige derselben sind 
nicht viel größer als ein Stecknadelkopf und trotzdem von un- 
endlicher reinheit und Zartheit der ausführung. Wie die aus- 
grabungen in den gräbern von Mykene haben auch die in 
Dymenion einen character, der an ein land von meerbewohnern 
gemahnt. Unter den goldgegenständen fanden sich solche, welche 
perlen, purpurschnecken u. s. w. darstellten. Die zahl der ge- 
fundenen antiken gegenstände beträgt viele hundert. Viele an- 
zeichen scheinen darauf schließen zu lassen, daß die leichen der 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 327 

in dem grabe von Dymenion bestatteten dortselbst auch ver- 
brannt wurden. Ob diese thatsache sich indeß bestätigt, wird 
erst die genaue wissenschaftliche Untersuchung klarzulegen haben. 
. — Auf der akropolis zu Athen nördlich vom Erechtheion, wurde 
kürzlich in einer tiefe von dritthalb metern ein kleines Stand- 
bild der Athene von einer höhe von 37 centimetern gefunden. Der 
schild , den die Athene trägt , ist meisterhaft ausgearbeitet. Das 
bildniß scheint einer giebeb oder sonstigen gruppe angehört zuhaben, 
wie aus dessen untertheil ersichtlich ist. Münch. allg. ztg.nr. 102. 

Pera, 11. april. Seit einigen tagen redeten die türkischen 
blätter viel von einem in der Troas eröffneten tumulus, in wel- 
chem dem „Tarik" zufolge ein portrait der königin Hekuba ge- 
funden worden sei. Frank Calvert giebt über die ausgrabung 
im „Lev. Herald" vom 9. april auskunft : es handelt sich um 
den Tchoban Tepe genannten tumulus, den am meisten nach 
westen liegenden auf dem höhenzug von Balli Dag auf dem 
wege zwischen Bunarbaschi und Ezineh. Suleiman Effendi, 
Iman von Ezineh, hatte geträumt, daß hier ein schätz verborgen 
sei und in vier auf einander folgenden nachten mit hülfe von 
hirten den tumulus eröffnet. Man stieß auf eine aus vierzölligen 
Steinquadern erbaute grabkammer , in welcher sich zahlreiche 
Schmuckgegenstände aus goldblech vorfanden. Die sache wurde 
den behörden bekannt, und es gelang, noch eine gewisse anzahl 
der fundobjecte den besitzern zu entreißen ; dieselben wurden 
ins palais geschickt. Frank Calvert sah die gegenstände, bevor 
sie nach der hauptstadt kamen. Es waren: 1) ein ziemlich so- 
lide gearbeitetes diadem , bestehend aus goldenen eichenblättern 
und kleinen eichein, die an einem goldenen draht befestigt wa- 
ren-, in der mitte des diadems war eine art von gelenk ange- 
bracht, so daß dasselbe eng anschließend angelegt werden konnte. 
Das diadem wog 36 drachmen = lOOgramm; 2) mehrere frag- 
mente eines goldenen bandes (2 fuß lang, 3 zoll breit), auf wel- 
chem in einzelnen Vierecken die figur einer citharspielerin ein- 
gedruckt war; 3) stücke eines bronzespiegels und 4) eine ala- 
basterurne. Augenscheinlich entstammen die objecte nicht der 
heroischen epoche , sondern einer mehrere Jahrhunderte späteren 
zeit, so daß Calvert meint, daß das grabmal der bekannten Ma- 
nias oder Midias Manias , die vom Satrapen Pharnabazos mit 
der herrschaft über Gergis und die Troas betraut wurde , mög- 
licherweise angehören könne. Münch. allg. ztg. no. 105. 

Wiener zeitungen zu folge hat Petrus Papageorgiu , ein 
griechischer in Philippopel lebender gelehrter, daselbst eine hand- 
schrift des XIV. jahrh. gefunden , welche mehrere schritten des 
Aristoteles enthalten soll, wie Münch. allg. ztg. nr. 113 mittheilt: 
näheres ist abzuwarten. 

Brüssel, 20. april. Nach fast einjähriger pause sind die 
herrschenden ultramontanen in Belgien wieder zu dem eigentli- 

22* 



328 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

chen ziele ihrer politischen thätigkeit zurückgekehrt : zum kämpf 
gegen die schule. Vor wenigen tagen erst wurden 16 ländliche 
gemeinden durch königliches decret ermächtigt , ihre einzige 
Volksschule aufzuheben und schon liegen 100 andere decrete 
zur Unterschrift bereit. Die zahl der aufgehobenen schulen be- 
läuft sich seit 1884 auf nahezu 1000 , und jene der lehrer, 
welche seitens der neuen regierung einfach die absetzung er- 
fuhren, übersteigt 3000. Selbstverständlich entstehen in allen 
orten, welche auf diese weise ihrer bisherigen staatlichen Volks- 
schule verlustig gehen, sofort sogenannte klosterschulen, in wel- 
chen die geistlichen schulbrüder den Unterricht nach ihrer weise 
und ohne genügende staatliche controle ertheilen. In ganz Eu- 
ropa zusammen giebt es nicht so viele klosterschulen , als auf 
diesem kleinen fleck erde, auf welchem die mönche einen unge- 
wöhnlich starken procentsatz der bevölkerung bilden. Es ist 
selbstverständlich, daß die geistlichen schulbrüder, welche auf 
dem lande entschieden schon das monopol des volksschullehrer- 
amts besitzen, die künftige generation in vollständiger beschränkt- 
heit und geistiger abhängigkeit erziehen und auf diese weise 
eine den klerikalen gefügige Wählerschaft heranbilden. Einen 
anderen zweck hat auch der ganze belgische schulkampf, diese 
beschämende erscheinung unserer aufgeklärten zeit, gar nicht. 
Wenn es den ultramontanen noch vergönnt sein sollte , einige 
jähre am rüder zu sein, dann wird der volksschulunterricht auf 
dem belgischen flachlande sich ganz und gar in den bänden 
des klerus befinden. Nur die größeren städte , welche eine li- 
berale communalverwaltung besitzen, bilden heute noch die letzte 
schutzwehr des öffentlichen Volksschulunterrichts in Belgien. 
Wenn man bedenkt , in welchem traurigen zustande die allge- 
meine Volksbildung sich hier befindet und wie die belgischen 
arbeitermassen, das gefährlichste material für alle anarchistischen 
bestrebungen, ohnehin in unglaublicher Unwissenheit aufwachsen, 
dann wird man erst begreifen , welchen verhängnisvollen fehler 
das belgische volk beging, als es am 10. junil884 die führung 
des Staates in die bände der klerikalen legte. Die seitherigen 
nachwahlen haben freilich bewiesen , daß die Wählerschaft über 
die wirklichen tendenzen der klerikalen nunmehr aufgeklärt ist. 
Wer weiß , ob dieses erwachen nicht zu spät ist. Jedenfalls 
wird ein volles Jahrzehnt liberaler herrschaft dazu gehören, die 
spuren der ultramontanen schulhetze zu verwischen. Münch. 
allg. ztg. no. 116. 

Es ist uns zugegangen : „Entgegnung auf eine kritik des 
herrn prof. M. Schanz von prof. Joseph Kräl", Prag, 21. april 1886, 
Selbstverlag: die schrift bezieht sich auf eine kritik in der Deut- 
schen literaturzeitung VIII, nr. 15: der streit betrifft vorzugs- 
weise die Ordnung und Verwandtschaft der Plato-handschriften. 

Rom, 24. april. In der gestrigen kammersitzung begrün- 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 329 

rieten Baccelli und Bonghi den von ihnen eingebrachten in 
Münch. allg. ztg. nr. 121 wörtlich mitgetheilten antrag auf her- 
stellung der sogenannten „Archäologischen promenaden -anläge" 
im innern Roms. Dieselbe soll die von neubauten bisher fast 
unberührt gebliebene region im südlichen theile der Stadt, spe- 
ciell das römische forum, das kolosseum, den Palatin, die Cara- 
callathermen und die Via Appia durch gartenanlagen , alleen 
und fahrwege miteinander verbinden und den dreifachen zweck 
erreichen, jene großartigen antiken baudenkmäler durch passende 
Umrahmung mehr zur geltung zu bringen , für ihre erhaltung 
und Sicherung vor der bauspeculation zu sorgen und die Stadt 
mit einer der bygiene und der erholung zugute kommenden an- 
läge zu versehen. Baccelli hofft noch außerdem zu erreichen, 
daß den großen päpstlichen bauanlagen , welche bis heute der 
ewigen Stadt das gepräge geben , ein ebenbürtiges werk der 
neuen nationalen aera an die seite gestellt werde. Der mini- 
ster des innern erklärte, die regierung sei sehr gern bereit, ein 
so hohe und edle ziele verfolgendes project in berathung zu 
ziehen. Münch. allg. ztg. no. 117: dagegen wird in derselben 
zeitung nr. 121 auf die großen, kaum zu beseitigenden Schwie- 
rigkeiten aufmerksam gemacht, welche dem antrag entgegenstehen. 

Am 27. april starb zu Aachen Alfred von Reumont: einige 
notizen über sein leben giebt Münch. allg. ztg. nr. 118, über 
die feierliche bestattung ebendas. beil. zu nr. 124. 

Neue forschungen über den nach 1530 als Superintendent 
der grafschaft Wertheim verstorbenen und außer andern wegen 
seiner Übersetzung bezw. erklärung der Germania des Tacitus 
wichtigen Eberlin bringt Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 122. 

Ueber die um 1. mai zu Paris im hotel Drouot vorgenom- 
mene Versteigerung römischer und byzantinischer münzen be- 
richtet kurz Münch. allg. ztg. nr. 123: das Berliner museum 
hat mehre wichtige stücke erworben. 

Eine besprechung der von Karl Hegel herausgegebenen 
„Briefe von und an Hegel" (2 bde. Duncker und Humblot) von 
Carriere enthält Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 125. 126. 

Die türkische regierung legt jetzt dem besuch der Troas 
und ihrer trümmerstätten durch ausländer Schwierigkeiten in den 
weg: wie dr. Schliemann und andern reisenden der besuch nicht 
gestattet worden, erzählt Münch. allg ztg. nr. 126. 

Die Monumenta paedagogica von Kehrbach finden — s. ob. 
p. 311 flg. — überall die verdiente anerkennung : vrgl. z. b. die an- 
zeige von Koldewey's bd. I in Nord und Süd, bd. 38, hft. 114, p. 409. 

„Moritz Seebeck, ein lebensbild aus dem neunzehnten Jahr- 
hundert" von Rudolf Eucken, findet sich in Rodenberg Deutsche 
rundschau 1886/87, nr. 10, 15. febr. 1887, p. 275: er war 
zuletzt kurator der Universität Jena : „das andenken von See- 



330 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

becks wirken ist mit der Universität Jena unzertrennlich ver- 
knüpft" schließt die mit wohlthuender wärme geschriebene skizze. 

München, 12. mai. Von den vortragen in der maisitzung der 
academie der Wissenschaften sind von philologischem interesse 
ein äthiopisches geschichtswerk, Kebra nagast, mit erläuterungen 
von K. Besold, beitrage zur textkritik des Q. Curtius Rufus von 
Meiser , Sammlung byzantinischer Sprüchwörter von Krumbacher. 

Paris, 14 mai. Frankreich hat einen vertrag mit Griechen- 
land abgeschlossen , nach dem Frankreich für die dauer von 
10 jahren allein berechtigt ist, ausgrabungen in Delphi zu ma- 
chen : die gefundenen gegenstände bleiben im besitz von Grie- 
chenland, aber Frankreich allein ist berechtigt, gipsformen von 
denselben abzunehmen und diese zu vervielfältigen. Münch. 
allg ztg. nr. 136. 

Philadelphia, 14 mai. Heute wurde der grundstein zur 
Leland - Stanford - Universität in Palo - Alto in Californien gelegt, 
welche Stanford zum andenken an seinen verstorbenen söhn ge- 
gründet hat; sie besitzt ein capital von 10 millionen dollars. 
Münch. allg. ztg. nr. 138. 

Adolph Schmidt, nekrolog von Dietrich Schäfer in Münch. allg. 
ztg. beil zu nr. 140: es heißt da : Schmidt „war weit entfernt davon 
auf diesem wege" — durch annähme eines mandats für den 
reichstag — " nach ehrenauszeichnungen oder Stellungen zu streben. 
Titel und orden waren ihm verhaßt und er hat sie sich stets 
fernzuhalten gewußt. Sein ehrgeiz fand volle befriedigung in 
der Stellung und thätigkeit des academischen lehrers : hier aber 
strebte er eifrigst dem höchsten nach und wachte eifersüchtig 
über recht und würde des amtes. In seinen handlungen hat er 
sich nie von andern als sachlichen motiven leiten lassen : allen 
strebungen andrer art begegnete er mit der größten Unduldsam- 
keit". Das ist das schönste lob für den academischen lehrer: 
möge es unsern Universitäten nie an männern fehlen , welche 
demselben ziele nachstreben und dadurch unsre Universitäten 
vor den irrwegen des leider auch den regierungen gefährlichen 
parteitreibens kräftig zu schützen im stände sind. 

Breslau. Siegerts tragödie Klytämnestra hat hier den glän- 
zendsten erfolg schon bei der ersten aufführung errungen, wie 
die schlesischen Zeitungen und darnach Münch. allg. ztg. beil. 2 
zu nr. 140 berichten: es zeigt sich wieder wie sehr es in Deutsch- 
land lohnt, griechische Stoffe dem modernen empfinden anzupassen. 
Und soll man deshalb vielleicht das antike von den gymnasien 
entfernen? ! 

Jena. In der ersten hälfte des juli a. c. findet hier Wie- 
derholung der Lutherspiele statt, die bekanntlich von einwohnern 
aller stände unsrer Stadt dargestellt werden. Münch. allg. ztg. 
beil. zu nr. 142. 

Tiflis. Um anfang mai sind von Schülern des ersten clas- 






Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 331 

sischen gymnasiums hieselbst die Captivi des Plautus recht gut 
aufgeführt worden; um dieselbe zeit hat eine Uhlandfeier hier 
stattgefunden. Man sieht , das deutsche element hat hier gute 
wurzeln geschlagen. (Und dabei die Deutschenhetze in den Ost- 
seeprovinzen? !) Münch. allg. ztg. nr. 142. 

Göttingen. Die Göttinger ztg. vom 30. juni d. j. enthält 
folgendes: „Göttingen, 30. juui. **Aus einem schreiben des Prä- 
sidenten des königlichen oberlandesgerichts zu Celle an die hie- 
sige juristische facultät bringen wir nachstehende bestimmung 
zur öffentlichen kenntniß : „Nach dem § 4 des prüfungsregula- 
tivs vom 1. mai 1883 liegt mir die pflicht ob, aus den bei ein- 
reichung des gesuches um Zulassung zur prüfung beizufügenden 
Zeugnissen festzustellen, ob der rechtscandidat ein den vorschrif- 
ren des gesetzes entsprechendes rechtsstudium betrieben hat. Ich 
beanspruche nun von jedem candidaten, welcher in Preußen ge- 
bürtig , daß er ein collegium über preußisches landrecht nach- 
weislich gehört hat, und zwar umsomehr, als dasselbe für einen 
theil der provinz Hannover landesgesetz ist. Mit großen be- 
fremden habe ich aus den mir mit den bisherigen gesuchen ein- 
gereichten Universitätszeugnissen ersehen , daß fast kein einziger 
candidat eine Vorlesung über preußisches landrecht auf der Univer- 
sität gehört hat, und wenn ich bis jetzt beim mangel dieses nach- 
weises von der Zurückweisung abstand genommen habe, so wird 
dies in Zukunft — jedenfalls vom jähre 1888 ab — nicht mehr 
geschehen ; ich werde vielmehr keinen candidaten zur prüfung zu- 
lassen, der nicht den nach weis erbringt, daß er auf der Universität 
preußisches landrecht gehört hat, und ich toerde auch bei den herren 
prüfungscommissären darauf hinwirken, daß preußisches landrecht ei- 
nen gegenständ der prüfung bildet u . Dies eine illustration zu dem 
oben p. 323 besprochenen-, die zwangscollegia sind schon da! 
Und zwar — wie praktisch ! — eingeführt durch einen den 
Universitäten ganz fernstehenden beamten, dessen Stellung nicht 
im geringsten kenntniß von dem wesen und den bedürfnissen 
der Universität verbürgt : ein solcher entscheidet auf grund einer 
verkehrt ausgelegten Verordnung im stile des beherrschers aller 
Reußen über eine doch nur vor das forum des kultusministers 
gehörige frage! Zur sache selbst mag vorläufig bemerkt werden, 
daß früher, vor ungefähr 50 jähren, im ersten iuristischen exa- 
men zu Berlin kenntniß des preußischen landrechts als eines 
rein praktischen Stoffes von den candidaten gar nicht verlangt 
wurde, die Juristen der damaligen zeit wußten, daß die rich- 
tung auf die praxis Universitäten zu gründe richten kann : bei- 
spiele dafür fehlen nicht. 

Auszüge aus Zeitschriften 

Philologische abhandlungen aus Zeitschriften 18 8 7. 

No. 3. 
Abhandlungen der kgl. gesellsch. d. wiss. zu Göttingen. Bd. 32. 



332 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 5. 

1885: F. Bechtel, thasische inschriften ionischen dialektes im Louvre. 

— Fr. Wieseler, über einige beachtenswerthe geschnittene steine des 
4. jahrh. n. Christi. Abth. 2. — Bd. 33. 1886: P. de Lagarde, neu- 
griechisches aus Kleinasien. — P. de Lagarde, novae Psalterii Graeci 
editionis specimen. 

Abhandlungen der sächs. gesellsch. d. wiss. zu Leipzig. Bd. X, 
no. 1. O. Ribbeck, Agroikos eine ethnolog. studie. — no. 2. — no. 3. 
M. Voigt, über die staatsrechtliche Possessio und den Ager Cornpo- 
scius der römischen republik. — no. 4. O. E. Schmidt , die hand- 
schriftliche Überlieferung der briefe Ciceros an Atticus, Q. Cicero, M. 
Brutus in Italien. 

Antologia, Nuova, 1887, fasc. 2. E. Brizio, una Pompei etrusca. 

— fasc. 3. 4. — f. 5. O. Marucchi, un Faraone egiziano e la scoperta 
della sua murnrnia. — fasc. 6. — 

Anzeiger, neuer , für bibliographie und bibliothekswissenschaft, 

1885, no. 9—12. — 1886, no. 1 — 1 2. — [Eingegangen.] 

Archiv für das studium der neueren sprachen. Bd. 78 , heft 1. 
A. Vollmer, Shakespeare und Plutarch. II. 

Archivio , glottologico italiano dir. da G. J. Ascoli. VIII, 3. — 
X, 1. G. J. Ascoli, due lettere glottologiche 1 : di un filone italico 
diverso dal romano che si avverta nel campo neolatino. 2. dei neo- 
grammatici. 

Archivio veneto, n. s., t. XXX, fasc. 60. V. Cian, a proposito di 
un ambasceria di P. Bernbo, dec. 1514. XXXI, fasc. 61. V. Cian 
(contin.). — C. Cipolla, ricerche sulle antiche inimigrazioni nella la- 
guna (contin.). — fasc. 62: P. Scomazetto , degli antichi segni incisi 
nelle pietre della Rocca di Asolo. — C. Cipolla , (contin.) — XXXII 
f. 63. — f. 64. G. Boni, antiche muratare veneziane. — fasc. 65. — 

Berichte über die Verhandlungen der sächs. gesellsch. der wiss 

1886, 2. Hultsch , über eine Sammlung von schollen zur sphärik des 
Theodosios. — Windisch, etymologische beitrage. 

Blätter für das bayer. gymnasialwesen 1887, heft 2/3. L. Ditt- 
meyer , die unechtheit des IX. buches der Aristotelischen thierge- 
schichte. II. — Th. Stangl, epikritisches zu Ciceros Orator und Brutus. 

— G. Schepss , zu Sueton's fortleben im mittelalter. — /. Melber, 
zu den angeblichen aus Dio Cassius stammenden Planudischen ex- 
cerpten. — Anzeigen. — Heft 4. L. Dittmeyer , (fortsetzung). — J. 
Herzer, nachdichtungen zu Horaz. — Anzeigen. 

Bulletin de l'academie des sciences de St. Pe'tersbourg, t. XXX, 
1885, no. 1. A. Nauck, kritische bemerkungen IX. — no. 2—4. — 
XXXI, no. 1. 2. — no. 3. A. Nauck, zu Claudii Galeni Pergameni 
scripta minora, vol. I. 

Bulletin de correspondance hellenique. Annee XI, 1887, no. I. II. 
M. Holleaux , tete de femme trouvee dans les ruines du Sanctuaire 
d'Apollon Ptoos. — Ch. Diehl et G. Cousin, inscriptions de Lagina. 

— P. Paris , fouilles a Elatee , le temple d'Athena Cranaia. — G. 
Badet et P. Paris, inscriptions de Pisidie , de Lycaonie et d'Isaurie. 

— M. S. C. Pantelides, inscriptions de l'ile de Cos. — A. Forstrier, 
exploration de la plaine d'Hermus. — G. Badet, lettres de l'empereur 
Hadrien a la ville de Stratonicee Hadrianopolis. — P. Foucart, les 
fortifications du Piree 394-393. — no. III. Ch. Diehl et G. Cousin, 
Inscriptions de Lagina (cont.). — B. Latyschev, inscriptions de Cher- 
sonesos. — G. Badet, notes de geographie ancienne. — M. Holleaux, 
fouilles au temple d'Apollon Ptoos: fragments de statues archaüques. 

— H. Lechat, fouilles au Piree. — 'A. E. Kovroliav, tmyoctpal tivix- 
doroi Kgfjtjg, laßov, Todlktojv Iliaidiccg, 2vvvud<x)v. 

Centralblatt für das bibliothekswesen , 1887, no. 3. — 4.-5. H. 



Nr. 5. Auszüge aus Zeitschriften. 333 

Omont, catalogue des inanuscrits grecs des bibliotheques publiques 
des Pays-Bas. (Leide excepte). — Falk, der Liviusberausgeber u. 
Übersetzer Nicolaus Corbacb. 

Commentari del Ateneo di Brescia per l'anno 1886. G. Rosa, 
i Cenomani in Italia. — L. Ruzzenenti, i sepolcreti gallici e pales- 
gici di Rernedello. — P. Cagtelfranca, tombe gallicbe a Reniedello. 

'E (fij u s q i s ägxaioloyixrj 1887, Ttv%. y. J. 'Piliov, tmygarfccl 
ix 'Ektvaivog. — 2t. A. Ko v fi et vo v dt], iptjyia/Aceia dvo armea xcct iv 
£7U(j.iTf}(p iftqcpiG/ua ix IlQirjvtjQ, — A. Stschoukareff, Miyuüixai imygcufcci. 

— /. 2a x xt k t ul v o g, $7iiyga(fai /gionctval xctl Innvußioi,. — ß.2iatj } 
äydk/uaia ^£ 'Emtfavgov. — d. <Pikiov , xsrfukij £f Ektvclvog. — II. 
rtüiQyiov, im,yQatfq £!; dxgonöktwg. — J.<t>ikiov, ngogttr/xat xal diog- 
9-iüfjcaa iig Tt t v 1% Ektvalvog iruygayriv. — B. 2t« rj, ZnaPog&wGig. 

Forschungen zur deutschen geschiente. Bd. 25, heft 1.2. — heft 3. 
Rockrohr, Lambert und Livius. — Bd. 26. — [Eingegangen.] 

Forschungen, romanische, hrsg. v. K. Vollmöller, bd. II], heft 2. 
J. Zupitza, welcher text liegt der altenglischen bearbeituug von Apol- 
lonius von Tyrus zu gründe. — J. Zupitza, eine coniectur zu Aldhelm. 

— E. Voigt, florilegium Gottingense. — Joh. Hümer, zur gesebichte 
der mittellatein. dichtung. — H. Roensch , lexikal. excerpte aus we- 
niger bekannten latein. sebriften. (3. reihe). — H. Roensch, etymo- 
logische miscellen. 

Hermes, 1887, heft 2. XI. Ph. Boissevain, über die dem Johannes 
Antiochenus zugeschriebenen Excerpta Salmasiana. — H. Kühlewein, 
die textesüberlieferungen der angeblich Hippokratischen sebriften über 
die alte heilkunde. — U. v. Wilnmowitz-Mbllcndorff, die erste rede 
des Antiphon ; Demotika der metöken IL — G. Schulz, über das ka- 
pitel De vtrsuum generibus bei Diomedes p. 506 ff. K. — H. Schra- 
der, florentinische Hoinerscholien. — Th. Mommsen, stadtrechtsbriefe 
von Orkistos und Tymandos. — G. Kaibel, zu Athenaeus. 1. Athe- 
naeus und Suidas. 2. Athenaeus und der Granimaticus Hermanni. — 
C. Robert, scenisches. 

Jahrbuch des k. deutschen archaeolog. instituts, bd. I, heft 4. A. 
Kalkmann, Aphrodite auf dem schwan. — H. Heydemann, die Phlya- 
kendarstellungen auf bemalten vasen. — M. Fränkel, vase des Ai- 
schylos — E Assmann, zu den schiffsbildern der Dipylonvasen. 

Jahrbücher , neue, für philologie u. paedagogik, 1887, nr. 2. B. 
Keil, Antiphon xam Trjg jutjiQvicig. — A. Ludwich , zum Homerischen 
Hermesbymnos. — K. Tümpel, Kallone. — K. Brugmann , der Ur- 
sprung von dkkykwv. — F. Polle, zu Thukyd. II, 20, 4. — Ad. Schniidt, 
die archonten Nikodemos und Agathokles und das stumme iota. — 
P. Schulze, Lukianos als quelle für die kenntniß der tragödie. — H. 
Magnus, zu den Metamorphosen des Ovidius. — W. Gilbert , zur er- 
klärung von Martialis epigrammen. — K. Hachtmunn, zu Ciceros re- 
den gegen Verres IV, 9. 

Jahrbücher für protestant. theologie XIII, 1887, heft 2. E. Pflei- 
derer, Heraklitische spuren auf theolog. boden. — IL JJsener, beitrage 
zur geschichte der legendenlitteratur. — Ohle, die Essäer des Philo. 

Jahrbücher des vereine von alterthumsfreunden im Rheinlande, 
heft LXXXI1. Isphordmg, Caesar's Rheinbrücke. — v. Veith, die Rö- 
merstraßen von Trier nach Köln u. Bonn. — IL Reuleanx , weitere 
ausgrabungen in Remagen. — Voigtel, römische Wasserleitung im dorne 
zu Köln. — P. Joerres, römische niederlassungen an der Abr, — G. 
M. Wolff, wie groß war ein römisches Winterlager für zwei legionen ? 

— Miscellen: P. Joerres, antiquarische beobachtungen im Ahrthale. 

— Archäologische funde in Athen. — Schaaff hausen, römische gräber 
in Bonn. — v. Veith, römische hufeisen. — v. Veith, römische Rhein- 

Philol. Anz. XVII. 23 



334 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 5. 

straße durch Bonn. — Schaaffhausen , römische gräber in Biwer; rö- 
mische villa bei Brohl. — Das alte Campodunum. — M. Ihm, inschrift 
aus Cannstadt. — Schaaffhausen , römische gräber in Koblenz. — 
Funde an der bayr. Donau. — Maaßen, EifelkaDal. — Schaaffhausen, 
funde bei Hamm in Westphalen. — Römische Mainbrücke bei Hanau. 

— Römische befestigung bei Jünkerath. — Eiserne Amorstatuette in 
Karlsruhe. — Mainalteithümer. — Hüfner, inschrift aus Mainz. — 
Schaaffhausen, funde bei Plittersdorf — Klein, römische inschrift aus 
Stockstadt. — Schaaffhausen, entdeckungen in Susa. — A. W., mönz- 
fund von Thüngersheim. — Römerquelle bei Wiesbaden. — Schaaff- 
hausen , ein Isistempel in der Schweiz. — Schaaffhausen , auffindung 
von mumien ägyptischer könige. 

Journal of R. Asiatic society , Vol. XVII.— Vol. XVIII, pt. 1. Jos. 
Edkins , ancient navigation in the Indian ocean. — p. 1 — 4. — XIX, 
part 1. — 

Melanges d'archeologie et d'histoire de l'ecole de Rome. VII annee, 
1887, fasc. 1. 2. CA. Robert, formes et caracteres des medaillons an- 
tiques de bronze relatifs aux jeux. — L. G. Pelissier, les amis d'Hol- 
stenius II les freres Dupuy. — E. Le Blant, le christianisme aux yeux 
des paiens. — A. M. Desrousseaux, note sur le fragment crypto-ta- 
chygraphique du Palatinus Graecus 73. 

Memoires de l'acad. des sciences de St. Petersbourg, VII. serie, t. 
XXXIV, no. 1 — 12. — no. 13. AI. Enmann, kritische versuche zur äl- 
testen griechischen geschichte. I: Kypros und der Ursprung des 
Aphroditekultus. — XXXV, no. 1. A. v. Gutschmid, Untersuchungen 
über die geschichte des königreichs Osroene. 

Mittheilungen des kais. deutschen archäolog. instituts. Athenische 
abtheilung, bd. XI, heft 4. W. Doerpfeld, der alte Athenatempel auf 
der akropolis. — F. Siudniczka , Zusammensetzungen im akropolismu- 
seum. — J. Boehlau, Perseus und die Graeen. — E. Petersen, ar- 
chaische Nikebilder. — G. Schuchhardt, Kolophon, Notion u. Klaros. 

— H. G. Lolling und P. Wolters, das kuppelgrab bei Dimini. — 
Mise ellen\ thurm einer pergamenischen landstadt. — F. Dämmler, 
berichtigung. — H. Swoboda, zup. 115 no. 2. — P. Wolters, xvXivdoog 
jsTQKytapog. — F. Studniczka, zur künstlerinschrift des Atotos und Är- 
geiadas. — H. G. Lolling, metrische inschi'iften in Larissa 

Mittheilungen aus der Sammlung der papyrus erzherzog Rainer, 
hrsg. v. Jos Karabacek , I, no. 1. 2. J. Krall, die ägyptische indic- 
tion. — K. Wessely, obolen- und chalkusrechnungen. — J. Wiesner, 
mikroskopische Untersuchung der papiere von El-Faijüm. — Kleinere 
mittheilung en: griechische papyrus aus der röm. kaiserzeit. — Ein 
griechisch geschriebener koptischer papyrus. Neue funde. — 3. 4. 
G. Bickell , das nichtkanonische evangelienfragment. — K. Wessely, 
literar. fragmente aus El-Fajjüm. 1. Hesiod. — Th. Gomperz , eine 
angebliche tragödie des Euripides und die kunstform des dithyrambos. 

— J. Krall, über die anfange der koptischen schrift. — Kleinere 
M itth eilung e n\ K. Wessely, avyvoiov. — K. Wessely, griechisch 
cf und s. 

Mnemosyne, XV, 1887, 2. J. M. J. Valeton , Quaestiones Grae- 
cae II. — H. v. Herwerden , Platonica. — K. G. P. Schwartz , ad 
Lucianum. — J. van Leeuwen , ad Aristophanis Pacis vers. 1159. — 
H. T. Karsten, de Tibulli elegiarum struetura. — P. Hoeckstra, ad 
Aeneidos VI, 579 sq. — J. P. Postgate, addendum ad Catull. VI, 10. 

— J. v. Leeuwen, ad Aristoph. Pac. v. 48. 

Museum, Rheinisches, für philologie XLII, heft 2: E. Pßeiderer, 
die Pseudo-Heraklitischen briefe und ihr Verfasser. — E. Klebs, die 
entwicklung der kaiserl. stadtpräfectur. — F. Dämmler, zu den hi- 



Nr. 5. Auszüge aus Zeitschriften. 335 

stör, arbeiten der ältesten peripatetiker. — F. Bücheier, Philodem 
über das homerische fürstenideal. — G. Hirschfeld, die gründung von 
Naukratis. — W. Deecke, zur entzifferung der messapischen inschrif- 
ten. — A. Ludwich, nacbahmer u Vorbilder des dichters Gregorios 
von Nazianz. — R. Hirzel, Poljkrates anklage und Lysias Verteidi- 
gung des Sokrates. — F. Marx , über die Nausikaaepisode. — A. 
Ger che, alexaDdrinische studien. — H von Arnim, quelle der Über- 
lieferung über Ammonios Sakkas. — J Boehmer, über Eratosthenes 
Katasterismen. — L. Friedländer, zu Petronius. — E. Wblffini , zu 
Quintilian. — J. van der Vliet, ad Apulei metamorphoses — K. Schu- 
macher, eine griechische inschrift des Cyriacus. — F. Bücheier, älteste 
latein. inschrift. 

Revue de l'histoire des religions. VIII. annee, 1887, t. XV, no. 1. 
J. A. Hild, le pessimisme moral et religieux chez Homere et Hesiode. 
2e article. 

Revue philosophique 1887, no. 2 — 3. — no. 4. 5: Picavet, le phe'- 
nomenisme et le probabilisme dans l'ecole platonicienne. 1. 2. 

Sitzungsberichte der kgl. preuß. akadeinie der wissensch. 1887, 
no. 1 — 3.-4. A. Milchhöfer, über Standpunkt und methode der atti- 
schen demenforschung. — 5 8.-9. 10. A. Kirchhoff, bemerkungen 
zu dem bruchstück einer basis der bürg von Athen. — 11. E. Cur- 
tiits , die volksgrüße der Neugriechen in ihrer beziehung zum alter- 
thum. — 12. 13. E. Zeller, über die Unterscheidung einer doppelten 
gestalt der ideenlehre in den Platonischen schritten. — 14 — -16. — 17. 
Bericht über die Sammlung der griechischen inschriften. — Bericht 
über die Sammlung der lateinischen inschriften. — Bericht über die 
römische prosopographie. — Bericht über die herausgäbe der Aristo- 
telescommentatoren. — Bericht über die Monumenta Germaniae histo- 
rica. — Jahresbericht des archäologischen instituts. 

Taschenbuch, historisches, hrsg. v. W. Maurenbrecher. 6. folge, 
6. jahrgg. Jul. Asbach, Cornelius Tacitus. II. 

Zeitschrift für geschichte, kultur-, litteratur- und kunstgeschichte. 
1887, no. 3. — no. 4. R. v. Scala, Konstantinopel zur zeit Iustinians. 

Zeitschrift, westdeutsche, für geschichte und kunst 1887, IV, heft 1. 
Fr. Kofler , Echzell ein knotenpunkt römischer straßen im östlichen 
theile der Wetterau. — K. Miller, zur topographie der röm. kastelle 
am Limes und Neckar in Württemberg. — W. Groß , das römische 
bad in Jagsthausen sammt anstoßendem gebäude. — J. Keller, rö- 
mische funde aus Mainz. 

Zeitschrift der deutschen morgenländ. gesellschaft. Bd. 40, heft 3. 
E. Kuhnert, Midas in sage und kunst. — Heft 4. M. Klamroth, über 
die auszüge aus griech. Schriftstellern bis AI Jaqubi. 

Zeitschrift für das gymnasial wesen 1887, april mai: G. Lange, 
Jahresbericht über Lykurg. — R. Engelmann, jahresb. üb. archäologie. 

Zeitschrift für die Österreich, gymn. 1887, heft 2. H. Roensch, 
latein aus entlegeneren quellen. — Anzeigen. — Heft 3. Jakob La 
Roche, Homerisches. — Anzeigen. 

Zeitschrift für vergleichende liiteraturgeschichte , hrsg. von Max 
Koch. Heft 3. Alfr. Biese , die aesthetische naturbeseelung in an- 
tiker und moderner poesie. II. — K. Krumbacher, ein problem der 
vergleichenden sagenkunde und litteraturgeschichte 

Zeitschrift für mathematik und physik. Bd. XXXI, heft 5. 6. — 
XXXII, heft 1. 2.— heft 3. C. Bemme, die Platonische zahl. 

Zeitschrift für numismatik, bd. XIV, heft 3/4. W. Drexler, zur 
antiken münzkunde. — B. Pick, zur titulatur der Flavier und die 
griech. münzen. 

Zeitschrift, internationale, für die allgemeine Sprachwissenschaft, 



336 Literatur. Nr. 5. 

hrsg. von F. Techmer, bd. T. A. F. Pott, einleitung in die allge- 
meine Sprachwissenschaft. — F. Müller, sind die lautgesetze natur- 
gesetze. — M. Müller, Zephyros und Gahusha. — A. H. Sayce, 
the person endings of the indo-european verb. — K. Brugmann, zur 
frage nach dem Verwandtschaftsverhältnisse der indogerman. sprachen. 

— N. Kruszewski, principien der sprachentwickelung. — W. v. Hum- 
boldt , grundzüge des allgemeinen sprachtypus. Wörtervorrath. — 
Bd. II. H. Baynes, on the psychological side of language. — K. Abel, 
zur frage nach den kennzeichen der Sprachverwandtschaft. — A. F. 
Polt, einleitung in die allgemeine Sprachwissenschaft. Zur litteratur 
der Sprachenkunde im besonderen. Asien. — F. Techmer, sprachent- 
wickelung, Spracherlernung, Sprachbildung. — N. Kruszewski, princi- 
pien der Sprachentwicklung (forts.). — G. Michaelis , über das mitt- 
lere n. — Bd. III, heft 1. A. F. Pott, einleitung in die allgemeine 
Sprachwissenschaft. Zur litteratur der Sprachenkunde im besonderen. 
Asien (forts.). — J. A. Schmeller, über schrift und schriftunterricht. 

— N. Kruszewski, principien der Sprachentwicklung. — 0. Jespersen, 
zur lautgesetzfrage. — Supplement I. — F. A. Pott, zur litteratur 
der sprachenkunde Europas. 

Zeitschrift, theologische, aus der Schweiz, 1886, heft 4. — 1887, 
heft 1.— heft 2. Jnl. Studer, die christliche ehefrage im verhältniß 
zur antiken. 

Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft XVII, 
heft 1. — heft 2 H. Steinthal, mythos, sage, märchen, legende, erzäh- 
lung. — Franz Krejci , über die ursprüngl. bedeutung der griech. 
daimones. 

Zeitschrift für alttestamentl. Wissenschaft, hrsg. von B. Stade, 
1885, heft 1. 2. - 1886, heft 1. 2. - 1887, heft 1. F. Baethgen, 
siebenzehn makkabäische psalmen nach Theodor von Mopsuestia. — 
Beckendorf, über den werth der altäthiopischen pentateuchübersetzung 
für die reconstruktion der septuaginta. — x, , die hebräische grund- 
lage der apokalypse. 

Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und kirchliches leben, 1887, 
heft 3. — heft 4. — heft 5. Ch. E. Luthardt, beitrage zur ethik und ihrer 
geschichte. 1. Zur antiken ethik. Aristoteles. 2. die gnostische moral. 

Literatur 1887, 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt.) 

Ueber meine ausgäbe des Ennius von Lucian Müller. 8. Peters- 
burg, C. Riemer. 

P. Vergili Maronis carmina selecta. Scholarum in usum edidit 
Edm. Eichler. Adiectae sunt tabulae duae. 8 min. Lipsiae, Freitag. 

Max Sonntag , über die Appendix Vergiliana. (Programm). 4. 
Frankfurt a. 0. 

Deux editeurs de Virgile par E. Collilieux. 8. Grenoble, Veuve 
Rigaudix. 

Ein freundesgruß. Horat. Carm. II, 7 neu erklärt von Veit Va- 
lentin. 8. Frankfurt a. M., Literarische anstalt. 

Lexicon Caesarianum composuerunt R. Metige et «S. Preuß. Fas 
III. 8 Lips., Teubner. 

Eduard Kräh , beitrage zur syntax des Curtius. Theil II. Pr 
gramm). 4. Insterburg. 

Dialogum a Tacito Traiani temporibus scriptum esse demonstra 
vit Beruh. Wuth. (Programm). 4. Spandau. 



i 

a- 



Nr. 6. 7. 1887. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Philologus 



Ernst von Lentsch. 



71. August von Edlinger, erklärung der thiernamen 
aus allen Sprachgebieten. Landshut 1886. 117 p. 

Es ist nicht zu leugnen , daß durch die massenhaftigkeit 
des vom verf. beigebrachten materiales — indogermanische , se- 
mitische , magyarische , türkische , chinesische , afrikanische und 
amerikanische thiernamen lösen einander in bunter reihe ab — 
oft überraschende bedeutungsanalogien auf den verschiedensten 
Sprachgebieten gewonnen werden, die nicht selten geeignet sind 
die hellsten Schlaglichter auf bisher umstrittene etymologien zu 
werfen. Für die anordnung des ganzen ist die alphabetische 
reihenfolge der deutschen thiernamen zu gründe gelegt. In den 
einzelnen artikeln selbst ist vielfach die letzte ordnende hand 
zu vermissen , so z. b. bei bär , pferd , schwein. Weit mehr 
würde es sich empfohlen haben , die einzelnen Sprachgebiete in 
ein für allemal bestimmter reihenfolge aufzuführen. Es würden 
dann statt so mancher lästigen Wiederholungen einfach Verwei- 
sungen nöthig gewesen sein. Auch etwas mehr citate wären 
erwünscht, um einerseits die Zuverlässigkeit des materials besser 
prüfen, andrerseits das eigne gut des Verfassers von fremdem 
scheiden zu können. Freilich allzuviel eignen etymologien bin 
ich auf dem mir bekannten indogermanischen Sprachgebiet nicht 
begegnet. 

Von einzelheiten , die sich auf das griechische und latei- 
nische beziehen, will ich folgende hervorheben : 

Unter antilope wird ein griechisches avuvöntj erwähnt. 
Doch ist mir dasselbe unauffindbar gewesen. Selbst in der 
Pariser ausgäbe des Stephanus ist es nicht verzeichnet. 
Philol. Änz. XVII. 24 



338 71. Grammatik. Nr. 6. 

P. 13 ist mit recht für bar Ficks (I 3 695) gleichsetzung mit grie- 
chischem qjrjg und lateinischem ferus angenommen. Doch die p. 99 
aufgestellte etymologie, daß die wurzel bhar im sinne von forare 
zu gründe liege, also mit dem namen bar das männliche ge- 
schlecht habe bezeichnet werden sollen , halte ich für unzutref- 
fend. Denn nur bei hausthieren hat das bedürfniß vorgelegen, 
die verschiedenen geschlechter auch mit verschiedenen namen zu 
belegen. Mir erscheint demnach Ficks etymologie von wurzel 
bhar schlagen, kämpfen das richtige zu treffen. 

P. 14 wird die oft vorgebrachte etymologie von 'AoxaSia 
als bärenland wieder aufgestellt. Ich habe gegen diese etymo- 
logie schon früher zweifei geäußert. Daher will ich jetzt etwas 
näher darauf eingehen. Zunächst sei bemerkt, daß die formen 
agxog und uQxilog erst spät sich nachweisen lassen. Auch 
sanskritisches rlcsha und lateinisches ursus erweisen agxrog als 
die ursprüngliche form. Von aQxzog kann aber nie und nim- 
mermehr 'Agxnbla gebildet sein. Ferner aber scheint mir der 
name 'Aoxädsg, wovon augenscheinlich ^ Agxabia erst abgeleitet 
ist, eine sehr gute andre erklärung zu finden, sobald man an- 
nimmt, daß dieser name seinen trägem erst von den Umwoh- 
nern gegeben ist. Es ist allgemein anerkannt, daß die Arkader 
zu der nachweislich ältesten bevölkerungsschicht der Peloponnes 
gehören. Sie mögen in ihr bergland durch nachrückende stamme, 
etwa die Achaeer, gedrängt worden sein. Da sie ihre freiheit 
zu behaupten verstanden , so kann ihnen leicht die benennung 
' Agxädsg wehrmänner von wurzel ark gegeben worden sein. In 
bezug auf das suffix vergleiche man bildungen wie (pvydg, Xoyäg, 
vofxäg. 

Die p. 15 aufgestellte vermuthung, daß der lateinische name 
des bibers fiber soviel als faber sein könne, ist schon wegen der 
Verschiedenheit der vokale unhaltbar. Die richtige ansieht stellt 
der verf. selbst im nachtrag auf. Noch sei bemerkt, daß latei- 
nisches castor sicher lehnwort aus dem griechischen ist. 

Zu p. 18 sei bemerkt, daß ardotjvt] zu dem bedeutungsglei- 
chen TsvOg/jit] sicherlich nur dissimilierte form ist. Uebrigens 
kommt der Verfasser bei dem ganzen artikel biene nicht recht 
zur klarheit über das gegenseitige verhältniß der begriffe töner 
und schwärmen, aus denen mancherlei insektennamen hervorge- 
gangen sind. Sicherlich ist das verhältniß so, daß zu dem be- 



Nr. 6. 71. Grammatik. 339 

griff der heftigen bewegung der des tönens ein naturgemäßes 
accidens ist. Deutlich fühlen wir dies noch in unsrem rauschen. 

Unter elephant, p. 33, wird mit recht die ansieht aeeeptiert, 
daß griechisches ileqiag hervorgegangen ist aus dem semitischen 
artikel el und dem altägyptischen ab , das sowohl elephant wie 
elfenbein bedeutet. So läßt sich auch lateinisches ebur unge- 
zwungen anschließen. Unerwähnt geblieben ist in diesem ar- 
tikel sanskritisches ibha, das wohl einfach auf die wurzel i zu- 
rückzuführen ist im sinne von traber. Das suffix ist dann das 
gleiche wie in rshabha, vrshabha, griechisch 'ikaepos, igupos. 

Der p. 49 erwähnte griechische vogelname nv^govlug geht 
nicht direkt auf nvo, sondern auf das davon abgeleitete nvQyög 
zurück. Ich zweifle übrigens nicht daran , daß der zweite be- 
standtheil dieses namens das wort oiigä schwänz enthält. Findet 
sich ja doch bei Aristoteles sogar die lesart nvQQovQÜg. Eine 
ähnliche dissimilation von r zu l bin ich geneigt in dem zuerst 
von Herodot II, 66 erwähnten thiernamen aliXovaog oder u'ikov- 
gog anzunehmen , den ich , gleichviel welche thiergattung damit 
bezeichnet werden mag, durch schwanzheber (vergl. «e ('uro, aiwQa) 
übersetzen möchte. 

Unter dem artikel hase (p. 56) hätte der von Aelian als 
lakonisch bezeichnete name Tayivag erwähnt werden sollen , der 
sich in seiner bedeutung gut zu hebräischem arnebeih stellt. 
Auch auf 77rro§ ducker hätte hingewiesen werden sollen. 

Die Zusammenstellung von xvav mit %vvog und lateinischem 
cum (p. 59) ist verfehlt. Ansprechend ist die von Curtius und 
Fick angenommene bedeutung von xvcop als „der starke", wohl 
mit dem nebensinn „der helfende" . 

Unter maus (p. 75) vermißt man die griechischen benen- 
nungen 6(i.ig und cpiv&u , die Curtius wohl mit recht auf den 
grundbegriff nagen zurückführt. 

P. 89 wird armentum als jochthier erklärt gleich iumentum. 
Doch hat Curtius, der Schöpfer dieser etymologie (Grundzüge I 1 , 
306) , dieselbe auf Corssens einwendungen (Kritische beitrage 
241) bereits in der 2. aufläge der grundzüge selbst zurückge- 
nommen. Mir scheint Corssen das richtige zu treffen , wenn er 
armentum im sinne von herde als der zusammengefügten nimmt. 

Der p. 94 für Schildkröte angeführte griechische name nle^- 
(i6g beruht wohl auf einem versehn. Anton. Lib. und Hesych. 
bieten nur TtlenfAvt;. 

24* 



340 72. Homeros. Nr. 6. 

P. 107 ist für lateinisch homo die etymojogie Hovelacques 
von wurzel ghu fundere adspergere aufgestellt, wie mir scheint, 
sehr mit unrecht nach den von Corssen und Curtius dagegen 
erhobenen einwänden. 

S. 109 ist lateinisch cimex unerwähnt geblieben. Hängt 
dieser name etwa mit sanskritisch gjäma dunkel und litauisch 
sssemas zusammen? 

Doch genug der speziellen bemerkungen. Im allgemeinen 
zeigt das büchlein einen fortschritt gegen des Verfassers frühere 
schrift „Kleines etymologisch- geographisches lexikon". Immer- 
hin ist aber auch jetzt noch dem verf . anzuempfehlen , daß er 
mit mehr ruhe und Überlegung arbeite und nach mehr Vertie- 
fung strebe. Constantin Angermann. 



72. Die homerischen hymnen, herausgegeben und erläutert 
von Albert Gemoll. Leipzig, druck und verlag von B. Gr. 
Teubner 1886. 

Man mußte längst erwarten, daß die auffindung der hand- 
schrift von Este eine neue recension der homerischen hymnen 
hervorrufen werde ; nun sind wir fast gleichzeitig mit zwei 
ausgaben beschenkt worden , der textausgabe von Eugen Abel 
und dem oben angeführten buche von stattlichem umfang. 

An handschriftlichem material hatte Gemoll nach Baumei- 
ster, Bücheier und Thiele neu erhalten kollationen des codex 
Estensis und den von Hollander aus zahlreichen italienischen 
handschriften gesammelten apparat. Dieses werthvolle material 
ist leider nicht mit der gebührenden Sorgfalt benutzt. Gemoll 
zeugt wider sich selbst durch den „kritischen anhang" (p. 365 
— 370), welcher nicht viel anderes als eine liste seiner Unter- 
lassungssünden ist , auf welche ihn Abels ausgäbe noch in 
zwölfter stunde aufmerksam gemacht hatte. Prüfen wir z. b. 
den kritischen apparat zu den ersten hundertfünfzig versen des 
Hermeshymnus, so finden wir eine menge Varianten nur im an- 
hange, darunter die einzig richtige lesart des Mosquensis v. 91 
noXv ohrjaeig , obgleich abgesehen von E und einer notiz Hol- 
landers Gemoll alles aus Baumeisters ausgäbe hätte herüberneh- 
men können. Aber nicht einmal der anhang füllt alle lücken 
aus: v. 42 ßd. (soll heißen Ed. von M). 110. Qvfxög M. 114. 
islaa auch M. 116. Inoßgu^iag doch wohl in allen handschriften 



Nr. 6. 72. Homeros. 341 

außer E. 124. aivcfeXfi (nicht -rf) M. Der unter dem texte ste- 
hende apparat genügt also für sich allein ganz und gar nicht. 
Wir wollen Gemoll keinen Vorwurf machen , daß die angaben 
über den codex Estensis vielfach unsicher und widersprechend 
sind; aber wie soll man darauf einen sicheren Stammbaum bauen? 
Auch die beurtheilung der schlechteren handschriften würde si- 
cherer stehen, wenn die angaben über die schon längst bekannten 
Pariser Codices zuverlässiger lauteten. Außerdem ist der appa- 
rat für einen weniger erfahrenen schwierig zu benutzen , weil 
Gemoll , statt in der einleitung übersichtlich die handschriften 
aufzuzählen und zu beschreiben, lieber einen vergleich zwischen 
seinem und Baumeisters apparat anstellt. 

Bezüglich der klassifikation dürfte sich gegen die von Abel 
entschiedener als von Gemoll durchgeführte ignorierung der Pa- 
risini und ihrer italienischen verwandten nicht viel einwenden 
lassen. Eben so klar ist, daß die werthvolle Überlieferung in 
die zwei gruppen ELD und M zerfällt. Ueber das gegenseitige 
Verhältnis der drei ersteren besteht eine differenz zwischen Ge- 
moll, Abel und Hollander (die handschriftliche Überlieferung der 
homerischen hymnen , Osnabrück 1886), welche ich bei seite 
lasse, da sie eines praktischen werthes entbehrt; Gemolls zu 
rückhaltung scheint mir übrigens vor dem kompilierten Stamm- 
baum Hollanders den vorzug zu verdienen. Hingegen kann ich 
weder seine hohe meinuug vom Estensis noch seine geringe an- 
sieht vom Mosquensis vollkommen billigen (p. 5 f. IX ff.). Je- 
denfalls macht Baumeister (p. 95) richtiger die vorläge als den 
Schreiber selbst für die abänderung des verderbten archetypus 
verantwortlich; denn H. Apoll. 1, 75 atötjg und 152 havtiäai 
sind nicht selbständige konjekturen , sondern Verderbnisse von 
solchen. Uebrigens bleibt Gemoll in seiner Unterschätzung der 
handschrift nicht konsequent, denn er nimmt Hymn. Ven. 8 
(vgl. Apoll. 323. 314) ohne noth aus M ylavxwmv auf, obgleich 
ylavxointdu durch 373. Pind. Nem. 7, 96. Ibyc. fr. 9. Cratin. 
fr. 231 (xvtcönida) gesichert ist. Die klassifikationsfrage wird 
dadurch sehr verwickelt , daß der Schreiber von L , wie mir 
scheint, nachträglich eine mit E eng verwandte handschrift ver- 
glich und lesarten und einige randnoten daraus über der zeile 
oder am rande nachtrug; Hollander hält jene für die stamm- 
handschrift. Die differenzen von E sind folgende: H. Ap. 55 



342 72. Homeros. Nr. 6. 

ao\X?]v L, noXXov (sie) E; 217 pavirjvag L, fiayvi^vag E (durch 
M gestützt) ; H. Merc. 86 avtozeonqaag (sie) L, altorgon^aag E. 
H. Merc. 360 ist ßkswoa* keine Variante, sondern glosse, H. 
Apoll. 211 die randnote wahrscheinlich eigene vermuthung. 

Es ist bei den hymnen gewiß die richtige methode , von 
fall zu fall festzustellen , welche lesart den vorzug verdient. 
Diese frage tritt dem herausgeber hier nicht so oft entgegen 
als bei einem anderen schriftsteiler, weil alle handschriften auf 
ein einziges original zurückgehen. Rec. kann mit Gemoll nicht 
in allen fällen in der wähl der Varianten übereinstimmen : Hymn. 
Apoll. 162 hat die vulgata xgtußuliaajvv , E und L über der 
zeile ßafißaltaatvr. Gegen jene lesart spricht Gemoll selbst im 
kommentar bedenken aus , ohne davon abzugehen. Der Zusam- 
menhang lehrt, daß der mimische chor die weite Wanderung der 
Hyperboreer durch nachahmung fremder sprachen ausdrückte. 
Daß die Griechen aber für Barbarensprachen nur verächtliche 
ausdrücke hatten, ist bekannt (vgl. z. b. Grasberger, Die griech. 
stichnamen 2 6 anm. 11); so paßt denn das wort ßa^ßakiaativ 
vortrefflich, weil es zu den Hesychiosglossen ßdßalov, xgavyuaov 
AoLxwvsg', ßaußdleiv , \pocpslv rolg xttkeai und ßafAßaXv^eiv } tovg 
686vtag avyxgovsiv , sowie bambalio und dem bekannten worte 
ßa^ßaltco (stammle) gehört (s. auch Diez, Romanisches Wörter- 
buch 4 39 u. bambo). Bei der augenscheinlichen vortrefflich- 
keit der lesarten , welche L am rande oder über der zeile , E 
im texte hat, möchte ich sogar H. Ven. 99 die möglichkeit nicht 
leugnen , daß ßijaea ein altes ßqaota (vgl. Hesych.) = ßyaoag 
birgt und daß H. Merc. 45 dfiaXövvai nicht das homerische 
dfxagvyai ', sondern dfiagvvyal verhüllt, vgl. Hesych. dfidgvyyeg, 
uxtheg, lafintjdoieg und Schmidt zu d(Jiugvrra • rovg oq&uXfiOvg. — 
Wie soll ferner das seltene wort noir^aiv, H. Merc. 544 eine erklä- 
rende glosse zu ntEQvytcoi sein? — Hymn. Bacch. 37: haben 
etwa die späten abschreiber etwas davon gewußt, daß Aristarch 
qiößog in der bedeutung „furcht" verwarf (Lehrs, Aristarch. p. 
75 f.)? Nein, sondern ausnahmsweise blieb in einigen jüngeren 
handschriften das echte wort zdvpog , während sonst die glosse 
cpoßog eintrat. — H. Ap. 125 ist natürlich inoög^ato des Mos- 
quensis das richtige und zwar haben wir hier den älteren stamm 
ogy (später vgty-ay , s. Gust. Meyer , Griechische grammatik §. 
499), welcher auch in ooyvid erscheint und dem sanskrit arj 



Nr. 6. 72. Homeros. 343 

entspricht; iatjg^mro wäre einzig bei einer religiösen Handlung 
am platze. 

Viel weittragender ist bei den bymnen die frage: soll man 
das unhomerische dulden oder korrigieren? Wir verlangen 
nicht, daß merkwürdige formen wie das dorische änaz^aä H. 
Merc. 545 E in den text gesetzt werden sollen, aber mehr Scho- 
nung verdient die Überlieferung, als ihr Gemoll angedeihen läßt. 
Wir greifen einige abschnitte heraus, um das verfahren des Ver- 
fassers zu charakterisieren. H. Apoll. 4 lesen alle handschriften 
und ausgaben r nahst ; nur Gemoll verlangt den konjunktiv, 
wobei er von der auslassung (!) von di spricht, aber er versteht 
den vers falsch. Die götter fürchten Apollo, sagt der dichter, 
weil (ozs mit indikativ = on) er den bogen schwingt (wie z. b. 
der todesgott in der „Alkestis"). Schon bei Homer heißt r<- 
ratioo nicht allein „spannen", sondern wird auch mit agixa und 
agoTQov verbunden , und Hesychios führt gerade unter den be- 
deutungen von zvnaivsiv auch ngadaipsiv auf. — H. Apoll. 26 wird 
die änderung von Kvvßog niemand zugeben, der bei Steph. Byz. 
s. v. liest: xal &rjkvxä>i s ' xal ovdaregoog. — H. Apoll. 99 war 
(fljadfioavprji;, das übrigens Baumeister nicht „vermuthet", sondern 
ausdrücklich für falsch erklärt, statt qigadnoovvr} wenigstens durch 
anführung der Variante von M zu begründen. — H. Apoll. 104 
lesen alle handschriften iQvadoiai ICvqigi isgyutrov ; Gemoll ver- 
wirft dies wie Barnes und Baumeister, aber es ist kein grund, 
etwas anderes als höchstens iegypiroi in lugpitrov zu ändern, 
d. h. das halsband bestand aus mehreren reihen, von denen jede 
vielerlei zierrathe an goldfäden aufgereiht enthielt. — H. Ap. 
251 und 291 werden evgcontjp tu xal cl[i<jiigvTag xaza. vtjaovg 
durch einen sophokleischen vers (Stephanus Byzant. u. Evgawt]) 
xal vtjaimtag na} pcutgag Evgarztag geschützt. — H. Merc. 79 wird 
igixpEv mit der motivierung verworfen : „da Hermes aus der wiege 
kommt , hat er natürlich keine sandalen an , die er wegwerfen 
könnte. (Aber woher hat er z. b. das nlijnrgov und so vieles 
andere ?). Auch würden ihn ja die weggeworfenen sandalen ver- 
rathen" ! (Er ließ sie ja nicht liegen, sondern warf sie fort). — 
Kann der dichter H. Merc. 447 nicht a(it]%apeoov von dem epi- 
schen feminin äpiffdiH] abgeleitet haben? — Was ist H. Merc. 
484 durch &eoöv (statt vitov) gebessert? Zum mindesten mußte 
der vers zugleich vor v. 483 gesetzt werden. — H. Cer. 58 



344 72. Homeros. Nr. 6. 

änderte gewiß niemand tavra in ö'cox«, wenn jenes das ur- 
sprüngliche gewesen wäre. „Das habe ich dir rasch sagen 
wollen", meint Hekate. — H. V (VI) v. 12 wird ein beleg für 
den bekannten pluralgebrauch des duals ohne noth entfernt. 
V. 16 stellt Gemoll Se^iöoito her, als ob nicht der dichter dieses 
hymnus schon die zerdehnung hätte annehmen können. Wir be- 
finden uns nicht in der Ilias. — H. IX (X) v. 2 : wie durch 
Lenneps lesung iqn/ASQTw etwas gewonnen werden soll, da doch 
im folgenden verse wieder FcpifteQror steht, sehe ich nicht ein. 
XXV (XXVI) v. 7 ist iqvSs durch rüde 29 (30), 4 gestützt 

An anderen stellen, wo eine änderung allerdings nothwendig 
ist, dürfte Gemoll nicht das richtige getroffen haben. Beispiels- 
weise durfte er H. Apoll. 20 den singular to/iög nicht aufgeben, 
weil auch T 249 und Hes. E. 401 rofiög und nicht, wie er be- 
hauptet, vo/joC steht ; also liegt der fehler in ßeßlrjaTai, das ein- 
fach durch ßißXtjtai zu ersetzen ist. — H. Ap. 142 bemerkt 
Gemoll nicht, daß durch rrjovg statt vijaovg gar nichts gewonnen 
ist. Es wäre besser gewesen, ein kreuz zu setzen. Bursian 
vermuthete statt otvtqng av iiga -1 nach Antiattic. Bekk. Anecd. I, 
116,7 ^/pff«, za u.7] ysooQyovfinva. Ich würde vorziehen: avdijQ 1 
„die ufer" (&uld<jar]s Oppian. hal. 4, 319, t« x s '^V r ^ v ^ora- 
ficöv Hesych.) , weil Oppian das wort aus einem älteren epiker 
geschöpft haben dürfte. — H. Apoll. 217 ist 'Hfiadiqv re aus 
geographischen gründen unmöglich ; auch Aäv.ytov scheint mir 
nicht ganz sicher, wenn ich auch nicht besseres dafür weiß. — 
H. Merc. 239 ist alhtrev zu vertheidigen ; ich denke an aXit} 
„erwärmung" n 23 , aber will man ändern , dann ist ivseilsv 
(nicht avseiXev) nothwendig. Im verse vorher liegt vXyg (codd. 
vlrjg) näher als vly. — H. Cer. 4 ist Büchelers konjektur dögr;- 
cfÖQOv zwar geistreich, aber von %QvaaÖQov weit abliegend; nä- 
her stehen xgvaapnvxog oder iqvoo&qovov. H. Pan. 18 ist Ge- 
molls lesung iningoisln fohi nicht überzeugend; wenn wir be- 
achten, daß der dichter Odyss. t 519 ff. verkürzt wiedergiebt 
werden wir die besserung inizgconiSan %eei. vorziehen. 

An manchen stellen ist die irrige vulgata stehen geblieben, 
z. b. dürfte H. Merc. 200 raJaÖ^ eine korrektur von rate sein. 
Zu den weidenden kälbern H. Cer. 174 duften fQiqim besser 
passen als tlayot. Ein schneebedeckter hügel (H. Pan. 4 \6- 
qior vicföstra) scheint mir eine contradictio in adiecto, obgleich 
ich mich mit der setzung eines kreuzes begnügen muß. 



Nr. 6. 72. Homeros. 345 

Kreuze kommen bei Gemoll in größerer zahl als früher vor 
und wir wollen ihn darüber loben , indes versuchen wir zu ei- 
nigen solcher stellen heilungsvorschläge : H. Ap. 59 dürfte so- 
viel sicher stehen , daß Leto der insel für ihre künftigen be- 
wohner ein leben voll opferschmäuse verspricht; also ist Örjpov 
sicher und es hieß wahrscheinlich drjpov äv' 1 ae%ei ßooxriaei ■Q'ol 
K8 ö' tjaiai. H. Merc. 241 ist G. Hermanns schlagende emen- 
dation qp/y qa ignoriert; v. 436 schreibe man daizö^ srnCgijv 
nach v. 478 und 31 und verbinde dies appositiv mit io.vta. 

Gemoll hat sich um die hymnen dadurch verdient gemacht, 
daß er viele klammern wegschaffte; leider spielt dabei eine art 
Strophentheorie mit. In verschiedenen fällen können wir seinem 
urtheile nicht beistimmen. H. Merc. 35 ist aus ungenügenden 
gründen verworfen. Andererseits berührt Gemoll den hauptan- 
stoß von H. Ap. 20 — 24 nicht , daß sie nämlich aus dem zu- 
sammenhange herausfallen und nur durch mißverständliche auf- 
fassung von näntj v. 20 an diese stelle geraten sind; v. 173 
ist unecht, zwar nicht als „eitle prahlerei", aber als vaticinatio 
ex eventu, d. h. von einem, der in dem blinden sänger Homer sah» 
eingefügt. In dem Hermeshymnus nimmt der herausgeber meh- 
rere lücken an ; sollte nicht auch in der gegend von v. 71 ff. ur- 
sprünglich Apollos name genannt gewesen sein, da v. 22 kaum 
dafür ersatz leisten kann? Vor v. 513 dagegen ist nichts aus- 
gefallen, denn v. 503 — 512 ist nichts als eine kurze Variation 
des Schlusses v. 513 — 578. 

Was die sogenannte höhere kritik anlangt, verdient Gemoll 
lob wegen des fleißes, mit welchem er die verschiedenen ansich- 
ten gesammelt , was übrigens von der angäbe der konjekturen 
nicht gesagt werden kann, z. b. übersah er, was Welcker, Grie- 
chische götterlehre II, 340 über H. Ap. 209 ff. und Wieseler, 
Observationes in Theogoniam Hesiodeam , index scholarum von 
Göttingen 1864, p. 12 f. (s. auch Bursian , Liter, centralblatt 
1875, p. 182) über H. Cer. 17 ff. schrieben. Bei vielen guten 
einzelbemerkungen sind die schwierigen fragen im ganzen nicht 
gefördert worden. In dem nachweis der ältesten citate der 
hymnen kommt Gemoll über Guttmann nicht hinaus. Denn ich 
kann weder die veraltete Vorstellung, daß die mythologische bi- 
bliothek ein auszug aus Apollodor sei, noch das Verzeichnis von 
angeblichen imitationen als f ortschritt bezeichnen. 



346 72. Homeros. Nr. 6. 

Den Apollohymnus bietet Guttmann nicht, wie man ihn 
bisher las, in zwei hymnen getheilt ; wie immer man darüber ur- 
theilt, jedenfalls ist es eine plackerei des publikums, nachdem 
seit fünfzig jähren jedermann nach der sonderung des pythischen 
hymnus citiert hat, nicht einmal am rande die übliche versezäh- 
lung anzugeben. Gemoll hat darin allerdings recht, daß man 
den hymnus nicht ohne weiteres in zwei stücke schneiden kann ; 
aber liegt es nicht auf der hand , daß die formel nmg t ag o' 
vfii.^am v. 19 und 207 zwei verschiedene hymnen einleitet und 
daß ferner v. 177 f. aizao iyoov ob fa'jioa u. s. w. am Schlüsse 
eines hymnus stehen muß. V. 14 — 18 und v. 179 — 182 sind 
fragmente anderer hymnen und der anfang des pythischen lie- 
des ist verloren gegangen; zur echtheitsfrage möchte ich be- 
merken, daß Strabo (I, p. 23) v. 14 — 18 nicht las, weil er die 
älteste erwähnung von Ortygia bei Hesiod findet. Von außer- 
ordentlichem werthe ist natürlich das lange citat bei Thukydides 
(3, 104), welches Gemoll nicht völlig würdigt: v. 148 ist a?)v 
ig uyvcav unverkennbar alt und zwar entspricht äyvia dem alten 
dycör (Versammlung), das v. 150 Thukydides richtig mit xa- 
Qtaaoaiv verbindet, während die späteren die ihnen geläufige 
bedeutung annehmen und demgemäß GTfjacovTai änderten , wie 
sie das ihnen unverständliche ayviav und dann das hievon ab- 
hängige iv&a wegschafften. Auch öpj^arw mußte dem von spä- 
teren dichtem häufig angewendeten bQm&na) weichen. Wir müs- 
sen leider daraus den schluß ziehen , daß der archetypus unse- 
rer handschriften die recension eines grammatikers , der, was er 
nicht verstand, änderte, wiedergibt. 

Ueber die versuche, aus der siebensaitigen lyra die zeit 
des Hermeshymnus zu bestimmen, war noch entschiedener abzu- 
sprechen , da jenes instrument in Aegypten uralt ist. Schon 
Nikomachos (manuale harmonices II , p. 29 Meibom) gibt als 
tradition an , daß die lyra des Hermes bereits sieben saiten 
hatte. Gemoll will uns beweisen , daß bereits Euripides den 
hymnus kannte , aber wie dies nothwendig sein soll , weil 
der tragiker mit Xv-ga fr. 190 ein Wortspiel machte (p. 240), 
gestehe ich nicht einzusehen. 

Wenn Herodot statt des Dionysoshymnus 4, 33 die epigo- 
nen anführt, kann er natürlich unseren hymnus trotzdem ge- 
kannt, aber als werk eines weniger berühmten Verfassers be- 



Nr. 6. 72. Homeros. 347 

trachtet haben. Die sprachliche bestimmung der zeit der hymnen 
ist mit zu wenig Zurückhaltung geführt, z. b. kann #£o«, weil 
es zufällig erst bei den tragikern nachweisbar ist, nicht für die 
jugend des Panhymnus sprechen (p. 334), weil diese form im 
gegentheil die ursprüngliche war (Gust. Meyer, Griechische gram- 
matik 2 p. 309). 

Der titel des buches verspricht auch einen kommentar, aber 
das gebotene bezieht sich fast ausschließlich auf niedere und höhere 
kritik; sprachliche bemerkungen sind nach den vorhandenen ar- 
beiten gemacht; die homerischen Vorbilder sind bald da bald 
dort angeführt, obwohl die nicht benutzte arbeit von Sterrett, 
qua in re hymni Homerici quinque majores inter se differant 
antiquitate vel Homeritate, Boston 1881 (dissertation von Mün- 
chen) diese unvollständigen bemerkungen überflüssig macht. Die 
eigentliche exegese beschränkt sich auf verhältnismäßig spora- 
dische bemerkungen (p. 376 f. verzeichnet) und ersetzt Baumei- 
sters kommentar bei weitem nicht. Wir wollen daher, um diese 
anzeige nicht übermäßig anzuschwellen , nicht auf lücken hin- 
weisen , sondern bloß einige versehen berichtigen. H. Ap. 16 
(p. 123): bei Hes. Theog. 918 f. wird das Verhältnis von Apollo 
und Artemis nicht näher bestimmt. H. Ap. 21 (p. 125) erklärt 
Gemoll nzoQiiiQoqsov für verdorben , weil er sich der alten Sta- 
tuen, welche Apollo mit einem kalbe darstellen, nicht erinnert. 
H. Ap. 68 (p. 133) war über die Prytanen Gilbert, Handbuch 
der griechischen staatsalterthümer II. register p. 425 zu citieren. 
Zu H. Ap. 194 ff. (p. 151) bemerkt Gemoll: „die scene ist et- 
was überreich ausgefallen". Nein; dem dichter schwebte der 
aulödische nomos der Pythien mit musiker, sänger und dem tan- 
zenden chore vor. H. Merc. 21 (p. 197): man benutzte doch 
nicht die futterschwinge als wiege , sondern benannte beide 
wegen ihrer ähnlichkeit mit demselben worte. H. Merc. 37 
(p. 199) ist ohne parallelstelle verständlich; lebend ist näm- 
lich die Schildkröte ein gutes omen (eine glückverheißende „be- 
gegnung"). 

Doch wir wollen abbrechen und glauben unser urtheil da- 
hin zusammenfassen zu sollen , daß die neue ausgäbe nicht we- 
nig gutes und nützliches bringt, aber ohne mühe eine wesent- 
lich bessere und zuverlässigere gestalt hätte erhalten können. 

Karl SM. 



348 73. Aristophanes. Nr. 6. 

73. Schnee, Rudolf, de Aristophanis manuscriptis 
quibus Ranae et Aves traduntur. Programm des Wilhelm-gym- 
nasiums zu Hamburg 1886. 4. 13 p. 

Nachdem vor kurzem von Bamberg im programm von Gotha 
1885 auf grund des reichen materials der Velsenschen ausgäbe 
das Verhältnis der handschriften in Aristophanes Plutus in sorg- 
fältigster und umsichtigster weise bestimmt hat (vgl. 0. Bachmann 
Philologus suppl.-bd. V, heft 2, p. 236— 242. 0. Kahler, Wochen- 
schrift für klassische philologie III, 1886, n. 8, p. 241—247), 
bietet uns jetzt R. Schnee , dessen dissertation schon ein ver- 
wandtes thema behandelte (de Aristophanis codicibus capita duo. 
Halle 1876) eine dankenswerthe Untersuchung über die hand- 
schriften, in denen die Frösche und die Vögel überliefert 
sind. — Zunächst bespricht der verf. (p. 3 — 5) das Verhältnis 
der beiden besten handschriften, des Ravennas und des Venetus. 
Da der Venetus in den Wolken nachweislich (de codd. p. 25 
— 29) aus derselben quelle stammt wie der Ravennas, in den 
Rittern dagegen (ibid, p. 4 — 6) sehr häufig mit den gerin- 
geren handschriften übereinstimmt , mithin wenn nicht auf meh- 
rere , so doch wenigstens auf zwei und zwar sehr verschiedene 
vorlagen sich zurückführen läßt, so kann die frage, ob dem Ra- 
vennas oder dem Venetus der Vorrang gebühre , erst dann ent- 
schieden werden, wenn festgestellt ist, wie sich die sieben stücke 
des Venetus (Plutus Nubes Ranae Equites Aves Pax Vespae) 
auf seine verschiedenen quellen vertheilen. — Was zunächst 
die Frösche anlangt, so zeigen RV deutliche Übereinstimmung 
im gegensatz zu den übrigen handschriften, wofür der verf. zehn 
stellen anführt: v. 33. 77. 83. 199. 300. 329. 426. 455. 907. 
971 (v. 33 ist zu tilgen, da hier nach Velsen alle handschriften 
— RVUAM — eymf ovx bieten , das richtige syoo ovx Suidas 
s. oi(ioi — vgl. Fritzsche p. 14 sq.). Aus eben diesen stellen 
(außer 329. 426. 907) und noch 17 anderen (zu denen sich 
noch weitere hinzufügen ließen: z. b. 18. 57. 159) hat übrigens 
schon Bamberg a. a. o. p. 4 die Verwandtschaft des Ravennas 
und des Venetus für die Frösche festgestellt : Schnee weist aber 
nach, daß mit v. 1008 die spuren der Übereinstimmung aufhö- 
ren und der Venetus nunmehr den übrigen handschriften , na- 
mentlich dem Paris. A und dem Ambros. M, gegen den Raven- 
nas sich anschließt. Belegstellen giebt er 15: 1019 bis. 1032. 



Nr. 6. 73. Aristophanes. 349 

1035. 1054. 1243. 1330. 1342. 1417. 1420. 1423. 1428. 1432. 
1450. 1517 — auch deren zahl könnte leicht vermehrt werden : 
vgl. z. b. 1009. 1010. 1015. 1448. 1477. 1529. 1530. Aller- 
dings führt Bamberg aus dem letzten drittel des Stückes eine 
stelle an, wo RV übereinstimmen: 1394 xaxov RV, xaxäi> UAM 
(Schnee erwähnt diese stelle nicht) — sie beweist aber wohl 
ebenso wenig als andererseits die Varianten 684 xsXagv^ei R 
xeladel V, die auf glosseme zurückzuführen sind. (Vgl. auch 
1021 noeaig R ugsoat; V ägsog UAM). — Dann geht Schnee 
zu den Vögeln über. Hier zeigt der Venetus nirgends engere 
Verwandtschaft mit dem Ravennas gegenüber den anderen hand- 
schriften — denn 377, wo RV svdvt; bieten , hat dies wohl 
schon im Archetypus als Variante von avt6<i gestanden, was im 
Paris. A und bei Suidas erhalten ist: hieraus ist mit Bentley 
avtö ö' herzustellen, da sv&vs vielmehr ursprünglich glossem zu 
aiti-i 378 gewesen zu sein scheint. Dagegen hat der Venetus 
viele fehler mit den übrigen handschriften gemeinsam (soweit aus 
den bisherigen , mangelhaften collationen der geringern hand- 
schriften zu schließen ist), namentlich mit der nach dem Raven- 
nas und Venetus ältesten handschrift, dem Paris. A (13. sec), 
den der verf. selbst verglichen hat, so daß er in der läge ist 
manche angaben Dindorfs und anderer herausgeber zu berich- 
tigen. Es werden 15 stellen angeführt: 129. 242. 364. 432. 
481. 491. 548. 599. 692. 926. 951. 1043. 1212. 1506. 1588. 
— Es entstammen also im Venetus (der Plutus nach Bamberg) 
die Wolken und die Frösche bis v. 1008 derselben quelle wie 
der Ravennas, dagegen das letzte drittel der Frösche, die Ritter 
und die Vögel derselben wie die übrigen handschriften, so daß 
man das letztere wohl auch für den Frieden und die Wespen 
annehmen kann. Zu beachten ist, daß der Venetus von R 1009 
an von einer andern hand geschrieben ist : also hat mit dem 
Schreiber auch die vorläge gewechselt. — Dem entsprechend 
stellt der verf. das gesetz auf: im PI NR 1 — 1008 ist die les- 
art des Ravennas nicht ohne weiteres anzunehmen , wenn der 
Venetus mit den übrigen handschriften übereinstimmt ; dagegen 
ist die lesart dieser in den übrigen stücken verdächtig , falls 
RV dasselbe bieten. — Auf grund dieses canons sucht dann 
der verf. R 888 herzustellen. Hier hat der Ravennas inC&eg 
xal dt) ov hfiavtoTov Xaßmv , dagegen AM inCüeg Xußcov 6/j neu 



350 73. Aristophanes. Nr. 6. 

av kißavattvv und ebenso der Venetus , nur daß dieser Xaßmv 
hinter Xißmaxöv wiederholt. Schnee sieht in der lesart des Ve- 
netus die des archetypus , von der die übrigen abschreiber , um 
den vers herzustellen, theils das erste theils das zweite laßmv 
wegließen, und schreibt für lißavwrbv Xaßmv, das er als glossem 
tilgt, tovrovi. Aber wie sollte jemand dazu gekommen sein, 
) aßmv in der erklärung zu wiederholen ? Es wird wohl einfach 
eine dittographie vorliegen, wie Av. 390 in avrijv (nag' avzrjv 

7tjV %V7QCtV a'AQCtV UV77JV A nagä 7rjv %VTQav uhquv avxrjv RV vgl. 

Blaydes p. 48). Die tilgung von Xißdvcorov ist allerdings das 
einfachste mittel der Herstellung dieses verses, da sonst eine 
Umstellung des wortes vor oder hinter inCOsg (letzteres von 
Fritzsche vorgeschlagen — vgl. p. 297) nothwendig wird, da- 
mit es seine ihm eigenthümliche , durch 16 stellen der komödie 
hinlänglich gesicherte versbetonung erhält (uu_i.u: N. 426. V. 
96. 861. R. 871. PI. 703. 1141. Hermipp. 63, 13 I, 243 K. 
Eupol. 304, 2 I, 339. Plat. 69, 9 I, 620. Antiph. 164 II, 78. 
206, 2 II, 100. Nicostr. 26 II, 227. Alexid. 250 II, 389. 
Men. IV, 108, 3 v. 3. IV, 200. anon. IV, 679, 310). — Mit 
recht hebt der verf. hervor, daß der text öfter durch eindringen 
von glossemen entstellt sei, und führt p. 5 und 9 R. 102 als 

avev 
beispiel an: idta A idla VUM avev R. Ich füge hinzu: 113 
böovg] ödovg xanrjXidag V. 122 Xiyeig] yag Xiyeig U. 329 nsgi] 
RV afitfi UAM. 437] nach a nal haben rot. argcofiata RUAM. 
625 oi/to) öf] ovrcog avev tifxtjg V. 686 dtxaiov noXXa] vita Ar. 
dixaiöv iatiCv) om. noXlä RVUAM. 838 a&vQtaiov~\ R anvXmtov 
VUAM. 857 ov Otpig'] U ov noinei RVAM. 1019 yevvalovg] RU 
arÖQsiovg VAM. 1163 ijxeiv] Hirschig, iX&eiv codd. 1186 evdaC- 
jwooj'J Brunck, eitv^g codd. 1428 necpvxs] qsavshai R. 1515 &ä- 
unp] Bentley, ßäxo* U öqovov RVAM. — Sodann geht der verf. 
zu den geringeren handschriften über (p. 5 — 10) und 
schließt zunächst Paris. B und C und Laur. d als interpolirt 
aus; es werden zum belege 24 stellen aus den Vögeln angeführt, 
an denen von einem ziemlich verskundigen interpolator worte 
ausgelassen, hinzugefügt oder umgestellt sind. Der Paris. A 
dagegen erweist sich als durchaus frei von interpolationen (so 
schon Dindorf ed. 1822 p. VI: nulla in eo deprehendi equidem 
grammaticorum fraudis vestigia, qualia plura vidimus in B et C) 



Nr. 6. 73. Aristophanes. 351 

und hat häufig mit RV zusammen die hand des dichters bewahrt. 
Für seine Übereinstimmung mit RV giebt Schnee , da sich in 
den bisherigen ausgaben viele falsche oder ungenaue angaben 
finden (so hat Av. 245 A ebenso evdgoaovg ohne re wie RV), 
45 belege aus den Vögeln. (Ich vermisse darunter Av. 382, 
wo nach Blaydes ausdrücklicher Versicherung der R nicht y.ut, 
wie Bekker angab, sondern xdao wie VA bieten soll, wonach 
Kocks vermuthung um ti ihre stütze verlöre). Mit dem Paris. A 
hat aber der Ambros. M trotz mancher verschiedenen fehler 
doch noch so viele gemeinsam, daß die quelle beider handschrif- 
ten eine und dieselbe gewesen sein muß (beweis: 18 stellen aus 
den Fröschen). — Auf grund dieser Untersuchungen entwirft 
der verf. zwei verschiedene verwandtschaftsbilder der Handschrif- 
ten : 1) für (PI) NR 1 — 1008: aus dem archetypus a stammen 
der Ravennas , der Venetus und eine handschrift x , aus dieser 
A und M. 2) für R 1009 — ende, EqAv: aus dem archetypus 
a stammen der Ravennas und eine handschrift x , aus dieser 
der Venetus und eine handschrift y, aus dieser wieder A und M. 
— Demnach hat der Paris. A eine ziemliche bedeutung : so hat 
er an zehn stellen der Vögel (105. 164. 342. 390. 543. 714. 
1250. 1320. 1393. 1610) allein die richtige lesart erhalten, und 
der verf. bespricht fünf stellen desselben Stückes, an denen man 
dem Paris. A folgen müsse , um die hand des dichters wieder- 
herzustellen : 454 rajja ydg tv%oig av | xgr/aTor Qttnißv o,ti fir\ 
(so A für not) nagogäg. 1396 «/*' dvtfAmv nvoalat, ßialnig (so 
A für ßaiqv) — im Venetus wird die Variante ßafacav erwähnt: 
wohl eine glosse für äldfisvog 1395 , die dann in ßa(i]v verän- 
dert wurde , um ein verbum finitum zu bekommen ; dies ist aber 
nicht nöthig, da die worte des Rinesias 1392 — 1400 eine ein- 
zige periode bilden, deren finitem verbum dtst/jt 1392 sich die 
participia dXdjXEvog 1395, azeC^cov 1398, 7Ts\d£(ov 1399, ti/itmv 
1400 unterordnen. 93 2 st (irj ti tovrmv (A für tovto/) Sövteg 
dno(f.sv^ovfie&a vestirnenta gestibus manifeste significat. 4 5 7 mit 
Meineke av 8e rovd' ovgäg (= o 6qk±) nach A, der av ö' o 
zov&' bgug bietet. Endlich 143 8 ndvreg toi Xöyoig | dvanzs- 
govvzai (Dobree toi) : der Paris. A bietet eine abkürzung , die 
bei der großen ähnlichkeit der betreffenden compendien eher 
für das weit öfter als toJg so abgekürzt geschriebene ydg an- 
gesehen werden kann. — Aus dieser Stellung des Paris. A er- 



352 73. Aristophanes. Nr. 6. 

giebt sich für die kritik folgendes gesetz: stimmt der Paris. A 
mit dem Ravennas überein , so ist die abweichende lesart des 
Venetus verdächtig; stimmt er mit dem Venetus überein in den 
stücken, wo dieser aus einer andern quelle stammt als der Ra- 
vennas , so ist die lesart des letzteren vor ihrer aufnähme einer 
sorgfältigen prüfung zu unterwerfen. Diesem gesetz zufolge hält 
der verf. R. 1010 den in RA stehenden positiv fio%d?]Qoi>g für 
das richtige und ergänzt die fehlende silbe dadurch, daß er 
7ia(4[ioxdt]Qovg (warum nicht 7zafx[j.ox&rJQovg?) schreibt, indem er 
die lesarten (io^drjQOTSQOvg V und fio^&t/QOTäzovg A für glos- 
seme erklärt. Andererseits will er R 1019 nicht yevvuiovg aus 
R aufnehmen, sondern diÖQSujvg aus VAM: dem Schreiber des 
Ravennas habe v. 1014 vorgeschwebt, avdgetovg passe gut zu 
den worten des Aeschylus 1016 nviovrag Öoqv xzX. Ebensowenig 
will der verf. Av. 1212 dem R folgen, der xoIoiÜq%ov<; bietet, 
sondern zieht die lesart xoloiovg VA/" vor, nimmt aber, um zu- 
gleich das in allen vier handschriften vor ngoatjXdeg stehende 
7Wi' in den text zu bringen, nicht weniger als fünf änderungen 
vor, indem er schreibt: ncüg tovg xoXoiovg yaQ nagifideg; ov Ac- 
ysig; das ist doch eine sehr bedenkliche art der kritik, vor der 
man nicht genug warnen kann. Ueberhaupt ist Schnee in sei- 
nen conjecturen nicht eben glücklich , und an den meisten der 
noch von ihm behandelten stellen Av. 291.375.1080.1579 und 
anhangsweise p. 10—13: Av. 66. 648 — 657. 1013. Ach. 317 
muß ich gegen seine vorschlage entschiedenen Widerspruch er- 
heben. Auf eine vermuthung wie zu Av. 66: xa) fxijv ntt- 
g a> t a (?gov die handschriften) r« ngog aodwv mit ihrem feh- 
lerhaften anapäst, ihrer begründung : facete poeta facit Euelpidem, 
qui avem se esse afßrmet, summa celeritate scenam circumcursantem 
und ihrer Übersetzung „ich habe da wahrlich flügel an den 
fußen" fühlt man sich versucht mit den wollen des Aeschylus 
R 1150 zu erwiederu : Jwvvas, nivmg olvov ovx avOoafxiav. Eine 
ausführliche begründung meines Widerspruches, für die hier kein 
räum ist, muß ich mir für den Philologus vorbehalten. Hier 
sei nur noch bemerkt , daß an der abhandlung die abwesenheit 
aller literaturnachweise (selbst Bambergs programm ist nicht er- 
wähnt) auffällt, die sich aber wohl durch das bei dem beschränk- 
ten räume nothwendige streben nach kürze genügend erklärt, 
sowie daß die schrift durch manche druckfehler entstellt ist, 



Nr. 6. 74. Aristophanes. 353 

von denen ich als die störendsten folgende hervorhebe: p. 3 
z. 10 v. u. 307 (lies 329), z. 2 v. u. 1035 VAM: xal xMo? 
s<T£« (lies «ff^e x«? nle'og , R: x«} xÄg'o? tffjje). p. 4 z. 13 v. o. 
347 (lies 377). p. 6 z. 10 v. o. 1501 (lies 1506), z. 11 v. o. 
1509 (lies 1519), z. 1 v. u. 293 (lies 299). p. 7 z. 4 v. o. 
1561 (lies 1566), z. 5 v. o. 1634 (lies 1624), z. 3 v.u. nago- 
gärs (lies nagogät' = nagogätai). p. 12 z. 3 v. u. futurum 
/U'§oo (lies conj. aoristi). 

Ottcmar Bachmann. 



74. Die gliederung der altattischen komödie von dr. Th. 
Zielirfski, docent an der Universität St. Petersburg. Leipzig, 
Teubner 1885. (VIII, 399 p. 8. 1 tafel in querfol.). 

Während es früheren forschem (Kock, Ritter p. 31 u. a.) 
schier unmöglich schien, nach dem von der tragödie auf die ko- 
mödie übertragenen epeisodischen gliederungsprinzip eine Ari- 
stophanische komödie einzutheilen , in unverrückbare abschnitte 
zu gliedern, hat Zieliriski den mühevollen versuch gemacht, nach 
neuen gesetzen das der gesammten altattischen komödie eigen- 
tümliche kompositionsschema aus den uns erhaltenen resten 
selbst zu rekonstruieren und damit „bausteine zu einer darstel- 
lung der geschichtlichen entwicklung der griechischen komödie 
beizutragen". Indem verf. die aristotelische theorie von der 
gliederung der tragödie mit vollem recht als unbrauchbar für 
die komödie außer acht läßt (p. 5), — denn die einfache Über- 
tragung dieses für die tragödie seit Aristoteles geltenden prin- 
zips auf die komödie , die noch in neuerer zeit wiederholt ver- 
sucht wurde , führt nothwendig zur gänzlichen verkennung der 
eigenthümlichkeit der komodischen komposition ; — sucht er als 
gemeinsames prinzip aller komödien die idee der epirrhemati- 
schen komposition nachzuweisen. Dasselbe kehrt mit geringen 
modificationen in den drei hauptgebilden der ionischen komödie, 
in parodos, agon und parabase , wieder. Während nemlich das 
epeisodische gliederungsprinzip der tragödie im Wechsel von sta- 
sima und epeisodia besteht, so ist die gliederungseinheit der 
epirrhematischen komposition die syzygie , d. h. auf die Strophe 
eines lieds folgt unmittelbar eine bestimmte anzahl gesprochener 
verse, und dieselbe anzahl ist der antistrophe angehängt, so daß 
der ganze abschnitt in zwei gleiche theile zerfällt, von denen 
Philol. Anz. XVII. 25 



354 74. Aristophanes. Nr. 6. 

jeder aus einer lyrischen, gesungenen (fjilog, ode — antode) und ei- 
ner epischen, gesprochenen partie (Qrjaic, epirrhema — antepirrhema) 
besteht, und die sich zueinander wie Strophe und antistrophe 
verhalten. 

Die p a r o d o s, welche verf. definiert als „sämmtliche evo- 
lutionen des chors, musik und die derselben zu grund gelegten 
textesworte vom erscheinen an der eisodos bis zur einnähme 
eines festen Standpunkts auf der orchestra" (p. 127), und die 
parabase, der älteste bestandtheil und eigentliche kern der 
komödie, die ihrer ursprünglichen bedeutung nach nicht sowohl 
ein Zwischenakt, als vielmehr der epilog der komödie gewesen 
sein soll, haben sich dem blick der forscher bisher nicht entzo- 
gen; ganz neu ist beim verf. der agon als gleichberechtigtes 
drittes element der komödie. 

Derselbe ist (p. 110) „der moment in der Ökonomie der 
komödie , wo die handlung ihren höhepunkt erreicht hat und 
ruhen muß , bis sich im gemüth der Zuschauer der Umschwung 
vollzogen hat, der die Weiterentwicklung des dramas ermöglicht". 
Das interesse des Stücks concentrirt sich 100 — 200 verse hin- 
durch auf worte , nur auf worte •, die haupthandlung steht ab- 
solut still. Auch Westfal hat bereits „diese charakteristische 
stelle der epeisodien" herausgefunden und sie mit dem seitdem 
ziemlich eingebürgerten namen syntagma belegt. Ich erkenne 
die berechtigung der vom verf. eingeführten benennung ayojt *) 
an , weil , wie aus des verf.s eintheilung der agone nach dem 
sinn und inhalt (p. 109 ff.) hervorgeht, in den meisten der uns 
erhaltenen ein streit, ein vernichtungskampf zwischen zwei ge- 
gensätzen ausgefochten wird ; dagegen bestreite ich mit Blaß 
(Deutsche litteraturzeitung 1885, no. 40, p. 1412), daß der 
ausdruck ayüv Vesp. 533 und Ran. 883 in dem vom verf. an- 
genommenen technischen sinn aufzufassen sei. 

Den umstand, daß Acharner, Frieden und Thesmophoria- 
zusen des agons vollständig entbehren, sucht verf. dadurch hin- 
wegzuräumen , daß die Acharner uns nach seiner ansieht in 
einer nicht aufgeführten gestalt vorliegen, sondern in der, welche 

1) Erst nachträglich habe ich bemerkt, daß schon Bergk (Kleine 
philol. Schriften, von R. Peppmüller, bd. II, p. 731) die von Westfal 
als syntagmata bezeichneten scenen der alten komödie im anschluß an 
den Sprachgebrauch des Aristophanes agone genannt hat und zwar 
bereits i. j. 18571 



Nr. 6. 74. Aristophanes. 355 

an den großen Dionysien (wahrscheinlich desselben jahres 425) 
zur aufführung kommen sollte ; eine spur des agons des ersten, 
an den Lenaeen 425 preisgekrönten Stückes findet verf, v. 620 
— 26, in dem von ihm sogenannten epirrhemation ; die verse 
593 — 619 seien für den ausgefallenen agon der ersten Acharner 
eingesetzt. Der chorgesang 1150 — 72 gehört nur dem überar- 
beiteten stück an. Mit diesen ausführungen hat mich der verf. 
nicht überzeugt; der ganze beweis (p. 52 ff.) bietet zu viele 
hypothesen , die ja allerdings zum theil mit großem geschick 
wahrscheinlich gemacht werden : vor allem spricht gegen die 
theorie des verf. der umstand, daß nach seinen eigenen ausfüh- 
rungen eine wirkliche komödie ohne agon undenkbar sei, daß 
Aristophanes also auch den zweiten (aufzuführenden und uns 
vorliegenden) Acharnern einen solchen zugewiesen haben müßte; 
der grund, „der dichter hätte dem publikum etwas neues bieten, 
in der anerkannt guten komödie daher die alten scherze nicht 
wiederholen wollen", genügt nicht, da doch anläge und haupt- 
theile der ersten Acharner auch nach verf.s ansieht unverändert 
geblieben sind. 

Die annähme des verf.s, daß die uns erhaltene Eirene 
des agons entbehre, weil sie ein weihe festspiel gewesen sei, 
durch welches eine von Phidias begonnene (vers 605) und jetzt 
vollendete friedensstatue enthüllt werden sollte, ist kunstvoll 
erdacht und mit phantasie durchgeführt, auch fehlt es nicht an 
einer begründung ; aber sollte uns wirklich über diese in der ge- 
schichte der attischen komödie unerhört und einzig dastehende 
Verwendung und Umarbeitung einer politischen komödie keine 
nachricht erhalten sein , wo doch die vom verf. selbst als sehr 
werthvoll bezeichnete dritte hypothesis uns ausdrücklich von 
dvo dgäfiara , heget Etgtjvt] spricht? „Eine Eirene - statue , von 
Phidias' band begonnen, war gewiß ein ereignis für das kunst- 
liebende publikum Athens" — und doch keine nähere nach- 
richt über die weihe derselben durch ein bühnenfestspiel, keine 
genauere mittheilung über die auffallende Umwandlung des ari- 
stophanischen Stückes , der ersten Eirene ! Es ist an dieser 
stelle unmöglich , würde auch über die grenzen einer anzeige 
hinausgehn , wollte ich jede einzelne aufstellung des verf.s zu 
widerlegen suchen: ich kann nur erklären, daß mich seine aus- 
einändersetzungen über den fehlenden agon in Acharnern, 

25* 



856 74. Aristophanes. Nr. 8. 

Frieden, Thesmophoriazusen, obgleich sie im einzelnen eine fülle 
werth voller beobachtungen enthalten, nicht in seinem sinn über- 
zeugt haben: der strikte beweis für die ersten Acharner u. s. w. 
ist nicht erbracht, er läßt sich meines erachtens nicht erbringen, 
so lange wir nicht über die Wiederholungen aufgeführter stücke 
und damit über ihre Umarbeitungen besser unterrichtet sein 
werden. Verf. leidet an dem streben, seine in den meisten ko- 
mödien richtig und mit feinem takt gemachten beobachtungen 
zu sehr zu verallgemeinern und auch auf die andern stücke aus- 
zudehnen ; daher sucht er dem in der mehrzahl der aristophani- 
schen komödien ohne zweifei vorhandenen selbständigen theil, 
agon genannt , auch für die anderen stücke in irgend einer 
weise nachzuweisen. Jedenfalls bleibt der Aristophanesforschung 
auf dem von Zieliriski zuerst und in hervorragender weise ge- 
bahnten wege ein weites feld für die nächsten Jahrzehnte 
geöffnet. 

Sehr fein sind des verf.s bemerkungen über die agonische 
form, über die in demselben auftretenden personen (p. 110 ff.), 
den ßcofiolöxog, den chor. Als musterbeispiel einer agongliede- 
rung erwähnen wir hier Vögel 451 — 638: Ode 451 — 59, Ka- 
takeleusmos 460—61, Epirrhema 462 — 522, Pnigos 523 — 38, 
Antode 539 — 47, Antikatakeleusmos 548 — 49, Antepirrhema 550 
—610, Antipnigos 611 — 626, Sphragis 627. 28. 637. 38. Diese 
neun kanonischen namen für die abschnitte des agons hat Zie- 
liriski theils der parabase theils dem nomos entnommen. Es wer- 
den nun drei gruppen von agonen unterschieden: 1. Isor- 
rhythmische (p, 10. ff.): epirrhema und antepirrhema bestehn 
aus anapästischen tetrametern und dimetern. Vesp. 526 — 724. 
Lys. 476—613. Av. 451—638. 2. Heterorrhythmische 
(p. 19 ff.): das epirrhema ist in anapästischen, das antepirrhema 
in jambischen tetrametern gedichtet. Ran. 895 — 1098. Nub. 
950—1104. Eq. 756 — 940. 3. Agone zweiten ranges: 
beide epirrhemen sind in jambischen tetrametern abgefaßt. Nub. 
1345—1451. Eq. 303—460. 4. Eintheilige agone (ver- 
kümmert) : die hauptabschnitte sind nur einfach vertreten , das 
epirrhema ist anapästisch : Eccl. 571 — 709. Plut. 487 — 626 (und 
Nub. 364—411, das epirrhema des alten Wolkenagons , zur 
neuen parodos verwendet). 

Die bei den übrigen agontheilen im allgemeinen beobachtete 



Nr. 6. 74. Aristophanes. 357 

Übereinstimmung sucht Zielin'ski auch für die Sphragis' den Schluß- 
stein des künstlichen gefüges eines agon, herzustellen, indem er 
vier tetrameter als regel annimmt ; er schiebt deshalb Vögel 
637. 38 hinter 628 ein. Den beweis dafür, daß die ursprüng- 
liche versordnung verloren , bleibt uns verf. schuldig ; wir be- 
merken hier wieder das in dem werk so vielfach hervortretende 
streben nach generalisierung einzelner richtiger beobachtungen; 
alle bei Aristophanes vorhandenen sphragides zeigen andern 
bau als die vom verf. nach Vesp. 725 und Eq. 457 konstruierte 
regel verlangen würde. 

Soviel hier über den agon: nicht als ob ich mit diesen 
wenigen sätzen des verf.s ansichten über den wichtigsten theil 
des buches erschöpft zu haben meinte , — das ist bei der fülle 
des angesammelten materials , bei der Wichtigkeit vieler beob- 
achtungen überhaupt im rahmen einer anzeige nicht möglich, 
und bei den beiden anderen haupttheilen der komödie muß ich 
mich noch mehr mit der hervorhebung einzelner wichtiger mo- 
mente begnügen. 

Von den aristophanischen parodoi — einzelne komödien 
haben zwei parodoi , die Thesmophoriazusen entbehren sie ganz 
— gleicht, wie verf. selbst p. 148 zugiebt, keine in allen punkten 
der anderen ; so ist für die Frösche das schema der epirrhema- 
tischen komposition überhaupt aufzugeben, und alle versuche, 
die parodos in dieses einzuzwängen, würden erfolglos sein ; denn 
durch die Verwendung des mystenumgangs erhalten wir eine 
besondere , dem kult der eleusinischen gottheiten eigenthümliche 
kompositionsweise. Die gliederung dieser parodos finden wir 
p. 147; im folgenden kommt verf. zu dem resultat, daß die 
beiden Strophen 323 — 36 und 340 — 53 auf die rolle des neben- 
chors kommen und die nebenparodos bilden. In einem exkurs 
(p. 149 ff.) über die einheitlichk eit der Frösche sucht 
verf. zu erweisen, daß die Frösche an den Dionysien d. j. 405 
wiederholt wurden , nachdem eine diorthose stattgefunden , die 
ohne den plan des dramas im wesentlichen zu berühren, doch 
an einigen einzelheiten geändert hat, so daß die komödie bei 
der Wiederaufführung des reizes der neuheit nicht ganz entbehrte. 
Ich verweise hierüber auf das oben zu den Acharnern ausgeführte. 

Das schema der parabase und eine gliederung der uns 
erhaltenen, von denen jedoch keine alle ne un theile zeigt, giebt 



358 74. Aristophanes. Nr. 6. 

verf. p. 176 ff. Eine für mich ebenso neue als überzeugende 
ansieht über die Stellung der parabase in der urkomödie be- 
gründet verf. p. 184 ff., indem er die vermuthung ausspricht, 
daß die parabase nicht sowohl ein Zwischenakt, als der epilog 
der komödie ursprünglich gewesen sei. Insbesondere scheint 
mir dies urtheil gerechtfertigt aus der p. 185 erfolgten Zusam- 
menstellung der tetrametrischen partien der einzelnen komödien 
des Aristophanes ; alle trimetrischen partien sind jüngeren Ur- 
sprungs und auch nach meiner ansieht erst später an den ur- 
kern der komödie , parodos - agon - parabase ankrystallisiert wor- 
den ; aus dieser ursprünglichen bedeutung der parabase erklärt 
sich der ausdruck nctQaßaCveiv , der auf eine bereits vollendete 
handlung hinweist, erklärt sich das unoövrai 2 ) der choreuten : 
die handlung ist zu ende, die kostüme überflüssig; das an sich 
störende unoövvou wird zu Aristophanes zeit nur dem herkom- 
men entsprechend beibehalten. 

An die parabase reihen sich (p. 187 — 90) die beobachtun- 
gen über die ex o dos, bei der von einer kanonischen form 
nicht die rede sein kann, die auch von der parodos vollständig 
unabhängig bleibt. Verf. unterscheidet in der entwicklung die- 
ses bisher nur wenig behandelten theils der komödie drei pe- 
rioden: 1) bis 42 3 sang der chor beliebte ältere hymnen als 
exodia. 2) bis 413 (blütheperiode) dichtete und komponierte 
Aristophanes exodia. 3) seit 413 kehrt Aristophanes zum 
alten herkommen (I. periode) zurück. 

Im dritten abschnitt des ersten theils behandelt 
Zieliriski die syzygien und epeisodien. Von diesen war 
der prolog , wohl eine der spätesten partien der komödie , den 
gesetzen der epirrhematischen komposition wegen seiner größten 
freiheit nicht anzubequemen ; ebensowenig fügen sich die zwi- 
schen die kernbestandtheile der urkomödie eingestreuten theile, 
epeisodia und stasima benannt, dieser kompositionsweise. Die 
dialogpartieen , welche mit keinem stasimon grenzen , sondern 
zwei syzygieen auseinanderhalten , nennt verf. zwischenscenen. 
Die erhaltenen syzygien zerfallen inhaltlich in zwei gruppen : 
1) die epirrhemen sind parallelscenen (10 — [— 4), 2) das antepir- 
rhema enthält in der handlung einen fortschritt gegen das 
epirrhema (7), jedoch so, daß in beiden die handlung einen ge- 

1) Auch $so&m tkM #«,u<u Lys. 637 und ixdvtc&ai 662. 686 u. a. 



Nr. 6. 74. Aristophanes. 359 

meinsamen gegenständ hat, der uns die einheit der syzygie her- 
vortreten läßt. 

Der zweite theil des buches behandelt auf 146 seiten 
das moment der choreutik mit den abschnitten: Die anti- 
chorie. Die Vortragsweise. Die errhythrnie der chorgesänge. 
Eurhythmie und Symmetrie. Auch bei der antichorie, der 
seele der epirrhematischen komposition , ist man bisher mit un- 
recht von der analogie der tragischen gliederung ausgegangen : 
nach verf.s ansieht muß von dem wechselnden einzelvortrag der 
choreuten , wie ihn E. Arnoldt statuiert , durch den aber dem 
chor eine automatenhafte aktion aufgebürdet wird , völlig abge- 
sehn werden. Verf. erweist dann die richtigkeit des gesetzes : 
der einzelchoreut kann sich durch einen agonisten vertreten las- 
sen, der gesammtehor nie; die meisten öden werden vom chor, 
die epirrhemen von einzelnen choreuten vorgetragen. Die Sän- 
ger der strophe sangen auch die antistrophe ; denn otgoy/j ist 
die wendung zu jemanden hin, also urriaTgorp/j die wendung 
von da zurück, dagegen bedeutet dträdsir „singend antworten". 
Die ode nun wurde vom rechten halbchor, die antode vom lin- 
ken gesungen, das epirrhema sprach der rechte halbchorführer, 
das antiepirrhema der linke — die angaben vom Standpunkt 
der zuschauer aus zu verstehn. Diese auseinandersetzungen des 
verf. halte ich für klar und überzeugend. Weniger sicher er- 
scheint mir die annähme (p. 270 ff.) einer doppelten antichorie 
in der Lysistrata v. 254 ff. : „jeder halbchor erscheint in der 
orchestra in zwei viertelchören d. h. in je zwei zügen zu drei 
mann". Ecclesiazusen und Plutos entbehren, wie leicht erklär- 
lich, der antichorie; außerdem finden sich in den 9 ersten ko- 
mödien 17 anantistrophica (p. 275), die theils vom Koryphaios 
theils vom gesammtehor gesungen wurden. Hingegen sucht 
Zieliriski p. 277 ff. nachzuweisen, daß bei der tragödie der Vor- 
trag durch den ganzen chor die regel war, der durch hemicho- 
rien auszuschließen ist. 

In dem zweiten kapitel über die Vortragsweise 
zeigt verf., daß der tragische trimeter ü^u^ü^u^ü^u_, 
von dessen existenz bisher in der komödie nichts vermuthet wor- 
den ist , überall da anzunehmen ist , wo der chorführer in den 
epirrhemen in trimetern spricht; er weist ihn in 107 versen 
nach. Derselbe wurde in der komödie wie in der tragödie 



360 74. Aristophanes. Nr. 6. 

rezitativisch vorgetragen; überhaupt entsprach die Verschieden- 
heit in der metrischen behandlung der einzelnen versgattungen 
der Verschiedenheit in der Vortragsweise. Den schluß dieses 
kapitels bildet der versuch, die „Vögel" mit rücksicht auf die 
prinzipien der Vortragsweise zu zerlegen. 

Im dritten kapitel giebt verf. einige beobachtungen 
über errhythmie der chorgesänge. Zunächst werden 
die einzelnen mele des chors nach den gesetzen der harmonik 
rhythmik und komposition in dorisch-äolische und ionische Stro- 
phen eingetheilt , wobei das hauptmerkmal der las die polysti- 
chische komposition ist, während die dorischen Mele sich durch große 
freiheit im gebrauch der versmaße auszeichnen. Vom Standpunkt 
der errhythmie zerfallen die komödien in folgende drei gruppen : 
I. trochäische und trochäisch-choriambische, II. päonische, III. 
daktylisch - anapästische. Indem so als grundgesetz die einheit 
des rhythmus innerhalb der ganzen einzelkomödie 
nachgewiesen wird, glaubt verf. für den erweis der diaskeue ei- 
niger komödien eine feste grundlage zu erhalten. Verf. bekennt 
selbst am ausgang dieses abschnitts (p. 348) , daß die letzten 
Wahrnehmungen, von denen er bestätigung seiner übrigen ergeb- 
nisse erwartet, zu recht weitgreifenden kombinationen anlocken ; 
den haupteinwand, die Unzulänglichkeit des materials, hat er mit 
recht seinen kritikern vorwegzunehmen gesucht. Trotzdem bleibt 
für mich die skepsis bestehn ; damit soll die möglichkeit diese 
fragen zu lösen, keineswegs für ausgeschlossen erklärt werden, 
nur glaube ich, daß sich so weitgreifende hyperkritische thesen 
nicht auf den ersten anlauf lösen lassen; ich für meine person 
gestehe, daß ich, wenn auch im einzelnen vielfach von den aus- 
führungen des verf. überzeugt, in den hypothesen speziell die- 
ser abschnitte keineswegs ein abschließendes resultat erblicken 
kann, sondern glaube, daß die angeregten fragen noch weiterer 
klärung bedürfen. 

Im letzten kapitel von der eurhythmie und Symme- 
trie erweist verf. für die melodien sämmtlicher marschkomposi- 
tionen der komödie d. h. für die epirrheme der parodoi, agone 
und parabasen die tetradische gliederung als hauptgesetz nach: 
4 takttheile bilden ein metron , 4 metra ein tetrametron , einen 
satz oder vers, 4 sätze die strophe (melodie), 4 Strophen die pe- 
rikope ; und zwar zeigen sich bei der Zählung neben manchen 



Nr. 6. 75. Griechisches draina. 361 

abweichungen viele überraschende Übereinstimmungen und be- 
lege für des verf. thesen; z. b. in der parodos der vögel (v. 
268 — 386) genau 96 tetrameter = 6 volle perikopen. Lys. 
350 — 81 32 tetrameter oder 2 perikopen u.a.m. Die eurhyth- 
mie und Symmetrie bleibt aber auf die abschnitte beschränkt, 
wo die gestaltung der scenen durch das moment der choreutik 
bedingt ist, sie ist also ausgeschlossen von allen syzygien des 
trimetrischen dialogs, welche einfach deklamiert wurden. 

Den Schluß des inhaltreichen buches bildet die erörterung 
der vieldiscutierten frage bezüglich der konstruktiven oder 
großen responsion, welche zuletzt in J. Oeris einen ge- 
wandten vertheidiger gefunden hatte. Mit richtigem takt und 
gesundem menschenverstand leugnet verf. die bewußte respon- 
sion bei Aristophanes und führt den scherzhaften , aber durch- 
aus gelungenen nachweis, daß z. b. seine eintheilung von Wal- 
lensteins lager von Schiller mit ganz geringen änderungen eine 
großartige responsion ergiebt, daß wir also annehmen müßten, 
auch Schiller habe nach verszahlen gearbeitet. W. Uckermann. 

75. De Callistrato et Philonide sive de actionibus Aristo- 
phaneis. Diss. inaug. quam def. auctor Albertus Briel. 
Berolini apud Weidmaunos. 1887. 68 p. 8. 

Die oft behandelte und verschieden beantwortete frage, wie 
wir die Überlieferung , daß Aristophanes dramen „durch einen 
anderen" zur aufführung gebracht habe , auffassen sollen , wird 
hier aufs neue einer erörterung unterzogen. Darüber, daß Kal- 
listratos, Philonides und zuletzt Araros die ihnen überwiesenen 
stücke einstudirten, besteht wohl gegenwärtig kein zweifei 
mehr. Der verf. meint nun, der einstudirende habe in solchen 
fällen stets den chor vom archon als dichter verlangt, habe 
beim großen publikum während der aufführung stets als dichter 
gegolten , und nur er sei in dem urtheile der preisrichter ge- 
nannt worden; erst durch die für litterarische Verbreitung be- 
stimmten exemplare sei die Wahrheit an die Öffentlichkeit ge- 
langt. Demgemäß bezieht der Verfasser, wie auch andere, das- 
jenige, was in der Acharner - parabase über den dichter ausge- 
sagt wird , nicht auf Aristophanes , sondern auf Kallistratos. 
Ich halte diese auffassung nicht für richtig , stimme vielmehr 
in der hauptsache derjenigen anschauung bei, welche namentlich 



362 75. Griechisches drama. Nr 6. 

von Petersen Jahrbücher für philologie 1862 p. 649 ff. und von 
Leo Eheinisches museum 33 p. 400 ff. entwickelt worden ist ; 
in betreff der frühesten komödien , über welche die ansichten 
der beiden gelehrten auseinander gehen, stehe ich auf der seite 
Leo's. Meiner meinung nach war es also auch in allen hier 
in betracht kommenden fällen Aristophanes , der den chor ver- 
langte , allerdings mit nenuung seines technischen gehülfen : 
Aristophanes, nicht der einstudirende, galt dem publikum als 
dichter und wurde in dem urtheile der preisrichter genannt, 
der einstudirende vielleicht neben ihm ; dem letzteren aber fiel 
als entschädigung für seine mühe der ftiaOog rwv noiriiäv zu 
(A. Müller, Griechische bühnenalterthümer p. 345 anm. 3), den 
möglicher weise der dichter aus seinen privatmitteln noch ver- 
größert haben mag. In den öffentlichen akten standen beide 
namen, die daher alsdann auch in die litterarisch veröffentlichte 
Zusammenstellung der Didaskalien übergingen. Aristophanes 
also, nicht Kallistratos, ist der dichter , von dem die Acharner- 
parabase handelt. Die bezeichnung o diddoxalög ^iwv v. 628, 
woran Leo p. 404 f. einigen anstoß nimmt, steht nicht im wege. 
(Leo's bemerkung, wir hätten es hier „vielleicht mit einem absichtli- 
chen spiel zu thun", verstehe ich nicht). Ursprünglich war es das ein- 
zig übliche, daß der dichter selbst sein werk für die aufführung ein- 
studirte und daß ihm demgemäß die bezeichnung diöiiaxuXog in 
ihrem eigentlichen sinne zukam. Was ist nun natürlicher als 
die annähme, daß hierdurch diese benennung für den dichter 
chorischer und dramatischer poesieen stehend wurde und daß 
man sich derselben in der späteren zeit auch in denjenigen 
fällen bediente, in welchen der dichter die mühe des einstudi- 
rens einem anderen überließ? zumal da der dichter auch in 
diesen fällen es in der regel doch nicht wird unterlassen haben, 
wenigstens hin und wieder beim einstudiren zugegen zu sein 
und dabei seine meinung und sein urtheil zur geltung zu brin- 
gen. Häufig treffen wir ja auf scenischem wie auf anderen 
gebieten bezeichnungen , welche , in folge thatsächlicher umwan- 
delungen, eine von ihrem ursprünglichen sinne abweichende an- 
wendung erhalten haben ; man denke an Tgaycpdia , xm/jqiSCa, 
oxtjvtj, x°QVY° l > ■> vnoxQirrji; u. s. w. Daß es keinem bedenken 
unterliegt, das gleiche auch für den ausdruck diSüoxaXos in 
der Acharner-parabase anzunehmen, dafür lassen sich insbeson- 



Nr. 6. 75. Griechisches drama. 363 

dere noch zwei umstände geltend machen. Einmal findet sich 
ötdäoxaXog öfter da gebraucht , wo es sich ausschließlich oder 
doch ganz vorwiegend um das dichten, nicht um einstudirung 
und auffiihrung handelt ; man vergleiche stellen wie z. b. Aves 
912 uXXu nüusg sg/.i?p ol 8i8aaxakotM.ovaa.cov dsgünoi 7tg 6rQi t - 
qoi xara ihv 0^r t gor oder Pax 736 et ö'' oiv sinög zira Tifiijaai, 
OvyatfQ diö\ , oang a g la to g xcouqjSoSidäaxuXog äv- 
dgamwv na) xXnvöiaiog yayivr t rui , d^iog eirai qp7;o' tvXoytag ftt- 
yähjg o diduaxaXog t)uäv (die nun folgenden gründe beziehen 
sich bloß auf den inhalt der dramen), oder xcouipdoÖiÖücxuloi 
= komödiendichter bei Isokrates 8, 14. Daher heißt es bei 
Harpokration s. v. didücxaXog geradezu tdicag SiSaaxuXovg ) \i- 
j'ovci Toiig notrjzug icov didvgäußwv r t imr xcoficpöiaiv i) läv rgu- 
ycodiwi , und wenn Kallimachos einen seiner nivaxtg betitelte 
nivu% xai äruygaqstj 7(xjv xara %gövovg xai un' ag%ijg ytvoßivmv 
dtdaaxüXmv , so meinte er damit selbstverständlich, entsprechend 
der bestimmung seiner nttaxeg , diese männer in ihrer eigen- 
schaft als dichter von chorischen und dramatischen poesien 
(vgl. Wachsmuth Philol. 16, p. 656. Schneider Callim. 2, p. 
308 f.); mit dem ausdruck 8i8üaxaXot wollte er wohl in be- 
wußter weise den klassischen Sprachgebrauch des fünften Jahr- 
hunderts wiedergeben. Man beachte ferner, daß es niemals heißt 
KaXXlajgazog tdiÖal-t, sondern immer ' A giai o <p d v r\g i 8 i- 
8a%e diu KaXXiGigüiov : was hat es also (für denjenigen, der, 
wie Leo und ich , an die anonymität des Aristophanes bei der 
auffiihrung der Acharner nicht glaubt) anstößiges, wenn der 8i~ 
8üoxcür, und nicht derjenige, öt' ov SiSäaxti, als 8i8äaxaXog be- 
zeichnet wird ? (Anders lag die sache bei der ersten aufführung 
von dramen eines verstorbenen ; daß hierbei diöäoxulog nur von 
demjenigen gebraucht werden konnte , der dieselben zur auffüh- 
rung brachte, ist einleuchtend). — Im Platonischen dialoge Ion 
(p. 536 a) werden als männer, durch deren thätigkeit dem pu- 
blikum dichtungen vorgeführt werden, %ogevjal xai SiSdaxaXoi 
xai i) 7i o SiSdaxaXoi genannt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß 
bereits im fünften Jahrhundert die bezeichnung InoSiSäaxaXog 
für denjenigen angewendet wurde , der die dichtung eines an- 
deren unter größerer oder geringerer mitwirkung desselben ein- 
studirte-, jedenfalls war der name hierfür durchaus passend. 
Vgl. Phot. vnoSiSäaxaXog h rw '^WV K€irai.dy.a)9 ' 8t8aaxaXog fug 



364 75. Griechisches drama. Nr. 6. 

avzog o noujrqg , w; ' jäQWtoqtarije. Noch bei den athenischen 
techniten des zweiten Jahrhunderts finden wir den namen in ge- 
brauch , und bemerkenswerth ist es , daß in einer zu den Am- 
phiktiouen geschickten gesandtschaft derselben neben einem dich- 
ter nicht diÖdaxaloi , sondern vnodiddaxaloi erscheinen. CIA 
II, 551, 44 ff. Lüders Dionys. künstler p. 172. 

Die alten grammatiker sind für die entscheidung der frage 
darum ohne nutzen, weil wir bereits bei ihnen beide auffassun- 
gen antreffen ; offenbar hatten sie von den athenischen bühnen- 
verhältnissen zur zeit der alten komödie keine klare Vorstellung 
mehr. Was in der Acharner- parabase vom „dichter" gesagt 
wird , bezog man in der regel auf Aristophanes , glaubte also, 
daß dieser bereits bei der auffiihrung der Acharner als dichter 
der Babylonier wie der Acharner gegolten habe; nur in den 
scholien zu Ach. 654 und zu Vesp. 1284 treffen wir die mei- 
nung, unter dem noiijrt'jg sei Kallistratos zu verstehen. Das 
scholion zu Vesp. 1018, die anfängliche anonymität des Aristo- 
phanes betreffend , beruht lediglich auf einer bestimmten Inter- 
pretation der worte des dichters ; hierüber s. unten p. 366. Aus 
den in verschlechterter fassung überlieferten worten Proleg. de 
com. 3 z. 49 ff. Dübn. ergibt sich die ansieht, die autorschaft 
des Aristophanes sei bei der aufführung seines ersten Stückes 
unbekannt gewesen (dies wohl wegen Nub. 530 f.), und ebenso 
bei den letzten , die er dem Araros überlassen habe ; bei den 
übrigen aber habe er als dichter gegolten. Mit letzterem steht 
in einklang , daß in den Didaskalien der Acharner und der 
Frösche ngäiog ?jf, wie Petersen p. 661 erwiesen hat, auf Ari- 
stophanes gehen muß. In der ersten hypothesis der Vögel da- 
gegen heißt es i8i8di&q ln\ Xocßpiov diu Kall tat gdiov iv aazei, 
ö\' -ijp Ösvregog Toig "Oqvigi: wo es freilich sehr nahe liegt an- 
zunehmen, daß die hinzufügung von 6 g auf späterem mißver- 
ständniß beruht und daß die ursprüngliche fassung gelautet hat 
nui dsvttfjog tjv oder dsvttQog \v , nämlich Aristophanes (vgl. 
auch Petersen a. o.). Für die zwei letzten durch Araros auf- 
geführten dramen gibt sich eine gleiche oder ähnliche anschau- 
ung wie in den Proleg. de com. in der vierten hypothesis zum 
Plutos zu erkennen; s. auch Jahrbücher für philologie 1887, 
p. 528. Aus dem unbestimmten und vielleicht ^ungenauen aus- 
druck u;(x)ii£toQai oder biuymi&odcu im scholion zu Plat. Apol. 
p. 19b (TQtis <5' eö%sv viovg, <Plki7i7tov tov zoig EvßovXov 8qd- 



Nr. 6. 75. Griechisches drama. 365 

fiUßir (lyojuaiifievov aa'i IdgaQOTa i8mig re xat rol tiutqoi figci- 
l't/.'H dnjymnafiirov xrl.) ist ein Schluß auf die Vorstellung des 
grammatikers kaum zulässig. 

Daß bei unbefangenem urtheil (das freilich bei derartigen 
fragen leicht verloren gehen kann) die ansieht Leo's von vorn- 
herein natürlicher, verständlicher und einfacher erscheint, wird sich 
meines erachtens nicht in abrede stellen lassen. Mit vollstem 
rechte erklärt es Leo (p. 400) für eine „an und für sich un- 
glaubliche sache", daß Aristophanes die parabase und andere 
wichtige partien der Acharner in hinblick auf eine andere per- 
son gedichtet habe. Die meinuug Briels, ein selbstbewußter, 
bereits zur anerkennung gelangter und nach weiterem beifall 
strebender dichter habe dramen wie die Vögel oder die Frösche 
anonym zur aufführung bringen wollen oder können , und ein 
tief Tinter ihm stehender faebgenosse habe sich ernsthafter weise 
für den Verfasser ausgegeben und sei vorübergehend auch dafür 
gehalten worden, — diese meinung ist so paradox , daß sie auf 
beifall gewiß nicht zu rechnen hat, wie denn auch hierauf 
bisher wohl noch niemand verfallen ist. Hat nun aber sowohl 
bei den Acharnern wie bei den späteren stücken nicht Kalli- 
stratos oder Philonides , sondern Aristophanes als Verfasser ge- 
golten, so ist es, falls nichts im wege steht, offenbar das natür- 
lichste, das gleiche auch für die ersten stücke anzunehmen: zu- 
mal da bei dichtungen von der art der alten komödie während 
des Archidamiscben krieges, in die der dichter so viel von seinen 
individuellen Stimmungen und anschauungen , Sympathien und 
antipathien hineinlegte, auf alle fälle die Vorstellung etwas sehr 
seltsames behält, daß ein anderer längere zeit hindurch für den 
dichter gehalten und im verkehr als solcher angeredet und ge- 
fragt , gelobt und getadelt worden wäre. Und diese täuschung 
hätte sich , wenn die ansieht Briels und anderer richtig wäre, 
unter einer so klugen, wißbegierigen, redeseligen, fürs drama so 
lebhaft interessirten bevölkerung wie der athenischen, drei jähre 
lang vollkommen aufrecht halten lassen ! — Indessen müßten 
diese und ähnliche erwägungen vor zwingenden argumenten na- 
türlich zurücktreten. Sehen wir also zu , ob es Briel gelungen 
ist, seine ansieht durch entscheidende gründe zu stützen. 

1. Zunächst handelt es sich um die erklärung der verse 
in der parabase der Wespen 1017 ff. udixe?<j&ui yäg cpyoiv 



366 75. Griechisches drama. Nr. 6. 

tiqotbqoq noXV avrovg ev nenotrjxcög, | t« [iev ov cpavsQmg , dXX* 
imxovQ(ßi' xQvßdqv STF.QOiöi noiqraig, | (iiix^adfASvog trjv EvgvxXsovg 
fKUvtEiav xai Sidvomv, | stg dXXorgiag yaatigag iidvg xoaficpdixd 
noXXu %iaGdai ' \ (isra rovzo ds xai q>aveoöc,g 'Ijdrj xivdvpevmv xa&' 
savröv, | olx dXXoTqimv , d XV olxsimv Movgwv atdfAa&^ tjvio^tj- 
nag . | doöslg de yiyag xa\ TiiAq&eig oog ovdelg n(öno% iv ifitv | 
ovx ixttXMm qr^alv inaodelg xtX. Nach der von mir für rich- 
tig gehaltenen auffassung will Aristophanes mit diesen worten 
folgendes sagen. Die Zurückweisung der Wolken war ein um so 
größeres unrecht, da sich der dichter um das publikum schon große 
Verdienste erworben hatte, zuerst dadurch, daß er anderen dich- 
tem bei der abfassung von komödien half und mehrere partieen 
derselben sein eigenthum waren (so vermutungsweise Teuffei 
Aristophanes Wolken p. 4, dann Leo), er also ov cpaisgwg eine 
dem publikum freuden bereitende thätigkeit ausübte, alsdann 
dadurch , daß er allein vollständige komödien dichtete und mit 
denselben offen hervortrat (was also gleich bei den /JaituXtjg 
der fall war). Und als er mit den Rittern einen (nach seiner 
behauptung) bis dahin unerhörten erfolg errungen hatte, ließ er 
sich dadurch nicht zu ungebührlichkeiten verleiten u. s. w. 
Diesem sinne entsprechen die worte in tadelloser weise. — Briel 
dagegen bezieht rd fih xtl. auf die ersten Aristophanischen 
stücke, (Aerd rov7o 8e xtX. auf die aufführung der Ritter. Eine 
wirkliche Widerlegung der ansieht Leo's kann ich in seinen be- 
merkungen nicht finden. Daß, wie er hervorhebt, in den versen 
auf die den Wolken voraufgegangenen stücke bezug genommen 
wird, ist allerdings zweifellos ; aber warum konnte er sich nicht 
für berechtigt halten, ausserdem auch den antheil hervorzu- 
heben, den er bereits vor der aufführung der JairaXijg an stücken 
anderer komiker gehabt haben wollte? Weshalb, wie Briel be- 
hauptet, wegen v. 1023 auch v. 1021 auf die Ritter gehen 
müsse, ist mir unverständlich. Mit recht verwirft Petersen, auf 
den sich Briel beruft , die annähme , daß Aristophanes mit v. 
1021 f. die Verdächtigungen anderer komiker zurückweise, als 
ob er in den Rittern den Eupolis bestohlen hätte. (Ebenso we- 
nig liegt, beiläufig bemerkt, von dem von mir vertretenen Stand- 
punkte aus ein genügender grund vor, bei den von Arist. un- 
terstützten komikern speciell an Eupolis zu denken.) Die rich- 
tigkeit der auffassung B.'s ergibt sich aus seinen bemerkungen 



Nr. 6. 75. Griechisches drarna. 367 

nicht im mindesten. Die metapher in v. 1022 besagt, wie Pe- 
tersen richtig (wenn auch einen anderen bezug annehmend) er- 
klärt, daß Aristophanes früher fremden musen, d. h. anderen dich- 
tem, den mund geführt, d. h. ihnen worte in den mund gelegt, 
ihnen seine worte geliehen habe; seit der aufführung der Aai- 
xaXrfi ließ er seine eigene muse reden , d. h. das was er dich- 
tete war für draraen bestimmt, die ganz ihm angehörten. (Kühn 
bleibt das bild bei dieser wie bei jeder anderen erklärung.) 
Schließlich bemerke ich noch, daß nach Briels auffassung der 
ausdruck inr/.ovQ(.h> st&QOim noiTjtatg höchst unpassend wäre. 
Ein junger genialer dichter übergibt einem tief unter ihm ste- 
henden collegen stücke , die ganz von ihm herrühren ; der Col- 
lege übernimmt die mühe der aufführung und genießt einige 
zeit das seltsame vergnügen , als Verfasser der wohlgelungenen 
stücke beglückwünscht und respectirt zu werden, bis nach drei 
jähren der wirkliche Verfasser an die öffentlichkeit tritt und ihn 
der lächerlichkeit preisgibt. Fürwahr, ein schönes „unterstützen" ! 
Wie angemessen dagegen der ausdruck bei der anderen Inter- 
pretation der stelle ist, ergibt sich ohne weiteres. 

In engem Zusammenhang mit der interpretation der bespro- 
chenen worte stehen die verse 1029 ff. derselben parabase : 

OVO' OTS TZ Q Co T V f 7] Q £ E Ö I 8 (i <7 X S t V , Otvd(jCü770tg CJP^(j' S77I- 

frgadai, dX).' 'HgaitXgovg ogyr/v nv £%cov total [isyiazot^ int%ti- 
Qtlv , ftQaßtmg ivazag sv&vg an aQftijg avzco ?w xag^aooöovti 
xzl. Die beziehung dieser worte auf die Ritter hat Leo mit 
recht in abrede gestellt ; wenn er aber seinerseits den angriff 
auf Kleon, von dem der dichter hier spricht, von den Babylo- 
niern verstanden wissen will, so scheint mir dies eine inconse- 
quenz, und ich sehe nicht ein, wie sich hiermit der nachdrück- 
liche und bestimmte ausdruck sv&vg an dgp]g vereinigen läßt. Die 
/lairaXijg als erstes stück standen , wie wir aus der Wolkenpa- 
rabase schließen müssen , auch noch später dem publikum in 
guter erinnerung; wie konnte also Aristophanes demselben zu- 
muthen, bei den Worten sv&vg an dgpjg das zweite stück zu 
verstehen? Mir scheint, da ich mit Leo an die anfange von 
Aristophanes' dichterischer laufbahn und nicht an die auf- 
führung der Ritter denke, die annähme unabweisbar, daß be- 
reits in den JanalJjg Kleon irgendwie angegriffen war. 
Großen räum im stücke braucht der angriff nicht eingenommen 



368 75. Griechisches drama. Nr. 6. 

zu haben ; scherzhaft übertreibendes renommiren gehört ja zum 
wesen derartiger parabasenstellen. Dasselbe aber , was Aristo- 
phanes v. 1031 mit den worten ev&vg an'' ägxtjg ausdrückt, be- 
zeichnet er v. 1029 mit dem satze ore. ngärov y 5 rjg^s dtddoxsir. 
Cobet hat diesen corrupt überlieferten vers , statt ihn zu emen- 
diren, für unecht erklärt (Mnemosyne 1, p. 427); mir scheint 
nicht nur dieses verfahren unstatthaft, sondern auch der vers 
kaum entbehrlich ; denn der gegensatz „niemals hat der dichter 
den spott auf einen jüngling aus gefälligkeit gegen dessen lieb- 
haber unterdrückt, sondern er hat die gewaltigsten männer 
angegriffen" wäre äußerst schief. 

2. Nach einer stelle in der parabase der Ritter haben dem 
Aristophanes viele ihre Verwunderung darüber ausgesprochen, 
cos; ov%t ndlai y/igcv alioir] xaO 1 savrcr (v. 513). Dem gegen- 
über motivirt er sein verfahren in den folgenden versen. Und 
zwar erklärt er zuerst, weshalb er nicht beträchtlich früher 
{ndlai), schon vor der abfassung der dairalijg, angefangen habe, 
komödien für die Dionysosfeste zu dichten (v. 516 — 540), 
alsdann , weshalb er bisher seine stücke nicht selbst einstudirt 
habe: er hat sich mit der technischen seite der aufführung zu- 
erst eine größere Vertrautheit erwerben wollen, in der meinung, 
iosTfjv %Qtjvat ngoora yerso&ai, tiqIp 7it]8a).iotg im%$tQeir, | x«t' 
frTBv&ev 77Qq>Q(tzevaai xai rovg arifiovg dta&gqaat. | xara xvßsg- 
vür avrov savrw (542 ff.). Ob sich die beiden angedeuteten 
Vorstufen auf ein mitwirken bei der aufführung (wohl zuerst 
als choreut, dann vielleicht als protagonist) beziehen sollen, oder 
nicht , darüber herrscht keine Übereinstimmung. Mir scheint 
ohne eine derartige annähme der vergleich keinen rechten sinn 
zu haben ; der verf. erweist ihre Unrichtigkeit mit keinem ein- 
zigen argumente, sondern begnügt sich, sie einfach und bestimmt 
für falsch zu erklären. So lange sie noch nicht widerlegt ist, 
wird es erlaubt sein an ihr festzuhalten , und demgemäß ver- 
stehe ich unter dem ngagäri^ einen solchen, der in irgend wel- 
cher weise bei der aufführung betheiligt ist, während nach dem 
verf. v. 543 dahin zu verstehen sein soll, ut Aristophanes fabulis 
alieno nomine commissis auram populärem observare voluerit. Dieses 
bild wäre wiederum überaus schief. Die aufführung des dramas 
wird mit der lenkung eines schiffes verglichen, der, welcher die 
aufführung einstudirt hat und leitet mit dem xvßtgt'tjtTjg: und 



Nr. 6. 75. Griechisches drama. 369 

hierbei soll der noo^uärt^ der dichter sein, der (nach B.) still und 
unbekannt im publikum sitzt und mit der aufführung gar nichts zu 
thun hat! — In die worte oög ov%i nnlai %<iqov ulzoiij xa/> 1 
iavrop legt der verf. mehr hinein als erlaubt ist. Er identifi- 
cirt das x 00 ' 1 * aiTtt1 ' va ®' iavtov (p. 9) damit, daß der dich- 
ter ipse docet oder fabulas suo nomine docet; die ersten 
stücke , und ebenso mehrere von den späteren , habe er an- 
deren übergeben , qui chorum ab archonte peterent, comoediam 
suo nomine in certamen committerent , h. e. fabulam docerent , quasi 
ipsi composuissent. Ist man berechtigt , dem griechischen aus- 
druck diesen sinn beizulegen? Das heißt: ist -/.ad' iaviov 
yonr r ahn ohne weiteres gleichbedeutend mit uvro^ (oi'x aXXog) 
'/nonr ahn? oder allgemeiner ausgedrückt: besagen die worte 
y.ad' eavrov ri nontv nichts anderes, als daß jemand etwas 
selbst thue, statt daß es an seiner stelle ein anderer thue? 
Keineswegs: in x«ö' iaviöi liegt vielmehr, daß jemand etwas 
allein ausführt, nicht — dies ist der vorschwebende gegen- 
satz — in gemeinschaft mit einem anderen oder unter 
fremder beihülfe. Vgl. Demosth. 44, 10 smiöij <5' ö l4ox<d8ijg 
ovx tqt] n Qoc.iQtio&ai yapielv , vllu xut ryv ovaiav (ai'ftnzov dta 
Tavzu av/zoin^cag eivai unttt x«ö' avTor er 7?J JZaXufiln. 
Thuk. 4, 71 uq tj nöXig h ^äxV H a ^' «»")» ovaa iyyvg scps- 
dosvr'pTou* ' A&rjvaicov ancXijrai. Piaton Gorg. 505 d )■} Isycov 
y.u7u navrof (d. h. auch ohne einen durch die form von frage 
und antwort fingirten mitsprecher) ?j unny-oiröpetoc auvrw. Arist. 
Vesp .786 yaXmg, ouv xat 1 ifiavror xoi usö* Stsqov Xr t \pofAai 
(hier ist der gegensatz besonders deutlich). Isokr. 12, 255 
insiSrj de 7tqoq 'Agyslovg xai Meaa^jiiovg ii\v x°^ ai ' diei'XovTo 
v.u.) xad i iavtovg iv Znaorw vuTorAijüni u. s. w. Es wird hier- 
nach niemand bestreiten können, daß die worte mg ovy[i nälai 
yjovv ahoit] y.a&' savzöv (in die man ganz willkürlich und ohne 
berechtigung den begriff suo nomine hineinlegt), auch dann voll- 
kommen am platze waren , wenn Aristophanes sich zwar auch 
schon vorher um Zulassung zum Agon beworben hatte, aber mit 
der erklärung, daß die mühe des einstudirens und die sonst dem 
dichter zukommende belohnung dem Kallistratos anheimfallen 
solle, daß er diu KalXtarodtov 8i8uGxtu> wolle. ( AoiGtoyäriig 
8i8äay.si 8 in KuD.iotqutov ist, wohl gemerkt, nicht dasselbe wie 
KaV.icTuctTOi; 8t8äoxsi , ovx ' Agimo^furr^). Ganz in gleicher 
Philol. Anz. XVII. 26 



370 75. Griechisches drama. Nr. 6. 

bedeutung steht y.af}' saviöv au der angeführten stelle der 
Wespenparabase, nur mit anderer beziehung, nämlich im gegen- 
satze zum dichten in gemeinschaft mit einem anderen. — 
Hiernach ergiebt sich also auch aus der Ritterparabase zu gun- 
sten der auffassung Briels nicht das mindeste. 

3. Auch mit dem scherze in der parabase der Wolken 
(530 ff.) xäya>, aagd'srog yau 'ix' v xovx e^iji' nco [ioi rex£»r, | 
i^£di]y.a , ncug ö - ' STtoa rig laßovo' avsiXtro , | vf^eig ö 1 st-edot- 
\pazE ysvralmg nanaidsvears soll nach der meinung Briels der 
dichter motiviren, cur tarn diu se celaverit fabularurn auc- 
torem neque suo nomine c hör um p etiv erit (p. 10, ähn- 
lich p 12 f.; s. unten). Auch dies kann ich nicht einräumen. Hier, 
wie an anderen stellen , hat man sich davor zu hüten , die 
scherze des komikers peinlich zu pressen. Der dichter hat sein 
stück aus der hand gegeben und das eiustudiren desselben ei- 
nem anderen überlassen , dieser hat es dem publikum vorge- 
führt, das publikum hat es wohlwollend aufgenommen. Diesen 
verlauf der thatsachen vergleicht der dichter damit, daß eine 
mutter ihr kind aussetzt, ein anderes frauenzimmer dasselbe an 
sich nimmt und es guten leuten überbringt, die wohlwollend für 
das kind sorgen. Da das stück, um das es sich handelt, sein 
erstes war, führt er den vergleich noch etwas näher aus und 
sagt , mit einer auch im Deutschen nicht unerhörten metapher 
(vgl. ,, Jungfernrede"), nuodirog yug fV i\ y.oix s|JJ? nm ;ioi zt- 
xth. Etwas weiteres liegt meines erachtens in den Worten nicht: 
xovx i%7 t r na (tot ishhv sagt der dichter lediglich darum , weil 
er sich, der früher noch kein drama gedichtet, scherzhaft mit 
einer Jungfrau verglichen hat. Sobald man versucht, dem aus- 
druck ol>y. e^r rroj n<u eine wörtliche deutung auch mit bezug 
auf den dichter (nicht bloß auf die nagdirog des Vergleichs) 
beizulegen , geräth man auf Ungereimtheiten. Man möge doch 
bei derartigen stellen nie außer acht lassen, daß vielfach in der 
gleichen zeit, in welcher wir uns über die gründliche Interpre- 
tation eines Scherzworts den köpf zerbrechen , das athenische 
publikum bereits über ein halbes dutzend neuer spaße gelacht 
hatte. Wenn alte grammatiker, mit bezug auf unsere stelle, be- 
haupten, Aristophanes habe aus aldoög oder tvXaßetu seine ersten 
stücke nicht öY suvtov zur aufführung gebracht, so ist nicht ganz 
klar, was sie damit sagen wollen; soll sich die bemerkung auf 



Nr. 6. 75. Griechisches drama. 371 

die scheu und den mangel an Selbstvertrauen gegenüber den 
Schwierigkeiten des einstudirens und in scene setzens beziehen, 
so halte ich sie zwar nicht für ein auf verlorenen quellen be- 
ruhendes zeugniß, aber für richtig. Ein kaum erwachsener Jüng- 
ling aber kann Aristophanes bei der aufführung der /fairali]? 
nicht gewesen sein-, wie hätte er in diesem falle drei jähre spä- 
ter die Verwunderung vieler, mg ov-£t nä\tn %o$hv ahoCrj y.aft' 1 
savröv , auch nur fingiren können? — Wenn Briel p. 12 be- 
hauptet, die worte der Wolkenparabase hätten keinen sinn, nisi 
poeta adulescens in occulto se condidisset, cum alius poeta comoediam 
exciperet et suam f aceret , tamquam femina alius virginis filiam 
expositam suam f aceret et nutrir et , so liegt hierin ein für 
das verstandniß nicht unwesentliches versehen ; das nutrire ist 
nicht sache der nulg iit'oa: der dichter sagt: sablatam ab alia 
puella vos et aluistis et educastis, vitam ei sustentastis (Teuffei). 
Also ist die folgerung , daß der gehülfe des Aristophanes die 
komödie suam fecerit, nicht berechtigt. Ungenau bleibt der ver- 
gleich auf alle fälle (was für den komiker kein tadel ist), auch 
nach der erklärung Briels ; denn auch nach dieser überließ, wie 
Teuffei mit recht hervorhebt, der dichter sein kind nicht dem 
zufall, sondern sorgte selbst für die Unterbringung desselben. 

4. In der vierten hypothesis des Plutos heißt es : zelsv- 
talav 8t 8i8a%ag trjp xcofimStar ravujv im 7w l8lw bvofAari xou 
tov viov aviov Aqaqöta ovotijaai (so Bergk und Petersen statt 
tbv viov avtov ovGzijöai doo-oora öt' avrrjg) roTg dearalg ßov- 
"köptvog ra vnnloina Slo dl txeivov xu&tjx? , KwhuXov xcu A'to- 
loaixwra. Zu diesen Worten bemerkt Briel (p. 15): quem finem, 
scilicet ut filios suos populo commendarent, patres non assecuti essent, 
nisi tales poetae suppositicii a populo veri fabularum auctores sem- 
per habiti essent. Der betrug müßte in diesem falle jedenfalls 
länger aufrecht erhalten worden sein ; denn wäre die autorschaft 
des Aristophanes gleich nach der aufführung an die öffentlich- 
keit gekommen , so wäre ja die „empfehlung" des Araros sofort 
aufs kläglichste zu schänden geworden. Andererseits aber müßte 
Araros nach längerer zeit doch so ehrlich gewesen sein , den 
wahren Sachverhalt zu offenbaren und sich seines ruhmes zu 
berauben ; denn die beiden stücke sind später durchweg dem 
Aristophanes beigelegt worden. (Ueber Clem. AI. Strom. 6, 
§ 26 s. Jahrbücher für philologie 1887, p. 528.) Aber sind 

26* 



372 75. Griechisches drama. Nr. 6. 

dies nicht die handgreiflichsten absurditäten ? Da hätte es im- 
merhin größere berech tigung zu sagen , daß das publikum sich 
durch die treue und gewissenhafte Sorgfalt, die der söhn eines be- 
jahrten hervorragenden dichters dem einstudiren von dessen wer- 
ken widmete , von einem günstigen vorurtheil für denselben er- 
faßt werden mochte und daß dies der sinn jener „empfehlung" 
gewesen sei. Mit noch mehr recht aber wird man es aufs 
stärkste bezweifeln, daß die grammatiker über das motiv des 
Aristophanes etwas sicheres wissen konnten und mit Petersen 
(p. 659) das von ihnen angegebene motiv für erfunden erklären. 
— Eine von dem Verhältnisse zwischen Aristophanes und Araros 
ganz verschiedene bewandtniß hatte es mit Sophokles und Iophon, 
sowie mit den aufführuugen Aescbyleischer und Euripideischer 
stücke, welche die söhne dieser dichter nach dem tode der väter 
veranstalteten; hierfür genügt es, auf die treffenden bemerkungen 
von Petersen p. 667 ff. zu verweisen ; der verf. hat es nicht für 
gut befunden dieselben zu berücksichtigen und daher mit den 
betreffenden Zeugnissen, nach dem vorgange früherer, misbrauch 
getrieben. Ob hinsichtlich der aufführuugen von stücken des 
Aristophanes durch seinen söhn Stephanos Petersen (p. 668) 
oder Leo (p. 402) recht hat , vermag ich nicht zu entscheiden ; 
für die vorliegende frage ist es gleichgültig. 

5. Weiterhin kommen die Spöttereien in betracht, welche 
Aristonymos und Sannyrion gegen Aristophanes gerichtet haben. 
Schol. Plat. Apol. p. 19 c ' ^gtoimrvftog 8' li 'Hliqi giyoüin. 
xul 2ai>vvQiooi> iv /VAom rergdöi qtaolv avrbv ytieaüai, öiözt T('v 
ßiov xartTQixper sregotg notcär ■ ol yag rargddi ysrtwfisvoi tzotgvi- 
rsg ulloig -/.aonovadat nagi^ovon. Vita Aristoph. tu [asv ngööra 
diu KttXXiarQttTOV x«( 0iXoavl8ov y.adi'ti dguuura' 8io mu eoxmnrov 
avrov ' Ag\<5Twrvu<)g 7£ x«i ' j4(isi\piag, Teroüdi. Xe'yotrsg <Lalzov> 
ysyovt'iai y.uTa. rrji' nagoiftiav , <Cwc^> ä).).otg novoirret. Hier 
fragt Briel (p. 16), wie man diesen spott anders verstehen könne 
als in der weise, daß bei der aufführ ung durch einen anderen 
dieser für den dichter gehalten worden sei. Ich antworte: Kai- 
listratos und Philonides genossen die fruchte von Aristophanes' 
dichterischer arbeit, insofern sie (für die weit geringere mühe 
des einstudierens) das geld empfingen. Allerdings von Seiten 
jener komiker eine schnöd materielle auffassung ; aber kann uns 
eine solche in einem Scherzwort der komödie befremden? Wie 



Nr. 6. 75. Griechisches drama. 373 

Briel dasselbe erklärt, nämlich mit bezug auf den anderen über- 
lassenen dichterischen rühm , wäre es einfach albern gewesen ; 
denn auch Briel kann nicht umhin, von den auf die Bitter fol- 
genden stücken einzuräumen, dass Aristophanes fabulas, postquam 
actae sunt, suo nomine praefixo foras dahat : hoc modo innotuit ve- 
j-M6- poeta, hoc inclaruit. Wie konnte man ihm also in betreff 
des ruhmes ein tov ßioi xuzazyißui irtgoit; not olvza zuschrei- 
ben? Auch mit Leo kann ich mich in diesem falle nicht ein- 
verstanden erklären. Derselbe will (p. 401 anm. 2) den spott 
auf die Unterstützung beziehen, die Aristophanes, wie er in der 
oben behandelten stelle der Wespen-parabase berichtet, in seiner 
jugend anderen komikern hatte angedeihen lassen. Hierbei 
müßte man sowohl in der vom biographen angegebenen bezie- 
huug auf Kailistratos und Philonides wie in den worten des 
Platon-scholions diört toi ß Co v •/. uz i i o ity 1 1 eregoig notwv 
grobe irrthümer erkennen •, auch ist es nicht gerade wahrschein- 
lich, daß von anderen eine thätigkeit des Aristophanes verspottet 
worden wäre, deren er sich selbst rühmte. — Beiläufig bemerkt, 
scheint mir die vom verf. gebilligte hypothese Cobets, daß den 
gleichen spott wie jene drei komiker auch Piaton gegen Ari- 
stophanes gerichtet habe, völlig haltlos zu sein. Sie stützt sich 
auf die bei Kock Com. Att. fragm. 1 , p. 628, 99 gesammelten 
stellen. In diesen wird klar und unzweideutig berichtet , daß 
Piaton den ausdruck ' AgnädaQ /.ti/.iov[ai o> mit bezug auf sich 
selbst gebraucht habe ; was berechtigt uns, diese angäbe so zu ver- 
drehen, daß man sie zu einer cavillatio auf Aristophanes macht? 
Hier ist vielmehr meines erachtens die für das Tezoüöt ytrioVui 
zurückgewiesene auffassung Leo's anzuwenden. Piaton sagte an 
der stelle, aus der der ausdruck ' dyxddui; uifiovfisi o*; entnommen ist 
(wahrscheinlich einem sniofjijfAa), etwas entsprechendes von sich 
aus, wie Aristophanes in den worten der Wespen-parabase zu 
[Atr ov yuitQOü* •/.. 7. ).. und wie Eupolis in der parabase der 
Bünzai, wo er behauptete xuxtiiovg zoi^ 'Inntug ovrsnoitjoa zw 
q,u).ay.(jto zoizcp xä8ooQt]Gäpijv (fr. 78). Der ausdruck i a s xco- 
lAtpöi'ag ül/.oig /iu(ji%tir , der sich bei Suidas für das verfahren 
des Piaton gebraucht findet (ulX.oig ixSidotai bei Eustathios) ist, 
wenn er von Piaton herrührt , für eine der in der komödie ge- 
wöhnlichen hyperbeln zu halten. Ob die motivirung, daß Piaton 
diu nsriar auf sein eigenthumsrecht verzichtet, auf einer ver- 



374 75. Griechisches drama. Nr. 6. 

kehrten vermuthung späterer beruht, wie Näke (Opusc. 2, p. 
209) annahm, oder von Piaton selbst ausgesprochen war, was 
Petersen (p. 667) für möglich hält, mag dahingestellt bleiben; 
sie brauchte übrigens auch in letzterem falle noch nicht wahr 
oder ernsthaft gemeint gewesen zu sein. Das hat jedenfalls Pe- 
tersen mit recht hervorgehoben , daß die worte Piatons auf das 
einstudiren seiner komödien durch andere nicht bezogen werden 
dürfen. 

6. Mit der von mir vertretenen ansieht würden sich die 
stellen in den Acharnern v. 377 ff. und 501 ff., wo Dikäopolis 
die anklage Kleons als gegen sich gerichtet hinstellt, in Wider- 
spruch befinden, wenn man sie so zu beurtheilen hätte, wie es 
der verf. (p. 23 ff.) thut. Daß Dikäopolis von sich so spricht, 
als wäre er der dichter der Babylonier, hält Briel (p. 26) nur 
unter der Voraussetzung für möglich, daß die rolle des Dikäo- 
polis von demjenigen gespielt worden sei, der als dichter der 
Babylonier gegolten habe •, Aristophanem , so fährt er fort : in 
Achamensibus Dicaeopolidis partes egisse iam per se non est credi- 
bile, cum tunc temporis in publicum prodire nondum animum indu- 
xisset (dies würde nichts beweisen , auch wenn es richtig wäre : 
denn zwischen einem auftreten als dichter und einem auftreten 
als Schauspieler besteht ein großer unterschied) ; tum vero tale 
aliquid ab ingenio poetae, qualis ex mea sententia fuit, prorsus ab- 
horrere iam monui. Glaublich sei dagegen eine schauspielerische 
thätigkeit bei Kallistratos, einem homo ignobilior. Hierbei liegt 
eine Vorstellung von der persönlichkeit des Aristophanes zu 
gründe , deren richtigkeit sich nicht erweisen läßt , sowie eine 
werthschätzung der schauspielerischen thätigkeit des fünften 
Jahrhunderts, die ich für unzutreffend halte. Vgl. auch oben 
p. 368. Aber nicht einmal dies kann ich einräumen, daß die 
rolle des Dikäopolis nothwendiger weise von demjenigen gespielt 
worden sei, den Kleon als den dichter der Babylonier angeklagt 
hatte. In den zeiten , da der dichter noch in der regel auch 
protagonist war , mußte es sehr nahe liegen , daß mitunter der 
protagonist, die dramatische illusion in der weise der komödie 
vernichtend, als dichter redete ; dies konnte in folge hiervon als 
eine wenn schon vereinzelte freiheit auch in solchen fällen noch 
vorkommen , in denen der dichter nicht als Schauspieler fun 
girte ; man bedenke, daß die Acharner die älteste der uns er 



Nr. 6. . 75. Griechisches drama. 375 

haltenen komödien sind. — Vielleicht ist auch fr. 471 hierher- 
zuziehen, dem gegenüber der verf. nicht umhin kann, seine völ- 
lige rathlosigkeit einzugestehn , sowie fr. 588 ; daß der gelehrte 
grammatiker, dein wir das letztere verdanken, so verrückt ge- 
wesen sein sollte, die worte auf Aristophanes zu beziehen, ohne 
daß der Zusammenhang hierfür einen anhält geboten hätte , ist 
doch kaum denkbar. Vergl. übrigens Bergk bei Meineke 2 
p. 1141. 1143. 

7. Aus der formel t'i'ouy oj Qt'oyu top zoqov, welche nach 
Acharn. v. 11 vor der aufführung einer tragödie des Theognis 
ausgerufen wird, soll nach dem verf. (p. 14) hervorgehen, daß 
während der aufführung eines von Kallistratos oder Philonides 
einstudirten Stückes die autorschaft des Aristophanes dem pub- 
likum nicht habe bekannt sein können ; denn auch jene beiden 
männer seien dichter gewesen •, wie hätte also das publikum, 
wenn nur der name des Kallistratos genannt war , wissen kön- 
nen, daß das stück nicht von ihm herrührte? Aber eben dies, 
daß der name des Kallistratos und nur dieser, genannt wurde, 
ist unerweislich. In dem falle , um den es sich in der Achar- 
nerstelle handelt, war Theognis zugleich der dichter und der 
einstudirende ; wie es gehalten wurde, wenn jemand öV irigov 
ididäaxe , darüber ist aus dieser stelle nicht das mindeste zu 
entnehmen. Es konnte irgend ein modus stattfinden, durch den 
sowohl der dichter wie sein gehülfe genannt wurde. Aber es 
konnte sich, wenn als 8i8daxulo^ auch bei der aufführung <V 
sTt'fjov Aristophanes galt, die formel auch einfach an ihn 
richten. (Weiteres über die stelle , die mir der verf. auch in 
sonstiger hinsieht nicht richtig zu verwerthen scheint , an einem 
anderen orte ; auch Eohde's auffassung kann ich nicht für an- 
nehmbar halten). 

8. Einige grammatiker - stellen sollen als Zeugnisse dafür 
dienen, daß der name des einstudirenden in das album publicum 
oder die publicae didascaliae eingetragen worden sei. Letzteres 
hat noch niemand bestritten ; worauf es ankommt , ist dies , ob 
nur der name des einstudirenden oder auch der des dichters 
aufgezeichnet wurde. Uas fehlen des dichternamens aber geht 
aus den vom verf. beigebrachten stellen nicht hervor. Ueber 
Proleg. de com. 3, schob Ran. 78 und schob Plut. 179 vgl. 
Petersen p. 669. Argum. Ran. 1 hat Musurus an stelle der 
durch die alten handschriften bezeugten fassung die worte 0c- 



376 75. Griechisches drama. . Nr. 6. 

Imvidi]^ ineyQaq?] xai ivixa gesetzt : daß diese änderung keine 
autorität hat, hedarf für den kundigen keines beweises, mag sie 
nun, wie der verf. meint, ex codice aliguo recenti entnommen sein 
oder , was mindestens ebenso gut denkbar ist , auf Willkür des 
Musurus beruhen. Uebrig bleibt noch das vielbehandelte scho- 
lion zu Eurip. Androm. 445 : eilixQtvwg 8s Toiig tov dgäfiaros %q6- 
lovg oix eati XaßeTr . ov 8e8i8axTcu (so Cobet statt SeSeiktui) 
yag A&T]t>t]Gii' . o 8s KallCiA.a%og EniyQaifrjvaC qujai zij zgayopSla 
/JtlixoxQvitjv. Aus diesen worten geht erstlich hervor, daß in 
den Didaskalien eine Euripideische tragödie Andro- 
mache nicht verzeichnet war, und sodann, daß sich nach Kal- 
limachos als Verfasser des Stückes irgendwo Demokrates an- 
gegeben fand. Ich verweise hierfür auf die bemerkungen von 
Petersen p. 670. Weitaus am nächsten liegt es, diese nennung 
des Demokrates auf die Didaskalien zu beziehen (vgl. hy- 
poth. Soph. Ai. sr 8s re«V 8i8tcaxa\Caig ipiXäg Aiaq iniysyQan7ai)] 
was Petersen hiergegen einwendet , dürfte sich wohl durch die 
erwägung erledigen, daß dem scholion eine längere erörterung 
zu gründe gelegen haben muß , von der es nur ein excerpt ist. 
Vom einstudiren aber steht im scholion kein wort , so daß 
es einen beweis für die anschauung des verf. unmöglich ab- 
geben kann. Wer, wie der verf., der meinung ist, daß der 
einstudirende als Verfasser gegolten habe, der mag sich die an- 
gäbe des scholions durch die hypothese erklären, Euripides habe 
dem Demokrates die Andromache „zur aufiührung übergeben" 
(so z. b. Bergk Herrn. 18, p. 491). Für die gegner jener an- 
schauung ist diese erklärung unstatthaft. Petersens annähme 
lautet folgendermaßen (p. 671): ,,Die politische tendenz, haß 
und verdacht gegen Sparta zu erregen , ist so auffallend , die 
parteisprache so leidenschaftlich, daß es sich wohl begreift, daß 
Euripides nicht selbst mit dem stücke hervortreten mochte, son- 
dern es einem andern gab, der dreister war. Ebenso begreiflich 
ist , daß der archon das stück abwies , sei es daß er zur frie- 
denspartei gehörte und lakonenfreundlich war, sei es daß er 
auch sonst kein gefallen an dem stücke fand. So konnte aber 
sehr gut eine ausgäbe der Andromache mit Demokrates auf dem 
titel unter das volk kommen". Auch hiervon kann ich mich 
nicht überzeugen : eine derartige ängstlichkeit lag dem Euripides, 
der noch ganz andere dinge in seinen dramen vorbrachte als 



Nr. 6. 75 Griechisches drama. 377 

haß gegen den feind , mit dem mau sich im kriege befand , si- 
cherlich ferne , und die Wahrheit wäre ja doch sofort an den 
tag gekommen. Für das wahrscheinlichste halte ich vielmehr 
folgendes. Da in den Didaskalien eine Andromache des Euri- 
pides nicht verzeichnet war , so war die nächstliegeude (und 
wohl richtige) Schlußfolgerung die, welche wir im scholion mit 
den Worten to dgäfja ov StdiSaxTut ' Adi^vr^iv ausgesprochen fin- 
den: wobei man bei dtöCdaxtai natürlich nur an die aufführun- 
gen der Lenäen und großen Dionysien denken darf. Nun war 
aber in den Didaskalien eine Andromache des Demokra- 
tes verzeichnet, von der es sonst keine spur gab, und Kallima- 
chos hatte, möglicher weise nur als vermuthung, die ansieht ge- 
äußert , diese Andromache des Demokrates sei von der des Eu- 
ripides nicht verschieden gewesen, d. h. Demokrates habe als 
angeblicher dichter den chor verlangt und habe auch bei der 
aufführung officiell als dichter gegolten. Vielleicht hielt er es 
für denkbar, daß Demokrates einen gewissen antheil an der ab- 
fassung des Stückes gehabt habe, und stellte sich zwischen Eu- 
ripides und Demokrates ein ähnliches verhältniss vor , wie es 
nach den komikern zwischen Sophokles und Iophon bei mehreren 
den namen des letzteren tragenden stücken , nach Kratinos fr. 
200 und Eupolis fr. 78 zwischen dem letzteren und Aristopha- 
nes bei den Rittern, nach Aristophanes und Piaton zwischen ih- 
nen selbst und anderen komikern (s. oben p. 366 u. 373), nach Her- 
mippos fr. 64 zwischen anderen dichtem und Phrynichos be- 
standen haben sollte. Wollte man doch auch noch bei zwei 
tragikern der Pleiade wissen , daß sie ihre dramen zu einem 
theile dem Timon verdankten (vgl. Deutsche litteratur - zeitung 
1886, p. 472 f.). Ob Kallimachos für seine hypothese noch 
andere anhaltspunkte zu haben glaubte, als die Didaskalie, ob 
Demokrates mit dem in der vita des Euripides erwähnten Ar- 
giver Timokrates identisch ist , was es mit dem letzteren über- 
haupt für eine bewandtnis hat, — diese fragen mit einiger pro- 
babilität zu beantworten, ist bei der beschaffenheit unseres ma- 
terials nicht mehr möglich. 

9. Zu Acharn. 654, der bekannten stelle über Aegina, 
existiren zwei scholien. In dem ersten wird , unter Zurückwei- 
sung einer thörichten interpretation , in dem tone voller Sicher- 
heit von Aristophanes behauptet ictTg ältjftsiaig eig rjv reo* iv 



378 75. Griechisches drama. Nr. 6. 

rtf rqacp y.lijoov/ijödvroi) . Das zweite scholion aber lautet: uv- 
8e)g larÖQijxev big it Aiytv^ xixri]iat ti ' ^QiGTG<:pävi]g, d\V soixs 

TttVTU 7TEQI Kai WlßTQUIOV leySG&Ctl , bg XExlljQOVfflXSV iv Alyhiß 

usru rlv druoTuGtv Alyuyräv vn<> ' A&rjvaioav. Der Urheber 
des zweiten scholions hielt also für den helden der parabase 
den Kallistratos, und es liegt nahe anzunehmen, daß er ihn nur 
aus diesem gründe zu einem äginetischen Kleruchen gemacht 
hat. Die bestimmtheit, mit der er sagt <)g xexXijgov^rjxsv spricht 
nicht dagegen; denn ganz mit derselben bestimmtheit sagt der 
andere erklärer von Aristophanes iah ultjOtiaig sig yv xtl. 
Auch der zusatz perä ir t v är&oiaaiv xtX. ist ohne belang: wer 
von der Kleruchie auf Aegina etwas wußte , wußte natürlich 
auch, wann sie eingerichtet wurde. Briel dagegen (p. 29) sagt 
vom Verfasser der zweiten anmerkung : videtur veteres libros evol- 
visse, in quibus Callistratum, non Aristophanem, cölonum Atticum in 
insula Aegina fuisse scriptum invenit. Zu dieser annähme liegt 
nicht der geringste grund vor; es ist auch schwer einzusehen, 
welche veteres libri es gewesen sein sollten, in denen ein gram- 
matiker diese notiz hätte finden können. Außerdem meint Briel, 
die ertheilung eines xltjgog passe besser für Kallistratos als für 
Aristophanes , cum Aristophanes sine dubio in divitibus numerandus 
sit. Allein der reichthum des Aristophanes existirt nur in der 
phantasie des verf., und außerdem liegt für uns gar kein zwin- 
gender grund vor , mit dem scholiasten an die Kleruchie zu 
denken: es können schon aus der zeit vor 431 irgend welche 
beziehungen der familie des Aristophanes zu Aegina bestan- 
den haben , welche zu dem scherze mit derselben nur für die 
komödie geltenden logik berechtigten, die wir auch bei der an- 
nähme der scholien gelten lassen müssen. (Hierüber spricht 
Briel sehr gut p. 31 f.) 

10. Zu den anfangsworten der Acharner-parabase (628 f.) 
c| uv j'fi %oqoiou FqiEGTijy.si' TQayixoig o 8i8äaxa%og tjfimv | o'vnbi 
nacjf'ß)] itQug to Oiargo* XiH-mv big Öt'^tög iarir bemerkt der verf. 
p. 27: ex animo eis assentior, qui monuerunt haec verba de poeta 
adulescenti, qualis tum Aristophanes fuisset, qui duas tantum comoe- 
dias antea scripsisset, praedicari vix potuisse. Darauf ist zu er- 
widern erstens , daß Aristophanes so ganz jung damals nicht 
mehr gewesen sein kann (s. oben p. 371), zweitens daß zwi- 
schen danaX^q und Babylonier möglicher weise noch eine oder 



Nr. 6. 75. Griechisches drama, 379 

noch zwei andere Aristophanische komödien fallen können , und 
drittens, daß von einer langen zeit in den beiden versen 
kein wort steht. Der sinn ist einfach : „bisher habe ich mich, 
seit ich komödien dichte , in einer parabase noch nicht gelobt ; 
dieses mal aber bin ich genöthigt es zu thun". So kann ein 
komödiendichter bereits in seiner vierten, ja auch in seiner drit- 
ten komödie sprechen. 

Wenn somit keines der vom verf. für seine anschauung vor- 
gebrachten argumente irgend welche beweiskraft hat , so steht 
ihr andererseits, abgesehen von den schon geltend gemachten 
allgemeinen erwagungen, entschieden der umstand entgegen, daß 
in den Wespen, die nach der Didaskalie durch Philonides auf- 
geführt sind, Aristophanes in seinem eigenen namen redet. Der 
verf. weiß freilich hierfür einen sehr einfachen rath : die worte 
diu <Pda>it'df)V in der Didaskalie werden (nach dem vorgange 
Petersens) von ihm gestrichen (p. 55). Der mit den Wespen 
von Philonides aufgeführte ÜQüäycor ist nach ihm der des Ari- 
stophanes. Daß sein versuch , die entstehung dieser unerhörten 
interpolation in einer Didaskalie zu erklären , nicht befriedigen 
kann, scheint ihm selbst nicht zu entgehen. Noch weniger ge- 
lingt es ihm , die für mich unglaubliche Vorstellung, daß im 5. 
jahrh. ') zwei stücke eines und desselben dichters concurrirt hätten, 
annehmbar erscheinen zu lassen. Ich habe mich Herrn. 7, p. 404 
dafür ausgesprochen, daß Philonides die Wespen einstudirt und 
daneben seinen eigenen TlQouyar zur aufführung gebracht habe, 
und Leo hat mir hierin beigepflichtet (p. 404). Briel erhebt 
gegen meine ansieht zwei einwände. Einmal bemerkt er, nach 
anführung derselben, folgendes: Neque vero a me impetrare pos- 
sum, ut Philonidem , etiamsi artissimo familiaritatis vineulo cum Ari- 
stophane coniunetus fuit, suam fabulam docturum amieo morem ges- 
sisse credam ; atque ne Aristophanem quidem putaverim tali verum 
conditione Fhilonidi fabulam committendam dedisse, cum hie maiore 
diligentia in sua ipsius docenda vel nescius et invitus usus esset, 
neque crimini dandum, quia homo erat. Atque faber est suae quis- 
que fortunae. Um derartige psychologische erwagungen anzu- 
stellen , wissen wir von den in betracht kommenden persönlich- 
keiten und Verhältnissen viel zu wenig. Auch kann man er- 
widern, daß es möglicher weise dem Philonides auf die geldbe- 

1) Später waren andere Verhältnisse ; doch möchte ich CIA 2, 
972 an zwei namensvettern denken. 



380 76. Xenophon. Nr. 6. 

lohnung sehr ankam, daß er, wenn er sich bei der einstudirung 
der Wespen liederlich zeigte , riskiren mußte , diese einuahme 
künftighin zu verlieren, daß eine etwas größere Sorgfalt, die er 
etwa invitus dem nooüywv widmen mochte , für den erfolg doch 
nicht ausschlaggebend sein konnte, u. s. w. Sodann meint Briel, 
es sei unglaublich, daß eine Philonideische komödie FlQoayav 
über die Wespen den sieg davon getragen habe, da dieselbe 
sonst nirgends erwähnt werde. Auch dieser einwand ist nichtig, 
da die Alexandriner nicht einmal von einem dichter wie Kra- 
tinos, geschweige denn von Philonides, alle stücke mehr besaßen. 
Daß das verzeichniß bei Suidas auf Vollständigkeit anspruch 
erheben könne, wird doch auch der verf. nicht glauben. — 

In der hauptfrage vermag ich also der meinung Briels 
nicht zuzustimmen. Im einzelnen aber hat der verf. unstreitig 
über Aristophanes und seine dramen mehrfach zutreffende und 
beachtenswerthe bemerkungen vorgebracht, und seine arbeit em- 
pfiehlt sich überhaupt durch Selbständigkeit des urtheils , eine 
richtige ansieht über wesen, charakter und bestimmung der alten 
komödie , eine im ganzen sorgfältige benutzung der litteratur 
und klarheit der darstellung. E. Hiller. 



76. Strecker, über den rückzug der zehntausend. Mit 
einer farbigen karte in Steindruck. Berlin , Mittler und söhn. 
1886. 8. 29 p. 1 mk. 25 pf. 

Im vierten bände von Koners Zeitschrift der gesellschaft 
für erdkunde erschienen 1869 mehrere artikel unter dem titel: 
Beiträge zur geographie von Hocharmenien. Der Verfasser war 
Wilhelm Strecker, damals oberst, jetzt general in türkischen 
diensten. Während eines langjährigen aufenthalts in diesem in- 
teressanten Alpenlaude hat der thätige mann sich auch mit der 
alten geographie und geschichte desselben beschäftigt und eine 
frage, die an ort und stelle sehr verlockend sein muß, zu lösen 
gesucht. Es handelt sich nämlich darum , den weg von Xeno- 
phons berühmten zehntausend topographisch festzulegen. Der 
betreffende aufsatz wurde aber gleich bei seiner Veröffentlichung 
von professor Kiepert mit „gegenbemerkungen" begleitet , in 
welchen derselbe sich zu einer ganz entgegengesetzten ansieht 
bekannte. Strecker ist von Kiepert nicht überzeugt worden : 
er wiederholt in der genannten broschüre — einer duplik — 
seine ansetzungen mit genauerer begründung, ohne daß er mehr 



Nr. 6. 76. Xenophon. 381 

wie eine kleinigkeit (siehe p. 25) geändert hätte. Auch die 
karte ist eine Wiederholung der tafel VIII in jener Zeitschrift. 

Die haupt - differenzpunkte sind folgende: 1. Strecker läßt 
die Griechen den Bingöl Dagh westlich, Kiepert dagegen östlich 
umgehen; — 2. Strecker erklärt den Phasis (Xen. an. IV, 6, 4) 
für den Peri-Su, einen nebenfluß des östlichen Euphrat, Kiepert 
dagegen für den oberlauf des Araxes; — 3. Strecker hält den 
Harpasos (IV, 7, 18) für den westlichen Euphrat, Kiepert da- 
gegen für den Tschoruk-, — 4. Strecker findet den berg Theches 
(IV, 7, 21) in dem Kolat-Dagh und läßt die Griechen dann in 
weitem umweg ihren weg nach Trapezunt über Gumüschchaue 
finden. Kiepert dagegen läßt Xenophon aus der Ebene von 
Baiburd durch das Kowata- oder Sürmene-thal zum meere hin- 
absteigen , womit auch der aussichtsberg weiter östlich und nä- 
her an die küste gerückt wird *). 

Es wäre vermessen, in einer topographischen frage entschei- 
den zu wollen, bei welcher der eine der beiden gegner ein her- 
vorragender offizier und genauester langjähriger kenner des ge- 
ländes und der andere — Kiepert ist. Ich begnüge mich also, 
die differenz festzustellen : weitere aufklärung ist , wenn über- 
haupt, nur durch lokale Untersuchungen zu erwarten. Es giebt 
aber in jener broschüre noch anderes, was erörterung verdient. 

Die auffassung, welche Strecker von einem ^uQuadyyij^ hat 

— für die bestimmuug des weges von großer bedeutung — ist 
nicht neu (vgl. die Xenophon - ausgäbe von Vollbrecht p. 14 
anm.), aber allem anschein nach richtig. Danach wollte Xenofou 

— so Streckers Orthographie — damit diejenige seit bezeichnen, 
welche man damals gewöhnlich gebrauchte, um eine parasange weges 
zurückzulegen, also etioa eine gute stunde. Also ist naQaadyyr^ in 
der anabasis gar kein längenmaß und bedeutet je nach der be- 
schaffenheit, resp. Schwierigkeit des geländes etwas verschiedenes. 
Die wirkliche länge des alten na^naüyp]^ als längenmaß wird ja 
hoffentlich auch einmal ausgemacht werden — bei größerer einig- 
keit der metrologen, denn vorläufig leben sie noch in zu grimmer 
fehde. Worauf aber die Strecker'sche reduktion: 5 parasangen 
= 6 2 /3 deutsche stunden beruht, möchte referent gern wissen: da- 
bei ist ja ein unbestimmter begriff dem andern gleichgesetzt. 

1) P. Borit, ober-ingenieur in Trapezunt, will den Theches noch 
bedeutend weiter südlich als den Kolat-Dagh setzen. (Zeitschrift für 
erd künde 187üj. 



382 76. Xenophon. Nr. 6. 

Die stärke des griechischen heeres, als es nach der Schlacht 
bei Kunaxa aufbrach , wird von Strecker mit verblüffender ge- 
nauigkeit auf 13560 mann angegeben. Dies bewegt mich, noch 
einmal die berechtigung dieser uud ähnlicher Zahlenangaben zu 
untersuchen — unabhängig von Koch (zug der zehntausend, 
p. 11), welchem Strecker gefolgt zu sein scheint. 

Wie viel Griechen waren im heere des Kyros? Wir haben 
folgende zahlen zu addieren: 

Hopliten : Leichtbewaffnete 

in Sardes (I, 2, 3): aller art: 

mit Xenias 4000 

„ Proxenos 1500 500 

,, Sophainetos-) 1000 
,, Sokrates 500 

„ Pasion 300 300 

in Kolossai (I, 2, 6) : 
mit Menon 1000 500 

in Kelainai (I, 2, 9): 
mit Klearch 1000 1000 

„ Sosis 300 3 ) 

,, f Sophainetos 1000 

Summa 10600 2300 ~~ 

Diese summe stimmt nicht ganz mit der zahl der muste- 
rung in Kelainai, welche 11000 hopliten und u/uqpJ rovg 8ig%i- 
)Jovg pel tasten aufweist. Nur nach dem texte Krügers stimmt 
die zahl genau, da dieser bei Pasion 700 mann liest. Doch 
geben sich die angaben bei der musterung als runde zahlen 
zu erkennen. Auch hat Koch mit recht bemerkt, daß weder 
die zahl der milesischen cpvyäStg noch des belagerungsheeres 
angegeben ist, zu welchem (nach I, 2, 2. 3) noch andere ge- 
hören mußten als Sokrates und Pasion. So wird das plus bei 
den hopliten wohl verständlich. 

2) Dieser posten fehlt im texte Cobets , ohne frage , weil der 
name Sophainetos sich nachher wiederholt. 

3) Koch giebt auch die lesart 1000 an, die ich aber in keiner 
ausgäbe finde. 



Nr. 6. 76. Xenophon. 383 

Hopliten : Leichtbewaffnete 

aller art : 
in Issoi (I, 4, 3): 
mit Cheirisopbos 700 

Deserteure des Abrokomas 400 4 ) 



Summa 11700 2300 

Davon ab der verlust in 
den kilikischen bergen 5 ) (I, 
2, 25) 200 6 ) 



11500 2300 

Damit stimmt wenig die nächste gesammtzählung (1,7,10), 
welche 10400 hopliten und 2500 peltasten ergiebt. Die ab- 
nähme der hopliten erklärt sich freilich durch krankheit und 
desertion , wie aber die zunähme der peltasten ? Es müßten 
geradezu hopliten degradiert sein. Gewiß aber müssen wir 
beim weiteren reebnen diese Zählung zu gründe legen, die doch 
größere Zuverlässigkeit besitzt, als was durch addition gefunden 
wird. Ziehen wir also von der gesammtzahl die mit Miltokythes 
desertierten 340 Soldaten (II, 2, 7) ab, so erbalten wir 12560, 
d. h. tausend mann weniger als Strecker annimmt. Bei der 
nächsten Zählung in Kerasus (V, 3,3) sind es dann noch 8600, 
oi 8s äXXot unwlütio vno z? Toiv 77oXf^imv y.a\ 7?]g %t6rog Kai et 
71b," roaep. 

Es dürfte jetzt klar sein , daß eine solche genauigkeit bis 
auf die zehner, wie sie Streckers angäbe voraussetzt, bei Xeno- 
phon gar nicht gesucht werden darf. Die inconcinnitäten in 
den zahlen möchte ich gar nicht auf textverderbnis schieben, 
sondern auf den Schriftsteller selbst. Die alten waren überhaupt 
gleichgültiger als wir gegen rechnerische exaetheit. Man ver- 
gleiche — ein geradezu klassisches beispiel — die berechnung 
des persischen heeres bei Herodot (VII, 186). Obwohl unter 
seinen Summanden ganz im groben gerechnete Schätzungszahlen 
sind, und er schließlich den troß in bausch und bogen gleich 
der kampffähigen mannschaft setzt, sieht er nicht, daß er dann 



4) Koch schreibt 300, wohl aus versehen. 

5) Hiezu kommt noch die desertion des Xenias und Pasion , die 
gewiß Begleiter hatten. 

6) Der satz rjaav tfovv ovtoi* ixarbv (Krüger txariv fxaaros) onXirat 
ist ohne frage ein glossem zu kö/oi, und von Cobet mit recht gestrichen. 



384 77. Herakleitos. Nr. 6. 

alle posten abrunden muß, und berechnet die gesammtsumme — 
über fünf raillionen — noch auf die zehner genau. Aber solche 
maßlose schärfe am unrechten orte zeigt ganz auffallenden man- 
gel an mathematischer bildung. 

M. Erdmann. 

77. Heracliti Ephesii reliquiae. Recensuit J. *) Bywater, 
collegii Oxoniensis socius. Appendicis loco additae sunt Dio- 
genis Laertii vita Heracliti, particulae Hippocratei de diaeta li- 
bri primi, Epistolae Heracliteae. Cum indice duplici scriptorum 
et verborum. Oxonii : e typographeo Clarendoniano. 1877. 

78. Die philosophie des Heraklit von Ephesus im lichte 
der mysterienidee. Nebst einem anhang über heraklitische ein- 
flüsse im alttestamentlichen Kohelet und besonders im Buche 
der Weisheit, sowie in der ersten christlichen literatur. Von 
Dr. Edmund Pf leiderer, prof. der philosophie in Tübingen. 
Berlin, druck und verlag von Georg Reimer 1886. 

Es geschieht auf den wünsch der verehrlichen redaktion 
dieser Zeitschrift, daß ich mit der anzeige des werkes von Pflei- 
derer über Heraklit auch eine besondere bezugnahme auf die 
ausgäbe der aus Heraklits schrift erhaltenen Überreste von By- 
water verbinde. Von einer eigentlichen anzeige dieser ausgäbe 
könnte natürlich um so weniger die rede sein , als nicht nur 
bereits zehn jähre seit dem erscheinen derselben vergangen sind, 
sondern der werth derselben durch den allgemeinen gebrauch, 
in den sie seitdem eingetreten ist , als bereits anerkannt gelten 
darf. Aber ebendarum fordert auch die besprechung des an- 
deren oben genannten buches von selbst die berücksichtigung 
der vorliegenden ausgäbe. Denn auch Pfleiderer legt sie der 
anführung der einzelnen stellen, die er in der regel nur in deut- 
scher Übersetzung bewerkstelligt, zu gründe. 

Man könnte in kürze von Bywaters ausgäbe etwa sagen, 
daß Schleiermacher , dessen verdienst um die forschung über 
Heraklit ein unvergängliches ist, in derselben wohl die erfreu- 
liche erfüllung dessen gesehen haben würde , was er selbst von 
einem künftigen bearbeiter, als welchen er damals Creuzer im 

1) Wir würden an den so beliebten vornamen John denken, wenn 
wir nicht wüßten, daß der in Deutschland unbekannte vorname 
Ingram gemeint ist. 






Nr. 7. 77. Herakleitos. 385 

äuge hatte, wünschte und erwartete. Dazu gehört in erster li- 
nie die Scheidung dessen , was dem berichterstatter zufällt, von 
dem, was dem philosophen zugeschrieben werden darf, und in 
weiterem sinne die ausschcidung des unechten von dem echten. 
Zu dieser thätigkeit rindet Schleiermacher gleich bei dem 
bruchstück aulaß, dem er, freilich aus einem etwas willkürlichen 
gründe , die erste stelle anweist. Bei Bywater steht es unter 
nummer CVIII und CIX. Der gedanke , welcher hier ausge- 
sprochen wird, ist nämlich in doppelter fassung überliefert. By- 
water betrachtet nun folgende als die echte: 3 A(iu&ir t t ufxsivov 
xuv77Ttn' "oyoi Ss ti (hsaa v<a nun ohar. Schleiermacher da- 
gegen gibt folgender den vorzug : Kuvnikiv ufia&i'tjv KQeaaov // 
sg ti) uicjai qtotn. Der gruud , welchen er für diese entschei- 
dung geltend macht, scheint der beachtung nicht unwerth. Er- 
stere fassung ist aus mehreren anführuugen Plutarchs in ver- 
schiedenen schriften desselben entnommen , die indessen ihrem 
Wortlaut nach nicht vollständig übereinstimmen und nur zum 
theil einen gedanken beifügen, der in der andern fassung fehlt. 
Diesen zusatz hat auch eine auführung bei Stobäus (XVIII, 32), 
die aber von diesem ausdrücklich ebenfalls auf Plutarch zurück- 
geführt wird , wogegen die andere fassung auch aus Stobäus 
(III, 82) stammt und zwar aus einem abschnitt seines Sammel- 
werkes, der ohne bezugnahme auf fremde Vermittlung eine be- 
trächtliche anzahl von aussprächen des philosophen bietet, die 
allgemein , auch von Bywater, als echt und weniger Verbesse- 
rungen bedürfend anerkannt werden. Sie enthält überdies eine 
Wendung, die auch in einer anführung bei Plutarch, zwar nicht 
ganz dem Wortlaut, aber doch dem sinne nach, wiederkehrt. 
Was lag also näher, als anzunehmen, daß die anführungen bei 
Plutarch durch den inhalt der schriften und den Zusammenhang 
der stellen, denen sie entnommen sind , beeinflußt worden sind. 
Demgemäß 2 j kann man Schleiermachers urtheil nur als ein be- 
sonnenes anerkennen, wenn er zum Schlüsse sagt : „Allein den 
vorzug, wörtlicher angeführt zu haben, muß man doch wohl 
dem späteren sammler zugestehen, der grade hier aus einer gu- 
ten quelle scheint geschöpft zuhaben" 3 ). Dieser ganzen schluß- 

2) Vgl. fr. 74 — 76. (Diese angäbe bezieht sich auf die im Phi- 
lologus demnächst erscheinenden stücke). 

3) Die letzten worte zeigen zugleich, daß Schleiermacher der an- 

Philol. Anz. XVII. 27 



386 77. Herakleitos. Nr. 7. 

folgerung aber tritt Bywater mit der bemerkung zu CIX ent- 
gegen: „versus est, fortasse Scythini, apud quem nescio an secutum 
sit: sgyor 5' iv avmsi -au) nag oivor yiyverai". Man könnte 
beinahe bedauern, daß eine sonst wohlbegründete annähme die- 
ser entdeckung zum opfer fällt, der man aber allenfalls nur 
die möglichkeit einer rein zufälligen entstebung der versform 
entgegensetzen könnte, der bekanntlich sogar ein redekünstler, 
wie Isokrates einer war, unterlag. Auffallend ist übrigens auch 
dies, daß Stobäus , der in den Eclogae den namen des dichters 
und seines gedichtes kennt und nennt, indem er ihm eine stelle 
zuschreibt, von der Bywater bemerkt : iambos hie ego agnosco et 
restituere conatus sunt ; MeineJcius seazontas, Schuster hexametros di- 
spexit — daß, sage ich, derselbe Stobäus diesen vers , der gar 
keiner Zurichtung bedurfte , einfach dem philosophen zuschreibt. 

Die Scheidung des echten und unechten wird von Bywater 
in doppelter weise bewerkstelligt , theils durch bloße kennzeich- 
nung vermittelst eines vor- und nachgesetzten kreuzes , beson- 
ders bei solchen bruchstücken, die mit anderen den gleichen ge- 
danken nur in anderer fassung enthalten, theils durch vollstän- 
dige ausscheidung aus der reihe der als echt anerkannten unter 
der Überschrift Spuria , der fr. CXXXI — CXXXVIII anheim- 
fallen. Solche stellen, in denen es nicht leicht möglich war, 
die dem philosophen zukommenden worte von denen des bericht- 
erstatters loszulösen, werden im ganzen eingereiht, höchstens mit 
hervorhebung der besonders in betracht kommenden worte durch 
den druck. Darunter sind auch einzelne stellen aus lateinischen 
Schriftstellern. 

An den haupttheil des buches schließt sich ergänzend , er- 
weiternd, erläuternd der anhang. Er umfaßt fünf abschnitte, 
deren Überschriften lauten : I. Vita Heracliti e Diogene Laertio. 
II. Heraclitea ex Hippocrate. III. Sythini Teii fragmenta. IV. 
Heraclitea ex Luciano. V. Heracliti Epistolae. Der erste ab- 
schnitt kann die bedeutung einer neuen kritischen ausgäbe die- 
ser lebensbeschreibung beanspruchen , da ein ziemlich reichhal- 
tiger kritischer commentar, der auch einen ansehnlichen hand- 
schriftlichen apparat umfaßt , beigegeben ist , während er bei 

nähme nicht widerstrebt, Heraklits schrift in ihrer ganzbeit habe 
das dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung nicht überdauert. Pflei- 
derer, um das hier gleich zu erwähnen, ist geneigt an eine 
sentliche Vertilgung derselben zu denken. 



Nr. 7. 77. Herakleitos. 387 

den übrigen abschnitten eine etwas beschränktere ausdehnung 
hat. Von besonderem werthe aber für den gesammtbestand der 
aus Herakb'ts werk erhaltenen Überreste ist der zweite abschnitt, 
der , wie schon J. M. Gesner bemerkt und neuerdings J. Ber- 
nays nachgewiesen hat, manches von Heraklit herstammendes 
enthält. Darüber giebt auch Mullach in seinen bemerkungen 
zu fr. 46 und 96 auskunft , indem er an letzterer stelle den 
ganzen abschnitt , der bei Bywater p. 64 als XI. capitel des 
I. buches der angeblichen schrift des Hippokrates 7te(/i dialrj^q 
erscheint, den bruchstücken aus dem werke Heraklits anreiht. 
Der dritte abschnitt enthält außer den oben erwähnten fünf tri- 
metern nur noch die 2 ! /2 trochäischen tetrameter, welche Bergk 
mit zwei von ihm selbst als unecht bezeichneten epigrammen 
in distichen unter der Überschrift IAMBOI vorführt. Der vierte 
abschnitt bietet das 14. kapitel von Lucians schrift Blwv ngnaig 
mit weglassung der letzten zeilen. Der fünfte abschnitt end- 
lich bringt zunächst die beiden briefe von und an Darius, 
welche schon in der lebensbeschreibung des Diogenes vorkom- 
men , doch in vielfach abweichender fassung , denen sich ein 
brief des Darius an die Ephesier anreiht. Die übrigen sechs 
briefe werden dem Heraklit zugeschrieben und sind außer den 
zwei an Amphidamas gerichteten an Hermodoros überschrieben. 
Für die frage über den Ursprung dieser briefe verweist Bywater 
den leser auf die ausgäbe von Bernays , jedoch mit der bemer- 
kung , daß er sich nicht von der angenommenen mehrheit der 
falscher zu überzeugen vermöge. Der ansieht, daß die sämmt- 
lichen oder doch meisten der briefe den gleichen Urheber haben, 
neigt sich auch Pfleiderer zu und gibt ihr noch eine sehr be- 
merkenswerthe ausdehnung auf den Verfasser des apokryphen 
buches der Weisheit Salomons. Die ganze dadurch angeregte 
frage behandelt Pfleiderer noch einmal in eingehendster weise 
in einer Untersuchung, die kürzlich im Rheinischen museum ver- 
öffentlicht worden ist. 

Als neu hinzugekommen in seiner ausgäbe bezeichnet By- 
water selbst in der vorrede drei bruchstücke , von denen eines 
nach seiner grundsätzlichen Zurückhaltung nur aus zwei worten 
besteht. Der hauptvorzug der ausgäbe, die schon durch ihre 
schöne ausstattung sich empfiehlt, besteht in der zweckmäßigen 
einrichtung, in der er Vahlen und Ribbeck in ihren ausgaben 

27* 



388 78. Herakleitos. Nr. 7. 

des Ennius und der lateinischen dramatiker als maßgebende 
Vorbilder anerkennt. In bezug auf die reihenfolge , in der die 
bruchstücke vorgeführt werden , erstrebte Bywater zwar eine 
sachgemäße anordnung, doch ohne ihre Sicherheit zu überschä- 
tzen. Einen besonderen werth hat die Vollständigkeit und Über- 
sichtlichkeit der quellenangaben, die dem leser die eigene prü- 
füug erleichtert. Unter diesem abschnitt am untersten rande 
der seite sind noch kritische beinerkuugen beigefügt, die eben- 
falls die ausgebreitete literaturkenntnis des herausgebers beur- 
kunden. In der handhabung der kritik bewährt derselbe durch- 
gängig eine schonende mäßigung , namentlich auch in bezug 
auf die herstellung des jonischeu dialektes, in der er durchgrei- 
fenden maßregeln abhold ist, darum auch in der Überschrift 
des buches die attische form ntu) qvatoj^ beibehält. Er macht 
dabei die berühmte ars nesciendi geltend, die sogar bei Herodot 
noch in thatsächlicher übung sich befinde und noch viel mehr 
der ephesischen mundart und dem Sprachgebrauch Heraklits 
gegenüber am platze sei. Ueber einzelne bestimmungen der 
beobachteten Schreibweise gibt Bywater in der vorrede noch 
besondere auskunft. Zu weiteren darlegungen wird die bespre- 
chung der schrift Pfleiderers , der wir uns nunmehr zuwenden, 
anlaß bieten. 

Pfleiderers buch darf wohl als das neueste erzeugnis auf 
diesem gebiete der wissenschaftlichen forschung, die sich neuer- 
dings mit einer gewissen Vorliebe der philosophie des tiefsinni- 
gen Ephesiers zuwendet, angesehen werden. Es gehört zu den 
umfassenden werken über Heraklit , indem es an umfang zwar 
hinter Lassalles zweibändigem werke zurücksteht , dem von 
Schuster aber , das 394 Seiten zählt , sich unmittelbar anreiht. 
Schon die Überschrift desselben läßt erkennen , daß wir es mit 
einem manne zu thun haben, der alle Vorbedingungen besitzt 
zu einer fruchtbaren behandlung des gegenständes. Er ist in 
erster lhiie philosoph und daher , vorausgesetzt daß ihm die 
nöthige Unbefangenheit zu geböte steht, was bekanntlich nicht 
gerade in allen fällen 4 ) von vornherein ausgemacht ist , in be- 
sonderem maße ausgerüstet mit der fähigkeit philosophische ge- 
danken zu verstehen und zu würdigen. Derselbe besitzt aber 

4) Den Verfasser selbst befriedigen z. b. in dieser hinsieht weder 
Lassalle noch Schuster. 



Nr. 7. 78. Herakleitos. - 389 

auch, wie es in württembergischeu landen nicht gerade unge- 
wöhnlich ist, eine sehr achtungswerthe philologische und theo- 
logische bildung und scheint nach gewissen audeutungen zu 
schließen von haus aus selbst theolog zu sein. Das buch ist 
dieser doppelten eigenschaft entsprechend „dem andenken des 
Philosophen Hegel und des theologen F. Chr. Baur gewidmet". 

Dem theologischen gebiet gehört vorzugsweise der anhang 
mit seinen nachtragen an , von dessen näherer betrachtuog wil- 
dem zweck dieser anzeige entsprechend absehen. Um so mehr 
berücksichtigung gebührt der philologischen seite. Diese kommt 
in der anmuthigsten und achtungswerthesten weise bei fr. 38 
zur geltung. Es lautet bei Bywater: AI xpv/a) t.rfuwnici x«Ö' 
adifi. Pfleiderer übersetzt: „die seelen werden geläutert im 
Hades". Man sieht, daß Übersetzung und Urschrift sich nicht 
decken , daß also der Übersetzer eine änderung vorgenommen 
hat, indem er uaiooiTai an die stelle von oafxävtai setzt Der 
rechtfertigung dieser änderung ist eine sehr ausführliche anmer- 
kung gewidmet, deren Schluß lautet: „und so biete ich denn, 
ohne fachphilolog zu sein , meine konjektur dem gelehrten pu- 
blikum mit gutem gewissen als philosophisches £ti iov an , um 
den philologen und noch mehr den philosophen für die zukunft 
die komischen Spekulationen über das heraklitische „riechen der 
seelen im Hades" zu ersparen". 

Dies £iviov dürfte dem Verfasser wohl einen anspruch auf 
das ehrenbürgerrecht unter den philologen verleihen , es wird 
aber ebenso , wie viele scharfsinnige conjekturen der fachphilo- 
logen, auf Widerspruch stoßen, da ganz unbestritten und uner- 
schütterlich doch verhältnismäßig wenige derselben dastehen. 
Zunächst ist sie auf ihre nothwendigkeit und dann auf ihre 
zulässigkeit zu prüfen. Diese aufgäbe verlangt eine eingehende 
erörterung. Da nun dazu der räum hier nicht verstattet ist, 
so behalten wir sie einer andern stelle vor und wenden uns 
zu der seite des buches , welche der verf. selbst als die wich- 
tigste bezeichnet, nämlich zu der philosophischen erklärung. 

Diese ist, wie man in kürze sagen könnte, im großen und 
ganzen gegen die auffassung Zellers gerichtet, der dem grund- 
gedanken seiner ansieht über den entwicklungsgang der griechi- 
schen philosophie entsprechend auch dem Heraklit seine stelle 



390 78. Herakleitos. Nr. 7. 

unter den naturphilosophen anweist, und zwar unter den jün- 
geren , welche bei ihm ihre stelle nach den alten Ioniern , den 
Pythagoreern und den Eleaten gefunden haben. Diese auffas- 
sung bestreitet Pfleiderer sowohl aus inneren wie aus äußeren 
gründen. Die ersteren sind ihm die eigentlich maßgebenden, 
für die ihm die letzteren nur eine willkommene bestätigung 
bieten. Er sucht zwar für die philosophie Heraklits, weil „eine 
so bedeutende erscheinung nicht etwa wie die Pallas Athene 
der sage rein aus dem köpfe ihres vaters entsprungen sein kann", 
auch irgendwelche auknüpfungen mit anderen erscheinungen 
des geistigen lebens seines Volkes, glaubt dieselben aber nicht 
in der entwicklungsgeschichte der griechischen philosophie , son- 
dern in der religion gefunden zu haben. Ob er ihm damit sei- 
nen platz in der geschichte der griechischen philosophie ganz 
streitig machen will , sagt er nicht ausdrücklich. Man kann 
dies nicht annehmen, da er ja doch selbst immer von der p h i- 
losophie des Heraklit spricht, die man dann aber auch nicht 
aus der geschichte der griechischen philosophie verdrängen 
kann. Dann muß man ihr aber doch auch irgendwo ihren 
platz anweisen. Welche stelle sich am schicklichsten dazu eig- 
net, dies sagt Pfleiderer selbst gerade da, wo er das recht zu 
dieser Stellung bestreitet. Man würde nämlich , meint er , gar 
nicht umhin können, den Heraklit als antithese von den eigent- 
lichen eleaten erklärend abzuleiten, wenn nicht ,,die unerbitt- 
liche Chronologie" dagegen einspräche erhöbe. Es sei nämlich 
zweifellos, daß Heraklit der zeit nach den haupteleaten Parme- 
nides und Zenon vorangeht und sie nicht kennt. Mit dieser 
behauptung hat es nun seine volle richtigkeit und sie mag auch 
dazu dienen, wenn man darauf ausgeht, die ursprüngliche Ord- 
nung der erhaltenen bruchstücke möglichst wiederherzustellen, 
— ein versuch , den bekanntlich Schuster machte , Pfleiderer 
aber mit Zeller u. a. für undurchführbar hält 6 ) — nicht gerade 
die sätze zum ausgangspunkte zu wählen , auf welche in den 



6) Einen beachtenswerten versuch , den anfaug der schrift He- 
raklits zu ermitteln, macht Patin in der abhandluug, welche unter 
dem titel ,, Heraklits einheitslehre, die grundlage seines Systems und 
der anfang seines buches" als programm des k. Ludwigs-gyninasiums 
in München 1885 erschienen ist. Es ist zu bedauern , daß Pfleiderer 
sie nicht kannte und sich daher auch nicht mit ihr auseinander- 
setzen konnte. 



Nr. 7. 78. Herakleitos. 391 

erörterungen bei Piaton und Aristoteles das meiste gewicht ge- 
legt wird. 

Dagegen ist zunächst kein grund abzusehen , warum auch 
der ältere Zeitgenosse Heraklits , Xenophanes , an dessen namen 
allgemein die anfange der eleatischen philosophie geknüpft wer- 
den , dessen Heraklit ausdrücklich mit entschiedenem tadel ge- 
denkt , von jeder weiteren berücksichtigung ausgeschlossen sein 
soll. Pfieiderer bemerkt in dieser hinsieht : „Xenophanes . . . 
darf ja erst als das theologisirende Vorspiel der eigentlichen 
eleatischen metaphysik betrachtet werden und leugnet insbeson- 
dere das werden noch gar nicht für die wirkliche weit, sondern 
will es blos von der gottheit oder dem letzten weltgrund ferne 
gehalten wissen". Allein eben um dieser eigenschaft willen 
eignet sich ja gerade Xenopbanes dazu, dem ebenfalls theologi- 
sireuden Heraklit als Vorgänger mannigfachen anhält und an- 
stoß geboten zu haben. Weiter auf die frage, wie und in wel- 
chem sinne dies geschehen sei , einzugehen , muß einem anderen 
orte vorbehalten bleiben. 

Indessen wäre dies ja immer wieder nur die negative seite 
der philosophie Heraklits , in der man nicht den eigentlichen 
grundgedanken derselben erkennen kann. Von diesem fordert 
Pfieiderer, daß sich „alle hauptsätze derselben zwar nicht noth- 
wendig aus ihm ableiten , aber doch demselben glatt und be- 
quem anreihen lassen". Als solcher erscheint dem Verfasser 
„die mysterienidee oder vielmehr ihre philosophische formulirung 
bei Heraklit". Diese ist ihm „der augpunkt, von dem aus an- 
gesehen und durchgenommen die trümmer des Ephesiers sich 
am meisten harmonisch zu einem gesammtbilde von eigenthüm- 
lichstem reize zusammenfügen". Auf dem wege dieser betrach- 
tung gelangt der verf. zu dem ergebnis, das er in „einer cha- 
rakterisirenden gesammtformel" auszudrücken sucht. Dazu scheint 
ihm weder die bezeichnung als hylozoismus noch als pan- 
theismus geeignet, sondern nur der von ihm neu gebildete 
terminus „p anzo i sm u s". Welcher werth dieser erfindung zu- 
kommt, diese frage können wir hier nicht eingehend untersuchen, 
behalten uns aber eine erörterung derselben für einen andern 
ort vor. Noch weniger war es möglich , den Verfasser auf sei- 
nem ganzen wege von dem gewählten ausgangspunkte bis zu 
dem erwähnten ziele schritt vor schritt zu begleiten. Dies ist 



392 79. Plautus. Nr. 7. 

sache des theilnehmenden lesers, der sich dabei vielfach zu freu- 
diger beistimmung , bisweilen zu Widerspruch , immer aber zu 
lohnender mitarbeit angeregt fühlen wird. Ob erstere allseitig 
dem leitenden gedanken zu theil werden wird , wer vermöchte 
dies vorherzusagen? Der verf. spricht an einer stelle von dem 
unverkennbaren doppelgesicht der philosophie unseres Ephesiers, 
ihren zugleich positiven und negativen zügeu. Ob nun die po- 
sitiven züge auf den einfluß der mysterien zurückzuführen sind 
oder dem geistigen wesen des philosophen ursprünglich ange- 
hören , ist vielleicht noch nicht endgültig entschieden. Demge- 
mäß wird auch die auffassung der philosophie Heraklits und 
seiner Stellung in der geschichte der griecbischen philosophie 
wahrscheinlich auch fernerhin eine verschiedene sein. Wenig- 
stens hat die aufnähme Heraklits unter die älteren naturphiloso- 
phen noch immer ihre Vertreter. Diese Stellung beläßt ihm das 
verbreitete werk von Ueberweg auch in der neuesten von Heinze 
herausgegebenen aufläge, und Mohr redet ihr auch neuerdings 9 ) 
das wort. Und ob Zeller bei seinem bewährten bestreben, kein 
ergebnis fremder forschung seinem umfassenden werke entgehen 
zu lassen, in einer fünften aufläge des ersten bandes, die der ge- 
feierte Jubilar in gewohnter rüstigkeit erleben und vollenden 
möge, sich zu einer Umgestaltung seiner einleitung zum ersten 
Hauptabschnitt , der „die vorsokratische philosophie" überschrie- 
ben ist, und insbesondere dessen zweiten abschnittes, in welchem 
Heraklit seine stelle gefunden hat, veranlaßt sehen wird, 
bleibt zu erwarten. So mag der von Pfleiderer selbst ange- 
führte ausspruch Gottfried Hermanns auch für diese frage seine 
geltung behalten: „Nisi fallorl — Nam in Heracliticis perdifficüe 
est certi quid pronuntiare" . 

9) Heraklitische Studien. Programm der königl. studienanstalt 
Zweibrücken. Zweibrücken 1886. Nach einer anzeige in dem Lite- 
rarischen centralblatt von Zarncke (1886 n. 21) vertritt diese ansieht 
mit beistimmung des berichterstatters auch Soulier, Eraclito Efesio. 
Rom. 1885. Christian Cron. 



79. Critica Plautina commentationibus grammaticis illu- 
strata. Dissertatio inauguralis philologica quam — scripsit — 
Robertus Kuklinski. (Göttinger dissertation). Berolini 
1884. 56 p. 8. 

Der Verfasser geht in seiner etwas breit gehaltenen und 



Nr. 7. 79. Plautus. 393 

mehrfach deutsch gedachten und ausgedrückten erörterung aus 
von Trin. 606 nön credibile dicis. |[ At tu edepol nullus creditas, 
wo Bothe und Ritschi in der ersten ausgäbe den hiatus durch 
aufnähme der form tute tilgen zu können glaubten. Es veran- 
laßt ihn diese konjektur zu einer näheren Untersuchung des 
gebrauches von tute bei Plautus und Terenz : er findet darin 
die bedeutung von tu ipse , wie uns dünkt, mit recht. Bezüg- 
lich der durchführung im einzelnen glauben wir jedoch mehrfach 
Widerspruch erheben zu müssen : Ilec. 603 non tüte incommodäm 
rem, ut quaeque est, in animum induces pati bemüht sich der Ver- 
fasser vergebens, tute als gleichbedeutend mit tu ipse zu erwei- 
sen , es wird wohl nach Brix und Umpfenbach tu te getrennt 
geschrieben werden müssen ; auch Pers. 187 equidem, si scis tüte, 
quot hodie häbeas digitos in manu kann tute nicht für tu ipse 
stehen; Kuklinski erwähnt hier gar nicht, daß nur in A hodie 
habeas steht, in der palatinischen recension dagegen habeas hodie, 
es hätte ihm das um so eher auffallen müssen, da bei dieser 
Stellung tute metrisch nicht möglich ist und er aus der anmer- 
kung bei Ritschi ersehen konnte, daß bereits Kampmann tu ge- 
schrieben hat. Auch sonst läßt es Kuklinski mitunter an der 
nöthigen Sorgfalt fehlen: Poen. IV, 2, 33 (855) citirt er in un- 
metrischer form ut enim , ubi mihi vapulandum sit, tute corium 
sufferas , wo tute nur konjektur ist, die nöthig schien mit 
rücksicht auf die palatinische lesart vapulandum est, während 
sie bei der lesart von A vapulandum s it nicht nur überflüssig, 
sondern unmöglich ist. Trotzdem hält Kuklinski neben sit 
auch tute fest und sucht diese konjektur gleichsam als hand- 
schriftliche lesart zu rechtfertigen. Daß ihm aber bei seiner 
arbeit die ausgäbe des Pönulus von Götz Löwe bereits vorge- 
legen, beweist seine anmerkung zu p. 12. 

Darauf geht Kuklinski zur erörterung der Stellung von 
edepol über. Edepol (und ecastor) steht überwiegend beim be- 
ginn des gedankens, oder an zweiter stelle nach einem vokativ 
oder konjunktionen oder anderen partikeln , welche noch keinen 
theil des nächstfolgenden gedankens enthalten. Vorgegriffen 
hat der verf. der auf p. 30 über die Stellung hinter dem ersten 
worte beginnenden Untersuchung bereits auf p. 27 mit der auf- 
fälligen behauptung : Ea igitur exernpla si circnmspicimns, in qui- 
bus edepol intra idein enuntiatum alias particulas affirmativas se- 



394 80. Prisci scriptores latini. Nr. 7. 

quatur , non aliis illam p o stp osit am invenimus , nisi particulis 
equidem et quidem, während er doch selbst p. 33 profecto ed., 
quin ed., certe ed. anführt. Endlich kann edepol auch hinter 
dem ersten worte folgen, welches einen integrierenden theil des 
durch edepol betheuerten gedanken bildet. Dies ist allerdings 
die regel , aber es findet sich mitunter edepol auch noch weiter 
vom anfang fort gerückt und es ist dem Verfasser nicht gelun- 
gen , das , worauf es ihm ankam , zu beweisen , daß nämlich in 
dem trinummusverse die Stellung at tu nullus edepol creduas gegen 
den Sprachgebrauch verstoße und deßhalb nicht gebilligt wer- 
den dürfe ; er selbst hält den hiatus in der überlieferten Wort- 
folge at tu edepol nullus für zulässig , was in diesem besonderen 
falle jedoch höchst zweifelhaft erscheint. 

80. De perfecti coniunctivi usu potentiali apud priscos 
scriptores Latinos — proposuit Franciscus Gramer. (Mar- 
burger dissertation). Marburg 1886. 87 p. 8. 

Aus der vorliegenden Untersuchung erhellt , daß der ge- 
brauch des potentialen conjunktivs des perfekts im lateinischen, 
welcher bekanntlich noch in der klassischen spräche ziemlich 
beschränkt war , in der älteren zeit noch weit seltener gewesen 
ist. Die sigmatischen formen, z. b. oeeepsit , effexis , adeurassis, 
welche später aus der spräche fast ganz verschwinden, sind po- 
tential selten und mit ausnähme von faxim und ausim nur in 
hypothetischen sätzen und zwar nur im Vordersatz zur anwen- 
dung gekommen. Im Widerspruch damit steht, abgesehen von ei- 
ner anzahl conjekturen, welche in hinsieht auf diese beobachtung 
sehr zweifelhaft erscheinen , in der sonst gesicherten Überliefe- 
rung nur eine einzige stelle, Asin. 503, worüber sogleich. Die 
formen des perf. coni. act. auf rim kommen bis zur mitte des 
7. Jahrhunderts a. u. c. nur in hypothetischen sätzen als poten- 
tialer modus vor. Nur ein beispiel aus Plautus steht damit im 
Widerspruch , Asin. 491 praefiscini hoc nunc dixerim. Obwohl 
Gramer diesen conjunktiv nicht als stren g potential fassen zu 
müssen glaubt, so bringt er doch bezüglich der verse 489 — 
503, welche bereits Götz einer zweiten recension zugeschrieben, 
noch einige gründe vor , die den verdacht der späteren entste- 
hung ganz erheblich verstärken: es würden somit dixerim 491 
und negaseim 503 als nachplautinisch nicht in betracht kommen. 



Nr. 7. 81. Poetae latini. 395 

Beim passiv und deponens soll nach p. 71 der poteutiale 
conjunktiv des perfekts nur in hypothetischen sätzen (mit aus- 
nähme zweier unten zu erwähnender beispiele) statt des con. 
junktivs des futurum exactum vorkommen. Hierbei ist jedoch 
dem verf. das mißgeschick begegnet, daß er bereits an einer 
früheren stelle, p. 19 (aus welchem gründe, ist nicht ersichtlich) 
einige beispiele aus dem deponens und passiv angeführt hat 
und zwar als conjunktive des logischen perfekts, nicht des 
futurum exactum; danach ist also seine angäbe auf p. 71 
zu corrigieren. In nicht hypothetischen sätzen finden sich nach 
dem verf. die ersten beispiele bei Terenz Audr. 203 und Ad. 
443, was er mit recht als auffällig bezeichnet, da auch bei die- 
sem schriftsteiler aktive formen auf erim in dieser Verwendung 
fehlen. Aber in dem ersteren verse : ubi vis facilius passus sim 
quam in hac re me deludier liegt immerhin ziemlich deutlich eine 
bedingung zu gründe: „wenn du mich in einer anderen sache 
hintergangen hättest etc.", dagegen Ad. 443 bleibt als zeichen 
der fortentwickluug der spräche unverändert stehen. 

Mit recht macht der verf. darauf aufmerksam, daß der po- 
tentiale conjunktiv seinen anfang im hypothetischen satz genom- 
men und , wo er später absolut erscheine , doch eine bedingung 
zu gründe liege, wie es ja auch im griechischen beim optat. 
potent, der fall sei. Etwas häufiger wird er bei der fortschrei- 
tenden entwickelung des sermo urbanus uud in folge der immer 
mehr wachsenden berührung mit den Griechen , in dem bestre- 
ben die ,, attische Urbanität' nachzuahmen, so besonders bei Ci- 
cero, während Varro , Lucretius , Sallustius die altrömische aus- 
drucksweise vorziehen. Eigenthümlich ist , daß der verf. diese 
beobachtung, weiche als Schlußresultat naturgemäß an das ende 
der abhandlung zu verweisen war, bereits in der mitte, p. 66, vor- 
bringt, am Schlüsse aber in kürzeren Worten den nämlichen ge- 
danken wiederholt. 



81. Fragmenta poetarum Romanorum collegit et emen- 
davit Aemilius Baehrens. Lipsiae in aedibus B. G. Teub- 
ueri 1886. 427 p. 8. 

Die eiuleitung zu dieser Sammlung der fragmente der rö- 
mischen dichter enthält eine erörterung über den versus Satur- 
nius. Baehrens geht mit recht von der grundlage aus , welche 



396 81. Poetae latini. Nr. 7. 

Ritschi gegeben-, die versuche der neuesten zeit, den vers als 
accentuirend darzustellen, werden zurückgewiesen. Mit berufung 
auf den ersten und fünften vers des Arvalliedes: e nos Lases iuvate, 
e nos Marmar iuvato schließt Baehrens , daß die ursprüngliche 
form des Saturniers u — u — u — u gewesen und die spätere, 
uns geläufige gestalt durch Wiederholung dieses kolons entstan- 
den sei: dabei sei entweder die letzte thesis des ersten theiles 
oder die erste thesis des zweiten ausgefallen : jenes sei die frü- 
here , dieses die spätere gestalt des verses gewesen. Gegen 
diese auffassung läßt sieb, so viel wir sehen, kein stichhaltiger 
grund vorbringen. Verwerflich jedoch scheint die weitere be- 
hauptung, daß in der ersten hälfte des Saturniers keine thesis un- 
terdrückt werden könne , wohl aber in der zweiten hälfte die 
vorletzte. Gerade Baehrens, der den vers aus der Verdoppelung 
des einen kolons entstehen läßt, hätte für die beiden hälften 
keine sondergesetze aufstellen dürfen Wie sollte die zu- 
lässigkeit der Unterdrückung in der zweiten hälfte entstanden 
sein , wenn dieselbe nicht schon in den ältesten zeiten geltung 
gehabt hätte, d. h. schon in der periode, als der Saturnier nach 
der anschauung von Baehrens nur aus einer hälfte bestand? 
Weit eher wäre das gegentheil denkbar, daß die fortschreitende 
ausbildung die ursprüngliche Unterdrückung später nicht mehr 
zugelassen. Am schwersten jedoch fällt in's gewicht der um- 
stand , daß Baehrens seiner theorie zu liebe und zugleich, um 
den ausfall der thesis in der zweiten hälfte auf eine möglichst ge- 
ringe anzahl von fällen zu beschränken, zu den allerbedenk- 
lichsten hypotbesen seine Zuflucht zu nehmen genöthigt ist: Ver- 
längerung sämmtlicher kurzen endsilben in der arsis ohne jeden 
unterschied : z. b. atque neque funerä simül insece facite quöd 
Runcüs. Ferner erklärt er den hiatus in der arsis sowohl bei 
langen wie kurzen endsilben für erlaubt : atque eseäs habedmus, 
funerd TJlixes, mdgnique Atlantes; dann nimmt er vir ferus pari 
tempestatibus und horribile dictu ! gar Hercöles für den Saturnier 
in anspruch. Räumt man überhaupt die möglichkeit der Unter- 
drückung einer thesis ein, was ja Baehrens thut, so ist nicht 
zu begreifen, warum der erste theil des verses in dieser hinsieht 
ein privilegiuin besitzen soll. Ueberhaupt hat Baehrens eine 
eigerithümliche ansieht von dem verhältniß der metrik des Sa- 
turniers zu dem der dramatischen poesie , p. Iß: toto ut aiunt 



Nr. 7. 81. Poetae latiui. 397 

caelo inter se diversum est Carmen saturnium et scaenicum: illud re- 
fugiebat, hoc studiose imitäbatur cotidianum loquendi genus, a quo 
fere abhorret hiatus et illa per arsin productio quodque contra amat 
syllabarum jinalium imminutionem omneni. Bis jetzt bat mau ge- 
meint, daß der Saturnier die echte nationale volkspoesie der 
Römer vertrete, der dramatische vers dagegen den ersten schritt 
thue zur kunstmäßigen ausbilduug der römischen metrik 
nach griechischen Vorbildern : nun wird die sache geradezu auf 
den köpf gestellt, z. b. in dem saturnischen vers soli muta c. 
liqu. position machen lacrima Patröclus, bei den dramatikern fin- 
det dies bekanntlich nicht statt, d. h. der Saturnier folgt nach 
Baehrens der griechischen regel von der position , der vers des 
dramas dem nationalen Sprachgefühl! Eher discutabel wäre die 
ansieht , daß m im auslaut im Saturnier vor dem hiatus schützt 
und daß h noch die kraft eines konsonanteu besitze ; über die 
bedeutung dieser beiden buchstabeu für die älteste metrik der 
Römer ist wohl noch nicht das letzte wort gesprochen. 

Die erwähnten anschauungen hat nun Baehrens bei der me- 
trischen gestaltung der sämmtlichen fragmente des Satumiers, 
die bei ihm aufnähme gefunden, zur anwenduug gebracht und 
in folge dessen in zahlreichen fällen eine unhaltbare messung 
angenommen. 

Einverleibt hat Baehrens seiner Sammlung principiell alle 
verse, die uns durch citate alter Schriftsteller erhalten sind, mit 
ausnähme der Überreste der dramatischen poesie und aer satura 
Menippea, weil erstere in der ausgäbe von Ribbeck, letztere in 
der kleineren ausgäbe des Petronius von Bücheier leicht zu- 
gänglich seien. Mit demselben rechte hätte er dann aber auch 
die fragmente der Aunalen des Enuius und der Satiren des 
Lucilius ausschließen müssen. Man begreift nicht, weßhalb er 
nicht vorzog auf den titel zusetzen: fragmenta poetarum epicorum 
et lyricorum , dann wäre der ausschluß des drama's selbstver- 
ständlich gewesen , die satura Menippea aber , trotzdem sie mit 
prosa vermischt ist , hätte auf alle fälle der Vollständigkeit we- 
gen aufgenommen werden müssen , sie würde den umfang des 
buches auch nicht wesentlich vergrößert haben. Der freuudes- 
kreis Catulls wird eingeführt unter dem höchst unglücklichen 
titel cantores Euphorionis; den ausdruck, welchen Cicero spöttisch 
für die eben aufkommende neue richtuug der römischen poesie 



398 81. Poetae latini. Nr. 7. 

gebrauchte, dürfen wir durchaus nicht ernsthaft verwenden, da 
grade dieser richtung die poetische litteratur der Römer in der 
folgezeit ihre besten erzeugnisse verdankte. 

Bei der textrecension zeigen sich die bekannten Vorzüge 
und mängel der kritischen thätigkeit des herausgebers , wie sie 
bereits in zahlreichen arbeiten vorliegt : auf der einen seite ver- 
danken wir seinem Scharfsinn eine anzahl schöner emendationen, 
es überwiegen aber die fälle , wo Baehrens ohne zwingenden 
grund die Überlieferung ändert oder von dem bereits geleisteten 
abgeht, ohne besseres zu bieten. Zu den ersteren rechnet ref. 
unter andern Enn. ann. 37 rivoque remanant; 62 aeternum te- 
ritote diem ; 9 3 volturus in spineto obitum mandebat homonem, 
die von Priscian und den scholiasten des Statius überlieferte 
gestalt volturus in silvis miserum etc. scheint eine alte interpola- 
tion zu sein, 131 Iovis memorant a stirpe supremo; 178 legio 
redit ut rumore ruenti ; 183 dictis n ostr a hi s sententia flexa 
est. Glänzend ist die Verbesserung eiuer stelle aus Cicero de 
consulatu suo 1. II v. 50 und 51, erhalten de div. 1, 11, 17: 
volvier ingentem cladem und im folgenden verse tum legum 
exitium: die band schritten haben v. 50 vir viri vire statt volvier 
und v. 51 v oltum , Baehrens hat scharfsinnig vermuthet, daß 
die silbe vol, welche den v. 50 beginnen sollte: volvier, irr- 
thümlich an den anfang von 51 gerathen sei. Solche leistun- 
gen lassen doppelt bedauern, daß Baehrens nicht maß zu halten 
und seine lust am conjiciren nicht zu zügeln versteht. Enn. 
ann. 28, 1 ist exeita richtig, bei Baehrens: ut cita cum tremu- 
lis anus attulit artubus lumen muß cum im Widerspruch mit der 
grammatik präposition sein ; 55, 1 ist richtig überliefert, Baeh- 
rens stellt die worte um : cum cura magna curantes, tum cupientes 
und setzt. cum in Verbindung mit tum, was in diesem zusammen- 
hange kein römischer leser gethan haben würde ; 55, 10 spectant 
ad carceris oras bedarf auch keiner änderung ; 73, 1 ist pectora 
du Ic e tenet desiderium für den ausdruck der Sehnsucht nach 
dem Verluste des Romulus unpassend, das beste scheint bis jetzt 
dura statt der handschriftlichen corruptel diu zu sein ; 190 zwängt 
Baehrens worte, die Servius in annalibus gelesen hat, mit meh- 
reren gewaltthätigen änderungen in einen hexameter; 194, 5 ist 
überliefert consilio indu forö lato, Baehrens stellt um: consilio 
lato indu foro, der grund der Umstellung ist unerfindlich ; 206 



Nr. 7. 81. Poetae latini. 399 

schreibt Baehrens tibia mustarum pangit melos : was hier die 
rnystae sollen , ist nicht leicht zu errathen , das überlieferte mu- 
sarum ist ohne jeden austoß , wenn durchaus eine änderung 
nöthig wäre , würde man mit L. Müller musaeum vorziehen. 
Nebenbei bemerkt, Baehrens zeigt eine eigenthümliche inconse- 
quenz in der behandlung des y bei Ennius , er schreibt mustae 
Burrus (Pyrrhus), aber tiranne Euridica. In den fragmenten Ci- 
cero's aus dem 2. buche de consulatu suo v. 12 concursusque 
gravi stellarum ardore micantis ist gravi statt des überlieferten 
gravis zwar eine leichte änderung, aber gravis ist ein sehr pas- 
sendes beiwort zu concursus , wie im vorhergehenden verse vo- 
lucris zu rnotus , concursus — micantis dagegen heißt nichts , es 
ist micantum , oder was näher liegt, micanti zu schieiben; v. 20 
ist ut ein ganz überflüssiger zusatz ; v. 49 giebt civili auf stirpe 
bezogen nicht den sinn Cicero's wieder : er will sagen, daß cla- 
des und pestis von einem bürger, der von edlem stamm ent- 
sprossen, nicht von einem feinde drohe, also: omnes civil em 
gener osa stirpe profectam volvier ingentem cladem pestemque mone- 
bant , einer präposition bedarf der ablativ generosa stirpe in Ver- 
bindung mit profectus beim dichter ebenso wenig wie in prosa 
bei natus oder ortus; in dem bekannten epigramm Ciceros auf 
Terenz ist v. 4 quiddam come colens auf alle fälle eine höchst 
unglückliche conjektur, mir scheint loquens richtig überliefert 
und auch neben dicens erträglich •, in der Übersetzung einiger 
euripideischer verse, die Cic. Tusc. III, 25, 59 gibt, hat Baeh- 
rens wieder den ursprünglichen sinn völlig zerstört , überliefert 
ist mortdlis nemo est, quem non attingit dolor Morbüsque, multi 
sunt humandi liberi , wofür Lambin mit sehr leichter änderung 
den richtigen sinn herstellte: multis sunt etc.: nicht alle ei- 
tern haben das Unglück, viele kinder durch den tod zu ver- 
lieren; Baehrens schreibt morbique multi; aber auch nicht alle 
menschen werden von vielen krankheiten geplagt. 

In der Ordnung der fragmente des Ennius und Lucilius 
weicht Baehrens von den im allgemeinen gebrauch befindlichen 
ausgaben ab, oft ganz willkürlich, er wendet ferner eine andere 
zählmethode an , ohne dabei auf die Zählung seiner Vorgänger 
die geringste rücksicht zu nehmen. Die folge davon ist , daß 
man in der ausgäbe von Baehrens die bisherigen citate nicht 
finden kann und in zukünftigen citaten mit seiner Zählung sich 



400 82. Propertius. Nr. 7. 

nicht begnügen darf: es liegt liierin eine große rücksichtslosig- 
keit , welche den schärfsten tadel verdient. Wenn der Heraus- 
geber es nicht für der mühe werth hielt , die Zählung seiner 
Vorgänger auf irgend eine weise anzugeben , so hätte doch der 
Verleger mit rücksicht auf das kaufende publikum auf abstel- 
lung dieses mißstandes hinwirken müssen, der die ausgäbe vom 
praktischen gesichtspunkt aus für citate ganz unbrauchbar macht. 



82. De Propertii carminibus in libros distribuendis . . . 
sc. Ioannes de Pruzsinszky. Budapestini 1886. 

Der streit um die bucheintheilung der propertianischen 
elegieen ist in neuerer zeit mit besonderer lebhaftigkeit erwacht: 
für und wider Lachmanns eintheilung haben sich stimmen er- 
hoben, wenn gleich die zahl der gegner in der letzten zeit un- 
bedingt zugenommen hat. Auch der verf. der vorliegenden dis- 
sertation gehört zu ihnen. 

Nachdem Pruzsinszky in der einleitung kurz die gründe 
Lachmanns, dessen eintheilung, wie die ausgaben von F. Jacob, 
H. Keil, L. Müller, M. Haupt, J Vahlen, F. A. Paley zeigen, 
nicht solum pauci editorum receperunt, dann die erörteruugen von 
L. Müller, E. Bährens und R Voigt angeführt hat, geht er aus- 
führlicher auf die Lachmanns hypothese aufnehmende vermuthung 
Tb.. Birt's ein , die er nach keiner seite hin gelten lassen will ; 
selbst den dem umfang des zweiten buchs der codd. entuomme 
nen grund verwirft er : eine gründliche erörterung dieses puuk- 
tes mit gleich negativem resultat findet sich in dem gehaltvollen 
aufsatz von E. Reisch in den Wiener Studien IX, p. 94 sqq. 
p. 1 7 bespricht Pruzsinszky sodann das wichtige gedieht II, 10 
(= III, 1), mit dem Lachmann sein drittes buch beginnen wollte. 
Diese elegie, von den vielen mißhandelten elegieen des Properz 
eine der am meisten mißhandelten, da fast kein kritisches experi- 
ment an ihr unversucht geblieben ist , gehört meiner meinung 
nach wegen v. 16 noch vor 729/25, während sie Pruzsinszky 
mit Lachmann 730 oder 731 setzen will; wird doch v. 16 von 
einer erst vorbereiteten expedition geredet und nach der 
expedition des Aelius Gallus cf. Mommsen, R. Gr. V, p. 608 sqq. 
konnte der dichter Arabia nicht mehr intaeta nennen, am wenig- 
sten in einem dem Augustus gewidmeten gedichte: einen chro- 
nologischen grund gegen die Zusammengehörigkeit mit den ge- 



Nr. 7. 82. Propertiue. 401 

dichten des 2. resp. 3. buches kann ich also nicht gelten lassen. 
Im texte selbst will Pruzsinszky v. 9 und 12 nunc in tunc än- 
dern , womit meiner ansieht nach der ganze Zusammenhang des 
in gedankenentwickelung und composition [2. (2x6) mit einem 
schlußdistichon] vortrefflich gebauten gedieh tes vernichtet wird: mit 
v. 9 weist der dichter mit seinem volo auf v. 6 zurück, und 9 und 10 
stehen ebenso parallel wie v. 1 1 surge anima und sumite vires, 
Pierides; v. 12 würde tunc sogar in offenen Widerspruch zu iam 
negat treten ; v. 9 findet seine erklärung in dem temporal - cau- 
salen quando (cf. C. F. W. Müller ad Cic. de off. I, 9, 29). 
v. 12 und 24 widersprechen einander nicht; denn mit vilia tura 
ist unsere elegie — nicht ein theil derselben — bezeichnet, 
mit magni oris opus die aufgäbe, die ausdrücklich der Zukunft zu- 
gewiesen wird. Wenn aber der verf. über die von man- 
chem mißverstandene particida illa adversativa : sed nunc des an- 
fangs redet, so ist dies überflüssig, da das gedieht wohl mit sed 
(dieses sed ließe sich durch den analogen gebrauch von at cf. 
Vahlen Heroidenanfang p. 9 sqq. wohl erklären, ohne daß man 
den ausfall des anfangs anzunehmen hat) , aber nicht mit sed 
nunc anhebt. 

Das ganze so emendierte gedieht nun soll als ein dem Augu- 
stus dediciertes einzelgedicht ursprünglich für sich allein er- 
schienen und überliefert sein , dann an das ende der Sammlung 
der Cynthiagedichte gestellt und von da mit den ursprünglich 
den Schluß von III (IV) 24 bildenden versen scribant de te alii 
— für diese annähme beruft sich Pruzsinszky auf Pierre Fon- 
teine — von einem die lücke im 2. buch bemerkenden Schrei- 
ber, dessen klugheit dann auch durch Umstellung der beiden 
stücke (II (III) 10 und 11) eine naheliegende Verbindung von 
II, 9 mit II (III) 11 vermied, dort eingefügt sein, so daß man 
sich nunmehr weder über den Widerspruch zu den vorangehen- 
den und folgenden gedichten zu wundern braucht, noch auch 
mit Lachmann die elegie als einleitungsgedicht anzusehen hat. 
Es lohnt kaum, solche phantasien zu widerlegen. Denn II (III) 
11, welches epigramm (cf. Postgate Prop. sei. elegies p. 122) 
P. Fonteine nach Bährens' angäbe nicht an den Schluß, son- 
dern vor das letzte distichon des schlußgedichtes des III. (IV.) 
buches setzte, paßt gar nicht in den durch eventum formae 
disce timere tuae abgeschlossenen , in strengster gedankenfolge 
Philol. Anz. XVII. 28 



402 82. Propertius. Nr. 7. 

von v. 1 1 an ausgeführten Zusammenhang jenes gedichtes. Wer 
aber wird zugeben, daß II (III) 10 als eine von dem heraus- 
geber der propertianischen gedichte , wer er auch gewesen sein 
mag, übergangene einzelpublication existiert hat, besonders wenn 
er an die' parallele elegie IV, 9 , mit der ja auch manch fre- 
ventliches spiel getrieben worden ist, denkt? Mag das gedieht 
das prooemium eines neuen buches seiu, wie Lachmann behauptet 
und verlangt, aber nicht erwiesen hat , oder nicht, jedenfalls ist 
von einem definitiven aufgeben der erotischen poesie in ihm 
nicht die rede, vielmehr zeigt der schluß, daß der dichter nicht 
sowohl auf diese als auf die behandlung anderer stoße vor- 
läufig verzichtet. Weshalb soll es also an der durch die codd. 
ihm gegebenen stelle nicht stehen resp. gestellt sein können? 

Mit der entscheidenden stelle II (III) 13, 9 sq., für die 
auch Pruzsinszky, allerdings mit falscher interpunetion, die fas- 
sung des Neap. empfiehlt: sat mea sit magna si t. s. p. I. 1 ), 
weiß sich Pruzsinszky so abzufinden , daß er , gleichzeitige her- 
ausgäbe von Buch II und III (resp. II -4- III und IV) anneh- 
mend, behauptet, das die betreffenden verse enthaltende gedieht 
sei geschrieben , als das zweite buch im geist des dichters vol- 
lendet, aber noch nicht ediert war, (er sagt selbst, was zugleich 
eine probe seiner latinität sei: concedo quod fortasse volumen li- 
bri seeundi iam in animo poetae confectum, sed nondum editum 
fuerit), daß aber die menge der fertigen gedichte so wuchs, daß 
er das Zustandekommen eines dritten buches annehmen konnte; 
Properz edierte dann diese gedichte, ohne die chronologische Ord- 
nung zu wahren, so daß einzelne dem dritten buch angehörige 
ins zweite buch kamen; dazu gehört 111,13. Den einwurf, daß 
doch schwerlich jemand in einem zweiten buch von drei büchern 
reden wird — und Pruzsinszky will tres in seiner vollen nu- 
meralen bedeutung gefaßt wissen — weist er mit der entgeg- 
nung ab, daß ein dichter ohne weitere rücksiebten seine gedichte 
nur eleganter zu ordnen habe (was eleganter geordnet sei, dar- 
über wird sich schwerlich entscheiden lassen !) und factisch seien 
ja drei bücher ediert gewesen. Die hauptstelle , die gegen die 
zweitheilung von lib. II (III) spricht, II (III) 18 (24) 1, über- 

1) Für die längung des a in der Arsis der Thesis cf. Prop. V, 

5, 64. Tib. I, 7, 61. Verg. Aen. III, 464; in allen stellen außer bei 

Tibull folgt auf a ein s; keine ist von der kritik unangetastet ge- 
blieben. 



Nr. 7. 83. Griechische alterthümer. 403 

geht er ; daß mit seiner darstellung die frage gefördert sei, kann 
ich nicht zugeben. 

Gegen die bucheintheilung Lachmanns führt Pruzsinszky auch 
die auctorität der codd. an ; aber hier war doch zu bemerken, 
daß Neap. gar keine bucheintheilung kennt. Das von Heimreich 
herangezogene zeugniß des Nonius ist wichtiger: die erklärung 
Birts ist künstlich und die annähme einer corruptel der buch- 
zahl durch nichts indiciert. Daß weder die anfüh